Ja Kruzifix amoal! 0 

Da hat doch glatt noch ein gericht die bayrischen Klassenzimmerkruzifixe für verboten erklärt
Bisher haben sie nur gegen die Verfassung verstoßen (was die Bayern nicht zu kümmern schien), jetzt also auch gegen die Menschenrechte.

Das Urteil ging gegen Italien, geht aber auch für andere Länder, darunter eben Bayern.
Klar ist man mal wieder empört und liest unfug wie

Das Kreuz stehe als Symbol für die Nächstenliebe und für die gemeinsamen europäischen Werte, die in einer langen Tradition gewachsen seien.

Nein, es steht für das Christentum. Und weder ist die Nächstenliebe typisch christlich (das wäre die Feindesliebe, die aber interessanterweise praktisch nie erwähnt, gelehrt oder tradiert wird), noch sind die meisten europäischen Werte (darunter eben Meinungs- und Religionsfreiheit) christlich – mehrheitlich mussten sie zum Ende des Mittelalters gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen durchgerungen werden – allen voran die Menschenrechte, mit denen sie es ja offenbar immer noch nicht so wirklich hat.

Wer ein Symbol für die europäische Wertegemeinschaft haben will, der möge doch bitte eine Karte von Europa an die Wand hängen.
Und wird schnell merken, dass sich da nicht nur christliche Länder finden – die Geschichte Europas ist ohne den Islam nicht denkbar. Und auch die Gruppen ohne eigene Länder in Europa, Atheisten, Agnostiker, Juden, haben Europa über Jahrtausende mitgestaltet.

Nein, ich begrüße dieses Urteil: Religion ist Privatsache und gehört nicht in staatliche Institutionen, wie es Schulen nun einmal darstellen.
Ob Kinder eine Religion erhalten und welche, ist zunächst einmal Entscheidung der Eltern, später ihre eigene. Deutschland hat da das etwas windige Konstrukt des Ethikunterrichtes, das löst aber das Grundsatzproblem nur bedingt – doch ich schweife ab.

Wichtig ist: Das Urteil ist richtig und wichtig. Religiöse Symbole haben im Klassenraum allerhöchstens im Geschichtsunterricht (hauptsächlich Antike und Mittelalter) etwas verloren.

Oh, übrigens: Ein Kommentar im Focus liest sich so:

Wer die (grundsätzlich berechtigte) Trennung von Staat und Kirche so interpretiert, wie viele hier, der muss auch für die Abschaffung aller christlichen Feiertage inkl. Weihnachten und kirchlicher Trauungen sein. Da wär ich mal gespannt!

D’accord, monsieur, absolutement d’accord!

Überhaupt liest der Kommentarbereich dort sich sehr amüsant – etliche Leute, die glauben, das heidnisch motivierte Kommerzfestival Weihnachten sei in irgendeiner Weise christlich (das war es vielleicht zwischendurch mal), die meinen, jetzt gehörten auch Kopftücher verboten (vielleicht, aber nicht bei den Schülerinnen, es geht nur um die Schule selbst) oder gar Saudi-Arabien als Maßstab für europäisches Recht hernehmen wollen, ohne es zu merken („In Saudi-Arabien hätte es sowas nicht gegeben“).

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