Gute Küche 0 

Essen ist ein großes Thema im Fernsehen. Bei einer aktuellen Recherche bin ich auf die Masse an Kritik am nun schon ein paar Jahre anhaltenden Boom von Kochsendungen gestoßen. Und in direkter Verbindung damit auf die Kritik daran, dass die Deutschen unglaublich schlecht essen würden.

Die Sendung vom 25. November 2009 kündigt die Redaktion von hart aber fair so an:

Deutschlands Fernseh- Köche kochen aufwendig und gesund. In den meisten Küchen dagegen Tristesse: Pizza kommt aus der Tiefkühltruhe, die Suppe aus der Tüte. Wird so Dicksein unser Schicksal? Und wer kann überhaupt noch selbst kochen und schmecken, wenn Fastfood und Chips den Geschmack verderben?

Nun stelt sich natürlich die Frage: Was ist an Tiefkühlpizza schlecht? Oder an Tütensuppe? Und was hat es mit Übergewicht zu tun, ob meine 400-Kalorien-Mahlzeit nun aus der Mikrowelle oder dem Backofen kommt?

Aber es kommt ja noch doller: Da wird insbesondere be Kochsendungen davon gesprochen, dass die Zuschauer nie im Leben gut kochen könnten, wenn sie nicht einen „geübten Geschmack“ häten. Denn merke: Wenn Ihnen das Produkt des Sternekochs nicht schmeckt, haben Sie nicht etwa einen anderen Geschmack als dieser – nein, Sie sind ein ungebildeter Cretin, der keine Ahnung hat. Schließlich hat da ein Maestro gekocht.
Ob Tim Mälzer das mit einem Sendungstitel wie „Schmeckt nicht gibt’s nicht“ auf den Arm nehmen wil, bezweifel ich. Diese Leute denken allem Anschein nach wirklich so.

Was hier passiert ist eine Konkurrnez zwischen zwei Gleichschaltungsstrategien:
1. Passive Gleichschaltung
2. Aktive Gleichschaltung

Passive Gleichschaltung
Die FastFood-Industrie zeigt einen für Industrie-Unternehmen typischen Ansatz: Zur möglichst einfachen Herstellung werden Produkte geschaffen, die einer möglichst großen Zahl von Menschen zusagen.
Das ist klassische Bedürfnisbefriedigung – gleichgeschaltet wird im grunde das Produkt.
Was diesem Ansatz abgeht, ist eine gewisse Vielfalt. Es wird nur produziert, was möglichst vielen Kunden schmeckt. Nischenprodukte gibt es nicht, der Kunde adaptiert gezwungenermaßen (mangels Alternativen) an den Massengeschmack heran, es entsteht ein sehr anspruchslos gleichgeschalteter Geschmack.

Aktive Gleichschaltung
Auch professionelle Köche stehen natürlich in einem Wettbewerb untereinander um die meisten Kunden. Die Illusion, ein Koch würde ein Mahl individuell am Gast orientiert zu bereiten, braucht man gar nicht erst aufbauen. Sterneküche ist Massenware, nur auf andere Art gefertigte.
Ihre Art der Gleischschaltung ist der „Feinschmecker“: Man erschafft sich einfach einen Menschentypus, der auf eine bestimmte Küche hin erzogen wird, welche dann von den professionellen Köchen geliefert wird. Und da Feinschmecker sich ähnlich wie Kunstkenner, Literaten etc. für etwas besseres halten zeigen sie ein überaus praktisches Sendebewusstsein, mit dem sie neue Kunden mitbringen. Und weil das wiedeurm aus irgendeinem Grund großes Ansehen genießt, dürfen diese „Feinschmecker“ sich dann über die Normalküche aufregen, wie der Adel über die Demokratie. Hier wird also im Grunde der Esser gleichgeschaltet.

Es besteht also die Wahl zwischen eingebildetem Elitismus und populistischem Brei. Oder?

Was ist nun gute Küche?
So etwas wie „gute Küche“ gibt es nicht. Koch, iss und wenn es dir schmeckt: Genieße.
Das ist die einzige Maxime, die beim Kochen Gültigkeit hat.

Sie mögen Tütensuppe? Dann lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen einreden – Ihr Geschmackssinn ist einzig und alleine Ihre Sache. Natürlich kann es nicht schaden, etwas mehr über Essen zu wissen als nur, wie man eine Bolognese-Soße von Maggi macht – denn dann kann man die Soße evtl. noch verbessern, indem man (z.B.) Majoran dazugibt. Aber letztendlich muss das Ihre Entscheidung sein – lassen Sie sich nicht von Möchtegerns reinreden, Ihre Zunge befindet sich immer noch in Ihrem Mund – hoffe ich zumindest.