Paläo-Pfreitag 4

Pterodaustros Magensteine

Pterodaustro, Bild: Nobu Tamura


Pterodaustro war ein aussergewöhnlicher kleiner Flugsaurier aus der frühen Kreidezeit. Mit dne langen Seizähnen im Unterkiefer filterte er ähnlich einem Bartenwal Kleintiere aus dem Wasser, um sie zu fressen. Im Grunde war er das kreidezeitliche Gegenstück zu den heutigen Flamingos.
Diese Ähnlichkeit geht sogar weiter als bisher vermutet: Pterodaustro schluckte zum Verdauen seiner Beute offenbar Steine. Magensteine sind von keinem anderen Flugsaurier bekannt und so wird Pterodaustro mit jedem Fund ein ungewöhnlicheres Mitglied dieser Tiergruppe.

Die Evolution des Myoglobins
Forscher aus Liverpool haben das Myoglobin tauchender Säugetiere untersucht. Myoglobin, ein Verwandter des bekannteren Hämoglobin, ist ein Protein, das der Sauerstofflagerung in den Muskeln dient. Dank hoher Konzentrationen davon können viele Wassersäuger wesentlich länger tauchen als die meisten Landtiere.
Bei ihren Untersuchungen fanden sie, dass das Myoglobin von Meeressäugern nur in Details von normalem Myoglobin abweicht, durch diese aber beginnt, sich gegenseitig abzustoßen, sodass es nicht verklumpt, wenn es in großer Konzentration vorkommt.
Dadurch können Meeressäuger wesentlich mehr Myoglobin in ihren Muskeln halten und somit auch besser Sauerstoff speichern als beispielsweise Menschen.
Ein schönes Beispiel, wie vergleichsweise kleine Veränderungen reichen, um einem Lebewesen völlig neue Fähigkeiten zu verleihen.

Bunostegos und die Evolution in der permschen Weltwüste

Bunostegos, Bild: Marc Boulay


Aus dem Niger blickt uns dieses freundliche neue Urreptil entgegen: Bunostegos war ein Pareiasaurier, ein kuhgroßer Pflanzenfresser aus der Zentralwüste des Urkontinents Pangäa.
Für Paläontologen ist er sehr interessant, da seine Existenz zeigt, dass die Tiere damals trotz eines gemeinsamen großen Kontinents immer noch voneinander isoliert waren, eine Voraussetzung für die Evolution einer neuen Art. Nicht Gebirge oder Meeresarme, die es damals kaum gab, trennten Bunostegos von seinen Verwandten, sondern das Wüstenklima des gewaltigen Kontinents hielt seinen Lebensraum separat vom tropischen Klima der Küsten.
So entwickelten sich die Reptilien der zentralen Wüsten und jene der Küstenwälder getrennt voneinander, obwohl es keine deutlich sichtbaren Barrieren zwischen ihnen gab.


Paläo-Pfreitag 3

Archäopteryx hatte was von einer Elster

Bild: University of Manchester


Die Suche nach Pigmenten in Dinosauriern geht jetzt schon ein paar Jahre. Der neueste Kandidat in der Reihe ist der bairische Urvogel Archäopteryx, dessen Gefieder Ähnlichkeit mit dem einer Elster gehabt zu haben scheint. Die Schwungfedern waren weiss mit schwarzen Spitzen.
Das ist eine wichtige Entdeckung: Schwarze Federn sind stabiler als weisse. Wenn die Spitzen der Schwungfedern schwarz waren, stärkt das die Annahme, dass Archäopteryx seine Flügel wirklich zum fliegen gebrauchte. Das ist bisher gar nicht mal so sicher, denn auch viele Dinosaurier, die definitiv nicht fliegen konnten, hatten Flügel und verwendeten sie wahrscheinlich als Schmuck in der Suche nach Sexualpartnern, ähnlich wie heute die Pfaue mit ihren Schleppen.
Bisher war nur die (zu Lebzeiten schwarze) Farbe einer einzelnen Feder bekannt, die keine Schwungfeder war.

