Ampelausfall

Nach fast vier Jahren ist es nunmehr also so weit, etwa ein halbes Jahr früher, als ich zuvor anhand des kommenden Wahlkampfes für 2014 geschätzt hatte. Ich weiss noch keine Details aus den Sitzungen, aber: Die Ampel ist am Ende.

Die Ampel in Mönchengladbach war begründet worden als die Chance einer Ablösung der fast 60 Jahre andauernden Vorherrschaft der christdemokratischen Kräfte in unserer Stadt. (Quasi-)Alleinherrschaft ist nie gut und diese Stadt zeigt deutliche Spuren dessen. So gründete sich 2009 eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP, ein Schritt, den ich von Anfang an befürwortete und für den ich damals intern stark warb.
Das Bündnis war nie ein einfaches, aber anders als andere sah ich schon in seiner bloßen Existenz einen positiven Schritt für die Stadt.
Es war aber auch eine lehrreiche Zeit. Lehrreich über Klüngel und Interessenlagen. Darüber, wer eigentlich politisch für was verantwortlich ist und welche Kräfte an einem Fortbestand alter Strukturen interessiert sind. Die Erfahrung, wie es ist, in einer Stadt Politik zu machen, in der es keine nennenswerte Presse gibt, nur schwarz-gelbes Klopapier und ein paar Online-Blättchen (einzig die WZ ist brauchbar und bietet saubere journalistische Arbeit, aber in dieser steht nur die Hälfte überhaupt erwähnt).

Es war eine Zeit tiefer Blicke hinter die Kulissen auch unserer politischen Partner. Manche interessant, manche Hoffnung gebend, manche erschreckend abgründig.
Wie mir aus der Zeit vor der Ampel berichtet wurde, war es auch eine Revolution der zuvor als unerträglich geschilderten politischen Kultur. Vor allem Grüne Intervention hat auch Ansätze einer Reform der Art und Weise verursacht, wie Verwaltung arbeitet – sei es die stärkere Bürgerbeteiligung in Projekten der Bauverwaltung (Burg Odenkirchen und Schillerplatz seien hier genannt) oder zuletzt die angesetzte Stärkung der Einbindung der Fachausschüsse in diese betreffende Ausschreibungsverfahren.
Natürlich war es oft auch eine Lektion in Machtlosigkeit – so in bereits vor unserer Zeit angestoßenen Projekten wie etwa der Korschenbroicher Straße und dem Abriss des „Affenfelsens“. Andererseits haben wir an anderen Stellen nachhaltig Dinge verändert – das HDZ hat eine Schrumpfkur erhalten, eine sechste Gesamtschule wurde eingerichtet, Plätze in der ganzen Stadt sind umgestaltet worden. Wo genau ich die von Wanlo abgewandte Unbill der RWE-Mauer verrechnen soll, da bin ich noch nicht ganz im klaren, auf jeden Fall aber positiv.

Es ist schon interessant: Nach vielen Änderungen vor allem im Stil hatten die Grünen nun zwei große Bauprojekte angestoßen: Die Radstation MG (vorerst im Land auf Eis gelegt) und die neue Bibliothek.

Dass es nun ausgerechnet ein Bildungsprojekt ist, an dem die Ampel scheitert, das vermutlich sinnvollste, worin man in einer Stadt in der Lage von Mönchengladbach investieren kann, das ist das eigentlich erschreckende hier. Keine millionenschwere Straße oder ihre sinnlose Erweiterung, keine Ansiedlung eines für die Stadt letztendlich schädlichen Gewerbes (Juhu, Zalando kommt und bringt seine Aufstocker-Arbeitsplätze zu Tausenden gleich mit!) samt Investitionen in die zugehörige Infrastruktur, nein, ein Bildungsprojekt mit seiner potenziell erheblichen Wirksamkeit gegen grassierende Schulabbrecherquote, Arbeitslosigkeit und Armut in der Stadt. Ein geistiges Armutszeugnis für Mönchengladbach.
Es ist dies die größte Scham an diesem Ende – es war ein Ende aus den völlig falschen Gründen.
Allerdings, es war auch dies – ein Thema, welches das Risiko wert war.

Bis zur nächsten Kommunalwahl wird noch etwas über ein Jahr vergehen. Ich bin gespannt, wie diese Stadt sich nunmehr unter voraussichtlich wechselnden Mehrheiten weiterentwickelt.


