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Dino-Dienstag (vormals Paläo-Pfreitag) 7 1 

Okay, ich dachte mir, dass der Paläo-Pfreitag eine gute Idee für diese Seite war und hebe ihn somit wieder aus der Versenkung. Nur ist Freitag grade ein etwas ungünstiger Tag, da ich neue Bücher tendenziell freitags oder samstags veröffentliche und das kann sich in die Haare kommen, weil ich ungerne zwei Beiträge an einem Tag ins Blog packe. Ausserdem ist Dino-Dienstag ein besserer Titel für die Serie.
Und ja, natürlich hängt diese Serie mit meiner Reihe Meilensteine der Evolution zusammen. Und ein bisschen auch damit, dass deren dritter Band nach vielen Verzögerungen diese Woche endlich erscheint.

Dieses kleine Scheisserchen hier

Kulindadromeus, Bild: Andrey Atuchin

Das possierliche Tierchen hier ist Kulindadromeus zabaikalicus, der erste zweifelsfrei gefiederte Dinosaurier aus der Gruppe der Ornithischia. Zur Erklärung, es gibt zwei Arten von Dinosauriern, die sich gleich zu Anfang aufspalteten: Saurischia (Sauropoden und Theropoden) und Ornithischia (so ziemlich alle anderen).
Bisher kannte man eindeutige Federn nur von den Saurischia, zu denen auch die Vögel gehören. Einige Ornithischia hatten Borsten am Körper, die primitiven Federn ähnlich gewesen sein könnten, aber es war nicht eindeutig. Es gab also lange Debatten darüber, ob Federn eine Besonderheit der Theropoden waren, oder ob schon der gemeinsame Vorfahr aller Dinosaurier Federn hatte, bevor sich die beiden Gruppen trennten. Hinzu kommt noch, dass die Flugsaurier ein Fell hatten, das ebenfalls dem Daunengefieder der Vögel ähnelte, nur dass die Flugsaurier sich bereits vor den ersten Dinosauriern von den Vorfahren der Dinosaurier getrennt hatten, obwohl sie immer noch entfernt verwandt waren.
Damit erbringt Kulindadromeus den lange erwarteten Beweis: Alle Archosaurier ausser den Krokodilen hatten bzw. haben ursprünglich eine Körperbedeckung aus speziellen Schuppen, die Haare oder Federn bildeten. Allerdings haben viele Gruppen von Dinosauriern diese später wieder verloren, wahrscheinlich als sie an Größe gewannen. Kulindadromeus selbst zeigt eine interessante Mischung aus beschuppten und gefiederten Bereichen am Körper.

Sah Spinosaurus ganz anders aus?
Spinosaurus, der seit Jursassic Park III wohl bekannteste Dinosaurier, über den wir kaum etwas wissen. Die wenigen Fossilien, die es von Spinosaurus gab, lagen im 2. Weltkrieg in München und wurden Opfer des Krieges.
Nun gibt es eine Ausstellung mit einer neuen Rekonstruktion auf der Basis neuer Funde aus Ägypten, die ab Oktober in Washington (D.C.) gezeigt werden sollen. Und das auf den Fotos in den Ankündigungen gezeigte Ergebnis ist scheinbar ein völlig anderes Tier als das, was wir bisher kannten. Das Segel war nicht rund und durchgehend, sondern formte zwei Buckel, die in der Silhouette den Buckeln eines Kamels ähnelten. Die Beine waren im Verhältnis zum Körper viel kürzer als bei allen anderen Theropoden.
Wenn sich das im Oktober als richtig erweist und nicht als bloßer Fehler im Werbematerial des Museums, wäre dies der zweite Dinosaurier, von dem sich innerhalb von 12 Monaten herausstellt, dass er völlig anders aussah, als wir dachten. Der erste war Deinocheirus, ein riesenhafter Verwandter des ebenfalls aus Jurassic Park bekannten Gallimimus.

