Meine letzten vier Veröffentlichungen Mad Scientist Journal Autumn 2018 Fiction Science The Dinosaurs of Jurassic Park and Jurassic World Steaks, Walls And Dossiers Zur Übersicht aller Veröffentlichungen Fiction Science

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Bilder anzuschauen genießt einen schlechten Ruf im Bildungsbürgertum. Das gilt insbesondere für Statistiken, denen der Ruf anhaftet, ohnehin alle gefälscht zu sein. Doch oft ist die Statistik das Beste am ganzen Artikel. Das ist mir zuletzt bei mehreren Artikeln massiv aufgefallen. Daher nun ein kleiner Ausflug in die Wahrheit von Grafiken, die der Text so nicht zeigt.

Quelle: tylervigen.com

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Das wird 2017

Auf den Jahresrückblick 2016 folgt natürlich der Jahresausblick 2017. Hoffen wir einfach, dass die Musik diesmal nicht ein paar Stunden später von Youtube verschwindet. Oh, und dann muss noch ein Bild für die Linkvorschauen sein. Okay, wir können anfangen.

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2017

Thema: Netzwerk

Hier geht es um eine Fokussierung eines Trends, der 2016 begonnen hat. Verstärkte Vernetzung nicht nur in der Politik, sondern vor allem auch unter Autoren, lokal wie international. Ich habe Ende 2016 gemerkt, dass dies nicht nur ein Selbstzweck ist, sondern auch mit der Motivation und Kreativität hilft. Es gibt eine 2016 nicht umgesetzte Idee in dieser Richtung, für die ich nun endlich eine gute Grundlage habe, ein gemeinsames Projekt Gladbacher Autoren. Das werde ich im Februar anstoßen (weil ich das Autorentreffen im Januar wegen anderer Termine auslassen muss) und deute es jetzt nur an, um es nicht in einem Nebensatz eines Jahresausblicks untergehen zu lassen. Ein gemeinsames öffentliches Auftreten der lokalen Autoren ist mir schon länger ein Anliegen, weswegen es auf meiner Bücherseite bei den Empfehlungen ja auch einen Abschnitt mit Büchern aus der Stadt und ihrer Umgebung gibt.
Ein erstes Ergebnis verstärkter Vernetzung wird Ende Januar ein Beitrag in einer Trump-Parodie-Anthologie sein, ein Projekt, an dem ich viel Spass habe.
Und damit geht es weiter zu:

Ausverkauf

Meine erste vollständige Buchübersetzung ist in Arbeit, ich werde dies 2017 durch weitere ergänzen, darunter hoffentlich auch kreative Projekte (der Erstling ist ein Kochbuch). Aber das ist letztlich nur der Broterwerbsteil der kreativen Arbeit.
Was sehr gut funktioniert, sind Kurzgeschichten. Das werde ich 2017 verstärkt nutzen: Ich beabsichtige, jeden Monat eine Kurzgeschichte zu veröffentlichen – nicht schreiben, veröffentlichen. Und damit meine ich, in professionellen Kanälen wie Zeitschriften und Anthologien, Veröffentlichung im Blog zählt nicht. Das bedeutet natürlich ein entsprechendes Volumen an Geschichten, aber Kurzgeschichten gehen einfach viel leichter von der Hand als Romane, selbst wenn sie zusammengenommen genau so viele Wörter umfassen wie mehrere Romane. Vieles davon wird in eine weitere Sammlung gehen: Die Nachfolgesammlung zu How to Sing Butterflies wird den Titel How the Rain Gets in tragen, daneben plane ich eine Sammlung von weihnachtlicher Sciencefiction und Fantasy für den November, erhältlich in Deutsch und Englisch auf Papier und elektronisch. Ich habe da über die Jahre schon einiges geschrieben, das ergänze ich bis zum Herbst mit neuen Beiträgen.
Das andere, was sich sehr gut schreiben lässt, sind Sachbücher. Ich habe den ersten Band von Fiction Science 2015 in sehr kurzer Zeit geschrieben und danach keine wirklich gute Idee für einen zweiten Band gehabt. Nun, inzwischen hatte ich eine, auch wenn es diesmal keine passende Filmpremiere im laufenden Jahr geben wird, an die ich es anheften kann. Rechnet im Sommer damit.
Mein 2016er Projekt, die Meilensteine der Evolution abzuschließen, wurde durch den Tod meines Computers im März gestoppt, doch inzwischen konnte ich die Daten wiederherstellen. Damit einher gehen große Veränderungen für die Serie es wird keine zehn Bände mehr geben, sondern vier, die dafür um so umfangreicher sind. Die bisherigen Bände werden in die neuen integriert, Käufer der alten Bände sollen die neu konzipierten Teile der Serie als kostenloses Update erhalten. Das ist dann das Buchprojekt fürs Frühjahr.
Abschließen will ich auch die Zero-Waste-Reihe Less Litter Lifestyle im Blog mitsamt dem zugehörigen Buch. Ein Kochbuch-Projekt ist so gut wie fertig, dafür fehlen hauptsächlich noch die Fotos.
Ich habe inzwischen gelernt, dass ich für Romane besser keine Ankündigungen mache. Es gibt ein paar Projekte, aber welche davon 2017 veröffentlichungsreif werden, will ich nicht mehr voraussagen. Momentan sind die Titel Sünde, Boy, Ètrenne und Neanderthalensis in unterschiedlichem Fortschritt auf meinen Festplatten (ja, ich habe nach dem März-Desaster mehrere), aber wie weit diese 2017 kommen, wer weiss. Mein Fokus ist 2017 mit voller Absicht auf den kleineren, schneller umsetzbaren Projekten.

Ein anderes Vorhaben aus 2016, das untergegangen ist, war die Veröffentlichung von Hörbuchversionen meiner Kurzgeschichten auf Youtube. Auch hier habe ich das bisher erstellte Material wiederhergestellt und kann 2017 damit weitermachen.

Portfolio

Und damit in die andere Ausrichtung meiner kreativen Vorhaben: Eine breitere Fächerung der Formen, mit denen ich arbeite. Viele meiner Ideen fallen schlichtweg nicht in den Bereich des geschriebenen Wortes und ich will meine Fähigkeiten trainieren, auch in anderen kreativen Bereichen zu arbeiten.
Ich habe 2016 meine Fähigkeiten mit Fotos und Bildbearbeitung deutlich verbessern können. Ich hoffe, das 2017 im Bereich des Zeichnens/Malens (digital, da kann man Fehler besser rückgängig machen ;-) ) fortführen zu können. Ob ich in Jahresfrist etwas Vorzeigbares produzieren kann, werden wir sehen, ich bin da vorsichtig, da ich weiss, wie viel Übung in ein gutes Bild einfließt, bevor es so einfach aussieht, wie einige Künstler es aussehen lassen.
Aber die Ideen sind da und ich will sie umsetzen. Und dafür brauche ich die entsprechenden Kenntnisse.

Sonstiges

Ich werde mich 2017 verstärkt als Übersetzer betätigen. Dazu gehört neben den bereits genannten Buchübersetzungen auch ein ab morgen verfügbarer Fiverr-Gig zum Übersetzen von Rezepten, eine Dienstleistung, mit der ich inzwischen umfassende Erfahrungen gemacht habe und in der ich bei all den schlecht übersetzten Rezepten, die überall rumfliegen, eine echte Lücke sehe.
Und dann ist da noch die Politik. Zwei Wahlkämpfe sind da nur die Spitze des Eisberges, es wird für mich politisch 2017 einiges zu tun geben.
Oh, und ich plane, dieses Jahr umzuziehen, etwas mit deutlich mehr Platz für meine ganzen Ideen und Experimente.

Und nun entschuldigt mich. Ich habe einen Berg abzugraben und dafür einen Teelöffel aus der Küchenschublade mitgebracht. Und ich habe schon angefangen.


