Paläo-Pfreitag 1

Da ein Gro√üteil meiner B√ľcher √ľber das Leben in der Urzeit ist, dachte ich mir, es kann nicht schaden, eine Reihe zu diesem Thema auf meinem Blog zu starten. Schon weil alle Leser am Ende der B√ľcher auf genau dieses Blog hingewiesen werden. Also gibt es jetzt jeden Freitag einen R√ľckblick auf die (m.E.) interessantesten pal√§ontologischen Nachrichten der Woche.
Freitag, weil ich keinen anderen Wochentag so schön falsch mit einem P schreiben kann.

Urzeitlicher Klimawandel und Krokodile

Bildquelle: Uni Z√ľrich


Streng genommen kein Klimawandel, aber etwas √§hnliches, denn das Ergebnis war auf jeden Fall eine √Ąnderung der Wassertemperatur, die f√ľr die s√ľdamerikanischen Krokodile verheerend war. Forscher haben die Krokodile untersucht, die 5-7 Millionen Jahren im Flussdelta des damals in die Karibik m√ľndenden Amazonas lebten. Als der Fluss im Laufe der Zeit nach S√ľden wanderte, wurde das Wasser im Delta k√§lter. Obwohl sich das reimt, war es f√ľr die Krokodile nicht gut und die meisten Arten starben schlie√ülich aus.
Neu entdeckt haben die Forscher dabei die kurzmäulige Gattung Globidentosuchus mit ungewöhnlich runden Zähnen und eine bis zu 12 Meter lange Art aus der heute noch lebenden Gattung Crocodylus. Zwischen 7 und 14 Krokodile lebten damals nebeneinander in den warmen Gewässern.
Ein kleiner Temperaturwandel in den letzten paar Millionen Jahren trennt uns von einer Welt, in der in S√ľdamerika 12 Meter lange Krokodile und Pelikankrokodile wie das Tierchen rechts im Bild leben.

Seltsame Urschildkröte

Eunotosaurus africanus (Smokeybjb / CC-BY-SA 3.0)


Eine der evolutionär rätselhafteren Tiergruppen sind die Schildkröten. Die wichtige Frage ist: Wie zum Geier ist dieser seltsame Knochenpanzer entstanden? Schildkröten sind die einzigen Wirbeltiere mit einem Körperpanzer, der aus Skelettknochen des Körpers besteht. Andere gepanzerte Wirbeltiere haben entweder separate Panzerknochen in der Haut oder Panzer aus Horn und/oder Leder. Nun gibt es mit Eunotosaurus ein Reptil, dass eine primitive Vorstufe des Schildkrötenpanzers besaß. Wozu es diesen allerdings benutzte, ist eine gute Frage.

Neuer Urvogel

Aurornis; Bild: Masato Hattori


Die schiere Anzahl neuer Urv√∂gel aus China ist beachtlich. Hier ist wieder einer – Aurornis xui ist etwa 10 Millionen Jahre √§lter als der ber√ľhmte Archaeopteryx und hat einige interessante Merkmale. Vor allem fehlt ihm anscheinend die f√ľr Raptoren typische Sichelklaue, die alle anderen Urv√∂gel besa√üen. Aurornis √ľbernimmt nach der Analyse der chinesischen Forscher den Titel des primitivsten bekannten Vogels.

Buchtipp
Mark P. Witton hat ein gro√ües Buch mit allem wissenswerten √ľber Flugsaurier in Arbeit. Normalerweise gebe ich keine Vorschusslorbeeren, aber was ich in der Vorschau gesehen habe ist hervorragend, umfangreich und auf dem allerneuesten Stand der Forschung.
Wittons Arbeit an Quetzalcoatlus war ein gro√üer Teil der Grundlage f√ľr meine Darstellung dieser Tiere in Staksigen Schrittes. Wer also die Flugsaurier in diesem Buch interessant fand, dem kann ich Pterosaurs nur empfehlen.


Das wichtigste Buch des Jahrzehnts

Es ist ein h√§ufiges Missverst√§ndnis, dass literaturhistorisch bedeutende B√ľcher auch automatisch gut, kreativ oder neuartig seien. Die Bandbreite in ihrer historischen Wirkung bedeutender B√ľcher reicht von der Bibel bis zu Mein Kampf, da ist also viel schlechtes zu finden – auch das Anrichten gewaltigen Schadens ist ein historisch bedeutsamer Akt. Rein literaturintern haben wir Werke wie Superman No. 1, welches den modernen Superheldencomic als Genre etablierte, dessen Protagonist aber im Endeffekt nichts weiter ist als ein Plagiat von John Carter. Die H√§lfte des Lebenswerks von Goethe ist nichts weiter als eine Reihe Neufassungen wesentlich √§lterer Geschichten (im Grunde alle l√§ngeren Werke nach dem Werther).
Womit wir einen guten Punkt f√ľr eine √úberleitung von Johann Wolfgang von Goethe zu E.L. James haben. Und warum beide Autoren sich in einigen Jahrzehnten gemeinsam in den Kanones der Literaturwissenschaftsstudenten wiederfinden werden.

