Sieben am Sonntag 11.06.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Kein Grund zur Eile beim Lesen der Sieben am Sonntag diese Woche, es gibt eine komplette kurze Oper als Hintergrundmusik. The Dolls of New Albion ist der anderthalbstündige erste Teil der New-Albion-Trilogie von Paul Shapera. Die Trilogie dekliniert die zentralen historisch-literarischen Punk-Genres durch: Steampunk, Dieselpunk und Atompunk.
Dieser erste Teil erzählt die Geschichte von vier Generationen der McAlistairs im fiktiven New Albion ab Annebelle McAlistairs Erfindung von mechanischen Menschen, die mit den Seelen Verstorbener ausgestattet werden.
Die Oper gibt es als MP3-Album bei Amazon und iTunes:

Einbruch der Woche


Okay, vielleicht war es eine recht unspannende Woche, wenn ich ein Video von einem Bären übernehme, der bei einem Klavier nicht mal mit der Lefze zuckt. Oer eine mit sehr ausgefüllten Tagen, sodass ich recht wenig von den Nachrichten mitbekommen habe. Egal, hier ist ein Bär, der recht gut darin ist, ein plötzlich klingendes Klavier zu ignorieren — oder der hier nicht sein erstes Klavier sieht und Spass daran hat.
Aber was soll hier eigentlich „discordant“ heissen, liebe Washington Post? So klingt ein Klavier nunmal.

Erleuchtung der Woche

Der Velomojeep (Bild: ebay-Nutzer Bovimame)

Der Velomojeep ist jetzt endlich auch lichttechnisch legal (Bild: ebay-Nutzer Bovimame)


Bei den Lichtanlagen für Fahrrädern gab es bislang einige ungeklärte Fragen. Ob Bremslichter legal sind, war nie auch nur angesprochen worden. Ob Blinker am fahrrad legal sind, war eine Grauzone, die durch die unklare Verwendung des Begriffs „Fahrtrichtungsanzeiger“ in der Straßenverkehrsordnung geschaffen wurde.
Zum 1. Juni ist endlich eine Gesetzesänderung in Kraft, die den ganzen Bereich deutlich klarer regelt. Bremslicht ist jetzt ausdrücklich erlaubt. Blinker sind jetzt erlaubt, aber leider nur bei mehrspurigen oder verkleideten Rädern (warum auch immer) und an Anhängern. Und weil man jetzt an alles denkt, gibt es sogar Vorschriften für Fahrräder mit einer Breite von mehr als 1,80 Metern. Solche gibt es tatsächlich, zumal die Definition von „Fahrrad“ durchaus auch Kettcars und Tretautos erfasst, die als vierrädrige Fahrzeuge problemlos auch größere Maße erreichen können.
Auch ein zweiter Frontscheinwerfer ist jetzt erlaubt. Ein solcher ist zum Beispiel bei meinem Liegerad auf dem Ausleger vor dem Tretlager vorgesehen, um die komplette Länge des Fahrzeugs im Dunkeln erkennbar zu machen.
Leider gilt immer noch, dass Pedale gelbe Reflektoren nach vorne und hinten haben müssen,was bei Liegerädern immer noch bauartbedingt unmöglich ist — denn dort stehen die Pedale im Betrieb senkrecht, nach hinten weist also die Oberseite der Schuhe des Fahrers. Wer sich einem Liegeradler von hinten nähert, sieht schlichtweg nichts von der Pedale, weil da die Füße vor sind. Ebenso sind solche Reflektoren natürlich bei Velomobilen sinnlos, wo die Pedale innerhalb der Karosserie liegen. Naja, immerhin.
Die restlichen Vorschriften beziehen sich vor allem auf Winterbereifung. Davon habe ich keine Ahnung und es interessiert mich auch nicht weiter.

Ermäßigung der Woche

Endlich, nach mindestens 5 Jahren Hickhack, hat die EU den Weg für ermäßigte Mehrwertsteuer auf eBooks freigemacht. Vor allem Frankreich hat in den letzten Jahren wiederholt versucht, die niedrigere Steuer auf Bücher auch für eBooks anzuwenden, ist damit jedoch an EU-Vorschriften gescheitert.
Diese Vorschriften sind nun nicht nur Geschichte, die Senkung des Steuersatzes für eBooks ist jetzt sogar ganz ausdrücklich möglich. Damit dürfte der Unsinn der unterschiedlichen Steuersäze bald Geschichte sein.

Radanlage der Woche

Pflichtausstattung: Licht, Bremsen, Todesmut

Pflichtausstattung: Licht, Bremsen, Todesmut

Die Gladbacher Straße in Krefeld ist allgemein eine recht kreative Konstruktion. Als ich das letzte Mal vor ihr stand, verhinderte sie meine Einfahrt nach Krefeld, da sie (anders als Google Maps zu glauben scheint) nur für Autos freigegeben ist und weit und breit keine andere Straße in die Stadt führt. Diesmal habe ich es aber geschafft, Krefeld über einen benachbarten Waldweg auch mit dem Fahrrad zu erreichen und traf so auf diese abenteuerliche Konstruktion. Auch, wenn es sich hier um eine (mangelhaft ausgewiesene) Einbahnstraße handelt, ist ein links gegen die Fahrtrichtung führender Radweg auf der Fahrbahn schon eine ganz besondere Konstruktion.

Nagetier der Woche

Genehmigt - Bild: ebay

Genehmigt – Bild: ebay

„Nackenhörnchen“ ist ein doofes Wort. Es leitet sich wohl von der Form eines Hörnchens in der Bedeutung Croissant ab, aber wenn ich das Wort höre, stellt mein Kopf es automatisch in eine Reihe mit Eichhörnchen, Backenhörnchen, Streifenhörnchen, Flughörnchen und so weiter. Mit besonders niedlichen Nagetieren also. Und immer, wenn ich in einem Prospekt ein Angebot für Nackenhörnchen lese, denke ich zuerst an den Zoohandel.
Immerhin gibt es obige Variante, die mit meinem Gehirn einigermaßen klargeht. Eingermaßen.
Und weil das alles natürlich noch schlimmer geht, hier eine Halsgarnele:
Halsgarnele von Latinaric - Bild: Amazon

Halsgarnele von Latinaric – Bild: Amazon

Schnitt der Woche

Hobby: Amoklaufen

Hobby: Amoklaufen

Müham ernährt sich bekanntlich das Nackenhörnchen, doch das Projekt Bürgergarten kommt durchaus geschwind voran. Seit Montag kommt man jetzt sogar ohne den Einsatz von Expeditionswerkzeug (vor allem Macheten) auf das Gelände, denn den von Brombeeren zugewucherten Weg zum Garten habe ich inzwischen freigeschnitten.
Seit dem Foto sind die Reste natürlich auch weggeschafft, da muss niemand über ein Brombeerbuschnadelkissen laufen.


10G30T 1: Invasiv

„10 Geschichten in 30 Tagen“ oder eben kurz: #10G30T ist eine von Annika Bühnemann angestoßene Herausforderung, im Juni eben jene 10 Geschichten zu schreiben. Im Fall von Invasiv schlage ich als zweite Fliege mit dieser Klappe die dieswöchige Flash-Fiction-Challenge von Chuck Wendig, eine Flash Fiction über eine invasive Spezies zu schreiben. Gut, meine Auslegung des Begriffs invasiv war wohl eher nicht,was gemeint war und die hier ist etwas sehr kurz geraten, aber dafür folgt es am Mittwoch auch noch eine englische Version drüben im englischen Blog.
10g30t

