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Wir Kinder der Buchhandlung Wackes 1 

Ja, es ist einer dieser Titel mit einer Referenz, in diesem Fall auf Dogenabhängigkeiten. Immerhin geht es um die gefährlichste Droge der Welt: Bücher! An ihr sind schon ganze Gesellschaften zerbrochen — zumeist solche, die allerdings niemand vermisst.
Zum Ende der Buchhandlung Wackes (und anderer) in der Stadt hatte ich ja schon ein Mal geschrieben, aber diese Woche kam die Schließung von Wackes nun und ich nehme das zum Anlass für einen Rückblick. Immerhin passt das Logo des weiterhin existierenden Onlineshops der Buchhandlung so schön in die Farbgestaltung meiner Seite.

Es ist ein Rückblick in Dingen. Aber in Dingen von Bedeutung. Denn zu Büchern ohne Bedeutung habe ich vor geraumer Zeit schon geschrieben. Und ich bin halt erst fertig, wenn ich mir in jeder Kategorie Feinde gemacht habe.

Die Reihe Siebert Lehrreiche Malbücher gibt es seit den 70ern und sie existiert immer noch. Das ist eine satte Leistung und als Produkt sind sie eine wunderbare Idee. Malbücher mit Texten neben den Bildern, aus denen man zur Abbildung etwas lernt. Die meisten, wenn nicht alle, Bände der Serie widmeten sich dabei der Natur.
Für mich, der ich recht spät (erst nach der Einschulung) mit dem Lesen begonnen habe, waren diese Bücher zentral. Ich glaube, Tierfreundschaften war mein erstes. Das erste Buch, das ich selbst gekauft habe und das erste, welches kein Schulbuch war, das ich für den Unterricht besitzen musste und somit nicht freiwillig bekam. Die Umschläge sahen damals noch etwas anders aus, das da oben ist eine Ausgabe aus den 90ern. In den 80ern sahen die Hefte eher so aus:
Ich konnte aber von diesem speziellen Titel den alten Umschlag nicht mehr finden.
Die Buchhandlung hieß damals noch Bücher Boltze und ich war oft dort, um nach und nach die verschiedenen Bände der Reihe zu holen.
Die vier in dem obigen Bild hatte ich alle, natürlich auch den Band zu den Dinosauriern. Sommerblumen, Giftige Tiere, Käfer, Tiefseefische, Schmetterlinge. Und so kam es, dass ich als Kind Bücher über die Tierwelt nur so verschlang.

Als nächstes kam die Literatur, sprich es kamen die Romane. Da sind wir dann schon etwas von den harmlosen Einstiegsdrogen weg.
Lothar Streblow war es, dessen Duna hierhin lockte. Duna und ein paar TKKG-Bände, aber an letztere erinnere ich mich kaum. Nein, Duna der Dinosaurier und Streblows andere Ausflüge in die Urzeit, Trigan der Dreihornsaurier und Manka das Mammut waren es, die sich in mir festsetzten. Geschichten aus der Sicht von Tieren sollten ein prägender Einfluss auf mich werden und das ist Streblows Jugendromanen zu verdanken.

Ich wäre womöglich ohne diese Entdeckung nie meinerseits zum Schreiben gekommen. Im Herzen meiner eigenen Veröffentlichungen stehen die Meilensteine der Evolution, in ihnen kulminieren alle Einflüsse, die mich zum Schreiben gebracht haben. Ich habe das 2012 zur Veröffentlichung des ersten Bandes zusammengefasst. Und auch, wenn vieles der damaligen Pläne so nie kam und ich die Reihe derzeit komplett umschreibe, die wichtige Stellung dieser Einflüsse für meine Gegenwart bleibt.
Ohne Streblow und somit letztlich auch ohne Boltze, hättet ihr mich heute nicht so,wie ihr mich habt.

