2. Werkstattbericht zu den Aasgeiern

Es geht inzwischen etwas langsamer voran (aktuell 32 Seiten), aber das ist nicht verwunderlich, weil ich das erste Kapitel aus einer Inspiration heraus fast am Stück geschrieben habe, während ich beim Rest jetzt mehr handwerkliches tun muss. Ausserdem geht es aufs Ende des aktuellen Ratszuges zu, da gibt es mehr Sitzungen und politische Arbeit, die Zeit kosten.

Dennoch möchte ich auch diese Woche kurz enen Aspekt in dem Buch beleuchten – den Ishmael. Was ist er und warum habe ich ihn gewählt?

Der Ishmael
Benannt ist der Ishmael nach dem Erzähler in Moby Dick. Ein Ishmael ist eine Figur, die in der Geschichte zwar die zentrale Position, meist als Ich-Erzähler, annimmt, tatsächlich aber nur eine Nebenfigur ist.
In Moby Dick etwa erzählt Ishmael zwar, aber mit zunehmendem verlauf der Geschichte werden andere Figuren – allen voran Ahab. TV Tropes hat eine lange Reihe von Beispielen.
Ich persönlich kenne neben Moby Dick nur Final Fantasy XII und Deadly Creatures. Viele Figuren von Franz Kafka sind wohl in einer ähnlichen Situation.

Nun habe ich für Aasgeier einen Ishmael als Hauptfigur gewählt: Boris.
Die Geschichte in Aasgeier stellt ein geschwisterpaar in den Mittelpunkt, den 9-jährigen Boris und seine 13-jährige Schwester Jana. Dabei stellt Boris den Ich-Erzähler.
Ein Ishmael ist er, weil er zwar am Geschehen beteiligt ist, aber nicht so aktiv wie seine große Schwester. dabei nehme ich seine Perspektive aus mehreren Gründen als hauptperspektive:
1. Er ist ein Junge. Ich schreibe ungerne aus weiblichen Perspektiven aus Angst, zu klischeehaft zu werden.
2. Jugendbücher und die Liebe. Offenbar erwarten Verlage bei Jugendbüchern grundsätzlich immer eine Liebesgeschichte. da ich sowas (Liebesgeschichten) selber nie gelesen habe, schreibe ich es auch nicht. Erst recht nicht aus weiblicher Perspektive (siehe 1.) – um den Verlagen aber einen Gefallen zu tun und weil auch viele Leser das wollen gibt es dennoch ein Mädel, dass sich auch verknallen darf, nur halt nicht zu ausführlich.
3. Watson-Effekt. Boris ist als jüngerer noch stärker den elterlichen Werten verbunden als seine pubertierende Schwester. Damit kann er in einigen Fragen sehr gut Mehrheitspositionen vertreten, zu denen seine Schwester dann die Gegenseite darstellt. Da diese Mehrheitspositionen wiederum näher an denen der Leser sein dürften (weil Mehrheit), bietet er sich als Identifikationsfigur an. Auch ist er als jüngerer der beiden eine gute Figur, über die man Fragen stellen kann, weil er weniger Schulbildung hinter sich hat und jüngere Kinder grundsätzlich als neugieriger gelten.

Ich finde den Ishmael eine sehr angenehme Erzählperspektive.
Er erleichtert als Ich-Erzähler die Identifikation mit den Figuren in der Geschichte, wird aber selber nicht zu stark durch seine eigenen Taten vom Geschehen um ihn herum abgelenkt. Dennoch kann er, wenn nötig, eingreifen oder widersprechen.
In diesem speziellen Fall stellt er auch eine Hierarchie der Figurenkenntnis her: Sich selbst kennt er am besten, seine Schwester bereits seit seiner Geburt, die anderen Kinder in der Geschichte sind ihm neu (die Familie ist grade erst umgezogen) und die Welt des Tagebaus ist ihm völlig fremd. Das wirkt sich natürlich darauf aus, wie viel Verständnis er jeweils hat, beziehungsweise wie sehr ihn etwas interessiert.