Wie gesagt, um historisch bedeutend zu werden, bedarf es nicht unbedingt Qualit√§t. Daher geht es hier nicht um diese. Shades of Grey wird allgemein restlos verrissen und ich werde diesem Urteil nicht widersprechen. Dass die Autorin einen ausreichend schlechten Literaturgeschmack hatte, um eine Fanfiction zu Twilight zu verfassen, sollte f√ľr ein Urteil reichen. Andererseits gibt es von mir Fanfiction zu Pok√©mon, ich sollte mich also nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Aber zur√ľck zum Thema: Die Bedeutung von 50 Shades liegt in seiner Wirkung auf die (euro-amerikanische) Fanfiction-Szene.

Hinweis: Jeder, der weiss, was Fanfiction ist, kann einfach zum nächsten Absatz scrollen
Kurz zur Erkl√§rung f√ľr Neulinge in diesem Bereich: Fanfiction ist von Fans geschriebene Literatur (oder sonstige Erz√§hlmedien wie Filme, Comics oder Videospiele), die auf den Charakteren, Ereignissen, Orten und/oder fiktiven Regeln aus den Werken anderer basieren. Dabei z√§hlt es in der Regel nur als Fanfiction, wenn das Autor keine Lizenz zur Verwendung dieser Elemente hatte, sonst ist es schlichtweg eine Lizenzarbeit (oder ein Expanded Universe, aber ich will jetzt keine komplette Einf√ľhrung in Erz√§hltheorie verfassen, vielleicht ein ander Mal). Wie weit Fanfiction legal und legitim ist, ist bei Autoren und Juristen umstritten.

Die Bedeutung von 50 Shades liegt in seiner Herkunft: Wie oben bereits angedeutet ist es eigentlich eine Fanfiction zu Twilight. Twilight war eine nicht der weiteren Erinnerung werte Vampirschnulze, die √ľberaus fragw√ľrdige christlich-fundamentalistische Werte zu vermitteln trachtete und die Harry Potter als meistverkaufte Buchreihe abl√∂ste. Die Serie half, den Fantasy-Boom des fr√ľhen 21. Jahrhunderts ein paar Jahre zu verl√§ngern.
Der Schottin Erika Leonard gefiel diese Serie so gut, dass sie dazu unter dem herrlichen K√ľnstlernamen SnowQueensIceDragon eine Fanfiction schrieb. Sie nahm die Charaktere und versetzt sie in eine andere Situation, womit das ganze eine S/M-Geschichte zwischen einem Million√§r und seiner seltsam unschuldigen Liebhaberin wurde. Das Ergebnis trug den Titel Master of the Universe, enth√§lt zu meiner gro√üen Entt√§uschung so gut wie keine Muskelm√§nner in Metallharnischen und ist inzwischen gel√∂scht.
Master of the Universe wurde extrem erfolgreich und es wurde schnell klar, dass das Szenario die Geschichte so sehr ver√§ndert, dass sie sich mit der einfachen √Ąnderung der Namen der Figuren als komplett neues Buch verkaufen lie√ü. Gesagt, getan. Das Ergebnis dieser einfachen Umstrukturierung war 50 Shades of Grey, das erfolgreichste britische Buch der bisherigen Geschichte.

Die historische Bedeutung nun ergibt sich daraus, dass hier klar wurde: In Fanfiction lag Geld zu holen. Viel Geld. Das ist quasi die zweite Stufe nach George Lucas‘ Idee, bei Star Wars einen gro√üen Teil der Produktionskosten eines Films √ľber Merchandising reinzuholen, wozu nat√ľrlich auch B√ľcher geh√∂rten.
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Auf die gelegentlichen Nachrichten von weiteren Fanfiction-Werken, die auf √§hnliche Weise wie 50 Shades zu einem verlagsvertrag kamen, folgte diese Woche die gr√∂√üte Nachricht: Amazon startet mit Kindle Worlds eine Plattform f√ľr das kommerzielle Verlegen von Fanfiction. Stark eingeschr√§nkt f√ľr nur drei amerikanische Fernsehserien, aber dennoch.
Das kommerzielle Verlegen von Fanfiction im großen Stil wird die Literaturlandschaft und vor allem das Urheberrecht nachhaltig und umfassend verändern.

