Die Minderheitenoption

Alle Welt redet von der fehlenden Mehrheit einer Zweierkonstellation mit den Grünen. Dabei ist diese ein Scheinproblem und Deutschland könnte seine erste funktionierende Minderheitenregierung kriegen. Denn unteer dem aktuellen Parteienspektrum wäre eine rot-grüne Minderheit stabiler Politikgestalter.
Die Zweier-Optionen, ihre Vor- und Nachteile im Überblick

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Le supplément musical et lá

Oh, es ist wieder Zeit für eine Musikeinlage. Das Thema Weltraumwestern wird etwas dünn und die übrigen Beispiele sind auch ziemlich mies, da geh ich doch zu etwas angenehmerem über: Astérix!

Ich hatte ganz vergessen, wie viel Musik die guten alten Astérix-Trickfilme hatten. Um mich auch mal selbst zu erinnern fangen wir mal an mit dem Titelsong Astérix est la. Den gibt es zwar auch in deutsch, aber ich mag die französische Version irgendwie lieber. Wie meistens ist auch hier der originale Text einfach besser:

Eine der wenigen angenehmen Ausnahmen ist der Arsen-Pudding aus Astérix und Kleopatra. Bitte sehr:

Auch schön aus dem selben Film: Kleopatras Bad. da hab ich leider nur die niederländische und schwedische Version gefunden. ich denke, die niederländische ist für meine Leser hier verständlicher:

Etwas schade ist (trotz meiner Vorbehalte gegen Übersetzungen von Musicals), dass man inzwischen auch in der deutschen version englische Songs verwendet. Der Beweis? Astérix in Amerika. Trotzdem ein schöner, wenn auch etwas kitschiger, Song.

Und wir beenden die diesmalige Musikeinlage mit einem weiteren englischen Song, einem Cover des Original-Titelsongs durch Cook da Book für den urkomischen Astérix bei den Briten.
Dieser Film hat diese Musikeinlage denn auch inspiriert: Verteidigungsminister Dr. Nachglos zu Guttenberg beschwerte sich jüngst darüber, dass diese infamen Taliban an Ostern angreifen (wie können die es wagen!). das erinnerte mich an Cäsars Kriegsstrategie, mit der er die Briten unterwirft: Angriffe erst nach Feierabend und am Wochenende mit doppelter Stärke!
Nein, das sind keine Gentlemen, diese Römer, sind sie nicht..?


So sinnlos nicht: Trip zur BGA Wassenberg

Würden Medientheoretiker sich mal nach Gladbach ausrichten, könnten sie derzeit eine Geschichte voller interessanter Prozesse sehen. Es geht um die Biogasanlage bei Wanlo: Wie die NVV da immer nur stückchenweise mit den Daten rausrückt und dadurch die Angst an der Anlage immer weiter schürt, ist ein Spekakel. Andererseits aber auch, wie Informationen aus dritter Hand zu Nachrichten werden.

Konzentrieren wir uns jetzt einmal auf die Dienstreise des Umweltausschusses der Stadt Mönchengladbach zu einer baugleichen ähnlichen anderen Biogasanlage in Wassenberg, die laut NVV angeblich baugleich sein sollte.
Zunächst stand die verständliche Befürchtung im Raum, dies würde eine reine Werbeveranstaltung der NVV werden, wie sie die NVV schonmal gebracht hat, als sie (auf meine Bitte) das Projekt im Umweltausschuss vorstellte und dies dann zu einer sinnlosen Werbeveranstaltung namens „Innovative NVV“ machte, auf die wir hätten verzichten können.
Nun dürfte der NVV inzwischen durch den angemeldeten Beratungsbedarf zur Gründung der Trägerfirma der Anlage klar geworden sein: So einfach kommt sie nicht am Umweltausschuss und den Grünen vorbei.
Das führte dann dazu, dass die Reise nicht annähernd so sinnlos war, wie etwa die Aktion Durchblick MG befürchtet hatte. denn durch die Anlage führte Rainer Sender, der viele durchaus relevante und interessante Informationen preisgeben konnte.