Die Namen Boris (von Borislaw, russisch: Kämpfer) und Jana (von Johannes, hebräisch: Gott ist gnädig) haben übrigens nichts weiter zu bedeuten, Ich habe die Bedeutungen erst später ergoogelt.

PS: So viele Gedanken wie über Aasgeier habe ich mir übrigens noch nie über die Konstruktion eines Buches gemacht. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen.


Andreas Wurff – Ein Eindruck

Das ist Andreas Wurff, der grüne Kandidat und aussichtsreichste Bewerber für das Amt des baudezernenten in Mönchengladbach.

Am Montag durften sich die Fraktionen der Grünen, SPD, CDU und FDP und am Dienstag jene der Linken von dem Mann überzeugen. Das Echo bisher ist aus dem gesamten politischen Spektrum erfreulich positiv.
Der Mann hat Erfahrungen aus einer Vielzahl von Kommunen (Dresden am einen, Nagold bei Calw am anderen Ende der Größentabelle) und seine inhaltlichen Ansätze überzeugen durch Realismus gepaart mit dem klaren Wilen, hier gute Arbeit abzuliefern indem er Mönchengladbach verbessert. Er hat einige wunde Punkte benannt und auch einige konkrete Herausforderungen der kommenden Jahre wie die Auflösung des Widerspruchs zwischen Stadtbegrünung und Baudichteerhöhung benannt.
Für mich persönlich ist erfreulich, dass er meine Ansicht vorsichtig mitträgt, dass es erstrebenswert (meines Erachtens sogar notwendig) sei, den Innenstädte von Rheydt und Alt-Gladbach deutlich verschiedene Profile zu verleihen. Auch wenn meine Formulierung, zwei identische Innenstädte fräßen sich langfristig weiterhin gegenseitig auf, in der SPD-Fraktion für Aufruhr gesorgt hat. Auch meine Nachfrage zum Dresdner Brückenstreit beantwortete er durchaus kompetent und ehrlich gesagt auch in meinem Sinne. Das andere große Dresdner Thema, der Verkauf der WOBA sah er wesentlich positiver als ich, aber es wäre auch beunruhigend (und langweilig), wäre er in allem mit mir einer Meinung.

Ein unsicheres Gefühl bleibt im Hinterkopf, ob er nicht eventuell das erzählt, was das jeweilige Publikum gerne hören will. Das kann positiv sein, wenn sich das so ausdrückt, dass er ein Talent hat, auch kontroverse Themen zu „verkaufen“. Muss es aber nicht.
Nun hat aber die Findungskommission schon wesentlich länger mit ihm reden können als ich und ich vertraue dieser, womit auch Wurff von mir erstmal einen ordentlichen Vertrauensvorschuss erhält.

Unterdessen versucht die RP, Wurff als Konservativen hinzustellen.
Nachdem der Hinweis auf sein Amt in Nagold aus dem entsprechenden Artikel wieder verschwunden ist (er war dort ausgerechnet unter dem bisher einzigen SPD-OB Rainer Prewo 1. Bürgermeister) gilt seine Arbeit in Dresden unter einer CDU-OB immer noch. Dass er bereits 5 Jahre vor deren Wahl das Amt antrat und jetzt aus diesem entschwindet, scheint der RP nicht weiter aufzufallen. Wobei, die Mehrheitsverhältnisse im rat waren zu der Zeit auch verwirrend mit etlichen Fraktionen und Stimmengleichheit zwischen schwarz-gelb und rot-rot-grün (2004-2009 je 26 Sitze).

Nein, ich bin mir ziemlich siche,r hier keinen Konservativen vor mir zu haben. Vielmehr einen Arbeiter – nicht klassentechnisch, sondern vom Arbeitsverständnis her: er bleibt weitgehend unideologisch und macht seinen Job so gut er kann.
Das wiederum ist meines Erachtens genau das, was dieses Dezernat in Mönchengladbach braucht – jemanden, der sich nicht in ideologischen Grabenkämpfen bzw. Schnellschüssen verrennt.