Invasiv

„Sagen Sie, Herr Sammer, schlafen Sie zufällig auf der Seite?“
„Ja, aber ich glaube nicht, dass der Arm einfach nur eingeschlafen ist. Dafür geht das jetzt schon zu lange.“
Doktor Gern sah sich erneut intensiv die Unterseite von Georgs Arm an. Sein Blick war vom Unterarm, in dem das Problem lag, zu seiner Achsel gewandert, in der er etwas zu sehen schien.
„Das meine ich auch nicht. Sie haben hier eine auffällige Verletzung. Liegen Sie auf der linken Seite?“
„Ja. Verletzung?“
„Fast kreisrund, sehr frisch. Sie sagten, ihr Arm fühle sich extrem leicht an und die Feinmotorik sei stark eingeschränkt. Ist dort vielleicht Flüssgkeit ausgetreten, hatten Sie irgendwelche Verfärbungen in der Matratze?“
„Nicht, dass ich wüsste. Kommt sowas vor?“
„Bisher nicht, aber in diesem Monat sind Sie schon der Fünfte mit diesen Symptomen. Die Röntgenaufnahme müsste gleich kommen, dann kann ich sicher sein.“
Fast aufs Stichwort kam eine Assistentin in den Raum, eine zusammengerollte Röntgenaufnahme unter dem Arm. Sie hing es an die beleuchtete Wand im Untersuchungszimmer. Eindeutig ein Arm. Einer der Unterarmknochen schien gegenüber dne leuchtend hellen anderen Knochen etwas blass.
„Wie ich es mir dachte“, sagte der Arzt, ging noch einmal zu der Aufnahme herüber, um sie sich näher anzusehen, kam mit sicherem Blick zurück, ergriff Georg Sammers Arm und schlug ihn auf die Tischkante.
Er konnte hören, wie seine Elle zerbarst, aber der Schmerz war nicht mehr als bei einem Schlag mit der flachen Hand auf die Haut.
„Sind Sie bescheuert?! Sie sollen meinen Arm in Ordnung bringen, nicht zerstören!“
„Und genau das habe ich getan. Ist Ihnen nichts aufgefallen? Es hat nicht weh getan, oder?“
„Nicht wirklich“, erwiderte er verdutzt.
„Sehen Sie sich mal die Aufnahme an, fällt Ihnen etwas auf?“
„Einer der Knochen ist sehr blass.“
„Sehen Sie genauer hin!“
„Ich sehe nichts Besonderes.“
„Nicht? Dann ist es vermutlich normal, dass von Ihrer Ulna sechs Strahlen zu den Seiten und zwei in die Hand ausgehen?“
„Sie sind der Arzt. Sagen Sie‘s mir.“
„Nein, es ist nicht normal. Die meisten Knochen haben keine Beine und Fühler.“
„Keine was?“
„Keine Beine und Fühler. Sehen Sie, Sie haben einen parasitären Phasmiden. Hatten, jetzt dürfte er tot sein. Wir holen die Stücke des toten Phasmiden gleich raus.“
„Ich habe einen was?“
„Einen parasitären Phasmiden. Eine Stabheuschrecke, die es sich in den Gliedmaßen gemütlich macht, dort jahrelang vom Blut des Opfers lebt und dafür einen der dortigen Knochen ersetzt. Fiese Sache aus den Tropen, kommt mit dem Klimawandel hier hoch.“
Und das ist die Geschichte, wie Ludwig Sammer seinen Sohn davon überzeugte, doch noch das Familienunternehmen als Kammerjäger zu übernehmen. Mit der Hilfe eines befreundeten Arztes und einiger Gen-Ingenieure. Und wie er einen neuen Schrecken in die Welt brachte, der die Menschen vom Schlafen abhielt. Irgendwas ist ja immer.

ENDE


Sieben am Sonntag 04.06.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Das ist allem Anschein nach das Tihange-Thema. Ich habe keine Ahnung, warum es das Tihange-Thema ist, aber das ist nun so.
Immerhin ist klar, warum das Video ein Video zu einem Tihange-Thema ist, denn das Video sagt einiges über das 1975 in betrieb gegangene und nun dramatisch vor sich hin bröckelnde französische Atomkraftwerk in Belgien unweit von Aachen.

Eröffnung der Woche

Halle der Überflieger - Bild: Rollbrett-Union e.V./Facebook

Halle der Überflieger – Bild: Rollbrett-Union e.V./Facebook

Es ist inzwischen über ein Jahr her, dass ich mich (mal wieder) mit der sterbenden Innenstadt von Rheydt beschäftigt habe. Damals wurde von Zeitungen und lokaler GroKo ein Boom herbeigeredet, der nie statt fand. Mein Schluss damals war klar:

Wollen wir unsere Innenstädte und damit die Siedlungsstrukturen der Großstädte, wie wir sie kennen, erhalten, müssen wir weg von der gegenwärtigen Stadtplanung, die Innenstädte als Orte des überbordenden Kommerzes definiert, plant und fördert. Wir müssen zu einem Verständnis von Innenstädten, das nicht mehr fragt, was es dort zu kaufen gibt, sondern vielmehr, was es dort vorzufinden, zu erleben, gibt. Warum man dort hingehen sollte.

Nun hat letzten Sonntag im ehemaligen Kik auf der Hauptstraße in Rheydt eine Skateboardhalle der Rollbrett-Union aufgemacht. Das ist genau die Art von Einrichtung, an die ich gedacht habe. Das ist genau die Entwicklung, an die ich gedacht habe. Weg mit dem nicht länger konkurrenzfähigen Handel, her mit der Belebung der Innenstädte durch Einrichtungen neuer Art. Durch soziale Netzwerkpunkte, Sport, Kultur und Leben. Wirtschaft wird nicht völlig verschwinden, aber sie wird in Zukunft eine untergeordnete Rolle spielen gegenüber dem Leben in den Innenstädten.
Und bevor sich unser Baudezernent und die GroKo sich auch das wieder an die Brust heften und so tun, als wäre es ihres: Das ist die Frucht jahrelanger Arbeit der Skater in der Stadt.
Vorerst besteht der Rollmarkt bis Jahresende, aber ich hoffe sehr, dass er weit darüber hinaus besteht und einen festen Platz in Rheydt findet.

Abschaffung der Woche

Endlich, endlich, endlich, ist der Straftatsbestand der Verunglimpfung ausländischer Würdenträger (alias „Majestätsbeleidigung“) aus dem deutschen Recht gestrichen.
Was jetzt als nächstes folgen muss, ist natürlich der „Gotteslästerungsparagraph“. Dessen Gegenstück hat diese Woche Dänemark abgeschafft. In Deutschland funktioniert der gar so, dass bei religiös begründeter Gewalt die Opfer belangt werden können, weil sie provoziert hätten. Er kommt hierzulande glücklicherweise selten, aber eben doch so alle ein-zwei Jahre, zur Anwendung.

Gespräch der Woche

Geckos muss ich wohl kaum jemandem nochmal vorstellen, oder? Diese lustigen Echsen, die mangels Augenlidern immer ihre Zunge gegen die Augäpfel klatschen, damit die Augen nicht austrocknen?

Ja, genau, diese hier - Bild: Flickr/GaretTT

Ja, genau, diese hier – Bild: Flickr/GaretTT

Offenbar sind auch Geckos dazu in der Lage, ihre Kommunikation an die Bedingungen der Umgebung anzupassen. Das war bisher nur bei Vögeln und Säugetieren bekannt. Das hat jetzt das Max-Planck-Institut für Ornithologie nachweisen können. Es erweist sich eben zunehmend, dass die Kommunikation im Tierreich deutlich ausgefeilter und vielfältiger ist, als wir uns das lange vorgestellt haben.

Robocop der Woche

Mit eingebautem Tatütata? - Bild: Polizei von Dubai

Mit eingebautem Tatütata? – Bild: Polizei von Dubai

Dubai verfolgt offenbar den Plan, bis zum Start des neuen Blade-Runner-Films noch schnell dessen Zukunftswelt aufzuholen. Die fliegenden Taxis hatten wir ja schon im Januar hier im Blog.
Darauf folgen nun robotische Polizeikräfte. REEM soll die Aufnahme von Amtsvorgängen erledigen.
Für Deutschland wäre das übrigens zumindest zur Zeit keine Option. Genau diese Arbeitsplätze sind für Beamte, die etwa aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt im Aussendienst arbeiten können, lebenswichtig. Aber keine Sorge, früher oder später entmenschlicht der selbst irrationale Rationalisierungszwang auch diese Struktur. Und wir können dann alle mit 40 in Rente gehen.

Schlagzeilen der Woche

Hachja, die Verona und ihre Facebook-Pannen. Nein, ich weiss nicht, worum es da geht. Ich werde auch nicht nachschauen.

Ach ja, die Verona und ihre Facebook-Pannen. Nein, ich weiss nicht, worum es da geht. Ich werde auch nicht nachschauen.

