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Verlage vs Fortschritt, eine alte Tradition 0 

Mal wieder ist so eine Diskussion ausgebrochen, in der die verlage meinen, sie würden vernichtet oder untergebuttetr werden. Diesmal geht es um das jehrzehntelang herbeilobbyierte „Kulturgut“ Buch.

Zur Definition: Ein Buch ist ein Stapel zusammengebundenes bedrucktes Papier. Recht komfortabel zu lesen, solange die einzigen anderen Optionen kiloschwere Steintafeln oder lose Blätter haufen waren.
Zunehmend überflüssig mit der Verbreitung gewichtsloser und platzsparender Alternativen wie digitaler Dateien.
Letztere hatten zuletzt den nachteil, dass das ständige Ansehen eines Bildschirms eher ungemütlich ist. Dank neuer Technologien wie eInk geht das aber inzwischen auch ohne Bildschirm.

Der bisher erfolgreichste Vertreiber von elektronischen Büchern auf speziell dafür zugeschnittenen Lesegeräten ist amazon mit seinem Kindle. Das ist zwar ein furchtbarer Name (kindle, englisch = zünndeln), aber dennoch recht erfolgreich.
Bücher werden für den fairen Preis von etwa 10 US-Dollar vertrieben. Das ist etwas weniger als ein Taschenbuch und angesichts der Tatsache, dass ein Kindle-Buch keine materiellen Herstellungskosten und weit unter einem Cent Lagerkosten pro Exemplar erzeugt eine beachtliche Gewinnmarge für die Verlage.

Nun kommt Apple und stellt mit iBooks ein iTunes für Bücher vor – und erhöht den Preis auf 15 Dollar pro Buch.
Das mag bei einzelnen Büchern gerechtfertigt sein, als Normalpreis empfinde ich es aber als unverschämt, mehr als 10 Dollar zu verlangen.
Und jetzt kommt die Begründung der Verlage: Die 10 Dollar machen die Preise kaputt.
Nur um das klarzustellen: Die Argumentation läuft darauf hinaus, dass ein günstigeres Herstellungsverfahren die alten, teureren Produkte überflüssig macht. Was ja genau der volkswirtschaftliche Sinn und Zweck von Fortschritt ist, auch wenn sich die Definition von „günstiger“ immer mal wieder ändert.

Aber es gibt noch einen interessanteren Aspekt:
Wisst ihr, wann das Argument schonmal kam? Bei der Erfindung des Taschenbuchs.

Das Taschenbuch, 1931 in Deutschland vom Albatross-Verlag erfunden, aber schnell aufgegeben und ab 1935 vom britischen Verlag Penguin Books zum Erfolg geführt, dürfte die in der Buchgeschichte bedeutendste Erfindung seit der Gutenberg-Presse sein.
Sie ermöglichte schlagartig, Bücher auch der weniger verdienenden Bevölkerung zugänglich zu machen, das Prestige des Buches als Statussymbol schwand mit dem Preis der Druckwerke. Zugleich ermöglichte das Taschenbuch aber mehr Umfang als etwa das Heft, weshalb es nun auch „richtige“ Literatur tragen konnte.
Die entwertete Elite reagierte darauf mit Empörung: Der niedrige Preis trivialisiere das Buch, Taschenbücher erhielten eine Bewertung irgendwo zwischen den Heftromanen („Schmutz- und Schunbdliteratur“) und „richtigen Büchern“.

Die Auswirkungen sind bis heute spürbar, die meisten Bücher erscheinen zunächst in einer teuren gebundenen Ausgabe und erst ein-zwei Jahre später als Taschenbuch. So retteten die Verlage das Hochpreissegment.

Und jetzt passiert das gleiche nochmal: amazon führt ein Preismodell ein, das für Texte (nicht Bücher!) einen vernünftigen Preis verlangt und die Verlagswelt macht erstmal mit.
Apple bietet den anderthalbfachen Preis und damit mehr als einige Texte in Buchform kosten und prompt riechen die Verlage das Geld. Plötzlich ist das Angebot von amazon „unmoralisch“. Jeder mag sich den Rest denken.

Also, als Zusammenfassung: Im Grunde geht es den Verlagen um das Recht auf Wucher.
Leidtragende sind die Leser, die sich ab und an auch mal ein Buch leisten können wollen.

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