Freitägliche Fünf 22.01.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal geht es vor allem ins Grüne. Eingebettet, falls sich wer über die Optik der Seite wundert, in die ersten Ausläufer einer Überholung des hiesigen Blogdesigns.

1. Critical Mass Viersen

Quasi von letzter Woche nachgereicht: Die Critical Mass in Viersen am vergangenen Freitag war ein voller Erfolg. Laut ADFC waren es 40-50 Teilnehmer. Auffällig war die Vielfalt an Fahrzeugtypen: Neben diversen Arten von normalen Niederrädern fanden sich unter anderem Lastenräder, Kurz- und Langliegeräder, gleich zwei Velomobile, ein Handbike und ein Liegedreirad. Kräftige Unterstützung aus Mönchengladbach steuerten wir Großstadtradler bei.

Für jeden etwas dabei - Bild: StadtradelnMG bei Twitter

Für jeden etwas dabei – Bild: StadtradelnMG bei Twitter

2.SuperMEAT

Das Projekt SuperMEAT hat sein Crowdfunding-Ziel bei Indiegogo erreicht. Allerdings ist mir nicht ganz klar, was die mit den 100.000 USD machen, wenn sie für einen Prototypen eine halbe Million brauchen. Naja, besser als nichts.
Das Ziel von SuperMEAT ist es, in großem Maßstab Fleisch ohne Tiere herzustellen. Ob das funktioniert und wer das nun alles wieder für widernatürlich hält, werden wir dann sehen.

3. Seltene Schmetterlinge nebenan

Raupen des Jakobskrautbären an Jakobs-Kreuzkraut

Wenn Ringelsocken Insekten wären. Der kleine Schmetterling unten rechts gehört übrigens nicht zur selben Art und ist mir erst nach dem Fotografieren aufgefallen – Bild: eigen

Am Donnerstag entschied ich mich, erneut das gute Wetter zu nutzen. Das eigentlich beabsichtigte Bild (die Dächer von Rheydt über die Felder an der Landwehr hinweg fotografiert) wurde aufgrund der zu grellen Lichtverhältnisse eher so mittelmäßig, aber auf dem Rückweg begab ich mich noch durch eine stillgelegte Kiesgrube in der Nähe, wo ich massenhaft Raupen des Jakobskrautbären fand.
Der Jakobskrautbär ist ein seltener und schöner Nachtfalter, der allerdings manchmal in großer Zahl an einzelnen Stellen auftritt. Einfach zu fotografieren waren die mit meiner Kompaktkamera nicht, da die ständig auf den Hintergrund fokussierte, aber ein paar Bilder habe ich doch bekommen. Sehr schöne Raupen, die ich noch nicht kannte.

4. Nutria

Nutria im Wasser

Niedlicher Niers-Nager – Bild: eigen

Die große Nutria-Population von Mönchengladbach ist bekannt, aber Dienstag habe ich erstmals ein Exemplar völlig unversteckt selbst gesehen. Ich mag die, sehen aus wie zu groß geratene Meerschweinchen. Und sie gehören auch zu den unproblematischeren Neozoen, die keine nennenswerten Schäden anrichten.

5.Purino Bambini Urban Gardening

Logo des Bambini Urban Gardening

Bild: Purino

Das Purino hat am Donnerstag einen eigenen Garten für Zutaten angelegt, dessen Erzeugnisse auch im Restaurant verarbeitet werden. Auch wenn ich beim Standort (im Hardter Wald) nicht sicher bin, ob das nun wirklich gut ist, grundsätzlich ist es aber eine gute Sache, wenn Gastbetriebe Zutaten im eigenen Garten anbauen.


Sonntägliche Sechs 17.07.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Erneut verspätet und dafür länger. Ich habe den Freitag wegen Krankheit verpasst und der Samstag war dann mit dem CSD in Mönchengladbach ausreichend gefüllt. Sonderlich toll war die Nachrichtenlage der Welt diese Woche ja auch nicht. Aber ausfallen werden die Freitäglichen Fünf deswegen noch lange nicht. Es gibt immer genug Gutes aus Welt und Leben zusammenzutragen.

1. Saubere Pokémon

Fragt einfach nicht wie das rollt - Bild: Mags

Fragt einfach nicht wie das rollt – Bild: Mags

Ich halte die Mags für eine der dümmeren Ideen unserer GroKo in Mönchengladbach. Ich meine, da holen wir mit der Ampel die Gesellschaftsanteile des Entsorgungsunternehmens GEM in die Hände der Stadtverwaltung und dann geht die GroKo nach der Wahl hin und verschlimmbesser das alles dahingehend, dass plötzlich die gesamte Sauberkeit und Grünpflege privatisiert ist.
Wie dem auch sei, die positive Nachricht hierbei: Ich mag dieses Plakat wirklich. Das hat eigentlich nichts mit der Mags zu tun, ich mag einfach nur dieses Plakat.

2. Modische Pilze

3. Bleibende Bäume

Kaiser-Friedrich-Halle

Mal an den Bäumen vorbeifotografiert – BIld: MGMG

Ich sehe ja allgemein noch Hoffnung für meinen Wohnort. Ich meine klar, sonst wäre ich nicht mehr hier. Hoffnungsschimmer der Woche ist die Reaktion der Stadtspiegel-Leser auf das Ansinnen der FDP, vor der Kaiser-Friedrich-Halle nicht nur die Werbebanner, sondern vor allem auch die Bäume zu entfernen. Baumentfernung zur Erreichung eines so kleinlichen Ziels wie der Schaffung von Sichtachsen ist so ein feuchter Stadtplanertraum, bei dem ich inzwischen das kalte Kotzen kriege.
Und allem Anschein nach bin ich da nicht allein. Ich meine, ich wurde schon mehrfach auf das Vorhaben angesprochen udn fast durchgehend mit ablehnender Haltung, aber in politisch-kommerziellen Kreisen fand man diese Barbarei im Kontrast dazu tatsächlich toll.

4. Tote Bäume

Mit inzwischen drei Filialen wächst Wortwerke, eine norddeutsche Buchhandlung, die sich auf Selbstverleger spezialisiert hat, kräftig um sich.

