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Mediale KW 23/2015 0 

Nachdem ich die Woche zuvor tatsächlich keinen Medienkonsum oberhalb einiger 5-Minuten-Youtube-Videos vorzuweisen habe und deshalb die Mediale KW ausfiel, sieht es diesmal wieder etwas besser aus. Es folgen also die Rezensionen der Woche.

Ökos entführen eure Kinder: Rapunzel — Neu Verföhnt

Fantasy, USA 2010, Film/Netflix

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Eine alte Frau entdeckt eine Blume von purem Sonnenlicht, die mit einem Lied dazu gebracht werden kann, Wunden zu heilen und neue Jugend zu schenken. Doch der König sucht die Blume, um seine Frau zu heilen, findet sie und braut ein Getränk daraus. Das funktioniert, doch die schwangere Königin gebärt ein Kind mit magischem blonden Haar, das die Fähigkeiten der Blume erlangt hat. Rapide alternd findet die alte Frau das Kind und entführt es in einen versteckten Turm, wo sie es als ihre eigene Tochter aufzieht. 18 Jahre vergehen und die junge Rapunzel sehnt sich immer mehr nach der Welt ausserhalb des Turms. Als Dieb Flynn Rider den Turm durch Zufall findet, ergibt sich endlich die Gelegenheit dazu.
Ich bin mir nicht sicher, ob Tangled sich bewusst ist, wie es seine Hauptantagonistin motiviert. Der Hintergrund mit der Blume wird aus dem Off erzählt und dort wird sie als gierige alte Frau dargestellt, die allein nach der Macht der Blume strebt. Über Jahrhunderte kehrt sie immer wieder zu der Blume zurück um zu ihr zu singen, was ihr ewige Jugend gewährt. Um sie vor dem Rest der Welt zu verbergen platziert Mutter Gospel einen umgedrehten Korb darauf.
Und ihre Sorge ist gerechtfertigt: Die Truppen des Königs finden die Blume schließlich durch ein Missgeschick. Prompt wird sie zu einer Brühe verarbeitet und dabei natürlich vernichtet. Die wahrscheinlich einzige ihrer Art, zu der man über Jahrhunderte nur beliebig oft singen musste, um ihre Kräfte zu nutzen, zerschnitten und in einer Brühe aufgelöst um eine einzige Krankheit zu heilen. Man kann das dem König nicht verdenken, aber es bleibt doch die Frage: Warum genau wird die Kräuterfrau hier als die Böse dargestellt?
Denn erst jetzt entwickelt sie sich zur Bösen des Films. Nachdem sie herausfindet, dass es nicht möglich ist, Rapunzel einfach eine Strähne abzuschneiden ohne dass diese ihre Kraft verliert, entführt sie das Kind und sperrt es in einen Turm ein, wo sie sich als seine Mutter ausgibt. Dann fehlen knapp 18 Jahre, deren Verlauf weitgehend unklar bleibt. Mutter Gospel ist eifersüchtig und eigennützig (letzteres weiss aber nur der Zuschauer), ansonsten aber keine schlechte Mutter und Rapunzel kannte nie eine andere.
Das ist eine ungewöhnlich detaillierte Hintergrundgeschichte für die Antagonistin eines Disney-Films. Dass Elsa im nächsten Disney-Film (Frozen bzw. unter dem schmerzhaften deutschen Titel Die Eiskönigin — Völlig unverfroren bekannt) gar nicht erst in die Antagonistenrolle kommt, verwundert da nicht mehr. Tangled ist noch nicht ganz so weit, vom Konzept der Bösewichtin (?) loszukommen und leidet darunter mit einer wohl versehentlich falschrum geratenen Botschaft zur Nachhaltigkeit. Aber grade dieses Stolpern ist interessant, es markiert die Linie, an der besser motivierte Gegner und alte Erzählmuster sich zur Übergabe des Staffelstabes treffen. Auf der anderen Seite der Linie warten dann Figuren wie Elsa und der Kingpin.
Rapunzel — Neu Verföhnt bei Netflix

Momentaufnahme: Die Raumfahrer

Sachbuch, USA 1989, Papier

Ende der 80er bis Anfang der 90er gab es diese wunderbare Zeit, in der die Zukunft um die Ecke schien. 2000 war eine magisch erscheinende Jahreszahl, zugleich fern und nah genug, um romantisiert zu werden, um Versprechen von der Zukunft zu tragen. Das zwanzigste Jahrhundert war eines voller wissenschaftliche rund technologischer Revolutionen, was würde da erst das einundzwanzigste bringen? Nun, wie wir heute wissen Facebook, Youporn und den Sieg des Kapitalismus über so ziemlich alles, aber das ist halt das Nachhinein.
Nein, damals wurde uns an allen Ecken eine glorreiche Zukunft versprochen. Die Raumfahrer aus der halbanonymen Time-Life-Redaktion sammelt den Höhepunkt dieser Zeit auf Papier, einschließlich prächtiger Doppelseiten mit bewohnten Mond- und Marslandschaften in Hochglanzdruck.
Hin und wieder findet sich die Andeutung vom Ende des Enthusiasmus; die Challenger-Katastrophe steckt der Raumfahrt noch in den Knochen und die ihre letzten Tage erlebenden Supermächte haben das Interesse am Wettrennen verloren. Aber noch ist er da und dies ist vor allem ein Nostalgietrip zu jenen Bildern, als man es noch völlig ernst meinte mit Menschen auf Mond und Mars und mit Expeditionen jenseits allem, was die Menschheit bisher gesehen hatte.

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