Tja, so unterschiedlich können zwei Zeitungen ein und das selbe Ereignis sehen. Na gut, eine Zeitung und die Bild.
Es ist schon erstaunlich, wie komplett ab von der allgemeinen Wahrnehmung die Papierverschwendung des Springer-Verlages bei dem Vorgang war, bei dem die Polizei sich mit erheblicher Brutalität gegen ein paar Berufsschüler durchsetzt, die einen Mitschüler vor der Abschiebung bewahren wollten.
Immerhin dürfte jetzt vielleicht wenigstens ein wenig das Gerede von der gleichgeschalteten Presse abebben. Natürlich bewegt sich die Presse in einer gewaltigen aus sich selbst bestehenden Filterblase, aber die ist nicht von oben gesteuert, weshalb manchmal auch sowas entstehen kann.

Ticket der Woche

Großartiges System, hin und wieder funktioniert es sogar! - Bild: Die Bahn

Großartiges System, hin und wieder funktioniert es sogar! – Bild: Die Bahn

Schon ein bisschen älter, jetzt aus dem Verlauf nochmal in meine Hände gefallen: Die Bhan denkt mal wieder laut über die Abschaffung des Papiertickets nach. Weil Technik bei der Bahn ja immer so gut funktioniert.
Dass nicht jeder ein Handy, geschweige denn ein Smartphone hat, scheint dabei weniger wichtig. Dass ein Handy auch mal kaputt oder gar verloren geht, selbst wenn man täglich auf die Bahn angewiesen ist, ebenso. Aber man kann ohne Not eine technische Hürde für die Benutzung der Bahn einführen. Und ist es nicht das, was wir alle unbedingt haben wollen?


Sieben am Sonntag 28.05.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Literarische Einflüsse zu identifizieren ist entgegen der Behauptungen so mancher Germanisten und Konsorten ein nahezu unmögliches Unterfangen, wenn es nicht um die ganz großen Muster kultureller Entwicklung geht. Praktisch alle von uns sind ständig kulturellen Einflüssen ausgesetzt. Darunter sind eben nicht nur die großen, bekannten Namen, sondern auch ein ständiger Strom von obskur bleibendem Material, welches zufällig grade jene Künstler erreichte, welche es dann beeinflusste.
Ich habe diese Woche erstmals eine Kurzgeschichte an einen professionell zahlenden englischsprachigen Markt geschickt. Ob sie die Geschichte zur Veröffentlichung kaufen, werden wir dann sehen. Zuvor hatte ich sie bereits in einem Wettbewerb eingereicht, den sie aber nicht gewann.
Heute aber fiel mir spontan die wahrscheinliche Inspiration der Geschichte auf. Obwohl nicht Steampunk, sondern pure Science Fiction, fand ich doch eine stare Verbindung zu The Doctor’s Wife von The Clockwork Quartet. Und während ich die Geschichte momentan nicht veröffentlichen kann, weil ich sie ja noch an eine Zeitschrift oder eine Webseite verkaufen will, kann ich durchaus diese kleine Ballade hier einstellen. Vielleicht inspiriert sie ja weiteres.

Buch der Woche

Karsten Schuldt hat sich in wissenschaftlicher Form mit der Frage beschäftigt, was Bibliotheken im Umgang mit Armut tun können, was sie tun und wie arme Menschen Bibliotheken nutzen oder nutzen können. Was ursprünglich als Habilitation geplant war, wurde nun zu einer davon unabhängigen Veröffentlichung, die jedem ans Herz gelegt sei, der sich mit dem Thema kulturellen Zugangs bei finanziell schwachen Menschen beschäftigt: Sozialarbeiter, Bibliothekare, Kommunalpolitiker, kulturell aktive und wer sich sonst noch davon angesprochen fühlt. Einige werden sich an die gradezu giftige Diskussion erinnern, die vor einigen Jahren beim Thema Bibliotheksneubau in Mönchengladbach lief. Und ähnliches passiert wohl regelmäßig, wenn Kommunalpolitiker ernsthaft erwägen, Geld in Bibliotheken zu stecken. Aber sich wundenr, dass wir rekordträchtige Zahlen von Schulabgängenr ohne Abschluss haben.
Direkt vom Autor gibt es auch eine Version als PDF-Datei, die dann kostenlos zu haben ist.

Schuldzuweisung der Woche

Sehr geehrte Besucher, aufgrund Ihres hohen Alters ist unsere Leopardin leider gestorben

Schämen Sie sich!

Ich habe keine Ahnung, wo das hängt und wer es zuerst fotografiert hat, denn es schwirrt grade durch Twitter. Der wichtige Punkt ist, dass wir nun endlich wissen, wer schuld war: Sie!

Statue der Woche

Ein nackter Luther protestiert mit Schrift gegen den vergessenen Antisemitismus des Bibelübersetzers

Nicht zu lachen – Bild: Evelin Frerk/Das 11. Gebot

Ich habe ein ernsthaftes Problem mit der diesjährigen Luther-Verehrung. Wer mir länger folgt, wird das mitbekommen haben.
Luther war einer der einflussreichsten Wegbereiter des modernen Antisemitismus. Meinetwegen war er auch Antijudaist, scheisst der Hund drauf. Die Ideengeschichte bleibt die selbe: Luther war brennender Judenfeind. Und dass das praktisch verschwiegen wird, regt mich auf. Nun ist die Reformation sicherlich ein größeres historisches Verdienst als der Bau von ein paar Proto-Autobahnen, dennoch: Sowas kann man nicht einfach verschweigen. Insbesondere nicht bei Leuten, die grade wegen ihrer Weltanschauung bedeutsam geworden sind.
Entsprechend freue ich mich über diese Installation der Gruppe Das 11. Gebot, deren Kernforderung ist, dass der Kirchentag in Berlin gefälligst von der Kirche selbst bezahlt werden soll. Aber bei der ganzen Lutherjahr-Jubelei bleibt nicht aus, dass auch das zu thematisieren ist.
Auf der Rückseite findet sich dann übrigens konkret Luthers Aussage, wie man mit den Juden zu verfahren habe, zu finden in Luthers eher selten in Schulen besprochener Schrift Von den Juden und ihren Lügen.

Dinosaurier der Woche

Fossil eines Nodosaurus nahezu lebensecht erhalten

Wäre ich ein Fossil, ich würde wohl ähnlich dreinschauen – Bild: national Geographic

Dieses absolut beeindruckende Fossil eines Nodosauriers wurde von Bergarbeitern in Kanada gefunden. Nicht nur wurden ein Skelett und ein paar Teile des Panzers gefunden, das Vorderteil des Tiers ist lebensnah erhalten. Normalerweise vor der Versteinerung verschwundene Details wie die Schuppen oder das die Panzerknollen bedeckende Hornschild sind erhalten und die Form des Panzers ist nicht länger ein Puzzle, sondern zeigt seine Gestalt wie am lebenden Tier.
Die Nodosaurier waren nahe mit den bekannteren Ankylosauriern verwandt. Beide waren schwer gepanzerte mittelgroße Dinosaurier, die auf vier Beinen liefen und sich vermutlich von Pflanzen ernährten. Während die Ankylosaurier eine mächtige Keule am Ende ihres Schwanzes besaßen, fehlte diese den insgesamt schlanker gebauten Nodosauriern.
Erhalten sind auch Spuren der Mageninhalte, was für die Diskussion interessant ist, wie so viele so große Tiere wie zur Zeit der Dinosaurier gleichzeitig leben konnten. Denn dafür ist eine sehr klare Trennung der Nahrungsquellen nötig, damit die Tiere nicht zu stark konkurrieren.

Papier der Woche

Erinnert sich noch wer an das Thema Bürgergartenprojekt in der Innenstadt Mögnchengladbach? Das hier:?

Obstwiese an einem Hang

Ackerdistel Hugo und seine Freunde – Bild: eigen

Das ist jetzt fast ein Jahr her, danach steckte der Prozess aus verschiedenen Gründen heftig fest.
Zwischenzeitlich kam noch ein Imker dazu, der auch auf das Gelände wollte und wir mussten erstmal Bedenken ausräumen, unser Projekt sei damit erledigt. Dabei sind ein Bürgergarten und ein Bienenprojekt ganz hervorragend kompatibel — in einer frühen Phase hatte ich noch selbst überlegt, Bienenvölker anzusiedeln, davon aber mangels Fachkenntnis in der Bienenhaltung Abstand genommen.
Nun, ich habe gute Neuigkeiten: Seit Mittwoch liegt Transition Town prinzipiell ein unterschriftenreifer Vertrag vor, nach dem das Projekt am 1. Juni in Arbeit gehen kann. Ich denke, der Juni selbst wird noch von Vorarbeiten eingenommen und dann kann es losgehen. Wir haben damit dann bis 2022 einen Südhang von 0,6 ha für ein inklusives Gartenprojekt mit Hephata zugesichert. Ich freu mich drauf. Endlich.

