Paläo Pfreitag 5

Sorry wegen der wenigen Illustrationen diesmal, mein Computer weigert sich seit kurzem, Dateien herunterzuladen und zeigt mir beim Versuch wahlweise „Datei nicht gefunden“ (Firefox) oder „Fehler beim Virenscan“ (Chrome) an. Keine Ahnung, was das soll und wieso ich keine Option erhalte, den Virenscan einfach zu ignorieren.

Erstes Leben auf dem Festland noch erster
Bereits 1,7 Milliarden Jahre früher als bisher gedacht betraten die ersten mehrzelligen Lebewesen das Land. Bisher dachte man, bis vor etwa über 500 Millionen Jahren sei das Land je nach Darstellung entweder völlig karg oder von Bakterienwiesen überzogen gewesen. Nun haben Untersuchungen mit modernsten Mikroskopen zeigen können, dass eine bekannte, aber bisher unidentifizierte Struktur aus 2,2 Milliarden Jahren alten Gesteinen Fossilien eines bisher unbekannten Lebewesens darstellt.
Diskagma war eine Art Beutel aus Zellen. Die Forscher vermuten, dass diese Lebewesen dem seltenen Pilz Geosiphon ähneln, einem winzigen Wesen, das in feuchten Böden im Schwarzwald lebt und mit Blaualgen gefüllt ist, die es ernähren. Was genau Diskagma war, ist aber noch völlig unklar. Die Erde war zu dieser Zeit so unglaublich anders als heute, dass Diskagma alles mögliche sein könnte.
Waren sie wie Geosiphon mit Sauerstoff produzierenden Bakterien gefüllt, würde das mit erklären, warum zu dieser Zeit plötzlich große Mengen Sauerstoff in die Atmosphäre gerieten, ein Gas, das bis dahin auf der Erde praktisch nicht vorkam.

Nasutoceratops, der Bullhornceratopier

Neue Ceratopier (Horngesichter) sind immer wieder spektakulär und Nasutoceratops ist da keine Ausnahme. Der neu entdeckte Ceratopier hatte kein Nasenhorn, dafür aber eine besonders hohe Nase, der er seinen Namen („großnasiges Horngesicht“) verdankt. Noch auffälliger aber waren seine beiden Stirnhörner – diese wuchsen nicht, wie bei anderen Ceratopiern, nach oben, sondern entsprangen zur Seite, um dann nach vorn weiterzuwachsen. Das Ergebnis waren zwei Hörner, die auffällig denen heutiger Rinder ähnelten.
Kein anderer bisher bekannter Ceratopier hatte auch nur annähernd eine ähnliche Hornkonfiguration.

Und sie rammten doch
Eine kleine, aber spektakuläre Gruppe der Dinosaurier waren die Pachycephalosaurier, zweibeinige Vettern der Ceratopier ohne Hörner, die sich durch ihre extrem dicken Schädel auszeichneten. Jahrzehntelang war es populär, diese Tiere dabei zu zeigen, wie sie mit Anlauf ihre Schädel gegeneinander rammten, um Weibchen zu beeindrucken, Reviere zu verteidigen oder dergleichen. In den 2000er verschwand das zunehmend, da Paläontologen meinten, die Wirbelsäulen der Tiere hätten das nie ausgehalten. Eine Untersuchung von Schädelverletzungen bei unterschiedlichen Arten zeigt aber, dass die Schädelkuppeln wahrscheinlich doch zum Rammen benutzt wurden.

T. rex: Überführt!
Eine der langanhaltendsten Debatten in der Dinosaurierforschung ist die, ob Tyrannosaurus rex ein aktiver Jäger war oder doch eher ein umherstreunender Aasfresser. Ich selbst habe T. rex in Staksigen Schrittes bei einem aktiven Angriff auf einen Edmontosaurus-Brutplatz dargestellt, ein klassisches Beutetier schon zu der Zeit, als diese Entenschnabelsaurier noch Trachodon genannt wurden. Für mich lag das immer nahe, denn wenn T. rex nicht jagte, wogegen haben sich die Ankylosaurier dann gepanzert?
In zwei Schwanzwirbeln eben dieses Tieres nun haben Forscher einen abgebrochenen Tyrannosaurierzahn gefunden. Das interessante daran ist, dass die Knochen um den Zahn ganz klar verheilt war und das über mehrere Jahre. Der Edmontosaurus hatte also den Angriff eines jagenden Tyrannosaurus überlebt.


