Werbepause: Gewinnspiel: Håkan Nesser


Wer schwedische Krimis liebt, kommt an Håkan Nesser nicht vorbei. Im Oktober erscheint mit „Am Abend des Mordes“ sein fünfter und letzte Kriminalroman mit Gunnar Barbarotti, einem schwedischen Inspektor mit italienischen Wurzeln der im fiktiven westschwedischen Ort Kymlinge ermittelt. Zum Finale kann man ein Treffen mit dem charistmatischen Autor Håkan Nesser und seinem größten Fan, seinem Hund Norton, auf der Frankfurter Buchmesse gewinnen. Schau Dir jetzt den Gewinnspielaufruf des Autors an!
Im Video taucht dann auch der Link zum Gewinnspiel zum Anklicken auf.

Hinweis: Dies ist Content von Share If You Like. Ich dachte mir, darauf weise ich fairerweise hin.


Die Sache mit dem Bücherregal

In einer aktuellen Geschichte der dpa, 1:1 nachgedruckt in diversen „Qualitätsmedien“ ( Schwäbische, Westdeutsche Zeitung, Stern, Grenzecho, Rhein-Zeitung – ja, da merkt man richtig die schwere Arbeit, die im Zeitungsmachen steckt) lesen wir vom Untergang des Bücherregals und vom Bücherregal als „Visitenkarte“. Aber taugt das Bücherregal überhaupt als solche?

Ich sehe in dieser Idee einige Probleme und fange mit dem einfacheren an: Wenn ich jemandes Buchregale sehe kenne ich ihn in der Regel bereits recht gut. Natürlich gibt es Menschen, die eine Wohnung betreten und die man noch nicht kennt – das aber ist in der Regel vor allem unangenehmes Publikum oder solches aus unangenehmen Anlässen: Ärzte, Gerichtsvollzieher, Polizeibeamte, Einbrecher…
Der Punkt ist der: Wer mein Bücherregal sieht, den kenne ich bereits ausreichend gut, dass sich der Informationsgehalt dieses Anblicks in Grenzen hält (und ebenso umgekehrt). Es ist ein ganz brauchbarer Ansatz für Small Talk, aber das ist jeder andere Regalinhalt ebenso. Und wenn keine Regale da sind, dann der Wandbehang. Oder sonst etwas in der Wohnung.
Das ist noch ein eigener Unterpunkt hier: Eine Persönlichkeit schlägt sich im gesamten Wohnraum einer Person nieder, nicht nur im Bücherregal. Eigentlich sogar am allerwenigsten im Bücherregal, aber darauf komme ich im nächsten Punkt.

Das andere Problem ist die inhärente Oberflächlichkeit des Buchregalbetrachtens.
Welche Information bringt es denn, ein Buchregal einer Person anzuschauen? Ein Überblick über die Bücher, die eine Person besitzt. Die Bücher aber erzählen niemandem ausser ihrem Besitzer ihre Geschichte. Wurden sie gekauft, weil sie interessant waren, oder nur hübsch? Oder sind es Geschenke? Pflichtkäufe für Schule und Studium? Oder gar Käufe mit dem expliziten Ziel, sie ins Regal zu stellen, um Besucher zu beeindrucken oder damit das Regal hübscher aussieht?
Wer aus dem Buchregal Informationen über eine Person bezieht riskiert massive Fehleinschätzungen, denn grade diese zentralen Informationen über die Person, jene die sich in der individuellen Geschichte jedes Bandes in diesem Regal ausdrücken, grade die sind von allen Regalbefüllungen beim Buch am wenigsten sichtbar. Einfach weil es so viele mögliche Gründe gibt, Bücher zu kaufen.
Das unterscheidet Literatur von praktisch allen anderen Dingen, die wir in unsere Regale stellen – der bildungsbürgerliche Dünkel der Literatur, ausgerechnet die Überzeugung vom Buchregal als Visitenkarte führt zu bewusster Inszenierung des Bücherregals, zu einer Verfälschung eben jenes Spiegelbildes, welches die Regale darstellen sollen. Im Zweifelsfall ist ein Buchregal kein Blick in eine Seele, sondern Teil einer Maske.
Wie viel Persönlichkeit steckt dagegen in anderen Regalbefüllungen – sei es ästhetischer Geschmack, Kunstfertigkeit des Wohnungsbewohners (etwa bei Modellbauern, ein Hobby, dem ich als Gegentrend zum Digitalen eine glorreiche Zukunft vorhersage) oder der vom Dünkel meist unverfälschte Geschmack in der Musik und bildenden Kunst.
Das bedeutet natürlich eine kleine Revolution: Die Repräsentativität des Regals, ob real oder nicht, hat uns zu literarischen Lügnern erzogen. Wir stellen unsere Regale voll mit Büchern, deren Anblick Besucher beeindrucken soll und sonst nichts (es gibt da einen Buchhändlerwitz mit einer Bestellung von einem Regalmeter Goethe und „ausserdem noch was zum Lesen“, in dem viel Wahrheit steckt). Diese Lüge hat ganze Verlage ernährt, die hochgeistige Literatur verlegten, die in Wahrheit kaum jemanden interessiert. Was passiert mit diesen, wenn Literatur nicht mehr als Fassade taugt? Oder wird es immer ein paar Relikte geben, die diese Funktion beibehalten?