Kindle Unlimited und die Folgen

Pünktlich zum Start von Jurassic World startete ich bei Amazon ein neues englischsprachiges Buch, das zugleich als Testballon für Kindle Unlimited diente. Kurz darauf veränderte Amazon das Programm grundlegend. Das macht eben diesen Testballon zu einem seltsamen Fall, denn er war eigentlich ein großartiger Erfolg. Doch ein zweiter wird nicht folgen. Aber eins nach dem anderen:

Juni 2015: Fiction Science schlägt ein

Am 11. Juni 2015 veröffentlichte ich Fiction Science 1: The Dinosaurs of Jurassic Park and Jurassic World. Das Buch über wissenschaftliche Fehler bei den Dinosauriern der Filmreihe war pünktlich zum amerikanischen Filmstart für $ 2,99 zum Kauf sowie kostenlos zur Ausleihe per Kindle Unlimited verfügbar.
Und es war ein voller Erfolg: Fiction Science 1 erreichte in mehreren Ländern (Deutschland, Großbritannien, USA) zeitweilig die Spitze der Genre-Verkaufsränge für die Kategorie Filmkritik. Es war das erste Mal, dass eines meiner eBooks in Amazons Neuheitenliste „Hot & New“ auftauchte. Der Juni brachte 53% meiner bisherigen Buchverkäufe des Jahres 2015, dazu 75% des Umsatzes. Und er machte den Juni zum ersten Monat seit 2011, in dem ich im Schnitt pro Buch mehr als einen € einnahm. Ich erzielte erstmals Verkäufe in Australien und Indien, erstmals nahm ich mehr britische Pfund und überhaupt mehr in Fremdwährungen als in Euro ein.
Einige Dinge überraschten mich: Zum Beispiel der Erfolg des in amerikanischem Englisch verfassten und einen Tag nach der relevanten Filmpremiere dort erschienenen Titels in Großbritannien.
Auch überraschte mich, dass fast genau so viele Menschen das Buch kauften, wie es liehen (im Juni, im Juli kann ich das nicht mehr feststellen, weil Amazon mir nur noch sagt, wie viele Seiten gelesen wurden aber nicht, auf wie viele Exemplare sich diese verteilen). Ich hatte gedacht, der Preis von 2,99 für ein so kurzes eBook würde Leser deutlich stärker zum Ausleihen bringen (wobei das in den USA auch passierte, aber nur dort).
Ich schätze, ich sollte nicht so viel Furcht vor dem 70%-Tantiemen-Bereich ab 2,99 haben. Wenn das Buch nur relevant genug ist, zahlen die Leute das auch für nur 45 Seiten.
Wäre das alles, ich wäre von Kindle Unlimited überzeugt und würde einige Titel speziell für dieses Programm online stellen: Kurzgeschichten, Sachbücher, alles, was relativ kurz ist und wofür Leser deshalb weniger gerne Geld ausgeben.
Doch dann:

Kindle Unlimited 2.0

Wie die meisten inzwischen mitbekommen haben dürften, bezahlt Amazon ab Juli 2015 Autoren für Ausleihen über Kindle Unlimited nicht mehr pro Buch, sondern pro gelesener Seite. Seriöse Schätzungen reichen von 0,5 Cent bis 0,6 Cent pro Seite.
Fiction Science 1 macht pro Verkauf je nach Währungskurs um die 1,60 €, die Ausleihe liegt voraussichtlich im Bereich von 1,20 € (das wird am 15. Juli klar). Der Verdienst einer vollständig gelesenen Ausleihe nach dem 1. Juli? Zwischen 23 und 25 Cent, bei weiterhin um die 1,60 € pro Verkauf.
Ich war vor der Änderung bereit, die geringeren Einnahmen von KU hinzunehmen, da ich damit gleichzeitig positive Effekte verband sowie die Erwartung, Leser zu erreichen, die das Buch sonst gar nicht kaufen würden. Dafür habe ich keine belastbaren Zahlen, aber das Risiko war mir die 40 Cent Unterschied wert. Jetzt beträgt der Unterschied einen knappen Euro. Unter diesen Umständen halte ich es wirtschaftlich nicht für rechtfertigbar, ein Buch von weniger als 300 Seiten in das KU-Programm zu stellen. Und da ich ein über 300 Seiten dickes Buch niemals Amazon-exklusiv anbieten würde, ist Kindle Unlimited damit für mich tot.

Al zu schlimm ist das für mich nicht: Fiction Science 1 war auf kurzen Hype ausgerichtet und lief auch genau so wie erwartet: Riesige Verkäufe zum Start und durch das folgende Wochenende, dann ein Absinken in der folgenden Woche und langsames Auslaufen der Verkäufe über den Juli, gefolgt von nur noch gelegentlichen Verkäufen in der weiteren Zukunft. Ich wusste vorher dass mir das Buch bereits im Juli kaum noch Geld bringen würde. Genau deshalb war es ja der perfekte Testballon.

Überm Horizont

Es gab ganze Geschäftsmodelle, die darauf basierten, kurze Werke zur Ausleihe bei Amazon zu veröffentlichen. Ich meine jetzt nicht die zuvor hier im Blog erwähnten Scamphlets/Scamletts; es gab durchaus auch legitime Kurzgeschichten, die so herauskamen. Das halbe Erotika-Genre (in das ich unter geheimem Pseudonym den Einstieg plante) auf Kindle hat von diesen Einnahmen gelebt.
Ich hätte gerne mit weiteren speziell auf KU zugeschnittenen Veröffentlichungen den Erfolg dieses Testballons fortgesetzt.
Nun, es hat nicht sein sollen und ich habe eines als wichtigstes gelernt: Wenn du eine Idee hast, setze sie um; du weisst nie, wann sie plötzlich aufhört, zu funktionieren.


Die pawlowschen Journalisten

Das große Problem mit dem Journalismus ist, dass hunderte Journalisten kurzerhand von einer oder zwei Quellen abschreiben. Ich könnte mich jetzt auch darauf beziehen, dass einige sich gleich komplett neuen Quatsch aus Halbwissen zusammenbasteln, aber bei der Geschichte stimmt wenigstens die Bedrohung für die Panoramafreiheit, auch wenn der Kölner Dom zu alt ist, alsdass noch irgendwer ein Urheberrecht darauf haben könnte und daher nicht als Beispiel taugt. Nein, es steht mal wieder ein Klassiker an: Amazon.
Im Grunde ist die Sache für die hiesige Presse ja ganz einfach: Amazon ist der Scheitan und alles, was die machen, ist böse. Zum Beispiel, dass Mitarbeiter im Versandlager die Arbeit von Mitarbeitern im Versandlager machen müssen. Und dafür bezahlt werden, als wären sie nicht etwa ausgebildete Buchhändler mit zahlreichen anderen Aufgaben und Kompetenzen, sondern Mitarbeiter im Versandlager. Ja, ich weiss, Skandal!

Die Tage wurde dann erneut Stille Post gespielt und heraus kam das: „Skandal! Amazon bezahlt Autoren nach gelesenen Seiten und nicht mehr pro Verkauf!“ Das ist fast so schlimm, als würden dünne Bücher weniger kosten als dicke.

Was ist passiert?