Tagebau-Literaturnachtrag

Letzte Woche hatte ich ja ein paar Romane um die rheinischen Braunkohletagebaue vorgestellt. dazu habe ich jetzt noch zwei kurze Nachträge aus dem englischsprachigen Teil der Welt, ein Buch und einen Film:

Zunächst mal das Buch. Darauf hat mich Kay Löffler aufmerksam gemacht, von dem der vorgestellte Roman Dorf der Wolkenmacher stammt.
Da ich das Buch nicht gelesen habe, kopiere ich einfach den Klappentext von Außer Kontrolle (OT: Dragline) hier rüber:

Das Haus war spottbillig – und es zu kaufen ein verhängnisvoller Fehler. Gideon und seine Mutter sind gerade erst nach Cold Knot gezogen, einer kleinen Siedlung am Rand des Kohlereviers. Eigentlich sollte der Tagebau nächsten Monat eingestellt werden. Jetzt ist keine Rede mehr davon. Bei Tag und Nacht reißt eine gigantische Maschine die Erde auf, tyrannisiert die Gegend mit Lärm und Staub. Gideon ist ratlos, denn seine Mutter wird immer seltsamer. Gut, daß sie nicht weiß, was für entsetzliche Dinge ihm bei seinen Streifzügen begegnet sind: der schwarze Hund, der eigentlich tot sein müßte … das Reh, dem der Kopf abgetrennt wurde … Gideon klammert sich an seinen Verstand, mit dem er bisher alles unter Kontrolle hatte. Aber es kommt der Moment, wo ihm seine Klugheit allein nicht weiterhilft.

Das Buch ist nicht leider mehr neu erhältlich.

Der Film dagegen ist noch nicht neu erhältlich: Avatar.
Wer sich den Anfang des Films anschaut sieht, dass das, was die Ureinwohner auf Pandora bedroht, ein riesiger Tagebau ist. Dort wird zwar keine Kohle abgebaut sondern Unobtanium (sic!), aber es bleibt immerhin ein Tagebau.

Avatar sollte ja allgemein bekannt sein, mein Urteil: Der Film ist gut. Nichts neues, aber gut. Oder, um es mit dem besten Beitrag zum Thema zu sagen, den ich bisher gehört habe: „Leonardo war nicht der erste, der ein Portrait einer sitzenden brünetten Frau gemalt hat. Aber er hat es verdammt gut gemacht.“


Die Musikeinlage hurt!

Die Inspiration für die dieswöchige Musikeinlage ist der Titelsong Ain’t no Rest for the Wicked zum Videospiel Borderlands:

Und dann ist da natürlich Moulin Rouge: In dem Film geht es immerhin um die Liebe zwischen einem werdenden Schriftsteller und einer Edel-Prostituierten. Ich nehm da mal El Tango de Roxanne und Diamonds Are a Girl’s Best Friend raus:
El Tango de Roxanne


Und natürlich darf der Klassiker zum Thema nicht fehlen: Roxanne, das Original zum obigen Tango von Sting, 1979 und damals ein echter Skandalsong:


Filmabend IV: AMV Hell 1-3

Immer wieder schön: AMV Hell ist eine Serie von Ausschnitten aus (vor allem japanischen) Videos mit Musik- oder textunterlage, die das ganze komisch machen.
Nicht immer mein Humor, aber meistens eben doch. Teil 1-3 hab ich hier eingebunden, daneben gibt es noch die beiden nicht jugendfreien Nullerteile, eine Championship Edition aus einem Wettbewerb und einen mit dem sensationellen Titel AMV Hell: 4 – AMV Hell 3: The Motion Picture 2 – The Final One sowie einen fünften in der Mache.




Petitiamstag XLIX

Verstärkte Gutachterpflicht für KGs

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …
Das HGB wird nach § 164 ergänzt um einen neuen Paragraphen, in denen für Geschäfte der Vertreter einer Publikumskommanditgesellschaft mit sich oder verbundenen Dritten eine Gutachterpflicht bzgl. Einhaltung Drittvergleichsmaßstab festgelegt wird.

Diese Regelung soll dann verhindern, dass die Gesellschafter einer KG ihren eigenen Firmen bzw. sich selbst Aufträge zuweisen.

Erleichterung von Adoptionen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …,daß die Adoption von Kindern erleichtert wird.

