1. Werkstattbericht von den Aasgeiern

Am Samstag hab ich mit dem Schreiben von Aasgeier begonnen. Soweit nichts ungewöhnliches, ich schreib immer mal wieder ein paar Fragmente, die sich dann mit der Zeit zu Geschichten entwickeln. Ab und an werden sie sogar fertig.
Was an Aasgeier anders ist: Es ist quasi meine erste Auftragsarbeit. Quasi, weil der Auftrag nicht von einem verlag kam, sondern von mir selbst.

Ich habe erstmals nicht mit der Idee für eine Story angefangen, sondern mit dem Gedanken „Darüber muss man doch mal was schreiben“.
Das Thema war in diesem fall der Braunkohleabbau im Tagebau. Ich war doch sehr erstaunt über die geringe Zahl von Geschichten, die sich um dieses Thema drehen. Hier verlieren tausende ihre Heimat und keiner schreibt darüber? Unglaublich!
Also überlegte ich mir, was denn spannendes in einem solchen Szenario – ein Loch frisst sich kilometerweit durch die Landschaft und zerstört alles, Menschen fliehen ins Umland – machen kann. Kar, offensichtlich eine ganze Menge. Ich selbst war relativ schnell beim Rand des Loches als Thema und der Frage, ob sich dort eine besondere Kultur des nahenden Untergangs bilden könnte.
Natürlich kann es das. Die Idee, die ich hatte (und von der ich jetzt noch nicht zu viel erzählen möchte) bot sich in der Form als Kinder- und Jugendroman an. Ein gutes Format, weil das Thema für Kinder etwa ab 8 interessant wird. Zwei Kinder als Hauptfiguren gaben mir auch die Gelegenheit, das Thema in seiner Gänze abzudecken – von den Bergbauschäden über die Mondlandschaft des Tagebaus bis zu den verlassenen Dörfern an seinem Rand. Zugleich ließ sich das Thema so auch Personen ohne Vorwissen vorstellen.

Ein Kinderbuch zum Tagebau Garzweiler wird es also.

Und um nochmal zu dem Thema zu kommen, warum ich es überhaupt schreibe, hier die spärliche Literatur zum Thema. Alle drei übrigens keine schlechten Romane:

Fangen wir an mit einem weiteren Kinder- und Jugendbuch. Dorf der Wolkenmacher stellt eine Jugendclique im Umfeld der südlichen Tagebaue bei Köln vor. Ihr Leben ist soweit normal und sorglos. Bis ein Wald in der Nachbarschaft für den Tagebau gerodet wird.
Da nehmen die Kinder den Kampf gegen die RWE und die lokale Politik auf, die das erst ermöglicht hat. Und gegen den Vater eines der Kinder, der gegen die Bande ermitteln soll.
Das Buch wird vom BUND empfohlen und als Schullektüre benutzt.

Für die nächste Altersstufe gibt es dann einen Krimi: In Begraben in Garzweiler II kommt der umweltpolitische Sprecher der Grünen im Landtag bei einem mysteriösen Unfall ums Leben (okay, für mich als umweltpolitischer Sprecher der Grünen in Mönchengladbach ist das zusätzlich auch noch ein Horrorroman).
In die Ereignisse verwickelt wird Hieronymus Müllejans, der im zukünftigen Gebiet des Tagebaus ein Grundstück erbt. Er stößt auf Ungereimtheiten und wird schließlich fast selber Opfer eines Mordes. Seine nachforschungen führen in tief in den wirtschaftspolitischen Sumpf, in dem Tagebaubetreiber RWE/Rheinbraun sich zu suhlen pflegt.

Und zum Abschluss noch ein Buch aus Mönchengladbach – und auch das mit der höchsten empfohlenen Altersstufe. Ich würde es nämlich nur Erwachsenen empfehlen.
Hinter den Ginstertrieben ist ein Psycho-Thriller um die düsseldorfer Studentin Klaudia Kraft, die sich ritzt und mit einigen Kommilitonen ein Sorgentelefon betreibt. Als einer ihrer Anrufer ihr einen Kindesmissbrauch gesteht, führt ihre Suche nach dessen Identität sie in ihre Vergangenheit und ihre alte Heimat im Abbaugebiet Garzweiler II. Sie findet Antworten und ein Ziel: Den Kinderschänder durchs Telefon in den Selbstmord zu treiben.

Und um dem Titel „Werkstattbericht“ gerecht zu werden: Die erste Fassung des ersten Kapitels von Aasgeier ist fertig. 20 von insgesamt wohl etwa 100-150 Seiten.
Das Kapitel führt die beiden Hauptfiguren und ihre Familie ein und thematisiert die Bergbauschäden in Mönchengladbach.

Nachtrag: Begraben in Garzweiler II ist leider nicht mehr neu lieferbar.