Was darf ist Satire?

So, weil ich mich heute noch nicht unbeliebt genug gemacht habe nun noch etwas über die Titanic-Geschichte.

Was darf die Satire?
Alles.

Tucholskys Schlussworte seines berühmten Textes über den Zustand der deutschen Satire werden gerne von selbsternannten Satirikern zitiert, die meinen, wenn es Leute gibt, die darüber lachen, wird es schon Satire sein.

Tucholsky mied in seinem Essay die Frage, was Satire eigentlich ist. Weniger aus Angst vor der Antwort als aufgrund dessen, dass er die Definition für allgemein bekannt zu halten scheint. Dies und die Definition, mit der er arbeitet schimmern an einigen Stellen durch:

Ich hebe den Vorhang auf, der schonend über die Fäulnis gebreitet war, und sage: „Seht!“
[…]
Die Satire muß übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten.

Satire ist also etwas enthüllendes. Zudem muss sie übertreiben, um die Wahrheit zu verdeutlichen, ihre enthüllende Funktion erfüllen, indem sie mithilfe ebendieser Übertreibung auf das zu Enthüllende zeigt.

Und da sind wir auch schon beim Problem mit dem Titanic-Titelblatt.
Seht ihr, ich wäre in dieser Sache wirklich gern auf der Seite der Titanic. Sehr, sehr gern. Ich mag Ratzinger nicht, ich mag nicht wie er seine Kirche und mit ihr etliche Anhänger in eine mittelalterliche Glaubensvorstellung zurückführt und wie er sich (wie so viele Päpste vor ihm) in das Weltgeschehen einmischt und so beispielsweise die Verteilung von Verhütungsmitteln und AIDS-Vorbeugung in Afrika verhindert. Wenn es so etwas wie „das Böse“ überhaupt gibt ist der Papst seine Personifikation.
Nur beruft sich die Titanic auf die Satirefreiheit. Und hier ist das Problem: Ich sehe keinerlei Satire auf dem Titanic-Titel. Welche Wahrheit bildet es ab und deckt es auf, den Papst mit Inkontinenzflecken darzustellen? Das scheint mir nicht mehr als kindische Unflätigkeit.

Nein, ich meine dennoch nicht, dass so etwas verboten werden sollte. Das Recht auf freie Meinungsäusserung steht meiner Meinung nach zu hoch alsdass Beleidigung strafbar sein dürfte (anders ist das vielleicht bei Verleumdung).
Aber ich plädiere dafür, die Satire nicht durch solche Dinge abzuwerten. Ein dämlicher Pippi-Kacka-Witz ist keine Satire.
Die Reaktion der Titanic auf das Verbot interessanterweise schon eher, denn diese bezieht sich auf ein aktuelles Ereignis und schießt erkennbar gegen die Zensurbestrebungen des Papstes.

Das wäre übrigens auch das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu den Mohammed-Karikaturen der Jyllands Posten, die einige wissen wollten: Die berühmtesten und am weitesten verbreiteten der Mohammed-Karikaturen (jene von Kurt Westergaard und Rasmus Sand Homer) hatten eine satirische Aussage, sie nahmen sich der dem Islam inhärenten Gewalttätigkeit an.*
Das ist eine Dimension, die dem Titanic-Cover schlichtweg fehlt.