Test der Woche

Greenpeace Österreich hat (leider nur bei Facebook) ein Video veröffentlicht, in dem sie einen Test zusammenfassen, wie lange diverse Lebensmittel nach dem angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum genießbar bleiben. Das Ergebnis ist durchaus beachtlich – ic hätte etwa nicht gedacht, dass Jogurt als Milchprodukt so lange anstandslos überlebt. Er bleibt offenbar sehr lange auf dem Stand „kurz umrühren, schon sieht er wieder gut aus und ist genießbar“ stehen, solange die in ihm lebenden Bakterienkulturen, die die Milch ja zu Jogurt machen, stabil bleiben.


Sieben am Sonntag 21.05.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Angedacht war ein weiterer Titel vom letztwöchigen Grand Prix Eurovision,aber erneut hat der Lauf der Geschichte reingespielt. Denn vor wenigen Tagen ist der Sänger von Soundgarden gestorben. OB es ein Selbstmord war, darüber wird noch gestritten. So oder so ist er nun tot und als Sänger eines der mir am besten in Erinnerung gebliebenen 90er Metal Songs bekommt er natürlich ein Tribut in Form eben dieses Titels.

Rückkehr der Woche

Fliegt, meine Hübschen, fliegt! - Bild: Schauzeit Rheydt

Fliegt, meine Hübschen, fliegt! – Bild: Schauzeit Rheydt

Die Schauzeit in Rheydt ist wieder da. Die einmonatige Veranstaltung, bei der leer stehende Ladenlokale in Rheydt an Künstler und Kreative verliehen werden, hat die Stadt 2015 erfolgreich belebt und einigen dieser Kreativen Kontakte und einen Einstieg in die lokale Szene ermöglicht. Und einige der Einrichtungen sind ja auch geblieben, mir kommt da insbesondere das nach seinem Standort benannte Harmonie 20 in den Sinn.
Eine gute Aktion, auf deren Wiederholung ich mich freue. Ich selbst habe auch eine Idee dazu, aber dafür muss ich noch ein wenig mit ein paar Leuten sprechen.

Verbotsforderung der Woche

Da sag noch einer, Technoskeptizismus (was ein Wort!) wäre ein rein deutsches Phänomen: In San Francisco laufen grade Versuche, ein geplantes Roboter-Liefersystem zu verbieten.

Stoff der Woche

T-Shirt-Fabrik der Zukunft? - Bild: IGV Biotech

T-Shirt-Fabrik der Zukunft? – Bild: IGV Biotech

Falschmeldungssender NTV berichtet in einem neuen Beitrag ganz ohne Falschmeldung über den Einsatz von Algen als Rohstoff in der Textilproduktion. Das ist ein interessanter Ansatz gegenüber der problematischen Baumwolle mit ihrem enormen Pestizid- und Wasserverbrauch.
Die alteingesessenen Unternehmer halten da natürlich wenig von und kommen mit einem der merkwürdigsten Argumente aller Zeiten:

Algen und Milch seien gute Ideen, eine Lösung der Probleme des Textilkonsums sieht sie in ihnen jedoch nicht. 25 Millionen Tonnen im Jahr liefere allein die Baumwollproduktion, die nur ein Drittel des Faserbedarfs abdeckte. „Wo sollen die ganzen Algen herkommen? Wie viele Kühe wollen wir uns hinstellen?“, fragt sie.

Das kommt von Alexandra Perschau. Nicht etwa einer Lobbyistin der alten Industrie (hoffe ich), sondern die für den Bereich zuständige Frau bei Greenpeace. Nunja, Frau Perschau, im Falle der Algen kann ich ruhig darauf hinweisen, dass diese Dinger im Ozean wachsen. Sie wissen schon, dieses große blaue Ding, das 71% der Erdoberfläche bedeckt. Da sollte Platz sein.

Radteil der Woche

Warum nicht? - Bild: Bridgestone

Warum nicht? – Bild: Bridgestone


Bridgestone kündigt ein Rad ohne Luftreifen an, welches statt dessen mit thermoplastisch verformbarem Kunststoff federt. Wem diese Technik vage bekannt vorkommt, der hat wahrscheinlich schon vom Loopwheel gehört, welches mit einer Carbon-Kunststoff-Feder im Rad die Federung des Rahmens überflüssig macht.
Beide brauchen im Gegensatz zu Luftreifen etwas Spiel nach oben, da sich das gesamte Rad beim Federn verformt. Das dürfte zu Problemen bei sehr knapp gebauten Rahmen führen, aber mit einem richtig dimensionierten Rahmen und Rad wird das eine ganz gute Option für unkaputtbare Reifen.
Nur vermutlich recht teuer.

Fahrrad der Woche

Die neue Form von Trethilfe

Die neue Form von Trethilfe

Hier noch ein Nachtrag von der Sternfahrt letzte Woche Samstag. Dieses Rad fuhr in der dieses Jahr etwas sehr von Normalofahrrädern dominierten Sternfahrt nach udn durch Düsseldorf ein paar mal vor mir her. Das Gestänge funktioniert auch tatsächlich und das sieht dann ein wenig aus, wie wenn jemand auf einem Bügelbrett durch den Verkehr trockenschwimmt. Eine Alltagssituation, die sicher alle hier kennen werden, weswegen sie sich so gut als Vergleich eignet.

Kissen der Woche

kackkissenMein Sofa ist nun komplett.


Vorm Abgrund stehen und weitergehen

Ich hatte nicht erwartet, dass der Misserfolg der Grünen in NRW dermaßen hohe und vor allem langlebige Wellen schlägt. In der Debatte geht grade eine Menge schief. Es ist alles andere als einfach, das in eine vernünftige Reihenfolge zu vertexten, aber ich will es mal versuchen. Gleich als Ausblick: Ich halte thematische und konzeptionelle Oberflächlichkeit und mangelnde Kommunikation für das Hauptproblem. Weiter geht es in den Abschnitten nach dem Bildchen.

Ja, das 1. und 2. hat einen Sinn. Den hat nur niemand verstanden. Einschließlich der meisten Wahlkämpfer

Ja, das 1. und 2. hat einen Sinn. Den hat nur niemand verstanden. Einschließlich der meisten Wahlkämpfer.
Dazu komme ich nachher noch.


Professionalisierung kontra Profil

2015 gab es auf der LDK (Landesdeligiertenkonferenz=Landesparteitag) einen Antrag zum Thema „Keine religiösen Symbole an und in Gebäuden des Landes“. Völlig gleich, was man von diesem Thema hält, es war eine wichtige Debatte zu der Zeit. Debattiert wurde es freilich nicht, es wurde von der Tagesordnung genommen mit dem Hinweis, der Vorstand bespreche das nochmal intern. Das war wegweisend: Fortan gab es keine Debatten. Wir waren voll auf die Presse hereingefallen, die jegliche Prozesse öffentlicher Findung von Positionen gerne als Zerstrittenheit darstellt. Und wir tun dies im übrigen immer noch, selbst jetzt grade in Bezug auf die Landtagswahl. Bloß keine Kontroversen führen! Es soll eine missverstandene Geschlossenheit demonstriert werden, die verhindert, dass man die Probleme anspricht.
Die Partei, insbesondere die Parteileitung, jagt einem Phantom der Professionalisierung hinterher.

Bloß nichts sagen

Kann sich jemand an konkrete Forderungen der Grünen zur Landtagswahl erinnern? Nein? Nun, das hat einen Grund: Das Nachäffen der Wahlkämpfe anderer (vornehmlich Österreich und Baden-Württemberg), kombiniert mit Professionalisierung in Form von Zielgruppenanalyse. Das eine ist, dass uns dank Zielgruppenanalyse alle weggebrochen sind, die nicht zu unserer Kernzielgruppe gehörten. Das andere ist die grundsätzlich mangelnde Konkretheit.
Eine Lehre, die aus Österreich immer wieder betont wurde, war der Erfolg politisch hohler Lifestyle-Events. Forderungen machen nur schlechte Presse, Events machen gute Laune. Wenn der Landesverband etwa feststellt:

Die wirtschaftliche Zukunft des Industrielandes NRW hängt vom Gelingen der Energiewende und dem ökologischen Umbau der Wirtschaft ab. Es ist uns nicht gelungen, die Chancen dieses Wandels herauszustellen.

dann kann ich dazu nur sagen: Wir haben es ja auch gar nicht versucht! Ich wüsste keine einzige Veranstaltung auf Landesebene, bei der dies getan wurde. Wir waren aktiv so unpolitisch wie es für eine Partei nur ging. Leichte Beute für eine umso politischer agierende konservative bis neoliberale Seite, die den Leuten erfolgreich einreden konnte, sie seien in NRW unsicher und überhaupt wäre alles ganz schlimm. Wir hatten genug im Programm, aber nur abstrakte Sprüche ohne konkrete Aussagen auf den Plakaten.
Das gilt allerdings für alle Ebenen: Die Führung hat es präsentiert, aber wir an der Basis haben es geschluckt, bestenfalls geschwiegen.

