Filmabend V: The Amazing Screw-On Head

Boah, hab ich grade eine Phase, in der ich nicht zum Bloggen komme (oder eMails beantworten, es hat sich wirklich eine Menge angesammelt, sorry an alle Betroffenen).

Naja, eine zwischenzeitliche Pflicht für den Blog zu erfüllen: Der Filmabend – diese Woche mit der ersten und einzigen Folge der bizzaren Zeichentrickserie The Amazing Screw-On Head, einer Steampunk-Serie um einen Roboterkopf mit austauschbaren Körpern, der für Abraham Lincoln übernatürliche Bedrohungen bekämpft.


10 Jahre Baryonyx diehlii

15 minutes of fame? Pah, Kleinkram. Ich bin inzwischen bei 8 Jahren und es läuft noch.
Ausserdem habe ich einen eigenen Dinosaurier – und das sogar schon seit 10 Jahren.


Bildquelle: The Guardian

Grundlage dieser Erkenntnis ist der Artikel über den Baryonyx in der deutschen Wikipedia. Und dort der folgende Abschnitt:

Die ungewöhnlichste Theorie [zur Fortbewegung des Baryonyx – shadaik] stammt von Thomas R. Diehl. Dieser meint, dass sich Baryonyx am Gewässerboden untergetaucht mit seinen Krallen unauffällig (da ohne große Schwimmbewegungen) fortbewegte und sich so an seine Beute anschlich.

Thomas R. Diehl – der Name wird all jenen bekannt vorkommen, die zumindest hier im Impressum mal reingeschaut haben. Jupp, das bin ich.

Ursprünglich hatte ich meine Idee in einer Paläontologen-Mailingliste vorgestellt. Das war im Januar 2010.
Sie wurde damals recht klar abgelehnt, wiel die Vorderbeine als nicht stark genug dafür galten. Ausserdem wurde entgegengehalten, dass der baryonyx entgegen meiner Ausführungen nicht hydrodynamisch vorteilhaft gebaut war.
Beides bezweifelte ich und führte das darauf zurück, dass die anderen Diskutanten nicht ganz verstanden, wie ich mir die Fortbewegung des Baryonyx unter Wasser vorstellte. Ich habe dies indes nie weiter ausgeführt.

Springen wir also zwei Jahre ins Jahr 2002: Im Internet entstand ein neues Wissensportal: Die Wikipedia. Die kannte damals noch kaum einer und ich war mit einer der ersten an Bord der deutschen Variante. Neben dem Eintrag über Mönchengladbach arbeitete ich vor allem an diversen Tierarten: Schnabeltier, Hauspferd, Elefanten, Gemeiner Flugdrache, Axolotl, Flugsaurier (und weitere: Somalia, Somali, Kurd Laßwitz, Tragschrauber…).
Zu diesen Tieren gehörten auch einige Dinosaurier und darunter wiederum der Baryonyx. Und in diesen Artikel baute ich dann den obigen satz ein. Dazu muss man sagen, dass die Wikipedia noch lange nicht so bedeutend, groß oder auch nur ernsthaft wie heute war. Und ich selbst noch sehr… ambitioniert.

Im Grunde hatte ich das dann vergessen, bis mich im letzten herbst ein Bekannter anschrieb, ob ich das sei, der da in dem Wikipedia-Artikel erwähnt ist.
Und tatsächlich: Mein belegfreier Satz aus dem August 2002 stand auch im November 2009 noch unverändetr in der Wikipedia – und zwar in einer „gesichteten Version“ des Artikels – ein so genannter Experte war den Artikel also in dieser Form durchgegangen und hatte nichts zu beanstanden. Noch nicht einmal eine Nachfrage im Diskussionsbereich für die Quelle zu dieser Aussage. Das erstaunte mich dann doch.

Nunja, letztendlich habe ich den Satz gestern vormittag dann gelöscht.
Ein sehr hübsches Detail an der Sache: ich habe heute mehr recht als damals. Aber dazu später mehr in einem eigenen Artikel.

Übrigens nicht meine einzige Erfindung in der Wikipedia, die sich jahreang gehalten hat. Wer die andere findet, kriegt 15 Gummipunkte, ansonsten gibt es die Auflösung dieses Wochenende hier im Blog.

PS: Die Spezies heisst natürlich immer noch Baryonyx walkeri. Aber es ist jetzt quasi mein Dinosaurier, weil meine Darstellung des Tiers sich so lange in der Wikipedia gehalten hat. ;-)


Petitiamstag L

Datenschutz als grundrecht

Der Deutsche Bundestag möge ein Grundrecht auf Datenschutz im Grundgesetz erlassen.