Neuer Dinosaurier-Park in Deutschland
Uhhhh, ein neuer Dinosaurier-Park in Deutschland: Im Prähistorium in Schiffweiler bei Saarbrücken gibt es seit Anfang Mai animatronische Dinosaurier, bis hin zum 20 Meter langen Titanosaurus. Sollte es mich also je ins Saarland verschlagen, wisst ihr, wo ihr mich findet. Und nie wieder rausbekommt.

Ein Bild (nicht wirklich) aus Feuchten Fußes
Hmm, ich bin ziemlich sicher, ich konnte Bilder von deviantart mal per Code von der Seite einbinden. Na gut, dann muss dieser Link hier halt reichen.
Es ist einerseits absoluter Zufall, andererseits aber auch eine naheliegende Szene für dieses Tier: So sieht das (nach aktuellem Stand der Forschung) aus der Nähe aus, wenn die Ichthyostega sich auf einer Sandbank im Fluss sonnen, etwas, was im Kurzgeschichtenteil von Feuchten Fußes aus einiger Entfernung geschildert wird.

Buchtipp
Als Arthur Conan Doyle (ihr wisst schon, Sherlock Holmes und so) seinen abenteuerlustigen Wissenschaftler Professor Challenger in Die verlorene Welt zu den Dinosauriern auf einem vergessenen Hochplateau in Südamerika schickte, traf er auf die Dinosaurier, die man damals kannte – riesige Reptilien, dazwischen diverse andere ausgestorbene Riesentiere. Allein schon aufgrund ihrer Größe bedrohlich, aber im Grunde langsam und dumm.
William Meikle hat es geschafft, recht kompetent an die heutige Zeit angepasste neue Challenger-Abenteuer zu schreiben. Oder wenigstens einen, diesen hier: The Island of Terror bringt Challenger näher an die heutigen Dinosaurier und die heutigen Stars der mesozoischen Manege: Die guten alten Raptoren.
Doyles Original gibt es natürlich auch für Kindle, sogar kostenlos.
Und hier ist für die Cineasten noch die hervorragende Verfilmung von 1925:


Politische KW 23/2013

Okay, fangen wir mal wieder mit der Politischen KW an, der wöchentlichen Übersicht über meine politische Tätigkeit. Die hatte zwischendurch, äh, geruht und ist hiermit wieder erwacht. Also dann:

Montag: Fraktionssitzung
Auf der dieswöchigen Fraktionssitzung ging es für mich unter anderem um das Thema Masterplan, nachdem ich hierzu ein ausführliches Statement an die Fraktion geschickt habe. Aber da das Thema zwei Abschnitte später wieder aufkommt, muss ich das hier nicht weiter ausführen. Nur so viel schon Mal: Ich sehe das Ergebnis des Masterplans überaus kritisch.

Ein Thema, das in meinem Sitzungsverlauf nicht wiederkommt, ist die Frage nach dem ehemaligen Freibad Giesenkirchen.
Wir wollten hier eine Planung für die Zukunft, wobei uns neben der Renaturierung und der Nutzung als Sportplatz auch die Möglichkeit einfiel, den Platz als Campingplatz zu nutzen. Die Lage ist dafür attraktiv. Da es den meisten Campern egal ist, wo sie stehen, solange der Campingplatz selbst schön ist und eine gute Campingplatz-Atmosphäre aufweist, verstehe ich auch die Argumentation nicht, hier wolle doch keiner campen – sie zeugt von geringer Erfahrung mit Campingtourismus. Wer dort campt, campt nicht in Mönchengladbach, der campt im durchaus attraktiven Giesenkirchen (was zu Mönchengladbach gehört, aber der Rest der Stadt ist für Camper ganz einfach irrelevant) und macht ein paar Abstecher zu den Schlössern rundum. Somit wäre es eine gute Maßnahme gewesen, einerseits den Ort im Ansehen aufzuwerten, andererseits die Innenstadt Giesenkirchen um die Konstantinstraße gegenüber der mit der kommenden Mall übermächtig werdenden Innenstadt am Abteiberg zu stärken.
Ein anderes Argument gegen den Platz war der Lärm. Lärm ist immer beliebt als Gegenargument, hier muss man allerdings wirklich mal fragen, woher dieser denn genau hätte kommen sollen? Vor allem im Vergleich mit der vorherigen Nutzung (Freibad!) und mit der ebenfalls angedachten Nutzung als Sportplatz ist ein Campingplatz, der vom Lärm am ehesten mit einer Kleingartenkolonie vergleichbar ist, nun wirklich eine erhebliche Verbesserung.
Wie dem auch sie, das Anliegen fand in der zuständigen Bezirksvertretung Ost keine Mehrheit. Ich finde das überaus schade. Aber so ist das halt in unserer Stadt der Gehtnichtse.

