Meine letzten vier Veröffentlichungen Mad Scientist Journal Autumn 2018 Fiction Science The Dinosaurs of Jurassic Park and Jurassic World Steaks, Walls And Dossiers Zur Übersicht aller Veröffentlichungen Fiction Science

Dino-Dienstag 39

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diese Woche mit so ziemlich allem ausser Dinosauriern.

Kreidezeitlicher Sockenfisch

Großmaul - Bild: Robert Nicholls

Großmaul – Bild: Robert Nicholls


Die Meere der Kreidezeit waren aussergewöhnlich vielfältig bewohnt. Verschiedenste Tiergruppen erreichten Größen, wie wir sie heute fast nur noch von den Walen kennen, doch seltsamerweise mangelt es in dieser Zeit an den riesigen Planktonfressern, wie wir sie heute kennen. Den Platz der Bartenwale und Walhaie nahm damals eine heute völlig ausgestorbene Gruppe von Fischen ein, zu denen die größten KNochenfische aller Zeiten zählten. Eine Gattung dieser Fische war Rhinconychthis, die vielleicht am stärksten den heutigen Planktonfressern ähnelnden Vertreter dieser Gruppe, auch wenn sie mit zwei Metern Länge nicht die größten waren.
Mit einer neuen Art aus den USA und neuen Untersuchungen an einem Fund aus Japan zeigt sich nun, dass diese Fische durchaus artenreich waren.

Schmetterlingsflorfliege

Sieht aus wie ein Schmetterling, hat aber Beisser: Oregramma - Bild: Vichai Malikul, Smithsonian

Sieht aus wie ein Schmetterling, hat aber Beisser: Oregramma – Bild: Vichai Malikul, Smithsonian

China gibt uns mit Oregramma illecebrosa eine neue Art prähistorischer Florfliegen. Interessant ist, dass die Flügel dieser Art Augenflecken haben, wie sie sonst bei den mit den Florfliegen verwandten Schmetterlingen bekannt sind. Die Forscher gehen davon aus, dass es sich dabei um eine Entwicklung handelt, die beide Gruppen unabhängig voneinander durchlebt haben, aber eindeutig ist das nicht. Die Paläontologie hat oft genug Überraschungen bereitgehalten wie jene, dass die letzten gemeinsamen Vorfahren von Schmetterlingen und Florfliegen den heutigen Schmetterlingen oberflächlich ähnlicher sahen als den primitiver wirkenden Florfliegen.
Oregramma ist mit 200 Millionen Jahren 40 Millionen Jahre älter als die ältesten bekannten Schmetterlinge.

Soziale Ameisen und Termiten

Weiter geht die Liste interessanter Bernsteinfunde aus der Insektenwelt mit zwei Ameisen, die kämpfend im Bernstein verstorben gefunden wurden. Das ist interessant, da Kämpfe unter Ameisen heute nur von Arten bekannt sind, die in Staaten leben. Das ist ein starker Hinweis, dass Ameisen bereits vor 100 Millionen Jahren in irgendeiner Form in Staaten lebten.
Noch stärker sind die Hinweise aus dem selben Fundort in Burma für Termiten. Von einer neuen Termitenart, Gigantotermes rex, wurden ein klar spezialisierter Soldat gefunden, mit 2,5 cm Länge der größte Soldat aller bekannten Termitenarten. Von einer zweiten neuen Termitenart, Krishnatermes yoddha wurden gleich mehrere Formen gefunden: Flieger (künftige Monarchen), Arbeiter und Soldaten.

Soldat von Gigantotermes und die drei Formen von Krishnatermes (Schwärmer, Arbeiter, Soldat) - Bild: AMNH/D. Grimaldi

Soldat von Gigantotermes und die drei Formen von Krishnatermes (Schwärmer, Arbeiter, Soldat) – Bild: AMNH/D. Grimaldi

Keine Nussknackermenschen

Die kräftigen Zähne so mancher Urmenschenspezies ließen den Gedanken aufkommen, dass diese regelmäßig Nüsse knackten. Das klingt zunächst nicht so dumm, aber eine neue Untersuchung zeigt, dass es damit ein Problem gibt: Zwar können die Zähne ein solches Vorhaben bei Australopithecus sediba; einem der frühesten Menschenvorfahren, gut ab, aber sie renken sich dabei den Kiefer aus.

Plesiosaurier-Baby

Zurück in die Meere der Kreidezeit: Die langhalsigen Plesiosaurier, im Deutschen auch als Schwanenhalsssaurier bekannt (obwohl ihre Hälse nicht wie die der Schwäne gebogen werden konnten, aber das wusste man im 19. Jahrhundetr noch nicht), bargen lange Zeit ein Rätsel: Wie vermehrten sich diese großen Reptilien? Die Vermutung war, dass sie zur Eiablage ähnlich den heute noch lebenden Meeresschildkröten an die Küste kamen, aber mit der Zeit wurde Gruppe für Gruppe klarer, dass sie unter Wasser lebende Junge zur Welt brachten. Nach den Ichthyosauriern und Mosasauriern sidn es nun auch die Plesiosaurier, für nachgewiesen ist, dass die Mütter lebende Junge austrugen. Das gefundene Muttertier hatte ein einzelnes, relativ großes Jungtier im Körper. Das ist interessant, weil eine geringe Anzahl von Nachkommen auf eine enge soziale Struktur hindeutet, ein bei Reptilien sehr seltenes Verhalten.

