2. Werkstattbericht zu den Aasgeiern

Es geht inzwischen etwas langsamer voran (aktuell 32 Seiten), aber das ist nicht verwunderlich, weil ich das erste Kapitel aus einer Inspiration heraus fast am St√ľck geschrieben habe, w√§hrend ich beim Rest jetzt mehr handwerkliches tun muss. Ausserdem geht es aufs Ende des aktuellen Ratszuges zu, da gibt es mehr Sitzungen und politische Arbeit, die Zeit kosten.

Dennoch möchte ich auch diese Woche kurz enen Aspekt in dem Buch beleuchten Рden Ishmael. Was ist er und warum habe ich ihn gewählt?

Der Ishmael
Benannt ist der Ishmael nach dem Erzähler in Moby Dick. Ein Ishmael ist eine Figur, die in der Geschichte zwar die zentrale Position, meist als Ich-Erzähler, annimmt, tatsächlich aber nur eine Nebenfigur ist.
In Moby Dick etwa erzählt Ishmael zwar, aber mit zunehmendem verlauf der Geschichte werden andere Figuren Рallen voran Ahab. TV Tropes hat eine lange Reihe von Beispielen.
Ich persönlich kenne neben Moby Dick nur Final Fantasy XII und Deadly Creatures. Viele Figuren von Franz Kafka sind wohl in einer ähnlichen Situation.

Nun habe ich f√ľr Aasgeier einen Ishmael als Hauptfigur gew√§hlt: Boris.
Die Geschichte in Aasgeier stellt ein geschwisterpaar in den Mittelpunkt, den 9-jährigen Boris und seine 13-jährige Schwester Jana. Dabei stellt Boris den Ich-Erzähler.
Ein Ishmael ist er, weil er zwar am Geschehen beteiligt ist, aber nicht so aktiv wie seine gro√üe Schwester. dabei nehme ich seine Perspektive aus mehreren Gr√ľnden als hauptperspektive:
1. Er ist ein Junge. Ich schreibe ungerne aus weiblichen Perspektiven aus Angst, zu klischeehaft zu werden.
2. Jugendb√ľcher und die Liebe. Offenbar erwarten Verlage bei Jugendb√ľchern grunds√§tzlich immer eine Liebesgeschichte. da ich sowas (Liebesgeschichten) selber nie gelesen habe, schreibe ich es auch nicht. Erst recht nicht aus weiblicher Perspektive (siehe 1.) – um den Verlagen aber einen Gefallen zu tun und weil auch viele Leser das wollen gibt es dennoch ein M√§del, dass sich auch verknallen darf, nur halt nicht zu ausf√ľhrlich.
3. Watson-Effekt. Boris ist als j√ľngerer noch st√§rker den elterlichen Werten verbunden als seine pubertierende Schwester. Damit kann er in einigen Fragen sehr gut Mehrheitspositionen vertreten, zu denen seine Schwester dann die Gegenseite darstellt. Da diese Mehrheitspositionen wiederum n√§her an denen der Leser sein d√ľrften (weil Mehrheit), bietet er sich als Identifikationsfigur an. Auch ist er als j√ľngerer der beiden eine gute Figur, √ľber die man Fragen stellen kann, weil er weniger Schulbildung hinter sich hat und j√ľngere Kinder grunds√§tzlich als neugieriger gelten.

Ich finde den Ishmael eine sehr angenehme Erzählperspektive.
Er erleichtert als Ich-Erzähler die Identifikation mit den Figuren in der Geschichte, wird aber selber nicht zu stark durch seine eigenen Taten vom Geschehen um ihn herum abgelenkt. Dennoch kann er, wenn nötig, eingreifen oder widersprechen.
In diesem speziellen Fall stellt er auch eine Hierarchie der Figurenkenntnis her: Sich selbst kennt er am besten, seine Schwester bereits seit seiner Geburt, die anderen Kinder in der Geschichte sind ihm neu (die Familie ist grade erst umgezogen) und die Welt des Tagebaus ist ihm v√∂llig fremd. Das wirkt sich nat√ľrlich darauf aus, wie viel Verst√§ndnis er jeweils hat, beziehungsweise wie sehr ihn etwas interessiert.

Die Namen Boris (von Borislaw, russisch: K√§mpfer) und Jana (von Johannes, hebr√§isch: Gott ist gn√§dig) haben √ľbrigens nichts weiter zu bedeuten, Ich habe die Bedeutungen erst sp√§ter ergoogelt.