MG Relevant: Veilchendienstag gibt Laut

Mönchengladbach, unter den Karnevalshochburgen die einzige, die nicht am Rosenmontag, sondern am darauf folgenden Veilchendienstag zieht, wird gerne mal unterschlagen. Hauptsächlich, weil die großen Fernsehsender der region alle in Köln sitzen (RTL, WDR…), wo man noch nie davon gehört hat, dass der Dienstag zwischen Rosenmontag und Aschermittwoch auch einen Namen hat.
Nun leidet der Gladbacher Straßenkarneval aber auch darunter, dass er gewöhnlich wenig interessante Wagen hat. Ich meine, sie sehen hübsch aus, aber anders als etwa in Köln und Düsseldorf ziert sie nur selten eine Aussage – der Gladbacher Karneval ist hübsch, aber unpolitisch. Man findet also im allgemeinen die Namen der Karnevalvereine auf den Wagen und dazwischen den ein oder anderen Fußballwagen.

Doch in einem für die Stadt ungewöhnlichen Fall von „So, jetzt packen wir mal was an“ hat sich das dieses Jahr dann doch leicht geändert. Und prompt gibt es ein paar auch über die Stadtgrenzen hinaus vorstellenswerte Wagen. Oder zumindest mehr Politik als sonst.
Den wagen zur Fußballweltmeisterschaft 2011 habe ich leider nicht scharf drauf bekommen (der Autofokus hat sich auf einen Ast vor mir eingestellt), dafür fange ich mit dem vielleicht kontroversesten wagen des Jahres in der Stadt an:

Ich bin eher unglücklich über den Nahost-Bezug als über das Motiv und den Satz darunter. Aber das ist jetzt nicht der Ort für diese Diskussion.

Die Rheindahlener haben ihr Flughafenthema gleich mehrfach politisiert, nicht schlecht.
Den Anfang macht die voraussichtliche Schließung des „Flughafens“ Verkehrslandeplatz Mönchengladbach (mit diversen ehemaligen Zielen von dort aus mit dem Vermerk „canceled“), die Seite ist dann ein eher normaler Themenwagen und hinten kriegen wir nochmal was zum Nacktscanner geliefert, womit man auch dem diesjährigen Zugmottot („Klamotte maake Lüüt“) genüge getan hat:



Lustigerweise folgte diesem gleich der Wagen der AirBerlin:

Nicht weit dahinter der (erste) Wagen zur Koalition: Die Gladbacher Schildkröte mit abgeschlagenem schwarzen Kopf und einer Ampel als Ersatz. Der Kopf ist neu, der Körper hat immer noch die selben Stummelbeine.

Der Wagen stammt übrigens aus einem Designwettbewerb der Rheinischen Post. Die hat auch selber Koalitionen thematisiert und bringt den wohl selbstironischsten RP-Wagen aller Zeiten (Absicht?). Wobei das bei den Düsseldorfern, von denen der Wagen offenbar stammt (vermute ich mal wegen dem Funkturm), nicht ganz so schlimm ist wie hier in MG.

Etwas weiter hinten findet sich noch ein Ampelwagen: Die Junge Union Mönchengladbach kommt mit einem umgebauten Baucontainer daher, mit der bestenfalls halbwegs originellen Beschriftung „Zu schnell für jede Ampel“. Lustig ist das nur, weil der Wagen sich wie alle anderen mit ca. 5 km/h vorwärts bewegt – und die Ampel 23 Plätze weiter vorne vorwegfährt. Als Schildkröte! Pepp ist was anderes.
Hätte funktioniert, wenn die JU den Wagenplatz direkt vor der Ampelschildkröte bekommen hätte. Aber auch dann nur aus Zufall.

Nächstes mal mehr anstrengen, bitte, ist ja peinlich…

Einfach nur Pech hatte der Guido/Merkel-Wagen.
„Minister für Äusseres“ ist so herrlich subtil und dann sehen wir einen Westerwelle auf merkels Dekolleté fliegen – was funktioniert, bis man merkt, dass der doch schwul war. Naja, dumm gelaufen.

Und noch ein letzter Ampelwagen: Das Ömchen strickt dem Wasserturm Mönchengladbach eine neue Mütze aus rot-grün-gelber Wolle.

Bleibt zu hoffen, dass der Gladbacher Karneval weiter daran arbeitet, mehr als nur eine Wagenparade zu sein und sich öfter mal traut, auch Themen anzupacken. Teils aber auch bitte mit mehr Biss, das ist teils doch noch recht lahm. Wobei, wir haben halt keinen Jacques Tilly hier, der mal eben 5 Themenwagen pro Jahr baut, jeder davon ein Highlight.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Die Quantität stimmt schonmal: Geschätzte 5-6 km Zug sind ordentlich. Und auch an Internationalität mangelt es nicht: Neben Musikern aus den Niederlanden fuhr auch ein Wagen des Spreewaldhofs mit, dessen Besatzung mit Gurken um sich warf.


Filmabend III: Мама для мамонтенка

Diesmal ein wunderhübscher kleiner Trickfilm aus der Sowjetunion um ein kleines Mammut, das in der Arktis auftaucht und seine Mama sucht.


Plattgefahrene Grottenolme

Axolotl. Hat die Natur eigentlich jemals ein niedlicheres Amphibium erschaffen als das Axolotl?
Da ich schonmal ein Axolotl gesehen habe, dessen hintere Hälfte das Mittagessen einer Schildkröte geworden war, habe ich auch eine ungefähre Vorstellung davon, wie Axolotl Roadkill aussieht. Hauptsächlich ein kleiner Haufen zermanschter Organe. Niedlicher zermanschter Organe.