Hauptvorschlag hinter dieser doch extrem kurzen Petition ist die Idee, Kinder schon während der Schwangerschaft zur Adoption freizugeben. Dies soll die Zahl der Abtreibungen vermindern.
Daneben soll das Höchstalter für adoptierende Eltern raufgesetzt werden.

Einführung der Sammelklage

Der Deutsche Bundestag möge die Einführung einer Sammelklage nach US-Vorbild beschließen, um den Anlegerschutz in Deutschland entscheidend zu verbessern.

Die Sammelklage existiert in Deutschland nicht, weil der Grundsatz gilt, dass an der Tat beteiligte oder Betroffene klagen können und es kein Vertretungsrecht vor Gericht gibt. Jeder Kläger (und Beklagte) spricht immer nur für sich, nie für mehrere oder gar alle ähnlich gelagerten Fälle.
Die einzigen vorhandenen Mittel, die einer Sammelklage ähneln sind die Musterklage und das rechtskräftige Urteil.

Eindämmung der PKV-Beitragsanstiege

Die Bundesregierung möge öffentlich und ausführlich zu der zukünftigen Beitragentwicklung der PKV Stellung nehmen und darlegen, mit welchen Maßnahmen Sie die zu erwartenden Beitragserhöhungen eindämmen möchte.

Mein Vorschlag wäre ja, Quacksalberei Homöopathie aus dem Angebot zu streichen, aber da findet sich bestimmt noch mehr.

Patientenbestätigung für Behandlungen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass Personen, die gesetzlich krankenversichert sind, die erbrachte Leistung von Ärzten, vor der Abrechnung mit der Krankenkasse, in irgend einer Form bestätigen müssen.

Hier geht es (mal wieder) um Kostentransparenz, ein von vielen Medizinern (Apothekern, Optikern etc.) tunlichst vermiedener Punkt.

Fortbildungspflicht für Heilberufe

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass eine Berufsqualifikationssicherung für den Beruf der Gesundheits- und Krankenpflege in Form von Fortbildungen, welche vom Gesetzgeber verfasst werden und dem berufsspezifischen Rahmen entsprechen, veranlasst wird. Diese sollen anschließend durch eine praktisch orientierte Prüfung gesichert werden. Erfüllt man diese Pflichten nicht, möge die Berufsbezeichnung entzogen werden.

mE selbsterklärend.

ALG-II-Erhöhung

Der Deutsche Bundestag möge beschließen … das endlich der Hartz IV Regelsatz 359 Euro von Hartz IV Empfängern angehoben wird

Na, mal sehen, was die aktuelle Diskussion ergibt. Also, ausser Westerwelles erhofften Abstieg zur Perona non Grata Universala.

Gleichbehandlung unterschiedlicher Rentenmodelle bei ALG II

Der Deutsche Bundestag möge beschließen das um Arbeitslosengeld II zu erhalten kapital-bildende Geldanlagen die vor dem Rentenalter ausbezahlt werden gleichwertig behandelt werden wie Lebens- Rentenversicherungen nach dem Riester-Modell.

„Nach dem Riester-Modell“ heisst hier, dass die Versicherung nicht vor Erreichen des regulären Rentenalters ausgezahlt wird. Dies ist aktuell Bedingung für das Ansparen fürs Alter bei Bezug von ALG II.

Anrechnung der Riesterrente beim Bezug von Altersrente und Grundsicherung

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …
dass beim Bezug von Altersrente und Grundsicherung keine vollständige Anrechnung einer vorhandenen Riesterrente vorgenommen wird, da dies ungerecht gegenüber all jenen ist, die keine finanzielle Vorsorge im Alter getroffen haben.

Und das ist so eine Art Pendant dazu für die Riester-Rentner: Der Vorteil der einmal erworbenen Riester-Rente soll gewahrt bleiben, denn wieso hat man sonst jemals gespat?

Voller Rentenbezug mit 63 bei ausreichend langer Arbeitszeit

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …
dass Arbeitnehmer, die mit 63 Jahren ein 49jähriges Arbeitsleben hinter sich haben, ohne Abschläge in Rente gehen können.

