>Armata: Cover

>Okay, wie versprochen gibt es was ich über das Coverdesign von Armata zu sagen habe in einem separeten Beitrag. Fangen wir einfach mal mit dem Offensichtlichsten an: Dem Cover zum Ankucken (etwas verkleinert).

Zu allen Fragen, was das darstellt: Weiterlesen oder einfach bei einem Kopfstand betrachten. Und nein, es ist nicht Dänemark.

Die Grundidee von Armata ist, dass es einen zweiten Planeten, Deucalia, gibt, der an unserem Südpol über eine Art Kanalbrücke mit der Erde verbunden ist. Diese andere Welt ist im Grunde ein Spiegelbild der unseren – zumindest benutzt Thomas Erskine sie so, wenn er die Nation Armata als Ebenbild Englands beschreibt und dies auch mehrfach im Text zugibt.
Mein erster Gedanke war es, die Südhalbkugel zu nehmen und im unteren Bereich des Covers über eine horizontale Linie zu spiegeln. Das gefiel mir aber alles nicht und der Roman beschäftigte sich ja praktisch ausschließlich mit Armata; also nicht der Erde und somit auch nur diesem spezifischen Land dort. Auf ging die Suche nach einer zeitgenössischen Karte der britischen Inseln.

Leider waren die alle nicht zu gebrauchen (weil beschriftet), also ging der nächste Schritt zu Satellitenaufnahmen und *zack*, da war eine Karte der NASA von Europa. Perfekt, England wolkenfrei und gute Größe. Also schnell England ausgeschnitten, auf die richtige Größe (800×600 Pixel) geschrumpft und um 180 Grad gedreht – fertig war die Darstellung von Armata mitsamt der klaren Aussage, dass es ein Gegenstück zu England war. Zunächst überlegte ich noch, den oberen Bereich durch ein einfarbiges Rechteck zu verdecken und den Text da reinzusetzen.
Aber im Grunde war der Kanal doch breit genug für einen Titel, oder?

Das probierte ich sogleich aus (Arial in Fett war wegen des kurzen prägnanten Titels Schriftart der ersten Wahl). Text eingefügt, ein bisschen mit der Größe gespielt und verschoben, bis er dann recht schnell an der Spitze von Cornwall einen gut aussehenden Anker fand. Etwas zweifelte ich noch, ob es gut war, wenn der Text aufs Festland überlappte, befand es aber nach einigen nochmaligen Rumschieberen für gut.

Der Autorenname steht unterhalb des Titels und ist zudem sehr klein geraten.
Der Grund dafür ist der: Ich überlegte eine ganze Weile, ob Erskine überhaupt erwähnt werden sollte. Er hatte die beiden Teile des Romans 1817 anonym veröffentlicht, ein fehlender Name würde diese Tradition widerspiegeln. Zudem gibt es in letzer Zeit ohnehin eine Diskussion, bei eBook-Titelbilder Titel und Autoren wegzulassen, weil beide ja ohnehin neben dem Cover stehen. Davon bin ich übrigens kein Freund.
Ganz Politiker entschloss ich mich zu einem Kompromiss: Der Name kommt drauf, aber man sieht ihn nicht, wenn man sich das Cover nicht gezielt in groß anschaut.

Jetzt war noch ein Marktvergleich wichtig. Dies ist nicht die einzige Ausgabe von Armata, wenn auch die einzige eBook-Ausgabe. Meine Version muss sich gegen 7 verschiedene Printversionen durchsetzen. Der Preis (0,99 € für beide Bände in einem Buch) sprach für mein Angebot, die Konkurrenz ging so bei 20 € los und dafür erhält man oft nur den 1. oder 2. Band. Aber das muss ja erstmal jemand mitbekommen.
Das bedeutet, das Cover muss unter den Suchergebnissen herausstechen, zugleich aber gut genug aussehen, um nicht als Billigkram abgewiesen zu werden (und seien wir ehrlich, dieses Cover ist extrem preisgünstig und einfach). Also ab damit, in eine Reihe mit den übrigen Angeboten stellen – sticht es heraus?:

(Links führen zu Amazon.de)

Also, wenn ihr mich fragt, ist das ein bestandener Test. Das Cover der Ausgabe, die nur den 2. Band zu enthalten scheint (vorletztes in der Reihe) ist meiner meinung nach besser als meines und passt besser zum Alter des Textes, aber alles in allem sticht meine Version optisch deutlich hervor. Das Farbschema ist einmalig und der einzige Titel mit einem zumindest ähnlichen Farbschema zeigt ein völlig anderes Bild (das irgendwie so gar nichts mit der Geschichte zu tun hat).

Das war der 1. Test, den ab jetzt jedes meiner Buchcover bestehen muss: Sticht es zwischen der Konkurrenz ins Auge?

Der andere test ist das genaue Gegenteil: Passt er im Kindle-Angebot ins Bild? Um das festzustellen, wird die MOBI-Datei in Kindle for PC geladen und in den verschiedenen Ansichten in der Bibliothek angesehen: Passt es da rein oder fällt es gleich unangenehm auf? Im Idealfall fällt es beim bloßen Überfliegen nicht direkt auf, zieht bei längerer Betrachtung des Bildschirms aber Aufmerksamkeit auf sich.
Armata jedenfalls sieht in meiner Kindle-Bibliothek so aus:

Was zunächst auffällt ist, dass das Cover irgendwie den Eindruck macht, ausserhalb seiner eigenen Grenzen weitergehen zu wollen. Liegt wahrscheinlich in der Natur von Ausschnitten aus Satellitenaufnahmen.
Daneben zwei Dinge: Ja, es fügt sich ganz gut in den Mix ein, besonders zwischen die übrigen Fotocover. Der eben von mir beschriebene Effekt zieht dann das Auge an – innerlich will man die Karte weiterzeichnen. Man versucht, den seltsam vertraut wirkenden Ausschnitt zuzuordnen, aber so recht will es nicht klappen – perfekt! Zumindest mir ergeht es so, wenn ich das sehe.
Die andere Auffälligkeit ist der Titel. Er lässt sich auch bei dieser Verkleinerung noch klar lesen. Eine Eigenschaft, die nur eine Minderheit von Kindle-Büchern aktuell zu haben scheint. 1Q84 ist der einzige Titel, der besser lesbar ist. Dieses Bild wiederholt sich bei allen Optionen der Buchanordnung (die ich jetzt hier nicht durchdeklinieren werde).
Wenn das hier funktioniert, dann funktioniert das auch in der Suchfunktion bei Amazon. Nebenbei erhöht es auch die Chance, dass das Buch nach dem Kauf auch gelesen wird. Das ist bei Armata jetzt nicht so wichtig, da es kein Buch von mir ist, aber bei meinen eigenen wär mir das schon lieb.

Das einzige, worüber ich noch nicht gesprochen habe, ist das Marketing. Das verfrachte ich einfach mal ins nächste wöchentliche Update zum eBook-Projekt.


>Armata

>
Jetzt ist es also da, das erste von mir verlegte eBook.
Womit ich auch endlich keine Sorge mehr haben muss, dass mir jemand zuvorkommt und somit sagen kann: Es ist Armata, ein 1817 veröffentlichter Zweibänder des Juristen Thomas Erskine, der dessen einzige veröffentlichte Fiktion darstellt.
Armata ist utopischer Roman, in dem Erskine Politik und Kultur seiner Landsleute reflektiert.
Der Erzähler wird früh im Roman zum einzigen Überlebenden eines Schiffsunglückes: Durch einen bis dato unbekannten Kanal gelangt er auf einen Zwillingsplaneten der Erde, der offenbar am Südpol über eine Art „Nabelschnur“ (eben diesen Kanal) mit der Erde verbunden ist.
Der Überlebende eines früheren Schiffsunglücks nimmt ihn auf. Hocherfreut über Besuch aus England beginnt er den Schiffbrüchigen auszufragen. Das Land Armata, in dem der Erzähler gelandet ist, steckt tief in einer schweren Krise und sein Gastgeber erwartet großes von ihm, ist er doch einer der Engländer, auf deren Weisheit sein Vater große Stücke gehalten hat.

Die Umsetzung
Anfangs hatte ich noch die Idee, den Text einfach abzutippen. Keine sonderlich gute. Nicht nur kam ich so auf grade einmal 10 Seiten die Stunde (womit das Buch 42 Stunden verschlungen hätte), es schlichen sich auch Tippfehler ein. Das also gab ich nach knappen 50 Seiten schnell wieder auf.
Da mein Exemplar eine PDF war (allerdings als Bilderserie gespeichert), ließ ich eine Texterkennung drüberlaufen und fügte das Ergebnis dann Seite für Seite in eine ODT-Datei ein. Dabei überprüfte ich dann das Ergebnis des Scans, indem ich jeweils bis zum nächsten Satzzeichen im Text laut vorlas und den so gemerkten Text mit der Enddatei verglich. So hatte ich meine Geschwindigkeit immerhin verdoppeln können: 20 Seiten/Stunde.
Nach 100 Seiten in diesem Modus nahm ich dann den gesamten Resttext auf einen Schlag, kopierte ihn in die ODT-Datei und schloß den Texteditor, in dem das Scan-Ergebnis stand. LibreOffice mit der ODT nahm jetzt die linke Bildschirmhälfte ein, die PDF (jeweils eine Seite) die rechte.
So sparte ich mir ein paar Klicks beim Seitenumblättern und kam in der Spitze auf satte 35 Seiten/Stunde. Soweit zur Technik.

Doch nun zum Buch, denn das war interessant: Ich hatte Armata bisher nicht gelesen und kannte es nur aus historischen Übersichten bei H.G. Wells (A Modern Utopia) und John Clute (Science Fiction. Die illustrierte Enzyklopädie.).
Zunächst schreckte mich der Satzbau ab: Endlos gewundene Bandwurmsätze, bei denen ein Punkt schonmal eine Seite auf sich warten lassen konnte. Zudem zeigt der Erzähler eine störend arrogante Überzeugung davon, dass keine Nation besser und intelligenter sei als England.
Naja.
Immer mal wieder haben mich dann Stellen überrascht, an denen Situationen angesprochen wurden, die wir heute genauso kennen. Besonders im gedächtnis geblieben ist mir die Beschreibung fremder Fischer, die vor den Küsten von Armata die Meere leerfischen. Wer sich mit der aktuellen Situation in Afrika beschäftigt, kennt dieses Problem.
Hin- und hergerissen zwischen der arroganten Art des Erzählers einerseits, der Aktualität vieler der geschilderten Probleme andererseits kam ich, bestärkt durch seine für damalige Verhältnisse überraschende kritische Einstellung zu Finanzspekulationen, Militär und kulturellen Entwicklungen zu einem doch recht positiven Eindruck.
Sicher kein Roman, dessen Aussagen ich unumschränkt zustimmen würde, aber ein für seinen historischen Kontext erstaunlich fortschrittlicher nd auf jeden Fall ein Vorläufer der Science Fiction, den alle kennen sollten, die sich für die Proto-SF des frühen 19. Jahrhunderts interessieren oder mal eine andere Spielart davon als immer nur Mary Shelleys Frankenstein (ein Jahr später erschienen) zu lesen.