Kommen wir zum harten Stoff. ich weiss gar nicht mehr, wer mir Harald Stümpkes beziehungsweise Gerolf Steiners Bau und Leben der Rhinogradentia damals empfohlen hat. Was ich noch weiss ist, dass die Verkäuferin bei Boltze im Angesicht meiner Bestellung das selbe getan hat.
Die Rhinogradentia, fiktive Tiere auf einer fiktiven Insel in einer Satire auf so manches, vor allem aber die Biologie und ihre Art, Dinge zu beschreiben und daraus Schlüsse zu ziehen, waren eine faszinierende Idee. Zugegeben, von der Satire merkte ich damals noch nicht viel, da ich ihr reales Gegenstück nicht kannte. Aber die Fantasie in diesen Kreaturen beeindruckte mich.
Und die Fantasie hier hatte eine unkonventionelle Quelle: Steiner nahm einfach ein paar Zeilen Christian Morgensterns (Das Nasobem) wörtlich und spielte das Ergebnis mit ein paar Ausschmückungen durch. So kommt man zu vollkommen absurden, aber logisch geschlossenen Welten und Geschichten.
So vorzugehen ist für mich eine wichtige Quelle von Ideen. Meine bizarreren Welten fußen auf diesem Ansatz. How to Sing Butterflies nimmt seinen eigenen Titel wörtlich, Khamel tut dies mit Jesu Gleichnis vom Nadelöhr und auch in vielen weiteren Kurzgeschichten findet sich das wieder.
Es sei übrigens zugegeben, das da oben ist nicht mein Exemplar des Buchs. Mangels Scanners in meinem Haus stammen die Bilder der Bücher alle aus dem Internet.


Es folgte nun eine Zeit, in der ich mit Bücher Boltze eher wenig zu tun hatte. Meine Einkäufe verlagerten sich zur Mayerschen, weil diese ein durchstöberbares Regal mit englischsprachigen Büchern hatte. Später verlagerte sich mein Schwerpunkt für einige Jahre nach Düsseldorf. Irgendwann hieß die Buchhandlung plötzlich Wackes.
Ich kannte sie fast nur noch über die Restpostenkartons im Eingang, in die ich gelegentlich schaute.
Hin und wieder nahm ich von dort ein Buch mit, aber an die meisten davon erinnere ich mich kaum noch. Dunkel erinnere ich mich noch, dort Walter Moers‘ Es ist ein Arschloch, Maria! erbeutet zu haben, aber da mag ich mich in der Zuschreibung des Ladens irren.


Das sehr weisse und somit dezent unsichtbare Titelbild, das diesen Artikel zu seinem Schluss bringt, gehört zum letzten Buch, das ich bei Wackes gekauft habe, bevor der Laden verschwand. Das war zu dem Zeitpunkt bereits bekannt.
Ich schwöre, der Titel ist Zufall! Von John Naishs Genug habe ich bislang nur das Vorwort gelesen, aber der Rest wird sicherlich folgen. Es ist ein Buch in meinen derzeitigen wachstumskritischen Denkansätzen und wird als solches sicherlich erneut viele Denkanstöße in genau dieser Richtung bringen. Ich suche derzeit nach einem tragfähig wachstumskritischen Ansatz, nachdem die in Kapitalismus und Sozialismus zugleich zentrale Abhängigkeit von niemals endendem Wachstum sich in meinen Augen als katastrophal erwiesen hat. Denn der Kapitalismus ist mit Sicherheit genauso tot wie der Sozialismus, er weiss es nur noch nicht.

Und so schließt sich der Kreis. Vier prägende Bücher meines Lebens, vier Bücher von Boltze/Wackes. Mit einem Buch zu meines Erachtens genau dem Thema, an dem gegenwärtig die Innenstädte kaputt gehen. An den Folgen des Wachstumszwangs und der Chancenlosigkeit der Kleinen jenseits eines gewissen Punktes zwischen ewig wuchernden Konzernen und Ketten.
Diese Geschichte hätte nicht besser enden können, hätte ich sie mir ausgedacht.

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