Und manchmal haben wir diskutiert, dann aber halt Blödsinn. Wen interessiert es, ob die Kinder bis zum Abitur acht oder neun Jahre brauchen? Das interessiert niemanden. An diese Stelle hätte eine Debatte über Unterrichtsinhalte und Vermittlungsmethoden gehört, um diesem Blödsinn den Wind aus den Segeln zu nehmen, bevor er verfängt.
Doch ob G8, Ganztagseinrichtungen oder Inklusion: Der Karren ist vor die Wand gesetzt worden, weil wir das Ziel im Auge hatten, aber niemand den Weg kannte. Und wenn man in so einer Situation einfach eine grade Linie von Start zu Ziel fährt, der läuft halt Gefahr, dazwischen ein paar Wände zu übersehen. Oder auch ein paar Bergketten.

Kurz vor der Wahl kamen nochmal ein paar Themen auf den Tisch. Das Ticket um für 2 € am Tag durch ganz NRW fahren zu können (zum Vergleich für alle, die das zu teuer finden, das entspricht für einen Monat etwa drei Tagen hin und zurück für meine alte Pendelstrecke Mönchengladbach-Düsseldorf) kam und das Thema Bienen.

Die Blindheit, mit der wir übersehen haben, dass soziale Fragen das sind, was die Menschen zur Zeit umtreibt, war beachtlich. Nein, Martin Schulz‘ Kanzlerkandidatur war keine Überraschung. Das war von dem Moment an offensichtlich, als er sich am Höhepunkt seiner Popularität aus Brüssel zurückzog. Und selbst wenn — man brauchte keinen Schulzzug, um die Bedeutung der Themen Armut und Verelendung zu erkennen. Wir selbst zeigen ja immer wieder auf das Thema der sich öffnenden wirtschaftlichen (ich finde die Bezeichnung als soziale Schere etwas bekloppt, es geht ja um Einkommen, nicht um den Freundeskreis) Schere. Alle reden über die Flüchtlinge (ja, immer noch), wo bleiben unsere Konzepte zur Integration? Gut, wir haben ja auch keine für die Inklusion, wir hoffen bei solchen Wörtern mit „In-“ stets, das sich das von selber löst, wenn wir nur fest genug daran glauben (siehe obige Aussage mit den Wänden).

Aber welcher Teufel treibt eigentlich eine bereits kriselnde Partei dazu, Koalitionen auszuschließen? Ich meine, ich will auch keine schwarz-grüne Koalition, aber um Himmels Willen, durch einen solchen Beschluss gewinnt man niemanden und vertreibt dafür so manche Wechselwähler.

Und dann die interne Kommunikation: Unsere Kampagne wurde intern als Geheimsache behandelt, als könne man den Orts- und Kreisverbänden nicht vertrauen. Was auch zur Folge hatte, dass nur eine kleine Anzahl von Mitgliedern die Erklärung der auf unaufgeklärte albern wirkenden 1.-2.-Plakate kannte. Solche Marketing-Eskapaden jenseits der Lebenswelt der Kundschaft sind ein typisches Phänomen fehlgeleiteter Professionalisierung.

Alle gegen uns

Natürlich hat das auch externe Ursachen. Die Berichterstattung über die Grünen ist unterirdisch und von Sensationsgier geprägt.
Randnotizen und vorsichtige Überlegungen, ob etwas vielleicht eine sinnvolle Idee sein könnte, werden zu massiven Forderungen aufgebläht. Jede Diskussion darüber wird zu einem Streit stilisiert. Damit haben wir umzugehen verlernt. Statt dies als Gelegenheit aufzugreifen, für seine Positionen zu werben oder die Debatte ins Rollen zu bringen, ziehen wir uns zurück und überlassen jenen das Feld, die daraus einen Strick für die Partei drehen. Wir meisseln unsere Aussagen immer glatter, immer inhaltsloser, damit sich ja niemand daran stößt.
Doch warum sonst werden wir denn an der anderen statt gewählt wenn nicht, um genau das anzusprechen, was die anderen nicht ansprechen?

Hier ist, was ich von der Grünen Partei in Zukunft als Ziel ihrer politischen Kultur erwarte:
Mehr Mut zur Meinung.
Mehr Mut zur Debatte.
Mehr Mut zur Individualität.
Weniger Marketing-Bla.

Dann wird das auch wieder was.

Ich verstehe den Ruf nach Geschlossenheit, aber ich befürchte, wir verwechseln diese mit demonstrativer Lernresistenz. Letztere wäre der berühmte Schritt, den man in Zukunft weitergehen will, wenn man heute am Abgrund steht.



Sieben am Sonntag 14.05.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.
Diese Woche mit ein paar zusätzlichen Einträgen aus der Vorwoche, da ich die übersprungen habe. Der heute endende Wahlkampf kann ziemlich viel Zeit kosten, da fallen andere Dinge manchmal runter. Ein Blog zum Beispiel. Aus dem selben Grund geht dieser Beitrag auch online, während ich nicht zu Hause bin. Also nicht wundern, wenn die Verweise in den sozialen Netzwerken erst einen Tag später kommen.

Musik der Woche

Es interessiert mich nicht, ob der sülzige Portugiese letzte Nacht des ESC gewonnen hat, das hier ist mein Gewinner der Herzen. Beim Publikumsvoting fett abgeräumt, bei der Kritik rasselnd durchgefallen: Hip Yod, wie ich es jetzt nenne, ist ebenso großartig wie bescheuert.
Ich weiss, der Portugiese mit der Gargamel-Gestik hat eine Menge Herz in sein Lied gesteckt (coração kam gefühlte 100 mal darin vor), aber er hat halt nicht gejodelt. Und deswegen sind hier jetzt Ilinca und Alex Florea statt des ursprünglich angedachten Everybody Wants to be a Cat aus Aristocats, das mir bis dahin die ganze Woche im Ohr hing.
Das ist einfach mal was anderes und es macht Spass.

Übersetzungsarbeit der Woche

"Bis dann und danke für all den Fisch!" - Bild: Pexels

„Bis dann und danke für all den Fisch!“ – Bild: Pexels

Das neue schwedische KI-Unternehmen Gavagai hat Pläne angekündigt, bis 2021 mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) delfinisch zu übersetzen.
Die Idee, dass die Kommunikation von Delfinen sich übersetzen lässt ist nicht neu und wird dadurch verkompliziert, dass Delfine nicht ausschließlich mit Lauten kommunizieren, aber es ist dennoch ein interessantes Projekt. Delfinsprache(n) dürften allerdings deutlich einfacher zu übersetzen sein als menschliche Sprachen. Menschen sprechen einfach über ganz andere Dinge als Delfine es vermutlich tun. Deshalb ist diese Arbeit als Vorläufer der Übersetzung menschlicher Sprachen durchaus interessant. Übersetzung bei Menschen ist ja schon bei Texten mehr als unperfekt (Video hinter dem Link).

Inhaftierung der Woche

ki-autofalleHier ist das komplette Video. Mehr muss ich dazu eigentlich gar nicht mehr sagen.

Reform der Woche

Saudi-Arabien hat überraschend seine Gesetze gegen Frauen gelockert. Konkret dürfen Frauen dort künftig:

– künftig arbeiten, ohne vorher Männer zu fragen.
– Krankenhäuser und Universitäten besuchen, ohne eine Erlaubnis einzuholen.
– staatliche Angebote wie Sozialleistungen nutzen – auch ohne Vormundschaft.

