Tod eines Handlungstwitternden (aktualisiert) 0 

Oh, eine Miller-Referenz im Titel, das wird gut! Aber um ehrlich zu sein gefiel mir nur spontan der Titel. Nunja, und wenn überhaupt, dann leider nicht ob des Anlasses: Twitter hat allem Anschein nach kurzerhand eBooks für lau kastriert.
Und hier, was passiert ist:

Und der Weg dorthin:
Wie einige Leser wissen werden, ist eBooks für lau ein von mir betriebener Twitter-Account, der Links zu jeweils aktuell kostenlosen eBooks mit einer kurzen Beschreibung des betreffenden Buches bringt.
Dies tue ich dort in nicht im geringsten aggressiver Weise: Ich folge mit diesem Account niemandem nur um Gegen-Follows zu erhalten, ich schreibe keine anderen Twitter-Accounts ohne Grund an, ich habe nie eine Direktmitteilung an einen Follower geschickt, geschweige denn eine unverlangte.
Ich schicke täglich um ca. 18 Uhr einige Tweets zu kostenlosen Büchern. Seit 2½ Jahren fast jeden Tag an inzwischen deutlich über 500 Follower, die alle aus eigenem Antrieb und – so hoffe ich doch – in vollem Bewusstsein, dass der Account nichts anderes tut eBooks für lau gefolgt sind. Fast 6.400 Tweets.
Und dann plötzlich schlägt ein Spamfilter an, wenigstens ist es das, was ich aufgrund der automatisierten Natur der Meldungen annehme.

Die erste kleine Gewitterwolke erschien bereits vor etwa zwei Monaten am Horizont, als Twitter sich plötzlich weigerte, Links von adf.ly zu akzeptieren. Es handelt sich dabei um einen URL-Kürzungsdienst, der bei verlinkten Seiten über die Einblendung eines Werbebanners Einnahmen generiert. Ich nutze ihn immer dann, wenn ein Link auf eine Seite geht, bei der ich keine Werbeeinnahmen aus der eigentlichen Verlinkung erhalte (am häufigsten bei Beam).
Übrigens lustigerweise, wenige Wochen nachdem ich hingegangen bin und die Werbung dort von einer ganzseitigen Anzeige vor Zugriff auf den Link auf ein Banner umgestellt hatte, damit die Werbung weniger stört. Denn ich bin jemand der glaubt, dass Werbung durchaus als positives Informationsorgan dienen kann, wenn sie nur ethisch und moralisch korrekt gestaltet wird und wenn sie den Umworbenen nicht unbotmäßig belästigt.

Nun gut, ich wechselte auf eine andere Kürzungs-URL, die ebenfalls über adf.ly läuft (q.gs) und damit war das Problem erledigt. Vorerst.

Denn dann kam heute: Twitter weigerte sich nun auch, einen q.gs-Link anzunehmen mit dem Vermerk, es bestehe der Verdacht, dieser Link sei fragwürdigen Inhalts. Tatsächlich fand ich bei Überprüfung von Futuretweets für gestern, dass schon dort die zwei Tweets mit q.gs-Links nicht gesendet werden konnten.
Futuretweets ist ein Service, der es ermöglicht, Tweets vorab zu schreiben und die dann später versendet. Ich nutze ihn ab und an, wenn sich Termine oder ähnliches mit meinen Zeiten für Tweets beissen, gestern beispielsweise hatte ich Familienbesuch und wir haben den Abend draussen mit Grillen verbracht (nicht Heuschrecken, Barbecue!). Ich versuche, trotz gelegentlicher verpasster Tage, eine für die Leser verlässliche Zeit einzuhalten und gehe davon aus, dass sie diese Verlässlichkeit zu schätzen wissen. Möglich, dass auch dies dazu beigetragen hat, dass Twitter die Tweets für automatisiert hält, aber das ist das gesamte Ausmaß, in dem ich automatisierte Dienste nutze.
Nun, ich kürzte den gekürzten Tweet nochmal über bit.ly ab, um die Linksperre bei Twitter zu umgehen, was zwar dazu führte, dass ich den Beitrag absenden konnte, wer darauf klickte jedoch zunächst eine Warnung erhielt.

