Expedition nach Hermges-Nord 0 

Im Norden des ehemaligen mönchengladbacher Stadtteils Hermges, bereits seit der Gemeindereform offiziell zu Dahl eingemeindet, gibt es ein kleines Gebiet zwischen Rheydter Straße, Hofstraße und Theodor-Heuss-Straße. Es ist ein kleines Wohngebiet mit wenig Gewerbe (aktuell noch weniger als vor ein paar Jahren, aber da komme ich noch zu).

Seine größten Besonderheiten sind wohl der Verkehrsübungsplatz und eine Grundschule.

Es ist keines der prestigeträchtigen Innenstadtreviere, die unsere GroKo so liebt und lobt, es ist eine stille Ecke, an der merklich der Zahn der Zeit nagt. Eine fast schon vergessene Ecke, führte nicht seit kurzem die Blaue Route hier durch, entlang derer sich der Bereich leider nicht von seiner besten Seite zeigt. Dennoch, von Seiten der Stadt und Politik passiert hier nichts, was man leider auch sieht.

Dieser Eindruck entlang der Blauen Route war es dann auch, der mich dazu brachte, mir die Ecke mal genauer anzuschauen. Letzte Woche schnappte ich mir meine Kamera und sah mich etwas genauer um. Wo liegt das Potenzial dieses Bereichs und wie kann man es heben? Ich wollte, auch als Grüner Direktkandidat für den Bereich, genauer hinschauen, was hier konkret vor Ort anliegt.

Im folgenden meine Eindrücke und Ideen.

Treppe Dessauer Straße zur Theodor-Heuss-Straße

Treppe Dessauer Straße zur Theodor-Heuss-Straße


Den Beginn der Reise markiert diese Treppe, die von der Theodor-Heuss-Straße in die Dessauer Straße führt.

Ich finde es sehr schade, dass man hier als Ende einer Straße unvermittelt auf eine Treppe trifft. Das ist natürlich mit einem Rolator oder gar Rollstuhl ein erhebliches Hindernis. Führt man den Weg statt dessen näher am Bahndamm entlang, kann man hier recht einfach einen barrierefreien Zugang schaffen.

Wer hier entlang geht, will ohnehin in Richtung Berliner Platz (mit Bushaltestelle, Supermarkt, Arbeitsamt) oder kommt von diesem, andere Ziele gibt es für diese Rampe nicht. Höchstens ein paar Knallerbsensträucher. Da wäre es vollkommen unproblematisch, den Weg etwas näher am Platz enden zu lassen und dabei auch noch eine Möglichkeit zu schaffen, sie auch mit Rolator oder Rollstuhl nutzen zu können.

Verkehrsübungsplatz

Verkehrsübungsplatz Dessauer Straße


Von der Treppe geht es weiter am Verkehrsübungsplatz entlang.

Der gilt als aufgegeben, wird aber immer noch hin und wieder genutzt (Sieht aus wie Schulklassen?). Der Platz ist gut und immer noch in gutem Zustand. Vielleicht kann man den beleben, wenn man Nutzung durch Privatpersonen ermöglicht, etwa, wenn Eltern ihren Kindern an einem sicheren Ort das Radfahren beibringen wollen?

Da steckt Potenzial drin! Auch wenn ich davon ausgehe, dass das Einüben von Verkehrsregeln mittelfristig aus verschiedenen Gründen größtenteils in die Virtuelle Realität wandert.

Platz vor der LEG-Anlage

Platz vor der LEG-Anlage


Auf den Übungsplatz folgt eine riesige Wohnanlage, wenn mich nicht alles täuscht der LEG Immobilien. Diese prägt schon durch ihre Größe die direkte Nachbarschaft.

Leider ist um diese Anlage herum einiges im Argen. Die LEG hat ja nicht den besten Ruf, was den Zustand ihrer Gebäude angeht. In diesem Fall finden wir einen offensichtlich vernachlässigten gepflasterten Platz, der einfach mal repariert werden müsste.

Das mag zum Zustand der Straße passen (dazu komme ich später), ist aber dennoch nicht schön. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier jemand unglücklich stürzt, da helfen auch Schilder mit „Schäden im Gehweg“ nicht.

Die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sind hier auch hoffnungslos überfüllt. Immerhin, hier wird viel Rad gefahren. Da darf es ruhig eine zweite Reihe Abstellmöglichkeiten sein.