Trompetennase

Komplexe Kanäle in den Atemgängen waren bisher nur von den zu den Dinosauriern gehörenden Hadrosauriern bekannt, in deren Kopfschmuck sich regelrechte Instrumente befanden. Mit Rusingoryx atopocranion ist nun erstmals ein Säugetier gefunden worden, das über ähnliche Gänge verfügte.
Die Gänge machten die Rufe dieser ungewöhnlichen Antilopenart deutlich tiefer, womit sie für viele Raubtiere, die oft eher hohe Töne hören, schwerer zu hören waren.

Trompetilope - Bild: Todd S. Marshall

Trompetilope – Bild: Todd S. Marshall


Dino-Dienstag 38

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diese Woche vom Jura bis fast in die Gegenwart.

Portugiesisches Vogelsterben

Es gibt manchmal diesen besonders traurigen Moment für Biologen, wenn sie eine neue Spezies entdecken, die in geologischen Maßstäben grade erst ausgestorben ist. So ging es mit den Moas und Riesenadlern auf Neuseeland, den letzten sibirischen mammuts und nun auch mit dem wohl jüngsten solchen Fall, mit fünf neuen teils flugunfähigen Rallenarten, die auf Madeira und den Azoren lebten und deren letzte erst im 16. Jahrhundert ausgestorben sein muss.

Streng genommen nicht PRÄhistorisch, aber nunja… Bild: José Antonio Peñas (Sinc)

Streng genommen nicht PRÄhistorisch, aber nunja… Bild: José Antonio Peñas (Sinc)

Die Rallen verschwanden vermutlich im Zuge der Besiedlung der Inseln durch Europäer, die auf ihren Schiffen Mäuse und Ratten mitbrachten, welche die Eier fraßen sowie Hunde und Katzen als direkte Raubtiere an den Vögeln.
Forscher gehen davon aus, das mit der Ausbreitung des Menschen und seiner Begleiter weltweit tausende solcher Rallenarten, die jeweils nur auf einer einzigen Insel lebten, ausstarben.

Der älteste Stammeskampf

In Kenia sind die Überreste eines großen Kampfes gefunden worden, der dort vor 10.000 Jahren zwischen zwei Gruppen von Menschen, möglicherweise Stämmen, stattgefunden haben muss. Von den zwölf kompletten Skeletten zeigen zehn Spuren eines gewaltsamen Todes mit einer Art Knüppel oder durch Pfeile. Die Leichen umfassen auch Frauen (darunter eine gefesselte hochschwangere) und Kinder.
Dies ist der älteste nachgewiesene Kampf unter Menschen und überrascht insofern, als die Teilnehmer zu nomadischen Kulturen gehörten, die als friedlicher gelten. Viele Anthropologen vermuteten bisher, solche Konflikte seien erst mit der Erfindung von Landwirtschaft und damit einem sesshaften Lebensstil einhergegangen. Dem widersprach allerdings schon länger die Erkenntnis, dass auch Schimpansen gewaltsame Konflikte unter Gruppen kennen.

Glubschi

Ich mag Tiere, die ich „Glubschi“ nennen kann. Ausserdem hören wir hier viel zu selten von neuen Wirbellosen, obwohl grade diese so herrlich bizarr werden können. Hier ist wieder einer:

Jepp, definitiv bizarr - Bild: Vannier, J. et al./Nature

Jepp, definitiv bizarr – Bild: Vannier, J. et al./Nature

Dollocaris war eine bis zu zwanzig Zentimeter lange räuberische Garnele, die zu einem Viertel aus zwei riesigen Augen bestand und die Küsten Südfrankreichs vor 160 Millionen Jahren für kleinere Tiere zu einem gefährlichen Ort machte. Mit 18.000 Einzelaugen konnte Dollocaris es mit modernen Libellen aufnehmen, sein Körperbau deutet aber eher auf einen Lauerjäger hin, dessen verhalten mehr dem einer unter Wasser lebenden Gottesanbeterin vergleichbar war.

Dracoraptor

Noch etwas älter ist ein neuer Dinosaurier aus Großbritannien. Dracoraptor war ein kleiner Fleischfresser, der vor etwa 200 Millionen Jahren im heutigen Wales lebte. Zwar ist das gefundene Tier etwa zwei Meter lang und 70 Zentimeter hoch, das heisst aber wenig, da die Knochen offenbar zu einem noch nicht ausgewachsenen Exemplar gehören.

So fluffig! - Bild: Bob Nicholls

So fluffig! – Bild: Bob Nicholls

Ein paar kleinere Meldungen

Argentinien bringt uns den neuen größten Dinosaurier aller Zeiten. Abgesehen von seiner Größe (Stolze 37 Meter lang) gibt es aber wenig interessantes über Notocolossus zu sagen, ausser dass sein Fund einen eigenen Dokumentarfilm mit Richard Attenborough bekommen hat, der sicherlich auch noch im deutschen Fernsehen auftauchen wird.
6.000 Jahre in der Vergangenheit haben Forscher Hinweise auf Sesshaftigkeit und gemeinsame Gräber gefunden, in denen definitiv miteinander verwandte Personen verschiedener Generationen gezielt begraben wurden.