Es klingt mE gerecht, die Rentenhöhe stärker vom Eintrittsalter in den Rentenempfang zu entkoppeln, wenn die Rentner entsprechend früher angefangen haben zu arbeiten.

Warnhinweis und kein Kleingedrucktes bei Bankverträgen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …Die kleingedruckten Vertragsdaten und kleingedruckte allgemeine Geschäftsbedingungen bei Geldgeschäften jeglicher Art gesetzlich zu untersagen und Banken sowie Anleger in die Eigenverantwortung zu führen.

Geschäftsbedingungen der Banken bei jeglichen Anlagemöglichkeiten sollen durch die Information „DIESE ANLAGEFORM KANN ZUM TOTALVERLUST IHRES ANLAGEVERMÖGENS FÜHREN“ ersetzt werden.

Ein Verbot von Kleingedrucktem wurde von ein paar Wochen schonmal gefordert, damals leider mit eher mäßigem Erfolg. Diese hier hat das problem, dass ihre zweite Hälfte wie ein Scherz klingt, zumindest aber sehr polemisch.

Verbot von Plastiktüten

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass Einkaufstüten/Plastiktüten in Deutschland verboten werden.

Das fällt für mich in diesen Bereich „Gutes Vorhaben, aber muss es dafür wieder ein Verbot geben?“

Verbot des Erwerbs der Steuersünder-CD

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …
dass der „Erwerb“ der durch eine Straftat erlangten „Steuersünder-CD“ untersagt wird.

Nennt mich doof, aber wenn der Erwerb eines Straftat ist, dann ist er doch schon verboten, oder?

Soziales Pflichtjahr

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass ein halbes soziales Pflichtjahr für alle heranwachsenden Bürger eingeführt wird. In der Diskussion um die Verkürzung des Wehrdienstes auf sechs Monate darf man bei einer gleichzeitigen Verkürzung des Zivildienstes nicht außer Acht lassen, dass ggf. auch die Versorgung in vielen Sozialbereichen ( Krankenhäusern, Altenheimen ) einbrechen könnte. Dem entgegen zu wirken, gerade im Hinblick auf den demographischen Faktor, muss das Ziel sein.

Nur um das klarzustellen: Es ist verboten, wenn ein Arbeitgeber vom Zivildienst abhängig wird. Sicher sind Zivis nützlich, sie belegen aber auch viele Arbeitsplätze – diesen Konflikt würde eine generelle Arbeitspflicht noch verschärfen.

Ein/Aus-Schalter für alle Elektrogeräte

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …

Wirtschaftsunternehmen, die im Rahmen Ihrer Dienstleistung elektrische Geräte an Endkunden ausliefern, werden verpflichtet, diese mit einem Schalter für das An- und Ausschalten zu versehen. Ein Dauerbetrieb oder ein dauernder Stand-By-Betrieb von technischen Geräten darf nur in technisch gut begründeten Einzelfällen vorgesehen werden. Der Anbieter muss Kunden vor Vertragsabschlussüber die durch den Betrieb entstehenden Stromkosten informieren.

Meines Wissens ist das bereits eine EU-Richtlinie, die in den nächsten Jahren ohnehin umgesetzt werden muss.


Maßstabsgetreu innovative NVV

Die gestrige Sitzung des Umweltausschusses war eher unspektakulär. Beachtlich einzig, dass der Tagesordnungspunkt zur Aufhebung des Leinenzwangs auf den Hundefreilaufflächen sechsmal das Wort „Ordnung“ enthielt – in der Überschrift.

Und dann war da noch die NVV. Die trat unter dem Stichwort „Innovative NVV“ als großer Klimaretter auf, das relativierte sich jedoch mit der Zeit.
Die Liste der Vorhaben klingt für eine einzige Stadt auf einmal schonmal nicht schlecht: Ausbau der Windenergie, die vieldiskutierte Biogasanlage Güdderath/Wanlo, sparsame Busse, Tiefengeothermie, Ausbau der Photovoltaik um 40%, sogar Nutzung der Wärme des Abwassers in Kanal-Wärmetauschern sind in Planung, Vorbereitung oder Bau.
Interessant auch, dass die NVV den Trend zur Dezentralisieurng mitzumachen scheint. So erprobt man derzeit etwa zwei Tankstellen für Erdgasautos am Heimanschluss.