Womit mir schonmal klar ist, wieso der gleichnamige Roman (Niedlicher zermanschte Organe Axolotl Roadkill) so heisst. denn es entspricht ziemlich genau dem, was mit ihm passiert.
Aber nacheinander, in Phasen:

1. Axolotl

Süß, oder?
Also: Es kommt eine junge Autorin und schreibt ein Buch. Dieses Buch ist pseudointellektueller Müll genau das, was die Feuilletons gerne sehen, wenn sie sich nicht grade ein völlig bescheuertes Wort als Eigenbezeichnung ausdenken (ernsthaft, war „Literatur“ nicht gut genug?). Also etwas, was bei der breiten leserschaft kaum weitere beachtung verdient, denn seien wir mal ehrlich: Die meisten in den Feuille… auf den Literaturseiten gut besprochenen Werke sind irrelevanter, gekünstelter Kram, den eh nur Literaturstudenten lesen. Sie sind der Grund für den schlechten Ruf der Literatur in Deutschland.
Aber nunja: Das Buch wird also hochgefeiert, verkauft sich (im Normalfall ungelsen) in die Regale der Möchtegern-Gebildeten und bekommt ein-zwei bedeutend genannte Preise.
So läuft der Hochliteratur-Teil des Buchverlagswesens.
Dass die Autorin erst 17 ist und dennoch gestelzt gebildet und hochnasig angeberisch kryptisch-intellektuell zu schreiben vermag, verhilft ihr zu etwas mehr Hype als normalerweise. dennoch gilt: Niemand ausserhalb der Literaturseiten beachtet sie und wenn doch, dann eher negativ (siehe jene wenigen Kritiken auf amazon.de, die älter sind als der Kopier-Skandal).

2. Noch ein Axolotl

Doch zur Rettung eilt da auch schon der Skandal!
Das Axolotl Buch ist nämlich ein Klon Plagiat! Zack, schon hat man einen Skandal, der die Presse und Blogosphäre durchzieht, das Buch bekannt macht und es auf Platz 1 der Verkaufscharts katapultiert.
Und jeder deutschsprachige Blogger des Planeten, mich offensichtlich eingeschlossen, macht den Scheiss mit.
Ja, so funktioniert Marketing – mit Skandalen macht man Kohle.
Das Buch wird ein Hit, die Autorin reich und die Zeitungen können plötzlich die Rolle wechseln und opportunistisch die Kopiererei verteidigen, die sie sonst so verurteilen, sobald es um ihre eigenen Texte geht. Was aber ehrlicher ist in einer Zeit, in der Tageszeitungen zu 95% aus abgeschriebenen Agenturmeldungen und Pressemitteilungen bestehen.
Und die Blogger dürfen mal wieder so richtig tief ins besserwisserische Klohaus ihrer eigenen Existenz greifen und Dinge sagen wie „War doch klar, das hätte eine 17-jährige nie schreiben können!“ Das allerdings offenbart mehr über Menschenbild und Vorurteile der Schreiber als über 17-jährige – eine 17-jährige kann theoretisch über so ziemlich alles schreiben, über das auch eine (sagen wir mal) 34-jährige schreiben kann. Ausser vielleicht das Ausfüllen von Steuererklärungen. Wieso auch nicht?
Mir unterdessen wird klar, dass ich da grade den wohl selbstreferenziellsten Absatz meines Lebens geschrieben habe, weil ich grade besserwisserisch über besserwissende Besserwisser herziehe.
Für die Blogger ist es aber auch ein interessanter Lesermagnet und so ergibt sich eine positive Rückkopplung dergestalt:
Skandal zieht Leser an -> Skandal wird publik -> Publiker Skandal zieht noch mehr Leser an -> Skandal wird noch publiker
Das nutzen Blogger dann teilweise in schon abstrus anmutenden beiträgen über die (bei großen Skandalen völlig normale, siehe Zensursula) plötzliche Vervokabularisierung des Namens der Autorin, bei denen mein Linguistikstudium nur mit hängenden Kopf zu schniefen anfängt.

3. Plattgefahrene Grottenolme
Nein, kein Bild diesmal.
Das Ende der Geschichte bleibt abzuwarten. Einige erwarten eine Revolution unserer Ideen vom Urheberrehct, andere das Ende der Karriere von Helene Hegemann.
Naja – das Thema wird zum Jahresende niemanden mehr interessieren und wenn Hegemanns Karriere enden sollten, dann wegen ihres literarischen Niveaus. Wahrscheinlicher ist aber, dass „Such das Plagiat“ bei ihren Romanen eine Art Volkssport (naja, Feuilletonistensport) wird. Und das Buch selbst ist dabei unter die Räder gekommen und liegt jetzt als besagter Organhaufen auf dem Seziertisch in der schule – was bei einem Buch das beste ist, was ihm passierne kann, verkaufstechnisch gesprochen.
Wenn Helene hegemann indes marketingtechnisch so gut ist, wie es aktuell scheint, kann ihr das dann aber egal sein, weil sie mit den Millionenauflagen von Axolotl Roadkill reich genug ist, alles zu schreiben, was sie will. Wobei, das wiederum ist oft eine Voraussetzung für das Verfassen von Büchern, die tatsächlich gut sind.
Als Beispiel für die letzte These: Ich halte Die Blechtrommel für Grass‘ mit Abstand schlechtesten Roman – aber er hat den Weg freigemacht für den Rest von Grass‘ Werk. Den halte ich zwar auch nicht für gut, aber immerhin für um Längen besser als sein skandalträchtiges Debüt.