Nun muss man natürlich sehr konzentriert zuhören und den Kontext behalten.
So sagte Sender etwa, man wolle in Wanlo eine zweite Straße errichten [Produktionsstraße, nicht Lieferweg], in der mit „anderen Substraten“ experimentiert würde. Damit bezog er sich auf Grünschnitt, Gras und ähnliche Grünabfälle, welche die normale Maisanlage nicht verarbeiten kann.
Das wurde dann mehrfach verkürzt und nur das „experimentieren“ blieb übrig – zack glaubten einige Leute, sie wären „Versuchskaninchen“, was dann zu einer mE unsäglichen PM der Linken führte, die von „Gewährleistung der Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger von Wanlo“ sprach (vermutlich ist Methan aus Gras nach linker Linker Überzeugung explosiver als Methan aus Mais) – nunja, es ist eben Wahlkampf.
Was hier passiert ist, ist folgendes: Die Verfasserin des Artikels kürzt die Informationen auf das nötige Maß zurück, ein paar Leser nehmen es in dieser verkürzten Form auf und die Verküzung entwickelt dann wieder ein Eigenleben. Und da die Linke bei der Veranstaltung nicht dabei war, weil sie es für eine „Werbetour“ hielt (was es dann aber nicht wurde, auch wenn die Befürchtung verständlich war), muss sie sich auf Informationen aus zweiter oder dritter Hand verlassen.

Andere Informationen sind nicht minder interessant: So stimmen etwa 90% aller Zahlen nicht, die zu dem Thema umhergeschmissen wurden.
Denn die Anlage bei Wanlo soll etwa doppelt so groß werden wie jene in Wassenberg. Das bedeutet: Es werden (rechnerisch) nicht 1600, sondern gut 3000 Haushalte versorgt. Es bedeutet aber auch: Es kommen nicht 1000 Lieferfahrten zusammen, sondern gut 2000 – und somit sind sämtliche beschwichtigenden Verkehrsgutachten der NVV für die Tonne.
Die Anzahl der Fahrten in der Maisernte-Saison ist allerdings abhängig davon, welchen Anteil die Mais/Gülle-Anlage und welchen die Anlage für sonstige Substrate ausmacht – nur wie auch immer, die von der NVV angegebene Zahl an Anfahrten ist auf jeden Fall zu niedrig angesetzt.

Das alles macht zwei Dinge deutlich:
1. Die NVV beschwichtigt offenbar, um die Anlage genehmigt zu bekommen
2. Die Wanloer sind unterdessen wütend genug, auf jedes Reizwort aufzuspringen

Das schadet beiden Seiten: Die NVV schadet mit ihrem unehrlichen Vorgehen ihrem ohnehin angeknacksten Ansehen, die Wanloer verwässern ihr stärkstes Argument (die Verkehrsbelastung) durch unsinnige Nebenschauplätze.
Denn an tatsächlichen Problemen gibt es lokal nur eines: Wie sorgt man dafür, dass der Lieferverkehr in die Anlage (Mais/Gülle) und aus der Anlage (verdelte Gülle) nicht durch den Ort geht? Diese Frage ist wichtig und berechtigt und wenn die nicht hieb- und stichfest beantwortet wird, ist die Anlage an diesem Standort ein Fehler.
Es gibt noch ein paar andere Punkte, aber die sind (abgesehen von der Grundsatzfrage, ob man solche Anlagen überhaupt will) vergleichsweise einfach zu klären.

Übrigens nochmal zum Trip: Ich bin zu der Anlage inzwischen skeptischer eingestellt. Das liegt einerseits an der Art und Weise, wie die NVV versucht, die Entscheidung dazu an den Fachausschüssen vorbeizuschleusen; andererseits aber auch an dieser Dienstreise, bei der einige Widersprüche zu den bisheirgen Behauptungen der NVV klar wurden.
Und eben auch daran, dass die Verkehrsfrage immer noch nicht annähernd geklärt wurde. Was die NVV zu dieser bisher vorgelegt hat, ist einfach nur Müll.