PS: So viele Gedanken wie √ľber Aasgeier habe ich mir √ľbrigens noch nie √ľber die Konstruktion eines Buches gemacht. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen.


Andreas Wurff – Ein Eindruck

Das ist Andreas Wurff, der gr√ľne Kandidat und aussichtsreichste Bewerber f√ľr das Amt des baudezernenten in M√∂nchengladbach.

Am Montag durften sich die Fraktionen der Gr√ľnen, SPD, CDU und FDP und am Dienstag jene der Linken von dem Mann √ľberzeugen. Das Echo bisher ist aus dem gesamten politischen Spektrum erfreulich positiv.
Der Mann hat Erfahrungen aus einer Vielzahl von Kommunen (Dresden am einen, Nagold bei Calw am anderen Ende der Gr√∂√üentabelle) und seine inhaltlichen Ans√§tze √ľberzeugen durch Realismus gepaart mit dem klaren Wilen, hier gute Arbeit abzuliefern indem er M√∂nchengladbach verbessert. Er hat einige wunde Punkte benannt und auch einige konkrete Herausforderungen der kommenden Jahre wie die Aufl√∂sung des Widerspruchs zwischen Stadtbegr√ľnung und Baudichteerh√∂hung benannt.
F√ľr mich pers√∂nlich ist erfreulich, dass er meine Ansicht vorsichtig mittr√§gt, dass es erstrebenswert (meines Erachtens sogar notwendig) sei, den Innenst√§dte von Rheydt und Alt-Gladbach deutlich verschiedene Profile zu verleihen. Auch wenn meine Formulierung, zwei identische Innenst√§dte fr√§√üen sich langfristig weiterhin gegenseitig auf, in der SPD-Fraktion f√ľr Aufruhr gesorgt hat. Auch meine Nachfrage zum Dresdner Br√ľckenstreit beantwortete er durchaus kompetent und ehrlich gesagt auch in meinem Sinne. Das andere gro√üe Dresdner Thema, der Verkauf der WOBA sah er wesentlich positiver als ich, aber es w√§re auch beunruhigend (und langweilig), w√§re er in allem mit mir einer Meinung.

Ein unsicheres Gef√ľhl bleibt im Hinterkopf, ob er nicht eventuell das erz√§hlt, was das jeweilige Publikum gerne h√∂ren will. Das kann positiv sein, wenn sich das so ausdr√ľckt, dass er ein Talent hat, auch kontroverse Themen zu „verkaufen“. Muss es aber nicht.
Nun hat aber die Findungskommission schon wesentlich länger mit ihm reden können als ich und ich vertraue dieser, womit auch Wurff von mir erstmal einen ordentlichen Vertrauensvorschuss erhält.

Unterdessen versucht die RP, Wurff als Konservativen hinzustellen.
Nachdem der Hinweis auf sein Amt in Nagold aus dem entsprechenden Artikel wieder verschwunden ist (er war dort ausgerechnet unter dem bisher einzigen SPD-OB Rainer Prewo 1. B√ľrgermeister) gilt seine Arbeit in Dresden unter einer CDU-OB immer noch. Dass er bereits 5 Jahre vor deren Wahl das Amt antrat und jetzt aus diesem entschwindet, scheint der RP nicht weiter aufzufallen. Wobei, die Mehrheitsverh√§ltnisse im rat waren zu der Zeit auch verwirrend mit etlichen Fraktionen und Stimmengleichheit zwischen schwarz-gelb und rot-rot-gr√ľn (2004-2009 je 26 Sitze).

Nein, ich bin mir ziemlich siche,r hier keinen Konservativen vor mir zu haben. Vielmehr einen Arbeiter Рnicht klassentechnisch, sondern vom Arbeitsverständnis her: er bleibt weitgehend unideologisch und macht seinen Job so gut er kann.
Das wiederum ist meines Erachtens genau das, was dieses Dezernat in M√∂nchengladbach braucht – jemanden, der sich nicht in ideologischen Grabenk√§mpfen bzw. Schnellsch√ľssen verrennt.