Als nächstes wird ihnen noch erlaubt, Auto zu fahren. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten.
Ja, es ist alles absurd und Länder wie Saudi-Arabien sind in einer vorsintflutlichen Welt gefangen. Doch die Entwicklung zeigt, dass es nicht mehr möglich ist, in der heutigen Welt noch als Hort der Ungerechtigkeit dazustehen. Es sei denn, man macht es wie Nordkorea und schottet sich komplett von allen äusseren Einflüssen ab. Und selbst das wird nicht ewig halten.

Fahrrad der Woche

Schräg! - Bild: ebay

Schräg! – Bild: ebay

Ich glabe, das ist eine Art von Drift-Trike. Da ich nichts von Drift-Trikes verstehe, bin ich da aber nicht sicher. Auf jeden Fall ist es mit diesen riesigen Hinterrädern ein recht kurioses Kettenfahrzeug und im übrigen noch etwa eine Woche lang bei eBay zu ersteigern. Wenn es also jemand haben möchte: Viel Erfolg!

Richterspruch der Woche

Ein kleines bisschen weniger Vernichtung -  Bild: Flickr/350.org

Ein kleines bisschen weniger Vernichtung –
Bild: Flickr/350.org


Die Besetzung von Teilen des Tagebaus Garzweiler II 2015 im Rahmen von Ende Gelände war legal. Der Vorwurf des Hausfriedensbruches sei nicht haltbar, da das Gelände nicht ausreichend abgegrenzt gewesen sei.
Das ist ein guter Sieg für die Widerstandsbewegung gegen die Zerstörungen von RWE im Namen des Profits.

Depri-Aufnahme der Woche

Wrack eines Traums - Bild: Claus Hecking/Spiegel Online

Wrack eines Traums – Bild: Claus Hecking/Spiegel Online

Zugleich eine absolute Leseempfehlung ist Claus Heckings mit vielen ausgezeichneten Fotos versehener Artikel auf Spiegel Online über das Schicksal der Transrapid-Teststrecke im Emsland. Einst ein Vorzeigeprojekt deutscher Ingenieurskunst, zeigt es auch, mit welchen Widerständen große Erfindungen immer wieder zu tun haben und wie schwer es ist, sie umzusetzen. Das ist weder etwas neues, noch etwas, was man nur in der Vergangenheit findet. Die Bilder und der Bericht sind dafür aber so wundervoll stellvertretend.
Immerhin steht es nicht um alle Transrapids so schlimm. Drei sind in Shanghai im Einsatz, die meisten der anderen stehen als Andenken vor Museen und Firmen, darunter auch die andere Hälfte des im Bild zu sehenden TR-06.

Frage der Woche

Es gibt Fragen im Leben, die muss man sich einfach stellen. „Warum eigentlich kämpfen Ritter in den Schmuckbildern mittelalterlicher Buchabschriften ständig mit Killerschnecken?“ hat bisher nicht dazu gehört. Nun erkenne ich inzwischen dank des untigen Videos, welch großer Fehler das war. Warum das Video die Lombarden des siebten Jahrhunderts und die Lombarden genannten italienischen Kaufleute am Niederrhein des 13. Jahrhunderts zusammenwirft, weiss ich allerdings auch nicht. Zwischen den beiden Gruppen liegt fast ein Jahrtausend. Ein Jahrtausend in Unterdrückung durch die großen Schneckentyrannen der Lombardei, von späteren Generationen voll Scham aus den Chroniken getilgt.
Wenige Leute wissen das, aber die Ballade von Hans Olos Widerstand und seiner tapferen Schneckentöterin Leja ist bis heute eine der einflussreichsten Überlieferungen aus dieser Zeit.

Überflieger der Woche

Das ist so ziemlich das seltsamste Flugzeug, das ich seit einiger Zeit gesehen habe. Und ich sehe einiges an seltsamen Flugzeugen. Seltsam anmutende Gefährte sind so eine Art Hobby von mir. Das überrascht wahrscheinlich niemanden, der dieses Blog etwas länger verfolgt.
Der Lilium Jet ist ein voll elektrisches Flugzeug mit Senkrechtstart-Fähigkeit. Eine interessante Variante des fliegenden Autos, schon allein, weil es mit Strom betrieben wird und daher nicht wie alle anderen mir bekannten Konzepte auf fossile Energien angewiesen ist.
Das einzige Problem dürfte die Form sein: Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Fahrzeug bei einem Ausfall noch gleitet. Es sieht aus, als würde es ohne Motor fallen wie ein Stein. Dafür ist immerhin ein Fallschirm drin.
Ich denke inzwischen, es ist nahezu unvermeidlich, dass wir bis 2020 in einigen Städten fliegende Taxidienste sehen, wahrscheinlich in China oder den Ölmetropolen Arabiens. Dubai hat entsprechende Pläne ja schon Anfang des Jahres vorgestellt.


Grün muss

Es gibt derzeit diesen seltsamen Mythos, die Grünen hätten sich erledigt. Ihr Ziele seien erreicht, es gäbe nichts mehr für sie zu tun. Das ist absurd. Natürlich haben die Grünen einiges erreicht, aber sie, wir, sind weit davon entfernt, zu erreichen, wofür wir einst als neue Kraft angetreten sind.
Ja, wir haben unsere Probleme. Beispielsweise konnte ich im internen Netz schlichtweg keines unserer Plakate als einfache Bilddatei zum Einbinden auf einer Webseite finden und muss daher nun die 11 Ziele nehmen. Und ja es gibt auch politische Probleme. Ich komme da weiter unten noch zu. Aber vor allem: Unsere Mission ist noch nicht am Ende. Umes ganz klar zu sagen: Die Welt ist am Arsch und niemanden ausser uns scheint das zu interessieren.

Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW

Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW

Die Welt retten

Ja, richtig gelesen, die Welt ist am Arsch. Und die Volksparteien geht das passenderweise an selbigem vorbei. Wenn sie die Probleme nicht ausdrücklich per Dekret für nichtexistent erklären, wie das die marktradikalen Parteien FDP und AfD beim Klimawandel tun.
Der Klimawandel läuft, ob es den Lobbyisten der fossilen Energien gefällt oder nicht und er ist ein echtes Problem. Selbst jene, die es besser wissen müssten, sehen ihn als abstraktes Phänomen, welches den gegenwärtigen Profiten gefälligst nicht im Weg zu stehen hat. Eine Suppe, die spätere Generationen gefälligst auszulöffeln haben. Dabei beginnen wir bereits die Folgen zu sehen. Jahrelange Dürren treiben Länder in den Bürgerkrieg. Neue Krankheitserreger breiten sich in exotischen Ländern wie Hawaii oder — mancher wird schon dort gewesen sein — Deutschland aus.

Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW

Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW

Kann man den Grünen vorwerfen, nicht genug zu tun? Vielleicht. Aber zum einen sind sie die einzigen, die überhaupt etwas dagegen tun, zum anderen tun sie dies im ständigen Kampf mit jenen Kräften, die in ihrer Kurzsichtigkeit lieber den Planeten vor die Hunde gehen lassen als auch nur einen Euro weniger Profit zu machen. Gegen jene, die meinen, es brächte ja eh nichts, dann könnten wir auch gleich mit Öl ins Feuer gießen.
Und das selbe Problem sehen wir auch anderswo. Deutschland versagt grade massiv dabei, an den wichtigen Zukunftstechnologien teilzuhaben. Erneuerbare Energien? In die Pleite getrieben! Elektromobilität? Nach Lippenbekenntnissen ignoriert! Und wo andere uns ablösen wollen, fangen sie Stimmen mit Rückschritt — ich meine, Jagderlaubnis auf Katzen, wirklich? Unterdessen will die SPD nicht mal die moderate Forderung mitmachen, wenigstens die 10 schlimmsten Dreckschleudern im Rheinischen Braunkohlenrevier abzuschalten.

Lippenbekentnisse und Gier

Überhaupt, die Altetablierten und ihre Blendgranaten. „Seht, wir tun was“, wird da gerne gerufen und dann tropft es vor laufender Kamera auf den heissen Stein mit einem Schnitt in dem Sekundenbruchteil, bevor der Tropfen zischend als Dampfwölkchen verpufft. Da lässt sich dann die Bundesregierung für lächerliche 25 Millionen € für Radschnellwege feiern, ein Betrag, mit dem man auf Höhe Düsseldorfs noch nicht mal die Hälfte der Strecke vom Rhein an die deutsche Westgrenze schafft. Merkel lässt sich als Klimakanzlerin feiern, während ihre Regierung die Solarindustrie zu Grund richtet und mit dem Dieselskandal eine zunehmend veraltende deutsche Autoindustrie deckt, statt ihr endlich mal in den faulen Arsch zu treten, damit sie als einstige Erfinderin des Automobils nun den Anschluss nicht verliert.
Die Presse gefällt sich unterdessen darin, möglichst plakative Halbwahrheiten zu verbreiten, die sich besser verkaufen als die Fakten. So wie beim Veggie-Day. Oder zuletzt auch bei der Frage nach einer deutlichen Vereinfachung der Steuerformulare, die ganz nebenbei auch der Gleichberechtigung dienen würde.

