Zu der Imam-Idee 0 

Ich finde erschreckend, dass alle Parteien – auch die grüne – sich positiv zum Vorschlag des Wissenschaftsrats äussern, Imame an den Universitäten auszubilden.
Ich habe daher die folgende mail an die wissenschaftspolitischen Sprecherinnen in NRW und Bundestag geschickt:

Liebe Ruth,
liebe Priska,

ich bin aktuell etwas erschrocken darüber, wie uneingeschränkt positiv der Vorschlag des Wissenschaftsrates für eine universitäre Imam-Ausbildung aufgenommen wird.
Statt sich darum zu kümmern, dass die Theologie endlich aus den Universitäten verschwindet (einfach weil sie keine Wissenschaft ist), fordert man nun die Einführung weiterer Pseudowissenschaften. Was wird als nächstes eingeführt, Astrologie? Chirologie? Tarot?

Ich verstehe Universitäten als Einrichtungen der Wissenschaft und dazu zählen die Religionen nunmal nicht.
Zwar gibt es durchaus eine wissenschaftliche Beschäftigung mit Religion (auch dem Islam, etwa Islamwissenschaften in Mainz), die Ausbildung von Geistlichen aber ist Sache der Religionsgemeinschaften. Es ist schon Skandal genug (aber wohl historische Erblast), dass die christlichen Priester, Pfarrer usw. an staatlichen Institutionen ausgebildet werden. Theologie ist keine Wissenschaft, sondern eine Ausbildung, die dazu befähigt möglichst elaborierten Unfug zu verbreiten (etwas neutraler formuliert: Theologen erzeugen in der Regel Meinungen, kein Wissen).
Ein Staat, der das besonders beachtet ist übrigens die laizistische Türkei. Das nur um aufzuzeigen, weshalb ich die Äusserungen einiger Integrationsverbände fragwürdig finde.

Um das zusammenzufassen: Die Vermittlung von Glaubensinhalten egal welcher Couleur ist keine universitäre Angelegenheit, sondern eine der Religionsgemeinschaften. Daher ist die Erweiterung um die Glaubensinhalte weiterer Religionen keinesfalls eine Verbesserung.

Betrachtet man zusätzlich, dass die Theologie von einer ausseruniversitären Institution (den Großkirchen) bestimmt wird, fällt zudem auf, dass die Theologie die Idee der Unabhängigkeit der Wissenschaft untergräbt. Da ist es nicht mehr weit bis zum Unwesen der unternehmensgeführten wirtschaftswissenschaftlichen Institute, die nicht mehr Wirtschaft erforschen, sondern nur mehr neoliberale Lehrsätze verbreiten – ist das wirklich unsere Zielvorgabe in der Entwicklung der Wissenschaft?

Mit den besten Grüßen,
Thomas R. Diehl

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