Tagebau-Literaturnachtrag

Letzte Woche hatte ich ja ein paar Romane um die rheinischen Braunkohletagebaue vorgestellt. dazu habe ich jetzt noch zwei kurze Nachträge aus dem englischsprachigen Teil der Welt, ein Buch und einen Film:

Zunächst mal das Buch. Darauf hat mich Kay Löffler aufmerksam gemacht, von dem der vorgestellte Roman Dorf der Wolkenmacher stammt.
Da ich das Buch nicht gelesen habe, kopiere ich einfach den Klappentext von Au√üer Kontrolle (OT: Dragline) hier r√ľber:

Das Haus war spottbillig – und es zu kaufen ein verh√§ngnisvoller Fehler. Gideon und seine Mutter sind gerade erst nach Cold Knot gezogen, einer kleinen Siedlung am Rand des Kohlereviers. Eigentlich sollte der Tagebau n√§chsten Monat eingestellt werden. Jetzt ist keine Rede mehr davon. Bei Tag und Nacht rei√üt eine gigantische Maschine die Erde auf, tyrannisiert die Gegend mit L√§rm und Staub. Gideon ist ratlos, denn seine Mutter wird immer seltsamer. Gut, da√ü sie nicht wei√ü, was f√ľr entsetzliche Dinge ihm bei seinen Streifz√ľgen begegnet sind: der schwarze Hund, der eigentlich tot sein m√ľ√üte … das Reh, dem der Kopf abgetrennt wurde … Gideon klammert sich an seinen Verstand, mit dem er bisher alles unter Kontrolle hatte. Aber es kommt der Moment, wo ihm seine Klugheit allein nicht weiterhilft.

Das Buch ist nicht leider mehr neu erhältlich.

Der Film dagegen ist noch nicht neu erhältlich: Avatar.
Wer sich den Anfang des Films anschaut sieht, dass das, was die Ureinwohner auf Pandora bedroht, ein riesiger Tagebau ist. Dort wird zwar keine Kohle abgebaut sondern Unobtanium (sic!), aber es bleibt immerhin ein Tagebau.

Avatar sollte ja allgemein bekannt sein, mein Urteil: Der Film ist gut. Nichts neues, aber gut. Oder, um es mit dem besten Beitrag zum Thema zu sagen, den ich bisher geh√∂rt habe: „Leonardo war nicht der erste, der ein Portrait einer sitzenden br√ľnetten Frau gemalt hat. Aber er hat es verdammt gut gemacht.“


Die Musikeinlage hurt!

Die Inspiration f√ľr die diesw√∂chige Musikeinlage ist der Titelsong Ain’t no Rest for the Wicked zum Videospiel Borderlands:

Und dann ist da nat√ľrlich Moulin Rouge: In dem Film geht es immerhin um die Liebe zwischen einem werdenden Schriftsteller und einer Edel-Prostituierten. Ich nehm da mal El Tango de Roxanne und Diamonds Are a Girl’s Best Friend raus:
El Tango de Roxanne


Und nat√ľrlich darf der Klassiker zum Thema nicht fehlen: Roxanne, das Original zum obigen Tango von Sting, 1979 und damals ein echter Skandalsong:


Filmabend IV: AMV Hell 1-3

Immer wieder schön: AMV Hell ist eine Serie von Ausschnitten aus (vor allem japanischen) Videos mit Musik- oder textunterlage, die das ganze komisch machen.
Nicht immer mein Humor, aber meistens eben doch. Teil 1-3 hab ich hier eingebunden, daneben gibt es noch die beiden nicht jugendfreien Nullerteile, eine Championship Edition aus einem Wettbewerb und einen mit dem sensationellen Titel AMV Hell: 4 – AMV Hell 3: The Motion Picture 2 – The Final One sowie einen f√ľnften in der Mache.




Petitiamstag XLIX

Verst√§rkte Gutachterpflicht f√ľr KGs

Der Deutsche Bundestag m√∂ge beschlie√üen …
Das HGB wird nach ¬ß 164 erg√§nzt um einen neuen Paragraphen, in denen f√ľr Gesch√§fte der Vertreter einer Publikumskommanditgesellschaft mit sich oder verbundenen Dritten eine Gutachterpflicht bzgl. Einhaltung Drittvergleichsma√üstab festgelegt wird.

Diese Regelung soll dann verhindern, dass die Gesellschafter einer KG ihren eigenen Firmen bzw. sich selbst Aufträge zuweisen.

Erleichterung von Adoptionen

Der Deutsche Bundestag m√∂ge beschlie√üen …,da√ü die Adoption von Kindern erleichtert wird.

Hauptvorschlag hinter dieser doch extrem kurzen Petition ist die Idee, Kinder schon während der Schwangerschaft zur Adoption freizugeben. Dies soll die Zahl der Abtreibungen vermindern.
Daneben soll das H√∂chstalter f√ľr adoptierende Eltern raufgesetzt werden.

