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Zum Thema Arcandor/KarstadtQuelle 5 

Die Krise von Karstadt ist ja mal wieder in den Schlagzeilen. Dazu sollte man vielleicht anmerken: Die Krise bei Karstadt ist nicht neu.
Ganz im gegenteil, die aktuelle Krise ist bereits das dritte wirtschaftliche Nadelöhr des Konzerns in den letzten 10 Jahren. Daher kann auch das geforderte Darlehen über 860 Mio. € die Kette nicht mehr retten – allerhöchstens ein paar Jahre über Wasser halten. Die Krise bei Arcandor ist konstant, besserungssignale blieben aus.

Dabei liest sich die Chronik des Niedergangs durchaus interessant:
1999 gründet sich Arcandor aus der Fusion der kriselnden Marktriesen Karstadt-Schickedanz (Karstadt, Thomas Cook, Hertie, Kadewe) und Quelle (Quelle, Fundgrube). Das Unternehmen bekommt kurzen Aufwind, verändert sich abernicht wirklich und bleibt somit als Anbieter hinter der Konkurrenz zurück.
2005 werden kleine Märkte abgestoßen und einer Hertie-Neugründung zugeführt. Runner’s Point (Schuhe) und SinnLeffers (Mode) werden aus dem Unternehmen ausgegliedert – und laufen als unabhängige Ketten interessanterweise wesentlich besser. Der Food-Bereich geht an eine gemeinsame Tochter mit Rewe.
Die dritte Krise ist gekennzeichnet durch die Übergabe des Buchgeschäfts an Weltbild und in dieser stecken wir immer noch – nach 10 Jahren schlechter Geschäfte kann der Konzern nicht mehr. Ganze Marksparten werden an Dritte vermietet, Karstadt selbst reduziert sich zunehmend auf eine Tätigkeit als Immobilienmakler. Rettung ist an diesem Punkt eigentlich schon längst zu spät – Karstadt ist praktisch tot.

Nun will die Politik Geld in das Unternehmen pumpen, allein: Es wird nichts nutzen. Karstadt wird, wenn sich nicht grundlegend etwas an der Kette verändert, über kurz oder lang verschwinden.

Ein Problem ist das hier in der Stadt für Rheydt: Das Karstadt dort gehört zu den zentralen Ankerpunkten der Innenstadt .
Ich sehe 5 Szenarien, was nun passieren kann und auf die die kommunale Politik hinwirken kann. Bei einem bleibt Karstadt mehr oder weniger erhalten, bei den 4 anderen verschwindet es.
Mehr dazu nach dem Link.

1. Karstadt Rheydt steigt aus
Das wäre der Ansatz, wo der Markt im Grunde genommen bleibt, er heisst dann nur nicht mehr Karstadt.
Die Rheydter Filiale ist aller Wahrscheinlichkeit nach profitabel. Dafür bürgt die ins Gebäude integrierte Bibliothek, die Kollateralkundschaft in das Kaufhaus einbringt sowie die Stellung des Marktes in der Umgebung – auch wenn diese durch den neuen Real-Markt am Bahnhof geschwächt wurde.
Somit hat der Markt das Potenzial, ähnlich wie zuvor bei Woolworth stellenweise geschehen, als eigenes Unternehmen zu bestehen.
Dafür müssen die Inhaber ein entsprechendes Marktkonzept entwickeln und vor allem Zulieferer organisieren. Die dazu notwendigen Kontakte solten sie allerdings qua Position bereits haben, es geht also nur noch um die Organisation dessen.
Vorteile: Die Rheydter Innenstadt bleibt in ihrer aktuellen Form enthalten. Die Selbstständigkeit kann von Karstadt genutzt werden, um seine Strukturen und sein Angebot zu modernisieren und besser auf die Kundenbedürfnisse einzurichten.
Nachteile: Das Risiko ist eventuell hoch, abhängig von der Profitabilität des Marktes. Für die Umorganisation könnte der Markt etwa einen Monat geschlossen bleiben.
Resultat: Gut, aber eventuell riskant

2. Rheydt Zentrum West
Der Markt wird aufgegeben. Da dieses Risiko auch bei einer Rettung des Gesamtkonzerns möglich ist, muss mit einem solchen Szenario ohnehin gerechnet werden.
Bei beibehaltung der aktuelen Planungen für den Südwesten des Rheydter Znetrums würde sich die Innenstadt dabei nach Westen verschieben, im Schwerpunkt hin zu dem Bereich zwischen Hauptbahnhof und Marienplatz.
Zentral hierfür ist die Ausgestaltung der Bebauung des ehemaligen Postareals.
Vorteile: Die Innenstadt würde insgesamt von der Nähe zum Hauptbahnhof profitieren. Langfristig könnte die Rheydter Innenstadt durch die neue Bahnhofsnähe ihre aktuelle Wirtscahftskraft übertreffen, wenn auch zu Lasten der jetzigen Struktur.
Nachteile: teile der Innenstadt, vor allem im Osten und den nördlichsten Bereichen, verfallen. Die Fußgängerzone gerät an den Rand des Gebiets, der verkehr im Süden nimmt stark zu. Der Wochenmarkt würde stark in Mitleidenschaft gezogen. Alle aktuelen städteplanerischen Maßnahmen in Rheydt wären hinfällig.
Resultat: Unangenehm, aber akzeptabel