*Mancher mag hierin einen Widerspruch zu meiner Teilnahme an der Gegendemo zu ProNRW entdecken. Dazu möchte ich anmerken, dass ich mich dort gegen die politischen Aussagen und Ziele der Partei ProNRW aufgestellt habe. Gegen die Karikaturen selbst habe ich nichts, allerdings gegen die Verwendung dieser seitens ProNRW allein zu Zwecken des Krawalls.


Der Fuchtel und die Religion

Weltbilder sind nicht einfach, das gilt insbesondere für linke humanistisch geprägte Atheisten aus Deutschland bei den Grünen. Sie sind manchmal so kompliziert, dass solche Vorbemerkungen nötig sind. Denn es geht um die Frage der Beschneidung von Kleinkindern aus religiösen Gründen. Eine Diskussion, die oft genug mit dem wahnsinnig stichhaltigen Argument „Antisemitismus!!11elf!!“ recht schnell beendet wird. Bei den Grünen ist das nochmal ein Sonderfall, denn grade die Idee multikuturellen Zusammenlebens hat erhebliche Spannungen mit anderen Zielen und lässt keine einfache Antwort in der Frage zu, wie weit Multikulturalität gehen kann. Tierschutz gegen Stierkämpfe, Feminismus gegen Kopftuchzwang, Freiheitsrechte gegen arrangierte Ehen (übrigens für beide Ehepartner, dass die Männer sich gewöhnlich nicht beklagen hat komplexe Gründe im anerzogenen Rollenbild der Geschlechter).
Ich werde am Ende dieses Beitrag einige Leser verloren haben. Damit werde ich leben müssen. Einige andere werden erfahren, wie ich meine grundlegendsten politischen Überzeugungen überhaupt, das Gleichbehandlungsprinzip und die freie Selbstbestimmung, auslege.

Nun ist nach dem inzwischen allgemein bekannten kölner Richterspruch die Frage der Beschneidung in den Fokus gekommen. Die Kölner hatten festgestellt, dass die Beschneidung ohne Einverständnis des Beschnittenen eine Körperverletzung ist und entschieden, dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit (sowie die Bekenntnisfreiheit) höhere Rechte sind als das Erziehungsrecht der Eltern.
Das ist durchaus logisch. Mit der selben Begründung (minus Bekenntnisfreiheit) gehen die Gerichte auch gegen Kindesmisshandlung vor.
Der Fall könnte so einfach sein: Keine Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit eines Kindes, wenn dies nicht einverstanden ist oder eine medizinische Notwendigkeit vorliegt.

Das Problem hierbei ist: Die Beschneidung von Jungen ist im Judentum innerhalb der ersten acht Tage nach der Geburt vorgeschrieben. Folgerichtig sehen die jüdischen Gemeinden sich nunmehr dadurch bedroht, sich an grundlegende Menschenrechte halten zu müssen (etwas, worin Religionen nie sonderlich gut waren). Die Muslime sind deutlich ruhiger, was vermutlich daran liegt, dass diese problemlos bis zum 14. Geburtstag des Kindes (dann erlangt es Religionsmündigkeit) mit der Schnippelei warten können. Bis auf Cem Özdemirs hanebüchenen Vergleich mit der Taufe, da diese ja nach katholischem Glauben auch nicht rückgängig zu machen sei – ja, lieber Cem, nach dem katholischen Glauben, aber eine Taufe hinterlässt körperlich keine bleibenden Schäden und jeder, der nicht an die Taufe glaubt kann sie kurzerhand ablehnen.

Es ist für mich schwer, das ernsthaft zu diskutieren denn hier ist mein Grundsatz in solchen Fragen: Gleiches Recht für alle, gleiche Pflichten für alle. Dieser Grundsatz ist nicht abhängig von Befindlichkeiten und etwaigen Traditionen auslegbar. Diese können höchstens als mildernde Umstände gelten, wenn eine Straftat begangen wird.
Es gibt Ebenen, auf denen man eine Änderung gesetzlicher Regelungen zu Gunsten einzelner Gruppen diskutieren kann. Die Menschenrechte und insbesondere die Frage der körperlichen Unversehrtheit von Schutzbefohlenen zählen nicht dazu.