Dino-Dienstag 37

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Diesmal mit näherem Blick auf einige Dinosaurierschädel.

Die Geheimnisse der Ceratopsier-Babys

Das Wachstum junger Ceratopsier ist für Paläontologen überraschend interessant, da sich die Form der Schädel dieser Tiere im Laufe des Wachstums stark zu verändern scheint. Das ist der Grund, weshalb vor einiger Zeit die Idee umging, Triceratops könnte nie existiert haben: Einige Wissenschaftler entwickelten damals den Gedanken, Triceratops und Torosaurus könnten das selbe Tier sein, wobei der sehr anders geformte Schädel von Torosaurus damit erklärt wurde, dass diese schlichtweg deutlich ältere Individuen darstellten als jene Schädel, die als Triceratops eingeordnet wurden. Bislang bleibt offen, ob die Vermutung stimmt, dass sich die Schädel der Ceratopsier im Laufe des Lebens so sehr veränderten.
Ein neuer Fund aus Kanada liefert dazu neue Hinweise: Ein zum Zeitpunkt seines Todes wohl etwa drei Jahre alter Chasmosaurus.

Awwww... (Bild: Michael Skrepnick)

Awwww… (Bild: Michael Skrepnick)

Chasmosaurus gehört unter den Ceratopsiern zu den Arten mit besonders langen Nackenschildern, doch bei dem jungen Tier im Bild ist der Schild bei weitem nicht so groß wie bei den bekannten erwachsenen Tieren, auch wenn der Schädel insgesamt eindeutig Chasmosaurus zugeordnet werden kann. Das stützt die These, dass sich die großen Nackenschilder vieler Ceratopsier erst in späteren Jahren entwickelten.
Ebenfalls gestützt wird das von einer fast zeitgleich veröffentlichten Untersuchung am mongolischen Ceratopsier Protoceratops. Protoceratops, ein hornloser Ceratopsier von der Größe eines Schweines ist der am häufigsten gefundene Dinosaurier in der Mongolei und dank der Menge an Funden gibt es von diesem Saurier Exemplare aller Altersstufen. Und ein großer Vergleich der Schädel dieser Tiere zeigt: Die Schädel, insbesondere die Nackenschilde, dieser Art verändern sich nicht nur im Laufe des Lebens, sie verändern sich erheblich. Frisch geschlüpfte Tiere haben so gut wie keinen Schild, erwachsene Tiere haben einen großen Schild, der sich deutlich vom Hals absetzt. Die Tatsache, dass die Schilde sich erst bei erwachsenen Tieren so stark entwickelten nehmen die Forscher dieser Untersuchung als Hinweis, dass sie der Brautwerbung dienten.
Im gesamten Tierreich ist es Schmuck für die Partnerwerbung gemein, dass er sich erst gegen Ende des Wachstums ausprägt, vom bunten Gefieder der Vögel über Löwenmähnen bis zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen beim Menschen.

Spinosaurus der Schlinger

Spinosaurus ist ein Dinosaurier, der nach den neuen Erkenntnissen der letzten Jahre rasant seltsamer wird. Der riesige Raubsaurier, der inzwischen zum einzigen eindeutig auf das Leben im Wasser angepassten Dinosaurier wurde, hatte offenbar speziell veränderte Kiefer, mit denen er kleinere Beutetiere in einem Stück verschlingen konnte. Dazu gehören auch Hinweise auf einen Kehlsack wie er auch bei Krokodilen vorkommt. Für einen schwimmenden Fischfresser durchaus praktisch.


Dino-Dienstag 36

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Diesmal zwei kurze Nachrichten aus dem Erdmittelalter.

Tanzende Dinosaurier

Irgendwann musste es hier ja so weit kommen: Dinoporno! (Bild: University of Colorado in Denver)

Irgendwann musste es hier ja so weit kommen: Dinoporno! Naja, Vorspiel, bis auf die beiden im Hintergrund. (Bild: University of Colorado in Denver)

In Colorado deuten neue Fußspurenfunde darauf hin, dass einige Dinosaurier in ähnlicher Weise mit den Füßen scharrten, wie dies viele moderne Vögel bei der Balz tun.
Von den Spuren selbst scheint es leider noch keine Fotos zu geben, aber dafür halt von einer Rekonstruktion des Verhaltens anhand der Fußspuren (siehe oben).

Riesiges Salzwasserkrokodil

Machimosaurus rex, das vor 120 Millionen Jahren in den Ozeanen des heutigen Nordafrika lebte, mag mit 10 Metern Länge nicht das größte Krokodil aller Zeiten sein, aber doch ein beeindruckendes Tier. Er lebte zu einer Zeit, als Nordafrika von einem Netzwerk aus Lagunen bedeckt war, in dem zahlreiche Arten von Krokodilen und die einzigen bekannten Dinosaurier des Wassers, die Spinosaurier, lebten. Doch Maschimosaurus hielt sich davon etwas fern, es war ein Bewohner der Ozeane.
Es war der, soweit bekannt, letzte Vertreter der Teleosaurier, einer Gruppe meist im Meer lebender Krokodile, die grob den heutigen Gavialen ähnlich sahen.