„Jeder hat das Recht auf den Schutz seiner Daten und auf informationelle Selbstbestimmung.“
Solch eine Formulierung oder ein vom Wesensgehalt ähnlicher Wortlaut ist gefordert.

Mehr eine Formalie: das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist bereits ein implizites Grundrecht (sagt das Bundesverfassungsgericht), es steht nur nicht im Grundgesetz.

UN-Katastrophenteam

Mit der Petition soll erreicht werden, dass die Bundesregierung zusammen mit den Staaten dieser Welt einen Beschluss fasst, durch den die UN aufgefordert wird, ein „Naturkatastrophen-Koordinationsteam“ zu gründen, welches auf Anforderung betroffener Staaten die Koordination aller Hilfsmaßnahmen routiniert und ohne behördlichen Einschränkungen durchführt.

Äh, dieses Team?

Staffelung der Hörgerätezuzahlung

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …, dass die Bewilligung von Hörgeräten insbesonders für hochgradig schwerhörige Menschen angepasst wird. Es soll bei der Bewilligung technischer Hilfen künftig unterschieden werden zwischen leichter, mittelgradiger, hochgradiger und an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit. Die Bewillgung soll so erfolgen, dass die Teilnahme am gesellschaftlichem Leben, insbesondere am Arbeitsleben in jedem Fall gewährleistet ist.

Genauer: Schwerer Hörbehinderte sollen bessere Hörgeräte bekommen.

Verbot absichtlicher Strafunfähigkeit

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …

In § 20 des Strafgesetzbuches ( StGB ) wird folgender Satz 2 eingefügt:

Wer sich vorsätzlich oder grob fahrlässig in den Zustand der Schuldunfähigkeit im Sinne des Satzes 1 versetzt, um in diesem Zustand eine eine Handlung zu begehen, die den Tatbestand eines Strafgesetzes erfüllt, wird so behandelt, wie wenn der schuldausschließende Tatbestand nicht erfüllt ist.

Auch hier gilt: In der Rechtspraxis wird das bereits so gehandhabt, weil vorsätzliche Versetzung in einen Zustand der Schuldunfähigkeit wiedeurm einen Vorsatz belegt.

Besuchspauschale für getrennte ALG-Empfänger

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass von den eigenen Kindern getrennte Väter, die von ALG1- oder ALG2-Bezug leben, für die Besuchstage dieser Kinder eine Extra-Pauschale bekommen.

Stromkosten im ALG zu den Mietnebenkosten

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …

dass bei Beziehern von Arbeitslosengeld II die Stromkosten mit in die Kosten der Unterkunft einberechnet werden.

Selbstverständlich gehören die Stromkosten zu den Mietnebenkosten, insofern gilt: Die sollten auch als solche gewertet werden. Wer kommt denn heute ohne Strom aus?

Mindestlohn in Behindertenwerkstätten

Gesetzliche Mindestlöhne für Beschäftigte in Werkstätten für Menschen mit Behinderung

Legalisierung von Klein-Destillationsanlagen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen … dass als Privatperson (mit zollamtlicher Genehmigung) größere gewerbliche Anlagen besitzt und benutzt werden dürfen, die unbürokratische Freigabe von Dampfdestillationsanlagen mit einem Kesselvolumen von bis zu 100 Litern für Privatpersonen zur Herstellung von ätherischen Ölen, sowie die Freigabe aller privaten Destillieranlagen mit bis zu 5 Litern Brennkesselvolumen.

Das bestehende deutsche Recht scheint mir hier einfach überflüssiger Schutz einer Branche mit guter Lobby zu sein.

Warnhinweise auf alkoholische Getränke

Der Bundestag möge beschließen, dass Hersteller von alkoholischen Getränken einen Hinweis auf die Gefahren für die Gesundheit des Konsumenten in ähnlicher Weise anbringen müssen, wie es bereits bei Tabakwaren der Fall ist. Ebenso sollten die Hersteller eine Altersabhängige ( Analog Jugendschutzgesetz ) Verkaufs- und Verzehrbeschränkung anbringen müssen.

Der zweite Satz soll wohl heissen, dass das, was ohnehin bereits verpflichtend ist (Altersgrenzen) nochmal dick draufgeschrieben wird.

Hartz 4 wöchentlich

Der Deutsche Bundestag möge beschließen … alle harz4 Leistungen die dem Leistungsempfängern direkt zur Verfügung stehen, (zur Zeit 359€ für Erwachsene) nicht mehr monatlich sondern wöchentlich, nach Möglichkeit montags auszuzahlen. Die wöchentliche Zahlung soll 1/4 also 90€ bei Erwachsenen betragen. Viele menschen sind dann zufriedener und haben regelmäßiger Geld, auch am Monatsende.