Das Problem mit den Opportunisten

Natürlich haben die Grünen auch interne Probleme. Wenn ein Winfried Kretschmann beispielsweise aus seinem Kalkül als Ministerpräsident die großen Autobauer in Stuttgart deckt, ist die Zeit gekommen, Willy Brandt rauszukramen und einfach die Sozialdemokraten durch die Grünen zu ersetzen:brandt-sozenJede ausreichend große Partei hat das Problem, dass einzelne Gruppen dazu übergehen, lieber im Dienste guter Wahlergebnisse Opportunismus zu betreiben statt für ihre Sache einzutreten.
Aber das sind Einzelpersonen. Wir können es uns nicht leisten, ihren Verfehlungen zu viel Aufmerksamkeit zu schenken und darüber aus den Augen zu verlieren, dass es um so viel mehr geht, als die Dummheiten von ein paar Opportunisten, die es geschafft haben, auf dem grünen Ticket mitzufahren.

Wie es ist

Wir stehen vor großen Herausforderungen. Und die Grünen sind die einzigen in der Politik, die sowohl willens als auch in der Lage sind, sich ihnen zu stellen. Sie sind nicht perfekt, sie sind nicht allmächtig, aber sie sind das Beste, was wir haben.


Sieben am Sonntag 30.04.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Erinnert sich noch wer daran, wie Meghan Trainor Trainors Al About That Bass? Das war ein angeblich körperpositiver Song über die Attraktivität voller Hintern. Dagegen ist jetzt wenig zu sagen, ausser dass Trainor nicht umhin konnte, dabei auch gleich dünne Frauen anzugreifen. Also Zeit, eine bessere Version anzugehen und den Refrain etwas wörtlicher zu nehmen. Und wo ein guter Bass benötigt wird, findet man schnell einen, wenn Jonathan Young auftaucht.

Entpackung der Woche

Wie Laser wohl schmeckt? - Bild: Rewe

Wie Laser wohl schmeckt? – Bild: Rewe

Ein fast schon regelmäßiger Aufreger sind aktuell in Plastik eingeschweisste Bio-Lebensmittel. Aus gutem Grund, macht man doch mit der Verpackung einiges von den ökologischen Vorteilen des Bio-Anbaus umgehend zunichte. Rewe hat sich nun entschieden, dazu eine Alternative anzugehen: Statt einer Plastikfolie für den Aufdruck wird dieser in Zukunft einfach per Laser in die Schalen der Früchte gefräst.

Robocalypse der Woche

Unterdessen, in Südkorea (Aufs Bild klicken für Video/Gif)- Bild: bgr.com

Unterdessen, in Südkorea (Aufs Bild klicken für Video/Gif)- Bild: bgr.com

Südkorea ist gemeinsam mit Japan eine der am höchsten technisierten Gesellschaften der Welt. Diese Länder haben einfach einen anderen Umgang mit Technik, sie sehen sie allgemein deutlich positiver als der Westen, der dieses Potenzial rein technologisch ebenso hätte.
So wundert es auch nicht, dass ausgerechnet von dort Videos des bisher fortgeschrittensten kommerziellen Mechs kommen. Mechs sind in der Science-Fiction große Roboter, die nicht autonom arbeiten, sondern einen Piloten benötigen. Sie sind in japanischen Anime beliebt, kommen aber auch andernorts ab und an vor. Ein berühmtes beispiel wäre der Ladegutroboter aus Aliens.
Für das Verladen von Gütern dürfte der Hankook Mirae Technology Method-2 nicht geeignet sein, sehr wohl aber beispielsweise für Grenzpatrouillen oder den Einsatz bei der Polizei. Für diese ist der hohe Aussichtspunkt sehr hilfreich. Militärisch ist ein so hohes und sturzgefährdetes Gerät allerdings wohl eher nicht zu gebrauchen – so gern manche Anime-Fans das auch im echten Leben sehen würden.
So oder so, beeindruckend ist das Teil auf jeden Fall.

Geburtshelfer der Woche

Was da oben zu sehen ist, ist der Test einer künstlichen Gebärmutter, die Kälber ein gutes Stück vor dem bisher sicheren Zeitpunkt am Leben halten kann. In den vier Wochen, die sie in den Beuteln verbrachten entwickelten sich ihre Körperfunktionen und ihre Organe ganz normal, wie sie es auch im Muttertier täten. Ein deutlicher Fortschritt gegenüber der mit Folgeerkrankungen insbesondere der Lungen in Verbindung stehenden jetzigen Maßnahmen, um Frühgeburten mit erheblicher Mühe bis zu einem sicheren Zeitpunkt am Leben zu halten.
Die Technologie ist nun für den probeweisen Einsatz bei menschlichen Frühgeburten bereit. Die Forscher erwarten mit diesem Durchbruch die Entwicklung künstlicher Gebärmuttern noch in diesem Jahrhundert – ob man dies nun als Fortschritt oder Schreckensszenario sehen möchte, sei jedem selbst überlassen.
Dieser Zwischenschritt jedoch ist eine gute Entwicklung, die viele Leben retten kann.

Robohelfer der Woche

Endlich der perfekte Roboter: PancakeBot! - Bild: Storebound LLC

Endlich der perfekte Roboter: PancakeBot! – Bild: Storebound LLC

Die Maschinen versuchen ein zweites Mal, nach dem Riesnrobote runser Vertrauen wiederzuerlangen. Frühchen am Leben halten ist das eine, aber die Königsdisziplin menschlicher Sympathien folgt auf dem Fuße: Die Gestaltung von Motivpfannkuchen.

Insekt der Woche

So sehen Helden aus! - BIld: United States Geological Survey

So sehen Helden aus! – Bild: United States Geological Survey

Ich bin kein Freund von Leuten, die Raupen in Plastiktüten tun und dann wegwerfen. Nun bin ich ein wneig geneigt, da bei Federica Bertocchini aus Spanien eine Ausnahme zu machen, immerhin hat ihr genau jenes Verhalten gegenüber einem kleinen Imkereischädling eine erstaunliche Erkenntnis gebracht.
Die Raupen der Großen Wachsmotte sind in der Lage, bestimmte Kunststoffe zu verdauen, genauer gesagt Polyethylen. Polyethylen ist der mit Abstand häufigste Kunststoff für Verpackungen, da hat es also genau den Richtigen getroffen.
Die Raupen können den Kunststoff dem Bericht nach erstaunlich schnell zersetzen. Die Forscher aus Spanien wollen die Enzyme, welche die Raupe dazu benutzt nun als Grundlage für eine neue Art von Kunststoffabbau einsetzen. Warum sie nicht einfach die ohnehin häufig als Labortieren eingesetzten Raupen dafür nehmen, verstehe ich allerdings nicht. Aber ich bin ja auch kein Raupologe (Coleopterologist?).

Klimafolge der Woche

Aus der Reihe "Untermieter, die niemand haben will" -  Bild: US Center for Disease Control

Aus der Reihe „Untermieter, die niemand haben will“ –
Bild: US Center for Disease Control

Es gibt Dinge, die ich definitiv nicht haben will. Die eosinophile Meningoenzephalitis klingt schon so, als würde sie sich Mühe geben, dazuzugehören. Und in der Tat handelt es sich um eine potenziell tödlich verlaufende Hirnentzündung. Ein möglicher Auslöser ist das oben abgebildete Tierchen, der Ratten-Lungenwurm Angiostrongylus cantonensis aus dem Südpazifik. Nun ist der Südpazifik zum Glück etwas weit entfernt. Noch, denn es gibt da ein Problem: Der Wurm scheint sich auszubreiten und ist immerhin schon in Hawaii angekommen. Als Grund dafür gilt der Klimawandel.
Damit stellt sich der Lungenwurm in eine länger werdende Liste gefährlicher Parasiten, die dem sich verändernden Klima in Regionen folgen, die dafür nicht gewappnet sind. Mitteleuropa hat in dieser Beziehung ja schon mit verschiedenen Mückenarten zu tun, die Krankheiten und Parasiten mit sich bringen.