Vergangene Woche schickte Amazon den direkt dort verlegenden Autoren eine Mail, die ankündigte, dass Ausleihen aus dem Programm Kindle Unlimited künftig nicht mehr pro Ausleihe bezahlt werden, sodern pro gelesener Seite. Die Seiten werden dazu, wie übrigens schon seit Jahren für die Angabe der Seitenzahl in den Verkaufsplattformen, über ein Standardisierungsverfahren ermittelt und mit bestimmten Positionen im Text gleichgesetzt.
Bisher wurde für Ausleihen immer der selbe Betrag gezahlt, sobald ein ausgeliehenes Buch zu mindestens 10% gelesen wurde. Der Betrag ergab sich aus einem vorher festgelegten Fond, der auf alle ausgeliehenen Bücher des Monats verteilt wurde. In Zukunft wird der Fond nicht mehr nach ausgeliehenen Titeln aufgeteilt, sondern nach gelesenen seiten, also kleinteiliger. Auf Amazons Seite ändert sich dadurch übrigens nichts, auch wenn praktisch alle Journalisten den Unsinn wiederholen, Amazon bekäme dadurch mehr Inhalt für weniger Geld; der Fond wird ja nicht kleiner, er wird nur nach einem genaueren Schlüssel verteilt.
Die meisten Autoren sind sehr froh um diese Änderung und haben lange etwas in dieser Art erhofft. Grund dafür sind die so genannten Scamphlets. Ein Scamphlet ist wertloser Schrott in eBook-Form, der so kurz ist, dass die zur Auszahlung nötigen 10% bereits beim Aufschlagen des „Werkes“ erreicht werden. Um die 1,30 € für drei Seiten nutzlosen Mist zu erhalten ist schon angenehm für die Macher dieser Masche.
Nun gefiel das den richtigen Autoren natürlich gar nicht, senkten die Betrüger doch so die Einnahmen für alle legitimen Verfasser aus dem selben Topf. Ebenso waren viele nicht grade begeistert, dass für die Ausleihe eines 1000-Seiten-Epos genau so viel gezahlt wurde wie für jene einer Kurzgeschichte. Entsprechend wurde Amazons neue Zahlungsweise allgemein positiv aufgenommen, da sie für alle deutlich gerechter ausfällt und eine sehr schädliche Betrugsmasche unattraktiv wird. Nicht wirklich schön ist, dass man jetzt vor der nächsten Monatsabrechnung nicht mal mehr schätzen kann, was einem eine Ausleihe einbringt, aber das ist schlimmstenfalls lästig.
Einige, etwa John Scalzi haben grundsätzliche Bedenken gegen das Konzept von Kindle Unlimited (KU) und das ist auch völlig legitim, hat aber nichts mit den aktuellen Änderungen zu tun.
Hinweis an dieser Stelle: Ich selbst nutze KU bei zwei Büchern. Gezielt bei Dinosaurs of Jurassic Park and Jurassic World und nebenbei bei Dieses Cover ist Müll, da bei letzterem andere Plattformen neben Amazon gerne die Erwähnung von Konkurrenz-Produkten untersagen (vor allem Apple und neuerdings Tolino) und die für KU nötige Amazon-Exklusivität somit ohnehin gegeben ist. Grade das Jurassic-Park-Buch war gezielt auf KU ausgerichtet. Ich glaube aber nicht, hier Ergebnisse untersuchen zu können – das Buch über Coverdesign geht alle paar Monate als Ausleihe weg (die Verkäufe sind leicht besser) und das Jurassic-Park-Buch wird trotz erheblichen Erfolges ziemlich sicher nur ein paar Wochen leben, solange der Film noch frisch ist und Hype erzeugt. Das bedeutet, dass sich meine eventuellen Einbußen oder Gewinne aus dieser Änderung extrem in Grenzen halten.
Normalerweise dienen solche Hinweise ja dem Bekenntnis von Eigeninteressen, aber in diesem Fall weist es meines Erachtens vor allem aus, dass ich weiss, wovon ich rede, wenn ich von KU rede.

Was wurde daraus?

Diverse Zeitungen erzählen was von einer Veränderung der Bezahlung von Kindle-Autoren, übersehen dabei aber komplett zu erklären, was genau KU eigentlich ist und dass es eben nicht um Verkäufe geht, sondern um Ausleihen. Dazu kommt etwa bei der FAZ die völlig unnachvollziehbare Behauptung, Amazon würde Geld sparen. Dass KU-Ausleihen aus einem Fond bezahlt werden dessen Höhe von der Anzahl der Ausleihen unabhängig ist, weiss man dort entweder nicht oder unterschlägt es, damit man Amazon etwas vorwerfen kann.
Nachvollziehbar ist die Befürchtung, dass Kindle-Bücher nun im Durchschnitt wieder länger und spannender werden. Was genau daran schlimm sein soll, wissen aber nur Leute, die das Wort „Hochkultur“ völlig ohne Ironie in den Mund zu nehmen vermögen.
Die Taz schießt den Vogel ab, indem sie zu erkennen gibt, den Unterschied zwischen KU und Verkäufen zu kennen, dies aber mit folgender hanebüchener Schlussfolgerung ignoriert:

Schaut man aber, wie Amazon in anderen Geschäftsfeldern operiert – seine TV-Serien auf Nutzergeschmack zuschneidet, seinen Mitarbeitern in Logistikzentren genau vorschreibt, wie viele Artikel sie pro Stunde zu versenden haben – dann scheint es nur logisch, wenn Amazon das Bezahlen-pro-Seite-Prinzip künftig massiv ausweiten würde.

Warum?

Zum einen ist Tagesjournalismus ein Eilgeschäft. Da muss man halt abschreiben und Halbverdautes möglichst schnell wiedergeben.
Zum anderen wirkt da wohl Pawlow: Amazon ist böse, da darf man dann immer das Schlimmste vermuten und dieses schlimmste dann mit Halbwahrheiten und mangelnder Recherche bestätigen. Wodurch man wiederum noch stärker dazu neigt, das Schlimmste zu vermuten. Und am Ende hat man einen Teufelskreis erschaffen, in dem sich die Vorurteile nur noch gegenseitig bestätigen. Und dank der Abschreiberei von Halbwahrheiten dreht dieser Teufelskreis überall in die selbe Richtung — das ist es dann, was viele mit „Gleichschaltung“ betiteln.
Und da ist das Problem mit dieser speziellen Form von Gleichschaltung: Sie ist im Gegensatz zu der historischen Gleichschaltung keine Absicht, sie ist ein unbewusstes Ergebnis von Stress. Der Beruf von Tagesjournalisten ist es, sich innerhalb von fünf Minuten zu jedem beliebigen Thema eine Meinung zu bilden. Und das geht ganz einfach nicht gut, denn diese Aufgabe ist nur zu erfüllen, wenn man sich dem Herdentrieb hingibt und nicht mehr nachdenkt oder gar Fakten recherchiert.
Das ist Instinkt, das ist prägung, das ist Pawlow. Pawlow aber konnte seinem Hund nur beibringen, zum Essen zu kommen. Sprechen oder Nachdenken hat er auf diese Weise nie gelernt.







Print-on-Demand-Bedingungen im Test

Letzten Monat habe ich ein wenig über meine Erfahrungen mit dem eBook-Vertrieb geschrieben. Heute möchte ich dies mit meinen Ergebnissen zu „selbstverlegten“ Papierbüchern ergänzen. Kurzfassung: Auch nach Jahren der Entwicklung ist dieser Bereich noch ziemlicher Mist. Am Ende bin ich bei ePubli gelandet.

Die Anführungszeichen im letzten Absatz haben einen Grund: Echtes Selbstverlegen bei Papierbüchern bringt erheblichen Aufwand mit sich. Als Ein-Mensch-Verlag in den Buchhandel zu kommen, geschweige denn bundesweit oder wenigstens ausserhalb des eigenen Wohnortes ist harte Arbeit, welche die meisten nie schaffen werden.
Die großen Anbieter für Print on Demand nehmen einem viel von dieser Arbeit ab. In welchem Maß, ist dabei sehr unterschiedlich. Da ich als Einzelperson diese Arbeit nicht übernehmen will, betrachte ich nur Angebote, die einen Vertrieb mit im Paket haben.
Folgendes musste ausserdem für das produkt möglich sein:

  • Marktfähiger Endpreis
  • Druck eines Taschenbuchs
  • Druck eines geklammerten Heftes (für die kurzen Bände der Meilensteine der Evolution)
  • Papierversion ohne eBook oder eBook separat möglich

Nur ein Teil der Anbieter bietet die Option Klammerheftung einzusetzen.
Referenz für alles weitere sind Printausgaben von Meilensteine der Evolution als Hefte von je 40 Seiten Umfang im Format A5.

Es geht hier nur um die Vertriebsbedingungen. Ich gehe nach dem Lesen diverser Erfahrungsberichte nicht davon aus, dass diese Anbieter in der Produktion merklich unterschiedliche Qualität hervorbringen.