Kurzfristiger Härtefallzuschuss für Hartz 4

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …dass Langzeitarbeitslose die Möglichkeit bekommen, Zusatzleistungen für bestimmte Härtefälle zu erhalten.

Hier geht es eigentlich weniger um Härtefälle, sondenr mehr um Notfälle bzw. kurzfristige Finanzierungsengpässe. Also um den Ersatz beschädigter Haushaltsgeräte u.ä.

Betriebsrat: Terminfindung per Mehrheitsbeschluss

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass das Gesetz, wonach ein Betiebsratsvorsitzender alleine über Ort und Zeitpunkt der Betriebsratssitzungen bestimmen kann, dahingehend aufgehoben oder abgeändert wird, dass der Ort und der Zeitpunkt der Sitzungen mehrheitlich von den gewählten Betriebsratsmitgliedern abgestimmt werden muss.

Das halte ich zwar für eine schöne Praxis, aber ich sehe keinen Grund, das verpflichtend zu machen.

Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass 1 und 2 Cent Stücke abgeschafft werden und Preise an der Kasse auf volle 5 Cent auf bzw. abgerundet werden.

Das klingt reichlich sinnlos. Wenn es keine 1-Cent-Münzen mehr gibt, warum wird der Euro dann überhaupt in 100 Cent aufgeteilt und nicht in 20 Einheiten à 5 Cent heutiger Gegenwert?
Denn: So lange ein Euro 100 Cent hat, muss auch jede Stückelung über Münzen kombinierbar sein.

Verschlüsselte elektronische Bewerbungen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …

In § 20 des Strafgesetzbuches ( StGB ) wird folgender Satz 2 eingefügt:

Wer sich vorsätzlich oder grob fahrlässig in den Zustand der Schuldunfähigkeit im Sinne des Satzes 1 versetzt, um in diesem Zustand eine eine Handlung zu begehen, die den Tatbestand eines Strafgesetzes erfüllt, wird so behandelt, wie wenn der schuldausschließende Tatbestand nicht erfüllt ist.

Huh? Es hindert mich doch niemand daran, meine Bwerbungs-e-Mails verschlüsselt zu schicken. mal davon ab, dass das mE eine überflüssige technische Hürde wäre.

Petition gegen Chemtrails

Der Deutsche Bundestag möge beschließen , daß der Einsatz von Geoengineering im Luftraum über Deutschland verboten wird.

Okay, dafür muss man weiter ausholen: Es gibt, vor allem im Internet, einige Spinner dergestalt affine Personen, die Kondensstreifen für insgeheim ausgebrachte Chemikaliencocktails halten, die das Klima verändenr sollen. Diese leute glauben, dass diese Chemikalien potenziell gesundheitsschädlich sein können.
Was ja auch stimmen würde – gäbe es diese so genannten Chemtrails überhaupt.
Grundsätzlich halte ich es nicht für sinnvoll, Geoengineering zu untersagen. Darunter versteht man Projekte, bei denen durch großflächige technische Unternehmungen gezielt Umwelteffekte erzielt werden. Aso beispielsweise, wenn man weltweit aufforstet, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Pflichtmitgliedschaft im Arbeitgeberverband

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …dass alle Unternehmen und Arbeitgeber in Deutschland in einem jeweiligen Flächentarif Pfichtmitglied sein müssen.

Als wäre die Zwangsmitgliedschaft in den IHKen noch nicht schlimm genug. Wenn die Mitgliedschaft kostenlos wäre, könnte man ja darüber redne, aber so… nee.

Sonderbriefmarke für die Birne den Kohl

Der Deutsche Bundestag möge dem Bundesminister der Finanzen empfehlen, anlässlich des 80. Geburtstages von Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl am 3. April 2010 eine Sonderbriefmarke herauszugeben

Ne Briefmarke für den Bimbes-Kanzler. Der Mann, der dadurch in die Geschichte eingegangen ist, im richtigen Moment am richtigen Ort zu stehen und nachher zu behaupten, das wäre ein Verdienst.

Bürgerversicherung

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …die Einführung einer Bürgerversicherung auf Grundlage
1. einer Verbreiterung der Finanzierungsbasis im Sinne der „Bruttowertabschöpfung auf erzielte Vermögenszuwächse, Umsätze und Einkommen“ ohne Beitragsbemessungsgrenzen
2. Bundesweite einheitlich garantierte Versorgungssicherheit
3. Gleichstellung aller im Gesundheitswesen tätige Leistungserbringer
4. Gleichberechtigte Konkurrenz der Therapie- und Behandlungsformen

Bürgerversicheurng für was? Die Petition erwähnt dies nicht.
Ich vermute aber mal, es geht um eine Krankenkasse, aber auch da bin ich unsicher.