Zurück zum technischen:
Die Arbeiten hatten sich über insgesamt zwei Wochen verteilt, alles in allem etwa 20 Stunden. Mit eingerechnet ist dabei das Personenverzeichnis, das ich für den Roman angelegt habe und ein kurzer Text zum Hintergrund des Romans und besonderen literarischen Auffälligkeiten. Dann kam der letzte Tag.

Ich entschloss mich, das beste Ergebnis würde ich wohl erhalten, wenn ich eine HTML-Datei als Basis nahm, also ließ ich LibreOffice eine solche erzeugen.
Zu meinem Erschrecken hatte ich plötzlich doppelt so große Absatzabstände und erst einiges Googeln brachte mich auf die Ursache: Ich lernte (nach 15 Jahren am Computer), dass es in einer Textverarbeitung einen Unterschied gab zwsichen einem Absatz (Enter) und einem Zeilenumbruch (Umschalt + Enter). Den Unterschied kannte ich beiläufig aus html (dort als P bzw. BR codiert), maß ihm aber keine weitere Bedeutung zu. Bisher war halt klar: Auf die Enter-Taste drücken wechselt in die nächste Zeile. Halt so wie auf der Schreibmaschine zweimal am Rädchen drehen.
Nun gut, ich ging also das gesamte Dokument nochmal durch und ersetzte alle Zeilenumbrüche, die keine Absätze sein sollten, durch korrekte Zeilenumbrüche. Das dauerte zum Glück nicht lange, war aber nervig.

HTML neu erzeugen und mit dem Mobipocket Creator in MOBI umwandeln, das auch der Kindle lesen kann.
Datei mit Kindle for PC geöffnet, sah gut aus. Im Kindle-Emulator für Kindle, Kindle DX, iPhone und iPad durchgetestet: Okay.

Jetzt die Richtlinien für die Veröffentlichung auf dem Kindle aufmachen und einmal durchchecken. Alles okay, aber Moment mal… Die zentrierten Kapitelüberschriften rutschten jedesmal nach links, wenn ich ein Kapitel direkt ansteuerte, waren aber korrekt, wenn ich normal dorthin blätterte.
Hmm.
Blättern im Code stellte den dafür verantwortlichen Übeltäter: Der HTML-Code hatte Seitenumbrüche als Wert im ersten Wort auf der neuen Seite gespeichert („page-break-after“ im STYLE-Eintrag des Absatzes). Dadurch musste die Sprungmarke für die Links hinter den Formatierungsinformationen stehen. Sprang der Leser also direkt zu der Marke, wurden diese Daten nicht mitgeladen.
Okay, sämtliche Seitenumbrüche umgebaut, sodass jetzt ein „page-break-after“ auf dem letzten Absatz der vorherigen Seite lag und die Sprungmarken vor den Formatieurngsdaten des Absatzes, zu dem sie jeweils gehörten.

Feinschliff und andere Fiesematenten
Fehlte noch der Schmutzumschlag. Das ist normalerweise eine Seite im Buch, die nochmal den Titel und Verlagsangaben nennt und vor dem eigentlichen Buch liegt.
Bei eBooks im Grunde unnötig, aber hier hatte ich ein paar Besonderheiten vor, die eine solche Seite doch rechtfertigten.
Das einfachste davon war ein Hinweis darauf, dass das eBook beide Bände enthielt. Der Buchtitel wurde auf dieser Seite also durch ein „Book 1&2″ ergänzt. Dazu kam noch ein Hinweis auf die veraltete Rechtschreibung, die absichtlich beibehalten wurde, um den Text des Originals nicht zu verfälschen.
Und dann kam die Fiesematente, ein Experiment, von dem ich nicht wusste, ob es beim Veröffentlichen durchgehen würde. Da ich nur eine elektronische version veröffentlichte stellte ich einen Hinweis darauf ein, dass es auch papierne Versionen gibt und fügte für jede Amazon-Seite, die einen eigenen Kindle-Shop hatte jeweils einen Link zu dieser ein. Natürlich ein Affiliate-Link. So würde ich nicht nur direkt durch die Verkäufe des eBook Geld verdienen, sondern auch durch jene, die das eBook als Leseprobe nutzten, sich dann aber doch für die Printversion entschieden (und diese dann über meinen praktischen Linkservice bestellen).
Dann kam das Coverdesign dran, aber wisst ihr was: Daraus mache ich einen eigenen Blogeintrag, dieser hier wird sonst noch endlos.

Lebensgefahr für Fingernägel: Veröffentlichung
Nach dem Coverdesign, das ich wie geschrieben separat behandeln werde, schickte ich die endlich fertige Datei an amazon.
Erstmal fragte das System nach etlichen Daten. Darunter auch nach allen am Buch Beteiligten. Leider gab es dabei keine Option „Anmerkungen“ oder „Nachwort“, somit musste ich mich mit der besten verfügbaren Option „Einleitung“ angeben. Nun gut, warum auch nicht.
Das Buch wurde hochgeladen und nun hieß es warten: Es stand jetzt mit „wird geprüft“ in meinem bis dahin leeren „Bücherregal“ (Verzeichnis aller von mir verkauften Titel). In der Hoffnung, es am Morgen im Verkauf bestaunen zu können, ging ich zu bett – es war immerhin (mal wieder 01:00 nachts).
Den Freitag sah ich immer wieder in Postfach und Bücherregal nach. Ewig lang keine Veränderung, dann endlich ein neuer Status: „In Bearbeitung“. Die Erklärung dazu versprach Veröffentlichung innerhalb von 24 Stunden.

Und schließlich war es dann so weit. Um 23:06 sah ich nochmal nach und entdeckte den neuen Status „Live“. Ab sofort konnte ich in Blogeinträgen darauf verlinken. Wie jetzt grade links von diesem Absatz. Und auf Twitter. Und überhaupt. Jetzt würde ich reich. Reich, sag ich euch (wenn auch ganz langsam)! Okay jetzt erstmal schaun, wann das erste Exemplar verkauft wird. Wird schon jemand nach Armata suchen und mein mit Abstand günstigstes Angebot (0,99 €) finden.
Es gibt zwar auch kostenlose PDFs, aber die sind nur als Bild gespeichert. Meine Version ist ein durchsuch-, skalier- und markierbarer Text, rechtschreibgeprüft und deutlich leserlicher formatiert. Ich denke, das wird jenen, die diesen Text suchen (insbesondere den Literaturwissenschaftlern) den schlappen Euro wert sein. Sonst haben sie noch die Option, für ca. 20 € eine Papierversion zu kaufen. Auch okay, wenn sie das über meinen Link machen, bekomm ich immer noch 0,80 € dafür (für jeden eBook-Verkauf übrigens 0,30 €).
Achja, genau, das hatte ich ja ganz zu erwähnen vergessen: Die Links vorne im Buch gingen ohne Beschwerde durch und sind direkt auf der ersten Seite, wenn man sich die Leseprobe schicken lässt. Perfekt.

Und nu?
Das war mein erstes eBook und ich glaube – ach was, ich weiss, dass es noch nicht perfekt ist. Ich bin sicher, ich werde mit jedem weiteren Projekt dazulernen. Sowohl was das Verfassen von zusätzlichem Text angeht als auch, was die Technik (sprich die Formatierung mit HTML in MOBI-Form) angeht.
Das Cover gefällt mir zwar an sich ausserordentlich, passt aber nicht so ganz zum Buch. Mal sehen, was ich damit noch mache.
Daher wird es sicher irgendwann eine überarbeitete Version von Armata geben.

Fürs erste gilt aber: Es ist fertig. Es war ein Stück Arbeit, aber letztendlich ist es fertig, im Verkauf und sieht auf dem Kindle mE gut aus. Und darüber freu ich mich wirklich sehr.
Und jetzt auf zum nächsten Buch.

In einem separaten Eintrag gehe ich dann auf das Cover ein und auf den etwas anderen Marketing-Ansatz, den dieses Buch im Vergleich zu einer normalen Buchveröffentlichugn eines lebenden Autors erhält.


eBook-Land: Woche 2

So, wieder eine Woche rum. Ich habe jede Information zum Thema Buchmarketing, die ich irgendwo kriegen konnte, aufgesogen und nebenbei das erste Buch der Phase 1 (Aufbereitung gemeinfreier Werke) weitestgehend fertiggestellt.
Zugleich hab ich mich dann gestern schonmal als Verleger bei amazon.de registriert und heute als Werbepartner für die europäischen Ableger (co.uk, .es, .fr, .it)und die amerikanische Mutterseite. Somit stehe ich organisatorisch in den Startlöchern.

Phase 1: Nur noch einmal polieren
Der Text des ersten gemeinfreien Buches ist inzwischen komplett digitalisiert, korrigiert und formatiert. Die Erfahrung war interessant, weil ich das Buch zugleich das erste Mal gelesen habe. Ursprüngliche Intention war es nämlich auch, dieses literaturhistorisch erwähnenswerte, aber weitgehend vergessene Buch überhaupt erstmal zu bekommen und dann günstig verfügbar zu machen. Ich werde über diese Erfahrung schreiben, sobald das Buch erhältlich ist.
Allerdings stelle ich es jetzt noch nicht ein, weil mir noch eine Reihe von Dingen eingefallen sind, die ich als Extras dem Text beifügen kann (neben den bereits fertigen Anmerkungen zum Text selber). Beispielsweise werden in dem Buch einige historische Persönlichkeiten erwähnt. Also bekommt das Buch eine kurze Übersicht, wer diese Personen waren als Anhang beigestellt.
Ich will hier keinen lieblosen Kram auf den Markt schmeissen, sondern ein in jeder Beziehung lohnendes Werk, dem man die hineingesteckte Mühe ansieht. Offen gestanden verringert das auch das Risiko, von einem Mitbewerber verdrängt zu werden, wenn er das selbe gemeinfreie Buch zu veröffentlichen versucht (amazon versucht inzwischen Doppelungen zu vermeiden, wobei in der Regel die Version mit dem höchsten Nutzen für die Kunden „gewinnt“ und die andere aus dem Verkauf genommen).
Zuletzt war die Arbeitsgeschwindigkeit bei der Übertragung übrigens bei 35 Seiten/Stunde. Das geht dann so: Links die Textverarbeitung, rechts das Buch. Ich habe immer bis zum jeweils nächsten Satzzeichen laut vorgelesen und dann das Ergebnis der Texterkennungssoftware damit verglichen. Besonders beliebt waren bei dieser übrigens Verwechslungen von b und h, was auch die Rechtschreibprüfung oft nicht monierte (sowohl hut als auch but zum Beispiel sind korrekte englische Wörter).
Ich denke, die Extras werden heute abend fertig sein und ich kann das fertige Manuskript dann diese Nacht bei amazon einreichen. Dabei ist auch eine Kleinigkeit enthalten, von der ich nicht weiss, ob sie zulässig ist. Es kann also durchaus sein, dass das Buch beim ersten Versuch mit Änderungswünschen der Seite zurückkommt. Auf das Ergebnis bin ich schon sehr gespannt.
Die Formatierung des zweiten Buches wird direkt danach beginnen – das ist zwar deutlich kürzer als die 418 Seiten des ersten, dafür aber reich illustriert.