Dienstag: Lesepaß
Dienstag kam ich dazu, eine am Montag eingegangene Antwort auf eine Anfrage von mir aus der letzten Sitzung der BV Nord zu lesen. Zunächst die Anfrage:

Im Bereich der Baustelle des HDZ an der Hindenburgstraße gibt es eine
Umleitung für Fahrradverkehre, die die Stepgesstraße bergauf fahren.
Diese führt rechts am Ausweichbau vorbei und endet dann stumpf in der
Fußgängerzone. In die andere Richtung existiert an der Viersener
Straße eine Umleitung, bei der noch nicht einmal klar ist, wo diese
überhaupt geführt ist.
Existiert für den Bereich der Baustelle HDZ eine übergreifendes
Konzept für die Umleitung der Radverkehre mit vollständiger
Routenführung um das Hindernis herum?

Hier nun die Antwort des Ordnungsamtes:

Sehr geehrter Herr Diehl,

aufgrund der Baustelle des HDZ an der Hindenburgstraße sind Einschränkungen für den Radverkehr leider nicht zu vermeiden.
Die Umleitung für den Radverkehr auf der Stepgesstraße bergauf führt rechts an der Interimshalle vorbei auf die Hindenburgstraße. Von dort aus muss man die Hindenburgstraße hoch bis zur Signalanlage, dann auf der Fahrbahn Richtung Viersener Straße. Diese Möglichkeit wird kurzfristig mit entsprechenden Hinweisschildern ausgewiesen. Alternativ kann man auch die Stepgesstraße an der Signalanlage überqueren und fußläufig an C&A vorbei bis zur Baustellenampel gehen. Dort muss man die Stepgesstraße nochmals überqueren und kann die Fahrt Richtung Viersener Straße fortsetzen.
Der Radverkehr bergab führt auf dem Geh- Radweg an C&A vorbei. Ab der Hindenburgstraße muss der Radfahrer auf die Fahrbahn. Ab dem Jugendzentrum wird der Radfahrer wieder auf den Radweg geführt.

Eine andere Lösung kann aufgrund der Baustellensituation nicht angeboten werden.

Die Führung ist nicht ideal, grundsätzlich wäre mE eine Umleitung über die Stephan- und Albertusstraße zwar weiträumiger, aber für alle Verkehrsteilnehmer besser gewesen. Aber wenigstens wird die vorhandene Umleitung jetzt endlich korrekt ausgeschildert.