2. Werkstattbericht zu den Aasgeiern

Es geht inzwischen etwas langsamer voran (aktuell 32 Seiten), aber das ist nicht verwunderlich, weil ich das erste Kapitel aus einer Inspiration heraus fast am Stück geschrieben habe, während ich beim Rest jetzt mehr handwerkliches tun muss. Ausserdem geht es aufs Ende des aktuellen Ratszuges zu, da gibt es mehr Sitzungen und politische Arbeit, die Zeit kosten.

Dennoch möchte ich auch diese Woche kurz enen Aspekt in dem Buch beleuchten – den Ishmael. Was ist er und warum habe ich ihn gewählt?

Der Ishmael
Benannt ist der Ishmael nach dem Erzähler in Moby Dick. Ein Ishmael ist eine Figur, die in der Geschichte zwar die zentrale Position, meist als Ich-Erzähler, annimmt, tatsächlich aber nur eine Nebenfigur ist.
In Moby Dick etwa erzählt Ishmael zwar, aber mit zunehmendem verlauf der Geschichte werden andere Figuren – allen voran Ahab. TV Tropes hat eine lange Reihe von Beispielen.
Ich persönlich kenne neben Moby Dick nur Final Fantasy XII und Deadly Creatures. Viele Figuren von Franz Kafka sind wohl in einer ähnlichen Situation.

Nun habe ich für Aasgeier einen Ishmael als Hauptfigur gewählt: Boris.
Die Geschichte in Aasgeier stellt ein geschwisterpaar in den Mittelpunkt, den 9-jährigen Boris und seine 13-jährige Schwester Jana. Dabei stellt Boris den Ich-Erzähler.
Ein Ishmael ist er, weil er zwar am Geschehen beteiligt ist, aber nicht so aktiv wie seine große Schwester. dabei nehme ich seine Perspektive aus mehreren Gründen als hauptperspektive:
1. Er ist ein Junge. Ich schreibe ungerne aus weiblichen Perspektiven aus Angst, zu klischeehaft zu werden.
2. Jugendbücher und die Liebe. Offenbar erwarten Verlage bei Jugendbüchern grundsätzlich immer eine Liebesgeschichte. da ich sowas (Liebesgeschichten) selber nie gelesen habe, schreibe ich es auch nicht. Erst recht nicht aus weiblicher Perspektive (siehe 1.) – um den Verlagen aber einen Gefallen zu tun und weil auch viele Leser das wollen gibt es dennoch ein Mädel, dass sich auch verknallen darf, nur halt nicht zu ausführlich.
3. Watson-Effekt. Boris ist als jüngerer noch stärker den elterlichen Werten verbunden als seine pubertierende Schwester. Damit kann er in einigen Fragen sehr gut Mehrheitspositionen vertreten, zu denen seine Schwester dann die Gegenseite darstellt. Da diese Mehrheitspositionen wiederum näher an denen der Leser sein dürften (weil Mehrheit), bietet er sich als Identifikationsfigur an. Auch ist er als jüngerer der beiden eine gute Figur, über die man Fragen stellen kann, weil er weniger Schulbildung hinter sich hat und jüngere Kinder grundsätzlich als neugieriger gelten.

Ich finde den Ishmael eine sehr angenehme Erzählperspektive.
Er erleichtert als Ich-Erzähler die Identifikation mit den Figuren in der Geschichte, wird aber selber nicht zu stark durch seine eigenen Taten vom Geschehen um ihn herum abgelenkt. Dennoch kann er, wenn nötig, eingreifen oder widersprechen.
In diesem speziellen Fall stellt er auch eine Hierarchie der Figurenkenntnis her: Sich selbst kennt er am besten, seine Schwester bereits seit seiner Geburt, die anderen Kinder in der Geschichte sind ihm neu (die Familie ist grade erst umgezogen) und die Welt des Tagebaus ist ihm völlig fremd. Das wirkt sich natürlich darauf aus, wie viel Verständnis er jeweils hat, beziehungsweise wie sehr ihn etwas interessiert.

Die Namen Boris (von Borislaw, russisch: Kämpfer) und Jana (von Johannes, hebräisch: Gott ist gnädig) haben übrigens nichts weiter zu bedeuten, Ich habe die Bedeutungen erst später ergoogelt.

PS: So viele Gedanken wie über Aasgeier habe ich mir übrigens noch nie über die Konstruktion eines Buches gemacht. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen.