Ein kleiner Rückschlag für meine Pläne ist hier, dass Smashwords keine gemeinfreien Werke veröffentlicht; ich bin in dieser Phase also vorerst auf das Kindle beschränkt. Verkäufe auf anderen Readern (Diesel Store, Sony, iBooks, Barnes & Noble etc.) also erst ab Phase 2.
Ausserdem bin ich inzwischen etwas verwirrt, was die Impressumspflicht bei eBooks angeht. Da werde ich wohl sicherheitshalber eins einfügen.

Phase X: Es weihnachtet sehr
Kurzgesagt: ich hab eine Weihnachtsidee. Und die könnte groß werden. Sehr groß.
So groß, dass ich sie dieses Weihnachten nicht angehen werde, weil sie Vorbereitung und eine richtig gute Umsetzung braucht. Dafür ist es zu spät, wenn ich noch an diesem Weihnachtsgeschäft teilnehmen will. Ausserdem wäre es sehr von Vorteil, wenn erst der Kindle Fire erscheint, den die Idee braucht ein Farbdisplay und würde somit auf einem reinen eReader nicht funktionieren.
Aber das ist auch mal interessant, ein Projekt so weit im Voraus planen zu können. Zumal, wenn ich so viel Spass daran habe wie in diesem Fall.
Und ich kann gemeinerweise nicht mehr sagen als: Es wird was Weihnachtliches. Aber wie das so ist bei Weihnachten: Die besten Geschenke sind Überraschungen ;-)

Doch, eines kann ich noch sagen: Es unterscheidet sich so stark von allem, was ich sonst zu veröffentlichen gedenke, dass ich es unter einem Pseudonym tun werde. Allerdings kein geheimes, es geht nur um die klare Trennung der Titel.
Das Pseudonym also kann ich schonmal verraten, auch wenn es niemandem etwas sagen wird: Hans Kötzsch.
Okay, ein bisschen mehr geht schon: Es handelt sich um ein Kinderbuch. Es wird voraussichtlich als PDF, Kindle-Fire-eBook und Printversion in deutsch und englisch zugleich erscheinen. Vordringlichste Aufgabe ist es jetzt, eine/n Illustrator/in zu finden, der/die meine Idee umsetzen kann. Ich selbst bin definitiv niemand, dem Malen besonders liegen würde.
„Hans Kötzsch“, abgeleitet von meinem zweiten Vornamen (das Mittelinitial R. ist von meinem dritten) und dem Mädchennamen meiner Mutter wird in Zukunft also für Kinderbücher aus meiner Feder verwendet. Das hatte ich schon länger vor, allerdings hatte ich bisher nur Ideen für Figuren, nie für kinderbuchgeeignete Geschichten. Vielleicht bringt dieser Ansatz ja auch den Anstoß für weitere Geschichten mit sich. Ich hab da noch ein Konzept von vor ein paar Jahren, das ich nie vergessen habe, zu dem ich aber keine passende Geschichte fand. Jetzt plötzlich hab ich eine ganz nette Idee. Manche Eier müssen eben etwas länger bebrütet werden (okay, das ist eine grottige Metapher, ich erwähne sie nie wieder).

Erfahrungen als Kunde
Insgesamt sind die weiter gut, nur muss ich diesmal doch auf einen Umstand hinweisen, der mir etwas sauer aufgestoßen ist:
Dass amazon.de ungern Kindle-Bücher kostenlos abgibt, die beispielsweise bei amazon.com kostenlos zu haben sind, hab ich ja schon gemerkt. Etwas absurd wird das jetzt bei einer neuen Star-Wars-Serie: Die Bände 1-6 von „Lost tribe of the Sith“ sind in Deutschland schlichtweg nicht erhältlich, es geht hier mit Band 7: Pantheon los, was natürlich relativ nutzlos ist. Das ist offen gestanden ziemlich bizarr.

Auch diesmal wieder eine kleine Tabelle mit eBook-induzierten Veränderungen im Bücherregal. Allerdings hat diesmal nicht der Kindle profitiert, sondern der Nintendo DS:



Buch eBook Verbleib Grund
verkauft Interaktivität,
gesprochene Texte

eBook-Land: Woche 1

Eine Woche ist seit meiner ersten Ankündigung vergangen und jetzt schau’n wir mal, wo ich im Plan stehe.
Das Gemeine daran ist, dass Herbst ist, regelmäßig meine kreative Phase im Jahr. Das ist eigentlich gut, aber es bedeutet auch, dass solch ein Plan beständig modifiziert wird. Insbesondere in Phase 2 werde ich meine Titelauswahl noch einmal überdenken müssen. Aber dazu mehr im entsprechenden Abschnitt.
Zu Phasen 3 und 4 gibt es nichts Neues, daher nix im dieswöchigen Update.

Phase 1: Fortschritt und Ausbau
Das erste Buch ist zu 50% fertig und wird noch diese Woche zur Veröffentlichung abgeschickt.
Das scheint ein langer Zeitraum für die Veröffentlichung eines gemeinfreien Werkes zu sein, aber ich lese halt das komplette Buch Korrektur und modernisiere den Satz. Englische Romane hatten im frühen 19. Jahrhundert eine Gestaltung, die für heutige Leser teilweise schwierig zu lesen ist.
Ich werde das nicht komplett modernisieren, aber ein paar grundsätzliche Dinge werden angepasst, um den Lesefluss zu verbessern. Dazu kommen noch ein paar technische Einschränkungen, die umgangen werden wollen (Fußnoten, gesperrter Druck…) und natürlich Korrektur des Ergebnisses, das die Texterkennung aus dem Scan der fast 200 Jahre alten Buchvorlage generiert hat (da wird aus einer kleinen Unregelmäßigkeit im Papier schonmal ein Ausrufezeichen und kursive Abschnitte scheinen eine echte Herausforderung zu sein).
Zur Arbeitsgeschwindigkeit: 20 Seiten die Stunde, am Anfang waren es noch 10 Seiten.

Ich habe mich auch entschieden, die einzelnen Phasen überlappen zu lassen: Nach den beiden bereits eingeplanten englischen Büchern werde ich auch einen Roman aus der Kaiserzeit umsetzen. Das wird aber dauern: Das Original ist in Fraktur gesetzt, also werde ich abtippen müssen. Texterkennung, die Fraktur beherrscht ist mir zu teuer und dermaßen fehleranfällig, dass ich auch gleich abtippen kann.
Dies wir dim Hintergrund nebenbei passieren, während die späteren Phasen laufen (Immer so 1-2 Seiten am Tag).

Phase 2: Optionen, Optionen
Beim Thema Ratgeber/Sachbücher hab ich im Laufe der Woche etwa 10 Ideen angesammelt für Bücher, die meines Erachtens im derzeitigen Kindle-Angebot noch fehlen, obwohl ich sie von einem vernünftigen und umfassenden Angebot definitiv erwarte.
Dennoch soll diese Phase nicht mehr als 2 Bücher umfassen (das ist die Regel: Eine Testphase = 2 Bücher zum Testen). Welche es nun sein werden, entscheide ich am Ende von Phase 1.
Da die Phasen nun eine Überlappung erhalten, kommen die übrigen dann auch noch dran, nur halt später.
Übrigens keine Angst: Die Geschäftsidee, Bücher aus frei verfügbaren Internettexten zusammenzuwürfeln, werde ich mit Sicherheit nicht verfolgen. Das wäre mir peinlich.

Phase X: Zu den Academica
Ich schrieb im letzten Beitrag bereits, dass im Bereich akademischer Schriften noch eine gemeinsame Norm vermisse. Mir wurde inzwischen klar, dass eine solche nicht von selbst entstehen wird, also werde ich einen Vorschlag erstellen und ebenfalls als eBook einstellen.
Da bei diesem das Ziel einer möglichst großen Verbreitung besteht, wird er für 0,99 € eingestellt, sobald er fertig ist. Übrigens ein Preis, den ich mir für akademische Texte grundsätzlich wünschen würde, um einen möglichst breiten Zugriff auf die texte zu ermöglichen.
Wenn wissenschaftliche Arbeiten in Preislagen zwischen 100-200 € verkauft werden, bringt das vor allem eines mit sich: Behinderung der Forschung und des Fortschrittes der Wissenschaft, weil es sich niemand ohne Förderung/Sponsoring leisten kann, in diesem Bereich auf einem aktuellen Stand zu bleiben.

Eigene Erfahrungen als Kunde
Bei mir sind inzwischen – das war allerdings auch von Anfang an so gedacht – die ersten Papierbücher zu Gunsten ihrer elektronischen Äquivalente aus dem Buchregal verschwunden.
Bei mir ist das so, dass für mich die Essenz des Buches der Text ist, nicht das Papier. Daher habe ich wenig Sentimentalität fürs Buch als Medium. Ich kaufe Bücher zum Lesen, nicht zum Hinstellen.
Es gibt ein paar schöne gebundene Ausgaben, die ich nie rauswerfen werde. Antiquitäten und besonders schöne Ausgaben. Aber davon abgesehen hat die Schrumpfkur meiner Bücherregale nun angefangen. Weitere werden folgen, insbesondere deutsche Übersetzungen, von denen ich nun günstig die englische oder französische Originalausgabe bekommen kann dürften bei mir keinen langen Fortbestand mehr haben.
Hier die dieswöchige Liste, was weswegen rausgeflogen ist (und eine Erfahrung darin, wie unsagbar schlecht WordPress mit Tabellen umgeht):

Buch eBook Verbleib Grund
verschenkt Bessere Sammlung
Die
vergessene
Welt
verkauft engl. Originaltext, Kostenlos

Auf ins eBook-Land

Zeit für ein Experiment: Schon länger will ich in den eBook-Markt einsteigen. Ich halte diesen für die Zukunft und Print-Bücher für die nächsten Opfer der Digitalisierung nach Schreibmaschine, Videokassette und MC (usw. usf.).
Jetzt endlich erreicht der Markt einen Punkt, an dem er interessant wird: eReader haben keine Bildschirme mehr, sondern wesentlich angenehmer lesbare eInk-Displays, die wie Papier aussehen und sich auch so lesen (was wesentlich angenehmer und besser für die Augen ist).

