Petitionnerstag X

Es ist zwar abend geworden, aber immerhin ist der Petitionnerstag wieder ein Petitionnerstag statt eines Freititionstags oder Petitiamstag. Letzteres klingt eh bescheuert.
Jedenfalls gab es diese Woche einige Eingaben weniger als zuvor, dafür aber mehr vernünftige Anträge. Meine Auswahl der Woche aus dem petitionsausschuss des Bundestages:

Ende des Biosprits

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass der Irrweg „Biosprit“ komplett verlassen wird. Statt dessen sind alle Bestrebungen zu fördern, die auf einen Fahrzeugantrieb zielen, der ohne jegliche Verbrennungsvorgänge auskommt.

Ich halte Biosprit immer noch für eine Lösung von rein gar nix. Der Schadstoffausstoß ist geringer als bei fossilem Öl, dafür werden Wälder abgeholzt um die Anbauflächen zu schaffen.

Ergänzung des Zentrums gegen Vertreibung

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass das „Zentrum gegen Vertreibung“ ergänzt wird um das Thema der Vertreibung der Künstler und anderer Intellektueller ab 1933. Diese Lösung entspreche den wahren historischen Vorgängen und würde der Zusammenarbeit mit einst vom Deutschen Reich okkupierten Ländern gerecht.

Ganz im Ernst: Solch ausgewogene Geschichtsdarstellung sollte keine Zusatz-, sondern eine Mindestforderung beim Bau des Zentrums sein.

Zitat der Woche:
Ausbildungsvergütung für Ausserbetriebliche anheben

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …
Die Anpassung der Ausbuildungsvergütung für Auszubildende einer Außerbetrieblichen Ausbildungsmaßnahme

Ausbilder sind zur Ausbildung ausgebildete Mitarbeiter, die von Auszubildenden beauftragt sind, Auszubildende auszubilden.
Herrlich.


Shadaik live: 10 Jahre Bologna

Ratet einfach mal, wer der „Vertreter der Studierendenschaft“ ist.

Plakat zur Veranstaltung 10 Jahre Bologna

Klar, die RP als Veranstalter und Ulrich von Alemann als Initiator sind beide tendenziell Befürworter der Bologna-Reformen und die Zeit ist etwas knapp (ich kann allerdings eh nicht länger). Ich gehe dennoch von einer fairen Diskussion aus.
Leider erhalten nur die beiden Headliner die Gelegenheit, ein Statement zu halten – der Wirtschaftsvertreter (von der IHK Köln) und ich beteiligen uns nur an der eigentlichen Diskussion und den späteren Fragerunden.

PS: Verdammt, dieses Poster von der RP passt sowas von nicht ins hiesige Farbschema…


Schweinskram

Ist aber auch ein Schweinskram, diese Schweinegrippe.
Aber immerhin verraten große Epidemien auch immer etwas über die Gesellschaft, auf die sie treffen. Das ist meistens ziemlich langweilig, diesmal aber neigt es ins Abstruse:

So sollte man meinen, dass Juden kein Problem damit haben sollten, wenn eine Krankheit nach etwas unkoscherem benannt wird. Doch weit gefehlt:

Bereits am Montag hatte das israelische Gesundheitsministerium gegen die Bezeichnung Schweinegrippe protestiert. Dies sei eine Beleidigung für Juden und Muslime, da in beiden Religionen Schweine als unreine Tiere gelten

Heisst das, es gibt koschere und unkoschere Krankheiten? Das ist eine ganz neue Dimension von Religionsauslegung – gute Menschen sterben an koscheren Krankheiten wie Cholera, schlechte kriegen Schweinepest.

Locker mithalten in Sachen hypocerebrale Motivationsdarlegung (vulgo Bullshit) kann die EU, die mit dem Vorschlag „Neue Grippe“ (die nächste heisst dann „Ganz Neue Grippe“?) kommt, da Schweinegrippe der Schweinefleischindustrie schaden könne.
Was einhergeht mit einer Aussage von Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou, der Verzehr von Schweinefleisch sei sicher, „vorausgesetzt, es ist gekocht“. Igitt, wer isst Schweinefleisch denn gekocht (ausser Briten)?