Lesetipps Evolution

Während ich an weiteren Bänden von Meilensteine der Evolution schraube dachte ich mir, eine kleine Zeitüberbrückung wäre nicht schlecht.
Es gibt zwar keine andere Serie wie die „Meilensteine“, aber wenigstens ein paar Werke mit einem ähnlichen Ansatz, wissenschaftlich fundierte Tiergeschichten aus der Urzeit zu schreiben und dabei auch gleich ein wenig Wissenschaft zu vermitteln. Davon habe ich hier einfach mal einige gesammelt.
Was die Meilensteine angeht, so bin ich aktuell dabei, die restlichen geplanten Bände parallel zu bearbeiten, um sie alle in einem Rutsch zu veröffentlichen. Das wären 5 weitere Urzeitbände sowie 2 Bände im Zeitalter des Menschen, wobei ich noch nicht sicher bin, ob diese beiden Bände gemeinsam mit den Urzeitbänden oder später einzeln erscheinen werden, einfach weil sie sich so sehr von den übrigen Bänden unterscheiden. Danach kommt dann der große Sammelband, der dann auch auf Papier.
Aber wie gesagt, bis dahin gibt es zur Überbrückung ein paar Tipps (Amazon-Links mangels Alternative):

Anja Steinhörster
Hanna das Dinozwergenmädchen
Sprache: Deutsch

Die einzige aktuell als eBook erhältliche deutschsprachige Geschichte aus der Sicht eines Urtiers ist dieses kleine Märchen mit einem Sauropodenbaby in der Gegend des heutigen Münchehagen. Für sehr junge Leser geschrieben, mit stark vermenschlichten, sprechenden Dinosauriern und ähnlichem. Alles in allem sehr niedlich, mit 4,11 € auf 37 Seiten (laut Amazon-Schätzung) für eBook-Verhältnisse wohl etwas teuer, aber noch im Rahmen.
Meine Empfehlung gilt bei diesem Buch vor allem für Eltern mit dinobegeistertem Nachwuchs.

Robert T. Bakker
Raptor Red
Sprache: Deutsch (aus dem Englischen übersetzt)

Der Klassiker unter den Tiergeschichten mit Dinosauriern. Robert T. Bakker ist jener Paläontologe, dessen Buch The Dinosaur Heresis das moderne Bild von Dinosauriern als aktive warmblütige Kreaturen geprägt hat. Dass unser Bild von den Dinosauriern heute ein völlig anderes ist als in den 1950ern ist zu großen Teilen sein Verdienst.
Raptor Red ist die Lebensgeschichte eines frisch in Nordamerika eingetroffenen Utahraptor-Weibchens (größere Verwandte des eigentlich nur schäferhundgroßen Velociraptor). Bakker nutzt die Geschichte, um ein lebendiges Bild der damaligen Welt zu zeichnen und seine Theorien über diese Tiere zu präsentieren. Ein kurzer Epilog ergänzt die Geschichte um einige Fakten über die Utahraptoren und ihre Welt. Kein Buch auf dieser Liste ist den Meilensteinen ähnlicher als Raptor Red, auch wenn es inzwischen wie alle Dinosaurierbücher aus den 90ern deutlich veraltet ist und die Romanhandlung stärker im Vordergrund steht. Meine uneingeschränkte Empfehlung für Fans meiner Reihe.

Anne Genadinos
Troodon
Sprache: Französisch

Troodon (oft auch Tröodon geschrieben) ist ein kleinerer Maniraptor (=Raptoren), der als besonders intelligent gilt und durch große Augen auffällt. Er gehörte (gemeinsam mit dem noch obskureren Syntarsus) zu den ersten Dinosauriern, die mit Gefieder dargestellt wurden. Eine Art B-Promi der Dinowelt – durchaus noch bekannt, aber nicht bekannt genug um in die Popkultur Eingang gefunden zu haben wie einige andere Dinosaurier.
Das Cover ist natürlich eine Katastrophe, aber darüber sehe ich hier mal hinweg. Die Geschichte stellt diesen kleinen Dinosaurier vor und legt dabei besonderes Augenmerk auf sein Gefieder und die Verwandtschaft der Maniraptoren mit den Vögeln (auch das Thema von Schwarzer Schwinge, das seinen Blick allerdings auf die kleinsten der Raptoren – Microraptor und Archaeopteryx – richtet). Das Buch ähnelt stark Raptor Red, wenn auch sehr knapp gefasst.

