eBook-Land Woche 23

B√ľcher im Verkauf: 4 | Eigene: 1 | Eink√ľnfte bisher: 71,52 ‚ā¨ | H√§ndler: 6

In eigener Sache
Mit der dritten Auflage von Dieses Cover ist M√ľll! Lernen Sie warum hat dieses Buch endlich die Form erreicht, die ich von Anfang an als Ziel vor Augen hatte. Mit dieser Ausgabe bin ich nun also vollends zufrieden, nach meinem bisherigen Urteil fehlt nichts wichtiges mehr. Womit ich nat√ľrlich nicht ausschlie√üen will, dass es irgendwann noch eine vierte Auflage geben wird. Aber vorerst gibt es wohl nur noch kleinere Erg√§nzungen und Aktualisierungen zu erledigen.
Neu hinzugekommen sind in dieser Auflage zwei Kapitel. Eines davon besch√§ftigt sich mit den Besonderheiten von Covern im Querformat, das andere geht gezielt darauf ein, wof√ľr man sein Cover eigentlich verwenden kann, wenn es einmal fertig ist. Vor allem dieses letzte Kapitel wird in Zukunft wohl noch wachsen, wenn ich neue M√∂glichkeiten ausprobiere (von denen ich dann nat√ľrlich auch hier im Blog berichte). Ein drittes neues Kapitel ist aus einem Absatz im Kapitel „Bildbeschaffung“ entstanden, der dort rausgenommen und ausgebaut wurde. Dort geht es um die verschiedenen Formate von eBook-Covern (Hochkant, Quer, Quadratisch).
Im Kapitel zu den Quellen f√ľr Coverbilder wird jetzt auch die M√∂glichkeit besprochen, Auftr√§ge auf speziellen Plattformen f√ľr K√ľnstler und Designer auszuschreiben. Der Test zur √úberpr√ľfung ob ein Cover gelungen ist wurde um einen neuen Punkt (Erkennbarkeit des Buchinhalts √ľber das Cover) erg√§nzt. Bei der Titelfindung gehe ich jetzt etwas ausf√ľhrlicher auf die Titel von fiktiven Geschichten ein, bisher ging es dort fast ausschlie√ülich um Sachb√ľcher.
Alles in allem bin ich mit dieser dritten Auflage wie oben schon gesagt sehr zufrieden. Jetzt geht es endg√ľltig an andere Projekte, von denen Feuchten Fu√ües das wichtigste ist, gefolgt von den thematisch √§hnlichen Titeln Schwarzer Schwinge und Klirrender K√§lte. Diese drei B√§nde der Serie Meilensteine der Evolution sind komplett unabh√§ngig voneinander in v√∂llig beliebiger Reihenfolge lesbar, die Reihe ist durch ein gemeinsames Thema, aber nicht durch einen gemeinsamen Handlungsstrang verbunden. Es sollte einer jeden Monat erscheinen, weitere B√§nde nach dem Juni nicht ausgeschlossen. Zwischendurch kommen einige kleinere Projekte dazu, die ich nebenbei schreibe.
So kann das weitergehen.

Freundliche Hinweise
Eileen Janket hat Thrill my Soul ein kleines Facelifting verpasst: Neues Cover und neue Genre-Bezeichnung (Liebes-Thriller statt Heartcore) schm√ľcken das Buch nun.

Aus der Szene
Fangen wir mit dem obligatorischen Hinweis an, dass seit heute die englischsprachigen Ausgaben von Harry Potter als eBook verf√ľgbar sind. Keine Ahnung, warum das bedeutend ist, halt eine weitere Bestseller-Reihe als eBook – wobei ich hervorheben muss, der Preis f√ľr die B√ľcher ist sehr gut gew√§hlt, das Bestellverfahren √ľber eine eigene Seite finde ich allerdings befremdlich. Interessanter finde ich pers√∂nlich da schon die Erstver√∂ffentlichung von Kurt Vonneguts Basic Traning als eBook. Das unver√∂ffentlichte Kurzwerk des Autors (mE einer der besten des 20. Jahrhunderts) bot sich aufgrund seiner L√§nge gradezu als eBook an, als Papierbuch w√§ren seine Chancen auf Ver√∂ffentlichung eben wegen des geringen Umfangs gering gewesen.
In Deutschland reiht sich Sven Regener in die Reihe derer, die f√§lschlicherweise glauben, Urheberrechtsgegner wollten das Urheberrecht komplett abschaffen und erz√§hlt gleich noch Mythen wie jene Legende, Youtube wolle nix f√ľr die Videos bezahlen (doch, wollen sie, aber die GEMA will noch mehr). Das w√§re nicht weiter bemerkenswert, h√§tte sein w√ľtender Redebeitrag nicht jede Menge Aufsehen erregt.
Auch ziemlich falsch, aber in diesem Fall leider, waren die Ger√ľchte um ein neues Kindle mit farbigem eInk-Display. Daf√ľr werden wir uns wohl doch noch ein paar Jahre gedulden m√ľssen. Die Technik existiert, aber ist noch nicht ausgereift und vor allem deutlich zu teuer. Da kommt die Nachricht, dass eReader und Tablet-Computer doch nicht konkurrieren grade recht.
Die GfK kommt in einer Untersuchung der deutschen eLeserschaft zu hochinteressanten Ergebnissen. Demnach ist der Markt in Deutschland demografisch komplett anders besetzt als in den USA – sind dr√ľben Frauen in ihren 50ern die gr√∂√üte Nutzerschicht herrschen hierzulande m√§nnliche Nutzer zwischen 40-49 als Durchschnittsleser vor. Zwar ist in beiden M√§rkten der hohe Altersschnitt auff√§llig, aber ansonsten k√∂nnten die Gruppen unterschiedlicher kaum sein. Das d√ľrfte entsprechende Implikationen f√ľr die Vergleichbarkeit der M√§rkte haben, insbesondere was die Beliebtheit einzelner Genres und dort m√∂gliche Absatzzahlen angeht.
Bleibt mir noch, auf ein interessantes Experiment zu verweisen: Jellybooks, ein Online-Buchh√§ndler, der im ersten Augenblick nur die Cover der angebotenen B√ľcher pr√§sentiert.


Politische KW 12-2012

Okay, offenbar wird es jetzt also doch fest Sonntag, wenn diese Reihe erscheint. So sei es denn:

Sitzungen: 3(9 h)| Anträge in Arbeit: 3 | Sonst: 5 h Wahlkampf, ca. 2 h eMails

Montag
Und da ist die 1. Stunde eMails. Genauer eMail. Ja, eine.
Es ging um die Baumf√§llungen in den letzten 12 Monaten in der Stadt, eine B√ľrgerin beklagte diese und fragte nach, wie wir Gr√ľne hier aktiv seien. Ich erkl√§rte ihr, dass die meisten F√§llungen von Einzelb√§umen begr√ľndet seien (kranke, tote, zu st√ľrzen drohende B√§ume), aber auch mir viele F√§llungen aufgefallen sind, die nicht vorher angek√ľndigt waren. Viele besonders sichtbare F√§llungen sind auch B√§ume, die wegen Bauma√ünahmen fallen (Marienplatz, Hugo-Junkers-Park). Am Marienplatz stehen nachher deutlich mehr B√§ume als zuvor, im Hugo-Junkers-Park stehen am Ende 67 neue an einer anderen Ecke (ich weiss allerdings nicht, wie viele dort zuvor gefallen sind). Da mir einige mehr aufgefallen sind oder mitgeteilt wurden stellte ich aber im letzten Umweltausschuss die Frage, wie weit die bekannten Baumf√§lllisten abgearbeitet seien und wieviel aus welchem Grund ausserhalb der Listen gef√§llt wurde.
Vieles ist auch deshalb so radikal, weil die Jahre der Verwahrlosung wieder eingeholt werden m√ľssen. Dennoch Ich bin ziemlich sauer, wie in dieser Stadt mit Gr√ľn umgegangen wird. Es herrscht weiterhin eine Golfrasenmentalit√§t in der Planung und Pflege des Gr√ľns vor, Natur ist nur so weit vorgesehen, wie sie mit den √§sthetischen Idealen der G√§rtner √ľbereinstimmt. Das Problem ist, dass G√§rtner und Landschaftsgestalter diese Mentalit√§t in ihrer Ausbildung als eherne Gesetze der Zunft eingeimpft bekommen. Die wenigsten sch√§tzen Natur als Natur, sie wird mehr verwendet wie eine weitere Art Gestaltungselement.