Mittwoch: BV Nord
Das große Thema der Bezirksvertretungssitzung am Mittwoch war der Masterplan MG.
Meines Erachtens hat der Plan eine lange Reihe von Problemen, aufgrund derer ich fraktionsintern auch schon meine Zustimmung zum letztendlich herausgekommenen Plan in Frage gestellt habe. Dies vor allem wegen der umfangreichen Pläne in Dahl und der Tendenz, zahlreiche Plätze in der Stadt (Berliner Platz, Platz der Republik, Kapuzinerplatz) ganz oder teilweise zu überbauen (Hinweis: In der BV habe ich als Ratsherr Rede-, aber kein Abstimmungsrecht, daher war diese Frage hier noch nicht relevant). Auch stimme ich in vielen Punkten mit der ihrerseits heftig kritisierten Kritik der Verwaltung an Einzelmaßnahmen überein.
Der Vertreter der Masterplan-Initiative stellte das Ergebnis nun vor. Dabei betonten dieser mehrfach die Vorläufigkeit und Flexibilität des Plans: Obwohl dieser sehr detailliert aussieht, handelt es sich nur um sehr grobe Richtungsvorgaben.
Mit Betonung auf eben diese Flexibilität habe ich mich dann für den Plan ausgesprochen: Es ist durchaus positiv, dass in Mönchengladbach eine Planung für die Zukunft vorliegt, welche den Einfluss kurzfristiger Vorhaben und einzelner Bauherren reduzieren kann. Die groben Linien des Masterplans (Herausarbeitung Gladbachtal und Hochschulviertel sowie einzelne Reparaturen in Rheydt) sind durchaus gute Leitlinien für die künftige Entwicklung der Stadt zu einem attraktiveren Ort. Die Frage wird zukünftig sein, wie eng man diese auslegt, aber genau dafür ist ja der Beirat vorgesehen, den wir Grüne auch erweitern wollen.
Ganz furchtbar finde ich die Idee der FDP, den Plan per Abschaffung dieses Beirates in Stein zu meisseln. Dafür ist der Plan schlicht und ergreifend zu schlecht.
Ich werde zu meinen Bedenken und warum ich mich dennoch entschieden habe, zuzustimmen, im Rat Anfang Juli ausführlich Stellung nehmen und die Rede dann selbstverständlich auch hier einstellen (aus dem Gedächtnis, denn ich halte Reden bekanntlich grundsätzlich aus dem Stegreif).

Weiter habe ich noch darum gebeten, dass beim Bericht zum Schutz der Naturdenkmäler eine etwas ausführlichere Kategorisierung als nur „Baum gesund/Baum tot“ vorgenommen wird. Dies hat die Verwaltung zugesagt.

Bei den Anfragen fragte ich nach dem Grund für Aufhebung des Radweges an der Viersener und Steinmetzstraße zwischen Wallstraße und Bismarckstraße sowie danach, ob diese mit dem Landesverkehrsministerium abgesprochen ist. Der Radweg gehört zum Landesradwegenetz NRW und als Grund für die Aufhebung liegen mir unterschiedliche Gründe aus unterschiedlichen Teilen der Verwaltung vor (wahlweise Arcaden-Baustelle oder Unfallgefahr).

Samstag: Mitgliederentscheid
Am Samstag waren die Grünen mal in den Schlagzeilen, es ging um den grünen Mitgliederentscheid, also eine basisdemokratisch organisierte Prioritätensetzung der Themen des Wahlprogramms.
Ich kann den Hype nicht ganz nachvollziehen: Zum einen ist mir immer noch nicht klar, was genau die Abstimmung eigentlich bewirkt und zum anderen ist es relativ schwer, sich für jeweils drei Themen aus zwanzig zu entscheiden, wenn dabei etliche Themen doppelt und dreifach vorkommen (Energiewende etwa: Energiewende, Klimaschutz und Kohleausstieg jeweils zur Wahl stehender ein Punkt).
Dennoch war es ein Schriott in die richtige Richtung für die Partei, den Mitgliedern mehr Möglichkeiten zur Abstimmung zu geben.

Wie dem auch sei, nach drei Stunden lockerer Diskussionsrunde wurde abgestimmt. Das Ergebnis von dort war recht klar: Energiewende ist das große Thema. Wahrscheinlich logisch, wenn man am Rand der Grube lebt und genau dieses Thema lokal grade aufkocht. Allerdings war es in anderen Städten udn Kreisen nach allem, was ich bisher gehört habe, ähnlich.


Punkt Te O

Erneut ist das Urheberrecht in der Debatte. Ausgangspunkt ist diesmal ein Statement beachtlicher Dämlichkeit bei movie4k.to, einer von vielen .to-Seiten, die illegal Filme streamen. Nun geht der Streit wieder los: Piraten sind böse. Copyright ist böse. Ihr seid doof.
Hach, wenn es doch nur so einfach wäre. Denn dummerweise haben beide Seiten Recht. Irgendwie. Die eigentliche Diskussion besteht in zwei Thesen, die sich diametral entgegenstehen. Und nun werde ich versuchen herauszustellen, was die beiden Thesen zu ihrer Verteidigung vorzubringen haben.

