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de.wikipedia.org: Eine Motzschrift 0 

Die deutsche Wikipedia. Hort für profilierungssüchtige Wichtigtuer, die zeigen wollen, wie toll sie sind.
Nun gut, das Risiko war von Anfang an bekannt, aber damals meinte man die Verfasser der Artikel. Statt dessen hat es aber die Moderatoren und Admins erwischt – zumindest in Deutschland.

Einen Moderatoren der deutschen Wikipedia hat man sich als Dampflok vorzustellen, die immerzu gradeaus über ein Gleis prescht.
Dies allerdings eben stets nur gradeaus. Nun könnte man meinen „Gut, ignoriert die Lok die Weichen halt, ist ja weit und breit kein anderer Zug, mit dem sie zusammenstoßen könnte“ – aber sie ignoriert die Weichen nicht einfach. Wenn die Moderatorenlok eine Weiche passiert, so biegt sie sie grade oder schmilzt sie gleich ganz ein. Aus ihren Auslässen zischt der Dampf dabei aus dem Kessel, man vermeint den Qualm leise ein „Relevanzkriterien“ oder auch „Neutralität“ zu flüstern – wenn es richtig laut wird auch mal ein „Eigenrecherche“ oder ähnliches.

Das wäre dann der Löschwahn. Es ist unglaublich, was die Wikipedianer alles für löschenswert halten. MOGIS zum Beispiel, einen der wichtigsten Konterakteure in der Internetsperrendiskussion.
Aber zur bloßen Löschwut hat Fefe schon einen besseren Kommentar geschrieben, als ich es hier auf die Schnelle kann:

Liebe Wikipedia-Forenblockwarte. Laßt mich als Friedensangebot mal ein häufiges Mißverständnis aufklären, dem auf Wikipedia immer wieder Blockwarte zum Opfer fallen. Das Relevanzkriterium bezieht sich nicht darauf, ob ihr oder irgendjemand einen bestimmten Begriff für relevant haltet. Sondern ob der Text, der da zu dem Begriff steht, relevant für die Erklärung des Begriffes ist.

Denn das ist das schöne bei einem Wiki. Niemand erleidet einen Schaden, wenn noch ein weiterer Eintrag dabei ist. Es gibt kein Buch, was dann zu dick zum Herumtragen würde. Es gibt keine Elektronen, die alle werden. Und nur weil ihr einen Begriff nicht kennt, heißt das noch lange nicht, dass der auch für die andere Milliarde Internetnutzer irrelevant ist. Wer sich diese Entscheidung über andere anmaßt, hat den Beruf verfehlt und hätte doch Heiseforentroll bleiben sollen.

Ein Hinweis sei noch ergänzt: In der englischen Wikipedia gibt es das in diesem Ausmaß nicht. Im Gegenteil, dort finden sich völlig selbstverständlich eigene Artikel beispielsweise zu praktisch jeder Comicfigur der 40er Jahre. Und hat ein solcher Artikel mal ein deutsches Gegenstück, so ist der englische um Längen besser (ich benutze die deutsche Wikipedia eben deshalb schon lange so gut wie nicht mehr).

Viel interessanter ist die Selektivität. Diese geschieht nach mehreren Kriterien:
1. Naturwissenschaft vor
Es ist auffällig, wie wenig bei den Naturwissenschaften gelöscht wird. Noch weniger bei der Mathematik, wo wirklich jeder nur für kleinste Sondergruppen relevante Kleinkram drinstehen darf – und das noch dazu in einer Kürze, die anderswo gleich Protest auslösen würde.

2. Rechts vor Links
Die Verkehrsregelgrundlage gilt auch in der Wikipedia – man vergleiche mal eine beliebige linke Persönlichkeit mit einer etwas prominenteren Unionsfigur – „Kritik“-Abschnitte bei konservativen Politikern sind eine seltenheit, während man einen linken Politiker, der diesen Abschnitt nicht aufweist, erstmal finden muss.

3. Neutralitätswahn
Das ist kein Wikipedia-Phänomen, sondern ein mehr oder weniger deutsches: es gibt offenbar ernsthaft Leute, die glauben, man könne beliebige Sachverhalte neutral darstellen. Mal ehrlich: Wer kommt auf so einen Schmarn?
Zumal die Wikipedia ja ständig davon spricht, eine Enzyklopädie zu sein. Eine Enzyklopädie aber ist ein politisches Werk – gemeint ist wahrscheinlich ein Lexikon (beides ist in englisch eine encyclopedia), das aber ist die Wikipedia ganz einfach nicht, da ein Lexikon sich durch den schnellen Überblick auszeichnet, Wikipedias Anspruch abe rin ausführlicher Information besteht.

4. Internetunverständnis
Es gehört zu den großen Ironien der Weltgeschichte, dass die Wikipedianer das Internet nicht zu verstehen haben scheinen. Beispielsweise hat die Wikipedia praktisch unbegrenzt Platz für neue Artikel – woraus folgert, dass eine Löchung nur erfolgen sollte, wenn es dafür gute Gründe gibt. Denn, um Fefe nochmal zu zitieren:
Mein Anspruch an die Wikipedia ist, dass ich, wenn mir jemand von Tschunk erzählt, bei der Wikipedia nachschlagen kann, was das eigentlich ist. Oder wenn mir einer von MOGIS erzählt. Genau wie ich das machen kann, wenn mir jemand von Anonymous erzählt.

Und wisst ihr was: In der englischen Wikipedia funktioniert das auch. Sogar mit Tschunk.

Erstaunlich ist auch, dass die Wikipedia Blogs nicht als Quelle akzeptiert – das gilt zwar auch bei anderen Sprachversionen der Wikipedia, dort aber nur bis zu einer gewissen Grenze.
Wenn ein Artikel sich zum Beispiel um einen Politiker dreht, der ein Blog hat, so wird dieses Blog selbstverständlich als Quelle gelten. Hierzulande undenkbar, bevor nicht eine Tageszeitung o.ä. ihrerseits den Blogeintrag übernommen hat.

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