Andreas Wurff – Ein Eindruck

Das ist Andreas Wurff, der grüne Kandidat und aussichtsreichste Bewerber für das Amt des baudezernenten in Mönchengladbach.

Am Montag durften sich die Fraktionen der Grünen, SPD, CDU und FDP und am Dienstag jene der Linken von dem Mann überzeugen. Das Echo bisher ist aus dem gesamten politischen Spektrum erfreulich positiv.
Der Mann hat Erfahrungen aus einer Vielzahl von Kommunen (Dresden am einen, Nagold bei Calw am anderen Ende der Größentabelle) und seine inhaltlichen Ansätze überzeugen durch Realismus gepaart mit dem klaren Wilen, hier gute Arbeit abzuliefern indem er Mönchengladbach verbessert. Er hat einige wunde Punkte benannt und auch einige konkrete Herausforderungen der kommenden Jahre wie die Auflösung des Widerspruchs zwischen Stadtbegrünung und Baudichteerhöhung benannt.
Für mich persönlich ist erfreulich, dass er meine Ansicht vorsichtig mitträgt, dass es erstrebenswert (meines Erachtens sogar notwendig) sei, den Innenstädte von Rheydt und Alt-Gladbach deutlich verschiedene Profile zu verleihen. Auch wenn meine Formulierung, zwei identische Innenstädte fräßen sich langfristig weiterhin gegenseitig auf, in der SPD-Fraktion für Aufruhr gesorgt hat. Auch meine Nachfrage zum Dresdner Brückenstreit beantwortete er durchaus kompetent und ehrlich gesagt auch in meinem Sinne. Das andere große Dresdner Thema, der Verkauf der WOBA sah er wesentlich positiver als ich, aber es wäre auch beunruhigend (und langweilig), wäre er in allem mit mir einer Meinung.

Ein unsicheres Gefühl bleibt im Hinterkopf, ob er nicht eventuell das erzählt, was das jeweilige Publikum gerne hören will. Das kann positiv sein, wenn sich das so ausdrückt, dass er ein Talent hat, auch kontroverse Themen zu „verkaufen“. Muss es aber nicht.
Nun hat aber die Findungskommission schon wesentlich länger mit ihm reden können als ich und ich vertraue dieser, womit auch Wurff von mir erstmal einen ordentlichen Vertrauensvorschuss erhält.

Unterdessen versucht die RP, Wurff als Konservativen hinzustellen.
Nachdem der Hinweis auf sein Amt in Nagold aus dem entsprechenden Artikel wieder verschwunden ist (er war dort ausgerechnet unter dem bisher einzigen SPD-OB Rainer Prewo 1. Bürgermeister) gilt seine Arbeit in Dresden unter einer CDU-OB immer noch. Dass er bereits 5 Jahre vor deren Wahl das Amt antrat und jetzt aus diesem entschwindet, scheint der RP nicht weiter aufzufallen. Wobei, die Mehrheitsverhältnisse im rat waren zu der Zeit auch verwirrend mit etlichen Fraktionen und Stimmengleichheit zwischen schwarz-gelb und rot-rot-grün (2004-2009 je 26 Sitze).

Nein, ich bin mir ziemlich siche,r hier keinen Konservativen vor mir zu haben. Vielmehr einen Arbeiter – nicht klassentechnisch, sondern vom Arbeitsverständnis her: er bleibt weitgehend unideologisch und macht seinen Job so gut er kann.
Das wiederum ist meines Erachtens genau das, was dieses Dezernat in Mönchengladbach braucht – jemanden, der sich nicht in ideologischen Grabenkämpfen bzw. Schnellschüssen verrennt.


Tagebau-Literaturnachtrag

Letzte Woche hatte ich ja ein paar Romane um die rheinischen Braunkohletagebaue vorgestellt. dazu habe ich jetzt noch zwei kurze Nachträge aus dem englischsprachigen Teil der Welt, ein Buch und einen Film:

Zunächst mal das Buch. Darauf hat mich Kay Löffler aufmerksam gemacht, von dem der vorgestellte Roman Dorf der Wolkenmacher stammt.
Da ich das Buch nicht gelesen habe, kopiere ich einfach den Klappentext von Außer Kontrolle (OT: Dragline) hier rüber:

Das Haus war spottbillig – und es zu kaufen ein verhängnisvoller Fehler. Gideon und seine Mutter sind gerade erst nach Cold Knot gezogen, einer kleinen Siedlung am Rand des Kohlereviers. Eigentlich sollte der Tagebau nächsten Monat eingestellt werden. Jetzt ist keine Rede mehr davon. Bei Tag und Nacht reißt eine gigantische Maschine die Erde auf, tyrannisiert die Gegend mit Lärm und Staub. Gideon ist ratlos, denn seine Mutter wird immer seltsamer. Gut, daß sie nicht weiß, was für entsetzliche Dinge ihm bei seinen Streifzügen begegnet sind: der schwarze Hund, der eigentlich tot sein müßte … das Reh, dem der Kopf abgetrennt wurde … Gideon klammert sich an seinen Verstand, mit dem er bisher alles unter Kontrolle hatte. Aber es kommt der Moment, wo ihm seine Klugheit allein nicht weiterhilft.