Am Abend dann die Fraktionssitzung. 3 Stunden Vorbesprechung der Ratssitzung und anderer f√ľr die Woche anliegender Themen. Da hab ich mich dann mal eben als alles andere als ein Freund des Sch√ľtzenwesens geoutet. Ich finde es problematisch, wenn bewaffnete M√§nner in Unform im Gleischritt zu Marschmusik durch die Stra√üen schreiten und sowas auch noch als toll gilt. Wie sich das mit einer pazifistisch orientierten Partei vereinen l√§sst, weiss der Teufel allein. Ich kann verstehen, wenn man in bestimmten Situationen einen Krieg f√ľr gerechtfertigt h√§lt, etwa um einen V√∂lkermord zu stoppen. Aber ich kann nicht verstehen, wie man eine Veranstaltung gutheissen kann, deren Pr√§senz den Eindruck zu f√∂rdern geeignet ist, Krieg oder zumindest Milit√§r√§sthetik sei ein allt√§glicher Bestandteil der Gesellschaft.

Dienstag
Zum zweiten Mal hintereinander tagte die Bezirksvertretung Nord in einer Sondersitzung im Rathaus Rheydt. Es ging erneut um das HDZ (Handels- und Dienstleistungszentrum), sprich die gro√üe Mall im n√∂rdlichen Zentrum. Das fanden einige gar historisch. Das ist f√ľr ein √ľbergro√ües Einkaufszentrum dann doch etwas arg hoch angesetzt, aber na gut.
Ich nutzte den Punkt „Anfragen aus der Bezirksvertretung“ f√ľr einen ersten Einwurf im Kampf gegen ein √úbel, dessen ich mich zuk√ľnftig stark annehmen will: Die so genannten Dr√§ngelgitter an vielen Stellen der Stadt, die ein erhebliches Hindernis nicht nur f√ľr Fahrr√§der, sondern auch f√ľr Kinder- und Handwagennutzer darstellt.


Bild von hier

Nun stellte sich das Gitter, das ich hierf√ľr als erstes erw√§hlte sich tats√§chlich als sinnvoll heraus. Das Gitter an der Ecke Vitusstra√üe/Fliehtstra√üe dient dem Schutz eines Schulweges vor Radfahrern, die dort mit hoher Geschwindigkeit bergab kommend versuchen, der roten Ampel √ľber den B√ľrgersteig auszuweichen. Das leuchtet in der Tat ein. Aber das ist nicht die einzige derartige Stelle auf meiner Liste.

Sp√§ter am Dienstag traf sich dann noch das Gladbacher Anti-Atom-B√ľndnis Strahlenzug. Wir haben nat√ľrlich f√ľr den Tschernobyl-Jahrestag am 26. April wieder eine sch√∂ne Aktion ausgeheckt. Vorher sind wir nat√ľrlich am Ostermontag in J√ľlich beim AntiAKW-Ostermarsch dabei. Den habe ioch mal oben ins Zeitbudget nicht eingerechnet, da der Strahlenzug explizit nicht zu den Parteien geh√∂rt. Und weil ich nicht darauf geachtet habe, wie lang wir uns eigentlich getroffen haben. 2-3 Stunden etwa.

Mittwoch
Nachdem ich tagelang jeden Politiker anderer Fraktionen mit der Frage genervt habe, wie sie abstimmen w√ľrden war es am Mittwoch klar: M√∂nchengladbach erh√§lt das Kfz-Kennzeichen der 1972 aufgel√∂sten Stadt Rheydt (RY) nicht wieder. Das freut mich sehr. Ich hielt den Vorsto√ü in einer Stadt, die gesellschaftlich immer noch so gespalten ist f√ľr sch√§dlich im Zusammenhalt und vor allem dem Prozess des Zusammenwachsens der Gesamtstadt.
Beim HDZ √ľberbot der Oberb√ľrgermeister den Bezirksvorsteher nochmal in Sachen vollst√§ndiger √úberh√∂hung des Baus und sprach vom „gr√∂√üten historischen Ereignis seit Bau der Abtei“, vulgo der Gr√ľndung der Stadt. Man kann es auch √ľbertreiben. Das gr√∂√üte historische Ereignis der Stadt ist immer noch die Erfindung von K√§pt’n Blaub√§r durch einen Gladbacher Rheydter. War allerdings auch ein paar Millionen billiger.
De neue Zentralbibliothek ist auf dem Weg und ich muss bei allen Bekenntnissen zur Bibliothek ehrlich sagen: Je l√§nger ich mich mit eBooks besch√§ftige, desto weniger bin ich vom Sinn einer Bibliothek √ľberzeugt. Meine eigenen schwindenden B√ľcherregale spielen da sicher auch eine Rolle. Wahrscheinlich stehen bei mir irgendwann nur noch ein Kindle und ein Sony eReader rum, das Papier wird verschwinden. √Ąhnliches erwarte ich auch f√ľr die Bibliothek – und dann braucht sie gar keinen physisch existenten Ort mehr.
Die Stadt bewirbt sich um das so genannte St√§rkungspaket Kommunalfinanzen II. Mal abgesehen davon, dass die Bezirksregierung uns ziemlich unmissverst√§ndlich klar gemacht hat, dass sie das von der Stadt erwartet, sonst ist die Haushaltsaufsicht in Zukunft weniger nachsichtig mit der hoch verschuldeten Stadt: Ich denke auch, es ist sinnvoll, dies zu tun. Das Schlimmste was passieren kann ist, dass wir kein Geld kriegen und alles bleibt wie es ist. Dem gegen√ľber steht die Chance bis 2019 j√§hrlich mehrere Millionen zu erhalten, die wir in zur Haushaltssanierung dringend notwendige Investitionen stecken k√∂nnen. M√∂nchengladbach hat strukturelle Probleme mit einer extremen Arbeitslosen- und Aufstockerquote, einem verfallenden Geb√§udebestand und einer Verwaltung, die wegen Personaleinaprungen stellenweise am Rande ihrer Leistungsf√§higkeit arbeitet.
Pro forma bin ich jetzt √ľbrigens auch stellvertretendes Mitglied im Aufsichtsrat der NEW mobil & aktiv, unserer Betreibergesellschaft f√ľr √ĖPNV und B√§der. Ich erwarte aber nicht, dass ich diese Funktion je ausf√ľllen muss.

Donnerstag
Ich werde ein Ansinnen wohl aufgeben m√ľssen, die Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Stra√üe. Das wollte ein Partner mit einem anderen Anliegen verbunden wissen („Wir stimmen zu, wenn ihr hier zustimmt“). Da ich das Gegenvorhaben f√ľr wesentlich folgenreicher als den positiven Effekt der Umbenennung einer nach einem V√∂lkerm√∂rder benannten Stra√üe hielt werde ich mich darauf nicht einlassen. Kommt der Antrag halt nach der n√§chsten Kommunalwahl 2014 nochmal auf den Tisch.
Apropos Wahl: Das Wahlamt rief mich an, ob ich nicht wie in den letzten Jahren (ausser bei der Kommunalwahl, wo ich ja selbst Kandidat war) die Wahlleitung in meinem Wahlkreis machen wollte. Nach der Kl√§rung, ob das rechtlich √ľberhaupt m√∂glich sei, ich bin ja nun politisch kein ganz unbekanntes Gesicht mehr, sagte ich zu. Womit mein 13. Mai auch schon weg w√§re. Ein potenzieller Naziplatz weniger.