Windkraft-Update: Die ganze Wahrheit

Gestern abend kam bei mir eine Mail von der Bürgerzeitung Mönchengladbach an, die nach einer Veränderung meiner Position zu geplanten Windkraftanlagen im Westen des Stadtgebietes fragte. Meine heute morgen abgeschickte Antwort wurde von der BZMG postwendend veröffentlicht und das fast vollständig, was zu honorieren ist. Nur am Ende fehlte ein Stück, eine Reaktion auf diesen meiner Meinung nach überaus zweifelhaften Artikel über angeblich in MG nicht vorhandene Unternehmen, die an der Windkraft beteiligt sind.
Damit niemand rätseln muss, was fehlt bzw. wofür die Punkte am Ende des Zitats stehen, hier die volle Mail (minus Anrede- und Grußformeln), Auslassung gefettet:

[…]

Nicht wesentlich, eher im Gegenteil: Der weiterhin näherrückende Braunkohlentagebau mit seinen massiven Auswirkungen und die katastrophale Photovoltaik-Förderpolitik machen die Notwendigkeit der Windenergie zur Überwindung der Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen noch deutlicher.
Die vorhandenen Anlagen bei Wanlo und Venn* zeigen, dass Windkraftanlagen, einmal errichtet, keine nennenswerten Probleme für die Bevölkerung mit sich bringen (jenseits der Ästhetik, welche ein geringer Preis für eine sichere Energieversorgung ist). Man vergleiche dies mit anderen Energiequellen, wie etwa dem auch in Ihrer Zeitung erwähnten Gas (woher hätten Sie’s denn gern? Russische Importe, Fracking oder Biogas?) – einzig die Photovoltaik ist ähnlich unproblematisch.
Natürlich ist das Vorhaben nicht perfekt. Ich würde es fraglos bevorzugen, wenn das Vorhaben von einem Unternehmen umgesetzt wird, an dem nicht massiv die RWE beteiligt sind. Auch ist es wenig innovativ, es sind nach meinem Kenntnisstand einfache Windräder, keine der zahlreichen jungen Technologien in diesem Bereich wie etwa der Einbau von Speichermöglichkeiten über Windgas – da könnte ein Unternehmen mit der finanziellen Ausstattung der NEW mehr leisten. Artenschutzfragen sind auf jeden Fall noch zu klären.
Noch ein Wort, weil es in der Vergangenheit in der BZMG genannt wurde, zur lokalen Wirtschaft: Ich möchte hierzu anmerken, dass große in diesem Bereich tätige Firmen wie Gothe Stahl und die Nexans Kabelwerke in Mönchengladbach oder in der direkten Umgebung in Erkelenz sitzen oder hier Werke unterhalten.

[…]

*Nachtrag: Ich hatte Rasseln versehentlich als Venn bezeichnet. Natürlich ist ersteres gemeint. Das passiert mir bei genau diesen beiden Stadtteilen leider ständig, sorry.


High Noon in der Viktoriastraße

Bereits seit gut 3 Jahren hatte ich in der damaligen Ampel einen Antrag zur Umgestaltung der Radwege an der Viktoriastraße in der Rückhand, der in der Ampel ein paar Mal verhandelt wurde und zwei Mal in Form von Anfragen in der Bezirksvertretung aufkam, aber nie Auswirkungen zeigte.
Nachdem es Anfang 2011 eine Stellungnahme des damaligen Ordnungsdezernenten gab, der die von mir geschilderten Probleme bestätigte und eine „Überplanung“ des Bereichs in Aussicht stellte, hat sich nunmehr immer noch nichts getan.

Die Probleme auf der Viktoriastraße sind umfangreich und die Lösung vieler davon relativ einfach und kostengünstig. Allein durch die Aufhebung des ohnehin ständig als Fußweg genutzten ausschließlichen Radweges auf der Seite des Bahndammes lassen sich hier viele Probleme lösen. Damit der Radverkehr hier optisch im Straßenbild präsent ist, möchte ich als Ersatz einen Schutzstreifen (das sind Radwege mit unterbrochener Linie wie auf der Brunnenstraße) auf dieser Seite einrichten.
Ausserdem soll die unsägliche Regelung aufgehoben werden, dass man im Bereich gegenüber der Einfahrt zum Math-Nat auf dem Bürgersteig aufparken darf, was diesen auf eine Breite von teilweise nur noch 70 cm einschränkt und damit auch als Fußweg vollkommen unbenutzbar macht, sobald man einen Kinderwagen oder volle Einkaufstüten (dort steht ein Aldi) dabei hat.

Alltag auf der Viktoriastraße: Alle Autos parken hier nach Vorschrift. Hinten versucht ein Fußgänger mit Einkaufstüten, den Radweg zu benutzen, der selbst für ihn als Fußgänger zu eng ist. Dass der Fußgänger hier ausserdem nichts zu suchen hat, ignorieren wir mal. Foto: Dieter Rink

Ich bat daher unseren Fraktionssprecher in der BV Nord, diesen Antrag einzureichen, der inzwischen auch auf der Tagesordnung der BV ist:

Beschlussentwurf:
Die BV-Nord beschließt folgende Änderungen im Bereich der Viktoriastraße:

  1. Der benutzungspflichtige Radweg auf dem östlichen Bürgersteig wird aufgehoben und zum Fußweg umgewidmet.
  2. Auf der Straße wird stadteinwärts (auf der östlichen Straßenseite) ein Schutzstreifen für Radfahrer angelegt.
  3. Auf dem verengten Teilstück der Straße wird die Regelung zum Parken auf dem östlichen Gehweg aufgehoben und durch ein Parkverbot ersetzt.