Das Buch ist nicht leider mehr neu erhältlich.

Der Film dagegen ist noch nicht neu erhältlich: Avatar.
Wer sich den Anfang des Films anschaut sieht, dass das, was die Ureinwohner auf Pandora bedroht, ein riesiger Tagebau ist. Dort wird zwar keine Kohle abgebaut sondern Unobtanium (sic!), aber es bleibt immerhin ein Tagebau.

Avatar sollte ja allgemein bekannt sein, mein Urteil: Der Film ist gut. Nichts neues, aber gut. Oder, um es mit dem besten Beitrag zum Thema zu sagen, den ich bisher gehört habe: „Leonardo war nicht der erste, der ein Portrait einer sitzenden brünetten Frau gemalt hat. Aber er hat es verdammt gut gemacht.“


Die Musikeinlage hurt!

Die Inspiration für die dieswöchige Musikeinlage ist der Titelsong Ain’t no Rest for the Wicked zum Videospiel Borderlands:

Und dann ist da natürlich Moulin Rouge: In dem Film geht es immerhin um die Liebe zwischen einem werdenden Schriftsteller und einer Edel-Prostituierten. Ich nehm da mal El Tango de Roxanne und Diamonds Are a Girl’s Best Friend raus:
El Tango de Roxanne


Und natürlich darf der Klassiker zum Thema nicht fehlen: Roxanne, das Original zum obigen Tango von Sting, 1979 und damals ein echter Skandalsong:


Filmabend IV: AMV Hell 1-3

Immer wieder schön: AMV Hell ist eine Serie von Ausschnitten aus (vor allem japanischen) Videos mit Musik- oder textunterlage, die das ganze komisch machen.
Nicht immer mein Humor, aber meistens eben doch. Teil 1-3 hab ich hier eingebunden, daneben gibt es noch die beiden nicht jugendfreien Nullerteile, eine Championship Edition aus einem Wettbewerb und einen mit dem sensationellen Titel AMV Hell: 4 – AMV Hell 3: The Motion Picture 2 – The Final One sowie einen fünften in der Mache.




Petitiamstag XLIX

Verstärkte Gutachterpflicht für KGs

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …
Das HGB wird nach § 164 ergänzt um einen neuen Paragraphen, in denen für Geschäfte der Vertreter einer Publikumskommanditgesellschaft mit sich oder verbundenen Dritten eine Gutachterpflicht bzgl. Einhaltung Drittvergleichsmaßstab festgelegt wird.

Diese Regelung soll dann verhindern, dass die Gesellschafter einer KG ihren eigenen Firmen bzw. sich selbst Aufträge zuweisen.

Erleichterung von Adoptionen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …,daß die Adoption von Kindern erleichtert wird.

Hauptvorschlag hinter dieser doch extrem kurzen Petition ist die Idee, Kinder schon während der Schwangerschaft zur Adoption freizugeben. Dies soll die Zahl der Abtreibungen vermindern.
Daneben soll das Höchstalter für adoptierende Eltern raufgesetzt werden.

Einführung der Sammelklage

Der Deutsche Bundestag möge die Einführung einer Sammelklage nach US-Vorbild beschließen, um den Anlegerschutz in Deutschland entscheidend zu verbessern.

Die Sammelklage existiert in Deutschland nicht, weil der Grundsatz gilt, dass an der Tat beteiligte oder Betroffene klagen können und es kein Vertretungsrecht vor Gericht gibt. Jeder Kläger (und Beklagte) spricht immer nur für sich, nie für mehrere oder gar alle ähnlich gelagerten Fälle.
Die einzigen vorhandenen Mittel, die einer Sammelklage ähneln sind die Musterklage und das rechtskräftige Urteil.

Eindämmung der PKV-Beitragsanstiege

Die Bundesregierung möge öffentlich und ausführlich zu der zukünftigen Beitragentwicklung der PKV Stellung nehmen und darlegen, mit welchen Maßnahmen Sie die zu erwartenden Beitragserhöhungen eindämmen möchte.