Mit dem Kindle und Smashwords sind Plattformen aufgetaucht, die es erlauben, den Markt zentral zu bedienen und nicht für jedes einzelne Lesegerät eine eigene Distribution verwalten zu müssen.
Nachdem ich mich nun seit eingen Wochen gezielt mit diesen im deutschen Markt noch sehr neuen Systemen auseinandergesetzt habe, wage ich also den Sprung. Hier ist mein Plan, vom Erfolg oder Misserfolg jeder Phase werde ich dann berichten.
Bitte entschuldigt, dass ich keine Titel preisgebe, ich möchte halt verhindern, dass mir wer zuvorkommt, speziell bei den beiden gemeinfreien Werken und den Sachbüchern, wo die Titel sehr eindeutig gewählt sind (der Leser soll’s ja finden).

Phase 1: Gemeinfreies
Angefangen wird mit etwas sicherem: Gemeinfreien (auch unter dem juristen-englischen Fachbegriff „Public Domain“ bekannt) Werken auf englisch.
In den USA nimmt der eBook-Markt inzwischen um die 10% des gesamten Buchmarktes ein, daher ist hier leichter einzusteigen. Zudem sehe ich im Angebot gemeinfreier Werke immer noch erhebliche Lücken, von denen ich zwei (Frühwerke der Science-Fiction) schließen will.
Das eine ist ein relativ unbekannter Roman von 1817, der noch gar nicht als eBook bei Amazon erhältlich ist (ebensowenig bei praktisch allen Sammlungen gemeinfreier Werke im Netz), absurderweise aber gleich mehrfach als teurere Print-Ausgabe (ab 20 €) da er literaturgeschichtlich durchaus von Interesse ist. Diesen werde ich ordentlich formatieren, mit einem Nachwort zu Werk und Autor ergänzen (ich wusste, englische Literatur als Nebenfach würde sich mal lohnen!) und ein Inhaltsverzeichnis beigeben. Ich halte diesen Roman für einen wertvollen Beitrag in der Geschichte des Genres und habe ihn daher ausgewählt. Ich will ihn ganz einfach selbst als eBook haben und wo ich schonmal dabei bin, ihn zu konvertieren, kann ich das Ergebnis auch gleich verkaufen.
Das andere ist ein Roman von 1897, der zwar bei Amazon kostenlos fürs Kindle erhältlich ist, aber in einer dermaßen miserablen Qualität, dass er praktisch unlesbar ist. Hier will ich das Original – ein wunderschön bebilderter Roman mit für seine Zeit innovativer Formatierung – in eBook-Form umsetzen und das Ganze ebenfalls mit Inhaltsverzeichnis und Anmerkungen zum Werk ergänzen.
Beide werden, da das Ursprungsmaterial gemeinfrei ist, für 0,99 $ bzw. 0,99 € verkauft werden. Einerseits will ich für Werke, die man auch kostenlos haben kann, in eBook-Form nicht mehr als 0,99-1,99 € verlangen, andererseits kann ich so mit dem niedrigsten möglichen Preis Erfahrungen sammeln.
Der Preis ist für solche Werke auch durchaus üblich geworden und wie beispielsweise der neusser eBook-Verleger Jürgen Schulze (Null Papier Verlag) in Amazons Foren berichtet, der Grimms Märchen aufwendig bearbeitet für diesen Preis verkauft, lohnt sich die Mühe durchaus auch für 99 Cent, weil entsprechend mehr verkauft wird und eBooks nach der Erstellung praktisch keine Kosten mehr verursachen. Wohlgemerkt ist Schulzes aufwendig bearbeitete Märchensammlung eine Art ewiger Bestseller auf dem Kindle und dürfte um die 100 Stück am Tag umsetzen.
Das ist übrigens keine irgendwie neue Masche aus der eBook-Welt, wie viele Kritiker elektronischer Bücher meinen: Es ist das altbekannte Reclam-Prinzip.

Phase 2: Ratgeber
Ans andere Ende des Spektrums geht es dann in Phase 2.
Ratgeber sind sowohl im Aufwand als auch im Preis mit im höchsten Bereich bei den Kindle-Büchern. Praktisch im Gegenzug ist der Markt allerdings sehr klein und bietet etliche Nischen, die noch niemand besetzt.
Ich denke zur Zeit an zwei ähnlich aufgemachte Ratgeber (Grundlage für eine Reihe oder vielleicht ein Franchise) für 4,99 €. Das ist der höchste Preis, den ich persönlich für ein eBook ausgeben würde (mit wenigen Ausnahmen) und somit auch der höchste, den ich verlangen werde. Der hohe Preis rechtfertigt sich mE durch den Rechercheaufwand und die Tatsache, dass ich diese Ratgeber nach Veröffentlichung falls nötig aktualisieren werde, man also eine entsprechende Dienstleistung mitkauft.
Die Möglichkeit zur Aktualisierung ist eine technisch interessante Besonderheit von eBooks, von der insbesondere Sachbücher und Ratgeber profitieren, die sonst schnell veralten.
Mit den deutschsprachigen Ratgebern gehe ich in den aktuell am wenigsten entwickelten Markt, der mir rein technisch zugänglich ist, was wenig Konkurrenz, aber auch weniger potenzielle Käufer bedeutet. Zugleich aber auch die Möglichkeit, sich mit einem guten Buch frühzeitig und nachhaltig in den kindle-eigenen Bestsellerlisten einzunisten. Eine Option, die in Phase 1 allein schon wegen der starken Konkurrenz völlig utopisch wäre.
Inhaltlich handelt es sich um zwei Ratgeber für jeweils eine Bevölkerungsgruppe. Beides sind Titel, die ich in der aktuellen Ratgeberlandschaft (einschließlich Print) schwer vermisse und Wissensgebiete mit denen ich durch meine politische Tätigkeit vertraut geworden bin.

Phase 3: Kurzgeschichten
Ich habe eine gut gefüllte Schublade an Kurzgeschichten aller Genres und Spielarten. Daneben eine Reihe Konzepte für Kurzgeschichten, die ich nie geschrieben habe, aber die ich heute noch schreiben könnte.
Meine Kurgeschichten nehmen den Begriff „kurz“ sehr eng, mehr als 5 Seiten gibt es da nicht, daher werde ich für eine einzelne Geschichte kein Geld verlangen. Dafür sind sie definitiv zu kurz. Aber wenn ich einige davon sammel, gibt es einen ganz brauchbaren Sammelband.
Im Printbereich sind Kurzgeschichtensammlungen im Grunde vollkommen unverkaufbar, selbst bei bekannten Schriftstellern. Sie sind mehr Werbe- und Prestigematerial der verlage als ein echtes Geschäft. Die Aussichten auf eine Printveröffentlichung sind daher verschwindend, wenn die Geschichten nicht gezielt von einem Verlag angefragt werden.
Da aber ein eBook wie bereits angemerkt nach der Veröffentlichung praktisch nichts kostet, kann eine solche Sammlung hier dennoch lohnen. Ich würde sie als „loss leader“ positionieren – ein eBook für 0,99 €, dessen Hauptzweck es ist, neugierige Leser auf einen neuen Autoren aufmerksam zu machen. So kann ich den Effekt des Loss-Leader-Konzepts ebenso austesten wie die Annahme des 99-Cent-Preises im deutschsprachigen Bereich und die Chancen für Kurzgeschichtensammlungen auf dem Kindle.

Phase 4: Romane
Romane gelten in der Printwelt mit gutem Grund als brotlose Kunst, wird der Markt doch von Sach- und Kinderbüchern beherrscht. Aber: Der eBook-Markt ist anders, hier beherrscht der Roman das Geschehen.
Ich schreibe seit meiner Gymnasialzeit (seit etwa 16) Romane, habe aber nie versucht, sie zu veröffentlichen, weil ich meine Rechte nicht abtreten möchte und die Bezahlung im Printbereich (maximal 12% des Buchpreises) für eine Unverschämtheit halte. Hinzu kommt auch hier die Kürze: Mit um die 120 Seiten sind die den meisten Verlagen von vorneherein zu kurz. Das halte ich inzwischen für einen Glücksfall, Denn seit meinen Jugend…werken (…sünden?) hab ich mich doch enorm weiterentwickelt. Zwar blieb ich dem fantastischen Genre treu, aber im Gegensatz zu den Space Operas à la Perry Rhodan, die als Genre zwar beliebt, aber zumeist literarisch wertlos sind, schreibe ich inzwischen Geschichten mit so bahnbrechenden Erfindungen wie Aussagen und Konzepten.
Die Wahl des Buches fiel im Gespräch mit einer Freundin, die dieses für das mit Abstand interessanteste Konzept hielt, welches ich ihr vorstellte (sie ist bei sowas angenehm ehrlich, was für solche Fragen nicht zu hoch geschätzt werden kann). Zugleich ist es eine Geschichte, für deren Veröffentlichung ich mich in genau der richtigen Szene für eine Initialzündung mit Wumms bewege (nein, nicht die Grünen, sondern die säkular-atheistische Szene).
Ein dystopischer Roman mit einem in diesem Genre kaum vertretenen Thema. Das ist im Grunde die Phase, auf die ich am gespanntesten bin. Einfach weil das mein persönliches Lieblingsprojekt ist und mein Herz bei der Schreiberei definitiv am Roman hängt.
Als idealer Preis für Romane hat sich bei amazon.com 2,99 $ herausgestellt. Das würde ich 1:1 übertragen, Romane also für 2,99 € rausbringen. Anders als die meisten Autoren habe ich ja bereits einen Loss Leader und muss dafür keinen kompletten Roman auf 0,99 € setzen, was ich persönlich als zu niedrig empfinde.