PS: Technisch gesehen sind Axolotl Tigersalamander, keine Grottenolme. Aber Grottenolme sind ihnen optisch ähnlicher und haben einen viel lustigeren Namen als Tigersalamander. Versucht mal, „Olm“ zu sagen, ohne dabei völlig bescheuert auszusehen.
PPS: Okay, das muss noch:


Petitiamstag XLVIII

Typisch, kaum verlege ich den Petitionnerstag auf den Samstag, verpasse ich den Samstag. Wenigstens kann ich sagen, konstruktiv gewesen zu sien, aber dazu in den kommenden Tagen und Wochen mehr.
Nun aber zu den – überraschend wenigen – Petitionen der vorkarnevalistischen Woche 2010:

Kerosinsteuer

Man möge beschließen, dass das Kerosin für gewerblich operierende Luftfahrtunternehmen besteuert wird!

Alte grüne Forderung, mehr muss ich dazu wohl nicht sagen. Ja, das Fliegen würde dann teurer – das ist der Sinn der Sache!

Gesetzliche Regelung von Zusatzbeiträgen in der GKV

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …durch gesetzliche Regelungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Z u s a t z b e i t r ä g e zu verhindern.
a) die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise entstehenden Einnahmeausfälle des Gesundheitsfonds vollständig in Form eines Zuschusses des Bundes auszugleichen
b) für ALG-II-Bezieherinnen und -Bezieher angemessene Krankenversicherungsbeiträge pro Mitglied und Monat zu zahlen

Oh, Geld an die, die es wirklich brauchen. Das wäre in unserer aktuellen Bundesregierung mal eine echte Revolution.
An dieser Stelle übrigens Grüße an die FDP-Wählerschaft! Wie geht’s so? Zufrieden?

Höherer Steuerfreibetrag für SchiRis

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass Aufwandsentschädigungen für Schiedsrichter im Amateurbereich nicht mit 500 Euro/Jahr als steuerfrei gelten, sondern an den Steuerfreibetrag der Übungsleiterpauschale von 2.100 Euro/Jahr angeglichen wird.

Schiedsrichter! Von allen obskuren Lobbygruppen, warum ausgerechnet Schiedsrichter?
Nun zu den Fakten: SchiRis verbringen vermutlich wesentlich weniger Zeit auf dem Feld als Trainer. Andererseits sind 500 € schon nicht viel. Einigen wir uns auf 1.000 €?

EEG-Vergütung nur als Angleichung an fossile Energien senken

Der Bundestag möge zur Beschleunigung des Umstiegs auf Erneuerbare Energien und zur Vermeidung volkswirtschaftlicher Fehlinvestitionen in veraltete fossil/nukleare Technologien eine Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetz beschließen: Die Höhe der Solarstromvergütung soll nur dann um jährlich mehr als 5 Prozent gesenkt werden, wenn die Rendite der Anlagenbetreiber die in der fossil/nuklearen Energiewirtschaft üblichen Renditen zuzüglich der Klimaschaden- und Entsorgungs-Folgekosten übersteigt.

Oh, die ist schöööön. Gut kaschierter Angriff auf den Lobbyismus der hoch subventionierten alten Energieträger, die den alternativen Energien gerne ihre hohe Subventionierung vorwerfen. Handwerklich attraktiv.

Mehr Geld für Berufsbetreuer

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass die Vergütung und der Auslagenersatz für Berufsbetreuer deutlich erhöht wird gemäß des Vormünder- und Betreuervergütungsgesetzes (VBVG).

Einer jener Berufsstände, die sich eine Erhöhung wirklich verdient haben. Wir sprechen hier von einem Knochenjob mit zunehmend steigendem Bedarf aufgrund des demografischen Wandels.

Kindergeld nur bis 60.000 € Jahreseinkommen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …Das das Kindergeld auf ein Jahreseinkommen von 60.000EUR beschränkt wird.

Großverdieneern die Begünstigungen zu streichen, wiel sie eh genug Geld haben, ist kein schlechter Ansatz. Streiten müsste man sich noch über die Einkommenshöhe, die als Grenze angepeilt wird.

Abschaffung des Meisterzwangs

Der Deutsche Bundestag möge beschließen … die gesetzliche Regelung in Deutschland, die es teilweise nur Meistern und gleichgestellten erlaubt, handwerkliche Betriebe zu führen zu überprüfen und den Meisterzwang abzuschaffen.

Das ist eine alte Diskussion, die aufzumachen mE nicht lohnt. Die Meisterlobby streitet gerne dagegen, die Politik hat die Liste der Meisterberufe zuletzt unter rot-grün verkürzt. Im Endeffekt wird der Meister mittelfristig eh abgeschafft.

