Dino-Dienstag 25 0 

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diese Woche geht es zu dem, was man zu Zeiten der Bibel noch als Gewürm kannte, also Würmern und Schlangen. Allerdings mit Beinen.
Aus konkretem Anlass: WARNUNG FÜR SCHLANGENPHOBIKER

Hallucigenia verdient sich seinen Namen

Die Tierwelt zur Zeit der so genannten kambrischen Explosion ist eine extrem seltsame. Mit diesem Ereignis, dem plötzlichen Auftreten der ältesten eindeutigen Vorfahren der meisten modernen Tiergruppen von diversen Würmern über die Gliederfüßer bis zu den ersten Fischen, beginnt die Welt, wie wir sie kennen. Aber viele der damaligen Tiere waren für unsere Augen völlig fremdartig, einfach weil so viel Zeit zwischen dieser Welt und der unseren vergangen ist.
Hallucigenia gehört zu den fremdartigeren Lebewesen dieser Welt. Eine Art Wurm auf Beinen mit langen Stacheln auf dem Rücken, von dem die Wissenschaftler lange nicht wussten, wo vorne und wo hinten ist – oder auch nur oben und unten. Doch nun wurden an einem Fossil von Hallucigenia Überreste gefunden, die eindeutig von einem Kopf stammen. Und damit war es auch möglich, mehr über das Tier herauszufinden. Mit zwei Punktaugen und einem runden Mund umgeben von einem Kranz von Zähnen lief es übeer den Meeresboden und saugte dabei Beute auf, die es mit weiteren Zahnreihen im Schlund in den Magen hinunterzog. Das Gesamtbild des Tieres wurde damit seltsamer als zuvor bereits bekannt, zugleich verdichten sich aber die Hinweise, dass Hallucigenia ein früher Vorfahr der heutigen Stummelfüßer war, einer seltsamen Gruppe von tropischen Tieren, die aussehen wie eine Mischung aus einem Wurm und einem Tausendfüßer.
Wie seltsam Hallucigenia also aussah? Nun, H.P. Lovecraft hätte seine helle Freude gehabt, auch wenn die Tierchen nur fünf Zentimeter lang wurden:

Ich habe dieses Bild als erstes genommen, nachdem sich eine Schlangenphobikerin über das nächste beschwert hat. Gern geschehen. (Bild: Danielle Dufault)

Ich habe dieses Bild als erstes genommen, nachdem sich eine Schlangenphobikerin über das nächste beschwert hat, das sonst in Facebook als Vorschaubild aufgetaucht wäre. Gern geschehen. (Bild: Danielle Dufault)

Die Knuddelschlange

Manchmal sind auch Paläontologen blind. Anders kann ich mir nicht erklären, dass sich ein sensationeller Fund über Jahre mehr oder weniger unbemerkt im Museum im bairischen Solnhofen befinden konnte ohne dass jemandem auffiel, dass es eine Schlange mit vier Beinen war. Ich meine, das ist das Heimatmuseum des Archäopteryx, man sollte meinen, dort gibt es wenigstens ein-zwei Forscher, die genug über prähistorische Reptilien wissen um die Bedeutung eines solchen Stückes zu erkennen.
Nun, ein britischer Forscher sah das Stück während eines Besuchs und erkannte seine Bedeutung, woraufhin eine Untersuchung folgte.
Was uns zu der Entdeckung bringt: Tetrapodophis amplectus, die „Umarmende Vierbeinschlange“ oder, wie ich sie lieber übersetze, die Vierbeinige Knuddelschlange, ist nichts geringeres als eine eindeutige Übergangsform zwischen Echsen und Schlangen. Wie der Name verrät, hatte diese vor 113 Millionen Jahren in Brasilien lebende Schlange vier Beine. Alle anderen bekannten Schlangen haben höchstens zwei Beine, die Vorderbeine haben sie sehr früh verloren. Die Beine von Tetrapodophis waren zudem überraschend gut entwickelt, sie wurden also wahrscheinlich noch benutzt – nicht zum Laufen, aber möglicherweise zum ergreifen von Beute.
Dass Tetrapodophis ein Räuber war, ist ebenfalls klar, denn in ihrem Magen fanden sich Reste von einem kleinen Wirbeltier.

Free Hugs! (Bild: Julis T. Cstonyi)

Free Hugs! (Bild: Julis T. Cstonyi)