Was die Restriktivit√§t von Kindle Worlds angeht: Die halte ich teilweise f√ľr vern√ľnftig, das einzige, was ich problematisch finde ist der Punkt, dass Amazon alle Rechte an den Werken erh√§lt. Hier zum Vergleich ein Dislaimer, den ich vor zwei Wochen f√ľr meine in Arbeit befindlichen fiktiven Werke verfasst habe, die nach dem Abschluss der Meilensteine erscheinen sollen:

Science-Fiction und Fantasy sind als Genres gro√üe Magneten f√ľr Fanfiction, also von Fans geschriebene Geschichten auf Grundlage der Geschichten eines Autors oder einer Serie. Ich weiss nicht, ob je jemand Fangeschichten zu meinen B√ľchern und Geschichten schreiben will, aber sie bieten auf jeden Fall inhaltlich und formal das Potenzial dazu. Daher will ich mich dazu positionieren. Wer weiss, wann es ben√∂tigt wird.

Zun√§chst einmal: Wer Fanfiction zu meinen Welten schreiben will, ist willkommen. Die nichtkommerzielle Nutzung meiner Welten und Charaktere ist ausdr√ľcklich erlaubt. √úber eine kommerzielle Nutzung lasse ich mit mir sprechen: Wenn mir eine Geschichte gef√§llt und sie mit meinen Pl√§nen f√ľr diese Welten kompatibel ist, kann ich ein Fanfiction-Werk zum Teil des offiziellen Universums erkl√§ren und der/die Verfasser/in kann es entsprechend bewerben und verkaufen; ich werde meinerseits auf diese Werke hinweisen.

Ich halte es dabei einfach nur f√ľr fair, wenn ich die Figuren und Elemente dieser Fanfiction ebenso verwenden kann, wie die Fanfiction-Autoren meine Welten und Figuren verwenden k√∂nnen. Daher ist dies eine Lizenzbedingung f√ľr alle Fanfiction zu meinen B√ľchern: Ich darf alle eigenen Charaktere und Elemente der Welt aus Fanfiction zu meinen Geschichten auch ohne Gegenleistung in meinen sp√§teren Geschichten verwenden. Die andere inhaltliche Bedingung ist, dass alle Fanfiction sich von der Satdt Erkelenz fernh√§lt. Das liegt daran, dass in Erkelenz f√ľr diese Welt einige bedeutende Ereignisse stattfinden werden, durch die diese Stadt ab den 2030er Jahren nicht mehr existiert; die entsprechenden B√ľcher werden erscheinen, sobald sie fertig sind. Es gibt noch ein paar andere Punkte, an denen Fanfiction meinem Konzept von dieser Welt widersprechen kann (keine Aliens, bitte!), aber das ist von Fall zu Fall entscheidbar.

Also, noch Mal kurz gefasst: Ich bin f√ľr Fanfiction. Wer damit Geld machen will, muss mich vorher fragen. Ich darf Elemente aus Fanfiction in meinen eigenen Werken verwenden. Und Pfoten weg von Erkelenz!

Alles in allem nicht so anders – bis auf die Sache mit Erkelenz.

Ich bin sicher, die Rezeption von Fanfiction wird sich in den nächsten Jahren weiter verändern. Es wird eine neue Diskussion um die Legitimität dieser Werke geben und darum, welche Rechte an einer Erzählwelt eigentlich bei wem liegen.
Das ging schon ein paar Jahre so, aber 50 Shades war der große Sprung. Und deshalb hat sich E.L. James jenseits aller Fragen nach literarischer Qualität ihren Platz in der Literaturgeschichte verdient.
Und es ist eine Wirkung, von der es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie dieses Jahrzehnt noch von einem anderen Werk √ľbertroffen wird.


Arbeitsalltag

Eine Frage an mich, die immer wieder aufkommt, ist die nach meinen Arbeitszeiten. Es scheint also von Interesse zu sein, wie ich als Freiberufler/Selbstst√§ndiger meine Zeit einteile. Der Hauptgrund daf√ľr ist nat√ľrlich, dass man mich oft zu Zeiten trifft, an denen die meisten Leute arbeiten.