Änderung der Semesteranrechnung in der studentischen Krankenversicheurng

Man möge beschließen, dass die Anrechnungskriterien der Fachsemester bei der studentischen Krankenversicherung geändert wird!

Der Petent will, dass unvollständige letzte Semester nicht mehr als ganze Semester gezählt werden.
Warum, ist mir schleierhaft, denn dadurch kann man etwas länger in der günstigeren studentischen KV verbleiben. Zumal eine andere regelung überaus unüblich ist und Bürokratieaufwand ohne Ende bedeutet – deshalb bekommt man z.B. auch die Studiengebühren nicht mehr zurück, wenn man auch nur einen Tag im neuen Semester noch eingeschrieben war.

Verbot chinesischer Pelztiere

Der Deutsche Bundestag möge beschließen…
Tierhäutung am lebendigen Leibe: Um die entsetzlichen Qualen der Marderhunde in China zu beenden, ist es nötig, das EU-Importverbot auf alle chinesischen Pelztiere auszuweiten.
Das bestehende Importverbot für asiatische Pelztiere wie Hunde, Katzen oder Kaninchen in der EU ist unzureichend. Dieses Verbot betreffe z.Zt. noch nicht die Marderhunde und andere Pelztiere. „Die bisherige EU-Importregelung ist daher ungenügend“ und muss erweitert werden.

Mir ist nicht klar, wieso es ein spezifisches Verbot einzelner Tierarten als Pelztiere gibt. Andererseits betrifft dies offenbar die Europäische Union, nicht den Bundestag. Also mal wieder: Falsches Gremium. Leider.

Jährliche Visastatistik

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass die Bundesregierung jährlich für das abgelaufene Jahr jeweils eine Statistik zu Visaanträgen in der Auslandsvertretung (Botschaft) der Bundesrepublik Deutschland zu veröffentlichen hat. Insbesondere soll diese folgende Daten je Auslandsvertretung beinhalten: Visaanträge, Ablehnungen, Remonstrationen, Abhilfe, Klagen, Klagenstattgaben,

Ich verstehe nicht ganz, wozu das gut sein soll.

Windanlagenmindestabstand zu Wohnbebauung

Der Deutsche Bundestag möge beschließen:

Verbindliche Mindestabstände zur Wohnbebauung für die neue Generation von Windkraftanlagen auf der Grundlage neuester Schallimmissions-Untersuchungen. Windkraftanlagen müssen mindestens 1500 m Abstand von der nächsten Wohnbebauung haben und es muss mindestens ein Abstand der 10-fachen Gesamtanlagenhöhe eingehalten werden.

Eine typische Manifestation von „nicht in meinem Hintergarten“ und auch kontraproduktiv bzw. veraltet, da inzwischen viele Entwickler die Herstellung von Windkraftkleinanlagen vorbereiten, die man sich aufs Dach setzen kann.


Wissenschaft entkindergärtnern

Einer der Punkte, die mich in der Linguistik immer wieder stören, ist der Dogmatismus in den randbereichen der Forschung.
Nicht, dass das in anderen bereichen anders wäre, abe rin der Linguistik bekomme ich es nunmal direkt aus erster Hand mit. Es lässt mich manchmal verzweifeln. Und ab und an gibt es dann doch Forschungsergebnisse, die diesen Dogmatismus aufzubrechen vermögen. Zwei solche Ergebnisse möchte ich in diesem Beitrag einmal vorstelen:

Ausbreitung verringert die Komplexität von Sprachen
Das Ergebnis einer amerikanischen Studie ist durchaus interessant: Laut dieser (hier schreibt Telepolis drüber) konnte festgestellt werden, dass die Komplexität einzelner Phänomene wie der verbflexion deutlich sinkt, je weiter eine Sprache verbreitet ist.
Das ist interessant, weil in der Sprachwissenschaft das Dogma gilt, dass keine Sprache komplexer sei als die andere. Eine Aussage, die vollkommen absurd ist, wiel wir gar keine methode haben, die Komplexität einer Sprache zu messen. Dazu kann diese Studie ein Ansatz sein.
Das Dogma der gleichen Komplexität von Sprachen ist hauptsächlich einpolitisches (Political Correctness). Da man niemanden diskriminieren soll, vermeidet man von Anfang an, Forschungsergebnisse zu erhalten, die als diskriminierend angesehen werden könnten. Angesichts der ausgiebiegen, oft nationalistisch behauchten Debatten im 18./19. Jahrhundert zu eben der Frage der Komplexität verschiedener Sprachen verständlich, aber dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn wenig zuträglich.
Das geht sehr weit: Auf die Frage, ob Gebärdensprachen einfacher seien als gesprochene, bejahte ich das einmal hypothetisch im Kurs, da Gebärdensprachen in der Regel jünger sind und somit noch nicht so viel historischen Ballast entwickelt hatten wie etwa das von Unregelmäßigkeiten durchsetzte hochdeutsch. Diese eigentlich positive Bewertung wurde – ohne irgendwelche Nachweise – zurückgewiesen. Das Thema wird noch nicht einmal erforscht, weil der Ansatz angeblich von vorneherein absurd ist – was aber nie festgestellt wurde, ist ist einfach so festgelegt.

