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Die 50 bis 400 0 

Die Uni Düsseldorf bietet heute ein interessantes Bild: Etwa 30 Studenten halten in den (nach studentischer Zeitrechnung) frühen Morgenstunden (okay, nach studentischer Zeitrechnung sind 9-10 morgens eher die späten Nachtstunden) besetzt, 50 haben hier übernachtet. Gestern waren es laut Presse und Organisatoren gut 400, es dürften also etwa 300 gewesen sein.
Solidaritätsbekundungen gibt es inzwischen von der Linken und nochmal separat von Sahra Wagenknecht sowie – pflichtgemäß – vom AStA. Die haben zwar alle ein Gschmäckle (wahlweise linker Opportunismus oder Imagepflege) und die Liste könnte ruhig länger sein (wo bleiben die Grünen und die SPD?), aber immerhin.
Überrascht hat mich die Solidaritätsbekundung des Studentenwerks zuzüglich Verpflegung, ist mir dieses sonst nicht grade als studentenfreundlich bekannt.

Interessant ist das Bild aber aufgrund des weithin ungestörten Verlaufs des Unialltags: Gleich nebenan laufen noch Seminare. Wer aus der unteren Hörsaaltür kommt, trifft auf einen großen Plakatverkauf und den roten Teppich bzw. die rote Beleuchtung des Kurzfilmfests.
Damit sollte klar sein: Die Proteste sind keine wirkliche Behinderung, sie sind tatsächlich genau das: Proteste. Und damit sind auch alle Versuche, dem Streik seine Legitimität abzusprechen (RCDS/CDU: „Bildung statt Streik“) hinfällig.
Erstaunlich daran auch, dass ich mal mit Patrick Mebus übereinstimme: „Bei dieser darf jedoch die Auseinandersetzung mit den bildungspolitischen Inhalten nicht von radikalen Revolutionsphantasien konterkariert oder in den Hintergrund gedrängt werden.“ Vielleicht sogar erschreckend. Oder aber Mebus, zu Zeiten der letzten Bildungsstreikdemo noch erbitterter Gegner der Forderungen des Bildungsstreiks hat begonnen, sich zu bessern – sowas soll passieren, wenn Neoliberale plötzlich der Realität dessen ausgesetzt sind, über das sie reden.

Interessant ist aber auch die politische Atmosphäre: Es driftet definitiv nach links. Das hat diverse Auswirkungen: Auf der Demo am Dienstag gab es die üblich themenverfehlten Transparente, die gleich zum Rundumschlag gegen den Kapitalismus aufriefen, die natürlich dazu führen, dass das wenig sozialistische „Publikum“ befremdet und ein Teil der politisch eben nicht in dieser Richtung orientierten Studierendenschaft ausgeschlossen wird, selbst wenn sie den Bildungsstreik sonst unterstützen würden.
Andererseits habe ich endlich mal wieder eine Terz an der Uni gefunden. Die linke düsseldorfer Monatszeitung lag früher im AStA aus, seit der März-Ausgabe habe ich sie dort allerdings nicht mehr gesehen und mich schon gefragt, ob sie noch existiert. Unterdessen nimmt, wo wir schon bei der Lokalpresse sind, die AStA-Wochenzeitung Campus Delicti lieber die vorletzte Woche zensierte Rammstein-Platte aufs Cover als die gestern statt gefundene Hörsaalbesetzung (dafür hätte man die mE ruhig auch mal erst am Freitag erscheinen lassen können). Und dann ist der Artikel noch nicht mal sonderlich gut – er konzentriert sich ausschließlich auf das Rammstein-Album, die restlichen Zensurprobleme etwa um die Veranstaltung in Berlin zur Ausländerpolitik letzte Woche bleiben aussen vor. Aber ich schweife ab.

Der Eindruck vom aktuellen AStA alles in allem ist gespalten: Man fühlt sich offenbar zur Solidarität verpflichtet, aber das mehr oder weniger durch die Realität der Streiks. Immerhin bedeutet das, die Leute da haben verstanden, was eine repräsentative Aufgabe überhaupt ist – nämlich sich auch entgegen der eigenen Überzeugung für die Belange derer einsetzen, die man repräsentiert.
Man sieht aber auch: Die Studierendenproteste sind legitim und bewegen sich in einem Rahmen, der groß genug ist, Aufmerksamkeit einzufordern, aber nicht wirklich problematisch wird – ein beachtlicher Balanceakt. Und angesichts der zunehmenden Etablierung des Bachelor/Master-Systems einerseits und einer marktwirtschaftlich geprägten Bildungsidee andererseits eine angenehme Überraschung.

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