Meine letzten vier Veröffentlichungen Mad Scientist Journal Autumn 2018 Fiction Science The Dinosaurs of Jurassic Park and Jurassic World Steaks, Walls And Dossiers Zur Übersicht aller Veröffentlichungen Fiction Science

Veilchendienstagszug 2017

Willkommen zur jährlichen Kritik des Veilchendienstagszugs in Mönchengladbach. Kurz für neu Hinzugekommene: In Mönchengladbach feiert man den Straßenkarneval erst am Dienstag, unter vergleichsweise geringer medialer Aufmerksamkeit. Die Lustigkeit schwankt stark und mein Job hier im Blog ist es, das alles doof zu finden und zu loben, wenn mich mal ein Wagen an meine düsseldorfer Heimat erinnert, wo man Karneval besser kann.

Karnevalswagen zum Vandalismus gegen Karnevalswagen

Sei der Fairnis halber erwähnt

Man muss ohne Frage erwähnen, dass der Karneval in Mönchengladbach 2017 mit einem Vandalismusproblem zu kämpfen hatte. Unbekannte sind in die Halle auf dem aufgegebenen Gelände der britischen Instandhaltungseinheit REME eingedrungen und haben die dort zwischen den Jahren aufbewahrten Wagen teilweise schwer beschädigt. Ich werde dies nicht weiter bewerten, da ich mir selber uneins bin, ob darin nicht auch eine Chance lag, endlich von den jedes Jahr nahezu identischen Prunkwagen wegzukommen, die den hiesigen Karneval beherrschen und ihm seine Langweiligkeit geben. Aber selbstverständlich ist das bei der hiesigen Karnevalsstruktur ein herber Verlust auch an Zeit und Kraft, die in die Reparatur der Wagen fließen musste. Der obige Wagen thematisiert das, auch wenn er mir nicht so aussieht, als wäre er selbst dann sonderlich toll gewesen, wenn er fertig geworden wäre. Wie ein Blick auf das Jahr 2015 beweist. Auch ein Bildwitz braucht Witz.

Das ich überhaupt hier berichte, ist dieses Jahr ein Unfall: Eigentlich wollte ich mit einer Fußgruppe zu Tihange mitlaufen, die musste aber leider wegen einer Grippewelle ausfallen. Sehr schade. Wer meine Zugkritiken kennt weiss, dass ich hohe Ansprüche an die konzeptionelle Qualität der Beiträge stelle. Ich meine, ich bin Düsseldorfer, wir stellen grundsätzlich immer hohe Ansprüche an alles.

Karikatur, in der Angela Merkel Vampire in Gestalt von Trump, Putin und Erdogan abzuwehren versucht

Apropos Bildwitz

Die Rheinische Post hat einen sehr effektiven Weg gefunden, jährlich ein aktuelles Motiv mitzufahren. Das ist fraglos eine der Gladbacher Sachen, die funktionieren.
Die RP als Garant der Wahrheit, der war gut!

Die RP als Garant der Wahrheit, der war gut!

Aber auch der Hauptwagen der Rheinischen Pest fährt einen aktuellen Bezug. Dem bin ich jetzt zwar thematisch nicht wirklich affin (als wären Falschmeldungen ein reines Internetphänomen), aber er ist optisch wie konzeptionell witzig umgesetzt.
Wagen mit Werbung des Einkaufzentrums Minto

Werbeeinblendung

Was mal wieder auffiel, waren die reinen Werbewagen. Jener des Einkaufszentrums Minto war wenigstens unfreiwillig komisch und hat einen jährlich wechselnden Spruch, der Rest gehört zur Kategorie „alle Jahre wieder das selbe.“
Trump als Drache

Okay, das ist immerhin eine halbe Idee. Nächstes Jahr dann die andere Hälfte?

Die KG Holt darf sich ein paar Sonderpunkte dafür aufschreiben, ihren Wagen genutzt zu haben, um Platz für ein politisches Motiv zu haben. Ich weiss zwar nicht genau, was uns der Drache mit Trumps Kopf sagen will, aber es ist immerhin schonmal ein erkennbar politisches Motiv. Das ist mehr als alle anderen geschafft haben. Dorfbroich hätte diese Fläche übrigens auch, stellt aber lieber eine etwas uninspirierte Narrenfigur drauf. Nächstes Jahr dann, Dorfbroich?
Die Sparkasse treibt's bunt

Die Sparkasse treibt’s bunt

Der Preis für das gruseligste Motiv geht an die Sparkasse für den über die Weltkugel schmelzenden Wasserturm. Das hat ohne Zweifel einen Hauch H.P. Lovecraft.
Aufschrift: „Wir lieben die Welt&hellip…der Mäuse“

Aufschrift: „Wir lieben die Welt……der Mäuse“

Die Volksbank bekommt den Sonderpreis für das witzige Detail des Jahres mit dem Heckaufkleber ihres Wagen. Ein richtiger Witz! Im Gladbacher Karneval! Das kann nur ein Irrtum sein.
vdz-2017-eulenvdz-2017-oktopusseBeim besten Kostüm dürfen sich die Eulen aus Neuwerk mit den Kraken aus Windberg bekakeln. Der Rest der Menschheit darf jetzt nach „bekakeln“ googeln.
tdf-vdz-2017Den Wagen zur Tour de France 2017, die am 2. Juli auch unsere Stadt durchfahren wird, sollte man wegen seines Aufwandes durchaus mal erwähnt haben. Aber sonst auch wegen nichts.