Über die arabischen Staaten erfährt man bei Telepolis:

Das ägyptische Gesundheitsministerium hat schon einmal die Schlachtung aller Schweine im Land angeordnet[…]. Andere muslimische Länder haben zumindest ein Einfuhrverbot von Schweinefleisch verhängt. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben auch den Verkauf und das Kochen von Schweinefleisch verboten.

Ähm, in welchen Mengen wurde vorher bitte Schweinefleisch in die muslimischen Staaten eingefürt und was sagt das über die Glaubensfestigkeit (um mal ein positives Wort zu nutzen) der dortigen Muslime aus?
Könnte es am Ende sein, dass unser klischeebeladenes Bild dieser Länder falsch ist (schockschwerenot).

Ich empfehle unterdessen ein Spielchen:

heyzap.com – embed games

Ohne Worte

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30224/1.html


Zum Thema Gesamtschule Rheindahlen

Die MIGS fordert aktuell eine weitere Gesamtschule in Mönchengladbach.
Ein gutes Vorhaben angesichts einer Zahl von inzwischen 500 Schülern, für die keine Gesamtschulplätze mehr verfügbar waren (das sind mehr, als alle Hauptschulen der Stadt zusammen aufgenommen haben). Als Standort dafür schlagen sie das Gymnasium Rheindahlen vor – und hier bin ich skeptisch: Das Gymnasium Rheindahlen ist das einzige Gymnasium im Bezirk und, wenn ich mich nicht irre, auch das einzige im zukünftigen Bezirk West (oder war es Süd, die neue Bezirksaufteilung ist ja etwas seltsam geraten).
Daher würde man durch den Umbau in eine Gesamtschule zahlreichen rheindahlener Kindern, die auf ein Gymnasium geschickt werden sollen, einen recht großen Schulweg nach Stadtmitte oder Rheydt aufbürden – Ziel muss aber bei allen Reformen auch eine Stadt der kurzen Wege sein, um die Verkehrsbelastung gering zu halten.
Es ist mir somit unverständlich, warum nicht eines der drei in nächster Nähe zueinander stehenden Gymnasien in Stadtmitte (Math-Nat, Huma und Geroweiher) umzuwidmen, bevorzugt das Gymnasium am Geroweiher, da es durch den letzten Neubau die Kapazitäten für einen Gesamtschulbetrieb haben sollte. Eine Fusion des Geroweihergymnasiums am Fuße des Abteibergs mit dem Stiftisch-Humanistischen Gymnasium auf seinem Gipfel ist nicht erst seit gestern im Gespräch, hier könnte eine Umwidmung schonend und in Zusammenarbeit mit dem Nachbargymnasium durchgeführt werden.

Ich werde ein entsprechendes Schreiben an die MIGS schicken. Es ist meines Erachtens wesentlich sinnvoller als ein Umbau des wie gesagt einzigen Gymnasiums in Rheindahlen.

Sollte jetzt jemand kommen und sagen, ich wolle (als grüner) zwar Gesamtschulen, abe rnicht in meiner Nachbarschaft, so kann ich nur sagen: Die Stadtmitte-Gymnasien sind in meiner Nachbarschaft.

Nachdem ich inzwischen mit Ulli Laubach von der MIGS gesprochen und die Schülerzahlen gesehen habe, ist meine Argumentation meines Erachtens hinfällig. Diese sind so gering, dass eine Umwidmung des rheindahlener Gymnasiums angebracht erscheint.