Aber, und hier kommen wir zu Cem zurück: Ich bin durchaus auch dafür, die rechtliche Wirksamkeit der Taufe aufzuheben und den Beitritt zur Kirche von der Religionsmündigkeit des Kindes abhängig zu machen. Dann kann es sich auch aus freier, eigener Entscheidung für eine der Schniedelwutz-Beschnippel-Religionen entscheiden, denn mit seinem [i]eigenen[/i] Körper kann jeder machen, was er will (hier verläuft übrigen auch meine Konfliktlinie mit der Verschärfung des Nichtraucherschutzes, die ich als zu sehr in individuelle Freiheitsrechte eingreifend ablehne).
Wir können nicht anfangen, diese Grundsätze aufzugeben nur weil irgendeine alte Religion ihre barbarischen Bräuche über die Menschenrechte stellen zu können meint. Eines davon ist die Beknntnisfreiheit – aber die Bekenntnisfreiheit umfasst nicht das Recht, die anderen Menschenrechte nach Belieben zu brechen.

Nachtrag Wegen extremen Spam-Aufkommens wurden die Kommentare zu diesem Beitrag geschlossen. Er hat bis heute, 10. 3. 2013, ca. 250.000 automatisch erstellte Spam-Kommentare erhalten.


Entsetzen

Hinweis Dieser Eintrag ist ursprünglich drei Wochen alt. Ich habe ihn letztlich nicht veröffentlicht, weil er mir veraltet erschien. Diese Annahme hat sich inzwischen erschreckenderweise als falsch herausgestellt. Hier daher eine aktualisierte Fassung zur Veröffentlichung.

Es ist eine Menge entsetzenswertes geschehen seit der letzten Bundestagswahl. Die Hotelsteuer ist zurecht immer noch nicht vergessen. Dass kein einziger der bereits erschreckend zahlreichen rausgeschmissenen Minister aus dem richtigen Grund (nämlich wegen seiner schlechten Arbeit) gefeuert wurde und sich selbiges auch bei Niebel abzeichnet. Der Ausstieg aus dem Atomausstieg, der nur „dank“ Fukushima gestoppt wurde. Das Asse-Desaster. Kristina Schröders fortdauernder Linksextremismus-Unfug (nebst so ziemlich allem anderen, was ihr so über die Lippen kommt). Vorratsdatenspeicherung. Staatstrojaner. ACTA. Merkels Wahlkampf für Sarkozy. Die Verstrickungen des BND mit neonazistischen Terroristen.
Das meiste davon aber waren politische Entsetzlichkeiten, deren Bewertung entsprechend politisch ist. Ich kann verstehen, dass an all diesen Dingen einige Personen oder Kreise Interesse haben. Ich mag es ablehnen, aber es ist zumindest ersichtlich, wo das alles herkommt.

Heute nun kam das erste aus jeglicher Sichtweise entsetzliche Werk der Bundesregierung zum Vorschein. Ein Werk himmelschreiender Dämlichkeit, das in absolut niemandes Interesse sein kann.

Heute wurde der Entwurf für das Leistungsschutzrecht vorgestellt. In Zukunft wird also das Zitatrecht abgeschafft. Ein Recht, das das bisherige Urheberrecht ausdrücklich einräumt, sogar mit einer besonderen Freiheit für tagesaktuelle Inhalte, also Zitate aus Presseorganen.
Dies wurde nunmehr umgekehrt. Die Presseverlage hatte es offenbar gestört, dass Seiten wie Google für sie kostenlos Werbung machten und haben dies nun unterbunden. Das Vorhaben ist so himmelschreiend dämlich, dass inzwischen ausser Axel Springer kein Verlag mehr dafür ist. Und Günter Krings, der die bisherige explizite Sonderregelung für tagesaktuelle Inhalte für eine „Schutzlücke“ hält.
Wie kann ein promovierter Jurist einen explizit geregelten Sachverhalt als Lücke gleichwelcher Art bezeichnen? Derlei Unfug entbiehrt jeglicher Logik, ob diese Regelung nun Krings‘ politischen Vorstellungen entspricht oder nicht.