Insgesamt fand ich den Zug 2017 sehr langweilig. Nach der Hälfte wollte ich gehen. Nachdem ich etwas vor dem Ende in der Gruppenplanung sehen konnte, dass nur noch wenige der bereits angesprochenen witzlosen Prunkwagen und ein par Musikkapellen folgten, tat ich dies auch und wurde nur davon aufgehalten, dass ich im Publikum noch einen Freund traf. Karneval wurde 2017 in Gladbach mit X geschrieben. Wie in „nix“.
Ich verstehe das nicht. Ich kenne kein Volk, das besser meckern kann als die Gladbacher. Warum haben wir dann einen so handzahmen Karneval?


Politische KW 23/2015

Meine kleine politische Bilanz der Woche, jeden Sonntag hier im Blog.

Zur Fraktionssitzung am Montag gibt es wie üblich nicht viel zu sagen, am Dienstag folgte der Aufsichtsrat der MGMG, aus dem ich nicht öffentlich berichten darf. Am Mittwoch durfte dann mein grade geschriebener Antrag unangesprochen in die Tonne wandern, die Kostenersparnis durch Einsatz von Fahrrädern im Kurierdienst der Stadt zu ermitteln — dies allerdings durchaus aus positiven Gründen.
Das hier, Mittwoch vormittag an der Kreuzung Bahnstraße/Engelsholt angebracht, kann man dagegen getrost unter „kreative Betätigung unserer Stadtverwaltung“ abhaken und ignorieren. Dürfte allerdings sinnlos Geld gekostet haben.

Ich war etwas gespalten, ob ich das Rund-Radeln am Freitag mit in die Politische KW zählen soll, da es für mich doch mehr Freizeit mit politischer Nebenwirkung/-Aussage ist. Aber das Problem klärte sich durch die Streckenführung von selbst. Diese führte nämlich auch über die Viktoriastraße, wo ich brandneue Markierungen der Parkplätze entdeckte. Und siehe da, der Bürgersteig nördlich des Aldi ist endlich brauchbar geworden indem die Autos komplett auf die Straße geschickt wurden.
Damit ist das Gebiet nun 30er Zone, der als Radweg ungeeignete Radweg zum Bürgersteig umgewidmet und dieser Bürgersteig dann auch auf eine brauchbare Breite gebracht worden, indem die Autos auf die Straße verbannt wurden.
Das Thema läuft schon länger. Es hat lange gedauert, aber endlich ist diese Sache halbwegs durchgestanden. Mir hätte ja schon die Ummarkierung der Parkplätze gereicht, aber manchmal braucht es offenbar fünf Jahre um in einer relativ unwichtigen Nebenstraße ein paar offensichtlich nicht dem heutigen Recht entsprechend angelegte Parkplätze zu ändern.
Nun, wie dem auch sei, Schlacht erfolgreich geschlagen.

Viktoriastraße 2012 und 2015. Der gemeinte Unterschied ist nicht das Herbstlaub

Viktoriastraße 2012 und 2015. Der gemeinte Unterschied ist nicht das Herbstlaub


Veilchendienstagszug 2015

Es gilt: Bildchen klicken für größere Ansicht (Laden kann je nach Verbindung etwas dauern).

Vorgeplänkel

So sehr ich den rheinischen Karneval mit seiner Schunkelei und dem Schenkelklopferhumor auch verachte, und so sehr ich auch ein ausgeprägtes Unwohlsein in der Nähe von Clowns und kostümierten Menschen verspüre, eines hat auch mir doch immer gefallen: Der Straßenkarneval mit seinem Zug/Zuch/Zoch (je nach Regiolekt).
Insbesondere die Rosenmontagszüge fahren dabei kreativ gestaltete Wagen mit Skulptur gewordenen Karikaturen auf, die man nur hier einmalig sehen kann. Viel davon ist natürlich auch dem König der Wagenbauer, Jacques Tilly, zu verdanken.
Ich habe zuletzt 2010 über den Zug geschrieben (damals unter anderer URI, weswegen momentan die Bilder fehlen, das will ich noch nachbessern sobald ich das Backup des damaligen Upload-Ordners finde). Damals stand Mönchengladbach durchaus in dieser karnevalistischen Tradition der politischen Themenwagen, bei denen mit Kreativität und viel Arbeit so wunderschön auf die Politik, lokal wie national, gekloppt wurde.
Seit 2012 hat Mönchengladbach dieses Element weitgehend verloren, von 2013 war ich so enttäuscht, dass ich den Besuch 2014 kurzerhand ausgelassen habe. Und jetzt ist 2015. Mal schauen, wie sich der Gladbacher Zuch gemacht hat.

Immerhin gab es trotz meines dafür ungünstigen (aber fürs Fotografieren superen) Standortes ganz gut Kamelle. Ich frage mich, was schneller ist, mein Fotofinger oder meine Zahnreihen…

Mein Psychiater meint, ich sollte mir selbst keine rhetorischen Fragen stellen, das sei seltsam

Disclaimer

Wenn ich mopper, dann weil ich gesehen habe, wie viel besser der Karneval in MG sein kann, wenn er sich traut, Eisen anzupacken und nicht, weil ich dem Zug Böses will. Im Gegenteil, ich sehne mich gradezu nach einem Veilchendienstagszug mit Chuzpe. Deswegen messe ich ihn an den Zügen der drei Rosenmontagshochburgen und auch an früheren Zügen in Mönchengladbach. Denn früher und anderswo ist immer alles besser.