Einer fliegt. Weit: Preis

Die meisten Anbieter fliegen schon beim Preis raus. Farbdruck ist praktisch nirgends wirtschaftlich möglich, also bin ich eh schon bei Schwarz-Weiss. Und dennoch…
Shaker-Media schafft es, ein 40-seitiges Heft auf beachtliche 8,90 € Verkaufspreis zu bringen. US-Anbieter Lulu schafft 3,30 Dollar pro Exemplar. Der deutsche Riese BoD schlägt einen Ladenpreis von 4,99 € vor, was hoch ist, aber akzeptabel. ePubli kann den selben Preis erreichen, allerdings schlägt ePubli bei Direktverkauf und über Amazon 2,95 € Versandkosten auf (was unerwarteterweise einen Preisvorteil für klassische Buchhandlungen bedeutet). Amazons Createspace bietet mir im Preiskalkulator keine Möglichkeit, die Bindung einzustellen und ich weiss daher nicht, ob es Klammerbindung herstellen kann. Grundsätzlich ist ein Preis von 3,99 € für 40 seiten dort grade so eben wirtschaftlich. Allerdings sind Createspace-Bücher de facto ohnehin nur bei Amazon erhältlich und das ist uninteressant.

Der Ami: Lulu

Lulu fliegt raus, weil es nach allem, was ich erfahren konnte in Europa schlichtweg nicht am Markt etabliert und hier im Versand zu langsam ist. Es ist aber ganz klar meine Wahl für den Vertrieb in der englischsprachigen Welt.

BoD will alles. Alles!

Unter der Vermutung, dass das Format „Booklett“ bei BoD ein klammergebundenes Heft meint, ist BoD der preislich günstigste Anbieter. Zwar erreicht auch ePubli einen Verkaufspreis von 4,99 €, aber bei 0,20 € geringeren Einnahmen für den Verfasser und mit 2,95 € Versandkosten auf dem Postweg.
Nur hat BoD ein ganz anderes Problem: BoD verlangt Alles oder es macht keinen Vertrieb. Lässt man dort ein Papierbuch produzieren und vertreiben, nimmt BoD sich auch die eBook-Rechte und verlangt zudem Exklusivität. Das ist ein Problem. Ich habe BoD aus gutem Grund nicht für den Vertrieb der meisten meiner eBooks gewählt – es fuscht mir dort ins Layout hinein. Hinzu kommt, dass ich eBook udn Papierbuch als unterschiedliche Dinge betrachte – ein halbwegs brauchbar gestaltetes Sachbuch auf Papier nutzt sein Medium in einer Weise, die nicht einfach so auf ein anderes Medium übertragen werden kann. Meine eBooks sind weitgehend als Fließtext gestaltet, um auf möglichst jedem Gerät in jedem Format gelesen werden zu können. Meine Papierbücher sind als Konstrukte aus mit Text gefüllten Boxen gestaltet, die ein komplexes Layout in einer Umgebung ermöglichen, die für jeden Leser identisch ist. Es sidn schlichtweg völlig unterschiedliche Gestaltungsphilosophien. Ich hatte in meiner Bewertung des ABC der Verlagssprache ein gutes Beispiel gegeben, warum unterschiedliche Ansätze für beide Medien von Vorteil sind, wenn man Lesern auf beiden Plattformen ein jeweils ideal auf sie zugeschnittenes Produkt liefern will.
Ohne eBook-Rechte druckt BoD zwar, vertreibt das Ergebnis aber nicht. Und wenn ich das will, kann ich zumindest für die Heftproduktion auch in den Copy-Shop gehen und anschließend selber tackern.

Arbeitsgerät wäre vorhanden (Bild: Amazon)

Arbeitsgerät wäre vorhanden (Bild: Amazon)


Das ist schade, denn BoD hat einen hervorragenden Buchvertrieb, nahezu auf einem Level mit dem, was ein großer Verlag kann. Aber sorry, verpflichtend die eBook-Version mit dabei zu haben ist absolutes Ausschlusskriterium in der Erstellung von Sachbüchern mit komplexen Layouts.

Bleibt ePubli

Womit ePubli bleibt. ePubli führt seltsamerweise zu Preisen, die bei Amazon höher sind als bei allen anderen Händlern, da es dort als Drittanbieter auftritt, was zu 3,00 € Versandkostenzuschlag führt. Direkt bei ePubli kommen 2,95 € drauf. Im Buchhandel kein Cent. Das ist vor allem deshalb seltsam, weil ePubli meines Wissens zur Verlagsgruppe Holtzbrinck gehört und somit eigentlich Zugriff auf die Buchhandelskanäle haben müsste, die Amazon direkt beliefern. Es mag sein, dass das Absicht seitens des Mutterkonzerns ist, um das traditionelle Verlagsmodell zu stärken.

In conclusio

Und am Ende schreibt man Abschnittsüberschriften in Latein und muss feststellen: Papierbücher in Print on Demand anzubieten ist weniger ein Vertriebskanal als ein Sonderservice für Leser, die gedruckte Werke bevorzugen. Alle Anbieter haben erhebliche Mängel und so landet man letztendlich weniger beim besten als vielmehr beim am wenigsten schlechten Anbieter. Da ist definitiv noch Luft nach oben.


Wo veröffentliche ich meine eBooks am besten?

Eine der schwierigsten Fragen für jeden, der selbst eBooks rausbringen will, kommt gleich zu Anfang dieser hoffentlich glorreichen Karriere: Wo verkauf ich die überhaupt? Es gibt ja inzwischen viele Optionen und auch wenn Amazon die größte ist, will man doch auch andere Kanäle erreichen. Vor allem in Deutschland, wo Kindle-Konkurrent Tolino inzwischen fest etabliert ist und auch über den Buchhandel versorgt wird.
Die Antwort auf diese Frage zu finden ist eine lange Suche, zumal sie sich auch immer wieder verändert. Neue Plattformen tauchen auf und verschwinden, alte verändern sich auf verschiedenste Weisen. Daher ist keine Antwort endgültig.
Als Hilfe für Neueinsteiger will ich dennoch kurz vorstellen, wie ich nach mittlerweile vier Jahren Suche und Erfahrungen meine eBooks vertreibe und warum ich die Plattformen gewählt habe, die ich gewählt habe.

Der Riese: Amazon

Da besteht gar keine Diskussion, Amazon ist so groß, den kann man nicht auslassen. Sofern man nichts anderes einstellt, vertreibt Amazon alle hochgeladenen eBooks weltweit. Für eBooks mit einem Preis zwischen 2,99 und 9,99 € gibt es 70%, für alle anderen Preise (und einige Länder, in denen die 70% nicht gelten) gibt es 35% vom Preis als Honorar. Die Plattform ist Marktführer und das merke ich bei den Verkäufen auch deutlich.
Amazon zahlt zuverlässig 90 Tage nach Monatsende per Scheck oder Überweisung aufs Girokonto, selbst wenn nur 10 Cent verdient wurden. Absolut vorbildlich.
Ich habe lange fertige Mobi-Dateien bei Amazon hochgeladen, das dazu nötige Programm ist aber inzwischen veraltet und hat Probleme auf Systemen mit Internet Explorer zu laufen, daher lade ich inzwischen Word-Dateien zu Amazon hoch. Auch das funktioniert reibungslos. eBooks von Amazon lassen sich allerdings nur auf Kindle-Geräten sowie per App auf Systemen mit Android, iOS oder Windows lesen. Alternative Lesegeräte wie Tolino erreicht Amazon nicht.
Exklusive Bindung an Amazon („KDP Select“) ist möglich, aber freiwillig.
Amazon direkt zu beliefern ist alternativlos für Bücher im Preissegment 2,99–9,99 €, sollte aber um einen Vertrieb für ePub ergänzt werden, denn warum sollte man Geld liegen lassen?