5. Plasticine Abgase

Ich habe anders als viele keinerlei Probleme mit Plastik. Es ist ein großartiger und einmaliger Werkstoff, ohne den die Welt, wie wir sie heute kennen, kaum existieren könnte. Natürlich bringt er aber auch Probleme mit sich. Das eien Problem ist das Abfallproblem. Lösung: Plastikmüll gehört so weit wie möglich vermieden und der Rest gehört nicht in die Umwelt. Das andere Problem ist, dass Plastik meist aus Erdöl hergestellt wird und spätestens bei seiner Verbrennung zur jenseits jeglichen Maßes überhöhten CO2-Produktion der Menschheit beiträgt. Mögliche Lösung hierfür: CO2-neutrales Plastik.
Die andere Lösung ist der vermehrte Einsatz von Holz (welches in seiner Produktion ebenfalls CO2 bindet), aber für Verwendungszwecke, wo dies nicht geht, wäre solches Plastik großartig.

6. Earthship 2.0

Bild aus Facebook, Urquelle finde ich nicht mehr

Bild aus Facebook, Urquelle finde ich nicht mehr

So mancher mag jetzt denken „Oh mein Gott, wie furchtbar die Vermüllung“, die Krabbe indes denkt einfach nur: „Super, ein Haus!“


Dumme Dinge

dohmen_screen_420Manchmal sagt man als in der Öffentlichkeit stehende Person, insbesondere als Politiker, etwas wirklich, wirklich dummes. Kenne ich. Wirklich, sehr, sehr gut. Haben wir alle oft genug gesehen, schließlich ist grade erst eine Fußballmeisterschaft durch und Fußballer können das ja auch sehr gut. Und dann findet man Screenshots seines Beitrags auf drittklassigen Blogs irgendwelcher anderen Kommunalpolitiker. Insofern Glück gehabt, diesmal war es ein erstklassiger. Gut, da sind die Fußballer besser dran, die landen dann nur in der 11 Freunde.
Das praktische an so einem Screenshot ist, wenn er sich ohne weitere Kommentierung selbst erklärt. Daher: Siehe rechts.

Okay, ungünstig, aber kann passieren, so ein Ausrutscher. Ist ja auch ein komplizierter Einstieg, der erste Satz. Wenn man mit so einem Logikknoten beginnt, macht man es sich nicht leicht. Gut, ein paar durcheinandergewürfelte Tempus ergeben halt einen unnötig verwirrenden Satz. Gemeint war wahrscheinlich: „Was gestern falsch war, muss auch falsch gewesen sein bleiben, auch wenn es heute möglicherweise nicht mehr falsch ist.“
Ein Meisterwerk des deutschen Satzbaus wäre das gewesen! Inhaltlich trotzdem Murks, aber dazu komme ich noch (im Abschnitt „Rettungsleine“).
Tja, und dann fallen die Stichworte „Zeitgeist“ und „scheinbares Unrecht“. „Scheinbares Unrecht“. m(
Nun machte die Geschichte ihre Runden. Als Lokalposse nationaler Aufmerksamkeit aus Mönchengladbach in der Presse, in der Politik, natürlich in der Homosexuellen-Szene. Am kommenden Wochenende ist in Mönchengladbach Christopher-Street-Day.
Okay, das kriegen wir noch hin.

Rettungsleine

Auftritt Dieter Breymann als Retter in der Not. Breymann weiss, wie man Debatten führt, wann welcher Ton anzuschlagen ist und überhaupt, wie man sich benimmt. Er also reagiert nun mit einem Facebook-Beitrag, der sich wohl aus Solidarität ein paar Hiebe auch nicht entgehen lässt und den Begriff „Hexenjagd“ in die Diskussion bringt, aber im Kern enthält sein Beitrag die Rettungsleine für Christoph Dohmen.

Wie eine Gesellschaft bzw. ein Staat mit rechtskräftigen Gerichtsurteilen umgeht, ist zunächst eine rechtsphilosophische Frage. Rechtskraft und Rechtssicherheit sind Auswirkungen des Rechtsstaatsprinzips. Ob man mittels Entschädigungsleistungen rechtskräftige Urteile rechtsstaatlicher Gerichte „heilt“ bzw. „heilen kann“ ist daher eine Frage, die nicht nur diskutierbar ist, sie ist auch des Diskurses würdig. Man muss diesbezüglich nicht die Position des Kollegen Dohmen teilen, allerdings ist ihm die seine zunächst zuzugestehen, zumal bei ihm keine homophobe Begründung erkennbar ist. Soviel in der Sache!

Die Option, das ganze Desaster zu einer juristischen Fachdebatte zu machen, ist hier schlichtweg die eleganteste. Man kann sogar davon ausgehen, dass dies Dohmens Absicht war. Ich halte es sogar für ein Merkmal einer guten Diskussion über juristische Fragen, die persönliche Meinung hinter dem eher auf Logik beruhenden Diskurs von Gesetzen zurückzustellen, auch dann, wenn einem die Gesetze nicht gefallen.
Dohmens Auffassung halte ich ganz klar für falsch, die Strafbarkeit der Homosexualität war schon immer grundgesetz- und menschenrechtswidrig und somit auch dann nicht rechtens, als es in der Bundesrepublik Deutschland ein entsprechendes Gesetz gab. Die grundsätzliche Diskussion um die Frage der Rechtssicherheit und ob sie auch so ausgelegt werden sollte, dass Strafen rückwirkend entschädigt werden sollen, wäre dennoch eine interessante, wenn auch eine vergiftete. Das ist ja bei weitem nicht das erste Mal, dass Deutschland Opfergruppen seiner Politik oder der eines einverleibten Staates für erlittenes Unrecht entschädigt.

Das hohe Gut der Entschuldigung

Die Entschuldigung (im Bündnis mit der Vergebung) halte ich für eine der höchsten und wichtigsten Errungenschaften der menschlichen Zivilisation, irgendwo da oben mit dem Ackerbau und der Schrift. Ein Zeugnis von Verständnis und Demut, dessen Glaubwürdigkeit die fortgesetzte Funktionsfähigkeit einer sozialen Gruppe nach einer persönlich verursachten Krise garantiert. Eine ehrliche Entschuldigung ist ein mächtiges Mittel, Konflikte zu lösen. Allerdings, eine unehrliche oder auch nur unehrlich erscheinende Entschuldigung vermag es, den Weg zur Vergebung zu verbauen. Deswegen ist das Formulieren einer Entschuldigung eine wichtige Fähigkeit.
Zunächst einmal müssen Verständnis und Demut deutlich vorhanden sein. Das bedeutet, man entschuldigt sich nicht nur, man führt aus, wofür man sich entschuldigt und macht so klar, dass man das Problem verstanden hat (Verständnis) und dies als Fehler erkannt hat (Demut).