Der Zuch

Fangen wir positiv an: Die Fußgruppen waren sehr schön und kreativ umgesetzt, selbst die Bollerwagen zum Transport des Wurfmaterials waren entsprechend dem Jahresmotto verkleidet, meist als Drachen.
Das Motto war auch recht gut: „Gladbach hat auf jeden Fall ‘nen saaagenhaften Karneval“ ist mit seinem Anklang von Lautmalerei um Längen besser als die in dieser Stadt leider sehr unkarnevalistisch hochdeutsch-bräsige Mottotradition. Und das ohne den Erfinder des Mottos (Nik Ebert, bekannt als Karikaturist für die lokale Rheinische Post) auszutauschen. Lernt da wer dazu? Sehr schön!

Und jetzt zur Bissigkeit.
Den bissigsten lokalen Wagen habe ich leider zu Fotografieren verpasst, ein Fußgruppenbegleitwägelchen (Deutsche Sprache, du Kompositaparadies!) mit der Beschriftung „Gladbach verzockt? Minto, JHQ, Masterplan“. Nicht ganz 2010 mit seinem ein Cable Car die Hindenburgstraße hochkurbelnden Oberbürgermeister Bude, aber das Herz sitzt am rechten Fleck. Nicht jeder kann einen großen Wagen mit komplexem Figurenaufbau herstellen und das ist völlig okay.
Eher unfreiwillig politisch scheint mir dieser Wagen, den auch die Peta hätte einsetzen können:
Ja, da sind zwei Clowns im Käfig. Artgerechte Haltung für Clowns, wenn ihr mich fragt.
Und passend dazu eine Fußgruppe in Baumkostümen. Denn diese dürften im Tiergarten bleiben, weil sie leise sind (Bezug).

Schild mit Text dazu leider nicht im Bild, hab ich zu spät gesehen


Gummipunkte gibt es von mir für die Junge Union. Schilderwald. Jetzt nicht so das Knallerthema und es gibt schönere Wagendesigns, aber immer wieder gern genommen und den Gedanken, etwas Politik in den Zug zu bringen, muss man einfach mal anerkennen. Ignoriert mein Gemopper, der Weg ist der Richtige. Mehr davon! Go, Christdemokraten!

Heyho, Junge Union! Dabei hab ich gar nicht getrunken. Zumindest nicht SO viel


Okay, ich habe die JU gelobt. Also, ein bisschen. Wie toppe ich das? Nun, ich lobe jetzt auch noch die Rheinische Post! Die hat das einfache Prinzip, auf einem immergleichen Wagen jedes Jahr ein anderes Nik-Ebert-Motiv zu zeigen, in 2D auf einer weissen Wand. Nicht wirklich die Hohekunst des Wagenbaus, aber das Motiv hat jeden Respekt verdient. Hier ist Mönchengladbachs Charlie-Hebdo-Motiv, wegen dem ich den RP-Läufern auch die Shirts mit der Aufschrift „Charlie RP“ verzeihe.

Ohne Worte, aber komischerweise mit Dialog... ich bin ja schon ruhig


Erwähnt seien noch ganze zwei richtige Motivwagen zu überregionalen politischen Themen:

Flughafen Berlin

Bundesuschi in Aktion


Erwähnenswert noch ein paar Wagen die beweisen, dass das wagenbauerische Talent durchaus da ist, aber nicht genutzt wird, um mal etwas gewagtere Motive aufzubauen. Schade, aber trotzdem schöne Wagen.

Schuhthron

Teufelei

Lokomotufftuff

Schweinderl


Und dann war da noch die größte aller Legenden dieser Stadt, unser stadteigenes Ungeheuer, unser Star fürs Boulevard, Vernichter von Dackeln und Verschrecker von Hausfrauen. Kuno samt Dackel, auch wenn mein Autofokus die Rückseite des Halteverbotsschildes wohl wesentlich interessanter fand. Naja, ein Fisch der darf auch mal verschwommen sein.

Rock On, Killerwels vom Volksgartenweiher, du bist cool


Ganz im Ernst, der Gladbacher Karneval ist ein kurzweiliger Zug und kann schon was. Ich finde nur, er lässt sehr viel Potenzial liegen. Vielleicht brauchen wir wirklich einen eigenen Jacques Tilly, der mit seinen Wagen etwas Pepp in die Sache bringt und andere herausfordert, es ihm gleichzutun. Vielleicht kann ja jemand Prisac einen Wagenbauerkurs geben? Der ist im Moment bei Playmobil und hätte sich nach den letzten Jahren ein Upgrade auf Pappmaché redlich verdient. Apropos, hier sein Veilchendienstagszug 2015:

wird erst beim Draufklicken geladen. Beim Laden werden Daten an youtube.com übermittelt

Seht ihr, so sieht Karnevall aus, über den ich nicht mecker. Okay, das Intro ist vielleicht etwas zu la… ist ja schon gut!

Ausserdem gelernt

  • Über Blackface regen sich ausserhalb der USA (wo das einen besonderen kulturhistorischen Hintergrund hat) nur Weisse auf. Schwarze sind von als Jamaikanern verkleideten Bläsern begeistert und wenn sie bis dahin am Rand des Zuges nur ein bisschen gewippt haben, fangen sie an zu hüpfen. Mindestens drei jedenfalls.
  • Der Chefredakteur der RP wirft mir manchmal Bälle zu. Ich kann die aber gekonnt abwehren.
  • Manche Witze halten sich versteckt. Ich fand einen im Ziehwagen für Wurfmaterial halb vergrabenen Wellpappkarton klasse, einer der schönsten Sprüche dieses Zuges: „Well, it’s Pappe“ – ich weiss, ich bin seltsam
  • Es gibt eine Ritter Sport Kakao-Keks. Warum hat mir das keiner gesagt? Wo krieg ich die günstig? So ungefähr 1x die Jahresproduktion. Die is lecker!
  • Die Android-Autokorrektur kennt VDZ nicht und ändert es in vdH, was ich wiederum nicht kenne. Huh.
  • Politiker sind quer durch den Zug zu finden, aber grundsätzlich nur auf den wirklich langweiligen Wagen, die sich damit begnügen, ein paar Kamellewerfer auf einen themenneutralen Pappmachéquader zu setzen

Ulbricht, Honecker, Krenz

Schon wieder historische Persönlichkeiten in einer Überschrift hier, hoffentlich wird das nicht zur Gewohnheit. Doch es gibt erneut einen historischen Vergleich in Mönchengladbach, zu dem ich mich zu einer Stellungnahme veranlasst fühle.