Kreuzung Dessauer und August-Oster-Straße

Kreuzung Dessauer und August-Oster-Straße


Der Straßenzustand ist an vielen Stellen der Stadt nicht der beste.

Die Kreuzung Dessauer Straße und August-Oster-Straße ist hier allerdings ein besonderes Beispiel. Sie wurde vor Jahren bei Arbeiten der Deutschen Bahn an der Eisenbahnbrücke schwer beschädigt und nie repariert. Auch nicht, als die Kreuzung später zur Blauen Route kam, die die Stadt als großes Leuchtturmprojekt vor sich her trägt.

Ich hoffe sehr, dass die aktuellen Arbeiten der NEW hier zu Besserung führen, habe aber meine Zweifel. In den meisten Fällen macht die NEW die Straßen ja nur zu noch übleren Flickenteppichen. Das ist definitiv eine Straße, die bald repariert werden muss.

Park an der Eisenbahn

Park an der Eisenbahn


Etwa auf mittlerer Strecke der Dessauer Straße, zwischen zwei Parkplätzen, ist mir diese Grünfläche aufgefallen. Sie hat ein bisschen was von einem Park. Ich bin aber sicher, dass das gar kein Park ist, sondern einfach nur eine Grünfläche.

Doch die Nutzung durch die Menschen hat hier eine Art Skizze eines Parkes geschaffen. Auf dem Rasen ist ein Trampelpfad entstanden, der längs hindurchführt. Er taugt sowohl als Verbindung zwischen den Parkplätzen, als auch als klassischer Parkweg zum Spazieren.

Ich denke, man sollte diese natürlich gewachsene Struktur aufnehmen und aus dem netten, aber noch etwas uninteressanten Platz, einen echten kleinen Park machen.

Dafür ist gar nicht viel nötig: Den Trampelpfad zu einem richtigen Parkweg ausbauen, ein paar Bänke entlang des Weges aufstellen und dort, wo die Wiese auf den Bahndamm trifft, die alte Mauer durch ein paar Pflanzen (etwa immergrüne Büsche, Stauden oder Schmuckgräser) unterlegen.

Diese einfachen Maßnahmen wären hier eine große Bereicherung.

Spielplatz Buscherplatz

Spielplatz Buscherplatz


Der Spielplatz auf dem Buscherplatz ist sehr schön. Er ist recht groß, ansprechend gestaltet, sauber und eingezäunt.

Hausfront Buscherplatz

Schön gestaltete Hausfronten am Buscherplatz


Im ganzen Areal verteilt sind mir immer wieder sehr schöne alte Häuserfronten aufgefallen. Diese hier am Buscherplatz sind nur ein Beispiel. Hier sind es die aufwändig gestalteten Rahmen der Eingänge, die positiv hervorstechen. Ich habe eine ganze Reihe schön gestalteter Häuserfronten fotografieren können.

An manchen Stellen blättert leider schon recht viel Farbe ab. Ich frage mich, ob es sinnvoll wäre, beim Erhalt und der Pflege solcher Häuserfronten mit einem städtischen Förderprogramm unter die Arme zu greifen, selbst wenn sie keinen Denkmalstatus haben.

Das würde dann auch stadtweit gelten, etwa auch im Gründerzeitviertel. Es hat großen Wert für eine Stadt, solche Werte zu erhalten, ohne sie andauernd mit irgendwelchen Denkmalvorschriften und Satzungen zu überziehen.

Sperrmüllplatz

Sperrmüllplatz


Weniger schön ist, was ich auf der anderen Seite der LEG-Anlage finde.

Diese Nische, direkt an der August-Oster-Straße, ist ständig zugemüllt. Sie ist offenbar auch für Sperrmüll gedacht, aber dieser Dauerzustand geht halt gar nicht.

Vielleicht kann man mit der LEG reden, dass dies einfach überdacht wird und dann wie eine Garage fungiert, die für die Sperrmüllabholung geöffnet werden kann? Schloss mit einem Vierkantschlüssel sollte reichen, den sollten die Fahrzeuge wegen etwaiger Poller eh dabei haben. Es geht ja nicht um Einbruchssicherheit (ich meine, es ist Sperrmüll, da ist Diebstahl halt kein Verlust), nur um das Straßenbild.

Fußgängerbrücke Theodor-Heuss-Straße

Fußgängerbrücke Theodor-Heuss-Straße


De Fußgängerbrücke über die Theodor-Heuss-Straße und die Bahnstrecke Mönchengladbach-Geneicken ist eine wichtige Verbindung zu den Schulen an der Volksgartenstraße und den Geschäften an der Erzbergerstraße. Sie funktioniert im Grunde gut, auch wenn sie schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.