Clusterfuck

Es gibt genau zwei Dinge, die man in einer Entschuldigung nie tun sollte, weil sie dem Sinn und Zweck einer Entschuldigung widersprechen und diese als fehlerhaft oder gar unehrlich erscheinen lassen. Zum einen bezeichnet man sich nicht selbst als Opfer einer „Hetzkampagne“ oder dergleichen und zum anderen unterlässt man eine Wiederholung des Fehlers noch in der Entschuldigung. Hier ein schlimmstmögliches Beispiel aus der Rheinischen Post:

„Ich habe in mehreren Posts versucht geradezurücken, dass es mir nicht darum geht, Homosexuelle zu diskriminieren. Der Vorwurf der Homophobie ist abstrus.“ Er bleibe bei seinem Standpunkt und der Kritik an Bundesjustizminister Maas. Aber: „Ich bedaure den Post, weil er ungewollt jemanden verletzt haben könnte und nun im Netz eine Hetzjagd stattfindet.“

Sorry, aber das Problem war zu keinem Zeitpunkt die Formulierung. Das Problem lag in der Aussage des Satzes. Damit wäre schonmal ein Beweis fehlenden Verständnisses erbracht. Die ziemlich krummen Vorstellungen bei Christdemokratens, was homophob ist und vor allem, was nicht, helfen da wenig. Und dann folgt sofort die Klage, dass „nun im Netz eine Hetzjagd“ stattfinde, was als Beweis für fehlende Demut erscheint. Somit ist diese Entschuldigung keine, da sie die Wesensmerkmale einer Entschuldigung aus sich heraus negiert und nicht hinterlässt als das enthöhlte Wort „Entschuldigung“, reduziert zu einer reinen Aneinanderkettung von Buchstaben ohne Bedeutung. Da wäre mir lieber gewesen, Dohmen würde einfach zu seiner politischen Position stehen.
Um auf meine Geschichte zurückzugreifen: Der einzige Grund, aus dem das damals bei meiner Guttenberg-Goebbels-Geschichte so ging war, dass damals tatsächlich die Formulierung und nicht die Aussage dahinter das Poblem war. Ich habe damals einen Fehler gemacht, ich habe gezeigt, dass ich die Fehlerhaftigkeit meines Verhaltens erkenne und worin ich diese zu erkennen glaube, habe mich dann entschuldigt und sodann vermieden, den Fehler zu wiederholen. Was ich nie getan hätte: Ich hätte nie eine Entschuldigung geschrieben, wenn ich mich im Recht gewähnt hätte. Vielleicht hätte ich den Fehler falsch erkannt, das kann mit Sicherheit passieren und wäre in der Formulierung der Entschuldigung aufgefallen. Dohmen wähnt sich aber allem Anschein nach weiterhin im Recht und schreibt dennoch eine durchsichtig nicht ehrliche Entschuldigung.
Entschuldigungen sind wichtig, man entwertet sie nicht durch Unehrlichkeit.
Das ist dumm.


Zweiwöchige Zehn 10.07.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal an einem Sonntag und zu zehnt statt zu fünft, da ich den zweiten Freitag in Folge verpasst habe und das jetzt einfach mal in die Welt muss.

1. Gegen Tihange in Aachen

Der Europaplatz wird von heimischen Extremisten (wie mir) abgeschirmt

Der Europaplatz wird von heimischen Extremisten (wie mir) abgeschirmt

Am 26. Juni war ich erstmals seit 2001 wieder in Aachen, und ebenso erstmals seit 2001 mit dem Fahrrad in Aachen. Dort stand eine Demo gegen den von Aachen nicht weit entfernten Schrottreaktor Tihange 2 an. Die Demo war durchaus beeindruckend, ein paar tausend Menschen mit den letzten noch erhältlichen Aachener Anti-Atom-Schirmen umringten den übrigens wirklich schönen Aachener Europaplatz mit Musik und die Gelegenheit nutzend im Wasser planschendem Nachwuchs.

2. Frischebox beim Edeka

Leider kann ich das Video vom Facebook nicht für maximale Eyecatcherei hier einbetten, also muss ich das halt textlich rüberbringen: Edeka in Kolb (Nordbayern, wenn mich nicht alles täuscht) probiert das Einkaufen mit wiederverwendbaren Verpackungen aus. Die wegen Verwechselbarkeit etwas ungünstig benannte Frischebox gibt es für 5 € Pfand und wird im Laden zurückgenommen, um sie gereinigt wieder verwenden zu können.

3. Verwandle den Hass!

Künstler Ibar Omani nimmt sich Hakenkreuzschmierereien und dergleichen vor und verwandelt sie in niedliche Hoppelhäschen und andere hübschere Bilder. Artikel in der SZ, leider mit Paywall.

Ich gehe mal davon aus, dass das nicht mehr als Hakenkreuz zählt - Bild: Legacy Grafitti via SZ

Ich gehe mal davon aus, dass das nicht mehr als Hakenkreuz zählt – Bild: Legacy Grafitti via SZ

4. Bezahle, Windows 10!

Ungewolltes Windows-10-Upgrade bekommen? Gute Nachrichten, dafür kann man jetzt Entschädigungen erstreiten. Zumindest in Kalifornien, wobei 10.000 USD bei amerikanischen Schadensersatzprozessen dieser Größenordnung sehr niedrig ist. Da geht noch mehr!

5. UPS-Lastenfahrräder

Eigentlich wollte ich mich hier freuen, dass mit dem Einsatz von UPS-Lastenfahrrädern in Herne die Verbreitung und Veralltäglichung von Transportfahrrädern voranschreitet, da bekomme ich mit, dass es die Dinger schon seit mindestens einem Jahr in Hamburg gibt. Aber wisst ihr was? Trotzdem toll!

Lpf? Wie nennen wir ein Lastpedalfahrzeug? - BIld: Wikimedia Commons/Flor!an

Lpf? Wie nennen wir ein Lastpedalfahrzeug? – Bild: Wikimedia Commons/Flor!an

6. Das Ozonloch schließt

Da muss man tatsächlich nicht mehr viel zu sagen, das Ozonloch scheint sich definitiv zu schließen.
Der m.E. bisher größte Erfolg in der Geschichte der internationalen Diplomatie und der Umweltpolitik.

7. Ich habe Feuer Zahnpasta gemacht!

Beiseite, Tubenpaste, hier kommt der neue König!

Beiseite, Tubenpaste, hier kommt der neue König!