Am vergangenen Mittwoch stimmte der Rat der Stadt unter anderem erneut über den Antrag ab, die Organisation der Kindergärten in Mönchengladbach zu überprüfen. Der Antrag war im Dezember gescheitert; nun sollte der Dezemberentscheid aufgehoben und der Antrag erneut gestellt werden, was diesmal auch erfolgreich geschah.
Helmut Schaper (Die Linke) hielt eine Rede gegen den Antrag, in der auch die Formulierung fiel, das Vorgehen der Ampelkoalition in dieser Sache erinnere ihn an Abstimmungen in der DDR. Nun bezweifle ich, dass in der DDR Anträge mehrmals abgestimmt werden mussten (obwohl das in Walter Ulbrichts von Demenz gezeichneten späten Tagen nicht auszuschließen ist), aber darum geht es grade nicht.

Am Freitag veröffentlichten die Grünen eine Pressemitteilung, in der sie Schaper dazu aufforderten, dass er „sich für diesen unverschämten Vergleich entschuldigt.“

Mir war diese Pressemitteilung vor Veröffentlichung nicht bekannt und ich habe nichts mit ihr zu tun. Mir ist aber klar, dass die Leute früher oder später von selbst die Verbindung zwischen diesem Vorfall und der vergleichbaren Forderung seitens der CDU an mich herstellen werden.
Ohne auf die Äusserung Schapers weiter einzugehen sollte klar sein, dass es mir aufgrund meiner eigenen jüngsten Vergangenheit nicht möglich ist, dieser Pressemitteilung zuzustimmen.

Nachdem ich selbst erst vor kurzem, Mitte Dezember, für einen ebenso vorschnellen wie falschen Vergleich erheblich in die Kritik geraten war, steht es mir mit Sicherheit nicht zu, eine solche Forderung an jemand anderen zu stellen. Schon aus diesem Grund kann ich mich nicht hinter die von meiner Partei herausgegebene Pressemitteilung stellen.

Davon unabhängig möchte ich klarstellen, dass ich durchaus in der Lage bin, in ebensolchem Maße einzustecken wie ich austeile. Ich bin bereit, zu meinen Entscheidungen in Ausübung meines politischen Amtes zu stehen und ich bin bereit, mir dafür wenn nötig eine rhetorische Ohrfeige abzuholen. Das sehe ich als Teil meiner Aufgabe.

Inwieweit ich der Pressemitteilung inhaltlich zustimme, dazu werde ich mich hier nicht äussern. Wie bereits angemerkt, steht es mir momentan nicht zu, einen solchen Fall öffentlich zu bewerten und daraus irgendwelche Forderungen abzuleiten.


Nachtrag zur Agrogasanlage

Heute/gestern abend (je nachdem, wann dieser Beitrag fertig sein wird, ich fange grade um 23:15 damit an) haben Bündnis 90/Die Grünen in Wanlo eine Mitgliederversammlung zum Bau einer dortigen Agro-/Bio-/Methangasanlage (Bezeichnung je nachdem,w en man fragt) abgehalten.
Nachdem ich vor der Veranstaltung darauf angesprochen wurde, habe ich überlegt, einen Redebeitrag einzubringen, der sich darauf bezieht. Ich entschied mich dagegen, um den beiden Interessengruppen (Bürgerinitiative Wanlo und Kreisbauernschaft) die Bühne zu überlassen.

Hier nun eine Nachbereitung wie der Beitrag ausgesehen hätte, damit man meine Position (Ich habe wie die meisten Parteimitglieder gegen die Anlage gestimmt, war aber anfangs einer ihrer größten Verfechter bei den Grünen) nachvollziehen kann. Soviel Transparenz muss sein. Weiterlesen »


Ratsvorspiel im Juni

Ich will ja zu jedem Ratszug hier veröffentlichen, was ich zur jeweils letzten Sitzung zu sagen habe oder für berichtenswert halte. Das klappt bisher nicht immer, aber ich hoffe, mich zu verbessern. Vielleicht komm ich ja irgendwann mal wieder auf die Rate, regelmäßig jeden Freitag einen Bericht zu schreiben (meine Regularia leiden in letzter Zeit eh), wie zu seligen AStA-Zeiten.
Nun, zwei Sitzungen gab es in den letzten Tagen, bei denen ich bei war.

