Meine letzten vier Veröffentlichungen Mad Scientist Journal Autumn 2018 Fiction Science The Dinosaurs of Jurassic Park and Jurassic World Steaks, Walls And Dossiers Zur Übersicht aller Veröffentlichungen Fiction Science

Haus ohne Bücher 0 

Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seine Böden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken

Wann um Himmelswillen man einen Blogbeitrag mit Hermann Hesse anfängt? Nun, hauptsächlich, wenn man zum Setzen einer Stimmung ein gutes Zitat über Bücher braucht. Aber setzen wirdoch mal eine andere Stimmung, bevor ich zum Punkt komme:

Das Ende des Stern-Verlags im Düsseldorfer Karneval 2016


Zu Amazon später mehr. Das ist eine gerne mit Pieken malträtierte Windmühle, deren Bekämpfung an den wahren Problemen vorbeigeht.

Das Sterben der Buchhandlungen fühlt sich zur Zeit beschleunigt an, wenn man in Mönchengladbach lebt. Ich bin nicht sicher, wie es andernorts ist, aber hier ist es so. Rheydts letzte inhabergeführte Buchhandlung, das Paperback, verschwand um den Jahreswechsel. Und nun lässt uns die Rheinische Post wissen, dass auch Wackes und ProLibri verschwinden werden. Jürgen als Titelbild zu einem Artikel über das Sterben der Buchläden zu sehen, ist schon ein Schock. Wackes kenne ich noch unter den Vorbesitzern als Bücher Boltze, dort bezog ich damals meine Schulbücher und so manches Buch meiner Kindheit. Von Erwin Eigners Lehrreichen Malbüchern über den für mich extrem einflussreichen Lothar Streblow bis zu Harald Stümpkes Bau und Leben der Rhinogradentia — Boltze, später Wackes, sorgte im Tandem mit der Stadtbibliothek für meine literarische Prägung.

Prolibri entdeckte ich deutlich später. Ich habe dort ein paar Bücher erworben, aber der Fund dieses Ladens fällt in der Tat schon in die Zeit,als ich Bücher nur noch selten auf Papier erwarb. Und hier kommen wir nun zu Amazon.

Der Weg alles Papiernen

Amazon wird gerne für den Tod der Buchhandlungen verantwortlich gemacht, aber wer das Thema länger kennt, wird sich vielleicht erinnern, dass das selbe noch vor 10 Jahren über den Filialbuchhandel von Ketten wie Weltbild, Bertelsmann und bisweilen auch Thalia gesagt wurde. Bevor man Amazon als Konkurrenz ernst nahm.

Aber in der Tat spielt Amazon eine große Rolle.

Amazon hat das eBook und auch den eBook-Reader nicht erfunden, ähnlich wie Apple weder Smartphone noch Tablet erfunden hat (oder eigentlich irgendetwas, aber das ist jetzt nicht der Punkt). Aber sie haben es mit ihrem 2007 erfundenen und 2009 in Deutschland eingeführten Kindle populär gemacht.

2019 wissen wir, dass dies das Ende für traditionelle Medien bedeutet. MP3 hat die letzten Plattenläden getötet — und hört mir auf mit dem verdammten Vinyl-Revival, das existiert nur, weil die Ketten das können und wollen, es gibt keinen nennenswerten Einzelhandel mehr, weil das ganz einfach nicht lohnt. Genau wie die Videotheken tot sind, von deren Restgeschäft die immer noch überraschend großen Filmabteilungen im Media Markt und Saturn leben. Videospiele laufen noch, aber die waren immer digital und leben nur dank eines ausgeprägten Gebrauchtmarktes in physischer Form weiter. Und wisst ihr, was es seit gar nicht so langer Zeit auch im Media Markt und Saturn gibt? Bücher. Nicht nur Technikbücher und Werke für die Fans bestimmter Videospiele, nein, die aktuellen Bestseller. Weil Papierbücher eine Nische neben den Vinylschallplatten werden.

Der Mediamarkt in Oldenburg ist so unglaublich perfekt für diese Argumentation, es ist gruselig – BIld: Sandro.s bei Flickr CC-BY-ND

Mit der Digitalisierung ist das letztlich das Schicksal aller Medien, bei denen sich Form und Inhalt trennen lassen. Und die wenigen Vertreter ihres jeweiligen Mediums, bei denen das nicht möglich ist, fallen als Kollateralschaden ab.

Wäre es nicht Amazon gewesen, wäre es jemand anders gewesen. Es war Zeit.

Anableps

Anableps anableps. Anableps.


Dass es die Fischgattung Anableps nie zu größerem literarischem Ruhm geschafft hat, erstaunt mich immer wieder. Die im Deutschen als Vieraugenfische bekannten Tiere haben zweigeteilte Augen, mit denen sie ohne Bruch zugleich über und unter Wasser sehen können.

Das ist so die Position, in die man als Autor, insbesondere als selbstverlegter, hier hineingerät.

Amazons Kindle kam mit einer großen Neuerung: Der Möglichkeit, extrem einfach und ohne Verlag seine Bücher in der ganzen Welt zu vertreiben. Rein elektronisch zwar, aber das war zweitrangig. Die Optionen, ein Papierbuch in ähnlicher Weise zu vertreiben, würden später ebenfalls erschwinglich werden. Aber es war auch die große Zeit für das elektronische Buch. Es nahm keinen Platz ein, es war recht günstig und die Verlage, die darauf bestanden, eBooks völlig zu überteuern um „das Buch als Kulturgut zu schützen“, machten mit dieser Form der Kundenferne den Weg frei.

Sicher, nicht jedes so herausgegebene Buch war einwandfrei. Ich habe genug absolut grauenerregende Beispiele gesehen. Aber ich habe auch genug absolut furchtbare Verlagsbücher gesehen und hatte Vertrauen darin, dass die guten Bücher sich durchsetzen würden. Ich war nie ein Freund von Kanones und vorgeschriebenen Auffassungen, welche Bücher gut und schlecht seien und so begrüßte ich diese Revolution.

Die Schattenseite dessen war, dass der tradierte Buchhandel durchaus noch wichtig war. Er war Ausschlag gebend, wollte man seine Werke vor die Augen der Menschen bringen. Sicher, es gab andere Möglichkeiten, aber der Buchhandel war die mit Abstand effizienteste. Doch der Buchhandel blieb genau das: Handel.

Er bot eine Vorauswahl, ja. Aber genau das ist es, was die Leute heute am allerwenigstens wollen: Eine Vorauswahl. Und wenn doch, wollen sie wenigstens wissen, was für eine Vorauswahl. Das weiss man bei einem Buchladen nur, wenn man ihn lange genug kennt.

Dennoch sind wir Autoren, auch wir Selbstverleger, auf Aufmerksamkeit angewiesen. Wenn diese nur den Bestsellern zuteil wird, schrumpft das Geschäft mangels Nachschub an Bestsellern. Es gibt natürlich Tricks. Wir sind ein kreatives Völkchen, wir werden uns etwas ausdenken. Aber der Buchhandel war dafür schon verdammt gut.

Schlusssatz

„Es war Zeit“ war noch auf keinem Grabstein ein passender Spruch, aber immer ein wahrer.

Extra Extra Vlogs und Geschichten Fiction Science