Nachdem ich nun alles da hatte, habe ich mich mal an das Experiment Zahnpasta begeben. Die machen viele selbst, wenn sie versuchen, Verpackungsmüll zu vermeiden oder wenigstens zu verringern. Bei Veranstaltungen mit Zero-Waste-Leuten (ich nenne es lieber Weniger Waste) gehen allerdings die Meinungen weit auseinander, wie genau man Zahnpasta ersetzen soll.
Manche empfehlen blankes Bürsten, andere Dentaltabs oder Zahnputzpulver. Hin und wieder finden sich auch Salz oder Natron als alte Hausmittel. Aus dem arabischen Raum stammt das Kauen auf Miswak, Zweigen oder Wurzeln des passend benannten Zahnbürstenbaumes.
Ich bin da ein Mensch für Bewährtes und wollte so doch eine Zahnpasta. Es gibt im Netz etliche Rezepte für Zahnpasta, die sich allesamt sehr ähnlich sind. So beschloss ich, die alle zu nehmen, zu vergleichen und zu den zum Glück nicht so zahlreichen Zutaten zu recherchieren, wie die wirken, insbesondere beim Zähneputzen. Das führte dazu, dass ich die durchgehend angegebenen 3 Esslöffel Natron auf einen reduzierte (scheuert zu stark für solche Mengen) und im Ausgleich das nirgends erwähnte Xylit hinzugab. Nicht alle Rezepturen enthielten Calcium-Magnesium-Pulver, aber die, die es enthielten, erklärten den Einsatz als Mineralienlieferant für Zähne und Zahnfleisch sehr gut und plausibel.
Natron reinigt und neutralisiert Säuren, Xylit und Kokosöl unterstützen nachgewiesen die Heilung angeschlagener Zähne, Calcium wird dafür benötigt, Magnesium hilft bei der Calcium-Aufnahme und das ätherische Öl fördert den Speichelfluss.
Und hier nun mein Rezept für Zahnpasta.
Zutaten: 3 EL Kokosfett, 1½ EL Xylit, 1 EL Natron, 2 Tl Calcium-Magnesium-Pulver, ca. 10 Tropfen ätherisches Öl (eine Minze oder Citrusfrucht)
Herstellung: Kokosöl verflüssigen (einfach in die Mittagssonne stellen), andere Zutaten zugeben und alles gut vermengen.
Verwendung: Mit einem Löffelchen o.ä. auf die Zahnbürste geben. Diese Paste schäumt nicht wie gekaufte Zahnpasta, daher reicht hier keine erbsengroße Menge, sondern etwa doppelt so viel. Achtung: Kokosöl schmilzt knapp über Raumtemperatur (bei ca. 24°C), an warmen Tagen kann es also sein, dass die Mischung flüssig ist.

8. Tischtransport

Ob man mit so einem Liegerad auch einen Stehtisch transportieren kann? Aber klar doch!

Mein Beitrag zum Wikipedia-Eintrag für das Stichwort Eleganz

Mein Beitrag zum Wikipedia-Eintrag für das Stichwort Eleganz

9. Tourfieber

Da Mönchengladbach zur Bewerbung der Gladbacher Etappe aus Markenschutzgründen nicht den Namen und das Logo der Tour de France benutzen kann, wenn die Tour de France für ein paar Minuten durch die Stadt zuckelt, hat sie ein eigenes entworfen. Und das finde ich perfekt. Was für eine wunderschöne Darstellung eines Rennradfahrers beim Durchqueren eines Gladbacher Schlaglochs.

Oder ein wirklich bemerkenswertes Brillendesign - Bild: Stadt Mönchengladbach

Oder ein wirklich bemerkenswertes Brillendesign – Bild: Stadt Mönchengladbach

10. Kaffeesatzleselamperei

Kaffeesatz ist ein super Rohstoff. Als Dünger, Grundlage für Pilze, Scheuermittel und Haarwaschmittel kannte ich ihn schon. Hier ist eine neue Variante, als pressholzartiger Werkstoff für Lampen. Cool. Leider mit Geheimrezept.


Wexit – Das Ende des Westens

Im weltpolitischen Kontext steht der Donnerstag (unverbindlich) beschlossene Brexit, der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union als Teil einer Kette von Ereignissen da, nach denen die Geschichtsbücher anders geschrieben werden könnten. Hier verändert sich nicht ein Land, nicht Europa, nicht der Westen – hier verändert sich die Welt. Brexit ist ein Teil davon, der Vorwahlkampf in den USA ein weiterer, andere kommen hinzu.

Neulich an der nördlichen Grenze von England - Bild: Ryan McGuire

Neulich an der nördlichen Grenze von England – Bild: Ryan McGuire

Die westliche Ära

Betrachtet man die Menschheitsgeschichte in wirklich großen Kontexten, lässt sie sich zweiteilen in eine östliche und eine westliche Ära.
Die östliche Ära umfasst die Frühgeschichte des Homo sapiens, die Ausbreitung der Menschheit von Afrika zunächst nach Europa im Norden und im weiteren Verlauf immer weiter nach Osten, bis schließlich der Atlantik die Wanderung beendet.
Mit der neolithischen Revolution beginnt die westliche Ära – Zivilisation, wie wir sie kennen, entsteht mit dem Ackerbau im Nahen Osten, von da aus wandern die Erfindungen vor allem nach Westen und nur in deutlich geringerem Maße auch nach Osten. Schließlich stößt sie auf den Atlantik und damit an ein wahrgenommenes westliches Ende. Die ersten Staaten der Menschheitsgeschichte sehen eine Welt, die im Westen ein Ende hat, im Osten dagegen nicht und so wird Europa zum Westen an sich.
Die westliche Ära hätte mit Kolumbus enden können, doch statt dessen verstärkte sich die Macht des Westens: Es waren nach Westen segelnde Europäer, nicht nach Osten segelnde Asiaten, die Amerika für sich beanspruchten und als neues Westende der Welt definierten. Spanier und Portugiesen definierten die finalen Grenzen des Westens, das ihnen folgende britische Imperium schließlich sicherte die Vormacht des nun definierten Westens über den Planeten. Auf sie folgen mit dem Kalten Krieg die Amerikaner und Sowjets.
Doch der Westen vernetzt die Welt beständig. Was mit Handelsrouten begann, wird bald zu Kolonialnetzen, zu Telekommunkationsnetzen und schließlich zum weltweiten Internet. Die Vorherrschaft steht auf immer dünnerem Eis. Neue Spieler auf dem fast ebenso neuen Feld der Weltpolitik tauchen auf und fordern den Westen heraus – China, Indien, Japan, Südafrika, Nigeria und immer mehr weitere. Immer größer werden die Mühen der bisher herrschenden Mächte, ihre Macht zu erhalten, während sie zugleich intern mit ideologischen Auseinandersetzungen kämpfen, die sich seit den demokratischen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts ausbreiten – im Positiven wie im Negativen.
Heute sind wir an einem bedeutenden Punkt dieser Entwicklung: Nach dem Kalten Krieg gab es neue Strukturen aufzubauen und damit Macht neu zu verteilen. Europa steht dabei seit der Jahrtausendwende an einem Scheideweg, die USA kämpfen verzweifelt um einen immer schwieriger erscheinenden Erhalt des Supermacht-Status und China kauft sich nach und nach ein unsichtbares Weltreich zusammen.
Die westliche Ära endet, die einzige Frage ist, wie.