Sportausschuss
Da bin ich eigentlich gar nicht, bin aber kurzfristig für eines unserer Mitglieder eingesprungen (letztes Mal bin ich dort für unser anderes Mitglied eingesprungen, so langsam werd ich da Festausstattung).
Die wichtigste Entscheidung war jene, ob es Sportvereinen in Zukunft ermöglicht werden soll, in der Prioritätenliste für Reparaturen an städtischen Sportanlagen vorzurücken, wenn sie mindestens 25% der Kosten selbst stellen. Dies war bereits zweimal durch die Verwaltung so gemacht worden und die Ampel will nun eine klare Regelung für solche Vorgänge.
Letzten Endes haben wir der Regelung zugestimmt, wenn die letztendliche Entscheidung beim Rat liegt und Eigenleistungen grundsätzlich angerechnet werden. Dabei konnte ich dafür sorgen, dass Eigenleistungen nicht nur in Einzelfällen anrechenbar sind, um den vereinen eine größere Planungssicherheit zu geben. Dies ist vor allem für die kleinen Vereine wichtig, die bei dem Antrag etwas schlechter dastehen als die größeren, weil sie das Geld nicht so leicht aufbringen können (allerdings haben sie ja auch meist billigere Anlagen mit weniger Sanierungskosten).
Nicht gefallen hat mir die Aussage, ein Antrag zu den Sportanlagen der Stadt meine „automatisch“ nur Mitgliedsvereine des Stadtsportbundes, als die CDU diese Einschränkung forderte. Zwar gab sich die CDU mit dieser Aussage zufrieden und ließ ihre Forderung nicht in den Antragstext einfließen, mir gefällt abe rnicht, dass eine Mitgliedschaft im Stadtsportbund in MG offenbar als selbstverständliche Voraussetzung dafür gilt, in Politik und Verwaltung ernstgenommen zu werden.

Die MarketingGesellschaft MG (MGMG) stellte ihr Konzept zur FIFA-Fußballweltmeisterschaft der Frauen 2011 vor, zu deren Spielorten auch MG gehört. Insgesamt wenig kreative Ideen, dafür aber penetrant häufige Präsentation des Logos für MG als Spielort.
Die CDU hatte noch einen Antrag zur „Stärkung der Eigenverantwortung des Stadtsportbundes Mönchengladbach“, den sie auch pressewirksam präsentierte. Mir persönlich kommt die Überschrift zynisch vor, geht es doch darum zu untersuchen, wie man dem Stadtsportbund mehr Kosten auflasten kann. Zudem hielt ich den Antrag, auch wenn er auf den ersten Blick so aussah nicht für einen Prüfauftrag, da er so ausgelegt werden kann, dass die Verwaltung ermächtigt wird, zum Zweck der Kostenreduzierung direkt Verträge auszuhandeln.

Den Rest finde ich jetzt nicht so interessant: Es gab einen Bericht über die Bäder, das Tennenspielfeld Schlachthofstraße wird saniert, ebenso der Hallenboden in Mülfort.

Umweltausschuss
Und damit kommen wir zu meinem „Heimspiel“ im Umweltausschuss. das ist übrigens die erste Fußballmetapher, die ich seit Beginn der Fußball-WM der Herren über meine Finger oder Lippen habe kommen lassen – irgendwann musste es ja passieren.

Nunja, hier gab es quasi nur Berichte, aber mit denen konnte man durchaus arbeiten.
Interessant fand ich persönlich den Bericht über die Luftqualität. Hier ging es vor allem um die Friedrich-Ebert-Straße, für die die Stadt nun ein Konzept gegen Feinstaub entwickeln muss. Die Stadt macht es sich leicht und hofft auf eine Entlastung durch die ohnehin beabsichtigten Umbauten in der Straßenführung in Rheydt.
Das Land indes verpflichtet die Stadt zwar zur Lösung des Feinstaubproblems, stellt aber keine Messstation auf, die den Erfolg der Maßnahmen messen könnte – leicht schizophren und ganz sicher nicht zielführend.
Und das nächste Problem bahnt sich ja bereits an: Der Braunkohletagebau Garzweiler II rückt direkt an Wanlo heran und bringt Staub mit sich. Die Verwaltung sagte auf meine Nachfrage immerhin zu, die Feinstaubentwicklung durch den Tagebau im Auge zu behalten. Das Problem für die Wanloer wird allerdings wohl mehr der ordinäre Staub als der Feinstaub sein.

Der Kanadagänse wird sich die Jägerschaft im normalen Jagdbetrieb annehmen, Rettungsdienst und Katastrophenschutz berichteten. Es gab eine Übersicht zum Bodenzustand in nicht besiedelten Gebieten, der bis auf natürliche Arsenvorkommen um die Niers nördlich Giesenkirchen und Blei im Hardter Wald (das sich wegen zu saurem Bodens dort ansammelt) gut aussieht.

Insgesamt
Zwei wenig aufregende Sitzungen mit vielen Berichten. Die sich nähernde Sommerpause und die Zeit, die die Haushaltsbesprechungen in Anspruch nehmen, machen sich bemerkbar.
Im Hintergrund wird derzeit viel gearbeitet, soviel kann ich verraten. An der Oberfläche aber ist es noch ruhig.


So sinnlos nicht: Trip zur BGA Wassenberg

Würden Medientheoretiker sich mal nach Gladbach ausrichten, könnten sie derzeit eine Geschichte voller interessanter Prozesse sehen. Es geht um die Biogasanlage bei Wanlo: Wie die NVV da immer nur stückchenweise mit den Daten rausrückt und dadurch die Angst an der Anlage immer weiter schürt, ist ein Spekakel. Andererseits aber auch, wie Informationen aus dritter Hand zu Nachrichten werden.

Konzentrieren wir uns jetzt einmal auf die Dienstreise des Umweltausschusses der Stadt Mönchengladbach zu einer baugleichen ähnlichen anderen Biogasanlage in Wassenberg, die laut NVV angeblich baugleich sein sollte.
Zunächst stand die verständliche Befürchtung im Raum, dies würde eine reine Werbeveranstaltung der NVV werden, wie sie die NVV schonmal gebracht hat, als sie (auf meine Bitte) das Projekt im Umweltausschuss vorstellte und dies dann zu einer sinnlosen Werbeveranstaltung namens „Innovative NVV“ machte, auf die wir hätten verzichten können.
Nun dürfte der NVV inzwischen durch den angemeldeten Beratungsbedarf zur Gründung der Trägerfirma der Anlage klar geworden sein: So einfach kommt sie nicht am Umweltausschuss und den Grünen vorbei.
Das führte dann dazu, dass die Reise nicht annähernd so sinnlos war, wie etwa die Aktion Durchblick MG befürchtet hatte. denn durch die Anlage führte Rainer Sender, der viele durchaus relevante und interessante Informationen preisgeben konnte.