Machimosaurus rex - Bild: Davide Bonadonna

Machimosaurus rex – Bild: Davide Bonadonna


Dino-Dienstag 35

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Diesmal ohne Dinosaurier mit ein paar kleineren Wesen.

Alcidedorbignya

In Fortsetzung der von den Scansiopterygidae begonnenen stolzen Tradition, namen einzuführen, die selbst Paläontologen verzweifeln lassen, präsentiere ich Alcidedorbignya inopinata (benannt nach dem französischen Naturforscher Alcide d’Orbigny).

Awwww-Faktor 11 von 10 - Bild von hier

Awwww-Faktor 11 von 10 – Bild von hier


Dieses Tier war seit etwa 20 Jahren durch Funde von Zähnen bekannt, doch nun gibt es fast vollständige Skelettreste, die nun in einer sehr ausführlichen Untersuchung vorgestellt wurden. Alcidedorbignya ist für die Forschung aus zwei Gründen interessant: Zum einen stammt es fast exakt aus der Zeit, in der die Dinosaurier ausstarben und ist wohl ein direkter Überlebender dieses Ereignisses, zum anderen ist es der älteste Vertreter einer heute ausgestorbenen Gruppe namens Pantodonten, die zu den ersten reinen Pflanzenfressern unter den Säugetieren gehörten. Dass Alcidedorbignya so alt ist, ist ein weiterer Beleg, dass die Säugetiere bereits vor dem Ende der Dinosaurier vielfältiger wurden, eine gute Basis, um nach dem Ende der Dinosaurier die Welt schnell mit neuen Formen zu bevölkern. Es ist zudem der einzige Pantodont aus Südamerika.

Cretonthophilus, der Ur-Stutzkäfer

Cretonthophilus tuberculatus - Bild von hier

Cretonthophilus tuberculatus – Bild von hier


Die Stutzkäfer sind eine sehr erfolgreiche Gruppe kleiner räuberischer Käfer, die unter anderem die Fähigkeit eint, ihre Fühler und Beine in Furchen zurückziehen zu können. Und genau das ist bei diesem Exemplar interessant: bei dem hervorragend in 99 Millionen Jahre altem Bernstein in Burma erhaltenen Käfer sind die Fühler klar sichtbar und sie sind in genau solchen Taschen versteckt. Aber: Anders als bei den heutigen Stutzkäfern sind die Taschen weder flach und offen noch tief und abgedeckt, sondern tief und offen. Cretonthophilus war eine Übergangsform zwischen den beiden Formen, für die Forscher eine Momentaufnahme evolutionärer Veränderung. Das, was populär als Missing Link bezeichnet wird.


Dino-Dienstag 34

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Zum Jahresabschluss mit ein paar neuen Spezies, vom Krabbeltier zum, nun, Dinosaurier.

Wie die Skorpione das Land betraten

Während der Weg der Wirbeltiere an Land recht gut aufgeklärt ist, steht es um die Gliederfüßer weniger gut. Dass diese lange vor den Fischen das Wasser verlassen haben müssen, ist bekannt, aber es fehlen der allerersten Festlandbewohner. Die noch weitgehend unbelebten Landschaften das Silur boten selten die Bedingungen, unter denen Versteinerungen entstehen konnten.
Mit Eramoscorpius brucensis gelang daher in Kanada ein ganz besonderer Fund. Ein Skorpion, der offenbar am Übergang zwischen Seeskorpionen und Landskorpionen stand. Gefunden wurde er in Gestein, das von urzeitlichen Stränden stammte.

Endlich Skorpione fürs Aquarium! Nur noch kurz klonen - Bild: © David Rudkin, Royal Ontario Museum

Endlich Skorpione fürs Aquarium! Nur noch kurz klonen – Bild: © David Rudkin, Royal Ontario Museum

Die eine Besonderheit dieses 430 Millionen Jahre alten Skorpions sind die Füße: Er hatte Füße! Ältere Skorpione liefen wie die meisten Krabben auf den Spitzen ihrer Beine, eine Art der Fortbewegung, die unter Wasser völlig ausreicht, auf dem Land aber eher beschwerlich ist, wo eine größere Trittfläche besser in der Lage ist, das Körpergewicht zu tragen. Damit brachte Eramoscorpius eine Anpassung mit, die ihm das Laufen auf dem festen Land deutlich erleichterte.
Die andere Besonderheit ist sein Verdauungssystem. Spinnentiere ernähren sich ausschließlich von Flüssigkeiten. Um das tun zu können, haben sie ihre Giftklauen, mit denen sie der Beute ein Gift verabreichen, welches deren Inneres zum Aussaugen verflüssigt. Das ist der Grund, weshalb alle an Land lebenden Spinnentiere einen giftigen Biss haben (wenn auch bei weitem nicht immer für Menschen giftig). Diese Anpassung fehlte Eramoscorpius und das bedeutet: Dieses Tier musste im Wasser fressen, denn nur dort stand genug Flüssigkeit zur Verfügung, um Nahrung aufsaugen zu können.
Wozu diese Kombination aus Merkmalen? Möglich ist vieles. Beispielsweise könnte der Skorpion zum Häuten ans sichere Land gegangen sein, wo sein Panzer aushärtete und sein tägliches Leben im küstennahen Wasser zugebracht haben. Ebenso möglich, dass er mit diesen Beinen bei Ebbe schneller vom trockengefallenen Strand zurück ins Wasser kam, wo er lebte. Obwohl viele Fragen offen bleiben, wissen wir plötzlich deutlich mehr über den Weg der Skorpione an Land als zuvor.
Übrigens waren die Tierchen durchaus stattlich: Bis zu 16,5 cm erreichte Eramoscorpius den Funden nach.