3. Rheydt als lokales Zentrum
Arcandor gibt den Markt auf oder verschwindet vom Markt.
Die Rheydter Innenstadt verlagert sich nicht nach Westen in Richtung Bahnhof/Marienplatz, da keine entsprechenden Maßnahmen getroffen werden.
In diesem Falle sinkt die Anziehungskraft der Rheydter Innenstadt stark, der Verlust von Karstadt kann nicht ausgeglichen werden. Mittelfristig würde Rheydt zu einem stabilen Stadtteilzentrummit untergeordneter Bedeutung für die Gesamtstadt werden.
Vorteile: Die Innenstadt von Mönchengladbach (Alt) würde gestärkt
Nachteile: Das Warenangebot in Rheydt würde sich enorm verschlechtern, da Prestigebranchen sich aus der nun nicht mehr profitablen Innenstadt zurückziehen. Um die entsprechenden Waren einzukaufen wären bald schon längere Wege nötig – das Verkehrsaufkommen auf den Nord/Süd-Verbindungen erhöht sich erheblich, in Gladbach (Alt) entsteht erheblicher Neubedarf an Parkflächen. Rheydt verliert erheblich an lokaler Identität, es kommt zu zunehmenden politisch-gesellschaftlichen Spannungen zwischen den Stadthälften. Darauf aufbauend können populistische politische Gruppen an Einfluss gewinnen.
Resulat: inakzeptabel

4. Der Markt übernimmt
Auch hier verschwindet Karstadt komplett.
Mit „Markt“ ist hier der Wochenmarkt gemeint. Durch einen Ausbau zu einem permanenten Frischwarenmarkt wäre es möglich, das Rheydter Zentrum nicht nur zu stärken, sondern ihm auch ein eigenes Image zu geben.
Natürlich sind dazu Veränderungen der Lieferverfahren und des Geschäftsmodells für die Händler nötig. Lieferanten wie Bauern müssten zusätzliche Kräfte zum Verkauf anstellen. Läuft dieser gut, erhält Rheydt ein einmaliges Innenstadtkonzept von überregionaler touristischer Bedeutung.
Vorteile: Entwicklung eines einmaligen Innenstadtkonzepts für Rheydt. Die Rheydter Innenstadt schafft es, sich ausreichend von der Gladbacher Innenstadt zu distanzieren um eine Koexistenz beider Zentren herbeizuführen. Zudem hätte das Konzept potenziell touristische Relevanz. Es werden zusätzliche Arbeitskräfte für den Verkauf benötigt, die Bedeutung des Frischwarenhandels gegenüber dem Warenhaushandel steigt, ebenso die Bedeutung der lokalen Landwirtschaft.
Nachteile: Das Konzept ist extrem schwer durchzusetzen, da es große Veränderungen auch in der Einkaufskultur erfordert. Um den Markt ganzwöchig profitabel zu machen, müsste er zumindest anfangs beständig städtischerseits beworben werden – nahwirtschaftlich wie touristisch. Wahrscheinlich sind nicht alle Händler in der Lage, die ganze Woche durch waren anzubieten.
Resultat: Sehr gut, aber schwer etablierbar

5. Standort Zentralbibliothek
Die Zentralbibliothek zieht ins leerstehende Karstadt-Gebäude.
In diesem Szenario wird das gesamte Karstadt-Gebäude der Bibliothek zugeschlagen.
Die Rheydter Zweigstelle der Gladbacher Bibliothek würde zur neuen Zentralbibliothek werden. Der Standort ist zentraler als jener in Gladbach und würde von der bereits bestehenden Infrastruktur profitieren. Der Verlust für die Gladbacher Innenstadt würde sich in Grenzen halten, da die Bibliothek dort bereits jetzt ausserhalb liegt. Das Ganze könnte kombiniert werdne mit einem neuen Standort Lüpertzender Straße für die von den Grünen angedachte Bibliothek des Bildungszentrums zwischen den Innenstadtgymnasien und der Musikschule.
Vorteile: Der Finanzbedarf für den Bibliotheksneubau würde erheblich sinken. Die Bibliothek erhält einen zentralen Standort, die Rheydter Innenstadt eine attraktivere Bibliothek. Das neue Bibliothekszentrum an der Lüpertzender Straße könnte sich stärker an den Bedürfnissen der umliegenden Schulen orientieren.
Nachteile: Die jetzige Zentralbibliothek würde zur Zweigstelle, die Anziehungswirkung für die Innenstadt Mönchengladbach (Alt) daher sinken. Der Parkraumbedarf in Rheydt würde merklich steigen.
Resultat: Gut

Gesamtresultat
Soweit meine Gedanken zu möglichen Zukünften, ausgelöst durch die Karstadt-Krise.
Insgesamt hielte ich eine Kombination der letzten beiden für ideal – Rheydt würde als Innenstadt aus dem Schatten Mönchengladbachs gelöst, die Gesamtstadt würde vor allem von der Strahlkraft des Marktkonzeptes profitieren. Auch die Förderung lokaler Landwirtschaft durch den neuen Markt wäre ein erhebliches Pro. Aktuelle Planungen wie die Umgestaltung des Marktplatzes könnten in dieses Konzept integriert werden. Die Kostensenkung für den Zentralbibliotheksumzug wäre für die Stadt enorm.
Den Markt aus der Karstadt-Kette auszukoppeln wäre der vermeintlich einfache Weg, dann würde sich einfach nichts bedeutend ändern.
Die Verlagerung der Innenstadt nach Westen ist unangenehm, aber der letzte rettungsanker. Das Gebiet wirtschaftlich im Stich und damit verkommen zu lassen ist vollkommen inakzeptabel.

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