New Orleans zwischen Untergang und Blütezeit

Die Geschichte der Menschheit ist voller Wndepunkte. Manche sieht man, wiel sie unter den Augen der Presse von großen Köpfen der jeweiligen Zeit abgehalten werden. manche sieht man nicht, weil das Ereignis selbst so alltäglich und mundän erscheint. Und manch andere sieht man nicht, weil sie diffus zwischen den Entscheidungen schweben, weil sie mehr einen Zeitraum als einen Zeitpunkt einnehmen, mehr Potenzial denn Ereignis sind.
Eine solche Art von Wendepunkt findet genau jetzt statt und wo er hingeht, werden wir erst in einigen Jahren sehen können: New Orleans.

New Orleans gehört zu den jüngsten, aber auch den leidvollsten großstädten der westlichen Welt. Direkt am Golf von Mexiko gelegen, liegt sie in einer Region, die imemr wieder von einer auffällig konzentrierten Anzahl an katastrophen heimgesucht wird. Sie ist nicht die einzige Stadt in einer solchen Lage, aber die einzige in der westlichen „Ersten“ Welt.
Auffällig oft wird New Orleans auch von Katastrophen getroffen, die mit den Auswirkungen menschlicher Umweltzerstörung zu tun haben. Am besten im Gedächtnis dürfte hier noch der Hurricane Katrina sein, der die Stadt 2005 praktisch komplett unter Wasser setzte, in kurzem Abstand gefolgt vom glimpflicher verlaufenen Hurricane Rita. 3 Jahre später führte mit Gustav ein weiterer Wirbelsturm zu einer kompletten Evakuierung der Stadt.
Große Teile der Stadt liegen bis zu 3 Meter unter dem Meeresspiegel, was sie zu einem der ersten potenziellen Opfer steigender Meeresspiegel durch den Klimawandel macht.
Und jetzt spült eine Ölpest an die Küste von Louisiana, wie die Welt sie noch nicht gesehen hat. Für New Orleans, einen der wichtigsten Häfen der Südküste und einen wichtigen Fischereiort womöglich ein weiterer schwerer Schlag.

Leben in New Orleans muss einem die letzten Jahre vorgekommen sein, als befände man sich in einer dieser Horror-Visionen einer ökologisch zerstörten Zukunft, wie sie zuletzt in den 90ern populär waren.
Die Stadt steht nun auf einem Scheideweg: Untergang oder Aufbruch? Die Entscheidung fällt damit, wie die Einwohner auf die neue Katastrophe reagieren.

Kommt es erneut zu einer Ausreisewelle, bedeutet dies einen schweren Schlag für New Orleans. Sie könnte die erste westliche Stadt werden, die aufgrund der zunehmenden Umweltzerstörung aufgegeben wird. Eine Geisterstadt als Mahnmal, als Warnung, dass wir näher am Abgrund stehen als wir wahr haben wollen. Die Stadt schrumpft etwa seit dem Auftreffen von Hurricane Betsy und es ist nicht mehr auszuschließen, dass sie in wenigen Jahrzehnten bestenfalls als Kleinstadt erhalten bleibt. Die großen Wolkenkratzer des Finanzdistricts stehen dann leer.
Oder New Orleans nimmt die Katastrophen als Anlass, aktiv zu werden und wird zu einer neuen Hauptstadt der grünen Bewegung: Die beständige Nähe zu den Auswirkungen der Umweltzerstörung motiviert die Bürger, etwas gegen diese Zerstörung zu tun, vorbildliche Projekte zu starten und Persönlichkeiten der internationalen Politik hervorzubringen, die ihre Stadt vor dem Untergang unter den Fluten retten wollen.

New Orleans gehört womglich zu den ersten Städten, in denen man endlich kapieren wird, dass keine Zeit ist, sich über Privilegien und Verantwortlichkeiten zu streiten, während wir weiter auf den Abgrund zulaufen und uns weigern, die Augen zu öffnen.


Filmabend: Windshield

Ein kleiner animierter Kurzfilm von 2008, der damals auch einige Preise abgeräumt hat.
mE nix besonderes, aber ganz nett.

Windshield from Max Brandl on Vimeo.