Trump gegen Clinton

Die USA sind intern vom Neoliberalismus zerfressen. Stromnetze brechen zusammen, Armut ist allgegenwärtig. Der Versuch, allen Amerikanern wenigstens eine grundsätzliche Krankenversicherung zu gewährleisten, wird von weiten Teilen der Bevölkerung als Bevormundung empfunden.
Und jetzt gibt es, bei allen Strohhalmen, an die sich Bernie Sanders‘ Unterstützer zu klammern bemühen, nur noch die Entscheidung zwischen dem ultraneoliberalen Vollidioten Donald Trump und der wirtschaftsdogmatischen Hillary Clinton. Beide Optionen sind für die USA eine Katastrophe, beide führen die USA auf genau dem Weg weiter, der gegenwärtig zu ihrem beständigen Machtverlust in der Welt führt.
Es ist möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass die USA nach der nächsten Präsidentschaft in Trümmern liegt. Se wird keinen Krieg verloren haben, sie wird sich selbst auf den Weg in die weltpolitische Bedeutungslosigkeit begeben haben. Armut und zusammenbrechende Infrastruktur werden den amerikanischen Scheinriesen in die Knie zwingen, wenn nicht bald ein Gegensteuern erfolgt.

Brexit

Das britische Weltreich war ein Reich mit langem Abschied. Geblieben sind ein Vereinigtes Königreich (minus Irland) und ein paar Kolonien, die man allesamt problemlos zu Fuß durchlaufen kann. Und auch dieses Königreich ist fragil, nur knapp entkam es 2015 einem Austritt Schottlands.
Nun hat ein Referendum für einen Austritt des Landes aus der EU votiert. Die Auswirkungen sind katastrophal: Schon zwei Tage nach dem Referendum sehen wir wichtige Wirtschaftswerte für Großbritannien wegbrechen. Das Pfund verliert an einem einzigen Tag 11% seines Wertes. Das europafreundliche Schottland kündigt neue Bestrebungen an, unabhängig zu werden. Nordirland denkt an eine Wiedervereinigung mit Irland. Spanien meldet Ansprüche auf Gibraltar an. Oh, und der Wortführer der Befürworter des Austritts in England gibt praktisch sofort nach Schluss der Wahllokale zu, über die wirtschaftlichen Vorteile des Austrittes gelogen zu haben.
Und das Votum war alles andere als eindeutig: Ob 52,8% eine ausreichend starke Mehrheit für eine solch fundamentale Entscheidung sind, damit wird sich die britische Regierung noch befassen müssen. Knapper geht es schließlich kaum noch.
Vor allem aber, wie schon bei der Präsidentenwahl in Österreich, haben wir erneut ein tief gespaltenes Land in Europa. Das ist etwas, was sich unionsweit seit einigen Jahren andeutet.

Europas Einheit

Frieden in Europa ist ein sehr junges Phänomen. Es ist erstaunlich, dass man daran bereits jetzt erinnern muss.
Die letzten Anschläge von nordirischen und baskischen Separatisten sind noch nicht so lang her. Der Jugoslawienkrieg ist praktisch noch Zeitgeschichte, der Friedensplan für die Region immer noch mitten in der Umsetzung.
Ende der 90er sah es so aus, als könne Europa dies alles überwinden. Diese Hoffnung zu erhalten, wird zunehmend schwieriger, die Schweissnähte des Kontinents reissen.
Der Nationalismus kam wieder. Wäre Europa den Weg zu zivilisierterem Umgang mit völkerrechtlichen Fragen weitergegangen, ließen sich viele Probleme mit ruhigem Kopf lösen. Katalonien will von Spanien unabhängig werden? Klar, reine Formsache! Belgien teilen? Warum nicht, wenn die Bevölkerung das will?
Doch es kam anders. Europas Peripherie versinkt im Krieg – die Ukraine in einem von beiden Seiten propagandistisch ausgeschlachteten Bürgerkrieg, die Türkei ist im Vorlauf eines Genozids an den Kurden, europäische Konvertiten speisen die Kriegsmaschine des ISIS, nationalistische Kräfte verhärmen das Klima innerhalb der Union bis zur Zerreissprobe. Ist es so absurd anzunehmen, dass die Nordiren sich im Falle eines Falles auch erneut bewaffnen würden?
Aber: Die Mitgliedsstaaten Europas haben ohne die EU kaum eine Chance, mehr zu bleiben als Randnotizen der künftigen Weltpolitik. Deutschlands gesamte Macht in der Welt baut auf den wirtschaftlichen und politischen Strukturen der EU auf. Mit Ausnahme des international präsenten Frankreich ist kein europäischer Staat in der Lage, in der heutigen Welt seine aktuelle Bedeutung zu erhalten.

Eine bessere Europäische Union ist unsere einzige Option zu einer Zukunft in Europa, die der Gegenwart wenigstens ebenbürtig ist. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass die EU ein demokratischeres, direkteres, gelebteres Element unserer Welt ist.
Ich habe einfach keine Lust drauf, in ein paar Jahrzehnten meinen Lebensabend als Kolonialbürger von China oder in einem nationalistisch-rückwärtsgewandten Deutschland zu verbringen.


Freitägliche Fünf 24.06.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal für einen entspannten Abend mit Musik und lecker Essen.

1. Wicked – The Movie

Werbebanner des Broadway-Musicals WickedHollywood nimmt sich meines Lieblingsmusicals Wicked an. Wicked ist die Hintergrundgeschichte von Elphaba, die von einer von Vorurteilen getriebenen Gesellschaft in die Rolle der Bösen Hexe des Westens getrieben wird, die sie in Der Zauberer von Oz einnimmt.
Es ist das einzige Broadway-Musical, von dem ich den Soundtrack gekauft habe. Es ist verdammt gut.

2. Jonathan Young

Noch mehr Musik: Jonathan Young macht auf Youtube Coverversionen von Songs, vor allem Rock- und Metalvarianten von Disney-Filmmusik. Nicht alle sind perfekt, aber ein paar eben doch. Zum Beispiel Prince Ali da oben.

