Bullshit-Analyse: Der BHDS

Und doch nochmal Winnenden. Der Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften hat eine Pressemitteilung rausgegeben. Schauen wir uns die doch mal an:

Mit Entsetzen und Trauer hat der BHDS den Amoklauf von Winnenden aufgenommen.

Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien, Freunden und Klassenkameraden, die das Unfassbare miterleben mussten.

Okay, soweit die Pflicht, jetzt zur Kür.

Der BHDS stützt sich seit 1928 auf das kirchliche und soziale Engagement seiner heute knapp 400.000 Schützen, leistet intensive Jugendarbeit und betreibt den Schießsport. Der BHDS bekennt sich zum christlichen Glauben in Wort und Tat und engagiert sich im gemeindlichen und diözesanen Leben. Er unterstützt die kirchlichen Hilfswerke, widmet sich der religiösen Bildung und fördert insbesondere ökumenische Initiativen.

Kapiert, ihr seid alles ganz tolle Christen. Toll. Interessiert keinen, aber toll.

Die lokalen Schützengemeinschaften unterstützen – teils bereits seit Jahrhunderten – die heimischen Hilfs- und Sozialwerken oder helfen bei sozialen Schieflagen ihren Mitbürgern direkt. In diesem Bereich beläuft sich die Jahresleistung der Schützenfamilie auf über 300.000 Mannstunden und mehr als 1,3 Millionen Spenden-Euro jährlich.

Die Leserschaft ist kollektiv begeistert. Aber was genau hat das mit dem Indergegendrumballern zu tun?

Christliche Werte vermitteln, soziale und gesellschaftliche Verantwortung zu stärken, in die Tradition und das kulturelle Leben einzuführen und dies mit den jungen Menschen weiterzuentwickeln das Gemeinschaftsleben zu stärken und im sportlichen Engagement Geist und Körper weiterzuentwickeln sind Aufgaben, die sich der Bund Historischen Deutschen Schützenbruderschaften in seiner Jugendarbeit verpflichtet sieht.

Schön. Und dafür braucht ihr Knarren?

Das Schießen als Breiten- oder Leistungssport[…]

Sekunde, könntet ihr das letzte Wort nochmal wiederholen? Schießen ist jetzt schon ein Leistungssport?
Wow.
Ich wette, wenn man eine panzerfaust benutzt zählt es sogar als Kraftsport. Ist das albern.
Okay, nochmal von vorne, entschuldigen Sie die Unterbrechung:

Das Schießen als Breiten- oder Leistungssport zählt zu den populärsten Freizeitaktivitäten im deutschsprachigen Raum. In fast jedem Ort zwischen Nordsee und Alpen existiert ein Schützenverein, in dem das Schießen mit Armbrust, Bogen, Luftpistole, Kleinkaliberbüchse oder Luftgewehr […] gepflegt wird.

Und das sollen wir jetzt auch noch toll finden, oder wie?
Okay, ich habe verantwortungsvoll rausgelassen, weil ich es für Bullshit halte.

Es folgt der übliche Kram, die Waffengesetze seien streng genug (das bezweifel ich – ein Waffengesetz, das privaten Schusswaffenbesitz in irgendeiner Form erlaubt ist eben nicht streng genug) und Schützen tun ja keinem was.
Die komplette Presseerklärung gibt es hier.


Petitionnerstag IIII (Freititionstag)

Jugendschutzentschärfung

Das Jugendschutzgesetz sollte in folgendem Maße geändert werden:

-Änderung des FSK/USK-Logos. Dieses wird auf den Kreis reduziert, verkleinert und kann sich je nach Cover unten links oder rechts befinden.
-Alle Filme und Videospiele erhalten ohne Schnittauflagen höchstens eine Freigabe ab 18 Jahren.
-Abschaffung von Indizierungen und Beschlagnahmungen.

Hiervon ausgenommen sind Medien welche Pornografie, reale Gewaltdarstellung oder Verherrlichung des Nationalsozialismus beinhalten.

Dieser Antrag kommt zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, entspricht aber meinen eigenen Ansinnen vollständig: Der deutsche Jugendschutz bei interaktiven Medien ist restlos überzogen und behindetr mehr die Erwachsenen als er die Jugendlichen schützt. Immerhin gibt es grade eine Studie, die feststellt, dass die meisten Studien zur Mediengewalt voreingenommener Müll sind.

ÖPNV-Förderung statt Abwrackprämie

Der Bundestag möge beschliessen, dass anstelle der Förderung der Autoindustrie durch „Abwrackprämien“ neue ÖPNV-Fahrzeuge gefördert werden. Weiterhin sollten zur Belebung der Koniunktur die Streichungen der SPNV-Regionalisierungsmittel rückgängig gemacht werden. Die Infrastrukturmassnahmen sollten sich auf den Ausbau der Schienenwege (wie der Rhein-Ruhr-Express und die benötigten zusätzlichen Gleise) konzentrieren.