Phase X: Schau’n mer Mal
Nach diesen 4 Phasen habe ich die wichtigsten Erfahrungen gesammelt und ich schätze, es ist etwa 1 Jahr vergangen. Dann werde ich schauen, wo ich für die weitere Zukunft meinen Schwerpunkt setze oder ob ich es (vorerst) bei diesen 6 Veröffentlichungen belasse, weil das Geschäft den Aufwand nicht wert ist.
Ich kann die Ratgeber um weitere Bände ergänzen. Ich kann die Ratgeber auch als Franchise vermarkten, sprich: Andere Autoren bezahlen für Nutzung des Grunddesigns, werden dafür in meinen Ratgebern mitbeworben und zahlen dafür – sagen wir mal – 10-20 Cent pro verkauftem Buch.
Ich kann meine alten Jugendsünden aus der Schublade holen, überarbeiten und dann zu einem geringerem Preis (1,99 oder 2,49 €) als die neueren Sachen veröffentlichen. Wie gesagt, ich halte sie nicht für literarisch wertvoll, aber gute Unterhaltung sind sie immer noch.
Ich kann weitere gemeinfreie Schätze heben, bearbeiten und für 99 Cent einstellen. Ich habe noch einiges an früher Science-Fiction aus der Kaiserzeit im Schrank und einige Romane aus der Weimarer Republik.
Am liebsten aber wäre mir, wenn ich die vielen, vielen Romankonzepte, die bei mir umherschwirren (sei es als Papiernotiz oder Romanfragment auf dem Rechner) endlich umsetzen könnte, wenn mir die Veröffentlichungstätigkeit endlich die zeitliche und finanzielle Freiheit geben würde, diese Bücher zu schreiben. Es ist eine breite Spanne innerhalb der fantastischen Literatur, vom Wissenschaftsthriller über Science-Fiction bis Fantasy, gewürzt mit ein paar Ausreissenr in ganz andere Genres wie meinem Braunkohle-Roman, einer Art Abenteuerroman für Kinder.
Dann ist da noch der ganze Bereich „normaler“ Sachbücher und akademischer Texte, in dem ich ebenfalls Ideen habe, bei denen ich aber davon ausgehe, dass sie erst im Laufe des Jahres 2012 fertig werden, wenn ich sie jetzt anfange. Speziell der Bereich akademischer Texte ist interessant, aber es gibt bisher noch keine richtig brauchbaren Übereinkunft über Form, Inhalt und Logistik solcher Texte als eBook (Stichworte Zitierbarkeit, Peer Review Process etc.).
Mittelfristig ist bestimmt auch ein weiterer Band mit Kurzgeschichten drin, die schreib ich immer mal wieder zwsichendurch, wenn mich der Schreibdrang und die Muse überfallen.

Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Tätigkeit entwickelt, welche Erfahrungen ich dort mache und welche weiteren Möglichkeiten sich dadurch ergeben.
Ich bin begeistert von der Möglichkeit, Bücher als digitale Waren praktisch ohne direkte Kosten zu veröffentlichen. Mir kommt es bei Büchern auf den Inhalt an, die Erscheinungsform des gebundenen Papierstapels ist letztlich nicht mehr als eine Liefermethode für eben diesen Inhalt. Das Buch hat die Papyrusrolle abgelöst, diese die Schiefertafel und nun wird das eBook das pBuch ablösen.
Nicht von heute auf morgen, aber es wird passieren. Es ist schon von zu vielen toten Datenträgern behauptet worden, dass sie nie verschwinden werden. Ich habe aufgehört, derlei Dinge zu glauben, so sehr ich persönlich pBücher auch mag.
Denn analoge Schreibmaschinen, Videokassetten und den GameBoy mochte ich auch. Das aber interessiert den Lauf der Geschichte nicht sonderlich.

PS: Ja, alle Bücher werden vor Veröffentlichung komplett korrigiert und orthografisch besser aussehen als einer meiner Tweets oder Blogposts.
PPS: Ja, die nötige Gewerbeanmeldung für die Tätigkeit in dieser Branche habe ich.


Umweltausschuss: Kohle mit Müll, Verschiebungen und Unerklärliches

Okay, fangen wir mit dem an, was nicht vorkam: Die Entscheidung um die Frage, ob bei Wanlo eine Wand oder ein Erdwall errichtet werden soll, wurde nochmal geschoben, weil wir die Umfrage, die einige wanloer Bürger erstellt haben noch nicht vollständig überprüfen konnten.
Sie hat ein paar handwerkliche Schwächen. Ich persönlich sehe die nicht als schwerwiegend an und denke, wir sollten im Sinne dieser Umfrage abstimmen. Wir werden dann im Laufe der nächsten zwei Wochen eine Entscheidung treffen (oder auch nicht, was dann wohl wegen von RWE einzuhaltender Fristen auch zu einem Bau des Walls führen würde).
Aber diese Geschichte wird grade auch mit jedem Tag interessanter.

Aber uninteressant war die Sitzung wegen dieser Verschiebung noch lange nicht.

Unerklärliches
Fangen wir mit zwei Punkten an, bei denen ich lernen musste, dass ich leider immer noch zuviel von unserem Verwaltungsapparat erwarte.
Zunächst der Bungtbach. Der wird aktuell abschnittsweise renaturiert, was allerdings an Grenzen stößt: Nahe der Quelle stehen Gebäude, am anderen Ende geht es durch einen Kanal in den Gladbach. Als ich nachfragte, ob durch diesen Kanal Probleme entstünden und wie weit die bisherigen Maßnahmen den Hochwasserschutz verbessert haben (konkret in fachchinesisch: Wie weit das Durchflussvolumen des Bungtbachs erhöht wurde), fühlte dieser sich offenbar persönlich angegriffen, eine kohärente Antwort konnte ich aber nicht ausmachen.
Naja, ansonsten war der Vortrag dazu aber recht gut und ich hab sogar was über Eiskellerteiche gelernt. Davon gibt es offenbar zwei am Bungtbach.
Eiskellerteiche sind Teiche, aus denen man vor Erfindung des Kühlschranks im Winter Eis geholt hat, um es in Kellern zu lagern. In solchen eisgekühlten Kellern (Eiskellern) lagerte man bis in die Nachkriegszeit Nahrungsmittel. Dass es dafür Teiche gab, war mir neu. Später gab es dann Eisfabriken (die wiederum kannte ich bereits) und noch etwas später wurde der Kühlschrank erfunden.
Zurück zum Bach: Der hat bessere Flächen, um sich auszubreiten. Dadurch bekommt die Niers bei Hochwasser nicht soviel Wasser auf einen Schlag durchgereicht und dadurch wiederum behalten die Anwohner in MG-Neersbroich sowie der Flughafen öfter trockene Füße.
Zugleich fließt er insgesamt langsamer, wodurch sich mehr Kleintiere und Wasserpflanzen ansiedeln können.
Das scheint auch alles recht gut zu funtkionieren.

Auch beim Lärmaktionsplan erwartete ich zuviel. Als ich nach genaueren Daten über Lärmverursacher fragte wurde schnell klar, dass der Plan (der auf berechneten, nicht auf gemessenen Werten beruht) Auffälligkeiten gar nicht vorsah. Es gibt ganz einfach keine Auffälligkeiten, wenn man keine echten Messungen durchführt. Dabei wären grade diese interessant, um Lärm gezielter zu bekämpfen.
Überhaupt ist das Lärmschutzkonzept eine rein verkehrsplanerische Sache. Da werden Straßenzüge bestimmt, ein paar Radwege angelegt und Geschwindigkeitsbegrenzungen verhängt.
Aber zu anderen Maßnahmen wie etwa zur Förderung von ruhigeren oder elektrischen Fahrzeugen ist dieser Ansatz nichtmal annähernd geeignet. Und entsprechende Fragen lassen sich mit den Informationen, die für den Plan ermittelt wurden auch nicht beantworten.

Dann gab es dazu den Antrag der FWG, die Politik solle sich den Plan noch ein zweites Mal anschauen, bevor die Bürger nach ihrer Meinung gefragt werden. Wer dazu den Vortrag von Erich Oberem in der BV Nord zwei Wochen vorher mitbekommen hat, der durfte dazu eine interessante Begründung hören:
Oberem meint offenbar, es sei wünschenswerte Vorgehensweise der Politik, dass diese auskungelt und beschließt und dem Bürger dann nur noch das Ergebnis präsentiert wird, das dieser dann abzunicken hat. Etwas vorsichtiger findet sich diese Überzeugung auch in seinem Interview in der BZMG formuliert (Punkt „Bürgerbeteiligung“).
Der Lärmaktionsplan aber ist so angelegt, dass die Politik ihn im Vorentwurf sieht. Dann gibt es eine öffentliche Auslegung, zu der jeder Bürger Stellung nehmen kann. Dann einen Bericht über den Zwischenstand. Eine erneute Auslegung mit Änderungen unter Berücksichtigung der Bürgerwünsche. Und dann schließlich eine politische Beratung in den Gremien.
Ein Verfahren also, dass von Anfang an den Bürgern so viel Beteiligungsmöglichkeiten bieten soll wie möglich.
Dieser Plan macht auch die folgende Aussage der RP unverständlich:

sehen sie im Zeitplan doch noch so viel Spielraum, dass sie ihn entsprechend der selbst formulierten Bedingungen prüfen können?

Was soll man darauf antworten ausser: „Selbstverständlich, der ganze Prozess geht mindestens bis Jahresende und wenn ihr mal recherchiert hättet, müsstet ihr das auch wissen“?
Wobei ohnehin auffällt, dass die örtliche Presse den gesamten Plan (121 Seiten) nicht gelesen hat, sonst würde sie daraus nicht ausschließlich die 30er-Zonen in die Schlagzeilen bringen.

Kohle mit Müll: EGN und die Alt-CDs
Kurz vor der Kommunalwahl brachten wir Grüne erfolgreich einen Antrag durch, dass Mönchengladbach versuchsweise alte CDs und DVDs (sowie mittlerweile auch BDs) sammeln und zum Recycling abgeben sollte.
Das Projekt ist offenbar ein Erfolg, die Sammlung ist bei 1,4 Tonnen pro Jahr mit steigender Tendenz. Das Projekt soll unbefristet weitergeführt werden. Ein schöner Erfolg für uns.
In der Diskussion jedoch kam ein ziemlicher Klopper raus.

Ein Nebengedanke unseres damaligen Antrags war auch, dass die Stadt mit den alten Datenträgern etwas Geld verdient. Der damalige Antrag erwähnte das auch ganz klar. Das Polyacryl, aus dem die CDs bestehen ist ein wertvoller Rohstoff, der sich gut wiederverwerten lässt. Es gibt etliche Dienstleister, die einem solche alten Datenträger gegen Bargeld abnehmen.
In Mönchengladbach übernimmt das krefelder Entsorgungsunternehmen EGN diese Aufgabe.
Der Knaller: Die lassen sich dafür bezahlen, wie eine Nachfrage nach den Einnahmen aus der Verwertung ans Licht brachte.