Mein Vorschlag wäre ja, Quacksalberei Homöopathie aus dem Angebot zu streichen, aber da findet sich bestimmt noch mehr.

Patientenbestätigung für Behandlungen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass Personen, die gesetzlich krankenversichert sind, die erbrachte Leistung von Ärzten, vor der Abrechnung mit der Krankenkasse, in irgend einer Form bestätigen müssen.

Hier geht es (mal wieder) um Kostentransparenz, ein von vielen Medizinern (Apothekern, Optikern etc.) tunlichst vermiedener Punkt.

Fortbildungspflicht für Heilberufe

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass eine Berufsqualifikationssicherung für den Beruf der Gesundheits- und Krankenpflege in Form von Fortbildungen, welche vom Gesetzgeber verfasst werden und dem berufsspezifischen Rahmen entsprechen, veranlasst wird. Diese sollen anschließend durch eine praktisch orientierte Prüfung gesichert werden. Erfüllt man diese Pflichten nicht, möge die Berufsbezeichnung entzogen werden.

mE selbsterklärend.

ALG-II-Erhöhung

Der Deutsche Bundestag möge beschließen … das endlich der Hartz IV Regelsatz 359 Euro von Hartz IV Empfängern angehoben wird

Na, mal sehen, was die aktuelle Diskussion ergibt. Also, ausser Westerwelles erhofften Abstieg zur Perona non Grata Universala.

Gleichbehandlung unterschiedlicher Rentenmodelle bei ALG II

Der Deutsche Bundestag möge beschließen das um Arbeitslosengeld II zu erhalten kapital-bildende Geldanlagen die vor dem Rentenalter ausbezahlt werden gleichwertig behandelt werden wie Lebens- Rentenversicherungen nach dem Riester-Modell.

„Nach dem Riester-Modell“ heisst hier, dass die Versicherung nicht vor Erreichen des regulären Rentenalters ausgezahlt wird. Dies ist aktuell Bedingung für das Ansparen fürs Alter bei Bezug von ALG II.

Anrechnung der Riesterrente beim Bezug von Altersrente und Grundsicherung

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …
dass beim Bezug von Altersrente und Grundsicherung keine vollständige Anrechnung einer vorhandenen Riesterrente vorgenommen wird, da dies ungerecht gegenüber all jenen ist, die keine finanzielle Vorsorge im Alter getroffen haben.

Und das ist so eine Art Pendant dazu für die Riester-Rentner: Der Vorteil der einmal erworbenen Riester-Rente soll gewahrt bleiben, denn wieso hat man sonst jemals gespat?

Voller Rentenbezug mit 63 bei ausreichend langer Arbeitszeit

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …
dass Arbeitnehmer, die mit 63 Jahren ein 49jähriges Arbeitsleben hinter sich haben, ohne Abschläge in Rente gehen können.

Es klingt mE gerecht, die Rentenhöhe stärker vom Eintrittsalter in den Rentenempfang zu entkoppeln, wenn die Rentner entsprechend früher angefangen haben zu arbeiten.

Warnhinweis und kein Kleingedrucktes bei Bankverträgen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …Die kleingedruckten Vertragsdaten und kleingedruckte allgemeine Geschäftsbedingungen bei Geldgeschäften jeglicher Art gesetzlich zu untersagen und Banken sowie Anleger in die Eigenverantwortung zu führen.

Geschäftsbedingungen der Banken bei jeglichen Anlagemöglichkeiten sollen durch die Information „DIESE ANLAGEFORM KANN ZUM TOTALVERLUST IHRES ANLAGEVERMÖGENS FÜHREN“ ersetzt werden.

Ein Verbot von Kleingedrucktem wurde von ein paar Wochen schonmal gefordert, damals leider mit eher mäßigem Erfolg. Diese hier hat das problem, dass ihre zweite Hälfte wie ein Scherz klingt, zumindest aber sehr polemisch.

Verbot von Plastiktüten

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass Einkaufstüten/Plastiktüten in Deutschland verboten werden.

Das fällt für mich in diesen Bereich „Gutes Vorhaben, aber muss es dafür wieder ein Verbot geben?“

Verbot des Erwerbs der Steuersünder-CD

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …
dass der „Erwerb“ der durch eine Straftat erlangten „Steuersünder-CD“ untersagt wird.

Nennt mich doof, aber wenn der Erwerb eines Straftat ist, dann ist er doch schon verboten, oder?

