Ideentrio für Schnellentschlossene – Ideen für Rheydt 2 0 

Nachdem ich vor ein paar Wochen mit der Reparaturei ein Großprojekt vorgestellt habe, das am besten bei einem Kollektiv oder der Kreishandwerkerschaft aufgehoben ist, möchte ich diesmal ein Bündel von Ideen zusammenfassen, die deutlich kleiner sind. Das sind Projekte, die selbst ich umsetzen könnte, hätte ich denn die Zeit. Dies sind Gelegenheiten, selbst etwas zu tun, wenn man den Mut, die Zeit und die Motivation hat. Es würde mich freuen, wenn jemand etwas hiervon aufgreifen würde.
Dies sind der Packraum, der Dauerflohmarkt und das Launchpad.

Wegschild beschriftet mit Innovation

Hier geht es lang


Der Packraum

Greifen wir doch gleich zu Anfang eines der größten Probleme beim Einkaufen in der Innenstadt auf: Schleppen.
Will man die ganze Innenstadt durchqueren und geht in mehrere Läden, gibt es ein Problem: Was tun mit den Einkäufen, wenn man von Laden zu Laden wandert?

Hier in Mönchengladbach haben wir im Weihnachtsgeschäft eine Lösung dafür, die NEW als lokaler Busnetzbetreiber stellt dann einen Bus hin, in dem man die Einkäufe einlagern kann. Aber warum eigentlich nur in der Adventszeit?
Insbesondere mit der Zunahme von Rad- und Fußverkehr in die Innenstädte wird das sogar noch wichtiger, denn der Kofferraum als Zwischenlager fällt für die ja weg.

Der Packraum ist nun eine verstetigte Form dieses Busses. Warum nicht ein leeres Ladenlokal nutzen, um Waren zum Abholen zwischenzulagern? Genug davon gibt es ja, insbesondere an den Rändern der Innenstädte, die ja zum Abholen ideal liegen.

Und das funktioniert dann so: Beim Einkaufen kann man angeben, die Ware später aus dem Packraum abzuholen, wie auch immer dieser konkret heisst. Ich mag ja „Die Tüte“, aber das wird an der Kasse wohl missverständlich. „Zwischenlager“ ginge auch. Nicht der Punkt.

Der Punkt ist, dass die Ware dann an den Packraum geschickt wird, wo sie später in einem Bündel mit den Einkäufen aus weiteren Läden abgeholt werden kann.

Bezahlt wird dieses Basisangebot nicht von den Kundinnen und Kunden, jedenfalls nicht so direkt. Statt dessen werden zur Abholung die Kassenbons vorgelegt. Aus dem dort angegebenen Preis ermittelt sich der Preis der Dienstleistung, die von den am Programm teilnehmenden Läden bezahlt wird, so wie es beim Onlinehandel für Werbevergütungen üblich ist. Wie hoch der Anteil ist, das möge sich aus der Wirtschaftlichkeit des Konzepts und den Möglichkeiten der Läden ergeben.

Das ist aber nicht die einzige Einnahmequelle hier. Zusätzlich kann man hier Fahrradanhänger oder auch Lastenräder vermieten, mit denen man auch große Einkäufe ohne Auto nach Hause nehmen kann. Auch ein Botendienst für die Einkäufe wäre ein mögliches Angebot. Diese Zusatzangebote oberhalb der reinen Vorhaltung bezahlen dann natürlich Kundinnen und Kunden.

Sinnvolle mögliche Standorte in Rheydt wären etwa die ehemalige Videothek an der Gracht, die alte Apotheke an der Mühlenstraße/Brucknerallee oder die weitgehend leere Galerie an der Friedrich-Ebert-Straße, in der ich damals auch die Bibliothek gemacht habe. Oder aber, wenn man mehr auf das Gebäude als auf den Ort achtet, die dreiarmige Galerie zwischen Marktstraße, Hauptstraße und Harmonieplatz.

Ehemalige Apotheke an der Brucknerallee

Die alte Apotheke Brucknerallee/Mühlenstraße liegt direkt an der Blauen Route, ein idealer Ort für die Anbindung an den Radverkehr

Dauerflohmarkt

Wer Rheydt schon länger kennt, weiss, dass diese Idee nicht neu ist. Einen solchen Laden gab es in der Hauptstraße schon mal. Er ging damals wieder, aber nicht aus Misserfolg. Damals wurde der Gründer und Inhaber des Ladens schlichtweg von einer Marketingfirma abgeworben. Das ist wichtig anzumerken, damit gar nicht erst wieder jemand kommt, der einem erzählt, dass das ja eh nicht funktioniere.