Natürlich ging es bei der „Umweltprämie“ nicht um den Umweltschutz, sondern um die Förderung der Automobilindustrie. Daran können wir nichts ändenr, ich bin aber dafür, es den verantwortlichen in jeder möglichen Art und Weise unter die Nase zu reiben.

Ab ins Grüne

Der Bundestag möge beschließen:
Die derzeitige ökonomische Krise soll mit Hilfe einer ökologischen Arbeitsplatzoffensive, der Entwicklung alternativer Energien, weiterer Stromnetzentwicklung und der Förderung alternativer Antriebsenergien überwunden werden.
Alternative Frachttransportsysteme (wie z. B. CargoCap in Bochum oder weitere innovative Technologien) sollen in Ballungszentren den regionalen Frachtverkehr auf der Straße ersetzen.
Stromnetze sind öffentlich zu kontrollieren.

Die mE einzige echte Möglichkeit, eine Nachfolgekrise zu verhindern.

Abschnitt „Interessant, aber nee“
Umweltprämie für Hobbyflieger

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass Hobbyflieger, wie Sportmotorflugzeuge und Segelflieger, pro Start eine Umweltpauschale von 200.-€ entrichten müssen. Die Gebühren werden von der örtlichen Kommune für Umweltprojekte eingesetzt, wie Lärmschutz usw.

Guter Ansatz, aber übers Ziel hinausgeschossen. Seit wann machen Segelflieger Lärm und Abgase? Gut, Motorsegler, aber sonst?
Als Anregung aber vielleicht interessant für Kommunen mit Kleinflughäfen (*zaunpfahlschwenk*)


Weichspüler

Ich bin heute leider den ganzen Tag auf Jück, deshalb gibt es den Petitionnerstag diese Woche erst am Freitag. Er wird aber trotzdem Petitionnerstag heissen, wir Studenten sind ja eh alle anarchistisches Pack, wie man immer hört.
Zum Trost mal wieder etwas Comedy-Metal. Diesmal mit J.B.O.:


Mediathek: Global Gladiators


Hach, Global Gladiators. Das von McDonalds geförderte Spiel um zwei Jungs, die die Welt vor den schleimigen Ausgeburten der Umweltverschmutzung retten ist einer der offensichtlichsten Versuche von Grünfärberei aller Zeiten – und einer der besten.

Wir befinden uns in den 90ern. McDonalds sprießt überall aus dem Boden und erklärt uns allen in Broschüren, wie umweltverträglich ihr Rindfleisch doch hergestellt wird. Es ist eine Zeit, in der jedes Kind ein kleines Buch zum Thema Umweltschutz hat und jeder die Welt retten will.
So eben auch Mick und Mack, die Helden von Global Gladiators: Mit einer Schleimkanone bewaffnet läuft man durch umfangreiche Level und schießt Schleimmonster ab. Zielmarkierung ist ein mit einer Mekkes-Papierfahne wedelnder Ronald McDonald. Zwischen den Leveln hebt man Müll auf und wirft ihn in Recycling-Container. Und das bekannte Bogen-M taucht öfter auf als heute in einem durchschnittlichen Werbespot dieser Junkfood-Kette.
Dennoch: Das Spiel selbst macht Spass und der Soundtrack ist genial:

Mein Tipp für alle Nostalgiker mit einem Mega Drive, Musikgeschmack und ausreichender Resistenz gegen herdenweise auftretende Junkfood-Marken.

Warnung: Der Verfasser dieser Zeilen leidet bei jeder Erwähnung von Global Gladiators unter schwerem nostalgischen Schock. Es war sein erstes MegaDrive-Spiel. Wir bitten, den rosarote-Brille-Effekt bei dieser Empfehlung im Hinterkopf zu behalten.


Ärgern oder nicht ärgern?

Okay, ganz vorsichtig gefragt: Ihr kriegt einen inhaltlich für sich harmlosen Flyer einer rechtsextremen Partei, an dem eine (relativ unwichtige, aber doch potenziell teure) Formalität nicht den geltenden Gesetzen entspricht. es handelt sich dabei um nichts, was irgendwie mit der Position dieser Partei zu tun hätte.
Abmahnen lassen um ihnen eins reinzudrücken oder warten, bis was problematisches kommt und dann nochmal auf diese kleine Formalität zurückkommen?


Nachtrag zum Stirnklatscher

Okay, okay. ich werde den Stirnklatscher des Monats in Zukunft erst am Monatsende vergeben. Wer hätte auch ahnen können, dass einen tag nach Vergabe das hier kommt:

Spiegel: Auf dem Weg nach Afrika hat sich Papst Benedikt XVI. erstmals direkt zum Thema Kondome geäußert – und erklärt, ihre Verwendung verschlimmere das HIV-Problem, statt es zu lösen. Helfen können aus Sicht des Kirchenoberhauptes dagegen ein „spirituelles Erwachen“ und „Freundschaft für die Leidenden“.