Soziales Pflichtjahr

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass ein halbes soziales Pflichtjahr für alle heranwachsenden Bürger eingeführt wird. In der Diskussion um die Verkürzung des Wehrdienstes auf sechs Monate darf man bei einer gleichzeitigen Verkürzung des Zivildienstes nicht außer Acht lassen, dass ggf. auch die Versorgung in vielen Sozialbereichen ( Krankenhäusern, Altenheimen ) einbrechen könnte. Dem entgegen zu wirken, gerade im Hinblick auf den demographischen Faktor, muss das Ziel sein.

Nur um das klarzustellen: Es ist verboten, wenn ein Arbeitgeber vom Zivildienst abhängig wird. Sicher sind Zivis nützlich, sie belegen aber auch viele Arbeitsplätze – diesen Konflikt würde eine generelle Arbeitspflicht noch verschärfen.

Ein/Aus-Schalter für alle Elektrogeräte

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …

Wirtschaftsunternehmen, die im Rahmen Ihrer Dienstleistung elektrische Geräte an Endkunden ausliefern, werden verpflichtet, diese mit einem Schalter für das An- und Ausschalten zu versehen. Ein Dauerbetrieb oder ein dauernder Stand-By-Betrieb von technischen Geräten darf nur in technisch gut begründeten Einzelfällen vorgesehen werden. Der Anbieter muss Kunden vor Vertragsabschlussüber die durch den Betrieb entstehenden Stromkosten informieren.

Meines Wissens ist das bereits eine EU-Richtlinie, die in den nächsten Jahren ohnehin umgesetzt werden muss.


Maßstabsgetreu innovative NVV

Die gestrige Sitzung des Umweltausschusses war eher unspektakulär. Beachtlich einzig, dass der Tagesordnungspunkt zur Aufhebung des Leinenzwangs auf den Hundefreilaufflächen sechsmal das Wort „Ordnung“ enthielt – in der Überschrift.

Und dann war da noch die NVV. Die trat unter dem Stichwort „Innovative NVV“ als großer Klimaretter auf, das relativierte sich jedoch mit der Zeit.
Die Liste der Vorhaben klingt für eine einzige Stadt auf einmal schonmal nicht schlecht: Ausbau der Windenergie, die vieldiskutierte Biogasanlage Güdderath/Wanlo, sparsame Busse, Tiefengeothermie, Ausbau der Photovoltaik um 40%, sogar Nutzung der Wärme des Abwassers in Kanal-Wärmetauschern sind in Planung, Vorbereitung oder Bau.
Interessant auch, dass die NVV den Trend zur Dezentralisieurng mitzumachen scheint. So erprobt man derzeit etwa zwei Tankstellen für Erdgasautos am Heimanschluss.

Bei genauerer Betrachtung muss man einiges wieder abziehen: Die vorgestellte Wetterstation Rheindahlen hat mit dem Thema ganz einfach nichts zu tun und einige vorgestellte Projekte werden nicht von der NVV, sondern von Beteiligungen wie den Grevenbroicher Stadtwerken durchgeführt. Auch die von der NVV aufgeführten 812 kWp Photovoltaikanlagen beziehen sich auf die NVV selber mitsamt ihrer Tochterunternehmen – also MG und den gesamten Kreis Heinsberg.
Andere Zahlen machen den niedrigen Maßstab, mit dem man arbeitet besonders deutlich: Mittelfristig will die NVV einen Anteil der regenerativen Energien (Bereich Stromerzeugung) von 16-17% erreichen – das ist nur knapp über dem aktuellen Bundesschnitt. Derzeit produziert die NVV zwischen 2 und 3% ihrer Energie nachhaltig. Es wird nicht besser, wenn man den Bundesschnitt durch einen Verweis auf die besseren Bedingungen für Windenergie an der Nordseeküste fortzuargumentieren versucht.

Zwischen den Zeilen blitzte denn auch durch, was die NVV in die Innovation treibt – der Marktanteil der Erneuerbaren wächst und die Kunden wollen erneuerbare. Die NVV innoviert nicht, sie rennt verzweifelt dem Trend hinterher und wird vor lauter Todesangst erfindungsreich.
Je nach Umfrage will zwischen einem Viertel und der Hälfte der Deutschen auf einen Ökostromanbieter wechseln oder könnte sich dies zumindest vorstellen. Für ein Energieunternehmen, dessen Hauptrohstoff die Braunkohle des Mutterkonzerns RWE ist, eine astreine Horrormeldung.

Aber die NVV ist spät dran: Für ihre Verhältnisse sind 16-17% ambitioniert, immerhin ein Sprung von bis zu 500% des aktuellen Niveaus. Das wird nicht einfach.
Und so wird sie innovativ – im Rahmen ihrer eigenen, recht niedrig anzusetzenden, Maßstäbe.