Ciao, Print!

Der beliebteste Bullshit, den man im Journalismus derzeit h√∂rt ist „Print ist unverzichtbar“.
Das, meine lieben Printkollegen, war die Schreibmaschine auch einst.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ein Einzelfall bin, wenn ich sage, dass meine Mediennutzung komplett durch das Internet ersetzt wurde. Vor drei Wochen habe ich das letzte mal ein Printmagazin gekauft, jetzt gibt es nur noch die kostenlose Wochendzeitung des AStA der Uni D√ľsseldorf, ein zunehmend propagandistisches K√§sebl√§ttchen der regierenden Unikoalition SPD/FDP (die wir grade am Abw√§hlen sind) und das ganze Zeug, das nichts kostet.

Es ging langsam, aber beständig voran mit meinem Ausstieg aus der Medienlandschaft.

Das erste Opfer war die Tageszeitung. Anfang 2006 bestellte ich die RP ab, da ich nach Amerika reiste. Aber das war nicht der einzige Grund: Mir fiel auf, dass ich die Zeitung kaum las. Titelseite, vielleicht noch die ersten drei Seiten, das war’s. 99% aller Nachrichten sind Kram, der mich √ľberhaupt nicht interessiert. Und was mich interessiert, weiss ich zu 90% am Tag zuvor aus dem Internet.
Die taz hat mich zwischendurch mit ihrer Art und ihrem Ton locken können, war aber im Endeffekt auch zu teuer um sie täglich zu kaufen

Etwa ein halbes Jahr darauf folgte das Fernsehen. Mein Computer kann DVDs abspielen, das reicht. Daneben gab es Youtube.
Hauptsinn des Fernsehers war es bei mir immer, im Hintergrund Musik laufen zu haben. Aber MTVIVA bringt schon lange praktisch keine Musik mehr und zunehmend schlechter wurde das bisschen auch noch. Ich habe den Fernseher irgendwann ganz einfach nicht mehr eingeschaltet – ausser f√ľr die Wii.
Das selbe geschah auch mit dem Radio, ich weiss nur nicht mehr, wann. Langfristig ersetzte es der iPod.
Fernsehzeitschriften (TV Today) gingen nat√ľrlich mit √ľber die Wupper.

Den Spiegel kaufte ich nicht mehr, nachdem ich ihn zwischenzeitlich bei meiner Arbeit im WDR f√ľr lau bekam. Das war √ľberhaupt meine letzte gro√üe Printzeit: Ich las das Hausheft des WDR und diverse Pressesammlungen, die das WDR-Archiv w√∂chentlich herausgab (auch hier wieder Propaganda vom Feinsten, vor allem zum Thema unverzichtbare Rundfunkgeb√ľhren).

Was blieben waren die Spielemagazine. EDGE gibt es nicht mehr in deutsch, der Gro√üteil des Rests ist M√ľll, die GEE ist nicht schlecht, aber ich lese sie einfach nicht mehr durch.
Warum sollte ich kaufen, was ich am Ende doch gar nicht erst lese?

Das war’s also. Keine Zeitschriften mehr, kein Fernsehen, kein Radio. es gibt keinen Grund mehr, diese Medien zu nutzen.

Achja, Fu√üball geht mir an den Backen vorbei. Nicht den Wangen, die anderen. Sport√ľbertragungen d√ľrften tats√§chlich die letzte Bastion der alten Medien sein.