Stephen Penner
Professor Barrister’s Dinosaur Mysteries
Sprache: Englisch

Diese Serie kannte ich bis gestern nicht und sie ist eine echte Überraschung: Stephen Penner ist eigentlich ein Thriller-Autor, aber mit dieser Reihe hat er einige Kinderbücher über Dinosaurier herausgebracht. Die Serie folgt zwei Kindern und einem Paläontologen mit Zeitmaschine, die nach der Entdeckung eines auf seltsame Weise veränderten Fossils in der Urzeit die Erklärung für die ungewöhnlichen Merkmale des Fundes suchen.
Jeder Band der Serie umfasst eine kurze Geschichte um die drei Charaktere und ihre Reise zu den Dinosauriern, gefolgt von Vorstellungen einiger Dinosaurierarten und einem Text über das Thema des jeweiligen Bandes. Die Ähnlichkeit zu den Meilensteinen ist allerdings zufällig – der erste Band erschien 2010 während meine Reihe 2012 startete ohne dass ich von Penners Reihe je gehört hatte. Professor Barrister’s Dinosaur Mysteries sind für jüngere Kinder geschrieben, aber auch für ältere unterhaltsam.
Im ersten Band treffen wir Troodon wieder, im vierten die kleineren Raptoren wie Microraptor.

Sissel Jo-Gasan
Dinosaurierfedern
Sprache: Deutsch (übersetzt aus dem Dänischen)

Und nun zu etwas völlig anderem. Naja, nicht ganz, wir bleiben bei Populärliteratur mit Raptoren. Was wir hier haben ist ein skandinavischer Krimi mit Dinosauriern. Im deutschen Print sauteuer (offenbar wollen die Verlage nicht, dass man ihre Bücher kauft), für Kindle leider nur auf Englisch erhältlich, was sehr schade ist. Zudem scheint die englische Übersetzung den Rezensionen nach die deutlich bessere zu sein.
Es geht um einen Forscher, der an einigen Dinosaurierfedern arbeitet und kurz vor der Veröffentlichung seiner Ergebnisse mit Hilfe von Bandwürmern ermordet wird. Das ganze ist ein recht ruhiger, wenig brutaler Krimi im wissenschaftlichen Umfeld, der interessante Einblicke in die Biologie, allen voran in die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Vögeln und Dinosauriern sowie in die Welt der Parasiten, gewährt.

Dougal Dixon
A Survival Guide: Living with Dinosaurs in the Late Jurassic Period
Sprache: Englisch

Achja, Dougal Dixon.
Dixon gehört zu den kreativsten Sachbuchautoren der Gegenwart. Sein The New Dinosaurs ist zwar wunderschön, erreicht aber inzwischen antiquarisch stolze Preise (für Späterleser: zur Zeit des Schreibens je nach Edition und Zustand zwischen 40 und 450 €). Es ist letztlich die Grundlage für die „Was wäre wenn…“ Kapitel in den Meilenstein-Bänden. Bei dem Preis empfehle ich aber lieber etwas gegenwärtig zu einem vernünftigen Preis verfügbares.
The Survival Guide ist genau das: Ein Survival-Ratgeber für im Jura gestrandete. Das ist ein relativ absurdes Szenario, aber es ist ein schöner Ansatz, um diese längst vergangene Welt vorzustellen und gedanklich zu erkunden.

Darren Naish, C.M. Kosemen, John Conway
All Yesterdays
Sprache: Englisch
Auch bei iTunes, Lulu und bei Lulu auf Papier

Kommen wir etwas von den Romanen weg: All Yesterdays ist ein Buch, das sich mit der Art und Weise beschäftigt, wie Dinosaurier und ähnliche prähistorische Kreaturen in der Kunst bzw. in Illustrationen dargestellt werden. Nicht nur ein flammendes Plädoyer dafür, Dinosaurier stärker als ganz normale Tiere in ganz normalen Situationen darzustellen, sondern grundsätzlich für mehr Kreativität und Mut bei der Darstellung dessen, was die Fossilien nicht zeigen: Seltsame Hautlappen und Körper, deren Skelette durch Muskeln, Fett, Haut und Gefieder nicht einmal mehr zu erahnen sind. Verhaltensweisen und Momente im Leben dieser Tiere, an die noch keiner gedacht hat. Illustriert ist das ganze mit Beispielen der ganzen Bandbreite, von im Schlamm wälzenden Sauropoden bis zu Therizinosauriern, die unter ihrem Federkleid kaum noch zu erkennen sind.
Dazu kommt die zweite Hälfte des Buches, „All Todays“, die den Spieß umdreht: Wie würden wir die heutigen Tiere rekonstruieren, wenn wir nur ihre Skelette kennen und dabei genauso vorgehen wie heute bei den Dinosauriern. Diese Bilder sind einmalige Augenöffner. Nur, die Schwäne… die auf Grundlage ihrer Skelette gezeichneten Schwäne werden eure Albträume nie wieder verlassen.
Obwohl… show, don’t tell:

Gern geschehen.