EGN besteht offenbar auf Verträge mit der Stadt, die darauf hinauslaufen, dass die CDs/DVDs/BDs als Restmüll angenommen werden und die Stadt darf dann genauso viel dafür zahlen wie für die Hausmüllverbrennung. Das sind bei 1,4 Tonnen je nach aktuellem Preis so zwischen 15.000 und 20.000 €. Etwa 0,10 € pro Müllgebührenzahler.
Kleinkram, aber der macht auch Mist. Das ist genau die Art von Mist, die wir raushaben müssen, wenn wir wie geplant die Müllgebühren senken wollen. Und wenn man bedenkt, dass die Stadt dafür eigentlich Geld bekommen (und damit die Müllgebühren senken) müsste, ein Skandal.
EGN unterdessen ist fein raus: Sie werden für die Annahme der Datenträger bezahlt und können die Rohstoffe daraus anschließend auch noch verkaufen. Alle Parteien waren sich einig, dass man möglichst bald etwas gegen diese Situation tun muss.
Leider kenne ich den dafür verantwortlichen Vertrag mit EGN (noch) nicht.

Anfragen
Bei den Anfragen hatte ich zwei Fragen, die auch direkt beantwortet werden konnten:
Zunächst fragte ich nach dem Stand der Ausschreibung des Klimaschutzmanagers, den der Rat der Stadt im April beschlossen hat. Dort hatte sich in der gesamten Zeit nichts getan, weil die Stadt noch auf die Freigabe der Haushaltsaufsicht wartet. Nur ist eine Ausschreibung jetzt kaum noch möglich, weil die Stelle bis zum 31. März 2012 besetzt sein muss, sonst gibt es keine 90%-ige Förderung und ohne diese können wir uns den Menschen wahrscheinlich nicht leisten.
Klarer Schluss daraus: Wir müssen unser Klimaschutzkonzept wohl ohne Manager umsetzen. Heisst im Umkehrschluss aber auch, wir können mit dem Warten auf die Stelle aufhören und an die Umsetzung gehen.

Meine andere Anfrage bezog sich auf eine Klage der Stadt Düren gegen RWE. Ich wollte wissen, ob sich ein Urteil im Sinne der Stadt auch auf Mönchengladbach und Garzweiler II auswirken würde.
Würde es nicht.
Und ja, ich bin entschlossen, RWE zu nerven, wo ich nur kann. Vielleicht zieh ich ja sogar noch extra dafür in den Zuständigkeitsbereich der BV West. Auf deren Gebiet liegt der gladbacher Anteil am Braunkohlentagebau. Genhülsen ist ganz hübsch }:-)

Die CDU fragte noch an, was aus ihrem Antrag geworden sei, die Organisation des Krankentransportes zu überprüfen. Der Bericht zur Überprüfung soll im ersten Quartal 2012 kommen. Beschlossen hatten wir den CDU-Antrag im März. Man merkt also allgemein: Die Verwaltung hat es nicht so eilig. Ich versuche an dieser Stelle, Beamtenklischees zu vermeiden.
Aber was beschwer ich mich, ich wollte diesen Text ja auch gestern schon fertig haben.

Von Interesse
Die FWG hat die interessante Idee, bei den Aufwendungen für die Kanalprüfung eine Härtefallregelung anzuregen. Das ist deswegen interessant, weil wir hier von dreistelligen Beträgen reden und die Leute, die das zu zahlen haben grundsätzlich alles Hausbesitzer sind.
Wenn diese Hausbesitzer doch nur Zugriff auf eine Wertanlage hätten. Vielleicht in immobiler Form, eventuell sogar mit Wohnmöglichkeit…

Und noch ein wenig Eigenschulterbeklopfung:
„Wenn Sie den Grünen eine Baumfällliste in die Hand geben und die haben anschließend nur sechs Einträge zu monieren, kann man Ihnen wohl gute Arbeit attestieren.“ – Ich zur diesjährigen Baumfällliste des Grünflächenamts

„on Bäumen verstehe ich zwar nicht ganz soviel wie Herr Diehl…“ – Rolf Besten (CDU). Mei, da wird man ja rot.


Die Wanloer Wand

Wie ja inzwischen ausgiebig bekannt plant RWE Power (ehemals und bekannter unter dem Namen Rheinbraun) etwas Hauptstadtflair in Mönchengladbach, von der links abgebildeten Sorte.
Man erkennt vielleicht, dass ich kein Freund des Vorhabens bin, eine Wand direkt vor’s Dorf zu stellen und so entsponn sich eine verwundene Geschichte um ein Stück Lärmschutzwand.

Schwupps, eine RWE-Vorlage
Der Braunkohlentagebau Garzweiler II rückt langsam aber stetig auf mönchengladbacher Gebiet vor und wird es voraussichtlich 2014/2015 erreichen. Dann schrammt er an der südlichen Stadtgrenze entlang (mit einer Schneise etwa 200 Meter ins Gebiet der Kommune hinein), kappt die A 61 und baggert einige Jahre später einen Zipfel des Stadtgebietes ab, auf dem ein paar Felder und eine Obstwiese stehen. Was die ganze Stadt davon hat, ist hauptsächlich Staub, Dreck und Lärm. Ausserdem verschlechtertes Grundwasser, erhöhte Radonwerte (also Radioaktivität) und Gebäudeschäden durch austrocknende Böden unter den Fundamenten. Die wirtschaftlichen Folgen für Wickrath, wenn die ganzen Dörfer südlich abgebaggert und nach Erkelenz umgesiedelt werden sind noch nicht einmal erfasst.

Am Rand des Tagebaus muss RWE Power für Immisionsschutz sorgen, also Staub, Lärm, Licht und Abgase möglichst effektiv aufhalten. Ich könnte ein Buch darüber schreiben, wie unzureichend die Maßnahmen hierzu im Rheinischen Braunkohlenrevier sind. Soviel sei gesagt: Dier Tagebaue in Ostdeutschland sind besser geschützt. Statt dessen stell ich einfach ein Video von einem Staubsturm am Tagebau Hambach etwas weiter südlich ein:

Eine der wenigstens noch leidlich effektiven Maßnahmen ist die Aufschüttung eines sieben Meter hohen Erdwalls mit Baumbepflanzung am Tagebaurand.

Genau diesen Wall will RWE Power südlich von Wanlo (dem vom tagebau direkt betroffenen Statteil) plötzlich nicht mehr bauen, er kostet zuviel Platz.
Statt dessen wurde eine Lärmschutzwand vorgeschlagen. Sieben Meter hoch (zum Vergleich: Die Berliner Mauer war maximal 4,20 Meter hoch) und direkt vorm Dorf.
Eine solche Vorlage kam im Frühjahr quasi aus dem Nichts auf die Tagesordnungen der BV West und des Umweltausschusses.

Zunächst erschien mir die Argumentation der RWE schlüssig, doch es gab eine erhebliche Lücke: Die Wirksamkeit des Immissionsschutzes. Und so ist dies die Geschichte, wie ich der Stadtverwaltung gegenüber ein Grundmisstrauen erwarb.
Nach einer Vertagung des Thema wegen Beratungsbedarf der Ampel ob eben dieser Zweifel kam es zur Vorbereitung des nächsten Ausschusstreffens in der Ampel.
An diesem Punkt hatte ich vor, dem Vorschlag der RWE nur unter einer klaren Bedingung zuzustimmen: RWE musste die Wirksamkeit der Maßnahme schlüssig darlegen. Es sollte sich später herausstellen, dass das Unternehmen nicht einmal dazu in der Lage war. Immerhin eine grundlegende Information für eine wie auch immer geartete Entscheidung. Doch dazu komme ich noch.
Von, wenn ich mich richtig erinnere, der FDP kam der Vorschlag, die wanloer Bürger auf einer Informationsveranstaltung einzubinden und von dort ein Meinungsbild einzuholen. Die SPD unterstützte dies und auch ich hielt es für ein gutes Vorgehen.
So einigten sich die umweltpolitischen Sprecher der drei Fraktionen daauf, ein solches Vorgehen mit ihren Ratsfraktionen abzusprechen und nach einem kleineren Disput darüber, wer Veranstalter sein sollte (Ampel oder Verwaltung) war alles klar.

In der kurz darauf folgenden Sitzung der zuständigen Bezirksvertretung West stellte Reinhold Giesen (Grüne) daraufhin den Antrag, eine solche Veranstaltung von der Verwaltung durchführen zu lassen und die Entscheidung bis dahin auf Eis zu legen.
In der darauf folgenden Woche kam es zur Sitzung des Umweltausschusses und wir schlossen uns diesem Beschluss mit einem eigenen Beschluss an, die Kenntnisnahme der Vorlage bis nach der Informationsveranstaltung zu verwehren.

Es war hier, dass klar wurde, dass RWE entweder keine Informationen über die Wirksamkeit der Maßnahme hatte oder uns diese nicht überlassen wollte.
Markus Kosma (RWE) führte frank und frei aus, eine solche Planung würde erst begonnen, wenn feststünde, wie die Entscheidung der letztlich zuständigen Bezirksregierung Arnsberg lautete. Dass musste man sich auf der Zunge zergehen lassen: RWE erklärte klar und deutlich, dass sie für die Entscheidung zentral wichtige Informationen erst nach der gefallenen Entscheidung überhaupt zur Verfügung stellen wollten.
Okay, dass muss ich nochmal wiederholen und fett setzen: RWE erklärte klar und deutlich, dass sie für die Entscheidung zentral wichtige Informationen erst nach der gefallenen Entscheidung überhaupt zur Verfügung stellen wollten. Damit war der Fall klar: RWE spielte wie befürchtet nicht mit offenen Karten.
Doch zunächst: Auf nach Wanlo.

Auf nach Wanlo
Im Juli folgte in der prall gefüllten Mehrzweckhalle Wanlo die beantragte Bürgerinformationsveranstaltung (was ein Wort!). Die lokale Presse, Radio 90,1 und der WDR mit Ü-Wagen waren gesammelt angetreten, um das Spektakel zu verfolgen. Ebenso waren Vertreter aller Ratsfraktionen anwesend (vermutlich, auch wenn ich von der FWG keinen gesehen habe).
Um die hiesige Textwüste nicht unnötig zu verlängern verweise ich hierzu auf den hervorragenden und ausfürlichen Artikel in der BZMG.
Das Echo war jedenfalls eindeutig: Beiträge pro Wall wurden vom ganzen Saal beklatscht, Beiträge pro Wand von höchstens fünf Anwesenden. Dies befand Uli Mones (SPD) am Saalmikro ausdrücklich und damit sollte der Fall eigentlich klar gewesen sein.
Doch eine neuerliche Überraschung kündigte sich an: RWE beteuerte zwar, dass es ihnen letztlich egal sei, welche Lösung herauskäme. Daran aber kamen schnell Zweifel auf, versuchten sich doch einige einflussreiche Personen aus der Verwaltung in einer Karriere als Spin-Doktoren. Die erzählten dann was von „schweigender Mehrheit“ und dem täuschenden Eindruck den man bekomme, wen man unten im Publikum sitzt.