Bienensprache komplexer als gedacht
Die Tanzsprache der Bienen ist ein klassisches Beispiel dafür, dass Tiere keine „richtige“ Sprache beherrschen. Es gehört zu den letzten Bastionen der Menschheit, wie sie sich für etwas besseres als andere Tierarten halten kann. Nie würde ein Linguist sich herablassen, nichtmenschliche Tiere zu untersuchen. Dafür braucht es Fachfremde – Biologen, Ethologen, deren Ergebnisse dann aufgrund ihrer Fachfremde verrissen werden können.
Und diese Idee bröckelt – zuletzt ausgerechnet bei den Bienensprachen. Man muss das gelesen haben, um es zu glauben: Erst nach 3000 Jahrne Honigbienenhaltung lernen wir, dass die Bienensprache die Möglichkeit enthält, dass andere Bienen der tanzenden Biene, die grade eine Nektarquelle beschreibt, widersprechen können. Die Bienentänze kannte schon Aristoteles – und wir verstehen erst jetzt eine seiner zentralen Komponenten, von der wir zuvor nicht einmal wussten, dass sie existiert.
Und letzten Juni fand man heraus, dass Bienen Fremdsprachen lernen können.
Was haben wir da bloß noch alles übersehen?

Und was lehrt uns das?
Die Welt hält sich nicht an unsere Wünsche, wie wir sie gerne hätten.


Diese Musikeinlage holt's sich zurück

Hach, Repo! The Genetic Opera.
Was für ein großartiger, vollkommen übersehener Film. Ich habe ihn vor einigen Wochen zufällig über die „Ähnliche-Videos“-Spalte bei Youtube gefunden und fand, begeistert von dem so gefundenen Ausschnitt, eine DVD auf amazon.de (Werbung links).

Kurz zum Film: Repo! ist eine Rock-Oper im Jahre 2057: Organausfälle sind zur Epidemie geworden, die Zivilisation wäre fast untergegangen. Da trat der Konzern GeneCo auf den Plan und lieferte künstliche Ersatzorgane, die auf Kredit finanziert werden konnten. Daneben erfand GeneCo Zydrate, ein extrem wirkungsvolles Schmerzmittel, mit dem Operationen ohne Betäubung vorgenommen werden konnten.
Plastische Chirurgie und künstliche Ersatzorgane wurden zum normalen Bestandteil einer neuen Kultur, in der der eigene Körper zum Modegut wurde.
Aber GeneCo war immer noch ein Wirtschaftsunternehmen und als solches daran interessiert, seine Investitionen zurückzubekommen. Der Konzern ließ ein gesetz beschließen, welches es legalisierte, Organe säumiger Kunden zurückzuholen – aus dem Kunden!
Diesen Job erledigt der Repo Man.

Der Film dreht sich hauptsächlich um die Entwicklungen zwischen GeneCo-Chef Rotti Largo, seinen drei Kindern (Pavi, Luigi, Amber), Nathan/Repo Man, seiner Tochter Shilo und der mit künstlichen Augen ausgestatteten Opernsängerin Blind Meg.
Der Film ergeht sich nicht in Kitsch, dafür in einer überzogen verrotteten Darstellung der Menschheit. Dekadent, brutal, düster ist die Gesellschaft einer Zukunft, in der der repo Man zwar ein extrem, aber keineswegs ein Fremdkörper ist. Andererseits ist es erfrischend, einen Film zu sehen, der seine Charaktere so konsequent zeichnet und sie zu keinem Zeitpunkt schont.

Und nun zur Musikauswahl.

Das erste, was ich von dem Film gesehen und gehört habe ist Let the Monster Rise, einer der entscheidenden Wendepunkte im Film:

Recht früh im Film ekrlärt Nathan, was er ist:

Im Trailer fand die Oper aus dem Filmtitel Verwendung, die den Höhepunkt des Films einleitet und den Film, der hauptsächlich die Welt hinter den Kulissne zeigt, mit einer Darstellung der Oberfläche dieser Welt bricht:

Und der Abschlusssong. Hört sich an wie ein klassisches Happy Ending, hört sich aber auch nur isoliert vom restlichen Ende so an. Es ist mehr ein Lichtschimmer in einem unglaublich düsteren Film:

Die oben verlinkte DVD ist englisch mit deutschen Untertiteln. So, wie ich meine Musicals mag: Im Originalton.


Filmabend II: Kiwi

Kiwi war ein Abschlussfilm an der School of Visual Arts in New York.


Petitiamstag XLVII

So, der Petitionnerstag wird ab sofort aus zeitlichen Gründne zum Petitiamstag umgewidmet und findet entsprechend jeden Samstag, nicht mehr jeden Donnerstag statt. Vulgo: Ich hab donnerstags zu oft zu viel zu tun.
Nunja, dann machen wir sonst mal weiter wie eintradiert:

Zunächst noch eine Durchsage des Petitionsausschusses:

Am 22. Februar berät der Petitionsausschuss ab 13:00 Uhr zwei Petitionen zum Thema Internetsperren in einer öffentlichen Sitzung. Nähere Angaben folgen.

