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Deutsche Klimapolitik anno 2009 0 

Deutschland ist klimapolitisch ein seltsamer Ort. International als Beispielland im Umweltschutz bekannt (Stichwort Mülltrennung) ist es offenbar im Zugzwang, diese Position zu halten und bietet seltsame Auswüchse. In einem Land, in dem der Umwelt Unweltminister ernsthaft den Bau neuer Kohlekraftwerke fördert, die zwar weniger Dreck machen als die alten, bei denen das aber auch nicht grade ein Kunststück ist, sieht die Klimapolitik halt überaus seltsam aus.

Primus im Mistbauen ist hierbei die deutsche Autoindustrie.
In Deutschland, einem der größten Autoländer der Welt, ist die Kraftfahrzeuglobby verständlicherweise stark – und damit auch die Ölindustrie, welche zu 95% an sie gekoppelt ist (die übrigen 5% sind Kunststoffhersteller).
Nun tut so eine Lobby vor allem eines gerne: Behaupten ohne tatsächlich etwas tun zu müssen. Und da man gleichzeitig die Ölindustrie mitvertritt, stellt man abenteuerliche Behauptungen über Sparsamkeit und Schadstoffausstoß auf und kann gleichzeitig die dreckigste Automobilflotte der Welt herstellen.
Und wenn dann doch mal Konkurrenz aus dem Ausland kommt, wo tatsächlich klima- und spritschonende Autos hergestellt werden, lässt man sich den Markteinbruch durch eine Abwrackprämie finanzieren (die übrigens komplett in die Hose gegangen ist).
Unterdessen stellt man Konzepte von vorgestern vor: Wasserstoffautos und solche mit fest verbauten Akkus, die man stundenlang ans Netz hängen muss um zu tanken.
Fröhlich mit dabei ist RWE, die allen Ernstes ein Energietankstellennetz aufbauen wollen – mit Tankzeiten von „grade mal“ drei Stunden!
Unterdessen haben sich Peugeot, Renault und Citroën zusammengetan, um ein System aufzubauen, bei dem einfach die Akkus ausgetauscht werden. „Tankzeit“: unter 2 Minuten. Aber dermaßen einfache und kundenfreundliche Lösungen könnten der Technik ja zum Durchbruch verhelfen – das will man in der Ölindustrie natürlich nicht.
Wenn dann die Politik hingeht und Deutschland zum „Weltführer in der Elektromobilität“ erklären will, kann ich mich nicht zwischen lachen und weinen entscheiden. Da können wir auch gleich versuchen, Weltführer in taiwanesischer Literaturwissenschaft zu werden, unsere Startbedingungen sind in diesem Sektor ähnlich gut.

Es ist mühsam, die ganze Dummheit deutscher Klimapolitik zu dokumentieren, die von Leuten betrieben wird, die offenbar nicht die geringste Ahnung davon haben oder aber sich dieser Ahnung gegenüber verweigern. Angesichts von grünfärberischen Spielereien wie CCS und Desertec wird offenbar, dass hier einzelne Wirtschaftszweige versuchen, mit hahnebüchenen Behauptungen ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen – teils noch nichtmal böswillig.
Jahrzehntelang eintrainierte Überzeugungen, wie sie etwa in der Energiewirtschaft üblich sind, legt man halt nicht einfach so ab.

Veranstaltungstipp am Rande
Achja, wer heute abend ab 19:30 Zeit hat, dem empfehle ich eine Veranstaltung des Gladbacher Arbeitskreises Energie der Grünen über eine Möglichkeit, andere Leute in die Vorstände der Energiekonzerne zu bekommen: Genossenschaftlicher Stromeinkauf.
Es referiert Walter Päsch von der Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr eG in der Kreisgeschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen (Brandneberger Straße 36).
Es ist nicht direkt das Thema dieses beitrags, aber verwandt und fiel mir grade beim Schreiben ein.

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