Freitag
Mal ein Pr√§senztermin, gibt es auch hin und wieder: Es ging zum kurdischen Neujahrsfest in Eicken. Die Kurden feiern das neue Jahr am Fr√ľhlingsanfang, also unserem 21. M√§rz. Gesprochen habe ich anders als 2011 nicht, die Rolle der positiven Stimme der Hoffnung zum neuen Jahr √ľbernahm diesmal der sehr gute Edmund Erlemann. Was die √ľbrigen Beitr√§ge angeht, so sehe ich die durchaus kritisch, aber dazu wird es die Woche einen eigenen Beitrag geben. Sagen wir mal so: Die Kurden br√§uchten dringend ein Gegenst√ľck zu Gandhi. Jene, die dort momentan politisch agieren tragen selbst heftig zum Aufschaukeln der Aggressionen zwischen T√ľrken und Kurden bei – das jedenfalls ist mein Eindruck von diesem Abend.
Da das Ganze irgendwie nicht so richtig politisch war hab ich es mal nicht oben mitgezählt.

Samstag
Wieder Landtagswahlkampf am ehemaligen Stadttheater. Immer spannend, wen man dort alles trifft und was man dort alles erf√§hrt. Und w√§re mir nicht in der vorhergehenden Nacht mein gro√üer Fahrradanh√§nger geklaut worden h√§tte ich auch den bestellten zweiten Klapptisch f√ľr zus√§tzliches Infomaterial mitbringen dorthin k√∂nnen.
Aber naja, mit den Leuten reden lohnt immer. Ausser uns gab es diesmal noch die Linke, aus Wuppertal importierte Republikaner (inklusive erheblicher Polizeipräsenz in der Fußgängerzone) und einen einsamen Piraten auf der Suche nach seiner Crew, die am Abend zuvor mangels Teilnehmern am Stand diesen abgesagt hatte (was aber offenbar nicht im Piratenpad stand).


eBook-Land: Woche 22

B√ľcher im Verkauf: 4 | Eigene: 1 | Eink√ľnfte bisher: 67,26 ‚ā¨ | H√§ndler: 6

Diesmal einen Tag später wegen einem sehr sitzungsintensiven Dienstag. Und kurz wegen eines sitzungsintensiv werdenden Mittwochs.

In eigener Sache
Kaum stelle ich das Schreiben von Castor zur√ľck, verschiebt R√∂ttgen die Castortransporte durch NRW nach 2016. Okay, die Neuwahlen in NRW d√ľrften da wohl auch was mit zu tun haben, kommt mir aber sehr entgegen. Wenn wir jetzt noch jedes Mal, wenn Castortransporte drohen Neuwahlen ansetzen k√∂nnten… ist vermutlich sogar billiger.
Ansonsten haut mir der Wahlkampf nat√ľrlich ordentlich in die Zeitplanung. Wahrscheinlich habe ich so erst Sonntag die Zeit, die dritte Auflage von Dieses Cover ist M√ľll endlich abzuschlie√üen. Schmeckt mir gar nicht, immerhin wollte ich grade jetzt mal richtig loslegen mit dem Umfang meines Schaffens.

Freundliche Hinweise
Miriam Pharo hat mal was neues ausprobiert und als erste deutsche Autorin eine Werkschau als App rausgebracht (Hier geht zum Miriam Pharos Werkschau, SciFi und Thriller - artmanns.net). Quasi Bonusmaterial zu ihren B√ľchern, aber auch zB die komplette SF-Krimiserie Isar 2066.

Aus der Szene
Die gro√üe Nachricht die Woche war nat√ľrlich, dass die Encyclopedia Britannica ihre Printausgabe aufgibt. Eine √úberraschung ist das zwar nur f√ľr jene, die die Ank√ľndigungen 2010 nicht mitbekommen (oder zwischenzeitlich vergessen) haben, aber na gut.
In Deutschland kommt so langsam die Vermessung der eBook-Welt ins Laufen: Media Control z√§hlt inzwischen (nach welchem Verfahren auch immer). H√∂chste Zeit, immerhihn nimmt diese Zahlen inzwischen selbst die Stadtplanung ernst. Z√§hlungen anderswo beginnen die Behauptung in Frage zu stellen, Tablet-Computer w√ľrden den eReader-Markt auffressen.
Die Wissenschaftler beginnen unterdessen endlich zu protestieren. Dazu muss man wissen, dass Wissenschaftsverlage sich oft doppelt bezahlen lassen: Von den Forschern zum Ver√∂ffentlichen und von den Lesern durch unversch√§mte Preise f√ľrs Zug√§nglichmachen. Das ist unlogisch und blutet zudem die wissenschaftlichen Bibliotheken aus, was die Wissenschaft an sich behindert.


Politische KW 11-2012

Ich sollte kurz erkl√§ren, was das hier ist: Wie letzte Woche angek√ľndigt will ich ab jetzt w√∂chentlich dar√ľber schreiben, was ich als Politiker eigentlich so mache. Und prompt hatte ich den sonst terminarmen Samstag terminlich verbaut, aber dazu sp√§ter mehr.
Erst muss ich ein wenig ausgreifen, um zu erkl√§ren, woher dieser Beitrag und die zugeh√∂rige Beitragsserie kommen. Dazu gehe ich einmal zur√ľck zum vorvergangenen Dienstag. Nicht die einzige Situation, die hier eine Rolle spielt, aber letztlich ein guter Schnittpunkt f√ľr meine Geschichte. Am vorvergangenen Dienstag also, vormittags, fand auf dem St√§dtischen Friedhof an der Preyerstra√üe zwischen Ohler und Pongs die Beisetzung von Joe H√ľskens statt. Ein Tod, der in vielerlei Hinsicht einer war, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Ein junger, engagierter Mensch voll Energie, kompetent, positiv. Bekannt und beliebt – nie zuvor habe ich einen derartig gewaltigen Trauerzug gesehen (sicher eine Qual f√ľr die Angeh√∂rigen, dieser ewig lange Abschied, diese unendlich vielen Beileidsbekundungen von bald ebensovielen Un- und nur Gesichtsbekannten). Das und noch einiges mehr hat mich zu tiefem Nachdenken veranlasst dar√ľber, was ich erreicht habe, was ich erreichen will, was ich eines Tages hinterlasse.
Mit dem Ergebnis bin ich unzufrieden. Ich war und bin immer ein Mensch voller Ideen, das Talent, das ich habe ist es, anders zu denken, mich ausserhalb eingesessener Denkstrukturen bewegen zu können. Das ist es, was Menschen in mir sehen, wenn sie mir immer wieder politische Funktionen anbieten. Erstmals hörte ich den Vorschlag, ich solle in die Politik gehen 1999; er ist seitdem zu einer Art Begleitmusik geworden. Meine Unzufriedenheit speist sich aus einem Laster, welches ich seit langem mit mir herumtrage.
Prokrastination. Es mangelt mir an der F√§higkeit, all die Ideen in meinem Kopf auch umzusetzen. Ich kann nach zwei Jahren auf einige Erfolge zur√ľckblicken, aber fast immer waren das Reaktionen auf konkrete Situationen (das ist nicht alles aber alles, wozu ich Links finde), weniger neu angesto√üene Projekte und Vorhaben, wof√ľr ich eigentlich in die Politik gegangen bin. Sicher, in einer Nothaushaltskommune wie M√∂nchengladbach ist so etwas ohnehin schwer. Es k√∂nnte dennoch deutlich mehr sein und es gibt einige Ansinnen, die meinerseits in einem Schwebezustand sind, weil ich die Formulierung der dazugeh√∂rigen Antr√§ge immer wieder auf „morgen“ verschiebe. Ich bin nicht mehr bereit, diesen Zug an mir einfach zu akzeptieren.