Obwohl, bei Ratzinger wäre ein Preis für das Lebenswerk angebracht.


Stirnklatscher des Monats: März 2009

Auch mal eine schöne Kategorie, der Stirnklatscher des Monats. Das ist eine wirklich dumme Aussage, die im Laufe des Monats wahrscheinlich nicht mehr übertroffen werden kann.

Den Anfang macht Julian Luxford.
Der hat rausgefunden, dass Robin Hood (der bekanntlich von den Reichen stahl und den Armen gab) bei den Reichen (hier: die Kirche) nicht sonderlich beliebt war.
Mal davon abgesehen, dass Kirchenkritik ein fester Bestandteil in der Robin-Hood-Legende ist, verwundert das sowieso nicht mehr.
Um sich den Stirnklatscher des Monats zu verdienen braucht es natürlich mehr. Aber Luxford war mühsam und hat seine sensationelle Entdeckung gleich groß an die Presse weitergegeben – mit der Betonung, Akademiker zu sein. Wo offenbar noch mehr Leute sitzen, die so ihre Probleme mit dem Phänomen der Logik haben.

Für eine Totalblamage des Akademikertums und die Bloßstellung einer Presse, in der niemand nachdenkt, was er da für einen Quark schreibt geht der Stirnklatscher des Monats März 2009 an:
Die sensationelle Entdeckung, dass ein kirchenkritischer Rebell bei der Kirche unbeliebt war.


Wenn Bagger zu Baufahrzeugen werden

Überschrift aus der heutigen WZ:

Wenn Waffen zur Gefahr werden


Die Ungeduld des Stammtisches

Eigentlich war es ja klar, dass es so hätte kommen müssen: Kaum ist Barack Obama Präsident, schon wird ihm vorgeworfen, alle belogen zu haben – weil er die Welt nicht in Wochenfrist neugeordnet hat.
es ist beachtlich, wie schnell solche Bewegungen wie die Obame-Begeisterung umschlagen können. Momentan noch bei einzelnen Leuten, aber es werden mehr werden. Vor der Pius-Krise hörte man immer wieder von der „Rückkehr der Werte“.
Einzig, in keiner dieser Publikationen, die ich gefunden habe, fanden sich die meines Erachtens wichtigsten Werte für politisches Handeln und urteilen: Geduld, Maß und Nachhaltigkeit (im Sinne von langfristigem Planen). Und genau diese Werte fehlen auch überall in der politischen Diskussion.

Ungeduld ist eine Konstante menschlicher Psyche.
Religionen speisen sich aus unserer Ungeduld auf Antworten, totalitäre Systeme aus unserer Ungeduld auf echte Problemlösungen und Korruption speist sich maßgeblich aus unserer Ungeduld bei der Verwirklichung unserer Pläne. Ich sehe nichts, was wir da tun können, aber es ist wichtig, diese einfache Grundlage immer im Hinterkopf zu halten.
Andererseits ist Ungeduld auch ein mächtiger Motor für technischen Fortschritt. Wo wären wir ohne unseren beständigen Wunsch, Dinge schneller erledigen zu können? Wie fast immer gibt es zwei Seiten der Medaille.


Post aus Berlin (I)

Ich habe eine Antwort zu meiner beantragten öffentlichen Petition beim Petitionsausschuss des Bundestages.
Darin heisst es, dass bereits „sachgleiche Petitionen“ in der Prüfung seien. Ich werde nun noch einmal bitten, die Sachgleichheit (unter besonderer Berücksichtigung des Unterschieds zwischen Referenden und Plebisziten) zu prüfen. Sollte es eine sachgleiche Petition geben, freut mich das natürlich sehr und ich gebe hier im Blog weiter, sobald ich mehr davon höre (wenn ich das darf).

Hier der Volltext des Schreibens vom petitionsausschuss (minus Briefkopf, Grüßen etc.):

Sehr geehrter Herr Diehl,

für Ihr Schreiben danke ich Ihnen.

Von einer Veröffentlichung Ihrer Eingabe wird abgesehen.

Zu der von Ihnen vorgetragenen Thematik ist aufgrund sachgleicher Petitionen bereits eine Prüfung eingeleitet worden, die noch nicht abgeschlossen werdne konnte.

Im Interesse einer eingehenden prüfung auch Ihrer Eingabe bitte ich um Verständnis, dass das Verfahren einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Über das Ergebnis der parlamentarischen Prüfung erhalten Sie zu gegebener Zeit eine abschließende Antwort.

[…]