Pläneschmieden
Relativ schnell setzte ich einen Plan zusammen, gegen diese Versuche vorzugehen, die Sache nochmal zu drehen. Ich konnte mit nach der Äusserung Mones‘ recht sicher sein, dass die SPD im Sinne der Wanloer stimmen würde. Ebenso bei der FDP. Diese beiden Fraktionen hatten das Vorgehen ja auch vorgeschlagen.
Wo ich kein Vertrauen hatte war, dass die Verwaltung einen solchen Beschluss der Politik auch zufriedenstellend umsetzte und unsere Kritik korrekt an Arnsberg weitergab. Hier kam der neue „Spin“ im wesentlichen her und ich vermutete (und vermute) daher massive Einflussnahme durch RWE an strategisch wichtigen Stellen der Verwaltung.
Folgerung: Wir mussten uns direkt an die Bezirksregierung Arnsberg wenden. Das beste Mittel hierzu schien mir der offene Brief zu sein.
Damit war der Fahrplan klar: Antrag von RWE ablehnen, Brief mit klarer Stellungnahme an die Bezirksregierung Arnsberg.
Und dann kam die so dann doch nicht erwartete Überraschung: Der „Runde Tisch“ tagte.

Trick 17: Aus dem Nichts eine Variante 3
Der Runde Tisch, eine ominöse Versammlung in Wanlo, die über die Braunkohlevorhaben diskutierte, wurde erstmals auf der Bürgerinformationsversammlung erwähnt. Ein klassisches Hinterzimmergremium, offenbar einberufen vom Bezirksvorsteher West, Arno Oellers (CDU).
Dort war zwar auch ein Grüner vertreten, aber nicht als Grüner, sondern als Vorstand der Dorfinteressengemeinschaft (DIG) Wanlo. Die Grünen wussten davon nicht, da unsere Mitglieder nicht dazu verpflichtet sind, uns private Termine mitzuteilen. Ich kann sogar klar sagen, dass selbst unser anderer Wanloer den Runden Tisch nicht kannte.

Nun kam aus den Reihen des Runden Tisches ein neuer Vorschlag: Immer noch eine sieben meter hohe Lärmschutzwand, nun aber direkt am Tagebaurand.
Was ich zunächst für Quatsch hielt: Das Fundament für eine sieben meter hohe Wand direkt an den Rand eines 140 Meter tiefen Steilhangs aus Boden (kein Gestein), klang nach Wahnsinn.
Was ich denn auch in der Ampel-Vorbereitung zum nun anstehenden Tagebau anmerkte. Wir verblieben uneins, da die Ampelpartner diesem Vorschlag nun zustimmen wollten. Eine Rücksprache mit einem befreundeten Architekten beruhigte mich einigermaßen: Der Bau war möglich, wenn man einen Abstand von mindestens 5 Metern vom Tagebaurand einhält.
Blieb die Frage nach der Meinugn der Wanloer. Zwar behauptete die Vorlage: „In der Veranstaltung wurde die Prüfung einer weiteren Variante gefordert, und zwar die Wand anstelle des Walls an die Abbaukante des Tagebaus zu setzen (Wand an Abbaukante). Das Unternehmen sagte zu, den Vorschlag kurzfristig auf Machbarkeit hin zu prüfen,“ aber das ist schlichtweg unwahr.
Eine solche Variante wurde im Juli nirgends vorgeschlagen. Was vorgeschlagen wurde war eine Wand etwas weiter südlich der RWE-Planung, zwischen Sümpfungsbrunnen und der neu zu bauenden Landstraße L 354 n (RWE plante die Wand nördlich von Brunnen und Landstraße).
Da mir von verschiedener Seite bestätigt wurde, die Wanloer seien mehrheitlich damit einverstanden, schien die Sache nun klar. Schien, denn die Wanloer widersprachen. Leider aber zu spät, wir (die Ratsfraktion) erfuhren erst nach der BV West aus der Presse von dem Widerspruch. Damit keine Gerüchte aufkommen: Reinhold Giesen war nicht unter denen, die mir die Zustimmung der Wanloer bestätigten.

Und nun?
Die Ampel jetzt nochmal umzustimmen halte ich für schwierig, aber ich werde den Versuch unternehmen. Es gibt durchaus gute Argumente für diese dritte Variante, aber: Sie entspricht offenbar nicht dem Willen der Wanloer. Und den haben wir (die Ampel) klar als unseren Maßstab festgelegt.
Zudem ist immer noch nicht geklärt, ob die Wand (7 Meter) genauso gut (oder gar besser) schützt als der Wall (7 Meter zuzüglich Baumbewuchs). Die wichtigste Information liegt nach einem halben Jahr noch immer nicht vor, damit ist die Vorlage eigentlich nicht beratungsreif und das Ansinnen RWEs ohnehin abzulehnen.
Ich ahne, der Wand letztendlich zustimmen zu müssen. Aber damit wird diese Geschichte noch nicht zuende sein. Wenn cih dem Vorhaben zustimmen sollte, ist noch nichts darüber gesagt, wie ich mich in der vorhergehenden Diskussion im Umweltausschuss verhalte. Oder was ich in der Sache im Zeitraum zwischen Beschluss in MG und in Arnsberg in der Sache unternehme oder an wen ich mich wende.
Achja, am 6. Oktober um 19:00 Uhr ist übrigens der energiepolitishe Sprecher der Günen-Bundestagsfraktion in der Mehrzweckhalle Wanlo.

Fortsetzung folgt…

Nachtrag, 13:45 Uhr: Es tut sich was. Die Ampelfraktionen werden die Abstimmung aufgrund der neuen Informationen (sprich der Befragung in Wanlo) neu diskutieren.
Nachtrag, 31.12.2011: Das Verfahren ist abgeschlossen, Wanlo erhält einen Wall, keine Wand.

Bildquelle: Wikipedia


Utøya

Ich würde übertreiben, wenn ich sagte, ich hätte die Anschläge von Utøya und Oslo in solcher oder ähnlicher Art erwartet. Niemand rechnet mit einem Anschlag mit über 90 Toten an einem x-beliebigen Samstag. Aber es wäre auch falsch, sie als kontextfrei oder wirklich überraschend zu bezeichnen.
Der rechte Terror des Anders Breivik hat einen Kontext, eine Vorgeschichte.

Statt viel darüber zu schreiben, zitiere ich einfach aus Breiviks „Manifest“ (Seite 1161):

A stable and prosperous country that can offer its citizens solid welfare is dependent on
five primary factors

1. Islam cannot be present
2. An ethnic homogenous people
3. An educated people with a high average IQ (reprogenetics will increase the average IQ
further)
4. Cultural conservative policies/nationalistic policies/at least partially financial protectionist
5. Free market (+ free market towards other cultural conservative countries)

Dieser Abschnitt fasst die grundsätzliche Weltanschauung ganz gut zusammen. Es kommen noch ein paar Details dazu (etwa Monarchismus), abe rim groben und ganzen ist das das Fundament seiner Überzeugungen.

Ich würde wetten, wenn man einem beliebigen Papierschänder wie Sarrazin, Broder oder Wilders diese Sätze hinlegen würde, würden sie sie in Unkenntnis des Autoren ohne Zögern bestätigen, vielleicht mit Ausnahme von Punkt 5.
Und tatsächlich ist Broders Weltsicht immerhin ein ganzer Artikle gewidmet, in dem dazu aufgefordert wird, Europa zu verlassen, wenn man sich vor der Islamisierung retten will.

Europe is turning Muslim. As Broder is sixty years old he is not going to emigrate himself. “I am too old,” he said. However, he urged young people to get out and “move to Australia or New Zealand. That is the only option they have if they want to avoid the plagues that will turn the old continent uninhabitable.”
(Seite 697)

Die Weltsicht solcher Spinner ist nicht die alleinige Ursache für die Entstehung eines terroristen wie Breivik. Aber sie schaffen ein Klima, in dme ein solcher Terrorist Motive findet, in dem sich seine Wut über (tatsächliche oder vermeintliche) Missstände beständig steigert.
Wer Broder & Co. liest und glaubt, wird mit jedem mal ein bisschen islamfeindlicher, ein bisschen christlicher, ein bisschen nationalistischer. Diese Ismen siepen aus jeder Pore ihrer Texte, begründen und durchziehen sie.
Für sich ist jeder Text akzeptabel, harmlos gar und oft auch rational nachvollziehbar. Aber im Gesamtmosaik ergibt sich eine Einseitigkeit, ein geschlossenes Weltbild vom guten Westen, den guten alten Werten, dem heilbringenden Christentum, dem bösen Werteverfall, den naiven Multikultis und dem brutalen Islam.
Die schiere Produktionsmasse dieser Autoren gerät zur Überzeugungsstrategie, Gegenstimmen wird kaum Zeit zum Reagieren gelassen. Und so etabliert sich eine Denkrichtung.
Zumal es so schön einfach ist: Wir sind die Guten, die sind die Bösen.

Vor ein paar Jahren haben wir noch darüber gelacht, wenn George Bush II. sich in derartiger Rhetorik erging. Inzwischen nehmen viele sowas ernst und verstecken hinter „Es gibt auch andere“ die Implikation, dass „normale“ Muslime die Ausnahme seien.

Das Endergebnis einer solchen Entwicklung ist dann Broders Lieblingsland, Israel.
Hier hat sich der Wahnsinn inzwischen so aufgeschaukelt, dass jeder, der dort auf egal welcher der beiden Seiten steht vollkommen den Verstand verloren hat. Dort ist es praktisch politischer Mainstream, den „Gegner“ nur noch als ebensolchen zu betrachten und zu entmenschlichen. Dörfer zu bulldozern und raketen auf Krankenhäuser zu schießen.
Wenn ein einzelner Mensch eine solche Vergegnerung betreibt, tötet er mit Handwaffen und ohne Reue 85 Menschen auf einer Ferieninsel. Das war einer. Die Atmosphäre, die ihn geschaffen hat, aus der er seine Rechtfertigung bezog, existiert weiter und radikalisiert sich zunehmend weiter. Andere werden folgen.
Und jedesmal wird es ein Einzelfall gewesen sein. Bis es dann irgendwann zur Normalität gehört.