Überhaupt, Günter Krings. Der Vertreter Mönchengladbachs im Bundestag und Vize-Vorsitzende der dortigen CDU-Fraktion wurde mir mal als fähiger Kopf beschrieben – damals, als ich in die hiesige Politik kam und noch kaum jemanden aus dieser Sphäre kannte.
Inzwischen frage ich mich ernsthaft, auf welcher Grundlage diese Beschreibung seiner Person entstand. Ich bekomme den Mann vor allem im Bereich der Neuen Medien mit, weil ich da auch selbst viel mit zu tun habe. Noch in keiner einzigen Mediendebatte habe ich erlebt, dass Krings, wenn er sich zu Wort meldete (und das tut er oft) eine auch nur halbwegs brauchbare Position vorzuweisen hatte. Killerspiele, Leistungsschutzrecht, ACTA, Netzsperren – egal, welches netzpolitische Thema man sucht, immer wieder taucht Krings auf. Und immer auf der Seite der Rückwärtsgewandten, die die neue Welt nicht verstehen und sie einfach nur verhindern wollen. Von der wirren Verschwörtungstheorie zu ACTA mal ganz zu schweigen.

Dann ist da die Sache mit dem Melderecht.
Über den Inhalt noch etwas zu sagen ist hier vergebliche Liebesmüh, der ist inzwischen ja glücklicherweise bekannt geworden. Dass aber eine solche Regelung zeitlich in das Fußball-EM-Spiel Deutschland-Italien gelegt und dann noch die „Rede zum Protokoll“, jener Stinkefinger der Regierung gegen die Debattenkultur des Parlamentes und die Demokratie bei dem Reden nicht gehalten sondern nur nachträglich schriftlich geliefert werden, genutzt wurde, das lässt schon Absicht vermuten. Da wusste jemand ganz genau, was für ein Dreck da vorgeschlagen wurde und hat es so eingestilt, dass es möglichst niemand merkte.
Hier ist die gesamte Bundestagsdebatte dazu:

Ins Bild passt auch Kristina Schröder. Deren Unfug war bislang zumindest unter Berücksichtigung einer etwaigen politischen Motivation (etwa ihres Skeptizismus gegen den Schwarzer-Feminismus) nachvollziehbar. Ihr neuester Vorstoß aber ist nur mehr politischer Dadaismus.

Die aktuelle Bundespolitik ist an solchen Stellen nicht mehr würdig kritisiert zu werden. Sie ist der Argumente nicht würdig, ist sie doch selber keiner sinnvollen Argumentation fähig. Und doch ist es nötig. Aber es ist nicht einfach gegen puren Blödsinn zu argumentieren. Frust und Entsetzen stehen dem Kampf gegen die Dummheit im Weg.
Seht diesen Beitrag als textliches Gegenstück einer Urschreitherapie. Das musste einfach raus.


eBook-Land Woche 36 und 37

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 221,52 € | Händler: 6

In eigener Sache
Der Juni war alles in allem kein guter Monat, sowohl Verkäufe als auch Einnahmen aus Werbeschaltungen gingen deutlich zurück. Damit bin ich offenbar nicht allein. Aber mit wöchentlich über 10 € Einnahmen kann ich mich eigentlich nicht beklagen: Das ist wenig Geld, aber es ist stetig und ich bin ja noch nicht einmal ein Jahr dabei. Und es kommt ja diesen Sommer noch einiges an Titeln dazu.
Es ist weit davon entfernt, davon leben zu können, aber dennoch bin ich mit der Entwicklung zufrieden. Jetzt heisst es, darauf aufzubauen. Schön wären so 100 € die Woche, das würde mir schon einiges an Freizeit verschaffen, weil ich bei meiner derzeitigen Haupteinkommensquelle, dem Texten, die Aufträge etwas runterfahren könnte. Diese Zahl liegt mit dem richtigen Angebot definitiv im Bereich des Machbaren.


Freundliche Hinweise
Miriam Pharo hat wieder ein neues Buch raus und diesmal ist es auch gleich als eBook erhältlich – und noch bis Mittwoch kostenlos. Frikassee zum Frühstück ist ein Zukunftskrimi und die Fortsetzung von Jimmy der Mops. Jimmy hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen, dieser Band hier steckt aktuell in der Warteschleife, bis ich mit Harry Potter fertig bin, das sich als bessere Reihe herausgestellt hat, als ich erwartet hatte (ja, meine Erwartungen sinken erheblich sobald ein Buch ein Bestseller wird). Kritisieren kann ich bis jetzt nur die praktisch identischen Cover. Wäre da nicht die Zahl links oben auf dem zweiten Band wären sie auf dem Schwarzweiss-Display eines eBook-Readers identisch.
Ebenfalls hinweisen möchte ich auf eine Sommeraktion von Eileen Janket, die für einige Zeit alle ihre eBooks bei Amazon für 0,99 € anbietet. Ich bin sehr gespannt, ob ihr das den erhofften Erfolg bringt.