Neues aus dem Mesozoikum

Aus dem zeitalter der Dinosaurier gab es in letzter Zeit ein paar Neulinge, die ich hier einfach kurz vorstelle:

Morelladon - Bild: Carlos de Miguel Chaves

Morelladon – Bild: Carlos de Miguel Chaves

Morelladon beltrani ergänzt die wachsende Reihe der Dinosaurier mit einer Art Segel auf dem Rücken, von denen es vor allem in Europa und Nordafrika viele gab, darunter den bekannten Raubsaurier Spinosaurus. Morelladon ist dagegen ein Pflanzenfresser von der Größe eines Indischen Elefanten, benannt nach seinem Fundort Morella in Spanien. Die sehr ähnlichen Knochen lassen seine nahe Verwandtschaft zu dem nahezu weltweit verbreiteten Iguanodon erahnen, aber auch zu dem nordafrikanischen Ouranosaurus, der ein ähnliches Segel trug.
Phosphorosaurus alias Glubschi - Bild: Tatsuya Shinmura / Ashoro Museum of Paleontology / Trustees of the Natural History Museum, London

Phosphorosaurus alias Glubschi – Bild: Tatsuya Shinmura / Ashoro Museum of Paleontology / Trustees of the Natural History Museum, London

Japan bekommt mit Phosphorosaurus ponpetelegans einen interessanten neuen Mosasaurier, jene Gruppe großer Meereswarane, deren größter Vertreter in Jurassic World Haie und unschuldige Babysitter verspeist. Interessant an Phosphorosaurus sind die deutlich nach vorne gerichteten Augen, die dem Tier dreidimensionales Sehen ermöglichten, aber auch seine Fähigkeit verbesserten, im Dunkeln zu sehen. Letzteres scheint auch die hauptsächliche Funktion gewesen zu sein, denn in den selben Gesteinen gibt es auch Fossilien von Tiefseekalmaren und Anglerfischen, die er wohl entweder nachts oder in der Tiefsee gejagt hat. Das ist eine Anpassung, die von keinem anderen Meeresreptil bekannt ist.


Dino-Dienstag 33

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diesmal ist ein wenig mehr Zeit ins Land gegangen, die ich dann rauszuholen versuche. Also dann!

Nestbau liefert weitere Hinweise auf gefiederte Dinosaurier

Erneut liefert eine Untersuchung der Nester von Dinosauriern wichtige Hinweise auf die Entwicklung der Vögel und die Nähe der Dinosaurier zu diesen. Nachdem zuletzt anhand der Eierschalen die Körpertemperatur der Muttertiere gemessen werden konnte, geht es diesmal um unterschiedliche Arten, Nester zu bauen. Innerhalb der Archosaurier als übergeordneter Gruppe gibt es zwei hauptsächliche Arten des Nesterbaus: Die Erdhügel der Krokodile und die bebrüteten offenen Nester der Vögel.
Der Aufbau der Eierschalen zeigt, dass bei den Dinosauriern beides vorkam. Dabei gibt es offene Nester genau bei den Dinosauriern, die näher mit den Vögeln verwandt sind und über ein Gefieder verfügen, mit dessen Hilfe sie die Nester bebrüten können.

Parasaurolophus mit Hügelnest, Oviraptor beim Brüten - Bild: Julius T. Czotonyi

Parasaurolophus mit Hügelnest, Oviraptor beim Brüten – Bild: Julius T. Czotonyi

Untersucht wurde dabei, ob der Aufbau der Schale eher auf Eier hindeutete, die für das Verscharren oder für den Aufenthalt an offener Luft geeignet waren. Beides erfordert unterschiedliche Anpassungen etwa wegen der unterschiedlich hohen Gefahr auszutrocknen.

Dimetrodon droht zu verschwinden

Vor einigen Jahren ging das Gerücht, der Name Triceratops müsste abgeschafft werden, weil neue Erkenntnisse zeigen würden, dass dieser Dinosaurier mit Torosaurus identisch sei. Der Grund dafür ist, dass in einem solchen Fall der neuere Name für ungültig erklärt und der Name der früher entdeckten Exemplare verwendet wird. Damals war das doppelt falsch: Zum einen galten die Untersuchungen dazu als zweifelhaft, zum anderen war Triceratops der ältere Name, wenn überhaupt wäre also Torosaurus verschwunden.
Nun aber kommt eine ähnliche Geschichte wieder. In Kanada wurden Fossilien eines Tieres neu untersucht, welches dort ursprünglich 1845 entdeckt und als Bathygnathus benannt wurde. Damals wurden die Kieferstücke für die eines Dinosaurier gehalten, doch jetzt schaute sich die Paläontologin Kirstin Brink die Zähne genauer an und es stellt sich heraus, dass Bathygnathus wahrscheinlich mit Dimetrodon identisch war, jenem nachtaktiven Reptil mit einem riesigen Segel auf dem Rücken, welches gerne zu den Dinosauriern gezählt wird, obwohl es vor den Dinosauriern lebte und näher mit den Säugetieren verwandt war. Dieses hier:

Dimetrodon auf Nachtjagd, ein Edaphosaurus als Beute im Hintergrund - Illustration by Marlene Hill Donnelly

Dimetrodon auf Nachtjagd, ein Edaphosaurus als Beute im Hintergrund – Illustration by Marlene Hill Donnelly

Das Problem: Der Name Dimetrodon wurde erst 1878 vergeben, somit müsste er weichen. Die für Streitfälle bei der Benennung zuständige internationale Kommission für biologische Nomenklatur kann allerdings eine Ausnahme machen, wie sie es auch schon bei Tyrannosaurus rex getan hatte, der sonst heute als Manospondylus gigas Touristen auf Pazifikinseln fressen müsste.

Ein paar kleinere Nachrichten

Süß, oder? (Bild: Forscherteam Selden et al.)

Süß, oder? (Bild: Forscherteam Selden et al.)

China gibt uns die größte jemals gefundene Versteinerung einer Spinne, die so fein ist, dass man eindeutig die Zugehörigkeit zur heute noch lebenden Gattung der Seidenspinnen nachweisen konnte. Sie erreichte die beeindruckende Beinspanne von 15 Zentimetern. Nephila jurassica ist ein Weibchen, wie auch bei den heute noch lebenden Seidenspinnen die Weibchen zu den größten aller Spinnen zählen (und gelegentlich sogar kleine Vögel erbeuten), während die Männchen vergleichsweise winzig sind.
Schottland hat einen neuen Fundplatz für Fußspuren von Sauropoden, die dort vor 151 Millionen Jahre an der Küste entlanggewandert sein müssen.
Im Reich der Pflanzen finden sich ein paar Entdeckungen zur Entwicklung der Blütenpflanzen. Zum einen gibt es aus China den Fund eines versteinerten Pfirsichkerns, womit sich der Verdacht erhärtet, dass diese Pflanze unklaren Ursprungs ursprünglich von dort stammt. Zurück in der Zeit der Dinosaurier finden sich Teile von Blütenpflanzen in Dinosaurierkot, womit zunehmend deutlicher wird, dass diese durchaus von Dinosauriern gegessen wurden — lange Zeit galt es als eine Theorie zum Aussterben der Dinosaurier, dass die Blütenpflanzen jene älteren Pflanzen verdrängt hätten, von denen sich die Pflanzenfresser unter den Dinosauriern ernährten.
Wo wir schon beim Aussterben der Dinosaurier sind: Simulationen amerikanischer Forscher weisen darauf hin, dass der Einschlag des Meteoriten vor circa 65 Millionen Jahren eine bisher unbeachtete Folge hatte: Das über den Erdball verteilte material von der Einschlagstelle nährte eine gewaltige globale Algenblüte, die zum Umkippen zahlreicher Ökosysteme in den Meeren führte. Das passt damit zusammen, dass in den Ozeanen mit Ausnahme der Meeresschildkröten alle Meeresreptilien verschwanden, während Fische und Kopffüßer erheblich reduziert wurden.

Und zu guter Letzt

Hier ist eine eiförmige Kerze, aus der beim Abbrennen ein Dinosaurier schlüpft.

Wer mag, kann sich über die fehlenden Federn beschweren (Bilder: Firebox.com)

Wer mag, kann sich über die fehlenden Federn beschweren (Bilder: Firebox.com)


Dino-Dienstag 32

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diesmal einigermaßen theropodenlastig, dafür aber wieder wirklich am Dienstag.

Ornithomimus‘ Federkleid

Dass es ein Läufer ist erkennt man an den rasierten beinen für die Aerodynamik - Bild: Julius Csotonyi

Dass es ein Läufer ist erkennt man an den rasierten Beinen für die Aerodynamik – Bild: Julius Csotonyi


Dass Ornithomimus ein Gefieder besitzt, ist schon seit 2014 bekannt, aber die Details kommen nur langsam zusammen. Diese Details sind wichtig um herauszufinden, wie sich die Federn bei den Dinosauriern entwickelt und ausgebreitet haben und welche Funktion sie erfüllten. Ein neuer Fund aus den USA zeigt nun das Gefieder des Hinterkörpers. Demnach war der Schwanz gefiedert, aber die Hinterbeine nicht. Damit steht Ornithomimus auch im Kontrast zu den ersten Vögeln, die mit Federn an den Hinterbeinen ein zweites paar Flügel bildeten, das erst später verschwand. Die nicht isolierten Beine halfen dem Tier wahrscheinlich ähnlich wie heutigen Straussen, nicht zu überhitzen.
Möglicherweise gab es also beim Gefieder der Dinosaurier, ähnlich wie beim Fell der Säugetiere, einen Trend zu weniger Gefieder je größer das Tier insgesamt war, mit Ausnahmen vor allem in kalten Regionen.