Einf√ľhrung der Sammelklage

Der Deutsche Bundestag m√∂ge die Einf√ľhrung einer Sammelklage nach US-Vorbild beschlie√üen, um den Anlegerschutz in Deutschland entscheidend zu verbessern.

Die Sammelklage existiert in Deutschland nicht, weil der Grundsatz gilt, dass an der Tat beteiligte oder Betroffene klagen k√∂nnen und es kein Vertretungsrecht vor Gericht gibt. Jeder Kl√§ger (und Beklagte) spricht immer nur f√ľr sich, nie f√ľr mehrere oder gar alle √§hnlich gelagerten F√§lle.
Die einzigen vorhandenen Mittel, die einer Sammelklage ähneln sind die Musterklage und das rechtskräftige Urteil.

Eindämmung der PKV-Beitragsanstiege

Die Bundesregierung m√∂ge √∂ffentlich und ausf√ľhrlich zu der zuk√ľnftigen Beitragentwicklung der PKV Stellung nehmen und darlegen, mit welchen Ma√ünahmen Sie die zu erwartenden Beitragserh√∂hungen eind√§mmen m√∂chte.

Mein Vorschlag wäre ja, Quacksalberei Homöopathie aus dem Angebot zu streichen, aber da findet sich bestimmt noch mehr.

Patientenbest√§tigung f√ľr Behandlungen

Der Deutsche Bundestag m√∂ge beschlie√üen, dass Personen, die gesetzlich krankenversichert sind, die erbrachte Leistung von √Ąrzten, vor der Abrechnung mit der Krankenkasse, in irgend einer Form best√§tigen m√ľssen.

Hier geht es (mal wieder) um Kostentransparenz, ein von vielen Medizinern (Apothekern, Optikern etc.) tunlichst vermiedener Punkt.

Fortbildungspflicht f√ľr Heilberufe

Der Deutsche Bundestag m√∂ge beschlie√üen, dass eine Berufsqualifikationssicherung f√ľr den Beruf der Gesundheits- und Krankenpflege in Form von Fortbildungen, welche vom Gesetzgeber verfasst werden und dem berufsspezifischen Rahmen entsprechen, veranlasst wird. Diese sollen anschlie√üend durch eine praktisch orientierte Pr√ľfung gesichert werden. Erf√ľllt man diese Pflichten nicht, m√∂ge die Berufsbezeichnung entzogen werden.

mE selbsterklärend.

ALG-II-Erhöhung

Der Deutsche Bundestag m√∂ge beschlie√üen … das endlich der Hartz IV Regelsatz 359 Euro von Hartz IV Empf√§ngern angehoben wird

Na, mal sehen, was die aktuelle Diskussion ergibt. Also, ausser Westerwelles erhofften Abstieg zur Perona non Grata Universala.

Gleichbehandlung unterschiedlicher Rentenmodelle bei ALG II

Der Deutsche Bundestag möge beschließen das um Arbeitslosengeld II zu erhalten kapital-bildende Geldanlagen die vor dem Rentenalter ausbezahlt werden gleichwertig behandelt werden wie Lebens- Rentenversicherungen nach dem Riester-Modell.

„Nach dem Riester-Modell“ heisst hier, dass die Versicherung nicht vor Erreichen des regul√§ren Rentenalters ausgezahlt wird. Dies ist aktuell Bedingung f√ľr das Ansparen f√ľrs Alter bei Bezug von ALG II.

Anrechnung der Riesterrente beim Bezug von Altersrente und Grundsicherung

Der Deutsche Bundestag m√∂ge beschlie√üen …
dass beim Bezug von Altersrente und Grundsicherung keine vollst√§ndige Anrechnung einer vorhandenen Riesterrente vorgenommen wird, da dies ungerecht gegen√ľber all jenen ist, die keine finanzielle Vorsorge im Alter getroffen haben.

Und das ist so eine Art Pendant dazu f√ľr die Riester-Rentner: Der Vorteil der einmal erworbenen Riester-Rente soll gewahrt bleiben, denn wieso hat man sonst jemals gespat?

Voller Rentenbezug mit 63 bei ausreichend langer Arbeitszeit

Der Deutsche Bundestag m√∂ge beschlie√üen …
dass Arbeitnehmer, die mit 63 Jahren ein 49jähriges Arbeitsleben hinter sich haben, ohne Abschläge in Rente gehen können.