1. Piraten sind doof
Die Position hier ist nicht schwierig darzustellen: Piraten „stehleb“ (Ich komme im nächsten Satz auf den Begriff zurück) Medienerzeugnisse und schaden damit den Erzeugern dieser Inhalte (Autoren, Musiker, Programmierer, Journalisten usw.).
Die Piraten (die soziale Gruppe, nicht unbedingt die Partei gleichen Namens) selber machen eine Semantik-Diskussion um das „Stehlen“ auf, die offen gestanden wenig sinnvoll ist. Ja, es wird kein Original entwendet, somit ist es technisch gesehen kein Diebstahl. Allerdings besitzt der Urheberrechtsverletzer nach dem Akt einen Gegenstand, an dem er keine legalen Besitzrechte erworben hat, womit es zwar nicht gestohlen wurde, aber dennoch die Definition von „Diebesgut&ldquO; erfüllt.

Dennoch kann Medienpiraterie einen gewissen Nutzen haben.
Cory Doctorow nutzt den freien Download seiner Bücher als Werbemaßnahme für diese. Seine Bücher über Überwachungssysteme und Society Hacking sprechen eine Zielgruppe an, die man so erreicht. Eine Zielgruppe, die bereit ist, für erlebte Qualität Geld zu geben.
Dann ist da dieses kleine Juwel (setzt euch, das ist ein 85-Minuten-Film):

Das ist The Man from Earth. Ein Indie-Film. Ursprünglich ein Flop, wurde er zu einem kommerziell erfolgreichen Geheimtipp, als er im Internet die Runde machte. Die Macher des Films bedankten sich später bei den Piraten dafür. Ich selbst habe nach dem Ansehen auf Youtube die DVD gekauft. Was sich durchaus wiederholen könnte, etwa wenn ich Bokusatsu Tenshi Dokuro-Chan zu einem annehmbaren Preis finde.
Auch der Fernsehmarkt wäre ein anderer, wenn diverse Serien (Doctor Who, Fringe, Game of Thrones) nicht ein riesiges Publikum ausserhalb ihres Heimatmarktes hätten.
Wer sich die Beispiele allerdings ansieht, findet die Hinweise auf ein Problem: The Man from Earth ist im Kern ein Kammerspiel, das ohne nennenswertes Budget auskommt. Fernsehserien indes sidn ohnehin nicht auf die Einnahmen aus der Fernsehausstrahlung angewiesen, sie finanzieren sich über Zweitverwertungen (DVD-Verkäufe, Sendelizenzen für Wiederholungen bei anderen Sendern) und teilweise auch über Merchandise. Große Kinofilme hingegen sind auf die Ticketverkäufe an den Kinokassen angewiesen.
Und hier wird es interessant.

Nehmen wir ein beliebtes Piraterie-Argument beim Wort und sagen, dass Medienpiraterie der Vorauswahl guter Werke dient (sprich, man schaut vorher, ob ein Film was taugt und geht ins Kino, wenn dem der Fall ist). Dann bekommen wir ein Problem: Schlechte Filme lohnen nicht mehr.
Nur, wenn schlechte Filme sich nicht mehr lohnen, woher weiss ein Filmstudio dann noch, ob ein Film sich überhaupt lohnt? Sowohl die Chance auf einen guten als auch das Risiko eines schlechten Films steigen erheblich mit der Neuartigkeit dessen, was er cinematografisch und erzählerisch versucht. Das Risiko der Ablehnung eines sich von der Masse abhebenden Films ist enorm und das lässt aus der Perspektive der Studios nur einen Schluss zu: Keine Experimente!
Und noch schlimmer: Online-Vorabschau tötet nicht nur schlechte Filme, es zerstört auch den soliden Mittelbau. Denn wer einen Film bereits gesehen hat, wird ihn nur dann noch einmal sehen wollen, wenn er wirklich verdammt gut war. Ein Film der nur ein ganz brauchbarer Zeitvertreib ist, aber nichts weiter besonderes, wird untergehen. Das ist beispielsweise meine Theorie, was Disney mit Prince of Persia und John Carter passiert ist, beides gute, aber eben nicht überwältigende Filme.
Wenn die Studios nun aber keine Risiken mehr eingehen, werden immer mehr Filme zum soliden Mittelbau zählen: Sie bieten nichts neues, sind aber kompetent gemacht. Der lohnt aber immer weniger, worauf die Studios mit noch weniger Risiko reagieren.
Deshalb wird die Hollywood-Ästhetik immer einheitlicher. Deshalb dreht sich praktisch jeder Hollywood-Film um einen austauschbaren Helden, der eine ebenso austauschbare Frau in Nöten retten muss (oder ist eine wahlweise ein Remake, eine Verfilmung von irgendwas oder eine Buddy-Komödie). Deswegen sind die Standardkost von der Stange liefernden J.J. Abrams und Joss Whedon Hollywoods neue Stars und gibt es auf absehbare Zeit keinen nächsten Tarrantino. Und deshalb ist der kommerziell größte Film der letzten zehn Jahre ein objektiv betrachtet ziemlich uninteressantes Pocahontas mit Schlümpfen.