Hier kommt diese Serie von Blogbeitr√§gen ins Spiel. Ich brauche Druck, um diese meine schlechte Gewohnheit zu √ľberwinden. Diesen Druck muss ich selbst erzeugen, denn ich bin der einzige, der es bisher geschafft hat, es ein ganzes Leben lang mit mir auszuhalten. Transparenz und vor allem regelm√§√üige Berichte erzeugen diesen Druck. Sie erzeugen die selbstauferlegte Pflicht, diese Berichte auch zu f√ľllen und sie erzeugen f√ľr das Unterbewusstsein das Gef√ľhl, dass es Menschen gibt, die erwarten, dass man regelm√§√üig etwas vorweist. Das funktioniert in einer gewissen Weise – wenn auch nicht perfekt – beim „eBook-Land“, inzwischen in seiner 22. Woche, und so sollte es bei der Politischen KW auch sein.
Ich werde nicht √ľber alle Vorhaben schreiben. Das kann strategische Gr√ľnde haben (die Konkurrenz soll ja nicht zuviel vorher wissen) oder rechtliche (es gibt oft genug Geheimhaltungspflichten). Pers√∂nliche erwarte ich zwar nicht, aber man kann nie wissen. Der Druck wirkt also eher in der Weise, dass ich regelm√§√üig einen wie auch immer gearteten politischen Erfolg oder Fortschritt vorweisen kann. Vieles davon kann man aus den √∂ffentlichen Sitzungen der st√§dtischen Gremien wissen, anderes wie etwa Dinge, die √ľber direktes Gespr√§ch oder eMails mit Verwaltungsmitarbeitern geregelt wurden eher nicht. Nichts davon ist in irgendeiner Weise vertraulich, hofft also nicht auf gro√üe Enth√ľllungen. Wie so ein Beitrag in der Serie dann aussieht? Nun, so, wobei sp√§tere hoffentlich l√§nger werden wenn die Serie mit der Zeit Form mehr annimmt:

Sitzungen: 2 (6 h) | Anträge in Arbeit: 3 | Sonst: 5 h Wahlkampf

Ich habe einen Antrag, der zuletzt von Joe und mir bearbeitet wurde in meine Arbeitsliste genommen. Er ist fertig und war auch schon in der Ampel (bedeutet: Unsere Koalitionspartner SPD und FDP haben ihn zur Bewertung erhalten), wo es jetzt noch ein paar Details zu klären gibt. Ich bin zuversichtlich, dass das funktioniert.
Was mich etwas nervt ist, dass es pl√∂tzlich Neuwahlen im Land gibt. Da hat bis etwa einen Tag vor der Entscheidung wirklich keiner mit gerechnet und entsprechend unvorbereitet trifft uns das. Bis zum 13. Mai einen Wahlkampf auf die Beine zu stellen und den auch durchzuf√ľhren ist schwierig und wird eine Menge Zeit fressen, die ich f√ľr andere Vorhaben brauchen k√∂nnte. Hoffentlich nicht zuviel. Immerhin haben wir es geschafft, bis zum Samstag einen Stand an der Hindenburgstra√üe aufzubauen, was einige Kommentatoren offenbar erstaunt.
Nunja, die Arbeit bestand darin, zwei Klapptische samt Hussen und Sonnenschirmen aus dem Lager ins B√ľro zu bringen, wo sie dann Samstag abgeholt wurden. Das ist mit drei Leuten in der Zeit zwischen Mittwochabend und Samstagmorgen durchaus schaffbar. Dazu dann noch schauen, welches noch vorhandene Material aus den letzten Wahlk√§mpfen neu ausgepackt werden kann und fertig ist der Stand. Und unser „Ballonmensch“ hat eh immer Ballons und eine Heliumflasche im Haus. Und „Wahlk√§mpfen“ ganz oben in seiner Hobbyliste.


eBooks und das liebe Geld

Oder das b√∂se Geld, je nachdem wie ihr das eben haltet, das ist ja trotz aller r√∂mischen Kloweisheiten immer noch eine strittige Frage. So oder so ist die Frage der angemessenen Bezahlung eine der gr√∂√üten unter eBook-Autoren und auch eine der unbeantwortetsten (ja, ich weiss, dass man das nicht steigern kann, ich ignoriere es lediglich um einen halbwegs graden Satz bauen zu k√∂nnen ohne eine Klammer einf√ľgen zu m√ľssen, die mehr als eine komplette Zeile lan… ach, Mist).

Ich muss ehrlich sagen, dass die Frage f√ľr mich nur in geringem Ma√üe eine ist. Ich verlange einfach, was ich bezahlen w√ľrde. Diesen Sinn habe ich √ľber Jahre durch Flohmarktbesuche gesch√§rft, was ich jedem empfehlen kann, der Preisfindung f√ľr Objekte ohne festen Warenwert trainieren will. Also: Indie-Autoren, geht auf den Tr√∂delmarkt. Mindestens einmal auf jeder der beiden Seiten des Tisches (oder Teppichs, oder Anh√§ngers, oder was auch immer als Verkaufsfl√§che dient). Dort kann man dann lernen, was die Dinge den Leuten wirklich wert sind statt was die Hersteller ihrerseits gerne daf√ľr verlangen. Grade bei Kultur (sprich: B√ľchern, aber auch Filmen, weniger bei Videospielen) ist die Differenz zuweilen enorm. Mein Preismuster, eBooks im Bereich von 0,89 bis 4,99 ‚ā¨ anzubieten und alle Preise dar√ľber nur f√ľr wirklich, wirklich verdammt gute Autoren sowie einige Sachb√ľcher mit ausreichend hohem Informationsgehalt gelten zu lassen kommt aus diesen Erfahrungen in der Frage, was den Leuten ein Buch wirklich wert ist.

Nun h√∂re ich bereits den Aufschrei, f√ľr eine solche mit Herzblut √ľber Monate wenn nicht Jahre geschriebene Arbeit wie den eigenen Roman k√∂nne man nie im Leben so wenig Geld verlangen. Dem liegen mE zwei fehlerhafte Wahrnehmungen zu Grunde:

  1. Der Preis wird vom Autoren am Einzelexemplar beurteilt
  2. Der Preis wird mit gedruckten B√ľchern verglichen ohne zu sehen, wieso diese eigentlich so teuer sind

Und weil da jetzt schon niedliche kleine Zahlen davorstehen fang ich mit dem ersten Punkt an. Ist auch k√ľrzer anzugehen:
Beim Schreiben des Buches entsteht nur einmal Arbeitsaufwand, weitgehend unabh√§ngig davon, wie oft sich das Buch verkauft. Ich sag „weitgehdn“, weil Marketing ja durchaus einen Einfluss hat, aber auch dieser Aufwand und diese Kosten fallen nur einmalig an und sind zudem freiwillig. Die zentrale Leistung beim Schreiben ist das Schreiben und das ist in der Regel abgeschlossen, sobald das Buch raus ist.
Der Verdienst aber f√§llt jedes Mal an, wenn ein Exemplar verkauft wird. Der Autor lebt nicht von den Tantiemen eines Buches, sondern von den Tantiemen seiner Gesamtauflage. Diese sind f√ľr den Autoren ausschlaggebend. Wof√ľr das Buch beim Kunden landet kann ihm relativ egal sein, worauf es ankommt ist, den Preis so einzustellen, dass ein m√∂glichst hoher Betrag bei ihm ankommt – dazu kann es eine bessere Strategie sein, viele Exemplare billig zu verkaufen als wenige oder gar keine teuer (muss aber nicht). Der einzige, f√ľr den der Preis eines Einzelexemplars eine entscheidende Rolle spielen sollte ist der Leser.