Ergänzung fürs Deutsche: Xinxii

Neben Amazons Kindle gibt es noch eine Reihe anderer eBook-Lesegeräte und um diese zu beliefern, muss man andere Händler neben Amazon erreichen. Der bekannteste Konkurrent des Kindle dürfte der Tolino sein, aber auch Kobo, Oyo und einige andere Geräte existieren. Und was vielen nicht bewusst ist: Auch Apple verkauft in seinem iBooks Store eBooks für seine Geräte. All diese Kanäle verkaufen eBooks im Format ePub, der großen Alternative zu Amazons Mobi/AWZ-Format. Für die Leser macht das keinen Unterschied und auch für die Autoren nur einen geringen, denn auch ePub lassen sich einfach aus Word-Dateien erzeugen. Ich selber nutze dazu das Programm Calibre.
Xinxii hatte es in der deutschen Anbieterlandschaft einfach, mich zu überzeugen. Es liefert an eine gute Auswahl von Händlern, bietet mir die Möglichkeit, Amazon separat zu beliefern (was sich lohnt, da man so aus seinen Amazon-Verkäufen mehr Geld bekommt) und erlaubt es, die ePub-Datei so an die Händler auszuliefern, wie man sie selbst erstellt hat.
Letzteres ist für mich sehr wichtig. Die meisten Anbieter in Deutschland haben einen Online-Editor, mit dem man seine eBooks online bearbeiten kann. Das klingt auf den ersten Blick komfortabel, bringt aber Probleme mit sich, wenn man komplexere Layouts hat. Ein Beispiel: Alle Bände meiner Reihe sowie mein Buch Unter Wittgensteins Löwen enthalten Seitenumbrüche innerhalb von Kapiteln. Bei den Meilensteinen etwa sind die Listen der Tierarten jeweils ein Kapitel, jeder einzelne Eintrag in den Listen endet aber mit einem Seitenwechsel ohne ein neues Kapitel zu beginnen. Eigentlich kein Problem für ePub. Die Editoren bei den von mir vorher ausprobierten Anbietern BookRix und Neobooks kamen damit aber nicht klar — alles zwischen dem ersten Seitenumbruch und dem Anfang des nächsten Kapitels verschwand kurzerhand aus dem jeweiligen Buch. Neobooks hat inzwischen einen neuen Editor vorgestellt, aber für mich zu spät, ich werde es gar nicht erst ausprobieren. Der momentan in vieler Munde präsente Neuling Tolino Media nutzt den Editor von Neobooks, daher gilt für diesen neuen Dienst das selbe. Bei Xinxii weiss ich, dass es funktioniert und das reicht mir.
Somit gilt für mich: Xinxii erhält meine klare Empfehlung für ePub im deutschsprachigen Raum, kombiniert mit direkter Lieferung an Amazon.

Beispiel für einen Seitenwechsel ohne ein neues Kapitel zu starten, hier im Buch Schwarzer Schwinge in der Kindle App für Windows bei Doppelseitenansicht

Beispiel für einen Seitenwechsel ohne ein neues Kapitel zu starten, hier im Buch Schwarzer Schwinge in der Kindle App für Windows bei Doppelseitenansicht

Sondereinlage: BoD

Eine Sonderrolle spielt für mich im deutschen Markt BoD, einer der ältesten Online-Anbieter für Selbstverlag im deutschsprachigen Raum. Normalerweise nutze ich BoD nicht, da es wie viele deutsche Anbieter in meine Dateien hineinfuscht und damit für viele meiner Bücher ungeeignet ist (siehe Ausführungen zu Neobooks/Tolino weiter oben). BoD geht sogar so weit, mein Impressum durch ein eigenes von BoD zu ersetzen. Das mag zwar ganz nett gemeint sein, da BoD den Autoren damit auch die rechtliche Verantwortung für die Inhalte abnimmt, wenn das Impressum allerdings neben den Kontaktdaten zusätzliche Angaben wie zum Beispiel erforderliche Bildnachweise enthält, wird das unter Umständen zu einem ernsthaften Problem. Meine Bände der Reihe Meilensteine der Evolution etwa enthalten regelmäßig recht umfangreiche Bildnachweise, da sie eben auch relativ viele Bilder aus unterschiedlichen Quellen enthalten.
Ausserdem verlangt BoD Exklusivrecht zur Veröffentlichung und hat eine Frist, wenn man Bücher dort wieder löschen will. Und dennoch habe ich die Fantasy-Kurzgeschichte Khamel über BoD veröffentlicht und werde wahrscheinlich weitere Kurzgeschichten über diese Plattform rausbringen. Warum?
Die Antwort liegt im Preis des eBooks: BoD eröffnet mir die Möglichkeit, einen Preis von 0,49 € einzustellen. Für Kurzgeschichten wie Khamel scheint mir das ein fairer Preis zu sein, den ich (soweit mir bekannt) nirgendwo sonst einstellen kann. Auch sind die Einkünfte für Bücher unter 2,99 € besser als bei Amazon, da BoD bei Amazon offenbar andere Konditionen bekommt als Selbstverleger und somit auch mehr an die Autoren weitergeben kann. Daneben liefert BoD als einziger von mir ausprobierter Distributor an den kostenlosen Verleihservice readfy für Android- und iOS-Geräte.
Es wird allerdings interessant zu beobachten, ob der in der Betaphase befindliche Neuling Pocketstory in Zukunft Angebote in dieser Richtung ergänzt.
Bis dahin: Bod empfohlen für eBooks unter 2,99 €, wenn diese keine aufwendigen Layouts haben und wenn es kein Problem ist, dass BoD das Impressum durch ein eigenes ersetzt. Dafür kommen die Bücher über BoD an nahezu alle Händler. Aber Achtung: Ein über BoD verbreitetes eBook darf wegen des Vertrages von BoD über keinen anderen Kanal vertrieben werden.

Fürs Englische: Draft2Digital

Da ich auch englische eBooks verkaufe, brauche ich natürlich auch dort einen Vertrieb für die anderen Händler eben Amazon. Überraschenderweise ist das dortige Angebot an alternativen Vertrieben nicht ganz so bunt wie im deutschsprachigen Bereich.
Die beiden großen Anbieter sind Smashwords und Draft2Digital. Smashwords ist für seinen Meatgrinder gefürchtet: Mna lädt dort eine Word-Datei hoch, die dann in diverse Formate konvertiert wird. Das ist theoretisch super, der Meatgrinder gilt aber als extrem fehleranfällig und man kann mehrere Anläufe brauchen, bis ein Dokument so perfekt ist, dass es als fehlerfreies Ergebnis aus dem Meatgrinder heraus kommt.
Ein für mich deutlich größeres Problem ist, dass man in Smashwords für jeden Namen ein eigenes Nutzerkonto braucht – Veröffentlichung unter Pseudonym oder von Werken anderer Autoren sowie Kollaborationen sind so schlichtweg nicht ohne erheblichen Aufwand möglich. Das hat Smashwords in meinen Augen das Genick gebrochen.
Draft2Digital ist da bedeutend besser und beliefert eine lange Liste von Händlern. Es bietet die Möglichkeit, seine Dateien direkt in der endgültigen Form hochzuladen und als kleiner Bonus liefert Draft2Digital die Bücher auch an die Tolino-Händler. Damit ist es der einzige Anbieter, der englischsprachige Werke auch an alle wichtigen deutschen Händler (Amazon, Tolino, iTunes, Kobo) ausliefert. Es ist möglich, Händler herauszunehmen, um niemanden doppelt zu beliefern.
Draft2Digital ist meine Empfehlung für englischsprachige eBooks in Kombination mit Amazon. Wer einfache eBooks ohne komplexe Layouts unter einem einzigen Namen vertreibt, für den lohnt es sich allerdings, sich auch Smashwords mal anzuschauen.