3. Glutamat-Vernunft

Atomare Darstellung des Glutamat-Moleküls

Das Satanmolekül Glutamat – Bild: Wikimedia Commons

Nach etlichen Verteufelungen von Glutamat endlich ein Artikel, der diese traditionelle asiatische Zutat verteidigt. Glutamat ist eine dieser ganzen Lebensmittelpaniken, die jeglicher Grundlage entbehren, aber bei einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, die ihren eigenen Geschmacksnerven misstraut und lieber irgendwelchen Medienköchen solche Dinge überlässt, sehr beliebt sind.

4. Leckerere Schokolade mit wenigerer Fett

Ein Stapel Schokoladenstücke verschiedener Sorten

Dieses Blog wird nicht von Alpia gesponsert. Milka, das ist eure Chance! – Bild: Wikimedia Commons

Industriell hergestellte Schokolade könnte bald mit weniger Fet hergestellt werden udn dabei auch noch besser schmecken. Dazu haben Wissenschaftler eine Methode gefunden, Schokolade mit Stromstößen ein besseres Fließverhalten in den Leitungen zu verleihen. Angeblich soll die so fettreduzierbare Schokolade sogar besser schmecken als die normale Variante.
Wobei man zugeben muss, dass amerikanische Schokolade im Vergleich zur hier erhältlichen erschreckend minderwertig ist.

5. Bürgergarten: Es geht weiter

In Sachen Bürgergarten geht es stetig voran, wir kommen jetzt zu konkreten Terminen für die Vertragsverhandlungen. Ick freu mir!


Demokratie nervt

Demokratie bedeutet Diskutieren

Demokratie bedeutet Diskutieren. Schlussstriche sind diktatorisch – Bild: Stadtjugendring Augsburg

Die Demokratie ist die vielleicht lästigste aller Regierungsformen. Das liegt in ihrer Natur. Und es ist auch gut so, denn damit bildet sie den klarsten Gegensatz zur vergleichsweisen Einfachheit, mit der Diktatoren regieren können.

Angenehme Nicht-Demokratie

Dieses Wochenende erschien ein Artikel in der Rheinischen Post, den (meines Erachtens erschreckend) viele Freunde auf unterschiedlichen Plattformen teilten, insbesondere solche, die den gegenwärtigen Oppositionsparteien des Stadtrates angehören, also auch der meinen.
Im Fokus steht zwar die lästige Debatte um das RY-Kennzeichen der für ein paar wenige Jahre unabhängigen Stadt Rheydt, aber den Kern des Artikels finde ich viel früher im Text:

Trotzdem ginge es vielen Städten besser, wenn sie mit unternehmerischem Geist geführt würden. Wenn sie eine Strategie hätten; Ziele, die priorisiert sind und die sich operationalisieren lassen. Und den Spirit, einzigartig sein zu wollen. Dann wäre beispielsweise in Rheydt nicht das Pahlkebad für Millionen saniert worden. Gäbe es in Holt keine Totenhalle. […] Vor allem aber würden alle gemeinsam, vom Sachbearbeiter bis zum Geschäftsführer der Tochtergesellschaft, am selben Ziel arbeiten: die Stadt voranzubringen.

Jaja, wenn die Stadt Vernunft hätte, gäbe es beliebiges-Ding-das-mir-nicht-gefällt nicht. Das ist natürlich ganz furchtbarer Unfug. Grade die beiden genannten Projekte wurde ja mit genau diesem Ziel begonnen: Die Stadt voranzubringen. Andere Dinge auch nicht, aber die gehören schon deshalb nicht in die selbe Aufzählung, weil sie keine stadtintern verursachten Probleme sind.
Es ist Existenzgrundlage der Demokratie, dass unterschiedliche Akteure unterschiedlicher Ansicht sind, wie das Voranbringen zu geschehen habe und welche Richtung überhaupt „voran“ ist. Deshalb wählen wir auf einem Stimmzettel, auf dem mehrere Parteien zur Auswahl stehen, statt auf einem, der fragt, ob wir mit der Politik der einen Regierungspartei einverstanden sind. Demokratie ist bedeutungslos und leer, wenn Wahlen nicht mehr zu wahrnehmbaren Veränderungen führen, wenn alle mit den selben Zielen antreten und sich bestenfalls in der Farbe ihrer Fahnen unterscheiden. Eine Entwicklung in diese Richtung hatten wir deutschland- vielleicht sogar europaweit in der Parteienlandschaft. Es ist dies das Gift, an dem die SPD gegenwärtig jämmerlich verreckt und mit dessen Einnahme inzwischen auch Teile der Grünen begonnen haben.
Auch gilt, was ich schon vor zwei Jahren zum Thema langjähriger Pläne wie Masterplan und Verkehrsentwicklungsplan formulierte:

Das Problem ist: Mit ziemlicher Sicherheit sind unsere jetzigen Ideen (auch meine) bereits in wenigen Jahren überholt, veraltet oder wenigstens justierungsbedürftig. Das gilt ganz besonders in der Stadtplanung, denn wie oben schon gesagt: Städte verändern sich unter den Händen ihrer Planer weg, da die Planer nur sehr geringen Einfluss auf gesellschaftliche und technologische Entwicklungen und noch geringeren auf Phänomene der unsichtbaren Hand haben.



Bedeutet also, ein VEP (oder Masterplan) stellt den (unbewussten und durchaus gutwilligen) Versuch dar, aktuelles Wissen und aktuelle Ideologie auf eine längere Zukunft festzuschreiben, in der Überzeugung, dies seien die bestmöglichen Ideen, weil „moderne“, im Gegensatz zur veralteten früherer Jahre. Dass die modernen Ideen logischerweise mit dem weiteren Fortschreiten der Jahre ebenso veralten und noch lange nicht das Nonplusultra darstellen, scheint dabei ein blinder Fleck der menschlichen Psychologie zu sein.

Natürlich wäre es viel angenehmer, wären die Wege festgesteckt und Politik würde nur noch innerhalb der Vorgaben jener Wahlperiode, in der die Vorgaben gesteckt wurden, handeln. Vor allem für jene, die zufällig genau zu dieser Zeit an der Macht waren, als diese Ziele beschlossen wurden. Für die künftigen Generationen weniger, die sich nun in den engen Grenzen eines mit den Jahren zunehmend überkommenen Fortschrittsbegriffes bewegen müssen. Aber auch für jene, die während dieser Zielfestlegung in der Opposition waren — in der Politik wie auch in der Bevölkerung.
Ja, es wäre harmonisch. Aber eben auch Mist.