Neuer Pterosaurier: Caiuajara

Caiuajara, Bild Maurilio Oliveira/Museu Nacional-UFRJ; CC-BY

Dieser neue Flugsaurier, den ich kurzerhand Cumbajamylord-o-saurus nenne, damit ich ihn ohne Knoten in der Zunge aussprechen kann, gehört zu einer aus Südameirka und Europa bekannten Gruppe, die alle so riesige Kämme auf ihren Schnäbeln hatten, den Tapejariden.
Cumbajamylord-o-saurus wurde in einer großen Gruppe von 50 Sauriern der selben Art entdeckt. Diie einzelnen Tiere waren verschieden alt und so konnte erstmals das Wachstum der Flugsaurier selbst sowie ihrer Schädelkämme untersucht werden. Dabei stellten sich zwei Dinge heraus: Zum einen hatten alle Exemplare einen Kamm auf dem Schädel, der mit dem Alter wuchs, es gab also keinen Unterschied zwischen Männchen und Weibchen (anders als etwa beim in Staksigen Schrittes vorgestellten Nyctosaurus). Zum anderen hatten selbst die kleinsten Jungtiere die selbe Anatomie wie die Erwachsenen – sie konnten wahrscheinlich von der Schlupf an fliegen. Das ist etwas, was es bei den Vögeln nicht gibt, dort können selbst die Nestflüchter zwar von Anfang an laufen, aber nicht sofort fliegen. Mit Flügeln aus Haut ist das einfacher zu erreichen als mit solchen aus Federn.
Zudem ist Caiuajara der bislang am weitesten südlich (Südbrasilien) Tapejarid und mit einem Alter von 85 Millionen Jahren der letzte bekannte Vertreter dieser Gruppe.

Wie das Leben vor dem Leben lebte
Bevor die Welt mit jenen Arten von Lebewesen gefüllt wurde, die wir heute kennen, herrschte eine seltsame Gruppe von Tieren (?) über die Ozeane: Die Rangeomorphen und die sie umgebende vendische oder Ediacara-Fauna. Tiere, die im Grunde wuchsen wie Pflanzen. Lange galt als rätselhaft, wie diese Tiere lebten und vor allem, wie sie sich ernährten.
Computersimulationen geben neue Hinweise darauf: Die einmalige Wuchsform der vendischen Lebewesen führte dazu, dass sie im Vergleich zu ihrer Größe gewaltige Oberflächen hatten, mit denen sie Nährstoffe aus dem Wasser um sie herum filtern konnten. Da es damals noch keine Tiere gab, die aktiv nach schwimmender Nahrung suchten, konnten sie sich einfach von der nährstoffreichen „Supper“, die damals die Ozeane füllten, umspülen lassen.
Als dann die ersten Tiere nach heutigem Verständnis (Quallen, Würmer) auftauchten, fanden die Rangeomorphen schlichtweg keine Nahrung mehr, weshalb sie recht schnell wieder verschwanden.

Neuer Ankylosaurier aus China
China hat einen neuen Ankylosauriden, ein Tierchen namens Chuanqilong chaoyanengis. Das ist auch schon so ungefähr was man zu ihm sagen kann. Chuanqilong ist ein früher Ankylosaurier, mittelgroße Dinosaurier mit schwerer Panzerung und einer Knochenkeule am Ende des Schwanzes, die wahrscheinlich zur Verteidigung diente. Diese Knochenkeule fehlt bei Chuanqilong, trotzdem gilt er als primitiver Ankylosaurier und nicht als ein Vertreter der nahe verwandten Nodosaurier, die ebenfalls keine Schwanzkeule hatten.
Die Thyreophora, welche Ankylosaurier, Nodosaurier und Stegosaurier umfassten, waren in Asien recht häufig.

Unverschämte Werbung
Gefiederte Dinosaurier wie Kulindadromeus sind Thema des Ende des Monats erscheinenden Bandes Schwarzer Schwinge in der Reihe Meilensteine der Evolution. Die vendische Fauna wird im für diesen Winter geplanten Band Giftigen Grundes vorgestellt.
Bereits erschienen ist der Band über Flugsaurier, Staksigen Schrittesamazon, auch wenn Caiuajara selbst ein paar Millionen Jahre zu früh gelebt hat, um es dort hineinzuschaffen (es geht in dem Band um das Aussterben der Flugsaurier).

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