Die zweite Wahrnehmung gr√ľndet einfach darin, dass der Durchschnittskunde nicht weiss, welche Kosten alle in ein Buch einflie√üen. Es sind ja nicht nur Druck, Marketing, Verkauf, Steuer und Lektorat. Nein, viel wichtiger ist das aufgebl√§hte Management, das auf jeder dieser Ebenen verdient. Verlagsh√§user sind riesige Wirtschaftsunternehmen mit eigenen Anw√§lten, Steuerberatern, Handelsvertretern, Organisatoren, Werbeleuten usw. usf. Der Buchhandel nimmt sich vom Preis mal eben 50-60% vom Ladenpreis, die sich Grossist und Buchladen teilen. 5% Druckerei, 7% Mehrwertsteuer, etliches an Kleinkram… am Ende erh√§lt der Autor zwischen 8 und 12% vom Preis des Buches (in der Regel 8%, bew√§hrte Autoren 10%, Bestseller bis zu 12%). Und selbst wenn die Verlage wollten, k√∂nnten sie nicht mehr bezahlen, denn sie haben ihre eigene Verwaltung und den ganzen Arbeitnehmerapparat zu bezahlen. Deshalb ist auch Imre T√∂r√∂ks Forderung, die Verlage sollten Autoren fair bezahlen unsinnig – die Verlage k√∂nnten die Autoren nicht einmal fair bezahlen ohne damit Harakiri zu begehen, wenn sie wollten.
Indie-Autoren haben diesen ganzen √úberbau nicht. Und das macht einiges aus: Verkauft ein Indie-Autor ein Exemplar eines Buches f√ľr 2,99 ‚ā¨, hat er davon etwa 2 ‚ā¨ Eink√ľnfte. F√ľr die selben Eink√ľnfte m√ľsste ein verlagsgebundener eBook-Autor (der etwa 20-25% des Verkaufspreises erh√§lt) ein Buch f√ľr etwa 8-10 ‚ā¨ verkaufen, der Verfasser eines Printbuches muss dem Kunden daf√ľr 20 ‚ā¨ abnehmen. Oder kurzgefasst: Aus Autorensicht entspricht ein Verkauf eines eBooks f√ľr 3 ‚ā¨ dem Verkauf eines normalen Buches f√ľr 20 ‚ā¨. Die Eink√ľnfte aus einem eBook f√ľr 9,99 ‚ā¨ entsprechen denen aus einem Papierbuch f√ľr etwa 70-80 ‚ā¨.
Ich bin der festen √úberzeugung, wer meint, eBook-Preise seien zu gering weiss mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, wie wenig Autoren eigentlich an einem klassisch verlegten Buch verdienen. Wenn gleichzeitig Autoren mehr Geld verdienen k√∂nnen und Leser daf√ľr weniger Geld ausgeben m√ľssen, dann nenne ich das eine Win-Win-Situation, die zu bek√§mpfen keine gute Idee w√§re. Klar, die gro√üen Verlierer hierbei sind die pl√∂tzlich ausserhalb des Spiels stehenden Verleger, die vom notwendigen Mittelmann zu jemandem geworden sind, der beim Kontakt zum Kunden nur noch im Weg steht. Ich glaube aber, dass mit der Unabh√§ngigkeit der Autoren mehr gewonnen ist als durch den Untergang des Verlagswesens verloren geht. Kulturell wie auch was Arbeitspl√§tze angeht (das Management wird arbeitslos, daf√ľr k√∂nnen dank h√∂herer Eink√ľnfte k√ľnftig deutlich mehr Autoren vom Schreiben leben).

Und das ist, in einem Beitrag, weshalb ich es nicht verstehe, wenn selbstverlegte Autoren sich √ľber zu niedrige eBook-Preise aufregen.
Es gibt noch einige zus√§tzliche Fragen, die da rein spielen, etwa die sozialpolitische Frage nach dem Zugang zu Wissen und Kultur f√ľr einen m√∂glichst breiten Bev√∂lkerungsanteil. Aber das ist nochmal eine andere Diskussion.

Nachtrag f√ľr FeministInnen, Feminist_innen usw.: Ja ich weiss, dieser Text ist nicht gegendert. Sind meine Texte fast nie, aber normalerweise tauchen in meinen Texten auch keine Berufsbezeichnungen in solcher Dichte auf. Daher ein paar vorl√§ufige S√§tze hierzu: Ich halte es – da bin ich mit den russischen Feministen einig – f√ľr diskriminierend, m√§nnliche und weibliche Autoren (oder sonstige Berufsst√§nde) sprachlich zu unterscheiden. Ich √ľberlege daher derzeit, einfach die Berufsbezeichnung mit dem Artikel „das“ zu verwenden, das ergibt nicht ann√§hernd so √ľble grammatisch-orthografische Verrenkungen wie der ganzen „-innen“-Quatsch. Manchmal merkt man mir den Sprachwissenschaftler halt doch an. Dazu mehr, wenn ich mir eine abschlie√üende Meinung dazu gebildet habe.


eBook-Land Woche 21

B√ľcher im Verkauf: 4 | Eigene: 1 | Eink√ľnfte bisher: 66,44 ‚ā¨ | H√§ndler: 6

In eigener Sache
Heute also ist mein Angebot klassischer SF-Romane um ein weiteres Buch gewachsen, denn Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 001: Der Beherrscher des Luftmeeres ist seit heute f√ľr 0,89 ‚ā¨ bei Amazon erh√§ltlich. Wie in dem letzten Blogbeitrag vor diesem erw√§hnt habe ich dabei auch mein Vorgehen bei der Konvertierung ins eBook-Format gewechselt: Statt meine Textverarbeitungssoftware eine html erzeugen zu lassen mache ich das jetzt von Hand und kopiere dabei den Text kurzerhand r√ľber, nachdem ich ihn in der Textverarbeitung aufgeschrieben habe. Das ist ein wenig aufwendiger, f√ľhrt aber zu saubereren Ergebnissen im schlussendlich erzeugten Code.
Die Umstellung ist dabei relativ gering – all zu viel Raum nimmt der Code neben dem sichtbaren Text nicht ein und da ich schon die zweite und auch die kommende dritte Auflage von Dieses Cover ist M√ľll! direkt im Code bearbeite hab ich mich ohnehin dran gew√∂hnt.
Was mich dabei jetzt ein wenig annagt ist, dass von den vier Titeln, die ich bis jetzt rausgebracht habe nur einer von mir ist. Das gef√§llt mir ganz einfach nicht, also werde ich etwas dagegen tun: Ich widme mich diese Woche gezielt der Fertigstellung der dritten Auflage von Dieses Cover ist M√ľll und direkt danach von Feuchten Fu√ües. Feuchten Fu√ües, ebenso wie sein schon geplanter Nachfolger Schwarzer Schwinge, wird ein f√ľr mich pers√∂nlich interessantes Experiment, da es sowohl ein Sachbuch als auch eine Kurzgeschichte ist. Es geh√∂rt in das kleine Genre der Xenofiction, Geschichten mit nichtmenschlichen Hauptfiguren, ein Genre, das mich seit meiner Kindheit fasziniert hat. Die erste Hilfe bietet dabei eine Geschichte um die Lebewesen, die auf der Schwelle zum jeweiligen evolution√§ren Durchbruch (Schritt an Land, Entstehung der V√∂gel) stehen, die andere H√§lfte liefert die wissenschaftlichen Fakten dazu. Ich bin gespannt, wie das Ergebnis, das hoffentlich n√§chste Woche endlich fertig ist, ankommen wird.
Gleichzeitig stelle ich meine Romanprojekte erstmal zur√ľck. Ich werde etwas hinzuf√ľgen, wenn es mir spontan einf√§llt und lohnend erscheint, aber ich werde die Romane (Castor, S√ľnde, Neanderthalensis) vorerst warten lassen. Sie brauchen einfach zu lange und ich denke es ist momentan eine bessere Idee, einen Grundstock aufzubauen, um dann mit mehr Ruhe an diese Werke gehen zu k√∂nnen. Statt dessen konzentriere ich mich auf die Sachb√ľcher und kurze Formate wie eben die Reihe Meilensteine der Evolution, da diese in k√ľrzerer Zeit schreibbar sind. Vergessen werde ich die Romane aber mit Sicherheit nicht – sie sind immer noch das gro√üe Ziel meines Schreibens. Die √úbung, die ich durch die vorgezogenen Projekte erhalte tut ihnen vielleicht sogar ganz gut. Insbesondere hinter Neanderthalensis steht eine Idee, die von einem erfahreneren Schreiber besonders profitiert.

Aus der Szene
W√§hrend in der Schweiz eine Volksabstimmung die Buchpreisbindung endg√ľltig abschafft agiert auch die deutsche Bundesregierung in Sachen eBook-Preise – indem sie eine erm√§√üigte Mehrwertsteuer und somit Gleichstellung mit Printb√ľchern klar verneint. Mit einer Begr√ľndung, die sich herunterbrechen l√§sst auf „Woll’n wir halt nicht“. Wahrscheinlich soll sich das Hotelsteuer-Debakel nicht wiederholen.
Unterdessen hat die Welt Spass mit falschen √úbersetzungen von juristischen Fachbegriffen und macht aus einer Beschwerde gegen Preisabsprachen der Verlage untereinander und mit Apple einen Angriff auf die Buchpreisbindung in Deutschland. Sch√∂n w√§r’s.
Apropos Welt. Die geh√∂rt ja zum Axel-Springer-Konzern, der sich erst letzte Woche in Begleitung einiger anderer Verlage das Leistungsschutzrecht erk√§mpft hat. Bereits am n√§chsten Tag wird ihnen pl√∂tzlich klar, dass das eine ziemlich schlechte Idee f√ľr einen Verlag sein k√∂nnte, der regelm√§√üig anderswo abschreibt und kommt f√ľr Twitterer kurzerhand zu der L√∂sung, diese per Dreifachraute ihre Leistungsschutzrechte abtreten zu lassen. Wer braucht bei sowas noch Satire?
Und nun zu etwas v√∂llig anderem: Google verschmilzt seine Medienplattformen und somit haben wir inzwischen Google Play. Unterschiede zu bisher sind mir soweit keine aufgefallen, es gibt nur ein paar neue technische Probleme. So erscheint etwa beim Versuch, meine Sammlung zu sehen die Fehlermeldung „We’re sorry, the document you requested is not available in your country.“. Wohlgemerkt bei meiner B√ľchersammlung, nicht bei einzelnen B√ľchern in meiner Sammlung.