Der gute Diktator

Im Muster gleicht der Beitrag dem Wunsch nach einem „guten Diktator“. Beide Ideen laufen darauf hinaus, dass es jemanden oder etwas geben müsste, mit der Autorität und Fähigkeit, bestimmte Vorstellungen einfach mal umzusetzen, ohne lästige Diskussionen, ohne die Dynamik sich verändernder Lagen und Meinungen. Die alten Griechen hatten das zeitweise, der Bedeutungswandel des Wortes dafür sollte deutlich machen, wie gut dies funktionierte: Die Tyrannis.
Der schönste aller Albträume, diese Welt, in der man nicht mehr entscheiden muss, weil eine Autorität entscheidet, welche Entscheidung die objektiv richtige ist. Die Idee objektiver Richtigkeit, erkannt durch ausreichend weise Herscher, welche jede Auseinandersetzung überflüssig und jede Entscheidung konsequent macht. Die Umsetzung dieser Idee kennen wir aus diverse europäischen Staaten im 20. Jahrhundert, im 1990 annektierten Staatsgebiet Deutschlands.
Ich habe dann doch lieber komplizierte, teils frustrierende Politik mit all ihrem Hin und Her, ihrer Unvernunft und ihrem Hickhack, als den Weg zu einer SED-in-den-Köpfen zu ebnen.


Freitägliche Fünf 17.06.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal aus einer Woche der Zeitenwenden. Und mit einem popelnden CDU-Abgeordneten.

Leerstelle: Orlando

blackIch hatte diese Woche schon ausgeführt, dass ich Orlando für keinen gewöhnlichen Anschlag halte, von denen es leider schon zu viele gibt. Ich halte es für einen historischen Wegstein, jenen, an dem wir hoffentlich merken, dass wir falsch abgebogen sind.
Dies ist eine Leerstelle für die Opfer. Dies ist die Nummer 1 für die Hoffnung, dass sich endlich etwas ändert.

2. Death Stranding

Aus der E3 sind diese Woche eine ganze Reihe wirklich guter Spieleankündigungen und Trailer hervorgegangen. Aber für mich stand Death Stranding ganz vorne unter diesen. Hält das Spiel, was der Trailer verspricht, haben wir hier einen ganz großen Fortschritt in der Entwicklung von Videospielen zur akzeptierten Kunstform vor uns. Seht es euch einfach an, ich finde das absolut atemberaubend:

3. Singapur geht offline

Ich sage es ja schon lange: Die sicherste und eigentlich auch einzige Möglichkeit, vor Hackern sicher zu sein ist es, sensible Daten gar nicht erst auf einen Rechner zu packen, der regelmäßig mit dem Internet verbunden ist. Zu meinem Entsetzen geht die Entwicklung derzeit ja eher in die andere Richtung, zu Speichern in der Cloud (also auf fremden Rechnern statt den eigenen).
Nun, wenigstens in Singapur herrscht genug Vernunft, um wichtige Infrastruktur kurzerhand offline zu setzen um vor Cyberattacken besser geschützt zu sein.

4. MIT geht online

Hier gibt es die Kursunterlagen des MIT. Alle.

5. Hihi

Okay, ganz im Ernst, wahrscheinlich wird niemand im Parlament besser aussehen, wenn man auf ihn eine Kamera richtet während jemand am Mikrofon eine ewig lange Rede hält, deren Inhalt man als Parteigenosse wahrscheinlich bereits mitbeten kann. Aber lustig ist es schon.


Orlando ist überall – Das Ende der politischen Geografie

Über 100 Opfer forderte am Sonntag ein Anschlag auf einen Schwulenclub in Orlando, Florida, davon 49 Tote. Das zählt nur die körperlich nachweisbar geschädigten. Der Täter, Omar Mateen, war trotz afghanischer Abstammung ein in New York geborener Mitarbeiter einer der größten Sicherheitsfirmen der Welt (G4S). Weitgehend unauffällig und in einem Beruf beschäftigt, in dem man ihm bedenkenlos Schusswaffen anvertraute, samt offizieller Lizenzen. Es gab wohl ein paar Auffälligkeiten um ihn und seinen Vater, er bekannte sich am Ende auch zur IS-Bewegung, aber der Punkt bleibt, dass dies ein Anschlag aus dem Inneren war. Da war ein Amerikaner. Und kein besonders aus der Art geschlagener.
Das ist es, was diesen Anschlag besonders macht: Er verdeutlicht, dass wir in unserem Denken oftmals die Grenzen falsch ziehen. Die Grenzen laufen nicht über den Globus. Sie laufen mitten durch die Gesellschaft. Auch die „westliche“.

Nachteil der Digitalisiserung: Das kann man nicht mal mehr einfach so in den Papierkorb knallen

Nachteil der Digitalisiserung: Das kann man nicht mal mehr einfach so in den Papierkorb knallen


Homophobie als Normalität

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte kurz nach dem Attentat einen beachtlichen Artikel, der sich etwa so zusammenfassen lässt:

Ein Anschlag auf die offene Gesellschaft? Schön wär’s! Welche offene Gesellschaft denn?

Das ist sicherlich übertrieben, in vielen Ländern ist anormative Sexualität nicht oder wenigstens nicht stärker stigmatisiert als etwa bestimmte Haarfarben. Aber, und hier ist das Körnchen Wahrheit in der Geschichte, sie ist auch nirgends wirklich akzeptiert.

Der Massenmörder von Orlando war ein Moslem, das ist praktisch unzweifelhaft. Aber es hätte genausogut ein evangelikaler Christ sein können. Tatsächlich sind in den USA Christen insgesamt praktisch genauso homophob wie Muslime, die evangelikalen Gruppen sind deutlich schlimmer,von den Mormonen und Zeugen Jehovas ganz zu schweigen. Mit Ausnahme der Atheisten und Agnostiker (und in geringerem Maße der Juden und Buddhisten) ist die Quote der Homophoben überall erschreckend. Amerikanische Evangelikale spielten bei der Einführung der Todesstrafe für Homosexuelle in Uganda eine Rolle. Im Ostblock ist der Kampf gegen die Homosexualität politische Agenda, sei es in Russland, wo wir das ganz furchtbar finden oder in der Ukraine, wo wir das ganz toll finden (oder halt medial verschweigen). Natürlich sind auch die rechten Parteien in unterschiedlichem Maße dagegen, Homosexuelle als selbstverständlichen Teil der Gesellschaft anzuerkennen, sei es die bloße Ablehnung von mit der Ehe gleichgestellten Lebensgemeinschaften oder die Wiedereinführung der Strafbarkeit homosexueller Handlungen oder gar Neigungen. Letztere ist auch in Westdeutschland noch nicht so lange her und so ist es auch in den sich als fortschrittlich sehenden Nationen immer noch weit verbreitet, Homosexualität als eine Art Krankheit zu begreifen.