Bei genauerer Betrachtung muss man einiges wieder abziehen: Die vorgestellte Wetterstation Rheindahlen hat mit dem Thema ganz einfach nichts zu tun und einige vorgestellte Projekte werden nicht von der NVV, sondern von Beteiligungen wie den Grevenbroicher Stadtwerken durchgeführt. Auch die von der NVV aufgeführten 812 kWp Photovoltaikanlagen beziehen sich auf die NVV selber mitsamt ihrer Tochterunternehmen – also MG und den gesamten Kreis Heinsberg.
Andere Zahlen machen den niedrigen Maßstab, mit dem man arbeitet besonders deutlich: Mittelfristig will die NVV einen Anteil der regenerativen Energien (Bereich Stromerzeugung) von 16-17% erreichen – das ist nur knapp über dem aktuellen Bundesschnitt. Derzeit produziert die NVV zwischen 2 und 3% ihrer Energie nachhaltig. Es wird nicht besser, wenn man den Bundesschnitt durch einen Verweis auf die besseren Bedingungen für Windenergie an der Nordseeküste fortzuargumentieren versucht.

Zwischen den Zeilen blitzte denn auch durch, was die NVV in die Innovation treibt – der Marktanteil der Erneuerbaren wächst und die Kunden wollen erneuerbare. Die NVV innoviert nicht, sie rennt verzweifelt dem Trend hinterher und wird vor lauter Todesangst erfindungsreich.
Je nach Umfrage will zwischen einem Viertel und der Hälfte der Deutschen auf einen Ökostromanbieter wechseln oder könnte sich dies zumindest vorstellen. Für ein Energieunternehmen, dessen Hauptrohstoff die Braunkohle des Mutterkonzerns RWE ist, eine astreine Horrormeldung.

Aber die NVV ist spät dran: Für ihre Verhältnisse sind 16-17% ambitioniert, immerhin ein Sprung von bis zu 500% des aktuellen Niveaus. Das wird nicht einfach.
Und so wird sie innovativ – im Rahmen ihrer eigenen, recht niedrig anzusetzenden, Maßstäbe.


1. Werkstattbericht von den Aasgeiern

Am Samstag hab ich mit dem Schreiben von Aasgeier begonnen. Soweit nichts ungewöhnliches, ich schreib immer mal wieder ein paar Fragmente, die sich dann mit der Zeit zu Geschichten entwickeln. Ab und an werden sie sogar fertig.
Was an Aasgeier anders ist: Es ist quasi meine erste Auftragsarbeit. Quasi, weil der Auftrag nicht von einem verlag kam, sondern von mir selbst.

Ich habe erstmals nicht mit der Idee für eine Story angefangen, sondern mit dem Gedanken „Darüber muss man doch mal was schreiben“.
Das Thema war in diesem fall der Braunkohleabbau im Tagebau. Ich war doch sehr erstaunt über die geringe Zahl von Geschichten, die sich um dieses Thema drehen. Hier verlieren tausende ihre Heimat und keiner schreibt darüber? Unglaublich!
Also überlegte ich mir, was denn spannendes in einem solchen Szenario – ein Loch frisst sich kilometerweit durch die Landschaft und zerstört alles, Menschen fliehen ins Umland – machen kann. Kar, offensichtlich eine ganze Menge. Ich selbst war relativ schnell beim Rand des Loches als Thema und der Frage, ob sich dort eine besondere Kultur des nahenden Untergangs bilden könnte.
Natürlich kann es das. Die Idee, die ich hatte (und von der ich jetzt noch nicht zu viel erzählen möchte) bot sich in der Form als Kinder- und Jugendroman an. Ein gutes Format, weil das Thema für Kinder etwa ab 8 interessant wird. Zwei Kinder als Hauptfiguren gaben mir auch die Gelegenheit, das Thema in seiner Gänze abzudecken – von den Bergbauschäden über die Mondlandschaft des Tagebaus bis zu den verlassenen Dörfern an seinem Rand. Zugleich ließ sich das Thema so auch Personen ohne Vorwissen vorstellen.