Der Beherrscher des Luftmeeres

Hui mal wieder ein kleines Buch-Making-Of. Diesmal wieder ein gemeinfreies Werk in eBook-Form: Der Beherrscher des Luftmeeres, der erste Band der Heftromanreihe Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Nun denn:

Das Buch (naja, Heft)
Der Luftpirat, erschienen ab 1908, war die vermutlich erste Science-Fiction-Heftromanreihe. Sie dreht sich um die Figur des Kapit√§n Mors, ein r√§tselhafter Ingenieur und Menschenrechtsidealisten. Nachdem eine Gruppe von Aufr√ľhrern, denen er sich nicht anschlie√üen will, sein Anwesen in Georgien zerst√∂rt und seine Familie ermordet flieht er und baut im verborgenen sein gr√∂√ütes Werk: Ein lenkbares Luftschiff von nie dagewesener Gr√∂√üe und Geschwindigkeit. Auf dem Erdboden f√§lschlich als Verbrecher verfolgt erkl√§rt er sich zum Beherrscher der L√ľfte und nimmt aus Rache den Kampf gegen all jene auf, die sich gegen Freiheit und Menschenrechte stellen.
Beim Lesen und √ľbertragen des Texte kam mir sofort eine klare Assoziation in den Sinn: Steampunk-Batman!
Mors ist ein im verborgenen lebender, hochgebildeter Verbrecherj√§ger mit Geheimidentit√§t, der vorzugsweise nachts aus der Luft auf seine Gegner herabst√∂√üt und dabei Angst und Schrecken verbreitet. Er verf√ľgt √ľber Technologie knapp jenseits dessen, was seine Zeitgenossen haben und tr√§gt eine Maske. Gebt dem Mann Fledermausohren und rasiert ihm den Bart ab und ihr habt den Vater von Bruce Wayne. Das ist vermutlich reiner Zufall, aber dennoch am√ľsant.
Der Luftpirat markiert einen interessanten Moment in der Science-Fiction, n√§mlich den Endpunkt jener Zeit, die heute das Genre des Steampunk inspiriert. Flugzeuge konnten damals bestenfalls um die 100 Meter h√ľpfen. Luftschiffe waren die gro√üe Zukunftstechnologie, angetrieben von den Erfolgen des Grafen Zeppelin in Deutschland und des Erfinders Santos-Dumonts in Frankreich. Und h√§tte das Flugzeug im Ersten Weltkrieg nicht den gewaltigen Entwicklungsschub erhalten, den es dank des Milit√§rs bekam, h√§tte unsere Gegenwart sehr anders aussehen k√∂nnen. Inzwischen hat sich ein eigenes Genre der Science-Fiction zu diesem l√§ngst vergangenen Zeitalter herausgebildet, der aktuell sehr erfolgreiche Steampunk.
Der Beherrscher des Luftmeeres ist der erste Band der Serie und f√ľhrt den Hauptcharakter, einige seiner Crew und seine Feinde ein. Die Geschichte l√§sst sich, wie jeder Band der Serie, allein lesen und ist sehr kurz.

Beim Text habe ich ein neues Verfahren gew√§hlt: Statt wie bisher den Text in LibreOffice zu verfassen und von diesem in HTML abzuspeichern habe ich ihn diesmal zwar in LibreOffice geschrieben (direkte Abschrift des Originals), dann aber per Kopieren/Einf√ľgen in eine einfache Textdatei √ľbertragen und den HTML-Code manuell hinzugef√ľgt. Das Ergebnis ist ein deutlich sauberer HTML-Code, der sich besser und reibungsloser in das eBook-Format √ľbertragen l√§sst. Das alte Verfahren hatte hin und wieder Fehlermeldungen produziert, die ich erst bearbeiten musste, jetzt klappt es reibungslos. Dieses Verfahren werde ich in Zukunft immer w√§hlen. Die Rechtschreibung habe ich wie bei den beiden englischen B√§nden zwecks Authentizit√§t beibehalten, was insbesondere bei den ß auff√§llt. 1908 schrieb man bereits die deutsche Einheitsschreibung nach Duden, daher sind hier wenig Stolperfallen zu erwarten.

Das Cover
Anders als mein erstes veröffentlichtes gemeinfreies eBook, Armata hatte dieser Band zwar ein eigenes Cover, aber es war leider nicht in brauchbarer Auflösung zu haben und alles was ich hatte war eine modifizierte Schwarzweiss-Version aus einem modernen Sammelband. Also nahm ich, was ich hatte und puzzelte daraus ein neues Cover zusammen.
Dabei folgte ich einem Stil, den viele Volksausgaben gr√∂√üerer B√ľcher damals verfolgten: Ein schwarzes Titelbild mit einem verkleinerten Abbild des Originaltitelbildes in der Mitte. Das Logo hatte ich online von einem Bild von Band 45 und war anscheinend immer so schief. Das Titelbild von einem anderen online gefundenen Bild des Covers der ersten Ausgabe nahm ich dazu und vergr√∂√üerte soweit ich grade noch vertreten konnte. Das Ergebnis ist beim n√§heren Ansehen keine Sch√∂nheit, funktioniert aber und ist zumindest auch nicht wirklich schlecht. Es hat ein wenig vom Flair dieser Zeit.
Die Titelschriftz√ľge setzte ich in der dem Original nahen Schriftart Leipzig Fraktur, eine sehr gute freie Frakturschrift, die auch die wichtigsten Ligaturen und sowohl das lange als auch das runde s enth√§lt. Das war hier wichtig, da ich beide S-Formen brauchte. Im Gegenzug merke ich grade, dass ich das „ch“ nicht als Ligatur gesetzt habe. Naja, es gibt schlimmeres und der Upload ist nunmal schon erfolgt. Trotzdem bl√∂d.
Der Kontrast zwischen Antiqua-Logo und Fraktur-Titel war √ľbrigens schon im Original enthalten.

Einstellen
Blieb noch, das ganze bei Amazon hochzuladen und auf die Freischaltung im Shop zu warten.
Eine Weile hatte ich √ľberlegt, das Heft nach dem Preisschema f√ľr moderne Heftromane f√ľr 1,49 ‚ā¨ zu verkaufen. Da es aber sehr kurz ist, bin ich letztendlich doch beim Amazon-Mindestpreis von 0,89 ‚ā¨ geblieben.
Nun denn, Sonntag abend eingestellt und heute gegen 5 Uhr morgens (laut eMail-Benachrichtigung) online gegangen. Das war etwas länger als die letzten Werke, aber immer noch in Ordnung.

Schlussgedanken
Das Cover ist nicht ideal und sobald ich die M√∂glichkeit erhalte, einen Scan des Originals zu machen oder zu bekommen, tausche ich es aus. Immer noch unschl√ľssig bin ich, ob ich den Text nicht doch noch in die neue Rechtschreibung oder gar meine Hausorthografie √ľbertragen soll. Grammatik und wortwahl unterscheiden sich nur √§usserst geringf√ľgig vom modernen Gebrauch, ein echtes Problem w√§re das also nicht.
Aber daf√ľr ist wenigstens bei den Anf√ľhrungszeichen inzwischen alles klar: Die Leserschaft will offenbar die aus der Schule bekannte deutsche Setzung, also hat dieses Buch genau diese auch bekommen. Wenigstens eine Detailfrage abgehakt.
Wenn dieser Band funktioniert folgen die anderen irgendwann in bunt gew√ľrfelter Reihenfolge (erstmal muss man an die Hefte rankommen, 9 Hefte scheinen √ľberhaupt nicht mehr vollst√§ndig zu existieren). Und damit ran ans n√§chste Projekt.