Eine „gute“ Nachricht gibt es auch zur Funktion der Petitionen als Inspiration für die „normale“ Politik: Ursula von der Leyen will eine Petition von vorletzter Woche durchsetzen. Leider ist es die zur Umbenennung von Hartz IV.
Merke: Je größer der Unfug, desto höher die Chance auf Übernahme.
So, jetzt aber zu den Petitionen selber:

Kindergeldeigenantrag

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass kindergeldberechtigte Kinder mit eigenem Wohnsitz selbstständig Kindergeld beantragen können.

Spricht für sich selbst.

Begrenzung von Größe und Gewicht neuer LKW

Der Deutsche Bundestag möge beschließen : angesichts der finanziellen Folgen wegen Beschädigungen an Straßen, Brücken, Bahnübergängen sowie der Steigerung der Umweltschäden bei steigendem Güterverkehr mittels Lastwagen wird die Zulassung von längeren und/ oder schwereren als den heute zulässigen Lastkraftwagen verhindert, „TEST“-Untersuchungen auf öffentlichen Verkehrswegen sind deshalb abzubrechen.

Anpaasung der Mietsätze in Hartz IV

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, die bisher bestehenden Mietobergrenzen bei Hartz IV, an die aktuellen Mietspiegel der jeweiligen Kommunen anzupassen!

Einfach dringend nötig.

Klimazoll

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene für einen Klima-Zoll einsetzt. Dieser Zoll soll auf die Importe aus Ländern erhoben werden, die keine ernstzunehmenden Anstrengungen zum Schutze des Weltklimas unternehmen. Ein Klima-Zoll schafft außerhalb Europas Anreize, Klimaschutz umzusetzen. In Europa schützt er Unternehmen, die die Mehrkosten klimapolitischer Verantwortung tragen, vor der Konkurrenz klimapolitischer Verantwortungslosigkeit.

Könnte effektiv sein, auch wenn die halbe Welt sich drüber ärgern wird. Aber ärgern ist im Klimaschutz manchmal einfach nötig, sonst passiert gar nichts.

Alkohol (Ethanol) ins Betäubungsmittelgesetz

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass Ethanol, soweit er der Herstellung alkoholhaltiger Zubereitungen zum Zwecke des Genusses dient, in Anhang II des Betäubungsmittelgesetztes (BtMG) aufgenommen wird. Sofern keine Alternativen zu Ethanol existieren und das Endprodukt nicht für Genusszwecke geeignet ist, sollte die industrielle Verwendung von Ethanol nur durch Genehmigung, über die im Einzelfall behördlich entschieden wird, ermöglicht werden.

Eine von meines Erachtens zwei Möglichkeiten: weiche Drogen legalisieren oder Alkohol zumindest gleichbehandeln.

Bessere Aufsicht über GEMA & Co.

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, die Bundesregierung, vor allem das Justizministerium, aufzufordern, die Staatsaufsicht gegenüber den Verwertungsgesellschaften wie GEMA, VG Wort und den anderen endlich konkret wahrzunehmen.

Ich bezweifle, dass das zu etwas führt, aber nunja…

Höhere Rentenanwartschaften aus Hartz-IV-Zeit

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass die Rentenanwartschaften für Hartz IV Empfänger deutlich erhöht wird

Aktuell beträgt die Anwartschaft aus Hartz-IV-Zeit 2,09 € pro Monat. Da davon keiner leben kann, führt das dann dazu, dass diese Leute auch im Alter von zusätzlicher Hilfe abhängig bleiben, die aber mit höherem Verwaltungsaufwand und daher teurer läuft.

Öffentlichkeit von Gesellschafterlisten

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …

§ 166 HGB wird ergänzt um einen Absatz 4, in dem jedem Kommanditisten das Recht gegeben wird, von der Geschäftsführung die Herausgabe einer Gesellschafterliste oder im Falle eines Treuhandkommanditisten des Treugeberregister zu verlangen.

Was das bringt: Keine Ahnung, ehrlich gesagt.

Blumenpalettenpfand

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …Abschaffung der Blumenpaletten aus Kunststoff zugunsten eines Bepfandungssystems!

Äh, ja. Kanonen, Spatzen etc.

Berücksichtigung von Kinderkosten bei der Einkommenssteuer

Berücksichtigung der Kinderkosten bei der Lohnsteuer, den Sozialabgaben und der Verbrauchssteuern als echten geldwerten Betrag und Ausrichtung der Soziallasten an der Leistungsfähigkeit

Durchaus vernünftig.

Leichtere Sicherheitsverwahrung

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass es der Justiz leichter gemacht wird, eine nachträgliche Sicherungsverwahrung für Gewaltverbrecher auszusprechen.

Noch unspezifischer und da steht nur „bla“.

Gebührenermäßigung bei Beweismittelverwerf

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass eine Gebührenermäßigung für Verwerfung eines Rechtsmittels in dem Kostenverzeichnis des Gerichtskostengesetzes festgesetzt wird.