Es klingt mE gerecht, die Rentenh√∂he st√§rker vom Eintrittsalter in den Rentenempfang zu entkoppeln, wenn die Rentner entsprechend fr√ľher angefangen haben zu arbeiten.

Warnhinweis und kein Kleingedrucktes bei Bankverträgen

Der Deutsche Bundestag m√∂ge beschlie√üen …Die kleingedruckten Vertragsdaten und kleingedruckte allgemeine Gesch√§ftsbedingungen bei Geldgesch√§ften jeglicher Art gesetzlich zu untersagen und Banken sowie Anleger in die Eigenverantwortung zu f√ľhren.

Gesch√§ftsbedingungen der Banken bei jeglichen Anlagem√∂glichkeiten sollen durch die Information ‚ÄěDIESE ANLAGEFORM KANN ZUM TOTALVERLUST IHRES ANLAGEVERM√ĖGENS F√úHREN‚Äú ersetzt werden.

Ein Verbot von Kleingedrucktem wurde von ein paar Wochen schonmal gefordert, damals leider mit eher mäßigem Erfolg. Diese hier hat das problem, dass ihre zweite Hälfte wie ein Scherz klingt, zumindest aber sehr polemisch.

Verbot von Plastikt√ľten

Der Deutsche Bundestag m√∂ge beschlie√üen, dass Einkaufst√ľten/Plastikt√ľten in Deutschland verboten werden.

Das f√§llt f√ľr mich in diesen Bereich „Gutes Vorhaben, aber muss es daf√ľr wieder ein Verbot geben?“

Verbot des Erwerbs der Steuers√ľnder-CD

Der Deutsche Bundestag m√∂ge beschlie√üen …
dass der „Erwerb“ der durch eine Straftat erlangten „Steuers√ľnder-CD“ untersagt wird.

Nennt mich doof, aber wenn der Erwerb eines Straftat ist, dann ist er doch schon verboten, oder?

Soziales Pflichtjahr

Der Deutsche Bundestag m√∂ge beschlie√üen, dass ein halbes soziales Pflichtjahr f√ľr alle heranwachsenden B√ľrger eingef√ľhrt wird. In der Diskussion um die Verk√ľrzung des Wehrdienstes auf sechs Monate darf man bei einer gleichzeitigen Verk√ľrzung des Zivildienstes nicht au√üer Acht lassen, dass ggf. auch die Versorgung in vielen Sozialbereichen ( Krankenh√§usern, Altenheimen ) einbrechen k√∂nnte. Dem entgegen zu wirken, gerade im Hinblick auf den demographischen Faktor, muss das Ziel sein.

Nur um das klarzustellen: Es ist verboten, wenn ein Arbeitgeber vom Zivildienst abh√§ngig wird. Sicher sind Zivis n√ľtzlich, sie belegen aber auch viele Arbeitspl√§tze – diesen Konflikt w√ľrde eine generelle Arbeitspflicht noch versch√§rfen.

Ein/Aus-Schalter f√ľr alle Elektroger√§te

Der Deutsche Bundestag m√∂ge beschlie√üen …

Wirtschaftsunternehmen, die im Rahmen Ihrer Dienstleistung elektrische Ger√§te an Endkunden ausliefern, werden verpflichtet, diese mit einem Schalter f√ľr das An- und Ausschalten zu versehen. Ein Dauerbetrieb oder ein dauernder Stand-By-Betrieb von technischen Ger√§ten darf nur in technisch gut begr√ľndeten Einzelf√§llen vorgesehen werden. Der Anbieter muss Kunden vor Vertragsabschluss√ľber die durch den Betrieb entstehenden Stromkosten informieren.

Meines Wissens ist das bereits eine EU-Richtlinie, die in den nächsten Jahren ohnehin umgesetzt werden muss.


Maßstabsgetreu innovative NVV

Die gestrige Sitzung des Umweltausschusses war eher unspektakul√§r. Beachtlich einzig, dass der Tagesordnungspunkt zur Aufhebung des Leinenzwangs auf den Hundefreilauffl√§chen sechsmal das Wort „Ordnung“ enthielt – in der √úberschrift.