Quake

Bin ich froh, nicht mehr in einem Hochrisiko-Erdbebengebiet zu leben:

27. April – nahe Acapulco, Mexiko
25. April – Nordbulgarien/Rumänien
6. April – L’Aquila, Italien (übrigens nicht das erste schwere Beben in L’Aquila im letzten halben Jahr)

Ich fange an, mir echt Sorgen zu machen. Leider sind Erdbeben immer noch nicht sehr gut erforscht – ob die vielen Beben in einem relativ kurzen Zeitraum also zusammenhängen (etwa aufgrund von Strömungsverhältnissen im Erdmantel) und weitere zu erwarten sind, kann man also nicht wissen.
Oh, und auch wenn mein aktueller Wohnort nicht in Fahrradreichweite des San-Andreas-Grabens ist: Auch das Rheinland zählt zu den Erdbebenzonen Europas *panikverbreit*


Pro Ethik [Nachtrag]

Fast hätte ich das übersehen: Heute ist ja in Berlin die Abstimmung zum Status des Religionsunterrichtes.
Also, alle die sich mit mir einig sind bitte in die Wahllokale und abstimmen: Religion hat in einer Bildungsanstalt wie der Schule nichts verloren. Das sollen die Kirchen doch bitte in ihren eigenen Gebäuden machen – und die Eltern, wenn sie auf derlei Mumpitz Wert legen.

[Nachtrag] Sehr hübsch. Brave Berliner!


Припять

Припять (Pripjat‘ oder Pripyat) war einst eine der luxuriösesten Städte der Sowjetunion. Mit 50.000 Einwohnern großstädtisch angelegt aber ohne die Probleme einer zu großen Bevölkerung und mit zahlreichen Freizeitstätten ausgestattet ein attraktiver Ort.
Für die Dinge des alltäglichen Lebens war gesorgt darunter Strom. Immehrin hatte man direkt nebenan eine große, von der sowjetischen Politik für absolut sicher befundene Energiequelle: Ein Atomkaftwerk.

Чернобыльская АЭС – AKW Tschernobyl.

Leider konnte ich nicht auf der gestrigen Demo sein, daher sei auf diesem Wege daran erinnert: Heute ist der 26. April.


Erziehungsziele gegen Klassengröße

Erfreulicherweise ist nun der Erhalt von zwei Hauptschulen in MG vorerst gesichert, da doch noch genug Schüler zusammengekommen sind. Aber:

Trotz dieser Entwicklung ist an mindestens sechs Hauptschulen der “geordnete Schulbetrieb” nicht gewährleistet, da die die Zweizügigkeit (zwei Klassen) als Mindeststandard für die Größe von Hauptschulen nicht erreicht wird.

Meine Frage dazu wäre: Wieso kann man aus 19 Schülern (die kleinste vorkommende Zahl) keine zwei Klassen machen?
Es ist doch eine alte Forderung von Erziehungsexperten, die Klassengrößen merklich zu reduzieren, um eine stärkere individuelle Betreuung der Kinder zu gewährleisten.
Grade an Hauptschulen, die als soziale Brennpunkte und minderwertige Bildungsanstalten verschrieen sind, kann dies überaus hilfreich sein. Die geringe Klassengröße ermöglicht eine gezielte Förderung, eine Entlastung für die Lehrer (ein beständig überlasteter Berufsstand mit viel zu wenig Anerkennung) und somit auch bessere Ergebnisse in unserem Bildungssystem.
Es gibt meines Erachtens nichts besseres für eine Hauptschule als Jahrgangsgrößen unter 30 Schülern. Oder ist die Mindestgröße eines Klassenzuges irgendwo so streng vorgeschrieben, dass man aus 19 Schülern keine zwei Klassen bilden kann?


Highschool Never Ends

Mal wieder Zeit für etwas Musik, oder? Ein richtiges Musikvideo dazu hab ich nicht gefunden, aber das hier mit Naruto-Kritzeleien ist ja auch schonmal nicht schlecht.
Schließlich geht es um die Musik ;-)


Bowling for Soup - The Great Burrito Extortion Case - High School Never Ends

Der Song ist von Bowling for Soup, der Titel steht in der Überschrift – weil ich heute zu faul bin, den zweimal zu tippen.