Zun√§chst: Entgegen meiner einstigen Intention haben sich feste Zeiten etabliert. Diese sind aus einem ganz einfachen Grund anders als die √ľblichen Arbeitszeiten in Regel- oder Schichtarbeit: Es ist m√∂glich und auch angenehmer, wenn meine arbeitsfreie Zeit so f√§llt, dass Dinge wie Einkaufen zu Zeiten erledigt werden k√∂nnen, wenn L√§den und Stra√üen nicht ganz so voll sind, eben weil die meisten Leute arbeiten.
Daher ist meine Arbeitszeit in der Regel von 16:30 bis 1:00 Uhr. √úbrigens auch an Sonn- und Feiertagen. Plus etwas Zeit am Vormittag.
Dass die Zeiten √ľberhaupt einigerma√üen fest sind hat den einfachen Grund, dass ich festgestellt habe, dass es der Produktivit√§t eher abtr√§glich ist, st√§ndig zu anderen Zeiten zu arbeiten. Der K√∂rper braucht einigerma√üen verl√§ssliche Rhythmen (was √ľbrigens nicht gegen Schichtarbeit spricht, die ich fr√ľher gerne gemacht habe, der Rhythmus sollte nur nicht jeden Tag wechseln, dann ist es kein Rhythmus mehr).

Aaaaalso:
Vormittags gibt es eine kurze Vorphase: Nachrichten lesen per RSS-Leser und Paper.li (Eine ernstzunehmende Tageszeitung gibt es in M√∂nchengladbach leider nicht), t√§gliche Verkaufs- und Anzeigenstatistiken durchgehen. √úbrigens, wo ich schon bei Zahlen bin, z√§hlt dieses Blog keine Besucher, weil mich schlichtweg nicht interessiert, wieviele Leser es hat. Ist ja nicht so, als k√∂nnte ich etwas an der Leserzahl √§ndern, wenn ich es w√ľsste. Dies ist auch kein Themenblog, bei dem ich auf popul√§re Themen ziele, ich schreibe einfach, was mir grade durch den Kopf geht, gekoppelt mit Politik und meinen B√ľchern – alles Bereiche, auf deren Verlauf und Aktualit√§t meine Besucherzahlen keinen Einfluss haben.

Es folgt der frei gestaltete Nachmittag: Einkaufen, Spazieren gehen, Daddeln. Manchmal mache ich da auch etwas zusätzliche Arbeit, etwa wenn Deadlines knapp sind oder ich ein Projekt einfach abschließen will. An Tagen, an denen etwa ein eBook von mir erscheint (zugegeben nicht so viele wie ich gerne hätte) habe ich in der Regel den Vortag durchgearbeitet.
Politische Arbeit ausserhalb der Sitzungen fällt in diesen Zeitraum.

Um 16:30 geht dann die eigentliche Arbeit los. Ich stelle die Links f√ľr eBooks f√ľr lau zusammen. Manchmal sind schon am Morgen einige zusammengekommen, die ich vorgemerkt habe, aber immer erfolgt jetzt eine Durchsicht diverser Anbieter und Foren, danach lege ich eine Reihenfolge der Tweets fest und welche eBooks bei oberfl√§chlicher Pr√ľfung meinen Qualit√§tsanforderungen f√ľr eine Empfehlung gen√ľgen. Ab 17:00 Uhr stelle ich die Links dann ein, entweder verg√ľtete Werbelinks vom Anbieter (bei Amazon, Apple, Smashwords und f√ľr Probe-Abos) oder √ľber adf.ly mit Werbeeinblendung belegte Kurz-URLs. Die Zeit kann etwa eine Stunde nach vorn oder zur√ľck verschoben werden, wenn ich (vor allem wegen der Politik) Termine habe.
Es folgt das schreiben: Entweder aus diversen Portalen bezogene Auftr√§ge oder eigene Inhalte f√ľr eBooks. Im Moment versuche ich, den Anteil der eBook-Zeit hochzufahren. Zur Zeit schreibe ich an sieben B√§nden der Meilensteine der Evolution, um die im Juni alle auf einen Schlag rauszubringen. Die eBooks sind die angenehmere Arbeit, weil sie einerseits in den Themen und Inhalten komplett selbstbestimmt sind, andererseits aber auch mehr als ein Mal auszahlen – jedes fertiggestellte eBook verringert meine Unabh√§ngigkeit von Arbeit f√ľr andere.
Wenn bei meiner Suche nach kostenlosen eBook-Angeboten qualitativ empfehlenswerte Titel mit deutlichen Erotik-Anteilen aufgetaucht sind, gibt es bei eBooks f√ľr lau um etwa 22:00 Uhr noch Mal die Nachtschicht mit diesen Empfehlungen.
Sonst geht es ohne größere Unterbrechung bis kurz nach 1:00, gerne auch schon Mal 2:00 an der Tastatur des Laptops weiter.