Nun muss man natürlich sehr konzentriert zuhören und den Kontext behalten.
So sagte Sender etwa, man wolle in Wanlo eine zweite Straße errichten [Produktionsstraße, nicht Lieferweg], in der mit „anderen Substraten“ experimentiert würde. Damit bezog er sich auf Grünschnitt, Gras und ähnliche Grünabfälle, welche die normale Maisanlage nicht verarbeiten kann.
Das wurde dann mehrfach verkürzt und nur das „experimentieren“ blieb übrig – zack glaubten einige Leute, sie wären „Versuchskaninchen“, was dann zu einer mE unsäglichen PM der Linken führte, die von „Gewährleistung der Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger von Wanlo“ sprach (vermutlich ist Methan aus Gras nach linker Linker Überzeugung explosiver als Methan aus Mais) – nunja, es ist eben Wahlkampf.
Was hier passiert ist, ist folgendes: Die Verfasserin des Artikels kürzt die Informationen auf das nötige Maß zurück, ein paar Leser nehmen es in dieser verkürzten Form auf und die Verküzung entwickelt dann wieder ein Eigenleben. Und da die Linke bei der Veranstaltung nicht dabei war, weil sie es für eine „Werbetour“ hielt (was es dann aber nicht wurde, auch wenn die Befürchtung verständlich war), muss sie sich auf Informationen aus zweiter oder dritter Hand verlassen.

Andere Informationen sind nicht minder interessant: So stimmen etwa 90% aller Zahlen nicht, die zu dem Thema umhergeschmissen wurden.
Denn die Anlage bei Wanlo soll etwa doppelt so groß werden wie jene in Wassenberg. Das bedeutet: Es werden (rechnerisch) nicht 1600, sondern gut 3000 Haushalte versorgt. Es bedeutet aber auch: Es kommen nicht 1000 Lieferfahrten zusammen, sondern gut 2000 – und somit sind sämtliche beschwichtigenden Verkehrsgutachten der NVV für die Tonne.
Die Anzahl der Fahrten in der Maisernte-Saison ist allerdings abhängig davon, welchen Anteil die Mais/Gülle-Anlage und welchen die Anlage für sonstige Substrate ausmacht – nur wie auch immer, die von der NVV angegebene Zahl an Anfahrten ist auf jeden Fall zu niedrig angesetzt.

Das alles macht zwei Dinge deutlich:
1. Die NVV beschwichtigt offenbar, um die Anlage genehmigt zu bekommen
2. Die Wanloer sind unterdessen wütend genug, auf jedes Reizwort aufzuspringen

Das schadet beiden Seiten: Die NVV schadet mit ihrem unehrlichen Vorgehen ihrem ohnehin angeknacksten Ansehen, die Wanloer verwässern ihr stärkstes Argument (die Verkehrsbelastung) durch unsinnige Nebenschauplätze.
Denn an tatsächlichen Problemen gibt es lokal nur eines: Wie sorgt man dafür, dass der Lieferverkehr in die Anlage (Mais/Gülle) und aus der Anlage (verdelte Gülle) nicht durch den Ort geht? Diese Frage ist wichtig und berechtigt und wenn die nicht hieb- und stichfest beantwortet wird, ist die Anlage an diesem Standort ein Fehler.
Es gibt noch ein paar andere Punkte, aber die sind (abgesehen von der Grundsatzfrage, ob man solche Anlagen überhaupt will) vergleichsweise einfach zu klären.

Übrigens nochmal zum Trip: Ich bin zu der Anlage inzwischen skeptischer eingestellt. Das liegt einerseits an der Art und Weise, wie die NVV versucht, die Entscheidung dazu an den Fachausschüssen vorbeizuschleusen; andererseits aber auch an dieser Dienstreise, bei der einige Widersprüche zu den bisheirgen Behauptungen der NVV klar wurden.
Und eben auch daran, dass die Verkehrsfrage immer noch nicht annähernd geklärt wurde. Was die NVV zu dieser bisher vorgelegt hat, ist einfach nur Müll.


Rat VIII/4

Jetzt probier ich mal was aus: Die Fakten der Ratssitzung immer im Vitusportal (diesen Ratszug hier), meine persönlichen Eindrücke im persönlichen Blog. Und hoffentlich ab nächstem Ratszug im Vitusportal auch ein Kommentar von anderer Seite, daran arbeite ich noch.

Gleich zu Anfang: Es war eine miese Sitzung, voll mit Unterbrechungen, viel zu langen Wortbeiträgen und an einem Punkt ekelhaftem Geschacher. Und eine Sternstunde der Altlasten.

Aber fangen wir mit etwas positivem an, das bietet sich schon wegen der Chronologie an: Andreas Wurff wurde ins Amt des Technischen beigeordneten vereidigt. Alleridngs war es auch die erste Vereidigung diese Ratsperiode, hinter die ein „So wahr mir Gott helfe“ angefügt wurde.
Mal abgesehen von dem grundsätzlichen Problem religiöser Eidesformeln in Einrichtungen eines säkularen Staates drückt das in dne Ohren eines Atheisten wie mir genau das Gegenteil von dem aus, was es eigentlich ausdrücken soll – Gott hilft ja nicht, also ist es nicht wahr, dass Gott ihm hilft. Und wenn der Rest des Eides ebenso wahr ist, müsste man die Eidesformel eigentlich übersetzen mit: „April, April!“
Naja, die Vereidigung (in diesem Fall gilt zum Glück) trotzdem als gültig.