Aus der Szene
Sommerloch! Aber da wir diesmal zwei Wochen zu überblicken haben kommt dennoch ein bisschen was zusammen. Also denn:
Fangen wir mal mit dem Thema Finanzierungen an: Das eine ist die Nachricht, dass Seth Godin sein neues Buch innerhalb von vier Stunden per Kickstarter finanzieren konnte. Das ist toll, ich warne aber vor übermäßigem Enthusiasmus: Seth Godin ist Seth Godin, einer der bedeutendsten Marketing-Fachleute der englischsprachigen Welt und Bestsellerautor. Er hat damit ein paar Vorteile, die die meisten Autoren nicht haben, ähnlich wie Joanne K. Rowling bei der Eröffnung von Pottermore den dezenten Vorteil hatte, Joanne K. Rowling zu sein. INteressanter für Otto-Normal-Autor ist da schon der Erfolg von unglue.it mit der erstmaligen Freisetzung eines Buches über Spenden.
Die Buchhändler zeigen unterdessen erste Panikerscheinungen, wobei erste sehr plausible Orakeleien über das Ende des Kochbuchs nicht helfen. Aus der EU kommt zugleich eine Erklärung zum digitalen Buchmarkt, die allerdings noch etwas substanzlos ist.

Und dann gibt es da noch die Sache mit den datensammelnden eReader, die ich nicht so recht nachvollziehen kann: Bei jedem Besuch einer Webseite werden mehr Daten gesammelt (und vor allem nur halb-anonym, da mit einer Anbschlusskennung – IP – verbunden) als das. Hier erfährt der Verlag nur, dass irgendwelche Leser diese oder jene Passage markiert und bis zu einer bestimmten Stelle gelesen haben. Das sind wertvolle Daten, um bessere Bücher zu machen, aber daraus lassen sich keinerlei Erkenntnisse über die einzelnen Leser gewinnen. es sei denn, ein Buch wurde nur ein mal verkauft.


Gute Vorsätze: Halbzeit

Anfang des Jahres habe ich einige Vorsätze gefasst, wie man das zum, neuen Jahr so macht. Mal schaun’n was draus geworden ist:

85 kg – Geschafft, wobei es noch hin und wieder für ein paar Tage bis zu 3 kg nach oben schwankt. Aber das krieg ich schon noch stabil.
Computerwechsel – Geschafft, ich bin komplett auf den Laptop umgestiegen, inzwischen ergänzt durch einen eBook-Reader, was den Stromverbrauch nochmal senkt. Für die weitere Zukunft denke ich an Microsoft Surface, endlich ein Tablet, mit dem man auch vernünftig arbeiten kann (Android und iOS halte ich mehr für Spielzeug)
Bücherregalschrumpfkur – Geschafft, der Regalmeter ist eingespart, inzwischen passt meine gesamte Buchsammlung in meine Regale
Archivbildung – Mehr oder weniger geschafft. Meine Unterlagen sind inzwischen alle in Regalen untergebracht, aber mit der Ordnung hapert es noch etwas. Momentan bin ich schon froh, dass sie nicht mehr als Papierstapel überall rumliegen
Projekte – In Arbeit. Die 10 eBooks werde ich schaffen, die 4 politischen Projekte sind noch schwierig. Ich komme immer wieder dabei voran, auf in der Stadt laufende Entwicklungen und Vorhaben einzuwirken, aber daneben noch eigene Projekte anzustoßen ist schwierig.