Ein Problem ist nat√ľrlich, dass die meisten politischen Termine ebenfalls um 17:00 anfangen. Diese sind also verlorene Tage f√ľr mich. Da Tage zB vor Ratssitzungen ohnehin f√ľr sinnvolles verloren sind verlege ich die Arbeit dann ausnahmsweise in den Mittag und fr√ľhen Nachmittag.
Das ist teils l√§stig, aber auch das ist ein Problem, welches nachl√§sst, je mehr eBooks ich auf dem Markt habe, da deren Verkauf weitgehend ohne mein Zutun l√§uft und nicht darauf angewiesen ist, dass ich nie ausfalle. Im Moment k√∂nnen die eBooks pro Monat einen verlorenen Tag ausgleichen. Ich habe 5 auf dem Markt (3 eigene und 2 Neuauflagen gemeinfreier Werke), Ende Juni werden es 12 sein (davon 10 eigene), vielleicht 13 (ein weiteres gemeinfreies ist in Arbeit). Das d√ľrfte den Anteil der eBooks an meinen Eink√ľnften auf 10% erh√∂hen (dann gleichauf mit den Werbeeinnahmen von eBooks f√ľr lau). Es ist noch ein langer Weg in die echte Unabh√§ngigkeit, aber ich glaube, dass er sich lohnt.

Und um diesen Weg etwas zu verk√ľrzen folgen die unversch√§mten Werbelinks auf meine bisher erh√§ltlichen eBooks, die allerdings zugleich die Textw√ľste hier ein wenig auflockern:


Games: Generation des Meh

Gut, dass ich gestern doch noch was politisches geschrieben habe. Mein urspr√ľnglicher Plan war ein Beitrag √ľber meine Erwartungshaltung f√ľr die n√§chste Konsolengeneration. Jetzt kann ich stattdessen schreiben, warum die 7. Generation der Heimkonsolen im Grunde entt√§uschend sein musste. Nach der 6. Generation, der wohl besten und innovativsten Zeit in der Videospieleindustrie seit den 1980ern, war es einfach fast unm√∂glich, etwas vergleichbares hervorzubringen.
Entsprechend kam das auch nicht.

Es gab eine Enttäuschung, mit der ich schon vorher ganz klar gerechnet hatte: Das Ende der High-End-Grafik. Oder besser, die Stagnation dieser.
De aktuelle Generation hat die Qualit√§t der Grafik auf einen Standard gehoben, an dem die Leistungsst√§rke des Prozessors und Grafikchips kaum noch eine Rolle spielt. Einfach weil nur noch Titel mit Millionenbudgets die zur Verf√ľgung stehende Rechenkraft √ľberhaupt noch ausnutzen k√∂nnen. Klar, es gibt noch deutlich Potenzial nach oben, nur: Wer will das ausnutzen. Abgesehen von Crytek, die mehr spielbare Grafikdemos produzieren als Spiele. Wenn auch zugegebenerma√üen sehr gute Grafikdemos.
Der Trend zeigt sich bereits seit einiger Zeit: Grafikleistung wird zunehmend bedeutungslos, der grafische Stil gewinnt an Wichtigkeit. Besonders deutlich wird das beim grassierenden Retro-Trend. Wenn Mega Man 9 & 10 oder Retro City Rampage in NES-Grafik daherkommen und unter Gamern ernsthaften Hype hervorrufen, ist das der beste Beweis f√ľr das Ende der Grafikschlacht. Es wird noch gro√üe, grafisch aufpolierte Spiele geben, aber wegen der Entwicklungskosten f√ľr solche Titel werden es nicht allzu viele sein.

Die anderen Trends sind herstellerabh√§ngig. Also tauchen wir in die Einzelabteilungen und vergleichen die 6. mit dert 7. Generation Hersteller f√ľr Hersteller, nach der Reihenfolge der Vorstellung der jeweiligen gro√üen Wohnzimmerkonsole.