Ich wünschte wirklich, das Geschehn in Utøya wäre unerwartet gewesen oder zumindest kontextfrei. Aber das war es nicht.
Es bettet sich ein in eine zunehmende Ausbreitung fremdenfeindlicher Resentisements, rleigiöser und politischer Radikalisierung, Populismus und einer Art Aufgeben der europäischen Idee. In eine Welt in der Verschwörungstheorien und biologistischer Unfug auf fruchtbaren Boden fallen und nicht mehr länger nur belächelt werden.
Ich weiss nicht, wann es anfing. Mit dem 11. September? Oder doch schon mit dem ersten Esoterik- und Verschwörungsboom in den 90ern? Viel früher? Mit der RAF oder dem Radikalenerlass?
Geschichte kennt keine Anfänge und keine Enden. Was wir aber kennen, das ist die Situation. Und die ist der einzige Punkt, an dem wir etwas zu ändern in der Lage sind.

Daher jetzt noch mehr als jemals zuvor: Lasst uns nicht Dystopia bekämpfen, sondern ein Utopia errichten, neben dem Dystopia keinen Bestand haben kann.
Macht nicht die Welt schlechter für die anderen, sondern besser für alle. Wenn ihr überzeugt seid, dass euer Weltbild, euer Gesellschaftssystem das Richtige ist, dann wirkt als Vorbilder, nicht als Gegner.
Das ist oft nicht einfach, oft sogar frustrierend. Und oft bleibt man auch erfolglos in seinen Vorhaben. Aber zumindest baut in einer vernünftigen Gesellschaft ohne Hetze und Feindbilder niemand Kofferbomben und erschießt Kinder, nur um ein Statement abzugeben.

PS: Ich könnte noch einiges mehr über Breivik schreiben. Seine Darstellung der nationalsozialistischen Ideengeschichte vor 1939 (insbesondere in Bezug auf den Armenier-Genozid) ist interessant. Ebenso seine mE offensichtliche Egozentrik. Sein Verhältnis zur europäischen Idee. Die Distanzierungsversuche der Rechten von ihrem selbstgemachten Extremisten. Aber das passt alles nicht in diesen Artikel und/oder erfordert ein noch wesentlich tieferes Eingraben in sein „Manifest“ von immmerhin 1518 Seiten. Vielleicht ein ander Mal.


Grundsätzliches: Realpolitik

Realpolitik. Ekliges Wort, nicht wahr?
Das Problem mit der Realpolitik ist, dass es andauernd missbraucht wird bis zu einem Punkt wo konservative Grüne den Namen „Realos“ verpasst bekommen haben. Den ich mangels besserer Alternative ja auch selbst verwende.
Aber es ist nunmal so: Entweder wir stellen uns auf Extrempositionen und erreiche damit dann rein gar nichts oder wir akzeptieren hinter unseren Erwartungen bleibende Ergebnisse und erreivchen damit wenigstens irgendetwas.

Das schreibe ich natürlich nicht grundlos.
In der letzten Woche kam ich zweimal wegen ebendieser Position ins Kreuzfeuer. Für mich unbegreiflich: Weil ich das Tun dem Reden vorziehe, werde ich (und werden ebenso weite teile der Grünen) kritisiert. Aber im Einzelnen: Erst der Atomausstieg der Bundesregierung, dann das HDZ in Mönchengladbach.

Atomausstieg
Die Situation: Nach langem Rumgeeier hat die Bundesregierung eine Vorlage für einen endgültigen Atomausstieg eingebracht. Diese ist wohlgemerkt schwarz-gelb und die Aussicht, dass ein grüner Gegenentwurf auf mehrheitliche Zustimmung im Parlament trifft ist praktisch ausgeschlossen. Einen bessere Ausstieg werden wir ganz einfach nicht bekommen. Zumindest nicht vor der nächsten Bundestagswahl. Aber ich greife vor.
Der Plan ist es, 2022 auszusteigen. Ursprünglich sollten dann alle verbliebenen Reaktoren abgeschaltet werden, mit einem auf Stand-By, was auch immer das bei einem Kernreaktor sein soll.
Hier haben die Grünen interveniert und gefordert, die Reaktoren nacheinander über mehrere Jahre auszuschalten, ohne dafür die Laufzeit über 2022 hinaus zu verlängern. Dem wurde letztlich nachgekommen.
Damit ist nun eines klar: Deutschland steigt aus. Und 8 von 17 Reaktorne sind schon vom Netz. (Das ist jetzt die Stelle, an die der Vorgriff von vorhin gehört: Wir werden nichts besseres kriegen, egal was wir jetzt noch tun). Die Grünen können einem Ausstieg aus der Atomkraft nicht widersprechen, ohne ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen, denn die Leute werden usn zu fragen beginnen, warum die alte Anti-Atompartei das getan hat.
Und zwar mit Recht.

Es gibt Pläne und Gutachten für einen Ausstieg bis 2015.
Diese haben aber eine Schwäche: Sie zeigen eine rein technische Machbarkeit auf.
Darin kommt die Tatsache nicht vor, dass wir bis mindestens zur nächsten Bundestagswahl eine schwarz-gelbe Regieurng haben, die diese Pläne mit ziemlicher Sicherheit nicht umzusetzen gedenkt. Wir sprechen also von einem Atomausstieg inert 2 Jahren.
Darin kommt die Tatsache nicht vor, dass die Bundesregierung gar keinen so detailierten Zugriff auf den Kraftwerkspark hat, wie er dafür nötig wäre. Zumindest nicht ohne eine Verstaatlichung der Energiekonzerne, die schon selber Jahre brauchen dürfte.
Darin kommt die Tatsache nicht vor, dass der Bau neuer Kraftwerke – vor allem Gas, Biogas und Wind – keine reibungslos von statten gehende Affäre ist. Jedem Windkraftwerk seine Bürgerintiative. Demokratie ist eine lästige Angelegenheit – und das ist auch gut so. Eine so beschleunigte Energiewende bedeutet, demokratische Beteiligung und Einmischung auszuschalten, um einen möglichst reibungslosen Umbau hinzukriegen. Anders ist es nicht schaffbar, in so kurzer Zeit die Energieversorgung so grundlegend umzubauen. Das ist inakzeptabel.
Schwiegen im Walde bei den proponenten des beschleunigten Ausstiegs dann bei den ebenfalls problematischen Energiequellen Kohle und Biogas. Schalten wir die Kernkraft 2015 endgültig ab, laufen die Kohlekraftwerke auf Jahrzehnte weiter und wird der Bau neuer flächenfressender Biogaskraftwerke nötig. Wir würden unsere gesamten Kräfte in der Abschaffung der Kernkraft bündeln und hätten nichts mehr übrig, um auch die fossilen Brennstoffe loszuwerden.
Das ist der Preis des sofortigen Atomausstiegs.

Sicherlich ist der Atomausstieg wie beschlossen nicht perfekt.
Es ist möglich, mehr zu leisten. Wir können den Energieverbrauch merklich senken, wenn wir dafür arbeiten und damit auch die übrigen Anstiege erleichtern. Wir können (und müssen sogar) das übrigbleibende Atomkraftwerk auch noch ausschalten. Das können wir immer noch machen, wenn wir wieder an der Bundesregieurng beteiligt sind, vorher bekommen wir eh keine Mehrheit dafür. Wir müssen usn darum kümmern, dass die deutschen Atomstromleute auch im Ausland kein Geschäft mehr haben und beispielsweise RWE keine Atomkraftwerke in den Niederlandne baut. Die Endlagerfrage für den Atommüll ist immer noch nicht gelöst.
All das müssen wir noch angehen. Dennoch bleibt festzuhalten: Deutschland steigt aus. Der Ausstieg ist nicht perfekt und er erfordert noch viel Nacharbeit. Aber er ist da.
Und mit einem „Nein“ zum Ausstieg ist ausser mühelos vorhersehbaren Schlagzeilen über die verlogenen grünen Ausstiegsverweigerer rein gar nichts erreicht.

HDZ
Das HDZ ist ein großes Einkaufzentrum im Herzen von Mönchengladbach. Ursprünglich ein Plan von ECE, einem Betreiber solcher Zentren, hat ihn mittlerweile Konkurrent mfi übernommen.
Unter der hiesigen Ampelkoalition gibt es seit den Koalitionsverhandlungen beständigen Streit um die größe des Zentrums. Klar ist jetzt schon: Der alte Plan ist um einen kompletten Häuserblock geschrumpft.
Immer wieder versucht mfi, sein Zentrum von den ursprünglich zugesagten 17.500 m² Neufläche zu vergößern, zuletzt auf 20.500 m². der Kampf ist also noch nicht ausgestanden. Wir werden ihn aber bestreiten. Wo wir letztlich landen, das vermag ich noch nicht zu sehen oder mit Sicherheit abzuschätzen.
Es gibt Kräfte, die wollen, dass die Grünen komplett „Nein“ sagen. Das ist verständlich, ist dies doch auch die ursprüngliche Position der Grünen, aus der mangels Durchsetzbarkeit eine Schrumpfkur für das Vorhaben wurde.
Das ist aber genau der Punkt: Durchsetzbarkeit.
Auch hier: Sagen die Grünen kurzerhand „Nein“, wird eine lockere Mehrheit aus CDU/SPD/FDP den unseres Erachtens schlimmstmöglichen Plan durchwinken. Wir hätten nicht das geirngste erreicht.

Ja, es ist unangenehm und unschön, letztlich dem Bau einer gewaltigen Mall im Zentrum von Mönchengladbach zuzustimmen, die erhebliche Kaufkraft aus den Innenstädten MGs abzieht und aller Voraussicht nach ein massives Absterben des Einzelhandels in der Stadt auslösen wird.
Ich tue das nicht gerne.
Aber ich tue dies in dem Bewusstsein, dass mit einem grünen „Nein“ der Weg frei ist für ein noch viel größeres und schädlicheres Einkaufszentrum.

Realpolitik
Und hier schließt sich der Kreis.
Verantwortliche Politik heisst für mich, Entscheidungen zu treffen, die etwas bewirken. Auch wenn diese Entscheidungen unpopulär oder gar unangenehm sein mögen.
Wenn die Auswirkungen eines angenehmen und populären „Nein“ negativer sind als die eines unangenehmen und unpopulären „Ja“, dann entscheide ich mich für ein „ja“. Weil ich Taten und Ergebnisse höher schätze als Forderungen und Reden.

Und das nennt man dann Realpolitik.
Wenn das erste Auto halt kein Porsche sein kann, sondern ein klapperiger ’89er Fiesta*. Und wer auf den Porsche besteht, kriegt halt gar kein Auto.

*Ich habe weder ein Auto noch will ich einen Porsche, aber ich finde das Bild halt hübsch.


Meta-Musikeinlage

Es wird mal wieder Zeit für die gute alte Musikeinlage. Mir sind in letzter Zeit einige Songs aufgefallen, die andere Künstler direkt referieren. Eine (aus genereller Faulheit schnell zusammengeklatschte) kleine Sammlung der guten.

LCD Soundsystem – Daft Punk is Playing at my House

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