Bonus

Letzte Woche gab es hier ja einen kleinen Ausfall dieser Reihe. Das muss ich natürlich erklären: Ich wurde vone ineer düsteren Prophezieung bedroht. Nichtsahnend suchte ich Online nach Bildern von Trilobiten, als mich diese Manifestation des Bösen virtuell attackierte. Okay, es könnte auch damit zu tun haben, dass die Tierwelt beunruhigend menschlich wurde. Oder beides hängt ohnehin zusammen.
Ich sag euch, die planen was. Wahrscheinlich sind das mit den Chemtrails auch in Wirklichkeit Flughunde, die die Flugzeuge als Tarnung nutzen, während sie uns ausrotten.
Denkt dran, wenn die Menschheit dann ausgestorben ist: Ihr habt’s hier zuerst erfahren.

Fthagn und so weiter - Bild: Ali Express

Fthagn und so weiter – Bild: Ali Express


Sieben am Sonntag 16.04.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Normalerweise habe ich ja eine bis jetzt grade unsausgesprochene Regel, das ein Künstler in der Musik der Woche nur eine Erwähnung bekommt. Aber heute ist Ostern und da brauche ich ein Video mit einem Hoppelhäschen, also gibt es ein Metalcover von Psys Gangnam Style vom schwedischen Metalcoverversioneneinspieler Leo Moracchioli. Den gab es hier zuletzt Anfang März, damals mit Scatman.

Beschluss der Woche

Frankreich hat beschlossen, das Atomkraftwerk Fessenheim an der Grenze zu Deutschland bei Freiburg abzuschalten. Zwar wird es mit Abschaltung 2018 nur durch ein anderes AKW ersetzt, aber wenigstens ist damit eines der beunruhigenderen Uralt-Kraftwerke vom Netz. Das AKW Fessenheim liegt derzeit ohnehin still und nun dürfen wir hoffen, dass es in seiner kurzen Restzeit nie wieder eingeschaltet wird.
So kann Frankreich zwar weiter lustig Atommüll produzieren, aber wenigstens fliegt er uns nicht mehr ganz so schnell um die Ohren.

Abschaltung der Woche

Nicht nur angekündigt, sondern tatsächlich abgeschaltet ist seit dieser Woche dann auch Kopp Online. Die Seite, das Zentrum für rechte Verschwörungstheorien, besonders alberne Falschmeldungen und selbst für Esoteriker zu bescheuerten esoterischen Quatsch, wird fortan nicht mehr mit neuen Inhalten beliefert. Offenbar war selbst die Leserschaft dieses Mists nicht bereit, dafür auch noch Geld zu zahlen.
Das lässt hoffen, was die Zukunft der Verblödung angeht. Vielleicht lesen die Leute den Schrott tatsächlich nur hipstermäßig-ironisch. Das wäre schön.

Zubehör der Woche

Ich weiss, ich habe im ersten Moment auch gedacht, die Frau fährt rückwärts Rad -Bild: Fancy

Ich weiss, ich habe im ersten Moment auch gedacht, die Frau fährt rückwärts Rad -Bild: Fancy

Aus Griechenland kommt eine etwas günstigere Alternative zum Wetterschutz des Velomobils: Der Regenschirmhalter fürs Fahrrad von Senz erscheint mir zwar ein wenig überbepreist, aber was weiss ich denn schon, schließlich habe ich ja noch nie einen Regenschirmhalter fürs Fahrrad gehabt. Oder gemacht. Okay, ich habe schonmal einen Sonnenschirmhalter fürs Fahrrad gemacht, aber dafür musste ich auch nur zwei Ringschellen mit zwei weiteren Ringschellen am Rahmen festmachen. Was vermutlich auch reichen würde. Hmm.
Okay, günstigerer Plan: Viererset Ringschellen gibt’s im 1-€-Shop, aber ich sag nicht,für wieviel.
Hilft zwar nicht gegen Chemtrails, aber da Kopp Online ja nicht mehr bespielt wird, gibt es die ja auch nicht mehr.

Elektromobile der Woche

Ohne Kühlergrill hat der irgendwie was von Voldemort - Bild: E.Go Mobile AG

Ohne Kühlergrill hat der irgendwie was von Voldemort – Bild: E.Go Mobile AG

Stuttgart und Wolfsburg fallen in Sachen Elektromobilität ja eher dadurch auf, komplett den Anschluss zu verpassen. Womit das Ende der deutschen Autoindustrie absehbar wäre, gäbe es da nicht die RWTH Aachen. Während der von dort stammende eScooter der Post überaus erfolgreich ist und bald auch in den Privatverkauf gehen könnte, nachdem die Post diese Woche den Bau eines zweiten Werkes ankündigte, rollt 2018 ein weiteres aachener Elektroauto auf die Straßen.
Der E.Go Life der neuen Firma E.Go MObile AG, dessen kleiner Bruder E.Go Kart übrigens als vierrädriges Fahrrad gefahren werden kann und vom Bau sehr leicht mit einem Dach versehen werden könne, lassen sich bald vorbestellen und sollen dann nächstes Jahr vom Band rollen. Mit 16.000 € ist er zwar ein ganzes Stück teurer als Renault Twizy, dafür liegt er aber vom Bautyp ohnehin eher auf dem Level eines Twingo.
Ich hoffe meine Versuche, so zu tun, als wüsste ich irgendwas von Autos, haben funktioniert.

Buch der Woche

felgenkillerIch hatte bereits erwähnt, dass es diese Woche einen neuen Krimi von Thomas M. Claßen gibt, der in einer fiktiven Großstadt am Niederrhein namens Grawenhorst spielt, welche verdächtig einer Großstadt am Niederrhein namens Mönchengladbach ähnelt und die gleich zu Beginn in einen Wald führt, der verdächtig dem Stadtwald ähnelt? Mal abgesehen von all den Dingen, die in einem Krimi ohnehin verdächtig sind, weil es sich schließlich um einen Krimi handelt?
Hatte ich schon? Na, dann ist ja gut.
Und trotzdem muss ich jetzt noch ein bisschen mehr schreiben, denn sonst sieht die Seite schief aus, weil das Bild links neben diesem Punkt mit dem Bild vom nächsten Punkt kollidiert und das dann seltsam aussieht. So ist das halt beim Schreiben in einem dynamischen Medium wie dem Internet und Fließtext in HTML. Manchmal muss man gezielt viel schreiben, um den Abstand zwischen Objekten sicherzustellen. Zumal ich ohnehin ein tägliches Schreibziel von 1.000 Wörtern habe und da es schon spät ist wäre es absolut töfte, wenn ich das noch mit diesem Blogbeitrag erreichen würde.
Jetzt sind es übrigens 917 Wörter mit dem Teiltext, der gleich noch kommt. Das ist schonmal nicht schlecht, aber die Bilder sind noch nicht ganz getrennt.
Na gut, ich hätte auch einfach das Bild verkleinern können, aber man muss ja nicht immer den einfachen Weg gehen. Es klappt ja auch so und jetzt ist es vollbracht.
Das Buch hatte ich schon erwähnt, nicht? Gut. Felgenkiller. Gibt’s im Buchhandel. Und bei Amazon. Unter anderem.

Penis der Woche

Der restliche Garten lässt leider zu wünschen übrig - Bild: Werner Kerschbaummayer

Der restliche Garten lässt leider zu wünschen übrig – Bild: Werner Kerschbaummayer

Für eine Religion, deren zweitwichtigstes Symbol auffällig antiken Darstellungen einer Vagina ähnelt, hat das Christentum erstaunlich viel Probleme mit Geschlechtsorganen. So auch im österreichischen Traunkirchen, wo ein Sammler neben einem Pilgerpfad ein neu erworbenes Kleinod aufgestellt hat. Das erbroste die Gemeinde und so gab es vorhin verlinkte Presse-Berichterstattung zu der ganzen Affäre. Was offenbar durchaus in der Absicht des überaus amüsanten Grundbesitzers lag.
Nun, der Konflikt wurde gelöst. Auf die bestmögliche Weise.
gnihihi - BIld: Werner Kerschbaummayr

gnihihi – Bild: Werner Kerschbaummayr