Nintendo
Die gro√üe Legende. Nintendo ist der traditionsreichste Konsolenhersteller im heutigen Markt. Als die Wii 2006 auf den Markt kam war sie eine Revolution: Der einfache Controller mit Bewegungssteuerung und nur vier Tasten war etwas v√∂llig anderes, als alle Konsolen bisher. Unterdessen verkaufte sich im Markt f√ľr tragbare Systeme der DS mit seinen zwei Bildschirmen (einer davon ein Touchscreen) so gut, dass Nintendo die GameBoy-Reihe einmotten konnte. Dann kam der Trend zu mehr Fitness-Spielen, auf dem Nintendo vorne mitritt. Kurzum: Mitte der 2000er definierte Nintendo Videospiele. Nicht unbedingt f√ľr die selbsternannte „Hardcore Gamer“, aber f√ľr die Massen.
Dann kam mit dem 3DS ein nettes, aber letztlich √ľberfl√ľssiger Nachfolger des DS. Und f√ľr die WiiU getaufte Nachfolgerin der Wii nahm Nintendo kurzerhand alle Innovationen der letzten Generation zur√ľck und ersetzte sie durch den klobigsten Controller seit langem (fast so schlimm wie jener des Nintendo64).
Dabei h√§tte es so einfach sein k√∂nnen: Nintendo h√§tte als letzter Hersteller ohne HD-Aufl√∂sung eine grafisch leistungsf√§higere Wii bringen k√∂nnen. Ein Gegenst√ľck zu den Erfolgen/Troph√§en der anderen Hersteller dazu und fertig. Mehr wollte niemand, zumindest niemand in der Zielgruppe von Nintendo – die Wii war ein einmaliges und vielf√§ltiges Konzept, das etliche Jahre h√§tte √ľberdauern k√∂nnen.

Microsoft
Die Xbox 360 war eine feine, aber von technischer Anfälligkeit geplagte Konsole. Microsofts Versuch, als erster die neue Konsolengeneration zu starten, funktionierte, brachte aber Probleme wie desaströse Ausfallraten der Geräte mit sich.
Die gro√üe Innovation der 360 waren die Erfolge, ein System, bei dem Spiele Punkte f√ľr bestimmte Leistungen vergaben, die dann in einem alle Spiele √ľbergreifenden System zusammengez√§hlt und aufgelistet wurden. Da die Erfolge als Gamerscore zugleich die menschliche Sammelwut als auch den Wettbewerb unter Spielern f√∂rderten. Das war Kleinkram, aber im Endeffekt √ľberraschend wichtig. Wichtig genug jedenfalls, dass Sony sich veranlasst sah, es f√ľr die PS3 zu kopieren. Xbox Live war zu seiner Einf√ľhrung ein ziemlich guter Online-Service, den damals niemand sonst zu bieten hatte.
Die neue Xbox One kann Skype, Kamerasteuerung, Sprachsteuerung… im Grunde all das, was eine Xbox 360 mit Kinect auch kann, nur einen Tick besser. Der Controller, der mE wichtigste Bestandteil jeder Konsole, ist funktional mit jenen der Xbox und Xbox 360 identisch. Sie hat etwas mehr Leistung, aber siehe Einleitung des Artikels. Das ist die Art von Update, die man sonst nur von Apple kennt, mit dem Unterschied, dass Apple sowas im Jahresrhytmus bringt, weshalb die Trippelschritt-Innovation dort zumindest gut begr√ľndbar ist. Oh, und man kann beim Zocken Fernsehn kucken. Weil das so toll gleichzeitig funktioniert, sich auf einen Film konzentrieren und Noobs pwnen.
Die Xbox One ist im Grunde ein SmartTV mit zus√§tzlicher Videospielefunktion. Oder mit anderen Worten ein PC f√ľr den fernseher. √Ąh ja, danke, einen PC habe ich schon – allerdings keinen Fernseher, meine Konsolen laufen √ľber Konverter auf einem Computermonitor und ich habe kein Interesse am in Deutschland verf√ľgbaren TV-Programm. Vielleicht w√ľrde ich das Ding kaufen, wenn ich damit (endlich!) in Deutschland BBC One empfangen k√∂nnte. England hat n√§mlich im Gegensatz zu Deutschland gute √Ėffentlich-Rechtliche Programme, f√ľr die ich Geld zu zahlen bereit w√§re.
Nur eines ist gelungen: Es gibt jetzt auch spiele√ľbergreifende und dynamische Achievements. Das ist toll, ich mag Achievements.
Alles in allem bin ich von der X1 nicht wirklich entt√§uscht – das Englische hat den sch√∂nen Begriff „underwhelmed“, was sich in etwa √ľbersetzen l√§sst mit „nicht so begeistert wie ich zu sein erwartet hatte“.
Übrigens: Hässlich finde ich sie nicht unbedingt. Langweilig, ja, aber nicht hässlich.
PS: Hier ist ein Konterunkt zur One beim ElJoel