(PS: Das komischste an diesem Artikel dürfte ironischerweise die Anzahl von Youtube-Einbindungen und -Links sein)

Das alles wäre ein negativer Trend, der zwar traurig, aber nicht wirklich schlimm. Medien kommen und gehen. Dass ein neues Medium ein altes verdrängt ist legitimer Teil des technischen und kulturellen Fortschritts, selbst wenn man das im Einzelfall schade finden mag.
Aber hier ist es keine neue Technologie, keine neue künstlerische Vision, welche die alten Medien bedroht. Es ist reine Profitgier.
Zentren der Medienpiraterie sind mit Werbung überfrachtete und somit hochprofitable Seiten, die ständig versuchen, einem kostenpflichtige Zugänge und Abos auf irgendwelche Download-Plattformen zu verkaufen. Die Vergütungen für diese Verkäufe werden oft nur noch von Bank- und Versicherungstantiemen übertroffen. Es ist ein extrem profitables Geschäft. Von wegen harmlos und nichtkommerziell.
Einfach nur eine nichtkommerzielle Platform für Nutzer zu sein, das konnten Netzwerke wie Napster, eDonkey und BitTorrent für sich veranschlagen. Dies sind Phänomene, die passieren und auf die Medienanbieter eine Antwort finden müssen. Das ist legitimer technischer Fortschritt. Aber wenn Seitenbetreiber anfangen, damit ihre Geldbörsen vollzuscheffeln, ist die Linie überschritten, weil hier aktiv und aus niederen Gründen eine ganze Branche zerstört wird. Und den Nutzern wird noch einer vom Robin Hood vorgelogen.

2. Medienindustrie ist doof
Man kann nicht behaupten, dass es die Medienindustrie ihren Gegnern schwer machen würde: Über gute 100 Jahre ist mit Plattenfirmen, Verlagen, Buchhandlungen und Filmstudios ein Netzwerk von Industrien gewachsen, die ihre ursprüngliche Funktion als Vermarktungs- und Distributionskanäle längst zu Beiwerk degradiert haben.
Die großen Vertreter dieser Zünfte (in vorheriger Reihenfolge der Branchen Bertelsmann, Bertelsmann, Bertelsmann/Amazon und TimeWarner/Disney) haben schon lange jegliches Interesse an künstlerischer Qualität verloren und vertreiben nur noch jenes, von dem sie glauben, dass es sich gut verkauft. Dank des Selbstverlags können sie inzwischen sogar dazu übergehen, nur Dinge zu verkaufen, die sich bereits gut verkauft haben, was zugleich zum weiter oben angesprochenen Problem der Filmwirtschaft als auch zu solchen Entwicklungen führt.
Die Filmstudios haben es verpasst, hier trifft die Argumentation der Piraten ins Schwarze, sich auf neue Geschäftsmodelle einzurichten.
Andererseits, auf welche auch: Crowdfunding ist eine gute Methode, Projekte von einem Budget bis in den sechsstelligen Bereich zu stemmen. Hollywood fängt bei siebenstelligen Filmbudgets überhaupt erst an. Die Zahl der Marken, die sich über Zweitverwertungen und Lizenzen finanzieren können, ist gering (Filme, deren Titel mit „Star“ anfangen sind ein guter Ansatz – Star Wars; Star Trek, Stargate) und eine neue Marke mit dieser Erwartung aufzubauen, ist nur bei Fernsehserien (Mein kleines Pony) und Videospielen (Pokemon, Skylanders) realistisch.
Was die anderen Branchen angeht: Konservenmusik ist bereits auf iTunes & Co. übergegangen, Literatur und Wissenschaft sind drauf und dran, das Verlagswesen komplett abzuschaffen, Fernsehfiktion war noch nie auf Ausstrahlungseinnahmen alleine angewiesen.