Eine angekündigt ellenlange Rede des Kämmerers gab es zum Haushalt der Stadt – die Lage ist desaströs genug, dass ein FDP-Kämmerer eine (leichte) Gewerbesteuererhöhung vorschlägt.
Normalerweise muss man immer Vergleiche heranziehen, um die Haushaltslage von MG zu beschreiben. Jetzt kann man einfach diese Tatsache zitieren – immerhin. Insgesamt sieht es so aus: Je nachdem, was wir machen, sind wir 2015, 2016 oder 2017 pleite. Es ist einiges gefragt, um das zu vermeiden – und ohne Einsatz von Land und Bund wird es nicht gehen.

Kommen wir zum Punkt mit der längsten Geschichte: Die Schließung der Katholischen Grundschule Waldhausener Höhe.
Schuldezernent Dr. Gert Fischer (CDU) bestand weiterhin darauf, seine Gesetzesauslegung als den Text des Gesetzes auszugeben und zu behaupten, die Führung eines Klassenzugs mit 15 Kindern sei nur in Dörfern möglich, nicht in Innenstadtlagen. Nur ist es inzwischen leider eh egal, die 17 angemeldeten Kinder sind schon weg, die Schule ist verloren, Schulleitung und Dezernent haben gemeinsam Fakten geschaffen und so (mal wieder) Politik an der Politik vorbei gemacht.

Das wurde in der nächsten großen Diskussion noch deutlicher: Rechtsdezernent Schmitz (CDU) begann hier zu erläutern, warum die Veränderungssperre eines Grundstücks, die den Umzug eines Aldi-Marktes verhindern soll, ohne rechtliche Folgen beschlossen werden könnte.
Dies jedoch auf eine Art, die genau diese Nichtstrafbarkeit aufheben konnte – er erklärte gleichzeitig, wir könnten nur belangt werden, wenn wir wissentlich der Stadt schaden (Schadenersatzforderungen) und führte mögliche Folgen so aus, dass der Rat wissentlich werden konnte.
Zum Glück wurde dann noch ein Schreiben von Aldi zitiert, das durchblicken ließ, dass Aldi keine Schadenersatzansprüche geltend machen würde, wenn sie bis zum 7. Juli eine Baugenehmigung erhalten. Also hatten wir grund zu der Annahme, dass der Stadt durch die Entscheidung kein Schaden entsteht. Somit kann die Stadt nun mit Aldi verhandeln und eventuell einen besseren Standort finden, der nicht die bestehenden Innenstadtkonzepte für Einkaufsgebiete zerschießt.
Dennoch kann man nur sagen: Es war beängstigend, wie der Rat hier (bewusst oder unbewusst) fast in die Ecke gedrängt worden wäre. CDU und FWG konnten mit ihrem Versuch, den Aldi dort zu etablieren, einen deutlichen Fortschritt machen. Und fast hätten sie einen Dammbruch zur Abschaffung des gültigen Einzelhandelskonzeptes geschafft.
Sowas darf nicht nochmal passieren.

Überraschenderweise keine große Diskussion gab es zur vierspurigen Erweiterung der Korschenbroicher Straße. Die eigentlich überflüssige Verbreiterung, die nur eine neue Rennstrecke in der Stadt schafft, wurde mit dem Argument der Landesförderung durchgeboxt – obwohl die Stadt wahrscheinlich immer noch 1,6 Millionen Euro zuzahlen muss.
Es würde ja halbwegs Sinn machen, gäbe es ein Innenstadtgebiet, in das die Straße führen würde. Gibt es aber nicht und bevor wir nicht eine Millionenstadt werden (das dürfte noch dauern) macht dieses auch nicht den geringsten Sinn – wer soll denn in der projektierten City-Ost einkaufen gehen? Die Tauben und Amseln?

Immerhin: Eicken kriegt etwa einen halben Kilometer neue Radwege und die Umgestaltung des rheydter Marktplatzes wird in Angriff genommen.
Auch wenn ich persönlich den Marktplatz so verbesserungswürdig nicht finde – die hässlichen und meist leerstehenden Geschäftspavillons müssten endlich weg, das wär’s aber auch schon.
Naja…


Atomkraft helau!

Eine der interessantesten, wenn nicht die interessanteste Nachricht des gestrigen Tages war der Zeitplan für die anstehenden Atomtransporte von Jülich nach Ahaus: Ab 1. März sollen sie rollen, wenn alle Genehmigungen kommen. Davon ist auszugehen, so lange schwarz-gelb NRW regiert.

Das Datum hat allerdings eine Relevanz, die offenbar noch gar nicht aufgefallen ist: Der 1. März 2011 liegt in der Woche vor Karneval, also genau der Zeit, an der selbst der behäbigste Rheinländer sich zu so etwas wie Protestkultur hinreissen lässt.
Mein Vorschlag also: Lasst uns einen Anti-Atom-Wagen für Karneval 2011 bauen. Mit Atom-Süßigkeiten als Wurfmaterial.