Sony
Sony sollte mich besser √ľberraschen.
Der dritte im Bunde hat mit seinen ersten beiden PlayStations zwei technisch schwache und innovationsarme Systeme in den Ring geworfen, die von beachtlichem Marketing und Software getragen zu Bestsellern wurden. Mit Ausnahme des EyeToy hat Sony nie eine eigene Innovation ins Feld gef√ľhrt (okay, zwei Analog-Sticks statt einem).
Dann kam die PS3 und pl√∂tzlich hatte Sony die st√§rkste Konsole im Ring. Sony hat einige Fehler gemacht, das fr√ľhe Verbot von 2D-Titeln auf seiner Maschine etwa hat ganze Genres der Konkurrenz in die Arme getrieben (wer h√§tte je gedacht, dass die Xbox die beste Konsole f√ľr meine heissgeliebten japanischen Shmups wird?) und der Start der Konsole ging v√∂llig in die Hose (Riiiiiiiiiidge Racer!). Aber alles in allem hat Sony viel richtig gemacht – die Achievements kopiert und dabei mit seinen Troph√§en noch √ľbertroffen (einfach nur Punkte? Pah, unsere Punkte sind verschieden gut!), einen Online-Service hervorgebracht, der Xbox Live locker in die Tasche stecken konnte (vom Wii-Channel schweigen wir hier mal) und eine √ľberaus leckere Software-Bibliothek zusammengestellt, die zu weniger als 90% aus Shootern und immergleichen Rennspielen bestand.
Die PS4 bekommt ein paar Gimmicks wie das von der PS Vita bekannte Touchpad am Controller, verändert sich aber wenig.
Die Sache ist die, dass wir noch nicht viel √ľber die PS4 wissen. Es k√∂nnte eine ebensolche Entt√§uschung sein wie die Xbox One. Es k√∂nnte noch mit einer neuen Idee aufkommen, das w√§re allerdings extrem untypisch f√ľr diesen Konzern. Vorerst bleibe ich skeptisch, dass Sony nach den beiden Gurken der Konkurrenz mit etwas gro√üem auftrumpfen kann. Und wehe, die √úberraschung sind wieder propriet√§re Speicherkarten mit Preisen von 60 ‚ā¨ f√ľr 12 GB wie bei der Vita.

Fazit
Die 6. Generation der Videospielkonsolen hätte problemlos die vorerst letzte bleiben können, die bis zur 7. noch 5-6 Jahre gelaufen wäre, vielleicht ergänzt um eine Wii HD.
Alle drei Konsolen zeigten durch Aktualisierungen und neue Hardware mitten in ihrer Lebenszeit das Potenzial, als Plattform ewig weiterzulaufen. Die letzte Generation war gef√ľllt mit Innovationen vor allem bei den Controllern, besonders bemerkenswert hier Kinect und WiiMotion Plus. Wie wir jetzt sehen, scheint jede weitere Innovation entweder marginal (Xbox One) oder konterproduktiv (WiiU) zu sein.
Mein Abschlussgedanke: Die Zeit war einfach noch nicht reif.


Die Bosheit des Geldes

Lasst uns √ľber Geld reden. Nicht nur, weil ich grade diese Webseite wieder f√ľr ein Jahr bezahlt habe, sondern auch, weil es ein Thema ist, das mich grade im politischen Diskurs besonders nervt. Geld ist wahrlich kein neues Thema im politischen Diskurs, aber in letzter Zeit ein besonders interessantes.
Wann immer irgendwo in einer politischen Debatte das Wort Geld (oder ein Wort aus dem Rest des Wortfeldes “Finanzen und W√§hrungen„) f√§llt kann man sicher sein, dass es ein Gegenargument ist. Dies √ľblicherweise in der Gestalt der Implikation der Bosheit des Geldes.
Die gibt es in drei Geschmäckern und zu diesen nun im Einzelnen:

Geld verdienen ist böse
Wann immer ein Projekt abgelehnt wird, gibt es ein Argument, dass sp√§testens kommt, wenn alle anderen Argumente weg sind: „Die machen doch nur Geld damit!“
Ein Punkt, an dem ich nur fragen kann: „Ja, na und?“
Windr√§der, Solaranlagen, Kriz (unterster Kommentar) – √ľberall machen die Akteure nur Geld damit. Was ich hier nicht verstehe ist, worin eigentlich der Vorwurf besteht. Sollen sie halt was davon haben, wenn sie sinnvolle Projekte machen, wo ist das Problem? Was ist denn die Erwartungshaltung, die hier hintersteht, dass alles Gute in der Gesellschaft von Bettelm√∂nchsorden durchgef√ľhrt wird?
Ganz besonders beachtlich ist der Vorwurf der Absch√∂pfung von Subventionen: Ja nat√ľrlich werden Subventionen abgesch√∂pft, daf√ľr sind sie da! Subventionen haben den Zweck, Investitionen zu erleichtern und so politisch erw√ľnschte √Ąnderungen zu f√∂rdern. Wenn niemand eine Subvention absch√∂pft, l√§uft irgendetwas grauenhaft schief.
Ja, es gibt Subventionsgräber, die nach der Abschöpfung stillgelegt werden. Sowas muss man verhindern, etwa mit Vertragsstrafen im Subventionsabkommen.
Und nat√ľrlich sind nicht alle Subventionen aus der Warte der jeweils eigenen politischen Position gut. So ist das halt, wenn man die Politik auf der jeweils zust√§ndigen Ebene nicht selbst bestimmt.

Geld ausgeben ist böse
Das hatten wir in MG bei der Bibliothek, man kann es aber im Moment √ľberall sehen. Alles, was einem politisch nicht schmeckt und was Geld kostet bezeichnet man als Steuerverschwendung.
Dabei wird so argumentiert, als sei eine Steuerkasse das selbe wie ein Portmonee: Anschaffungen werden f√ľr sich und in ihren laufenden Kosten betrachtet. Dabei haben Ausgabeentscheidungen von Gebietskk√∂rerschaften (St√§dte, L√§nder, Nationen, transnationale Vereinigungen, aber auch ausreichend gro√üer Unternehmen) auch noch volkswirtschaftliche Auswirkungen, die aber schwer bis gar nicht pr√§zise vorherzusagen sind.
Etwa wenn der Bau eines Radweges in einzelnen L√§den zu 49% Umsatzzuwachs f√ľhrt und nebenbei noch Abgase vermeidet und die Innenstadt belebt. Oder wenn durch eine zentralere Bibliothek der Bildungsgrad und damit die Arbeitsf√§higkeit des Bev√∂lkerungsschnitts gehoben wird. Oder wenn mehr Jobs entstehen. Wenn kulturelle und/oder wirtschaftliche Verbesserungen die Stadt und ihren Ruf aufwerten und so ein Bev√∂lkerungswachstum verursachen. All das kann man auch monet√§r abbilden: Weniger Ausgaben wegen Zerfalls und Armut, mehr Einnahmen aus Steuern der neuen Einwohner und der st√§rkeren Wirtschaft.
Das sind Dinge, die die vielbeschworene schwäbische Hausfrau nicht kennt. Und genau deswegen ist eine so einfache Rechnung, die nur auf die Kosten schielt in der politischen Diskussion unseriös, oft sogar schädlich.
Das gilt √ľbrigens auch andersrum: Ein eintr√§glich erscheinendes Projekt kann sich √ľber volkswirtschaftlichen Schaden als Fehlinvestition herausstellen. Etwa, wenn man einen Niedriglohn-Logistiker in die Stadt holt und dann die sich daraus ergebende h√∂here Anzahl von Aufstockern bezahlen darf. Nur: Wer wie etwa Presseliebling Bund der Steuerzahler regelm√§√üig das Vorgehen, politische Entscheidungen betriebswirtschaftlich zu rechnen, fordert, der darf sich nicht gleichzeitig beschweren, wenn das mal nach hinten losgeht.

Geld haben ist böse
Kommen wir zu den Millionären und Milliardären. Die sind ja eh alle verdorben. Es interessiert uns auch gar nicht, womit die ihr Geld verdient haben und ob einige Methoden, zu Reichtum zu kommen, legitimer sind als andere.
In gewisser Weise ist das logisch: Wenn man (siehe „Geld verdienen ist b√∂se“) mit guten Dingen kein Geld verdienen kann, bleibt ja nur noch Lug, Betrug und Ausbeutung. Unter der Pr√§misse macht dann auch eine Reichensteuer Sinn. Es ist halt viel einfacher, Reichtum jeglicher Couleur zu bestrafen, als illegitime Methoden des Reichtumserwerbs (sagen wir mal Nahrungsmittelspekulationen oder B√∂rsenwetten) unattraktiv oder gar illegal zu machen.

Bonus: Kein Geld haben ist böse
Denn wer kein Geld hat, ist Sozialschmarotzer. Steht inner Zeitung, muss also stimmen.