Okay, davon hab ich keine Ahnung…

Was mit Taxis

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, § 13 Abs. 4 Personenbeförderungsgesetz wie folgt zu ändern: „… beim Verkehr mit Taxen ist die Genehmigung zu erteilen, nachdem die Verkehrsbehörde die fachlichen, materiellen und charakterlichen Eigenschaften des Antragstellers zur Betriebsführung geprüft hat.“ Der Zusatz „… beim Verkehr mit Taxen ist die Genehmigung zu versagen, wenn das örtliche Taxigewerbe in seiner Funktionsfähigkeit bedroht wird.“ wird ersatzlos gestrichen.

Taxifahrer bitte melden, um mir das zu erklären.

Ich bitte zu entschuldigen, falls der dieswöchige Petitiamstag etwas dahingeschludert erscheinen sollte. Ich schreibe ihn praktisch nebenbei während ich auf der Landesdelegiertenkonferenz der Grünen zuhöre – über inzwischen 4 Stunden.
Da sag noch mal einer, Männer können kein Multitasking.


Die Vernunft ist der Feind: Schürenweg

Die Diskussion um den Schürenweg in Mönchengladbach ist ein Meisterstück in Sachen Absurdität. Offenbar will der zuständige Verwaltungsbereich hier keine Verbesserung, jedenfalls kann ich mir sonst keine Erklärung für die Verzweiflung vorstellen, mit der hier offenbar nach Argumenten gesucht wird.
Und dabei war ich nur bei zwei Sitzungen zum Thema überhaupt dabei.

Hier meine (vorläufigen) Top 5 der absurdesten Argumente und Vorgänge zum Thema Schürenweg:

5. Es geht nicht
Einfach nur drin, weil es fiel und so grundsätzlich immer albern ist.

4. Die Abstimmung
Es stand ja schon in der Zeitung: Die Opposition stimmte in der Bezirksvertretung Nord für den spontanen CDU-Antrag auf eine probeweise Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf dem Straßenzug des Schürenwegs, die Ampel enthielt sich.
Zum Glück wusste die anwesende Interessengemeinschaft Schürenweg recht klar, was da los war: Die Ampel enthielt die einzige Partei, die sich klar gegen die IG stellte. Diese musste ihr Gesicht wahren und so kam es zu einer Enthaltung der Ampel.
Da aber alle anderen für den Antrag gestimmt hatten, war diese Enthaltung eine Zustimmung – denn so war er einstimmig (mit jeder Menge Enthaltungen) angenommen. Ja, wir schaffen es sogar, Anträge durchzubringen, ohne ihnen explizit zuzustimmen. Verdammt, sind wir gut :-) .

3. Nur 2-3 Dezibel
Eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h bringe eine Lärmminderung von nur 2-3 Dezibel, hieß es zuletzt.
Worauf aus dem Publikum der klare Zwischenruf kam „Das reicht uns doch schon!“ – denn das ist nicht eben wenig, da Dezibel keine lineare Maßeinheit sind. Wir haben es hier fast mit einer Halbierung des Lärms zu tun. Hinzu kommt, dass uns bei anderen verkehrsberuhigungen immer erzählt wird, dass 2-3 dezibel Lärmminderung ein veritables Ziel seien – seltsam.

2. Neoliberale Theorie der Staudynamik
Gleich zu Anfang seines Berichts am vergangenen Mittwoch abend brachte Jörg Clages von der Stadtverwaltung ein… interessantes Argument.
Die Kapazitäten des Straßenzugs seien so gut wie ausgelastet und spätestens mit der Fertigstellung des Großkrankenhauses Franziskus würden diese erreicht. Es gibt auch Belastungsspitzen, die wohl einer zeitweisen Überlastung gleichkommen.
Doch nun kommt es: Die Probleme sollten sich in Zukunft stabil halten und nicht mehr weiter wachsen, weil – festhalten – die Kreuzungen nicht mehr Fahrzeuge aufnehmen könnten und der sich daraus ergebende Stau abschreckende Wirkung habe, was einen weiteren Verkehrszuwachs verhindere.
Das ist doch mal ein kreativer Vorschlag zur Verkehrsregelung: Gezielter Verkehrskollaps zur Verkehrsreduzierung.
Auf meine Nachfrage, ob er dies ernst meinte, antwortete Clages auf der Sitzung der BV Nord nicht.

1. TomTom geht in die Politik
Der Spitzenreiter ist etwas älteren Datums und stammt bereits aus der letzten Sitzung der alten Bezirksvertretung Stadtmitte. Wir erinnern uns: Die Bezirke Stadtmitte und Hardt wurden im November zum Bezirk Nord zusammengelegt, daher der Namenswechsel.
Nun aber zur damaligen Aussage der Verwaltung. Es ging um ein Durchfahrtverbot für LKW auf dem Straßenzug.
Da durften wir (ich war damals noch Gast) uns tatsächlich anhören, dass dies aussichtslos sei, da die LKW ohnehin nach den Daten der Navigationsgeräte fuhren und die Hersteller solche Änderungen nicht ausreichend zeitnah, wenn überhaupt, in ihre Geräte einspeisten.
Merke: An fehlerhaften Navi-Daten sind nicht die Hersteller schuld, sondern jene, die einfach so unverschämterweise neue Verkehrsregelungen einführen. Nach der Herangehensweise kann man auch gleich den Bau neuer Straßen verbieten, schließlich sind die Navis-Hersteller nicht schnell genug, diese in ihre Karten aufzunehmen…