Ein solcher Dauerflohmarkt verkauft zunächst keine Waren, auch wenn die Menschen dort am Ende Waren erwerben.
Was hier verkauft wird, sind die Regalmeter. Menschen, die Trödel zu verkaufen haben, können zu diesem Zweck Abschnitte der Verkaufsregale oder für größere Waren Ausstellfläche anmieten. Diese Mieten sind die Einnahmequelle des Ladens, die Verkaufseinnahmen gehen an die Verkäufer.

Attraktiv daran ist, dass die Einnahmen des Ladens recht sicher sind und der Laden somit gesichert wird. Damit das so bleibt, hat er natürlich ein Interesse daran, dass auch der Verkauf funktioniert, denn sonst mietet dort irgendwann niemand mehr Verkaufsfläche. Dabei hilft auch, den Zweck des Ladens klar zu halten. Neuware ist dort nicht erwünscht, denn diese hat schon auf den normalen Flohmärkten einen schlechten Ruf und die Märkte abgewertet. Das ist ein Laden, zu dem man als Käuferin oder Käufer geht, wenn man genau solche gebrauchten Waren sucht, wenn man eine Überraschung sucht oder alte Schätze.

Als Standort böte sich jedes Ladenlokal an, das ausreichend Platz für die Regale hat. Ein langsames Wachstum wäre ebenso möglich. Als Beispielbild habe ich einfach mal das Ladenlokal genommen, in dem sich der letzte solche Laden befunden hat.

Das ist übrigens ein Vorhaben, dem ich bei einer zukünftigen Schauzeit in Rheydt Chancen auf einen sehr günstigen Start einräumen würde.

Massivholztischladen an der Hauptstraße

Hier war vor Jahren ein ähnliches Geschäft, die heutige Nutzung ist auch gut

Das Launchpad

Beginnen wir mit einer Idee für kreative Köpfe. Der Name des Launchpad ist auf Englisch, weil mir die deutsche Übersetzung zur Startplattform etwas sperrig ist und ich auch keine bessere Idee für einen Namen habe. Gute Vorschläge sind gerne gesehen. Am liebsten natürlich in der Praxis.

Innenstädte haben für die Wirtschaft, insbesondere für die Hersteller, eine selten erwähnte Funktion. Was aus Kundensicht das Bummeln durch die Läden und Schaufensterschauen ist, ist für die Hersteller keineswegs verschenkte Zeit. Es ist vielmehr die Gelegenheit, Produkte ins Bewusstsein der Kundschaft zu bringen, sich bekannt zu machen und für spätere Käufe ins Gedächtnis zu prägen.

Das ist einer der Gründe dafür, dass große Konzerne wie Apple und Amazon teils eigene Läden betreiben, obwohl diese sich finanziell nicht unbedingt rechnen. Der Apple Store ist kein Geschäft für Apple-Produkte, er ist ein begehbares Werbeplakat, das auch funktioniert, wenn man nachher online einkauft. Jenes Verhalten, über das der Einzelhandel sich beständig beschwert, ist hier Sinn der Sache.

Das ist ein wichtiger Grund, warum ich 2017 für einen Monat zum Bibliothekar wurde, denn keine Branche ist sich dieser Funktion des Handels stärker bewusst als die Buchbranche.

Warum also nicht diese Funktion als Dienstleistung anbieten? Für die Anbieter bricht sie zunehmend weg und ein Produkt rein online zu bewerben ist so effektiv, wie jemandem Wasser zu reichen, indem man es in einen Ozean schüttet, an dessen Küste beide stehen.

Das Launchpad ist für Anbieter dies und für Kundinnen und Kunden ein Erlebnisraum, eine Art Ausstellung der Zukunft, wie sich Produkthersteller diese vorstellen. Gut umgesetzt wird jedes neue Produkt zu einem Ereignis, mit großer Vorstellung, für die allein man hier hinkommt. Natürlich zahlen die Anbieter für einen guten Produktstart ein wenig mehr.

Als Standort wäre ein großes Gebäude mit Glasfront ideal, auf Rheydt bezogen beispielsweise der ehemalige Xenos, in dem allerdings heute eine neue NKD-Filiale ihre Waren einräumt. C&A wäre auch eine brauchbare Option, wobei ich dafür eine andere Idee habe. Aber dazu in einem eigenen Beitrag mehr. Das macht diesen Vorschlag allerdings schon wegen des Platzbedarfs auch zum teuersten der drei in diesem Beitrag.
Das erfordert natürlich jemand sehr kreativen, der aus jedem Produkt ein solches Ereignis machen kann. Und möglicherweise ist es auch mehr etwas für größere Städte — aber auch diese brauchen schließlich Belebung.

Leerstehendes ehemaliges C und A in Rheydt

Passend futuristisch sieht der C&A in Rheydt ja schon aus