Andere Optionen

Es gibt natürlich noch mehr als diese paar Möglichkeiten.
Apple erfordert eine amerikanische Steuernummer, daher habe ich mit diesem Unternehmen nie direkt gearbeitet.
Epubli will vorab Geld, daher hab ich es nie ausprobiert, Tredition und Ruckzuckbuch wollen richtig viel Geld, also ditto. Feiyr nimmt meines Wissens Geld bei Löschung eines eBooks, was mich ebenfalls vom Ausprobieren abhält, denn was, wenn mir das Angebot gar nicht zusagt? Dann müsste ich Geld dafür bezahlen, dass es mir nicht gefällt. Absurd.
Mit dem Vertrieb von Papierbüchern im Selbstverlag habe ich bisher ganz allgemein keine Erfahrungen sammeln können, aber das steht an. Nach dem, was ich bisher gesehen habe, dürfte hier aber BoD mit Abstand die beste Möglichkeit sein.


eBook-Genreranking 16.11.2014

Eine der häufigsten Fragen von Selbstverlegern im eBook-Bereich ist, welche Genres sich am besten verkaufen. Und entsprechend viele Methoden wurden entwickelt, diese Frage zu beantworten. Sei es der Bestsellerrang des bestverkauften Werkes, der Anteil der Genres an den Bestsellerlisten, das Ergebnis von Umfragen oder einfach die Voreingenommenheit des Feuilletons. Mir erscheint das alles wenig brauchbar, weil es jeweils auf zu wenig Daten beruht und schnell von einzelnen Titeln und Autoren, die im Trend liegen, aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann.
Also habe ich noch eine Methode mitgebracht. Die ist hauptsächlich für meine eigene Marktübersicht gedacht, aber wenn ich das schon mache, kann ich es auch gleich noch um ein paar Genres ergänzen und dann das Blog damit füllen.

Die Idee ist, die Top100 jedes Genres zu nehmen und zu schauen, wo die jeweilige Nummer 1 und Nummer 100 in den Gesamtverkaufszahlen stehen. Damit habe ich einerseits den Rang des erfolgreichsten Buches, kann aber auch sehen, ob es sich bei diesem nur um einen Ausreisser handelt. Ich nutze hierfür Kindle, wiel die Daten von dort besonders einfach zu bekommen sind.
Kurzgefasst kann man sagen: Je höher die Nummer 1 im Gesamtranking und je geringer der Abstand zur Nummer 100, desto besser. Verfolgt man das über mehrere Wochen, sollten durch die schiere Datenmenge Trends erkennbar und statistische Spitzen abgefangen werden.
Ungefähr so:

Belletristik
Die Belletristik läuft ausser Konkurrenz, da es in Deutschland nicht üblich ist, diese als Genre zu betrachten. Das führt dazu, dass sich in ihr Bücher diverser Genres wiederfinden, etwa nahezu das komplette Romantik-Abteil. Eine echte Genre-Zuteilung ist für diesen Teil der Literatur nicht mit vertretbarem Aufwand möglich, da das Genre stilistisch definiert ist und somit jedes Buch einzeln bewertet werden müsste.
Am ehesten entspricht der Belletristik bei Amazon die Kategorie „Gegenwartsliteratur“.
Und hier ist auch schon der Beweis. Die #1 ist zugleich der Bestseller bei den Liebesromanen, die #100 kommt im gesamten Kindle-Shop auf Rang 277. Damit wäre die Gegenwartsliteratur das zweit-erfolgreichste Genre auf Kindle, da es aber viele Vertreter der Genreliteratur (vor allem Liebesromane, Thriller, Krimi) mit umfasst, wäre alles andere auch sehr erstaunlich. Seine Top100 sind im Grunde eine Mischung aus den Top20 aller normalerweise in der Gegenwart spielender Genres. Das ist so ziemlich alles ausser Science-Fiction, Fantasy und historischem Roman.
Aber hey, vielleicht kann ja jemand etwas mit diesen Daten anfangen, vielleicht gibt es irgendwann in Zukunft sogar mal eine echte Überraschung und die gesamte Leserschaft stürzt sich auf Science-Fiction, hier sind sie also.
Dennoch interessant: Platz 100 ist übrigens mit 14,99 € das teuerste eingeflossene Buch im Bereich Fiktion. Der erste Platz ist von einer Selbstverlegerin belegt.

Liebesgeschichten
Kommen wir zum ersten echten Genre.
Wie gesagt ist Zauberhafte Weihnachten von Daniela Felbermayr zugleich der Bestseller in der gesamten Gegenwartsliteratur. Das ist ein guter Start für ihr Genre. Im gesamten eBook-Angebot nimmt es Platz 3 ein. Das andere Ende bildet Karola Löwensteins Gloomy Passion auf Rang 182. Das bedeutet, mehr als die Hälfte der Romantik-Top100 sind zugleich in den Gesamt-Top100. Selbst alle anderen Genres zusammen können ein solches Ergebnis nicht übertreffen.
Allerdings wirkt das durch Bände mit mehreren Genres auch in andere Listen hinein: Die Nummer 8 unter den Liebesgeschichten findet sich als Nummer 1 in der Fantasy wieder. Doch dazu später mehr.
Es ist kein Geheimnis dass Romantik auf dem Kindle gut läuft, dieses Ergebnis erstaunt mich dann aber doch. Übrigens ist das noch ohne den ebenfalls sehr lukrativen Bereich der Erotik, da viele Werke aus diesem genre einer eigenen Erotik-Kategorie angehören. Bücher in der Kategorie „Erotik“ erhalten keinen Gesamtverkaufsrang, das ist Amazons Methode, die Bestsellerlisten „sauber“ zu halten.

Krimi/Thriller
Amazon packt beide Genres in eine Kategorie. Da die beiden aber auch nur sehr schwer zu unterscheiden sind, ist das wohl besser so. Sonst müssten wir uns nur streiten, wie legitim die Einordnung einzelner Bücher ist. Davon hat keiner was.
Hier haben wir ein beispiel für einen (allerdings nur sehr leichten) statistischen Ausreisser, den unsere Methode auflöst: Es handelt sich „nur“ um das zweit-erfolgreichste echte Genre (also ohne die Gegenwartsliteratur zu zählen), aber der Bestseller des Genres, Roger Stelljes‘ Die Minnesota-Verschwörung ist zugleich das zur Erhebungszeit meistverkaufte Kindle-Buch überhaupt. Diesmal kein Selbstverleger, aber fast, es handelt sich um die von Amazon angefertigte Übersetzung eines amerikanischen Selbstverlegers. Erstaunlicherweise der einzige deutschsprachige Titel dieses Autors.
Auf Rang 100 begegnet uns eine kleine Überraschung. Robert Galbraith ist Fantasy-Fans besser unter dem Namen Joanne K. Rowling bekannt. Auch wenn Rowlings Ausflug in den Krimi nicht als ihr Meisterstück gilt, ist es doch erstaunlich, dass sich 99 andere Werke, darunter vornehmlich Selbstverleger, vor sie stellen können. Insgesamt ist das eine nur hier und dort mit bekannten Namen gesprinkelte Liste. Dan Brown, Nele Neuhaus und Charlotte Link tauchen auf, spielen aber keine so große Rolle. Die großen Endlos-Serien aus der Bastei spielen überhaupt keine Rolle. Das war zwar auch bei den Liebesgeschichten so, aber angesichts der Größe von Namen wie Jerry Cotton überrascht es dennoch – bei den Romanzen finden sich wenigstens ab und an bewährte Marken wie Julia und Cora.

Fantasy
Immerhin noch auf die 16 im Gesamtangebot bringt es Mella Dumonts Fantasy-Bestseller Himbeermond. Dass das Buch gleichzeitig in der Liebes-Kategorie steht und dort auch gleich Rang 8 belegen kann, hilft sicherlich. Ihr Gegenstück am Hinterende der Top100 trägt den verwirrenden Titel HEROES Jägerherz – Hunter: Jägerherz – Hunter, bei dem ich nicht sicher bin, was nun der Untertitel wovon ist. Allerdings hat es auch hier Romantik-Elemente einschließlich eines Covers, welches so sonst nur in Erotik und Romanze auftaucht. Es erreicht im Gesamtvergleich nur noch die 970. Der Abstand zur den beiden größten Genres ist also schon sehr deutlich.
Die Ähnlichkeit der beiden Vertreter täuscht allerdings: In der Fantasy findet sich ein sehr lebendiges Gemisch von Subgenres, von denen keines echte Dominanz zeigt. Da steht romantische neben düsterer und diese dann neben epischer Fantasy. Urban Fantasy ist allerdings seltener vertreten, als einen der Hype glauben macht. Auffällig ist, dass die einzelnen Bände von Serien in der Fantasy regelmäßig sehr nah beieinander liegen. Nicht nur verkaufen Serien sich in der Fantasy gut, sie verkaufen sich auch noch am Stück.