Die Geschichte von Big Al
Sprache: Deutsch (übersetzt aus dem Englischen)

Und weiter zu den Filmen. Viele Dokus sind sehr nah am Konzept meiner Serie, mit einer Geschichte, die um zusätzliche Sachinformationen ergänzt ist.
Die Geschichte von Big Al ist dabei das meines Erachtens beste Beispiel. Der Film, eine Sonderfolge von Im reich der Dinosaurier, folgt einem Allosaurier durch sein leben im späten Jura, vom Ei bis zum Tod. Dazwischen sind immer wieder Informationen eingestreut, woher wir die dargestellten Ereignisse kennen. Big A selbst ist zweimal vorhanden – einmal als Tier in der Filmhandlung und einmal als Skelett in den Erklärungen, in denen die Ereignisse im Leben eines speziellen Allosauriers an Spuren in den Knochen nachvollzogen werden kann. Ein absolut faszinierender Film über die Möglichkeiten der heutigen Paläontologie und darüber, was ein einzelnes Skelett alles verrät.

Die Reise der Dinosaurier: Flucht aus dem Eis
Sprache: Deutsch (übersetzt aus dem Englischen)

Dieser Film begleitet einen Edmontosaurier auf seiner jährlichen Reise aus dem Sommerquartier in Alaska in die Winterquartiere weiter südlich. Der Schmalz ist stellenweise etwas dick aufgetragen, aber insgesamt ist das eine ganz nette Geschichte über die jahreszeitlichen Wanderungen, die einige Dinosaurier in dieser Zeit wohl unternommen haben. Die Entstehung der Jahreszeiten sind ein Thema, das nur selten behandelt wird. Dabei ist es eine faszinierende Geschichte und Dinosaurier im Schnee sind auf jeden Fall ein eher selten zu sehendes Bild, das aber definitiv der damaligen Realität entstammt.
Das Thema der Jahreszeiten in der Kreidezeit werde ich in den „Meilensteinen“ übrigens im Band Klirrender Kälte aufgreifen, wobei ich mich eher auf Pachyrhinosaurier konzentriere. Edmontosaurier kommen aber auch vor.

Zurück zu mir
So, kurz noch zum Stand der „Meilensteine“: Wie gesagt schreibe ich grade an den restlichen Bänden in einem Schwung, wobei ich immer eine Rubrik in allen 7 Variationen verfasse, so dass sie tatsächlich im Gleichschritt vorankommen. Die beiden Bände, die in der Zeit des Menschen spielen (einer über Zucht, einer über Gentechnik) haken etwas, weil die Themen so anders sind als in den Urzeit-Bänden.
Es wird also eine große Welle von mindestens 5 gleichzeitig erscheinenden Titeln geben, voraussichtlich zum Monatswechsel April/Mai.
Damit einher gehen Aktualisierungen der beiden bereits erschienenen Bände, bei denen es auch die Ergänzung eines neuen Kapitels für beide geben wird.
Die Themen der 5 übrigen Urzeitbände sind die kambrische Explosion, die Entstehung der Vögel, der amerikanische Faunentausch, die ersten Wälder und die Entstehung der Jahreszeiten in ihrer heutigen Form. Ich habe diese Themen vor allem deshalb gewählt, weil sie so verschieden sind und die Möglichkeit bieten, am Anfang der Bände jeweils sehr unterschiedliche Geschichten zu erzählen. Einige der früher geplanten Bände fallen damit zu Gunsten anderer Themen weg. Wenn ich in Zukunft einen Ansatz finde, beispielsweise das Massensterben am Ende des Perm interessant zu machen, werde ich dies tun, aber vorerst sind diese sieben Bände (fünf Urzeit-Bände plus Zucht und Gentechnik) der Rest der Serie. Was noch folgt ist ein schön gestalteter großer Band auf Papier.

Danach werde ich mich vorerst etwas anderem widmen. Ich habe viele Ideen ausserhalb dieser Serie, die ich gerne umsetzen würde. Vielleicht etwas Cyberpunk? Oder Steampunk? Auf jeden Fall etwas ganz anderes.
Und wie gesagt: Wenn ich neue, passende Ideen finde, kehre ich auch zu den „Meilensteinen“ zurück. Gelegentliche Aktualisieurngen sind natürlich immer drin.