Dieser Teil des Artikels sollte eigentlich in eine ganz andere Richtung gehen, aber nach der Reflexion während des Schreibens dieses Textes stückweise über drei Tage verstehe ich die Medienhäuser deutlich besser: Die Landschaft ist bereits in jenem Umbruch, den die „Piraten“ fordern.
Aussen vor ist dabei einzig die Filmindustrie, für die es ganz einfach keinen Weg gibt, anders zu sein, als sie es momentan ist. Teilweise hat sie sich da selbst reingeritten, teilweise ist es das auch durch Filmpiraterie steigende finanzielle Risiko, wenn man etwas neues probiert (ziemlich vermurkster Satz, ich weiss, aber grammatisch korrekt).
Somit verhindert die Medienpiraterie letztlich genau jene Reform, die ihre Akteure vordergründig beständig fordern.

3. Synthese: Alle doof Die unbekannte Zukunft
Wie gesagt, das ging in eine sehr andere Richtung, als ich erwartet hatte. Mein Blick auf die Medienpiraterie war deutlich positiver, bevor ich diesen Artikel geschrieben habe. Vor allem aber war mein Blick auf die Medienindustrie deutlich negativer.
Ja, die Industrie verhält sich den Künstlern gegenüber oft auch nicht besser als die Piraten. Das ist aber kein Argument für die Legitimität der Piraten. Bestenfalls ist es eines gegen die große Medienunternehmen.
Man kann die Argumentation fahren, dass Piraterie Exzellenz durch bekannt machen belohnt, dies aber zu einem so hohen Preis für das „nur“ kompetente bis gute, dass letztlich auch die Exzellenz schwindet.

Teils ist die Lösung die Ausschaltung der Mittelleute: Der Rückschnitt der Verlage und Vertriebe auf das, was sie einst waren, einfache Dienstleister für die eigentlichen Wertschöpfer, die Künstler und Autoren. Vielleicht gibt es auch einen Weg, wie Filmstudios sich verbessern können, den mögen klügere Menschen als ich es bin vorschlagen, denn ich habe keinen Vorschlag, wie das gehen soll (ausser durch die vollständige Abschaffung des Blockbusters, was aber wohl niemand will und letztlich zwischen all dem Schrott auch viel Qualität kostet).
Faire Preise sind eine Option, aber im Ernst: Die Preise für Musik und (mit wenigen Ausnahmen) Filme sind fair, jene für Videospiele sind es teilweise (wenn man mal die ca. 60 € für neue Konsolenspiele auslässt). eBooks sind noch zu teuer, aber auch dieses Problem schwindet mit der Etablierung verlagsunabhängiger Autoren zunehmend.

Die Medienwelt ist auf dem richtigen Weg, auch wenn es lange gedauert hat, auf diesen Weg zu gelangen. Das bedeutet nicht, dass es keinerlei Probleme mehr gäbe (Seriously, fuck you, Xbox One DRM scheme!). Man muss den Piraten zu Gute halten, Teil der Motivation zur Verbesserung der wirtschaftlichen Seite des Medienkonsums gewesen zu sein.

