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Mediale KW 20/2015 0 

Diese Woche: Zwei nostalgische Sachbücher und ein Tom Cruise.

Pädagogen-Zeitkapsel: vernünftiger schreiben — reform der rechtschreibung

Sachbuch, Deutschland 1974, Taschenbuch
Das Deutsche ist eine komplexe Sprache mit einer nach vielen Maßstäben völlig vermurksten Rechtschreibung. Der Ansatz, die Schreibung von Wörtern an ihrer Herkunft auszurichten führt zu einem Kuddelmuddel an Möglichkeiten, Ausdrücke in die Schriftform zu übertragen. Da hätten wir das „dass“ mit seinem überflüssigen zweiten s (wir sprechen „das“ und „dass“ gleich ohne, dass dies zu Problemen führen würde, warum schreiben wir sie also unterschiedlich?). Oder die Beibehaltung vermeintlich griechischer Wörter, obwohl diese ohnehin schon durch die Übertragung in das lateinische Alfabet ihrer Historie beraubt und zugleich an die deutsche Aussprache und Grammatik angeglichen wurden — oder spricht etwa irgendwer ein ph als solches aus und nicht als deutsches f? Und ja, da ist ein Unterschied, aber das würde jetzt zu weit führen (kurz: f ist ein labiodentaler Frikativ, ph ein aspirierter Plosiv oder im Neugriechischen durch zwischenzeitlichen Sprachwandel ein bilabialer Frikativ, nachschlagen erlaubt). Ich habe dazu grundsätzlich schon 2013 etwas geschrieben.
Worauf ich hinaus will: Die Idee einer Rechtschreibreform ist in etwa so alt wie jene einer einheitlich geregelten deutschen Rechtschreibung. Und vernünftiger schreiben, nicht zufällig kleingeschrieben, ist ein 41 Jahre altes Beispiel davon. Hinter dem Projekt steckten keine Leichtgewichte der deutschen Sprache – es sind die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), das Deutsche PEN-Zentrum und der Verband Deutscher Schriftsteller.
Viele der Vorschläge sind inzwischen umgesetzt, einige nicht, etwa die konsequente Kleinschreibung. Entsprechend amüsant lesen sich viele Passagen für Eingeweihte. Und hin und wieder findet man Worte der Weisheit, an denen viele heutige Sprachschützer und Pädagogen innehalten können sollten. Etwa diese von Siegfried Jäger (S. 62):

Die geforderte benotung von rechtschreibleistungen ist auf breitester basis zu verweigern, da sie nichts messen kann, weder intelligenz noch fleiß, noch prognosen für die zukunft zulässt. Sie ist völlig willkürlich und zu nichts anderem gut, als die kinder zu disziplinieren, ja letztlich ihre in die schule mitgebrachten fähigkeiten nicht selten zu zerstören. (sic!)

Wertvolle Bücher eröffnen neue Perspektiven. Dieses Buch ist heute wertvoller denn je.

Generationsporträt: Wir sind online — wo seid ihr?

Sachbuch, Deutschland 2012, Taschenbuch
Einerseits ist Wir sind online ein amüsantes Buch. Gut geschrieben, gefüllt mit Anekdoten, Wortspielen, Scherzchen in Nebensätzen. Wer dieses Blog kennt, wird den Stil kennen.
Andererseits ist da noch das Amüsement, das sich aus Dingen ergibt, über die Autor Klaus Raab wenigstens dem Anschein nach keine Kontrolle hatte. Etwa die Tatsache, dass ein Buch über das Leben jener, die mit Computern aufgewachsen sind, nur auf Papier erhälltlich ist. Oder jene, dass dieser Buch in seiner Ablehnung des Generationenbegriffes eines der besten Porträts einer Generation geworden ist, die ich bis jetzt gesehen habe.
Jeder von uns kennt Leute, die den sozialen Medien gerne ein a vorsetzen und das dann als einziges Argument einer Feindschaft dagegen anführen. Es ist lästig und albern, aber wenigstens spielen diese Leute nicht mit ihren Rollatoren auf unserem Rasen. Nur sind es auch diese Leute, die allgegenwärtig in den (alten) Medien ihre unsubstanzierte Meinung zu eben diesen Medien breitwälzen, die darüber Gesetze beschließen und über die jungen Leute von heute schimpfen wollen.
Klaus Raab nimmt das als Basis für einen Rundumschlag. Er wirft das Kontrukt der ikonisch definierten Generation (Golf! Pratikum! Doof!) kurzerhand ein, baut aus den geworfenen Steinen seinerseits eine digitale Generation und ordnet diese dann in einen Kontext: Die Geschichte der Jugendkultur, des Begriffs der Jugend an sich und jener ihrer Rezeption. Das Ergebnis ist das Bild einer „Generation“, das vor allem eines leistet: Es trifft. Und noch wichtiger es vermittelt dank der Bezüge auf den Blödsinn, den die heute alten Generationen einst angestellt haben. Dieses Buch sollte lesen, wer jene nicht mehr versteht, die heute ihre Zeit in sozialen Medien und überhaupt dem Internet verbringen.
Meine Empfehlung: Kaufen, um es an genau solche Menschen verschenken zu können. Dafür wiederum ist die Papierausgabe deutlich sinnvoller als eine elektronische. Vielleicht war das Fehlen einer eBook-Version also doch Absicht.

