Kurzgeschichte: Ninjutsu

Die folgende Kurzgeschichte habe ich Ende November fĂŒr einen Weihnachtsgeschichtenwettbewerb geschrieben. Leider war sie ein paar hundert Zeichen zu kurz fĂŒr die Mindestanforderungen. StĂ€rker wollte ich sie aber wirklich nicht strecken. Und ein wenig unkonventionell ist sie auch.
Nun, da heute Heiligabend ist, gebe ich die Geschichte statt dessen einfach frei an alle Leser weiter.

Schöne Weihnachten allen Lesern
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Politiker mit G, Teil 2

Achja, der Goebbels-Vergleich und der nÀchste Morgen.

Inzwischen habe ich zwei Entschuldigungen geschrieben: Eine in der BĂŒrgerzeitung als Kommentar unter dem entsprechenden Artikel, eine an die CDU sowie Presse und Rundfunk.
Beide Stellungnahmen und mein vorheriger Beitrag decken sich inhaltlich beinahe vollstĂ€ndig, daher verzichte ich hier auf eine raumgreifende Zitierung. Sollte eine solche gewĂŒnscht sein, liefer ich natĂŒrlich nach.

Wie oben bereits verlinkt, hat die BĂŒrgerzeitung berichtet, daneben die Rheinische Post (ĂŒbrigens hat jene von mir wohl eine falsche Handynummer, sie hat zwar offenbar angerufen, aber nicht bei mir, keine Ahnung, wessen Mailbox die Redaktion da gefĂŒllt hat), die Westdeutsche Zeitung im ĂŒberregionalen Teil und im Kontext von Kritik durch Sigmar Gabriel und Claudia Roth (finde ich allerdings nicht online). Vom Express habe ich auch gehört, dass er berichtet hĂ€tte.
Heute vormittag hatte ich ein Interview mit Sat.1 (lief mE sehr schlecht), dem WDR und RTL (die beiden waren okay). Nun, mal sehen, was daraus noch wird.
Einen von mir (wahrscheinlich) unabhÀngigen Goebbels-Vergleich gab es inzwischen in The Independence, das ich mir auch nicht zu eigen mache. Wenn Stephanie zu Guttenberg mit ihrem gatten ins Ausland fliegt, ist das ihre Sache.

Die Frau des Ministers begrĂŒndet ihre Teilnahme an der Reise: sie wolle „als Gattin und Mutter zu Weihnachten bei den Soldaten“ sein. Ich werde aufmerksam. Diese KlĂ€nge kenne ich. Von Goebbels. Was Stephanie zu Guttenberg hier in die Mikrofone sĂ€uselt, soll freundlich klingen. So familiĂ€r irgendwie. Auch irgendwie harmlos. Nett eben.

Doch ich frage mich: was vollzieht sich da grade im Lande? Was schleicht sich da ein in die Spaßgesellschaft? Was erlaubt sich der junge Minister da eigentlich, der im Moment von den Sympathien des Volkes getragen wird? Abgeordnete, die im Januar zu entscheiden haben, können Kundus nicht besuchen, aber die „Gattin und Mutter“, die ĂŒber keinerlei Mandat verfĂŒgt, darf? Das ist kein Zufall. Hier geht es um die richtigen Bilder. Die einen „jungen aufstrebenden Politiker“ stĂ€rken sollen.[…]

Nun verhĂ€lt es sich allerdings so, dass die Formulierung von der „Gattin und Mutter zu Weihnachten bei den Soldaten“ eine Geschichte hat in Deutschland.

Die Linke hat, sehr zu meiner Überraschung, mit einer sachlichen Mitteilung reagiert:

Der Skandal ist nicht der Vergleich eines örtlichen Ratsherren. Der eigentliche Skandal ist wie Not und Elend benutzt werden, um die Quote zu erhöhen. „Da fliegt jemand auf Kosten der SteuerzahlerInnen in ein Kriegsgebiet und hat im HandgepĂ€ck die Zusage auf einen exklusiven Show-Auftritt bei Kerner live aus dem Krisengebiet“, Ă€rgert sich Kreissprecher Torben Schultz.

FĂŒr mich ist die Sache erledigt. Ich habe einen Fehler gemacht, mich entschuldigt und dargestellt, was gemeint war. Die CDU Mönchengladbach hat mir zu verstehen gegeben, dass sie das ebenso sieht.
Jetzt arbeiten die Massenmedien mit ihrem ĂŒblichen Nachlauf von einigen Stunden. Dann kommt eine Protestwelle. Und Donnerstag kennt hoffentlich wieder niemand mehr meinen Namen.

In Twitter gibt es unterdessen immer noch keine mir bekannten negativen Reaktionen.
Eine Auswahl an Reaktionen, die mir aufgefallen sind:

Teelevision: http://bit.ly/gcVfdY Ich dachte sowas nennt man Satire. Und es ist dann eine „ĂŒble Beleidigung“, wenn es ein Politiker sagt? (@shadaik)
[…]
Ich kann mich an „ĂŒblere“ Sachen aus den Spitzen anderer, an der Regierung beteiligter Parteien erinnern. Was mit faulen AuslĂ€ndern und so.