Begründung:
Der stadteinwärts führende Radweg auf der Viktoriastraße ist durch die Enge, ständige Benutzung durch Fußgänger, zu umfahrende Hindernisse (Schilder, Oberleitungsmasten der Bahnanlage, herabhängende Ranken, Abfall im Bereich der Wertstoffcontainer, parkende Autos auf einem Teilstück) und die schlecht einsehbare Einfahrt der August-Oster-Straße nicht gefahrlos als Radweg zu benutzen. Ortskundige Radfahrer meiden ihn und nutzen die Fahrbahn.
Da die Nutzung durch Fußgänger aufgrund der auf ganzer Länge vorhandenen Parkbuchten und des auf dieser Straßenseite liegenden Supermarktes nicht ohne Verlust von benötigtem Parkraum verhindert und die bauliche Situation nur mit hohem Aufwand verbessert werden kann, ist die Verkehrsführung entsprechend anzupassen.

Der Weg wird zudem im verengten Teilstück der Straße südlich der Einfahrt des Discountmarktes durch parkende Fahrzeuge auf stellenweise weniger als einen Meter Breite verengt, sodass er auch als Fußweg untauglich ist, wie der Ordnungsdezernent bereits im Januar 2011 auf eine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen feststellte. Zugleich verbessert ein Parkverbot an dieser Stelle die Halte- und Aussteigemöglichkeiten für den Zubringerverkehr zum Mat.Nat.-Gymnasium, zu dem hier eine Einfahrt abgeht.

Soweit so gut, hat ja lange genug gedauert, den auf der Tagesordnung zu sehen.
Das Vorhaben löst fraglos nicht alle Probleme, aber jene, die mE drängen und relativ einfach und kostengünstig zu lösen sind. Nebenbei entwirrt es auch ein wenig die Radwegeführung direkt am Aldi (es geht ein Radweg rechts ab, der ist aber nicht zu nutzen, da er die Auffahrrampe von der Theodor-Heuss-Straße in umgekehrter Richtung ist. Radfahrer auf der Viktoriastraße sollen daran vorbei gradeaus bis zur Fliethstraße fahren, was aber nicht eben leicht zu erkennen ist)

Verwunderlich ist nun der aus heiterem Himmel auftretende Antrag der SPD in der selben Sitzung, ebenfalls zur Viktoriastraße:

Beschlussentwurf:
Die Bezirksvertretung Nord beschließt:

Die BV bittet die Verwaltung die Viktoriastraße in die Tempo 30 Zone einzubeziehen und Möglichkeiten zur baulichen Akzentuierung der 30er Zone vorzustellen.

Begründung:
Die Rad- und Fußwegeführung in der Viktoriastraße ist problematisch. Durch Einbeziehung in die Tempo 30 Zone kann auf die gesonderte Ausweisung der Radwege verzichtet werden.

Es scheint notwendig, kleinere bauliche Maßnahmen zur Unterstützung dieser Regelung vorzunehmen.

(Fehlende Kommas und Bindestriche aus dem Original übernommen)

Ein interessanter Vorgang. Am selben Tag wie wir stellt die SPD plötzlich einen Antrag zu einem Thema, zu dem man bisher von ihr noch nicht das geringste gehört hat. Dieser ist zudem unübersehbar mit heisser Nadel gestrickt.
Stilistisch ist natürlich interessant, dass der Grüne Antrag klare Problemlösungen vorstellt wohingegen der SPD-Antrag mE noch nicht einmal darauf schließen lässt, dass das Problem korrekt analysiert wurde. Es liest sich eher wie „die blöden Radwege stören, wie werden wir die los?“

Wie dem auch sei, es spricht vom Stil abgesehen mE nicht viel dagegen, diesem Ansinnen zuzustimmen. Es ist fraglich, ob an der schlecht einsehbaren Kreuzung Viktoriastraße/August-Oster-Straße eine in 30er-Zonen typische Rechts-vor-Links-Regelung eine gute Idee ist, aber das wird man klären können. Unklar ist mir noch, warum die SPD den Radweg auf beiden Seiten aufheben will, der Weg in Richtung Brunnenstraße ist ja für sich betrachtet völlig in Ordnung, von genau einem Schlenker um einen Baum herum abgesehen. Sachlich ist unklar, ob eine 30er-Zone ein so markantes Bauwerk wie eine aufgemauerte Bahntrasse einfach überspringen kann.
Damit hat sich unser Antrag ohnehin nicht erledigt – der Bürgersteig im verengten Straßenstück ist immer noch nicht als solcher benutzbar, wenigstens Punkt 3 des Grünen-Antrages ist also weiterhin nötig, egal wie der SPD-Antrag beschieden wird.

Was bleibt ist das Gschmäckle des Vorganges.

Nachtrag: Da der Antrag hierzu nicht klar ist, die im SPD-Antrag gemeinte 30er-Zone ist (wahrscheinlich) jene auf der anderen Seite der Bahngleise zwischen Eisenbahnanlage, Rheydter Straße und Theodor-Heuss-Straße.