Ein Kinderbuch zum Tagebau Garzweiler wird es also.

Und um nochmal zu dem Thema zu kommen, warum ich es überhaupt schreibe, hier die spärliche Literatur zum Thema. Alle drei übrigens keine schlechten Romane:

Fangen wir an mit einem weiteren Kinder- und Jugendbuch. Dorf der Wolkenmacher stellt eine Jugendclique im Umfeld der südlichen Tagebaue bei Köln vor. Ihr Leben ist soweit normal und sorglos. Bis ein Wald in der Nachbarschaft für den Tagebau gerodet wird.
Da nehmen die Kinder den Kampf gegen die RWE und die lokale Politik auf, die das erst ermöglicht hat. Und gegen den Vater eines der Kinder, der gegen die Bande ermitteln soll.
Das Buch wird vom BUND empfohlen und als Schullektüre benutzt.

Für die nächste Altersstufe gibt es dann einen Krimi: In Begraben in Garzweiler II kommt der umweltpolitische Sprecher der Grünen im Landtag bei einem mysteriösen Unfall ums Leben (okay, für mich als umweltpolitischer Sprecher der Grünen in Mönchengladbach ist das zusätzlich auch noch ein Horrorroman).
In die Ereignisse verwickelt wird Hieronymus Müllejans, der im zukünftigen Gebiet des Tagebaus ein Grundstück erbt. Er stößt auf Ungereimtheiten und wird schließlich fast selber Opfer eines Mordes. Seine nachforschungen führen in tief in den wirtschaftspolitischen Sumpf, in dem Tagebaubetreiber RWE/Rheinbraun sich zu suhlen pflegt.

Und zum Abschluss noch ein Buch aus Mönchengladbach – und auch das mit der höchsten empfohlenen Altersstufe. Ich würde es nämlich nur Erwachsenen empfehlen.
Hinter den Ginstertrieben ist ein Psycho-Thriller um die düsseldorfer Studentin Klaudia Kraft, die sich ritzt und mit einigen Kommilitonen ein Sorgentelefon betreibt. Als einer ihrer Anrufer ihr einen Kindesmissbrauch gesteht, führt ihre Suche nach dessen Identität sie in ihre Vergangenheit und ihre alte Heimat im Abbaugebiet Garzweiler II. Sie findet Antworten und ein Ziel: Den Kinderschänder durchs Telefon in den Selbstmord zu treiben.

Und um dem Titel „Werkstattbericht“ gerecht zu werden: Die erste Fassung des ersten Kapitels von Aasgeier ist fertig. 20 von insgesamt wohl etwa 100-150 Seiten.
Das Kapitel führt die beiden Hauptfiguren und ihre Familie ein und thematisiert die Bergbauschäden in Mönchengladbach.

Nachtrag: Begraben in Garzweiler II ist leider nicht mehr neu lieferbar.


MG Relevant: Veilchendienstag gibt Laut

Mönchengladbach, unter den Karnevalshochburgen die einzige, die nicht am Rosenmontag, sondern am darauf folgenden Veilchendienstag zieht, wird gerne mal unterschlagen. Hauptsächlich, weil die großen Fernsehsender der region alle in Köln sitzen (RTL, WDR…), wo man noch nie davon gehört hat, dass der Dienstag zwischen Rosenmontag und Aschermittwoch auch einen Namen hat.
Nun leidet der Gladbacher Straßenkarneval aber auch darunter, dass er gewöhnlich wenig interessante Wagen hat. Ich meine, sie sehen hübsch aus, aber anders als etwa in Köln und Düsseldorf ziert sie nur selten eine Aussage – der Gladbacher Karneval ist hübsch, aber unpolitisch. Man findet also im allgemeinen die Namen der Karnevalvereine auf den Wagen und dazwischen den ein oder anderen Fußballwagen.