Politische KWen 24/25/26-2012

So, da ich diesmal gleich drei Wochen auf einmal abhandel geht es mal nach Themen statt wie üblich nach Wochentagen. Also:

Radverkehr
Los ging es mit der guten Nachricht, dass die erste Phase in der Planung der Radstation endlich abgeschlossen ist und sie nun kommt. Zwar nicht, wie es mir am liebsten gewesen wäre, im inzwischen wieder ausgebuchten Erdgeschoss des Vitus-Centers, aber sie kommt und ist auch nicht so versteckt wie etwa in Rheydt.
Der Standort ist nun also zwischen dem „Ihr Platz“ im Bahnhof und der Einfahrt zu dessen Hinterhof. 666 Stellplätze sind ganz gut, damit kann man was anfangen. Einige äussern Skepsis, dass diese Anzahl Plätze auch benötigt wird. Das halte ich für eine falsche Herangehensweise: Diese Einrichtungen sollen den Radverkehr ja nicht nur verarbeiten, sondern vor allem fördern – die Anzahl der Fahrräder in der Stadt soll steigen und für eine solche Steigerung müssen diese Einrichtungen entsprechend gebaut sein, sonst arbeitet man gegen den Radverkehr: Zu wenig Abstellmöglichkeiten führen zu Frust und das wiederum bringt einige Fahrer wieder vom Radfahren ab und dann hatte die Station die genau gegenteilige Wirkung die sie haben soll.
Die Planungen habe ich dann auch gestern bei der Radtour des Grünen-Ortsverbandes MG-Nord vorstellen dürfen.


…und mein Gesicht vor der Kamera verstecken.
Foto: Anita Parker/Facebook

Diese Radtour führte vom (auf dem Stadtplan nicht existierenden, was das Finden nicht einfacher machte) Hensenplatz über Hermann-Piecq-Anlage, Zentralbibliothek und Hauptbahnhof zum Schillerplatz, wo grade der Stadtteil-Markt Greta – Der Markt der schönen Dinge stattfand. Und von dort dann nochmal in den Margarethengarten, ein Gemeinschaftsgarten an der Eickener Straße, Ecke Steinmetzstraße.
Interessant fand ich dabei vor allem die Hermann-Piecq-Anlage, die ich aus eigener Erfahrung nicht kenne. Ich fahre da nicht, da sie von mir aus immer ein Umweg ist, egal wo ich hinwill. Diese Anlage zeichnet sich für Radfahrer dadurch aus, dass ein Radweg in östliche Richtung dort hinführt, der dann urplötzlich an einem Schild „Fahrrad Einfahrt verboten“ endet. Fahren kann man auf der linken Seite, da muss man aber erstmal hinkommen.
Anderswo sind Radwege in einem schlechten Zustand, hier ist die Anlage selbst verkehrsgefährdend und vor allem radfeindlich. Ich werde mir die Straßen dort mal genauer anschauen müssen um eine Lösung zu finden, was man dort ohne viel Geld machen kann. Momentan fällt mir leider nicht viel ein.
Aber wo ich bei gefährlichen Radwegen bin spring ich nochmal etwas zurück: Auf Mittwoch, den 13.6.2012 in die Sitzung der BV Nord. Dort bin ich immer noch mit der Viktoriastraße dran. Mein Antrag mit detaillierten Anweisungen, was dort zu tun sei wurde in den Vorverhandlungen zu einer Anfrage, ob man den Radweg stadteinwärts entwidmen und dafür einen Schutzstreifen auf der Straße einrichten könne. Unter der Bedingung, dass die Anfrage diesmal an das Bauamt und nicht wie vor über einem Jahr in einer ähnlichen Sache auf der selben Straße an das Ordnungsamt ging (wo kein Zuständiger einen Finger zu rühren wollen scheint) stimmte ich dem Vorgehen zu. Sollte da allerdings bis Januar immer noch nichts passiert sein, komm ich halt nochmal mit meinem Antrag.
Eine andere Ecke, auf die mich eine Anwohnerin aufmerksam gemacht hat, ist die Fliethstraße in dem Bereich, in dem bergauf die Rheydter Straße abgeht. Hier gibt es einen viel zu engen Radweg, der relativ dicht und ohne Bürgersteig dazwischen an der Mauer entlangführt, die den Hang abschließt. Das ist nicht wirklich riskant, wirkt aber beim Durchfahren bedrohlich. Nahe dieser Ecke gibt es mehrere große Schulen, daher ist das durchaus wichtig. Ich denke, das beste ist hier wegen der engen Situation, die Radfahrer komplett in Rheydter Straße (zum Math-Nat) und Lüpertzender Straße (zum Huma, der Musikschule und der Volkshochschule) zu schicken. Das wiederum hieße, man muss die Führung der Radfahrspuren auf der Kreuzung so verändern, dass die Radfahrer leicht entsprechend abbiegen können (vor allem nach links zur Lüpertzender Straße, mit dem Rad auf der stark befahrenen Flietstraße auf die Linksabbiegespur zu kommen ist ein hoffnungsloses Unterfangen). Meine Lieblingslösung wäre natürlich, wenn der Verkehr auf der Fliethstraße so reduziert werden könnte, dass der Radweg dort breiter gemacht werden kann.