Science-Fiction
Wieder mit ordentlichem Abstand kann Markus Sakeys Die Abnormen die SF-Charts anführen. Platz 40 ist es geworden, mit Sarah Marie Kellers Ein schwarzes Feuer am anderen Ende auf 2.880. Und als wäre das für SF-Autoren noch nicht unschön genug, sind die Top100 auch noch von einer einzigen Serie durchsetzt, mit der man mithalten muss. Ja natürlich, Perry Rhodan in all seinen Iterationen samt Spin-Offs und Sonderbänden. Perry Rhodan; Perry Rhodan Neo, Atlan… gegen den unsterblichen Unsterblichen ist in der deutschsprachigen Science-Fiction kaum ein Kraut gewachsen. Insgesamt laufen auch in der SF Serien gut, verteilen sich dabei aber anders als in der Fantasy über die kompletten Top 100.

Horror
Hier ist der zweite große Ausreisser in der Statistik. Andreas Adlons Bestseller im Horror schafft es insgesamt auf Platz 6. Im steht eine Ausgabe von Bram Stokers Dracula (!) entgegen, die es nur auf Rang 3.380 schafft. Das ist allerdings wenig überraschend, Horror war immer schon ein Genre mit einer solch seltsamen Zusammensetzung – einerseits verkauft er sich schlecht, andererseits macht er einzelne Autoren zu Millionären. Wahrscheinlich sähe es noch schlechter aus, wenn diverse Endzeit-Geschichten, die im Horror auftauchen, der Science-Fiction zugeschlagen würden.

Fachbücher
Wem Horror zu populär ist, dem seien Fachbücher ans Herz gelegt. Die reichen von Platz 442 (Michael Lietser: Endlich selbstbewusst!) bis zu 4.350 (Alice Miller: Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst). Mit wenigen Ausnahmen sind das alles Ratgeber zu diversen Themen: Hilfe mit dem iPhone, Hausapotheke von seriös bis Homöopathie, jede Menge Selbstbewusstsein, Geld verdienen, Inspirationen und sonstige Selbsthilfe.
Das sind durchaus noch lukrative Ränge, aber man kann durchaus sagen, dass bei den Fachbüchern nur Geld verdient, wer es unter die ersten 100 schafft. Alles dahinter ist grob überschlagen Groschenpicken.

Naturwissenschaften & Technik
Wo wir grade beim Groschenpicken sind: Nur wahnsinnige und überzeugte gehen in diese Kategorie. Ich sage abe rnicht, zu welcher der beiden Gruppen ich zähle. Dr. Claudia Berger kann noch auf 1.075 warnen: Im Darm steckt der Tod. Das Grundwissen Mathematikstudium wird dagegen auf 10.045 vermittelt. Das bedeutet nach meinen Erfahrungen weniger als ein verkauftes Exemplar am Tag. Dass es zudem ein eBook mit einem Preis von 46,99 € in die Top100 schafft, dürfte als ähnlich große Warnflagge gelten: Wer mit eBooks Geld verdienen will, sollte sich tunlichst von den Naturwissenschaften fernhalten.

Fazit
Noch sind es nur sehr wenige Daten, aber es bestätigt sich, was andere Verfahren sagen: Romantik beherrscht den Kindle-Markt wie nichts sonst, andere Genres der Fiktion folgen mit merklichem, aber überwindbarem Abstand. Sachbücher dagegen sind für die Einkommen ihrer Verfasser eine Katastrophe mit sehr wenig Hoffnung auf nennenswerten Profit. Horror hat aktuell eine seltsame Verteilung in den Verkaufsrängen – insgesamt schwach mit einigen wenigen sehr starken Autoren im vorderen Bereich.
Mal sehen, wie die Trends in den nächsten Wochen laufen.

Daten erhoben am Sonntag, 16.11.2014 um ca. 20 Uhr


Infelix Austria

Zeit mit Fremdsprachen anzugeben, die ich nicht kann. Oder mit der Fähigkeit, ein Wörterbuch zu benutzen um zu schauen, was das Gegenteil zu „felix“ ist. Oder abeer mich als Nichtjurist mit Rechtsfragen zu beschäftigen, weil sie mich betreffen. Moment, das lässt sich steigern: Mit internationalem Recht, und zwar Steuer- und Verlagsrecht zugleich. Ohne Netz und doppelten Boden!

Österreich hat vorgestern beschlossen, dass sein Buchpreisbindungsgesetz in Zukunft auch für eBooks gilt. Das Gesetz allein scheint recht harmlos zu sein. Albern und ein Rückschritt, wenn man bedenkt, dass eBooks mangels individueller Liefer- und Herstellungskosten keinerlei Preisevorteile für Großkonzerne bieten, aber harmlos.
Man will halt das Kulturgut Buch schützen. Warum man grade dieses Kulturgut schützt und nicht etwa das Kulturgut Film, Musik oder Theater — weiss der Geier. Das ist jetzt nicht das Thema.

Das Thema ist der Widerstreit zwischen Buchpreisbindung und unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen. Ich hatte bereits 2012 darauf hingewiesen, dass dies problematisch sein könnte.
Dazu muss man wissen, dass sich zum 1. Januar die Zuordnung der Mehrwertsteuerschuld beim Verkauf digitaler Waren in Europa ändert. Wurde diese bisher nach dem Sitz des Verkäufers zugeordnet, geschieht dies in Zukunft über den Wohnsitz des Kunden. Das allein bringt schon Probleme mit sich, die ich im August im englischen Blog geschildert habe.

Österreich hat das Ganze für Selbstverleger von einer schwierigen Situation zu einer Katastrophe gesteigert. Wieso? NUn:

1. Unsere eBooks werden in Zukunft in Deutschland und Österreich unterschiedlich besteuert.
2. Bei Amazon funktioniert die Preiseingabe über Angabe des Nettopreises. Österreich und Deutschland werden beide über amazon.de beliefert (amazon.at ist nur eine Maske) und verfügen somit über nur ein Feld für die Preisangabe. Damit bekommen Deutschland und Österreich für Käufe über Amazon unterschiedliche Bruttopreise.
3. Andere Händler wie Apple und die Tolino-Grupppe (Thalia, Weltbild, Buecher.de und weitere) nehmen den Bruttopreis als Grundangabe entgegen und verkauft dadurch an beide Länder zum selben Preis.
4. Das bedeutet, eBooks sind in Österreich (bzw.. für österreichische Autoren in Deutschland) bei verschiedenen Händlern unterschiedlich bepreist. Und das ist nach dem in beiden Ländern vorhandenen und auf deutschsprachige eBooks angewandten Buchpreisbindungsgesetz in beiden Ländern illegal.

Es gibt ein paar wahrscheinlich mögliche Lösungen. Schauen wir mal:
a) Nicht mehr bei Amazon verkaufen – angesichts der Bedeutung von Amazon die schlechteste Option
b) Exklusiv bei Amazon verkaufen – das wird wohl die häufigste Reaktion, da Amazon der mit Abstand am einfachsten zu erreichende Verkäufer ist. Na, das Gesetz schützt den Buchhandel ja toll, liebe Österreicher!
c) Über Distributoren verkaufen – das bedeutet natürlich zusätzliche Umsatzeinbußen durch den Anteil, den der Distributor für seine Dienste vom Buchpreis nimmt, ist aber wohl die beste Option. Das Problem der Preisangleichung liegt dann bei den Distributoren.
d) Amazon mit einer separaten Ausgabe für Deutschland oder Österreich beliefern, die einen an die Steuersätze des anderen Landes angepassten Nettopreis erhält. Der konkrete Prozess ist einigermaßen kompliziert, ausserdem hat man dann jedes eBook zweimal zu verwalten.