Politisierung

Kleine Ank√ľndigung: Ab kommenden Samstag will ich einen alten Brauch aus meinen Zeiten im d√ľsseldorfer AStA wiederaufleben lassen: Ich werde einmal w√∂chentlich berichten, was ich politisch als gew√§hlter Volksvertreter so getan habe.
Das hat zwei Zwecke: Erstens soll es die Transparenz meiner Arbeit erh√∂hen und sie nachverfolgbar machen und zweitens soll es den Druck auf mich selbst erh√∂hen, weniger stark zu prokrastinieren, denn das ist bei mir ein ernsthaftes Problem. Diese neue Entwicklung hat ihre Hintergr√ľnde, der sicherlich heftigste Weckruf weniger gem√§chlich an meinen politischen Zielen zu arbeiten war der Tod meines Ratskollegen Joe H√ľskens, der deutlich die Frage nach vorne gebracht hat, was ich eines Tages hinterlassen werde. Seitdem bin ich deutlich gesch√§ftiger geworden und das ist wohl nicht das schlechteste. Diesen Impuls will ich langfristig erhalten.
Den Samstag habe ich gew√§hlt, weil das der Tag ist, an dem ich gew√∂hnlich keine irgendwie gearteten Termine habe, die dem im Weg stehen. Wenn ich die selbe Regelm√§√üigkeit wie bei eBook-Land erreichen kann ist das schonmal ein gro√üer Schritt, um meinen inneren Schweinehund weiter zur√ľckzudr√§ngen.


eBook-Land: Woche 20

B√ľcher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Eink√ľnfte bisher: 58,76 ‚ā¨ | H√§ndler: 6

In eigener Sache
Fangen wir mit einem r√ľckw√§rtigen Ruderman√∂ver an: Meine Analyse der Ums√§tze von eBooksfuerlau muss warten, da es da √ľberraschend neue Entwicklungen gibt. Konkret hat genau ein Tweet mit einem Verweis auf nur ein Buch die komplette Statistik aus dem Gleichgewicht geworfen. Jetzt muss ich erstmal abwarten, wie sich das weiter entwickelt und darf dann komplett neu in die Statistik gehen. Das ist √ľberraschend, weil ich nicht gedacht h√§tte, dass bei knapp 800 Klicks pro Monat ein einzelner Titel nochmal so ausschlagen kann.

Bieten kann ich daf√ľr die Ergebnisse der Umfrage, welche Anf√ľhrungszeichen die besten f√ľr die Buchgestaltung sind. Nachdem ich mit dem Ergebnis der Umfrage hier etwas enttuscht war (4 Teilnehmer), habe ich sie noch einmal bei Toluna erstellt und dabei die Frage etwas pr√§zisiert, indem ich „in B√ľchern“ hinzuf√ľgte. Die Teilnehmerzahl war nicht wirklich repr√§sentativ (36), aber ich h√§tte die Frage ja auch nicht gestellt, wenn sie einfach w√§re. Auch so ist der Vorsprung jener Zeichensetzung, die wir aus der Schule kennen deutlich, knapp √ľber ⅔ sprachen sich daf√ľr aus. Das hat mich √ľberrascht, da die Setzung mit den Spitzklammern √§hnlichen franz√∂sischen Anf√ľhrungszeichen weit verbreitet ist. W√§hrend ich dies schreibe greife ich den erstbesten Roman aus meinem Regal, kriege Der Rote von Bernhard Kegel in die Finger und sehe prompt traditionell franz√∂sische Anf√ľhrungszeichen. Ich suche weiter und finde endlich eine Ausnahme – eine alte Ausgabe von Solaris, die w√∂rtliche Rede gar nicht mit Anf√ľhrungszeichen versieht. Sonst immer mit einer der beiden franz√∂sischen Varianten. Hmm. Nach 14 B√§nden habe ich endlich einen gefunden, der deutsche Anf√ľhrungszeichen verwendet – aber der ist ohnehin in Fraktur gesetzt und entsprechend alt.
Wenn also unter den Lesern ein Buchgestalter ist: Woher kommt diese Diskrepanz? Hat es einen Grund, warum kaum ein Roman die deutschen Anf√ľhrungszeichen verwendet?
Hier die Ergebnisse der beiden Umfragen:

Freundliche Hinweise
Lindsay Buroker hat den dritten Band ihrer Steampunk-Reihe Flash Gold mit dem Titel Peacemaker herausgebracht. Er ist jetzt bei Amazon und Smashwords erhältlich.

Aus der Szene
Eine relativ ruhige Woche, fand ich, nur zwei Schlagzeilen von wirklich nennenswertem Einfluss. Das erste ist eine Fortsetzung der Versuche einzelner eBook-Verk√§ufer, mehr Einfluss auf ihr Programm zu nehmen. Diesmal ist es ein f√ľr Kenner √ľblicher Verd√§chtiger – Apple weigert sich, B√ľcher mit Links zu Amazon in den Verkauf zu nehmen. Da es mit Seth Godin einen der prominenteren eBook-Autoren und zudem einen Marketing-Experten getroffen hat d√ľrfte das seitens Apple eine wirklich schlechte Idee gewesen sein. In Deutschland unterdessen lamentiern die Zeitungsverlage, angef√ľhrt vom Axel-Springer-Verlag (wem sonst) sich das Recht herbei, Geld daf√ľr zu erhalten, dass Internetanbieter (allen voran Google) ihre Inhalte zitiert und damit Leser auf die Webseiten der Zeitungen bringt.
Gleichzeitig eine Unterh√∂hlung des Zitatrechts und ein Schuss ins eigene Knie, da die eigenen Angebote so schlechter gefunden werden und die Eink√ľnfte der Zeitungen im Online-Bereich mangels Leser tiefer in den Sinkflug gehen als zuvor. Das ist schon ein besonderes Kunstst√ľck.


eBook-Cover des Monats Februar 2012

Im Februar sind mir nicht ganz so viele wirklich gute Cover aufgefallen wie zuvor. Das ist schade, kann aber an meinem etwas knapperen Zeitbudget diesen Monat gelegen haben. Auffällig ist, dass diesmal deutlich mehr realistisch gemalte Cover dabei sind. Das ist wohl Zufall, die Cover sind ja nicht alle aus dem Februar, sie sind mir nur im Februar erstmals aufgefallen.
Also dann:

10. The Audacity of Dope
Ein Cover, das das Thema des Romans klar visualisiert: Cannabis und Flugzeugterrorismus. Dass allerdings die Sache mit dem Flugzeug und die darauf folgenden politischen Verwicklungen f√ľr die Geschichte deutlich zentraler sind als die Drogen k√∂nnte einige Leser befremden. Der Titel mischt da allerdings fr√∂hlich mit.
Daf√ľr gibt es dann also Punktabzug und nur Platz 10: Ein Cover sollte dem Leser die Stimmung und m√∂glichst auch den Inhalt eines Romans verraten. Dieses Cover schafft das so grade noch und es ist f√ľr sich genommen auch sehr attraktiv, ein paar Details sind jedoch nicht stimmig.

9. Desolate
Eins Strafkolonie vor der antarktischen K√ľste ist der Handlungsort dieses Romans. Auch hier gilt wieder: Sehr attraktives Cover, das dem Titel und Ort des Geschehens gerecht wird. Das Problem ist, dass das Buch einen v√∂llig anderen Fokus als die K√§lte und Lebensfeindlichkeit des Kontinents hat und eher in Richtung Das Ding aus einer anderen Welt geht.
Ich vermute, das Coverfoto wurde quasi ohne Budget mit der eigenen Kamera gemacht, als es grade ausreichend verschneit war. Daf√ľr ist es sehr gut und es ist wohl kaum die Schuld des Budgets, wenn das Bild nur einigerma√üen passt. Immerhin passt es halbwegs und sieht gut aus. Die G√§nge des Gef√§ngnisses oder die Mine zu zeigen war dagegen wohl einfach nicht ohne mehr Geld m√∂glich. Insofern: Das Ideal aus dem herausgeholt, was m√∂glich war. Hat immerhin noch f√ľr die Top-10 gereicht.