Und dann war da noch die NVV. Die trat unter dem Stichwort „Innovative NVV“ als gro√üer Klimaretter auf, das relativierte sich jedoch mit der Zeit.
Die Liste der Vorhaben klingt f√ľr eine einzige Stadt auf einmal schonmal nicht schlecht: Ausbau der Windenergie, die vieldiskutierte Biogasanlage G√ľdderath/Wanlo, sparsame Busse, Tiefengeothermie, Ausbau der Photovoltaik um 40%, sogar Nutzung der W√§rme des Abwassers in Kanal-W√§rmetauschern sind in Planung, Vorbereitung oder Bau.
Interessant auch, dass die NVV den Trend zur Dezentralisieurng mitzumachen scheint. So erprobt man derzeit etwa zwei Tankstellen f√ľr Erdgasautos am Heimanschluss.

Bei genauerer Betrachtung muss man einiges wieder abziehen: Die vorgestellte Wetterstation Rheindahlen hat mit dem Thema ganz einfach nichts zu tun und einige vorgestellte Projekte werden nicht von der NVV, sondern von Beteiligungen wie den Grevenbroicher Stadtwerken durchgef√ľhrt. Auch die von der NVV aufgef√ľhrten 812 kWp Photovoltaikanlagen beziehen sich auf die NVV selber mitsamt ihrer Tochterunternehmen – also MG und den gesamten Kreis Heinsberg.
Andere Zahlen machen den niedrigen Ma√üstab, mit dem man arbeitet besonders deutlich: Mittelfristig will die NVV einen Anteil der regenerativen Energien (Bereich Stromerzeugung) von 16-17% erreichen – das ist nur knapp √ľber dem aktuellen Bundesschnitt. Derzeit produziert die NVV zwischen 2 und 3% ihrer Energie nachhaltig. Es wird nicht besser, wenn man den Bundesschnitt durch einen Verweis auf die besseren Bedingungen f√ľr Windenergie an der Nordseek√ľste fortzuargumentieren versucht.

Zwischen den Zeilen blitzte denn auch durch, was die NVV in die Innovation treibt Рder Marktanteil der Erneuerbaren wächst und die Kunden wollen erneuerbare. Die NVV innoviert nicht, sie rennt verzweifelt dem Trend hinterher und wird vor lauter Todesangst erfindungsreich.
Je nach Umfrage will zwischen einem Viertel und der H√§lfte der Deutschen auf einen √Ėkostromanbieter wechseln oder k√∂nnte sich dies zumindest vorstellen. F√ľr ein Energieunternehmen, dessen Hauptrohstoff die Braunkohle des Mutterkonzerns RWE ist, eine astreine Horrormeldung.

Aber die NVV ist sp√§t dran: F√ľr ihre Verh√§ltnisse sind 16-17% ambitioniert, immerhin ein Sprung von bis zu 500% des aktuellen Niveaus. Das wird nicht einfach.
Und so wird sie innovativ Рim Rahmen ihrer eigenen, recht niedrig anzusetzenden, Maßstäbe.


1. Werkstattbericht von den Aasgeiern

Am Samstag hab ich mit dem Schreiben von Aasgeier begonnen. Soweit nichts ungewöhnliches, ich schreib immer mal wieder ein paar Fragmente, die sich dann mit der Zeit zu Geschichten entwickeln. Ab und an werden sie sogar fertig.
Was an Aasgeier anders ist: Es ist quasi meine erste Auftragsarbeit. Quasi, weil der Auftrag nicht von einem verlag kam, sondern von mir selbst.

Ich habe erstmals nicht mit der Idee f√ľr eine Story angefangen, sondern mit dem Gedanken „Dar√ľber muss man doch mal was schreiben“.
Das Thema war in diesem fall der Braunkohleabbau im Tagebau. Ich war doch sehr erstaunt √ľber die geringe Zahl von Geschichten, die sich um dieses Thema drehen. Hier verlieren tausende ihre Heimat und keiner schreibt dar√ľber? Unglaublich!
Also √ľberlegte ich mir, was denn spannendes in einem solchen Szenario – ein Loch frisst sich kilometerweit durch die Landschaft und zerst√∂rt alles, Menschen fliehen ins Umland – machen kann. Kar, offensichtlich eine ganze Menge. Ich selbst war relativ schnell beim Rand des Loches als Thema und der Frage, ob sich dort eine besondere Kultur des nahenden Untergangs bilden k√∂nnte.
Nat√ľrlich kann es das. Die Idee, die ich hatte (und von der ich jetzt noch nicht zu viel erz√§hlen m√∂chte) bot sich in der Form als Kinder- und Jugendroman an. Ein gutes Format, weil das Thema f√ľr Kinder etwa ab 8 interessant wird. Zwei Kinder als Hauptfiguren gaben mir auch die Gelegenheit, das Thema in seiner G√§nze abzudecken – von den Bergbausch√§den √ľber die Mondlandschaft des Tagebaus bis zu den verlassenen D√∂rfern an seinem Rand. Zugleich lie√ü sich das Thema so auch Personen ohne Vorwissen vorstellen.