Leser haben wenigstens ganz unten rechts die Option, die Warnung zu ignorieren. Ich habe das beim Posten nicht


Das ist ja noch schlechtere Kommasetzung in der Systemmitteilung als in einem meiner Texte.

Nachdem dieses Problem vorerst überwunden war, mir aber klar war, dass ich später noch eine andere Lösung suchen werden müsste, begab ich mich an den Amazon-Teil der heutigen Liste von nach erstem Augenschein empfehlenswerten kostenlosen Büchern.
Der erste Amazon-Tweet: Es kam erstmalig die ganz oben in diesem Beitrag gezeigte Fehlermeldung, aber bei zweitem Absenden ging der Tweet raus. Ich vermutete zunächst, der kurze Zeitabstand von unter 60 Sekunden zwischen den Tweets habe das ausgelöst.
Nächster Tweet, nächste Fehlermeldung. Der Tweet funktionierte erst, als ich den Link an eine andere Stelle im Tweet setzte, nämlich an den Anfang.

Das ging eine Weile und dann zeigte sich die Fehlermeldung jedes Mal, wenn ich versuchte, einen Link in einen Tweet zu setzen. Egal, wo im Tweet der Link war und egal, was für ein Link es war: Amazon ging nicht (offensichtlich), obwohl dies wohl kaum im Verdacht steht, Malware zu verteilen.
Als ich einen Screenshot des Problems teilen wollte stellte sich heraus, das nicht einmal mehr Twitter-eigene Links für hochgeladene Medieninhalte funktionierten.

Im Moment kann ich noch Beiträge ohne Links schreiben. Ich habe dies genutzt, um die Leser über die Situation zu informieren und die restlichen kostenlosen Titel für den Tag (sowie das auf 0,99 € runtergesetzte Drachenschiffe über Kenlyn vom von mir immer gerne empfohlenen Dane Rahlmeyer) wenigstens mit Titel und Autor zu erwähnen, damit die Leser diese dann bei Amazon ins Suchfeld eingeben können.

Momentan weiss ich nicht, was passiert ist. Ich kann vermuten und momentan sieht alles danach aus, dass ein Twitter-interner Spamfilter auf meine Tweets angeschlagen ist. Ich habe keinerlei diesbezügliche Mitteilungen von Twitter bekommen, weder über die Twitter-Seite noch an die mit dem Account verbundene eMail-Adresse. Keine Warnung, keine Information, keine Belehrung irgendwelcher Klauseln in den Nutzungsbedingungen, nichts.
Der finanzielle Schaden hält sich in Grenzen, in seinen besten Monaten macht eBooks für lau mit den Affiliate-Links und Bannereinblendungen um die 100 €, normalerweise weniger. Aber mein Vertrauen in die Zuverlässigkeit von Twitter ist damit doch erheblich erschüttert – ohne Vorwarnung und Begründung einen Account zu kastrieren ist übler als das, wofür Youtube zuletzt mächtig Ärger bekommen hat. Die liefern wenigstens gleichzeitig mit Ergreifen der Maßnahme eine inhaltsleer-automatisierte Begründung, wenn sie einen Account sperren.
Ich habe einen Dienst betrieben, der per Twitter für Nutzer kostenlos einen echten Mehrwert erzeugt hat. Ich habe dabei niemandem geschadet, ich habe niemanden belästigt. Ich habe damit etwas Geld gemacht, was wohl kaum in irgendeiner Weise verwerflich ist, vor allem nicht bei diesen Beträgen. Ich verstehe nicht, was ich mit eBooks für lau falsch gemacht haben soll.

Ich werde mich nun mit Twitter in Verbindung setzen um herauszufinden, was passiert ist und den Dienst nach Möglichkeit fortsetzen zu können.

Nachtrag: Der Dienst funktioniert wieder. Es sieht so aus, als habe der q.gs-Link irgendwelche Sicherheitsroutinen im System ausgelöst. Ich finde den Umgang von Twitter mit solchen Diensten ziemlich unmöglich