Ganz zuletzt sei es noch ein Mal gesagt: Ich habe kein Problem mit den Piraten selbst. Sie können, wie weiter oben aufgezeigt, Nutzen für die Künstler bringen, wenn auch nur in Ausnahmefällen.
Es gibt auch noch legitime Begründungen für bestimmte Bereiche, etwa diese gottverdammte Aufteilung der Datenträger-Welt in Distributionsregionen (für mich als großer Fan spezifisch japanischer Videospiel-Genres wie Shmup und Visual Novel ein echtes Problem). Womit ich ein Problem habe, sind jene Leute, die mit Medienpiraterie unter Ausschluss der Urheber Geld machen.
Portale wie movie2k/movie4k/kinox und was sonst alles auf die TLD .to hört. Die scheinheilig erzählen, wie wenig Geld Künstler für ihre Leistung bekommen und wie die Firmen das ganze Geld machen. Und sogleich daran gehen, auch diesen kümmerlichen Rest an Künstlereinkünften für sich einzusacken. Wo man fragen muss: Wenn jemand, der 90% der Einnahmen für sich behält, böse ist, was ist dann jemand, der 100% behält?


Paläo-Pfreitag 2

Äffische Menschenfüße
Ameirkanische Forscher haben herausgefundenTM, dass der menschliche Fuß nicht so perfekt an das aufrechte Gehen angepasst und rigide ist, wie bisher gedacht.
Bei etwa 8% der Versuchsteilnehmer war der Fuß am Mittelfuß flexibel. Als normal gilt nur eine Flexibilität am Ballen und den Zehen. Bei den Affen dagegen ist der Mittelfuß flexibel, um besser klettern zu können. Auch wenn die Forscher aus Boston nicht sagen können (oder wollen), ob dies ein relikt aus evolutionärer Vorzeit oder eine neue Entwicklung ist, zeigt es doch sehr deutlich, dass der Mensch bei weitem noch nicht so perfekt gebaut ist, wie man immer meint.

Paläo-Krebs

Knochenkrebs beim Neandertaler

Tumorschaden in einer Neandertalerrippe (oben) (Credit: Janet Monge et al. Fibrous Dysplasia in a 120,000 Year Old Neandertal from Krapina, Croatia. PLoS ONE, 2013; 8 (6): e64539 DOI: 10.1371/journal.pone.0064539)


Und noch einen Mythos will ich hier zumindest etwas schwächen: Die Paläo-Diät. Die Paläo-Diät besteht auf dem Grundprinzip, dass wir alle gesünder seien, wenn wir uns so ernähren, wie der Urmensch. Welcher Urmensch, ist dabei nie wirklich klar, aber auf jeden Fall einer aus der Zeit, bevor Getreide erfunden wurde. Die Idee ist, dass diese Ernährung für unsere Gene besser seien, die sich laut Paläo-Diätler seit der Steinzeit nicht mehr weiterentwickelt hätten. Was relativ einfach durch die Fähigkeit vieler Menschen, Milch zu verdauen, zu widerlegen ist, aber nunja.
Eine damit in Verbindung stehende Behauptung ist die, dass Krebs (sowie Herzinfarkt, Allergien etc.) eine Zivilisationskrankheit sei, die erst durch die moderne Ernährung Verbreitung gefunden hätte. Das ist natürlich schwierig zu widerlegen, denn Krebs & Co. findet man nicht in Fossilien. Mit Ausnahme von Knochenkrebs.
Knochenkrebs kennt man schon länger von diversen Dinosauriern und jetzt auch vom Neandertaler. Und während der nächste lebende Verwandte des Tyrannosaurus rex das Grillhähnchen ist, sind Neandertaler etwas näher mit uns verwandt und zählen vor allem zur Gruppe der ominösen „Urmenschen“, die sowas ja angeblich nicht hatten.

Schönes Schaustück in Brasilien
Die Dinosaurier vertritt diesmal ein wunderschönes Skelette-Arrangement aus Brasilien mit einem Angaturama (ein Verwandter des Spinosaurus), der einen Flugsaurier (Anhanguera) im Maul trägt. Ich mag es, wenn Museen Tiere in einer solchen echten Lebenssituation zeigen, es gibt den Ausstellungsstücken irgendwie stärker das Gefühl, dass das mal echte, lebende Tiere waren.

Source: blogs.scientificamerican.com via Thomas on Pinterest