8. Winter Woman
Winter Woman setzt aussergewöhnlich gut den Gestaltungsgrundsatz um, ein Cover einmalig zu gestalten und zugleich vertraut zu wirken.
Die Schriftart und das Motiv des Pferdetrecks verraten recht schnell das Genre (Western), aber die Farbgestaltung hebt sich deutlich von den im Genre √ľblichen Gelb- und Braunt√∂nen ab. Es hilft nat√ľrlich, dass das Buch das passende Szenario bietet. Ein Blizzard ist im Western ein eher seltenes Ereignis, obwohl es f√ľr die Siedler im Winter nat√ľrlich alles andere als ungew√∂hnlich war. Den Schneesturm auf dem Cover darzustellen hilft, eine der Besonderheiten des Buchs herauszustellen.
Schade nur, dass dabei der im Buch wichtige Konflikt mit den Mormonen und dem Indianer untergegangen sind. Seine Aufgabe, das Auge des Lesers auf sich zu ziehen und ihn zum weiteren Informieren √ľber den Inhalt des Buches zu bewegen, schafft es aber locker.

7. Guide to Learning Python Decorators
Juhu, ein Wortspiel!
Die sch√∂nsten Wortspiele sind jene, die man erst auf den zweiten Blick erkennt w√§hrend der erste Blick einen nur zu einem „Was zum…“ bringt. Dieser Effekt des ersten Blicks lockt das Auge und l√§dt dazu ein, sich n√§her mit dem Gesehenen zu besch√§ftigen. Das ist dann die Gelegenheit, den potenziellen K√§ufer zu einem tats√§chlichen K√§ufer (und vielleicht sogar Leser) zu machen.
Um dem Autor dieses Buches das Gesch√§ft zu vermiesen: Was Sie hier sehen ist der weisse Streifen in der Seite eines gr√ľnen Baumpython, also eben eine Pythondekoration. Das eigentliche Buch handelt nat√ľrlich nicht davon, wie man Schlangen dekoriert (hmm, warum eigentlich nicht?), sondern von einer besonderen Notationstechnik in der gleichnamigen Programmiersprache.

6. Don Coyote de la Merika
Vielleicht finde ich noch heraus, was der Titel mit der Geschichte zu tun hat, aber immerhin setzt das Cover den Titel gut um. Das einzige, an was man sich bei Don Quichote meist erinnert ist dass er gegen Windm√ľhlen k√§mpfte. Diese Windm√ľhlen sind immer noch da, nur sind es jetzt Windkraftwerke statt H√§user mit gro√üen, windgetriebenen M√ľhlsteinen. Die Welt der Geschichte ist eine postapokalyptische Zukunft, aber gut zu wissen, dass es auch in dieser noch Windr√§der gibt.
Kein perfektes Cover f√ľr das Buch (es sei denn, da kommt nach der Leseprobe noch etwas deutlich anderes), aber ein perfektes Cover f√ľr seinen Titel. Unter der Annahme, dass der Coverdesigner wie so oft nur den Titel kannte: Sehr gelungen.

5. Flavours of Thought
Frage -> Nachdenken -> Idee!
Ein Cover, drei Bilder, ein kleiner Comic. Das Motiv geht aber √ľber das Offensichtliche hinaus: In dem Buch geht es darum, Gedanken in insgesamt 21 kategorien einzuteilen, die wiederum zu drei Obergruppen geh√∂ren. Aus diesen sollen sich dann Kombinationen bilden lassen k√∂nnen, um mit typischen Problemen wie vor√ľbergehender Depression, Selbstzweifeln und √§hnlichem besser umgehen zu k√∂nnen. Was das Buch taugt, weiss ich nicht, ich niege dazu, von diesen ganzen Psychoberatern Abstand zu halten. Aber das Cover setzt den Grundgedanken grafisch einfach um, bildet aus den drei Einzelbildern eine Art kurze Geschichte und bleibt ansonsten zur√ľckhaltend in schlichtem Schwarz, was sich positiv von der grafisch oftmals √ľberladenen und bunten Konkurrenz und vor allem der Farbigkeit der Mitbewerber aus dem benachbarten Esoterikmarkt abhebt.

4. The Tinkerer’s Daughter
Clockpunk! Ich mag Clock und Steampunk und bin damit offenbar alles andere als allein.
Dieses Cover ist relativ einfach, es zeigt eine Frau in typischer Steampunk-Kleidung (was man verkleinert eider nur schlecht erkennt) mit einem Wolf vor einigen Zahnr√§dern. Die Zahnr√§der sind es, die das Genre verraten, sie sind typisch f√ľr die √Ąsthetik des Genres. Die Farbgebung der Zahnr√§der f√§llt etwas aus dem Rahmen und auch der Wolf ist kein typisches Merkmal bei solchen alternativen Zukunftsszenarien.
Der Wolf hat seinen Grund, denn das Buch mischt Steampunk mit klassischer Fantasy in Form einer halbelfischen Protagonistin und einer Fantasywelt. Dass man das nicht wirklich sieht ist noch zu verschmerzen, denn Clockpunk ist ein sehr kleines Genre und Werke in dieser √Ąsthetik fallen noch immer auf. Die Frage ist nat√ľrlich, wie lang das so bleibt.

3. Thirst
Das ist ein interessantes Cover. Ich weiss selbst nicht, woran, aber die Zuordnung zum Vanmpirroman f√§llt ohne eine einzige Blutspur oder sichtbare Eckz√§hne √ľberraschend leicht. Wahrscheinlich ist es der einfache Titel in Kombination mit der schwarzen Farbe und der Symbolik des Kreuzes, das neben seiner klassischen Bedeutung im Christentum inzwischen auch eine Bedeutung als Waffe gegen Vampire angenommen hat. Das allein ist schon eine interessante Entwicklung, die etliche Soziologen im Brot halten wird.
Die verdeckten Augen, die Spitze und dieses leichte Lächeln auf den Lippen fasse ich in einem Wort zusammen: Sexy! Was passt, wenn man an die sexuelle Natur des literarischen Vampirmotivs denkt.

2. Manly Knits
In meiner Zeit im d√ľsseldorfer AStA hat einer unserer Referenten einen Kurs „H√§keln f√ľr M√§nner“ gegeben. Entsprechend begeistert bin ich von der Existenz eines solchen Buches. Es ist nicht das seltsamste Buch in meiner Sammlung (das w√§re dieses hier), aber es hat schon ein gewisses Grundniveau an Seltsamkeit.
Der geh√§kelte Helm als Grundmotiv bringt ganz klar r√ľber, was man von diesem Buch zu erwarten hat, der Titel macht es dann unmissverst√§ndlich. Ob es sein Ziel erreicht, M√§nnern ein eher ungew√∂hnliches Hobby beizubringen, kann ich nicht beurteilen. Aber jene, die es bereits betreiben k√∂nnen jetzt zumindest ein Buch vorzeigen, das l√§stige Fragen ein f√ľr allemal beendet. Das nennt man dann wohl Fortschritt.

1. Kaiserkrieger 1: Die Ankunft
Auch in der Science-Fiction muss man das Rad nicht neu erfinden und entsprechend einfach ist der Grundgedanke von Kaiserkrieger, √ľbrigens dem einzigen deutschsprachigen Werk diesen Monat: Ein Kreuzer des Deutschen Kaiserreichs kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs findet sich pl√∂tzlich im Alten Rom wieder, kurz vor seinem Untergang. Und von da an mischt man dann in den lokalen Angelegenheiten mit und bringt kr√§ftig die Geschichtsschreibung durcheinander.
Diese Pr√§misse wurde grafisch naheliegend und ohne Schnickschnack umgesetzt: Eine Galeere zerbricht am Rumpf des etliche Jahrhunderte moderneren Kriegsschiffes. Simpel, aber f√ľr Fans des Genres reicht das vollkommen um zu erkennen, worum es geht.