Es gibt in Deutschland Bewegungen, die dagegen auf die Straße gehen, dass 16-Jährige in der Schule von der Existenz nicht-heterosexueller Neigungen erfahren. Sie nennen sich „besorgte Eltern“, bieten regelmäßig rechten Gruppierungen Plattformen und gehen zwei Tage später auf eine andere Demo, wo sie gegen extremistische Muslime protestieren, deren Weltbild sie nahezu identisch vertreten (nur halt mit Deutschland oder irgendeinem anderen Gott statt Allah).

Dummheit kennt keine Grenzen

Parallel läuft in Frankreich ja die Herren-Fußball-EM und da haben wir schon in den ersten Tagen Dauerberichte von randalierenden Hooligans. Engländer, Russen, Deutsche, scheissegal, alles der selbe Mist. Es gibt keine Grenzen, diese Idiotie ist allgegenwärtig.
Und das galt ja schon für ISIS: Die Bewegung speiste sich nicht etwa nur aus Muslimen, die radikal-muslimischen Bewegungen lockten in Massen Menschen an, die mangels besserer Begrifflichkeit nur als europäische „Einheimische“ bezeichnet werden können. In nicht zu verachtenden Teilen ist der IS keine syrische Milz – er ist eine Invasionsarmee verblendeter Europäer.

Mit Orlando nun ist der große Fehler offenbar gewunden, wie „wir“ uns den „Feind“ vorstellen: Wir verorten ihn geografisch, er kommt aus dem Nahen Osten. Dieser hat Grenzen, da kommen die Bösen her. Aus Arabien, Syrien, dem Iran.
Aber unser Gegner ist kein Land. Unser Gegner ist auch keine Miliz, diese sind austauschbare Moden. Unser Gegner ist ein Heer von Ideen. Stark gewordene Rückständigkeiten, geboren aus nie bewältigten Resten alter Dummheiten, aus der Angst vor Veränderung, aus der Unfähigkeit zur Toleranz dessen, was anders ist als man selbst.
Vielleicht auch motiviert von der all zu großen Radikalität und Geschwindigkeit des Wandels im Westen, der von seiner eigenen Geschwindigkeit abgehängt in ein gefährliches Gemisch aus Halbwissen und Nostalgie übergeht.

Der Konflikt hat keine geografischen Grenzen (mehr). Er geht mitten durch die Gesellschaften. Alle Gesellschaften.

(siehe auch meine Worte zu Charlie Hebdo)

PS: Ja, wir brauchen ein besseres Wort als homophob. Ich habe aber keins. Der Vorschlag „Arschloch“ ist effektiv und korrekt, aber wenig deskriptiv.


Freitägliche Fünf 10.06.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal blicken wir viermal in die Zukunft – und einmal in meinen Musikgeschmack.

1.Bürgergarten Nummer 4

Eine Nachricht, mit der ich kaum noch gerechnet hatte, erreichte mich am letzten Samstag: Ein neues Bürgergartenprojekt in Mönchengladbach rückt in greifbare Nähe.
Es wird ein Projekt mit starkem Inklusionseinschlag auf einem Gelände mit einigen alten Obstbäumen (die natürlich erhalten werden). Ein starker Fokus soll bei dem Projekt auch die Permakultur werden, allein schon wegen der Größe des Geländes. Ich bin sehr gespannt auf das Projekt.
Wo es genau ist sage ich dann, wenn die Tinte unter dem jetzt konkret auszuhandelnden Vertrag getrocknet ist. Momentan sieht es so aus:

Obstwiese an einem Hang

Ackerdistel Hugo und seine Freunde – Bild: eigen

2. Modulare Handys

Die Idee modularer Technologie ist gemeinsam mit dem IBM-kompatiblen PC etwas in Vergessenheit geraten. Nun, sie ist zurück, diesmal für Handys.
Was wie eine Spilerei aussieht hilft unter anderem, die Lebenszeit von Mobiltelefonen zu verlängern (defekte Komponenten lassen sich leichter austauschen) und auch, Geld zu sparen (Komponenten dürften günstiger sein als alle paar Jahre ein komplett neues Handy zu kaufen). Ich bin da sehr für.

3. Stammzellen gegen Schlaganfall

Es wird zunehmend klarer, dass Stammzellen für die Behandlung der Folgeschäden von Schlaganfällen eingesetzt werden können.
Wie das genau funktioniert, ist noch ebenso rätselhaft wie vieles anderes über die Funktion von Stammzellen im menschlichen (vor allem im erwachsenen) Körper. Aber es funktioniert offenbar und verspricht, die wohl häufigste Gruppe erworbener Behinderungen erfolgreich behandeln zu können.

4. Die Zukunft von Vorgestern

Eine der faszinierenderen Tätigkeiten in Zeitschriftenarchiven ist es, Zukunftsvisionen vergangener Jahrzehnte durchzugehen. Ich habe selbst einige Bücher über die Zukunft aus den 70ern und 80ern, aber die bei Google Books neben vielen anderen Ausgaben einsehbare Popular Science von März 1934 übertrifft das nochmal deutlich.
Wir haben einen Vorläufer des heute alltäglichen Blinkers am Auto (ein Licht, das einen Text auf die Straße projiziert, der vor dem Abbiegen warnt), eine Ampelanlage mit einer zusätzlichen Phase, in der alle Fußgänger gleichzeitig grün kriegen (wo ist dieses Konzept eigentlich hinverschwunden?), ein Flughafen mitten auf der Themse und ein Auto mit ausziehbarem Schlafbereich im Kofferraum. Und was ist von all den faszinierenden Erfindungen von März 1934 geblieben? Die Astschere aus Kanada, der Teleprompter aus Deutschland und der Gummistöpsel aus Amerika.

Ein als Brücke angelegter Flughafen über der Themse im Zentrum von London

Die schlechteste großartige Idee aller Zeiten! – Bild: Scan aus Popular Science 03/1934

5. Und ein paar Wochen zurück

Vor ein paar Wochen war der Grand Prix Eurovision de la Chanson, den ich in der Tat immer noch so nenne. Ich habe inzwischen praktisch alle Titel vergessen, bis auf den aus Belgien. Funk it Away, Laura Tesoro!