Was hier wieder eine Rolle spielt, ist das Thema Barrierefreiheit. Die beiden sehr langen Rampen an den Ende sind gegenüber einer Treppe auf jeden Fall gut. Man hat sie offensichtlich angebaut, damit die Brücke auch für Menschen nutzbar ist, die nicht so gut zu Fuß sind.

Für eine Barrierefreiheit nach heutigen Maßstäben müssten die Rampen ein paar Fläche Bereiche bekommen, auf denen man kurz Pause machen kann. Aber ich bin froh, dass es hier überhaupt Rampen hat. Irgendwann sollte man diese auf heutigen Stand verbessern, im Moment gibt es aber dringlicheres.

Der Platz für die dabei länger werdenden Rampen sollte da sein. Möglicherweise müsste man dafür die hier liegende Einfahrt August-Oster-Straße aus der Theodor-Heuss-Straße schließen, das halte ich aber für keinen großen Verlust, da man diese ja sowieso nur in eine Richtung nutzen kann und sie eine schlecht einsehbare Kreuzung mit der Buscherstraße bildet. Da zu schließen wäre auch eine Verbesserung für die Blaue Route.

Ladenruine an der Buscherstraße

Ladenruine an der Buscherstraße


Das hier nennt man im Englischen den „Elefanten im Raum“. Das offensichtliche, große Thema des Gesprächs, das man bis dahin ausgespart hat.

Fährt man die Blaue Route abseits des Hochglanzabschnitts, also nördlich der Hofstraße, entlang, stößt man bald auf diese unansehnliche Ecke. Dieser Anblick zieht das Ansehen des kompletten Bereichs herunter. Ich möchte das so deutlich sagen, wie es gesagt werden muss: Dieser Schrott gehört abgerissen. Er ist nicht in städtischem Besitz, was es schwierig macht, aber hier sollte die Stadt mit dem Eigentümer reden, damit möglichst bald etwas passiert.

Die Gebäude sind verlassen, ihre Schaufensterfronten von Verfall geprägt und zudem wirken diese flachen Bauten auch architektonisch wie eine Narbe in der Bebauung der Buscherstraße.

An diese Stelle gehört in die Umgebung eingepasste Wohnbebauung in ausreichender Höhe. Einen offenen Platz sehe ich hier wegen der angrenzenden Theodor-Heuss-Straße nicht, das würde nur Lärm in die Buscherstraße tragen. Diesen gilt es, mit einer geeigneten Bebauung abzuschirmen.

Sicher wegen der Besitzverhältnisse kein einfacher Prozess, aber ein notwendiger.

Gemeinschafts-Grundschule Franz-Wamich

Gemeinschafts-Grundschule Franz-Wamich


Die GGS Franz-Wamich gehört nochmal zu den großen prägenden Gebäuden des Viertels.

Sie ist durchaus ansprechend gestaltet, wenn sie auch etwas aus dem Jahrhundertwende-Stil der Umgebung herausfällt. Die Fassade sollte nur definitiv mal repariert werden, die fehlenden Panele sind kein schönes Bild. Das sieht böse nach Verfall aus, was weder die Schule noch das Viertel verdient haben.

Das Carpe Diem

Das Carpe Diem

Zum Abschluss noch etwas Positives: Wenn auch viele Geschäfte verschwunden sind, einige leben und es handelt sich um eine schöne Art von Nachbarschaftslokalen.

Im Bild das Carpe Diem, bis vor kurzem Kervan Saray, welches quasi ein kleines Restaurant ist. Gegenüber der kaputten Läden an der Buscherstraße gibt es noch die Kogge, ein nette kleine Eckkneipe.

Das ist gut, sowas braucht eine funktionierende Nachbarschaft.

Alles in allem muss ich sagen, was auf den ersten Blick wegen einiger weniger kaputter Bauten an besonders auffälligen Stellen wie ein Schmuddelkind wirkt, birgt Potenzial für eine wunderschöne Nachbarschaft. Dazu ist gar nicht so viel nötig. Das meiste sind kleine Reparaturen und Verbesserungen.

Aus Sicht der Stadt sehe ich dies so: Wo man mit so einfachen Mitteln so viel erreichen kann, sollte man dies auch tun. Das wertet die gesamte Stadt auf.

Wie immer freue ich mich auf weitere Vorschläge und Gedanken.