Und deshalb gibt es Spoilerwarnungen: Oblivion

Science-Fiction, USA 2013, Film/BluRay
oblivion-trailer-screenshot1
Ich habe mit dem neuen Design auch die Möglichkeit eingeführt, Spoiler im Text zu verstecken. So zum Beispiel: Niemand kann mich sehen, hihi! Oy! Zum Lesen muss man den Text markieren. In dieser Besprechung wollte ich das erstmals nutzen, da Oblivion kaum ohne Spoiler zu besprechen ist. Und wisst ihr, was anscheinend auch nicht ohne Spoiler möglich ist? Der verdammte Trailer, der mal eben praktisch alles ausser den letzten fünf Minuten verrät, vermutlich um Morgan Freeman im Trailer haben zu können. Deshalb hier auch nicht eingebunden.
Okay, jetzt aber: 2077. Die Erde ist entvölkert, nachdem ausserirdische Invasoren den Mond gesprengt und den Planeten unbewohnbar gemacht haben. Jack und Victoria sind auf der Erde, um Drohnen zu warten, die gewaltige Anlagen verteidigen, die das Wasser der Erde aufsaugen, um daraus Treibstoff für den Exodus der Menschheit zu gewinnen. Doch Jack wird von seltsamen Träumen geplagt, die mehr wie Erinnerungen anmuten. Was sehr wahrscheinlich ist, da die beiden als Sicherheitsmaßnahme keine Erinnerungen an ihr Leben vor der Mission haben. Als Jack die Frau aus seinen Träumen als Überlebende eines Raumschiffabsturzes rettet, beginnt sein Weltbild, zusammenzubrechen.
Mit Spoilern kann ich die Besprechung jetzt enorm abkürzen: Es ist Moon (großartiger Film, seht Moon!) mit der Action von I am Legend (die Version mit Will Smith, nicht das Buch oder die ältere Verfilmung Der Omega-Mann).
Oblivion ist ein Film, den man schon ein paar Mal gesehen hat, wenn man Science-Fiction kennt. Er sieht verdammt gut aus und unterhält, das war’s aber auch. Die eine große Frage, die er stellt, beantwortet er, indem er sie beiseite schiebt und am Ende mit einem Nebensatz abspeist (Was wäre die Identität eines Klons mit Erinnerungen des Originals?. Und das Ende… ich zitiere kurzerhand die Ärzte: „Männer sind Autos, nur ohne Reserverad.“ Und jetzt habe ich angefangen, über das Ende nachzudenken und es wird mit jedem Gedanken seltsamer. Ist Julia wie ein Kind, dem man einfach ein neues bringen kann, wenn ihr altes Haustier stirbt? Und es hat diese seltsame Filmlogik, dass neun Jahre lang ausser Alterung der Nebenfiguren nichts statt findet, wenn diese Jahre durch einen Schnitt überbrückt werden.
Mehr gibt es über Oblivion eigentlich nicht zu sagen. Aber hey, ich konnte meine Spoiler-Versteckmethode einführen und vernünftig ausprobieren.

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