Der Wachsame: Dieser Winter ist wirklich außergewöhnlich hart. Opa erzĂ€hlt schon wieder von Stalingrad. #Erinnerungen

Und, wahrscheinlich unabhĂ€ngig von meiner Äusserung:

fernsehkritiktv: Kerner macht Talkshow in Afghanistan! Es ist also wieder soweit: Terror, der von deutschem Boden ausgeht!

peterbreuer_ Deutschland wird am Hindukusch blamiert.

jensbest: Wenn es die Kerner-Show schon 1941 gegeben hĂ€tte, hĂ€tte er mit „WĂŒstenfuchs“ Rommel auch eine PR-Talkshow gemacht. #KriegspropagandaTV
[jensbest, der etwa 20-Mal soviele Leser hat wie ich, geht Guttenberg insgesamt ĂŒbrigens noch deutlich drastischer an]

Der Kontrast zwischen Online- und Offline-Reaktionen ist beachtlich. Die in diesen Tagen gemachten Erfahrungen bedeuten auch neue Informationen fĂŒr meine Annahme, dass die Gesellschaft durch die netzwerklerische Kraft des Internets an mehreren Schnittlinien zugleich zerreisst. Zugleich ist mir bewusster geworden, was fĂŒr Unterschiede ein und die selbe Sache in unterschiedlichen Medien und Kontexten in sich birgt. Eine Erfahrung von hohem Wert.
Das ist vielleicht das Positivste an dieser Sache: Soviel in so kurzer Zeit gelernt wie durch diesen Skandal, habe ich wohl noch nie. Und das nach 12 Jahren mit Internet.


Goebbels!

So, hab ich allseitige Aufmerksamkeit? Danke.

Also: Derzeit skandalisiert die CDU einen Tweet von mir. Ich war schockiert, dass Guttenberg auf seiner aktuellen Reise nach Afghanistan neben seiner Frau auch den Quatschmeister Talkmaster Johannes B. Kerner mitnahm, um in Afghanistan eine Fernsehsendung aufzunehmen. Daraufhin schrieb ich spontan folgenden Tweet:

Guttenberg nimmt in Afghanistan ne Talkshow mit Kerner auf – da kann Goebbels sich propagandamĂ€ĂŸig noch was abkucken! #godwin

Nun gebe ich gerne zu: SaumĂ€ĂŸig schlechter Satz, geht gar nicht.

Doch dahinter steckt ja etwas, was ich sagen will: Ich halte Guttenbergs Aktion, eine Talkshow in einem Kriegsgebiet auszunehmen fĂŒr eine erhebliche Verfehlung. Wie ĂŒbrigens viele andere auch. Auch und grade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und hier wiederum der Rolle, die Propaganda in der Geschichte deutscher KriegsfĂŒhrung spielte.
Und damit ist Guttenberg der erste Minister in der deutschen Nachkriegsgeschichte, der einen Krieg in solcher Weise mit Propaganda unterfĂŒttert. Vom offenbaren Quotenwahn bei Sat.1 mal ganz zu schweigen, denn wieso sonst nimmt man in einem Kriegsgebiet eine Talkshow auf?
Wer der letzte deutsche Minister vor ihm war, der eine solche mediale Kriegsverherrlichung betrieben hat, das kann ja mal jeder raten…

Nicht erwartet hatte ich, dass die CDU a) mitliest und b) aufspringt. Etwa fĂŒnf Stunden nach dem Tweet erfuhr ich indirekt ĂŒber Dritte von der Pressemitteilung der CDU mit dem Titel „Krings fordert öffentliche Entschuldigung
Mal davon abgesehen, dass krings von mir bisher noch gar nichts gefordert hat und wahrscheinlich noch nicht einmal um die Existenz des Tweets weiss geht die Mitteilung von einer grundfalschen Annahme aus.

Mit keinem Wort habe ich den Besuch des Ministers bei den Truppen kritisiert. Im Gegenteil, ebenso wie Dr. Krings laut der Pressemitteilung begrĂŒĂŸe ich diesen. Und ich stimme völlig ĂŒberein, wenn diese PM aussagt:

Ich finde, dass Guttenberg ein positives Zeichen der UnterstĂŒtzung fĂŒr die deutschen Soldaten setzt, wenn er sie in der Vorweihnachtszeit im Einsatz besucht

D’accord.

Ich habe in dem obigen Tweet klar von „propagandamĂ€ĂŸig“ geschrieben. Es ging also keineswegs um den Einsatz selbst, sondern um den Akt der Propaganda. Mit keinem Wort bezog ich mich auf die Soldaten und auf irgendetwas anderes als auf die Aufzeichnung einer Talkshow in einem Kriegsgebiet mitsamt extra eingereistem prominenten Moderator.

Also, nochmal in drei SĂ€tzen:
1. Ja, die Formulierung war Mist Das sehe ich ein und entschuldige mich.
2. Über die deutschen Soldaten habe ich kein Wort gesagt
3. Ich halte nichtsdestotrotz die Aufzeichnung einer Talkshow im Kriegsgebiet fĂŒr einen Skandal, der in der deutschen Nachkriegsgeschichte einmalig ist

Nachtrag: Fortsetzung hier

PS: Mein Dank gilt auch der Twitter-Gemeinschaft, die ein wesentlich besseres VerstÀndnis der Aussage gezeigt hat als die CDU. Es folgt ein Best Of der bisherigen Antworttweets, soweit ich die mitbekommen habe:

TorbenSchultz: Nur mal so: Der Skandal ist nicht der Vergleich eines örtlichen Ratsherren, der Skandal ist wie Not und Elend die Quote erhöhen sollte!

bov: Johannes B. Riefenstahl

prisac: ungefĂ€hr 4.570 bundeswehrsoldatinnen und -soldaten schĂŒtzen eine einstĂŒndige talkshow … soweit ist es schon – bis zum hindukusch.

prisac: wenn die #cdu- mg diesen tweet liest, bitte seien sie entsetzt!

Zwergenkoenig75: @shadaik Und das genau ist das Problem eines Großteils Eurer Truppe: Ihr lebt in einer komplett anderen Welt. Gobbels ist hin! Breaking news

Und nein, es gab bisher im Twitter keine einzige eindeutig negative Äusserung auf meinem Tweet. Was mich offengestanden auch selber ĂŒberrascht, denn die Formulierung war nunmal wirklich Mist.