Doch in einem für die Stadt ungewöhnlichen Fall von „So, jetzt packen wir mal was an“ hat sich das dieses Jahr dann doch leicht geändert. Und prompt gibt es ein paar auch über die Stadtgrenzen hinaus vorstellenswerte Wagen. Oder zumindest mehr Politik als sonst.
Den wagen zur Fußballweltmeisterschaft 2011 habe ich leider nicht scharf drauf bekommen (der Autofokus hat sich auf einen Ast vor mir eingestellt), dafür fange ich mit dem vielleicht kontroversesten wagen des Jahres in der Stadt an:

Ich bin eher unglücklich über den Nahost-Bezug als über das Motiv und den Satz darunter. Aber das ist jetzt nicht der Ort für diese Diskussion.

Die Rheindahlener haben ihr Flughafenthema gleich mehrfach politisiert, nicht schlecht.
Den Anfang macht die voraussichtliche Schließung des „Flughafens“ Verkehrslandeplatz Mönchengladbach (mit diversen ehemaligen Zielen von dort aus mit dem Vermerk „canceled“), die Seite ist dann ein eher normaler Themenwagen und hinten kriegen wir nochmal was zum Nacktscanner geliefert, womit man auch dem diesjährigen Zugmottot („Klamotte maake Lüüt“) genüge getan hat:



Lustigerweise folgte diesem gleich der Wagen der AirBerlin:

Nicht weit dahinter der (erste) Wagen zur Koalition: Die Gladbacher Schildkröte mit abgeschlagenem schwarzen Kopf und einer Ampel als Ersatz. Der Kopf ist neu, der Körper hat immer noch die selben Stummelbeine.

Der Wagen stammt übrigens aus einem Designwettbewerb der Rheinischen Post. Die hat auch selber Koalitionen thematisiert und bringt den wohl selbstironischsten RP-Wagen aller Zeiten (Absicht?). Wobei das bei den Düsseldorfern, von denen der Wagen offenbar stammt (vermute ich mal wegen dem Funkturm), nicht ganz so schlimm ist wie hier in MG.

Etwas weiter hinten findet sich noch ein Ampelwagen: Die Junge Union Mönchengladbach kommt mit einem umgebauten Baucontainer daher, mit der bestenfalls halbwegs originellen Beschriftung „Zu schnell für jede Ampel“. Lustig ist das nur, weil der Wagen sich wie alle anderen mit ca. 5 km/h vorwärts bewegt – und die Ampel 23 Plätze weiter vorne vorwegfährt. Als Schildkröte! Pepp ist was anderes.
Hätte funktioniert, wenn die JU den Wagenplatz direkt vor der Ampelschildkröte bekommen hätte. Aber auch dann nur aus Zufall.

Nächstes mal mehr anstrengen, bitte, ist ja peinlich…

Einfach nur Pech hatte der Guido/Merkel-Wagen.
„Minister für Äusseres“ ist so herrlich subtil und dann sehen wir einen Westerwelle auf merkels Dekolleté fliegen – was funktioniert, bis man merkt, dass der doch schwul war. Naja, dumm gelaufen.

Und noch ein letzter Ampelwagen: Das Ömchen strickt dem Wasserturm Mönchengladbach eine neue Mütze aus rot-grün-gelber Wolle.

Bleibt zu hoffen, dass der Gladbacher Karneval weiter daran arbeitet, mehr als nur eine Wagenparade zu sein und sich öfter mal traut, auch Themen anzupacken. Teils aber auch bitte mit mehr Biss, das ist teils doch noch recht lahm. Wobei, wir haben halt keinen Jacques Tilly hier, der mal eben 5 Themenwagen pro Jahr baut, jeder davon ein Highlight.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Die Quantität stimmt schonmal: Geschätzte 5-6 km Zug sind ordentlich. Und auch an Internationalität mangelt es nicht: Neben Musikern aus den Niederlanden fuhr auch ein Wagen des Spreewaldhofs mit, dessen Besatzung mit Gurken um sich warf.


Filmabend III: Мама для мамонтенка

Diesmal ein wunderhübscher kleiner Trickfilm aus der Sowjetunion um ein kleines Mammut, das in der Arktis auftaucht und seine Mama sucht.