Ein Kinderbuch zum Tagebau Garzweiler wird es also.

Und um nochmal zu dem Thema zu kommen, warum ich es √ľberhaupt schreibe, hier die sp√§rliche Literatur zum Thema. Alle drei √ľbrigens keine schlechten Romane:

Fangen wir an mit einem weiteren Kinder- und Jugendbuch. Dorf der Wolkenmacher stellt eine Jugendclique im Umfeld der s√ľdlichen Tagebaue bei K√∂ln vor. Ihr Leben ist soweit normal und sorglos. Bis ein Wald in der Nachbarschaft f√ľr den Tagebau gerodet wird.
Da nehmen die Kinder den Kampf gegen die RWE und die lokale Politik auf, die das erst ermöglicht hat. Und gegen den Vater eines der Kinder, der gegen die Bande ermitteln soll.
Das Buch wird vom BUND empfohlen und als Schullekt√ľre benutzt.

F√ľr die n√§chste Altersstufe gibt es dann einen Krimi: In Begraben in Garzweiler II kommt der umweltpolitische Sprecher der Gr√ľnen im Landtag bei einem mysteri√∂sen Unfall ums Leben (okay, f√ľr mich als umweltpolitischer Sprecher der Gr√ľnen in M√∂nchengladbach ist das zus√§tzlich auch noch ein Horrorroman).
In die Ereignisse verwickelt wird Hieronymus M√ľllejans, der im zuk√ľnftigen Gebiet des Tagebaus ein Grundst√ľck erbt. Er st√∂√üt auf Ungereimtheiten und wird schlie√ülich fast selber Opfer eines Mordes. Seine nachforschungen f√ľhren in tief in den wirtschaftspolitischen Sumpf, in dem Tagebaubetreiber RWE/Rheinbraun sich zu suhlen pflegt.

Und zum Abschluss noch ein Buch aus M√∂nchengladbach – und auch das mit der h√∂chsten empfohlenen Altersstufe. Ich w√ľrde es n√§mlich nur Erwachsenen empfehlen.
Hinter den Ginstertrieben ist ein Psycho-Thriller um die d√ľsseldorfer Studentin Klaudia Kraft, die sich ritzt und mit einigen Kommilitonen ein Sorgentelefon betreibt. Als einer ihrer Anrufer ihr einen Kindesmissbrauch gesteht, f√ľhrt ihre Suche nach dessen Identit√§t sie in ihre Vergangenheit und ihre alte Heimat im Abbaugebiet Garzweiler II. Sie findet Antworten und ein Ziel: Den Kindersch√§nder durchs Telefon in den Selbstmord zu treiben.

Und um dem Titel „Werkstattbericht“ gerecht zu werden: Die erste Fassung des ersten Kapitels von Aasgeier ist fertig. 20 von insgesamt wohl etwa 100-150 Seiten.
Das Kapitel f√ľhrt die beiden Hauptfiguren und ihre Familie ein und thematisiert die Bergbausch√§den in M√∂nchengladbach.

Nachtrag: Begraben in Garzweiler II ist leider nicht mehr neu lieferbar.


MG Relevant: Veilchendienstag gibt Laut

M√∂nchengladbach, unter den Karnevalshochburgen die einzige, die nicht am Rosenmontag, sondern am darauf folgenden Veilchendienstag zieht, wird gerne mal unterschlagen. Haupts√§chlich, weil die gro√üen Fernsehsender der region alle in K√∂ln sitzen (RTL, WDR…), wo man noch nie davon geh√∂rt hat, dass der Dienstag zwischen Rosenmontag und Aschermittwoch auch einen Namen hat.
Nun leidet der Gladbacher Stra√üenkarneval aber auch darunter, dass er gew√∂hnlich wenig interessante Wagen hat. Ich meine, sie sehen h√ľbsch aus, aber anders als etwa in K√∂ln und D√ľsseldorf ziert sie nur selten eine Aussage – der Gladbacher Karneval ist h√ľbsch, aber unpolitisch. Man findet also im allgemeinen die Namen der Karnevalvereine auf den Wagen und dazwischen den ein oder anderen Fu√üballwagen.