Bungtbach
Eine andere interessante Entwicklung ist der Bungtbach. Der wird ja derzeit komplett renaturiert, was vorübergehend heisst, dass in ein Naturschutzgebiet eingegriffen wird. Ich bin allerdings überzeugt, dass das Gebiet nach der Renaturierung besser dasteht als zuvor, auch wenn es zwischendurch ganz furchtbar aussieht. Ein Naturschutzgebiet mit einem kanalisierten Bach in der Mitte jedenfalls ist albern.
Nachdem die Ampel im Bezirk Ost entscheiden hat, bei dieser Gelegenheit eine der drei Brücken über den Bach komplett zu entfernen (was gut für den Bach ist: je weniger Einengungen durch Bauwerke desto besser), veränderte die Verwaltung ihre Wegeplanung im Volksgarten, durch den der Bungtbach fließt. Dabei sollte auch ein Trampelpfad den Bach entlang zu einem ordentlichen Weg befestigt werden.
Das wiederum bemängelte der Nabu und ich stimme da voll überein: Es widerspricht dem Ziel einer Renaturierung des Baches, einen Weg am Bach entlang anzulegen. Also beschlossen wir das Gegenteil der ursprünglichen Verwaltungsabsicht um diesen Weg: Der bestehende Trampelpfad wird versperrt, damit der Bach sich dort frei entfalten kann. Sollte nach der Renaturierung des Baches wieder ein Trampelpfad entstehen, beschäftigen wir uns nochmal mit dem Thema.
Eine interessante Nebeninformation erfuhr ich bei der Vorstellung des Fortschrittes des Abwasserkonzeptes der Stadt. Eine bei Hochwasser regelmäßig überflutete Stelle in der Stadt ist die Kreuzung Engelsholt/Bahnstraße. Und diese Überschwemmung kommt aus dem mehrere Kilometer entfernten Bungtbach, da diese Straßen ihr Regenwasser dorthin schicken. Da kann man mal sehen, wie weit solche Dinge wie ein zu stark eingeengter Bach spürbar sein können.

Grüne Jugend
Ich bin selbst nicht mehr dabei (2 Jahre zu alt), aber greife der neuen Grünen Jugend etwas unter die Arme und es sieht so aus, als hätten wir ab August wieder eine. Hurra!
Das Problem war vor allem ein formelles: Der alte Vorstand war zu Studium/Arbeit quer durch Europa verstreut. Damit ein neuer Vorstand aber übernehmen konnte, musste der alte zuerst eine Mitgliederversammlung einberufen und sich dort abwählen lassen. Das soll nun endlich geschehen.

Abfallumladestellen
Die Verwaltung will die beiden Abfallumladestellen der Stadt umbauen, vor allem aber Luisental in Rheydt.
Bei lUisental sind auch alle überzeugt, dass das notwendig ist, immerhin wird das Gelände durch den bau des Mittleren Ringes spürbar verkleinert und hat danach einen neuen Zuschnitt. Also muss auch der Platz selbst neu organisiert werden.
Allerdings sind die meisten (mich eingeschlossen) noch nicht überzeugt, dass auch der Umbau von Heidgesberg bei Hehn/Nordpark notwendig ist und 2 Millionen € (zusätzlich zu den 1,5 Millionen für Luisental) sind für eine hoch verschuldete Stadt wie MG kein Kleinkram.
Also haben wir das Thema im Umweltausschuss geschoben, wobei ich das noch für die Anregung nutzte, bis nach der Sommerpause eine günstigere Variante für Heidgesberg zu entwickeln, die möglichst mit dem jetzigen Gelände auskommt und nicht etliche Quadratmeter zusätzlich teuer befestigen muss. Im September aber müssen wir zumindest über Luisental definitiv befinden.

So, ich hoffe, ich habe nichts wichtiges vergessen (des gibt da noch ein paar Hühner, aber da brauch ich selber noch Infos zu) und bin damit wieder im Plan mit den Politischen KW. Dann jetzt wieder wöchentlich.