Und dann ist da noch das Problem des Verkaufs deutschsprachiger Werke bei Händlern, die nicht originär in Euro arbeiten, also etwa Smashwords und Lulu. Diesen Sonderaspekt werde ich gar nicht erst anpacken, aber wer eine Promotion in internationalem Recht schreiben will, darf sich gerne herausgefordert fühlen.

Und erneut ist selbstverlegen von eBooks in Europa komplizierter geworden, als unbedingt nötig. Und gleichzeitig wird die Marktmacht von Amazon weiter gestärkt, indem man den Autoren einen neuen Grund gibt, Amazon exklusiv mit Inhalten zu beliefern.
Aber um das zu wissen, hätte der österreichische Bundestag ja einen Selbstverleger als Experten einbestellen müssen. Oder wenigstens jemanden, der sich damit auskennt. Aber seit wann bestellt man in Parlamenten Experten, die tatsächlich wissen, wovon sie reden, wenn man doch ein hübsches Gesetz einführen will, mit dem man das ebenfalls nicht aus Experten bestehende Volk erfreuen kann?


Run for Cover 1

Ich grab dann mal nach dem Dino-Dienstag eine zweite alte Serie in diesem Blog aus, die Cover des Monats. Mit einem Unterschied: Statt den 10 besten Covern, die ich vergangenen Monat gesehen habe, stelle ich mir jetzt (mehr oder weniger) wöchentlich eine Reihe von eBook-Covern vor, die mir aufgefallen sind, egal auf welche Weise.
Warum sind sie mir aufgefallen, was kann man meiner Meinung nach aus ihnen aus ihnen lernen? Nun (Bildlinks führen zu Amazon):

Diese zwei sind Variationen der selben Idee, die mir sehr gut gefällt: Bei historischen Büchern historische Stile von Illustrationen zu verwenden.
Die Hure Babylon ist das offensichtlichere Beispiel und solche Cover sieht man häufig.
Wirklich interessant ist Sak K’uk, weil es den Stil eines modernen Fantasy-Covers mit Elementen der alten Maya-Malerien kombiniert. Die beiden Personen im Vordergrund sind ein direkt modernisiert umgesetztes Maya-Motiv und der Stil des ursprünglichen Bildes bleibt in der Gesichtsform und Körperhaltung erhalten. Kein Mensch sitzt so, aber in den Darstellungen der Maya taucht genau diese Pose so auf. Eine subtile Art, potenzielle Leser, die nach Maya-Bezügen suchen zu zeigen, dass dieser Bezug besteht.

Es gibt Dinge, die sollte man einfach nicht tun, wenn man nicht riskieren will, verklagt zu werden, sobald es die falschen Leute merken. Beispiel hier: Mermaid Spell. Das Cover ist eine gestauchte Version eines offiziellen Posters für den vierten Teil der Filmreihe Fluch der Karibik, auf dem Bild die Meerjungfrau Syrena aus eben diesem Film.
Das ist der Grund, warum man sein Bildmaterial nicht aus irgendwelchen zwielichtigen Wallpapersammlungen im Internet beziehen sollte, sondern aus Quellen, bei denen Ursprung und Rechte der Bilder klar sind – Stock Photo Seiten, Universitäten, Wikipedia, staatliche Seiten, solche Quellen halt. Grade Disney klagt ziemlich gerne und schnell bei unberechtigter Nutzung seiner Bilder.
Im Zweifelsfall solle man immer die Google-Bildersuche bemühen, die eine Funktion bietet, ähnliche oder gleiche Bilder zu einem vorhandenen Bild zu finden. Man findet diese, indem man bei Google in die Bildersuche geht und dann rechts im Suchfeld die kleine Kamera anklickt. Es ist eines der nützlichsten Werkzeuge für die Suche nach der Quelle eines Bildes, die es gibt. Nutzt es.
Davon abgesehen ist das extrem verzerrte Bild auch nicht grade nett anzusehen.

Hier eine kurze Erinnerung, dass manche Urteile einfach nur subjektiv sind. Am Ende kommt es immer wieder auf individuellen Geschmack an und man kann nicht alle zufrieden stellen.
Worauf ich hinaus will? ich finde laufenden Eigelb ziemlich widerlich und esse nur hartgekochte Eier.
Die Lehre hieraus ist diese: Manchen Menschen kann man es halt nicht recht machen. In einem gewissen Maße sollte man das nie vergessen.

Hier ausnahmsweise mal ein Papierbuch, das Cover eignet sich aber wegen seiner Einfachheit auch gut für ein eBook. Und dann auch noch eines, mit dessen Aussage ich vorne und hinten nicht überein bin. Aber auch, wenn ich die Idee von Europa als zweiten Fall Roms für falsch halte, das Cover transportiert sie hervorragend.
Die Idee ist, dass die EU ähnlich Roms an der Schwelle zum Übergang in eine Diktatur steht. Dafür kombiniert das Coverdesigner die beiden runden Symbole beider Staatengebilde – die zwölf Sterne beziehungsweise den Lorbeerkranz – zu einem gemeinsamen Mischsymbol, ein erster Hinweis auf die Gleichartigkeit, in der es in dem Buch geht. Schöne Bildsprache.

Hier ist ein Geheimnis: Wenn ihr wollt, dass ich euer Buch kaufe, packt einfach ein seltsames fiktives Tierchen drauf. Funktioniert allgemein für Science Fiction und Fantasy und diese Gleithörnchenspinne hier ist fast perfekt.
Nicht nur ist es seltsam, es ist auch noch pelzig und niedlich und hat Glubschaugen. Ich will so eins. Jetzt! Wo krieg ich so eins?
Das einzige Problem sind ein paar anatomische Plausibilitätsprobleme: Was bitte soll das für eine Flügelkonfiguration sein? Und fliegen die etwa, indem sie Feuer furzen? Trotzdem, der Ansatz ist richtig, wenn man mich als Käufer anziehen will. Vermutlich ein weiteres Beispiel dafür, dass diese Dinge immer auch ein gutes Maß Subjektivität in sich tragen. Wie zuvor gesagt, Geschmack ist immer auch subjektiv, das sollte man nie vergessen.

Meine gesammelten Überlegungen zum eBook-Coverdesign gibt es für Kindle in Dieses Cover ist Müll! Lernen Sie warum (4. erweiterte Auflage in Arbeit).


Mythos Enhanced eBook

Mal wieder läuten die Glocken vom Ende des traditionellen eBooks, angeblich sterben die ePaper-Lesegeräte zu Gunsten von iPads und iPhones. Verursacher diesmal: „Enhanced eBooks“, also eBooks, die mehr als nur Text und Bilder bieten – etwa Ton, eingebettete Videos und interaktive Elemente.
Nun, ich habe meine Zweifel an der Wahrheit der These, dass klassisch-buchartige eBooks in absehbarer Zukunft ersetzt werden. Ich könnte lange ausführen, wie beispielsweise Romane in den letzten 100 Jahren eine beständige Entwicklung hin zu weniger Zusatzmaterial wie Bildern hatten, nicht zu mehr und wie dies das Erlebnis des Lesens eines Romans verbessert hat. Oder wie viel angenehmer Lesen auf ePaper im Vergleich zu einem Display ist.
Aber ich finde einen anderen Aspekt viel interessanter: Die Geschichte der Zukunft des Buches.

Was Behauptungen von der Zukunft des Lesens gerne übersehen ist, dass es nicht nur eine Sorte Bücher gibt und dass Sachbücher, Fachbücher, Romane, Comics, Biografien und etliche andere Formate alle unterschiedliche Anforderungen und auch völlig unterschiedlichen Nutzen von verschiedenen technischen Fortschritten haben. Aber bisher hat sich immer gezeigt, dass der Vorgang des Lesens einer Geschichte sich nicht ändern ließ. Lasst mich euch durch 40 Jahre (nahezu) ausgebliebener Medienrevolution führen. Weiterlesen »