Bologna-Diskussion: Zwei Tage danach 1 

Zeit für eine kurze Rückschau auf die von der Rheinischen Post veranstaltete Diskussionsrunde zu 10 Jahren Hochschulreform à la Bologna mit deutschen Einschlag.

Die Diskussion selbst verlief durchaus fair und sachlich, auch wenn ich am Ende gerne mehr zum Thema Verschulung gesagt hätte – leider wurde genau hier die Runde abgebrochen. Interessant war, dass auch die Befürworter der Reform diese für verbesserungswürdig befanden – so stellte selbst der kurzfristig dazugekommene IHK-Vertreter Klaus Zimmermann in Frage, warum man den weltweit als Marke etablierten Diplom-Abschluss abschaffe.

Diese kritische Haltung kam leider am nächsten Tag in der Presse (Düsseldorfer Lokalteil) nicht durch.
Überhaupt wurden die Zweitsprecher – eben Zimmermann und ich nur sehr kurz erwähnt, ich denke aber dennoch, dass meine Kritik ankam, hat die RP doch genau jenen teil meiner Argumentation genommen, der auch der Leserschaft der RP (die eher im Mittelstand zu verorten ist) plausibel sein dürfte:

[…] [Zimmermann] befürwortet den Bologna-Prozess, der dafür sorge, dass die Berufsanfänger mehr praktische Kenntnisse hätten.

Genau das bestritt wiederum Asta-Vertreter Thomas Diehl: „Die Studenten haben nicht mal mehr Zeit, nebenher zu jobben. Die Erfahrung aber, die man in einem Praktikum sammeln kann, ist mit der aus einem Nebenjob überhaupt nicht zu vergleichen.“ Die strenge Struktur des Studiums sorge zudem dafür, dass die Studierenden ständig gehetzt und gestresst seien.

Andere Punkte fielen natürlich weg, darunter die ebenfalls an Mittelständler gerichtete Aussage, dass die Uni nicht in Konkurrenz zu den klassischen Ausbildungsbetrieben und Fachhochschulen gehen dürfe, indem sie im Master schleichend anfängt, fertige Berufsbilder auszubilden.
Auch die Intransparenz und zugenommene Bürokratie durch das Kreditpunktesystem fiel in der Zeitung weg.

Zeitgleich zum Interview hatte ich hier im Blog und drüben im AStA-Blog einen langen Text mit meinen Kritikpunkten zum Bologna-Prozess, wie er in Deutschland realisiert wird, eingestelt. Den man hier hier als PDF runterladen kann.
Dass die restliche Presse ruhig blieb, war bei einer Veranstaltung der RP klar, man will ja nicht die Konkurrenz bewerben. Das Hochschulradio holte sich noch ein paar O-Töne von mir ab, die Campus Delicti war auch da, hatte aber schon am vorherigen Abend Redaktionsschluss.

Mein persönliches Fazit: Meine Leistung war okay, ich habe in der Vergangenheit sowohl schlechteres als auch besseres abgeliefert.
Ich werde beim öffentlichen Sprechen langsam sicherer, die zunehmende Häufigkeit solcher Dinge zahlt sich, wie ich gehofft hatte, aus.

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