In den Kiefern des Tyrannosaurus

Aaaaaa-llosaurus - Bild: Wikimedia Commons

Aaaaaa-llosaurus – Bild: Wikimedia Commons


Fleisch fressende Dinosaurier teilten eine Fähigkeit mit ihren Kollegen unter den Säugetieren: Sie konnten ihre Mäuler deutlich weiter aufreissen als Pflanzenfresser, selbst wenn diese nahe mit den Fleisch fressenden Arten verwandt waren. Bisher war nur vermutet worden, dass Dinosaurier wie Allosaurus (siehe Bild oben) und Tyrannosaurus ihre Kiefer bis zu 90° weit öffnen konnten, das wurde nun nachgewiesen.
Schon Erlikosaurus, ein Pflanzen fressender Dinosaurier aus der nahen Verwandtschaft der Fleischfresser konnte seine Kiefer lediglich um 45° öffnen — etwa so weit wie ein Mensch.
Nur, was befand sich beim Zubeissen zwischen den Kiefern? Laut einer anderen Untersuchung aus den USA wenigstens bei tyrannosaurus rex hin und wieder auch mal ein Artgenosse. Ob T. rex allerdings regelmäßig andere seiner Art als Nahrung angriff oder sie nur nutzte, wenn er ein bereits totes Tier fand, kann die Untersuchung nicht beantworten.

Dino-Media

Nach dem Karbon soll nun auch das Trias-Zeitalter eine virtuelle Umgebung für den Einsatz im Unterricht bekommen. Derzeit ist das Projekt in der Testphase. Es wird mehrere Lebensräume aus aller Welt samt ihrer Bewohner zeigen. Die Trias war jene Zeit, in der die ersten Dinosaurier auf der Erde auftauchten. Die Welt erholte sich damals langsam vom größten Massensterben in ihrer Geschichte, bei dem unter anderem die Trilobiten verschwanden.
Die Hollywood-Seite Tracking Board meldet unterdessen, Mattel sei an einer Verfilmung der Zeichentrickserie Dino-Riders aus den 80ern interessiert. Die zu einer gleichnamigen Spielzeugserie gehörende Trickfilmreihe handelte von einem Kampf auf der Erde gestrandeter Ausserirdischer mit Hilfe von Dinosauriern.

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Mesozoischer Mittwoch (Dino-Dienstag) 31

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Diesmal am Mittwoch, da ich den Dienstag verpasst habe.

Besterhaltenes Säugetier der Kreidezeit

Spinolestes xenarthrosus, um genau zu sein - Bild: Oscar Sanisidro

Spinolestes xenarthrosus, um genau zu sein – Bild: Oscar Sanisidro


Spinolestes ist ein neu entdecktes kleines Säugetier, das vor 125 Millionen Jahren um die Füße spanischer Dinosarier wuselte. Beeindruckend an dem Fossil des Tieres ist, was neben den Knochen noch gefunden wurde: Es zeigten sich Abdrücke eines borstig-stacheligen Fells, unter dem teilweise knöcherne Platten in der Haut saßen. Die Haare, aber auch Spuren von Leber, Lungen und Haut sind detailliert genug erhalten, um sie bis auf die Zellstrukturen hinunter zu untersuchen. Auch Abdrücke der Ohren sind erhalten.
Das alles ist für die Forscher extrem aufschlussreich. So zeigt etwa die Anordnung von Lungen und Leber, dass Spinolestes wahrscheinlich wie moderne Säugetiere bereits ein Zwerchfell hatte. Auch die Ohren sidn interessant, denn es ist mangels Abdrücken nicht klar, wann die Säugetiere Ohrmuscheln entwickelten — jene von Spinolestes sind bereits gut entwickelt, also liegt diese Erfindung der Säugetiere deutlich länger zurück als seine Zeit.
Ebenfalls unerwartet: Spinolestes war relativ klar ein Tier, das viel grub und sich von Insekten ernährte. Dass es so früh in der Entwicklung der Säugetiere bereits klar auf eine bestimmte Lebensweise spezialisierte Arten gab (neben rattenartigen Tieren, die verschiedene Lebensstile führen konnten), hat die Forscher überrascht.

Die Körpertemperaturen der Dinosaurier

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat die Eierschalen fossiler Dinosauriereier untersucht, um aus der Zusammensetzung bestimmter Mineralien in diesen Rückschlüsse auf die Körpertemperatur der Muttertiere schließen zu können. Demnach hatten die untersuchten Dinosaurier stabile Körpertemperaturen, die je nach Art zwischen 32°C (Oviraptor) und 38°C (Titanosaurier) lagen. Vorherige Untersuchungen dieser an den Zähnen von Titanosauriern hatten für diese ähnliche Ergebnisse geliefert.
Damit häufen sich weiter die Hinweise, dass Dinosaurier wie heutige Säugetiere und Vögel in der Lage waren, ihre Körpertemperatur unabhängig von der Umgebungstemperatur zu regeln.