Mal ehrlich: Daraus eine Fruchtgummiform zu machen
ist nun wirklich unglaublich einfach

Der Wagen fährt dann ab dem 1. März umher, besucht die Protestveranstaltungen und ein paar Tage später lässt er sich auf den großen Karnevalszügen blicken. Dazu muss man anmerken, dass diese an drei hintereinander liegenden Tagen statt finden, das sollte doch machbar sein, bei allen drei dabei zu sein.
Der Wagen hätte dann diesen Tourplan:

3.-5. März 2011 – Durchfahrt von Jülich nach Neuss, grob entlang der Bahnstrecke
6. März 2011 – Kappessontagszug in Neuss
7. März 2011 – Rosenmontagszug in Düsseldorf
8. März 2011 – Veilchendienstagszug in Mönchengladbach

Problem bei der Sache sind natürlich die Kosten – die für den Wagen kenn ich nicht, dürften aber der geringere Teil sein. Wurfmaterial und Verpflegung der Wagenbesatzung (bei Fahrt über mehrere Tage, Ehrenämtler vorausgesetzt) sind da schon wichtiger – ich gehe über den Daumen gepeilt von 10.000 € für alles zusammen aus.

Mein Vorschlag: Nach dem Landtagswahlkampf setzt sich ein Bündnis von Vereinen und Parteien aus dem betroffenen Gebiet zusammen, um das ganze durchzusprechen.
Nicht vor dem Wahlkampf, das sollte nicht durch politische Querelen kaputt gemacht werden, bevor es überhaupt in Fahrt gekommen ist. Aber ich fang schonmal an, Leute zusammenzutrommeln.
Wer Interesse hat, aber bis Montag noch keine eMail von mir, der möge sich bei mir melden. Mail-Adresse für eMails (und Postanschrift für Briefbomben) finden sich im Impressum.

PS: Ja, ich hab’s persönlich nicht so mit Karneval. Also, so gar nicht.
Aber hier passt einfach alles so gut zusammen und mehr Leute auf einen Schlag mit einer Botschaft zu erreichen als auf einem Zug wird schwer.
PPS: Ja, das ist absichtlich keine ausschließlich grüne Sache. Dieses Thema wirkt besser, wenn sich ein breites Bündnis von Parteien und Vereinen dahinterstellt. (Ausserdem ist es teuer ;-) )


Andreas Wurff – Ein Eindruck

Das ist Andreas Wurff, der grüne Kandidat und aussichtsreichste Bewerber für das Amt des baudezernenten in Mönchengladbach.

Am Montag durften sich die Fraktionen der Grünen, SPD, CDU und FDP und am Dienstag jene der Linken von dem Mann überzeugen. Das Echo bisher ist aus dem gesamten politischen Spektrum erfreulich positiv.
Der Mann hat Erfahrungen aus einer Vielzahl von Kommunen (Dresden am einen, Nagold bei Calw am anderen Ende der Größentabelle) und seine inhaltlichen Ansätze überzeugen durch Realismus gepaart mit dem klaren Wilen, hier gute Arbeit abzuliefern indem er Mönchengladbach verbessert. Er hat einige wunde Punkte benannt und auch einige konkrete Herausforderungen der kommenden Jahre wie die Auflösung des Widerspruchs zwischen Stadtbegrünung und Baudichteerhöhung benannt.
Für mich persönlich ist erfreulich, dass er meine Ansicht vorsichtig mitträgt, dass es erstrebenswert (meines Erachtens sogar notwendig) sei, den Innenstädte von Rheydt und Alt-Gladbach deutlich verschiedene Profile zu verleihen. Auch wenn meine Formulierung, zwei identische Innenstädte fräßen sich langfristig weiterhin gegenseitig auf, in der SPD-Fraktion für Aufruhr gesorgt hat. Auch meine Nachfrage zum Dresdner Brückenstreit beantwortete er durchaus kompetent und ehrlich gesagt auch in meinem Sinne. Das andere große Dresdner Thema, der Verkauf der WOBA sah er wesentlich positiver als ich, aber es wäre auch beunruhigend (und langweilig), wäre er in allem mit mir einer Meinung.

Ein unsicheres Gefühl bleibt im Hinterkopf, ob er nicht eventuell das erzählt, was das jeweilige Publikum gerne hören will. Das kann positiv sein, wenn sich das so ausdrückt, dass er ein Talent hat, auch kontroverse Themen zu „verkaufen“. Muss es aber nicht.
Nun hat aber die Findungskommission schon wesentlich länger mit ihm reden können als ich und ich vertraue dieser, womit auch Wurff von mir erstmal einen ordentlichen Vertrauensvorschuss erhält.

Unterdessen versucht die RP, Wurff als Konservativen hinzustellen.
Nachdem der Hinweis auf sein Amt in Nagold aus dem entsprechenden Artikel wieder verschwunden ist (er war dort ausgerechnet unter dem bisher einzigen SPD-OB Rainer Prewo 1. Bürgermeister) gilt seine Arbeit in Dresden unter einer CDU-OB immer noch. Dass er bereits 5 Jahre vor deren Wahl das Amt antrat und jetzt aus diesem entschwindet, scheint der RP nicht weiter aufzufallen. Wobei, die Mehrheitsverhältnisse im rat waren zu der Zeit auch verwirrend mit etlichen Fraktionen und Stimmengleichheit zwischen schwarz-gelb und rot-rot-grün (2004-2009 je 26 Sitze).

Nein, ich bin mir ziemlich siche,r hier keinen Konservativen vor mir zu haben. Vielmehr einen Arbeiter – nicht klassentechnisch, sondern vom Arbeitsverständnis her: er bleibt weitgehend unideologisch und macht seinen Job so gut er kann.
Das wiederum ist meines Erachtens genau das, was dieses Dezernat in Mönchengladbach braucht – jemanden, der sich nicht in ideologischen Grabenkämpfen bzw. Schnellschüssen verrennt.