Dino-Dienstag 29 0 

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diese Woche mit vielen neuen Arten seit dem letzten Mal.

Pentecopterus

Pentecopterus - Illustration: Patrick Lynch, Yale University

Pentecopterus – Illustration: Patrick Lynch, Yale University


Aus Iowa stammt der älteste Großräuber der bekannten Erdgeschichte. Pentecopterus erreichte vor 500 Millionen Jahren etwa die Größe eines Menschen und gehörte zu den Seeskorpionen, einer Gruppe mariner Gliederfüßer, welche die Meere beherrschten, bevor große Raubfische diese Nische übernahmen.
Die Seeskorpione lösten in der Rolle als Spitzenräuber der Meere die seltsamen Anomalocariden ab, bei denen allerdings mittlerweile Hinweise auftauchen, dass sie gar keine Fleischfresser waren, sondern sich von Plankton ernährten. Anomalocariden lassen sich am ehesten als eine Mischung aus Krabben udn Handstaubsaugern beschreiben und ähnelten nichts, was heute noch lebt.

Homo naledi

Ein neues Familienmitglied ist aufgetaucht: Homo naledi aus Südafrika ist die südlichste bekannte Menschenart. Die meisten frühen Menschenarten breiteten sich vom Horn von Afrika nach Westen und Norden aus, H. naledi dagegen repräsentiert einen Zweig, der nach Süden wanderte.
Wirklich spektakulär war aber wohl die Bergung der Überreste. Knochen von H. naledi fanden sich in einer engen, tiefen und windungsreichen Höhle, weshalb Ausgrabungsleiter Professor Leo Berger per Internet Menschen suchte, die möglichst Erfahrungen im Erkunden von Höhlen haben.
Diese fanden sich und so wurden insgesamt 1.550 Knochen aus der Höhle geborgen. Interessanterweise fanden die Forscher Hinweise, dass die Verstorbenen absichtlich in die Höhle gebracht wurden.

Neue Spezies

Noch ein paar weniger spektakuläre neu entdeckte Arten sind in den letzten Wochen dazugekommen:

Desmatochelys padillai - Illustration: Jorge Blanco

Desmatochelys padillai – Illustration: Jorge Blanco


Mit Desmatochelys padillai haben Forscher die bisher älteste Meeresschildkröte gefunden. Interessant daran ist, dass die Schildkröte sich kaum von heutigen Meeresschildkröten unterscheidet, obwohl sie immerhin 120 Millionen Jahre alt ist, so alt wie die ältesten halbwegs modernen Vögel. Die Meeresschildkröten hatten ihre Blütezeit gemeinsam mit den letzten Dinosauriern, als sie Exemplare von der Größe einer Tischtennisplatte hervorbrachten. Sie sind die einzigen unter den Meeresreptilien dieser Zeit, die das Massensterben vor 65 Millionen Jahren überlebten und noch heute umherschwimmen, vermutlich, weil sie anders als die meisten Meeresreptilien nie aufgehört haben Eier zu legen, um lebende Junge zu gebären. So konnten die Eier ihre Eltern überleben, als in den Ozeanen praktisch alles ausstarb, was zu nah an der Oberfläche lebte.
Unter den richtigen Dinosauriern ist Horshamosaurus als Neuzugang zu vermelden. Leider wissen wir nicht viel darüber, wie dieser gepanzerte Dinosaurier aussah, da nur Wirbel erhalten sind. Wahrscheinlich ähnelte er den großen Ankylosauriern Nordamerikas und Asiens, mit denen er nahe verwandt war. Die Fossilien waren schon in den 80ern in England gefunden worden, aber für Überreste von Polacanthus gehalten worden. Erst jetzt zeigten Untersuchungen, dass die Knochen zu einer neuen Art gehörten, die wesentlich robuster gebaut war als Polacanthus.
Asien bringt mit Mosaiceratops einen neuen Ceratopier, in diesem Fall eine kleine Art ohne Hörner oder auffälligen Nackenschild, die stark den ersten Ceratopiern ähnelte, aber auch anatomische Merkmale der bekannten Riesen späterer Zeiten wie Triceratops aufweist (etwa die Zahnverteilung). Dieser auf den ersten Blick recht unspektakuläre Dinosaurier ist innerhalb der Ceratopier ein Missing Link, den bei diesen Tieren gibt es immer noch viele Lücken im Verständnis ihrer Herkunft. Ähnliches gilt auch für den südafrikanischen Sefapanosaurus, einen neuen Dinosaurier, der zwischen den berühmten langhalsigen Giganten des Jurazeitalters und ihren zweibeinigen Vorfahren steht, welche als erste Dinosaurier vergleichsweise riesige Formen erreichten.
Bleibt noch Ichibengops zu erwähnen, ein räuberischer Vorfahr der Säugetiere, der möglicherweise einen giftigen Biss hatte, eine Eigenschaft, die bei heutigen Säugetieren nicht mehr existiert. Entsprechend überraschend ist dieser Befund bei einem frühen Vorfahren der Säugetiere. Ichibengops lebte vor etwa 260 Millionen Jahren in Sambia und ist damit deutlich älter als die ältesten Dinosaurier.

Evolutionen

Neue Erkenntnisse dazu, wie genau etwas entstanden ist, erscheinen oft uninteressant, aber tatsächlich geben sie Einblick, wie die Evolution funktioniert. Sie zeigen, wie eine Form zur anderen wurde und stärken somit die Beweislage für die Evolution ebenso wie unser Verständnis von ihr. Ich schreibe dies, da es in den letzten Wochen zwei neue Forschungen in dieser Richtung gab.
Das eine ist eine Untersuchung, die zeigt, dass bei den Ankylosauriern erst die versteiften Schwanzwirbelsäulen entstanden und dann die großen Knochenkeulen an den Schwanzspitzen, für die viele der späteren Ankylosaurier bekannt sind
Für uns als Menschen viel interessanter sind natürlich die eigenen Verwandten. Bei unseren entferntesten eindeutig zuzuordnenden Verwandten, den Quastenflossern, gibt es hier ebenfalls Neuigkeiten. Wissenschaftler konnten anhand der Entwicklung im Wachstum der modernen Quastenflosser-Art Latimeria chalumnae nachweisen, dass deren Vorfahren in der Tat Lungen gehabt haben müssen. Diese bei Jungtieren noch vorhandenen Lungen verkümmern allerdings, wenn die Fische altern. Wahrscheinlich ist dies ein Grund, warum diese Quastenflosser das Ende der Dinosaurier überlebten während alle anderen Fische dieser Gruppe verschwanden: Sie sind Tiere der Tiefsee, ganz im Gegensatz zu den einst eher an den Küsten vorkommenden anderen Arten. Und es zeigt auch erneut: Die Evolution verläuft nicht in eine bestimmte Richtung.
Neue Organe wie Lungen können bei manchen Tieren neue Möglichkeiten eröffnen (die Eroberung des Landes), während sie bei anderen irgendwann wieder verschwinden, weil sie für ihren Lebensstil nutzlos sind.