Neue Haie aus dem Karbon

Zwei spektakuläre, 300 Milllionen Jahre alte Haifunde wurden in in Texas und New Mexico gemacht. Während Texas Überreste eines schätzungsweise acht Meter langen Urhais barg, gibt es aus New Mexico das fast vollständige Skeletts einer neuen Haiart mit Zähnen, wie sie noch nie zuvor gesehen worden waren.
Beide Funde werden aktuell daraufhin untersucht, ob es sich um neue Arten handelt oder um neue Puzzlestücke zu bereits bekannten Arten.


Dino-Dienstag 30

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Diese Woche kämpfe ich zum Ende zunehmend mit den Namen einiger Kreaturen. Und das mir, der eigentlich ohne absetzen einen Satz mit Scansiopterygidae bilden kann.

Pferd mit Nachwuchs aus Messel

Hier mal ein spektakulärer Fund aus heimischen Gefilden, eine schwangere Stute von Eurohippus aus der Grube Messel bei Darmstadt.


Spektakulär an dem Fund ist auch, dass dank des isolierenden Schlammes des einst hier vorhandenen Sees Details der Gebärmutter als fossiler „Schatten“ erhalten sind, was Einblick in die Evolution der Lebendgeburt gibt.
Deutschland scheint in der Urzeit für schwangere recht gefährlich gewesen zu sein – verschiedene Fundorte haben schwangere oder gebärende Muttertiere hervorgebracht, besonders berühmt die delfinartigen Ichthyosaurier aus Holzmaden bei Stuttgart.

Neues zur Farbe ausgestorbener Arten

Die Behauptung, man könne aus den Abdrücken von Pigmentzellen in den Federn einiger Dinosaurier auf deren Farben zu Lebzeiten schließen, galt immer als kontrovers, wird aber zunehmend akzeptiert.
Nun haben britische und amerikanische Forscher Fossilien der Fledermäuse Palaeochiropteryx und Hassianycteris aus Deutschland untersucht, die Abdrücke des einstigen Fells zeigten. Damit haben erstmals Forscher versucht, die an Federn erprobte Technik auf Fell zu übertragen.
Und sie waren erfolgreich: Nicht nur ist der Befund, dass diese Fledermäuse ein braunes Fell hatten konsistent mit der Farbgebung heutiger Fledermäuse, sie fanden in den Überresten der farbgebenden Zellen auch chemische Spuren von Melanin, dem häufigsten Farbstoff in Säugetierfell und konnten über dessen Verteilung bestätigen, dass die Form der Zellen die Färbung der Tiere zu Lebzeiten erkennen lässt.

Neue Spezies der Woche

Kimbetopsylis - Bild: Sarah Shelley

Kimbetopsalis – Bild: Sarah Shelley


Kimbetopsalis simmonsae war ein überraschend großes Säugetier, dass mehr oder weniger direkt nach dem Ende der Dinosaurier lebte. Sowohl die Größe von einem Meter Länge als auch die Tatsache, dass es ein Pflanzenfresser war, sind ungewöhnlich, da beides zu Zeiten der Dinosaurier unter Säugetieren sehr selten war. Die Forscher vermuten, dass er ein Beispiel dafür ist, dass die Säugetiere sich nach dem Ende der Dinosaurier sehr schnell an die neue, nun dinosaurierfreie Welt anpassten und neue Formen hervorbrachten.
Die Presse hat beschlossen, das Tierchen als einen apokalyptischen Biber zu bezeichnen, weil es in einer wasserreichen Waldlandschaft lebte und entfernt einem Nagetier ähnelte. Mit den heutigen Bibern teilt es allerdings keine nähere Verwandtschaft, es gehört zu einer ausgestorbenen Gruppe von Säugetieren, die zwischen den Eier legenden und den lebend gebärenden Säugetieren standen. Auffällig an ihnen waren die sehr komplexen Zähne und die jenen der Nagetiere ähnelnden Schneidezähne.
Japan gibt uns die fluglose Ente Shiriyanetta hasegawai, die dort vor etwa 120.000 Jahren an den Küsten herumlief.
Bei den Dinosauriern haben wir mit Ugrunaaluk kuukpikensis einen Vertreter, dessen Namen nicht nachschlagen zu müssen ein Kunststück werden dürfte, das nur des Inuktikut Mächtige schaffen dürften. Der Fund ist nicht ganz so spektakulär, wie die Presse gerne betitelt, aber immerhin: Die Forscher dachten bisher, dass die zum Ende des Dinosaurierzeitalters nördlich des Polarkreises in Alaska lebenden Entenschnäbel zu der bekannten und sehr häufigen Gattung Edmontosaurus (über die Jahrzehnte auch bekannt als Trachodon, Anatosaurus, Anatotitan und weitere) gehörten. Tatsächlich aber fanden neue Untersuchungen genug Unterschiede, um sie zu einem ganz neuen Dinosaurier aus der nahen Verwandtschaft von Edmontosaurus zu erklären: Buchstabensuppe Ugrunaaluk eben.
Er versucht auch grade, es auswendig zu lernen, daher der Gesichtsausdruck: Ugrunaaluk - Bild: James Havens

Er versucht auch grade, es auswendig zu lernen, daher der Gesichtsausdruck: Ugrunaaluk – Bild: James Havens