Die Reparaturei – Ideen für Rheydt 1 0 

Ich hatte ja bereits angekündigt, dass ich noch etwas genauer auf einige Vorschläge eingehen werde, die Innenstadt von Rheydt zu beleben. Natürlich können diese auch für andere Innenstädte interessant sein, ich schneide sie hier aber spezifisch auf Rheydt zu, eingepasst in die vorhandenen Leerstände und die vorhandenen besonderen Stärken des Stadtteils.

Beginnen möchte ich mit einem Vorschlag für das Handwerk und zugleich einem der prominentesten Leerstände der Innenstadt. Die Reparaturei (Arbeitstitel), Standortvorschlag Rheydter Galerie.

Rheydt Galerie September 2020

Rheydt Galerie September 2020

Warum die Rheydter Galerie?

Die Rheydter Galerie, im Laufe der Zeit unter diversen Namen mit diversen Inhalten gefüllt (unter anderem Galerie am Marienplatz, Rheinische Post Rheydt, Kaufhof Rheydt) ist eines der prägenden Gebäude der Innenstadt und einer der Ankerpunkte für ihre Gestalt. Die Innenstadt ist traditionell als Achse zwischen dem Rathaus und dieser Galerie gewachsen. Deshalb ist ein Leerstand hier für Rheydt besonders schlimm, er löst die räumliche Struktur aller Gewerbe im Gebiet auf.

Zudem ist es einfach ein sehr sichtbarer Leerstand, der dem Ansehen von Rheydt schadet und damit alle umliegenden Geschäfte abwertet.

Aus diesem Grund halte ich auch die gerüchtete Umwandlung in ein Bürogebäude für falsch. Ein Bürogebäude lockt niemanden an den Marienplatz, abgesehen natürlich von den Angestellten in den Büros. Wir brauchen an dieser Stelle aber einen Frequenzbringer.

Allein: Einkaufen ist hier schon seit Jahren bröckelnd. Saturn verschwand 2019 recht geschwind und plötzlich, da half auch das tolle neue Management nix. Dabei wollten die den Komplex doch wiederbeleben, immerhin sind die „auf Vermietung, Revitalisierung und Neupositionierung am Markt spezialisiert.“ Die Webseite von IPH verspricht „Individuelle Lösungen für Ihr Shopping Center“ und betont gegenüber Werbekunden, dass ihre „Kreativität zu einer hohen Wirkung Ihrer Werbebudgets führt“.

Ja, merkt man irgendwie nach zwei Jahren nix von. Der vorherige Betreiber hatte genau diese Eigenschaften wirklich, das macht diese Entwicklugn so schmerzhaft. Der hat immer wieder Ausstellungen ins Center geholt und Leerstände immerhin noch hübsch kaschiert, damit sie nicht aussahen, wie leere Ladenlokale nunmal aussehen.

Also: Hier muss was geschehen. Klassischer Handel läuft offenbar nicht mehr und auf sichtbare Aktivität beim aktuellen Betreiber haben wir lange genug gewartet. Kommen wir zur Reparaturei.

Die Reparaturei

Wie schon einige Male angemerkt, Handwerk zählt zu den Stärken von Rheydt gegenüber Alt-Gladbach. Und es gibt Bedarf nach Handwerksleistungen, der aber seltsamerweise nur teilweise in den Handwerksläden ankommt. Davon zeugt die Stellung von Handwerksprodukten als Lifestyle-Ware, aber auch der Erfolg von Initiativen wie den Repair Cafés, auch in Rheydt. Dinge zu reparieren, liegt im Trend, auch als Gegengewicht zur Wegwerfkultur.

Handwerk ist sexy.

Symbolbild

Symbolbild


Das Problem ist, dass Handwerksbetriebe gar nicht so einfach zu finden sind. Sie sind klein, vereinzelt und oft eher unauffällig. Große, knallig auffällige Gestaltung ist nicht die Kultur des Handwerks und auch nicht attraktiv für dessen spezifische Kundschaft. Eine Zwickmühle für kleine Betriebe.

Nun möchte ich diese auflösen, indem ich Handwerksbetriebe bündele. Das ist die Reparaturei.

Die Reparaturei ist ein Ort, an den Menschen mit ihren defekten Sachen kommen können. Sie müssen nicht lange suchen – wenn sie etwas zum Reparieren haben, kommen sie in die Reparaturei. Dort gibt es Spezialisten für alles, was man vor Ort reparieren kann — Schrauben, Löten, Nähen, Sticken, Kleben, Hobeln, Schärfen, egal!

Unter einem Dach finden sich eine Änderungsschneiderei, eine Schusterei, eine Möbeltischlerei, Zweiradwerkstatt, Elektronikwerkstatt, Messerschleiferei, Schmuckschmiede, vielleicht sogar ein/e Werkzeugbauer/in oder auch diverse Zweige, die mir spontan entgehen. Reparaturbetriebe für alles, was man auf einen Tisch legen oder stellen kann.

Das ist ein Angebot, das weder das Internet, noch die Handelsketten, bieten können. Es bildet einen Ankerpunkt für die Innenstadt, holt Kundschaft herein und kommt mit beinahe einer Garantie, einen guten Ruf mitzubringen.

Die Betriebssicherheit sollte eine Genossenschaft der Beteiligten garantieren, die ausdrücklich das Ziel hat, einen Laden auch mal durch eine Flaute zu tragen und im Gegenzug dafür zu sorgen, dass stets möglichst alle für solche Reparaturen benötigten Handwerksbetriebe vorhanden sind. So werden maximale Attraktivität und Leistungsfähigkeit langfristig gesichert.

Die Galerie mit ihrem Aufbau aus zahlreichen Einzelgeschäften hat eine hervorragende Struktur für ein solches Vorhaben.

Das Wie

Natürlich muss man da erstmal hinkommen. ich kann es im Grunde nur vorschlagen. Ich bin kein Handwerksmeister, noch nicht mal Handwerker. Da kann ich schlechterdings einen Handwerksbetrieb gründen. Machen müssen dies andere, aber ich werde die Idee natürlich auch an die Handwerkerschaft und andere potenziell Interessierte geben.

Letztlich braucht es für die Umsetzung dieser Idee eine Gruppe von Handwerker/innen, die sich zusammenschließen, um ein solches gemeinsames Dach zu zimmern. Das ist nichts, was die Politik machen kann, die Politik bestückt keine Ladenlokale. Die Politik kann vielleicht bei der Organisation und bei den Immobilien helfen, aber das ist was zum Anpacken.

Es wäre etwas Neues, etwas Besonderes, etwas Eigenes für Rheydt. Eine Belebung für die Stadt und eine Existenz für die Betriebe. Ein Schritt zu einer Innenstadt, die sich löst von den austauschbaren Innenstädten der Ketten und die von sich sagen kann, dass sie ihr ganz eigenes Ding ist.