Doch in einem f√ľr die Stadt ungew√∂hnlichen Fall von „So, jetzt packen wir mal was an“ hat sich das dieses Jahr dann doch leicht ge√§ndert. Und prompt gibt es ein paar auch √ľber die Stadtgrenzen hinaus vorstellenswerte Wagen. Oder zumindest mehr Politik als sonst.
Den wagen zur Fu√üballweltmeisterschaft 2011 habe ich leider nicht scharf drauf bekommen (der Autofokus hat sich auf einen Ast vor mir eingestellt), daf√ľr fange ich mit dem vielleicht kontroversesten wagen des Jahres in der Stadt an:

Ich bin eher ungl√ľcklich √ľber den Nahost-Bezug als √ľber das Motiv und den Satz darunter. Aber das ist jetzt nicht der Ort f√ľr diese Diskussion.

Die Rheindahlener haben ihr Flughafenthema gleich mehrfach politisiert, nicht schlecht.
Den Anfang macht die voraussichtliche Schlie√üung des „Flughafens“ Verkehrslandeplatz M√∂nchengladbach (mit diversen ehemaligen Zielen von dort aus mit dem Vermerk „canceled“), die Seite ist dann ein eher normaler Themenwagen und hinten kriegen wir nochmal was zum Nacktscanner geliefert, womit man auch dem diesj√§hrigen Zugmottot („Klamotte maake L√ľ√ľt“) gen√ľge getan hat:



Lustigerweise folgte diesem gleich der Wagen der AirBerlin:

Nicht weit dahinter der (erste) Wagen zur Koalition: Die Gladbacher Schildkröte mit abgeschlagenem schwarzen Kopf und einer Ampel als Ersatz. Der Kopf ist neu, der Körper hat immer noch die selben Stummelbeine.

Der Wagen stammt √ľbrigens aus einem Designwettbewerb der Rheinischen Post. Die hat auch selber Koalitionen thematisiert und bringt den wohl selbstironischsten RP-Wagen aller Zeiten (Absicht?). Wobei das bei den D√ľsseldorfern, von denen der Wagen offenbar stammt (vermute ich mal wegen dem Funkturm), nicht ganz so schlimm ist wie hier in MG.

Etwas weiter hinten findet sich noch ein Ampelwagen: Die Junge Union M√∂nchengladbach kommt mit einem umgebauten Baucontainer daher, mit der bestenfalls halbwegs originellen Beschriftung „Zu schnell f√ľr jede Ampel“. Lustig ist das nur, weil der Wagen sich wie alle anderen mit ca. 5 km/h vorw√§rts bewegt – und die Ampel 23 Pl√§tze weiter vorne vorwegf√§hrt. Als Schildkr√∂te! Pepp ist was anderes.
Hätte funktioniert, wenn die JU den Wagenplatz direkt vor der Ampelschildkröte bekommen hätte. Aber auch dann nur aus Zufall.

N√§chstes mal mehr anstrengen, bitte, ist ja peinlich…

Einfach nur Pech hatte der Guido/Merkel-Wagen.
„Minister f√ľr √Ąusseres“ ist so herrlich subtil und dann sehen wir einen Westerwelle auf merkels Dekollet√© fliegen – was funktioniert, bis man merkt, dass der doch schwul war. Naja, dumm gelaufen.

Und noch ein letzter Ampelwagen: Das √Ėmchen strickt dem Wasserturm M√∂nchengladbach eine neue M√ľtze aus rot-gr√ľn-gelber Wolle.

Bleibt zu hoffen, dass der Gladbacher Karneval weiter daran arbeitet, mehr als nur eine Wagenparade zu sein und sich öfter mal traut, auch Themen anzupacken. Teils aber auch bitte mit mehr Biss, das ist teils doch noch recht lahm. Wobei, wir haben halt keinen Jacques Tilly hier, der mal eben 5 Themenwagen pro Jahr baut, jeder davon ein Highlight.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Die Quantität stimmt schonmal: Geschätzte 5-6 km Zug sind ordentlich. Und auch an Internationalität mangelt es nicht: Neben Musikern aus den Niederlanden fuhr auch ein Wagen des Spreewaldhofs mit, dessen Besatzung mit Gurken um sich warf.


Filmabend III: –ú–į–ľ–į –ī–Ľ—Ź –ľ–į–ľ–ĺ–Ĺ—ā–Ķ–Ĺ–ļ–į

Diesmal ein wunderh√ľbscher kleiner Trickfilm aus der Sowjetunion um ein kleines Mammut, das in der Arktis auftaucht und seine Mama sucht.