Journalismus und ich 0 

Nachdem ich hier ein paar Mal gegen den Printjournalismus geschossen habe stellt sich natürlich die Frage: Darf der das überhaupt? In Deutschland muss man ja, um sich zu etwas zu äussenr, selbst dazugehören.
Das ist etwas seltsam, ist aber so.
Die Frage ist also: Bin ich Journalist?
en wir mal
Das ist mangels allgemein akzeptierter Definition des Begriffes etwa so wie die Frage „Bin ich ein Plumpaquatsch“, aber gehen wir mal mit der Definition, für die man einen Presseausweis kriegt. Dafür muss man seine Einkünfte maßgeblich aus journalistischer Tätigkeit beziehen.

Demnach bin ich eher kein Journalist, meine Einnahmen liegen etwa bei 50 € Journalismus, 120 € Eltern und 250 € Aufwandsentschädigung.

Wie sieht’s aber mit dem Selbstverständnis aus?
Auf Sporle & Co. ist die Sache einfach – ich schreibe täglich Nachrichten und gehe dafür hauptsächlich Internet und Pressemitteilungen durch. Für Messen lasse ich mich (bisher immer erfolgreich) als Presse akkreditieren. Technisch gesehen bin ich mit dieser Seite also wohl Journalist.
Interessanterweise sehe ich Shadaiks Irrelevanzia mehr als Hobby und private Sammlung von Dingen, die mich interessieren. Da aber ein Blog immer eine öffentliche Sache ist, gebe ich mir natürlich Mühe, vernünftig recherchierte und fundierte Texte zu schreiben. Meine hiesige Arbeit ist also journalistischer als das, wofür ich meine Presseakkreditierungen kriege. Dabei decke ich alle Sparten ab – Nachrichten, Kolummentare, Unterhaltung, ab und an auch mal Glosse und Berichte in eigener Sache. Dass ich dabei eine klare Ausrichtung habe (grün, linksliberal, basisdemokratisch) gebe ich offen zu – was ich zumindest schonmal ehrlicher finde als den Mainstreamjournalismus, der seine politische Ausrichtung grundsätzlich verschweigt.

Was bleibt ist ein etwas seltsamer Eindruck: Ich werde für meine mit weniger Aufwand erstellte Themenseite als Presse akkreditiert und für mein Hobby mache ich die journalistische Arbeit.
So oder so: Nach irgendeiner Betrachtungsweise bin ich wohl immer Journalist – wenn auch ein eher unwichtiger. Wobei sich die Tätigkeitsfelder von Journalismus und Politik ja eh ständig überschneiden. Denn auch Politiker müssen ständig informiert sein und fundierte Meinungen bilden können. Und in beiden Fällen gilt – dem Anspruch wird immer nur eine Minderheit gerecht, im Endeffekt fragt da aber eh keiner nach.
Es geht bei der Frage, ob man Journalist ist geht es gewöhnlich nicht um die Arbeit die man macht, sondern um das, was davon in der Zeitung steht. Blogger sind nicht deshalb nicht (oder weniger) akzeptiert, weil sie schlampiger arbeiten – sie sind gefürchtet, weil sie diese Tatsache immer wieder offensichtlich machen, weil sie mit dem Finger auf den Tagesjournalismus zeigen und Meinungen haben. Und dabei eben oft der Schlagzeilenwelt der abgetippten Pressemitteilungen widersprechen, welche in ihrer inhaltlosen Knappheit durch sie überflüssig gemacht wird.

Dafür haben sie, fließend getippt wie Sprache, Rechtschreibfehler und Stotterer – Marken eines individuellen Stils, einer Persönlichkeit, wie sie im „seriösen“ Journalismus verpönt sind. Denn der tut so, als würden Maschinen für ihn schreiben – und gibt sich damit einer grundlegenden Verlogenheit hin, die der Blogosphäre fremd ist.
Die mag pöbelhaft sein, ungezogen, vorlaut und unreflektiert – aber sie ist wenigstens ehrlich dabei.

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