Paläo Pfreitag 6

Mars: Scheiss Wetter
Die Erde ist nicht der einzige Planet mit einer interessanten Vergangenheit und so geht es diesmal zu unserem roten Nachbarn in tiefster, noch nicht ganz so roter, Vergangenheit.
Dass es auf dem Mars einst flüssiges Wasser gab, gilt inzwischen als erwiesen. Unklar ist noch, wie es sich auf dem Mars verhielt und woher die Flusstäler und Rinnsale stammen, die man auf dem Mars kennt. Mit Hilfe einer Wettersimulation konnten Forscher der Brown Universität zeigen, dass die Flüsse von Niederschlägen gespeist wurden.
Die bekannten Flüsse entstanden genau dort, wo in der Simulation Winde an Bergketten endeten. Das deutet darauf hin, dass es einst Wolken gab, die sich hier sammelten und dann abregneten, ähnlich wie auf der Erde in einigen Regenwäldern in großer Höhe.
Ich persönlich finde noch etwas anderes interessant, wenn ich die Bilder ansehe: Die Flüsse mäandrieren. Normalerweise werden Flüsse mit der Zeit zunehmend grade, wenn sie nicht befestigt werden, auf der Erde hauptsächlich durch Baumwurzeln und andere Pflanzen.

Strahlenflosser verbreiteten sich sehr schnell
Strahlenflosser sind all jene Knochenfische, deren Flossen direkt am Körper ansetzen. Sie bilden damit den Gegensatz zu jenen Knochenfischen, deren Flossen auf beinartigen Gliedmaßen sitzen (Quastenflosser und Lungenfische). Lange Zeit wurden die Wasser vor allem von Quastenflossern und Haien dominiert, aber mit dem großen Massensterben am Ende des Devon drehte sich das Verhältnis plötzlich um und die Strahlenflosser übernahmen die Vorherrschaft.
Die neu identifizierte Gattung Fouldenia liefert einen Hinweis, was damals passiert ist: Nachdem das größte Massensterben der Erdgeschichte vor etwa 360 Millionen Jahren 90% aller Tierarten ausrottete waren die Strahlenflosser schlichtweg diejenigen, die am schnellsten neue Arten entwickelten und so Plätze im Ökosystem für sich besetzten. Dass ein Spezialist wie der Muschelfresser Fouldenia „nur“ 11 Millionen Jahre nach einem so großen Massensterben auftaucht zeugt davon, dass die Strahlenflosser in kurzer Zeit extrem unterschiedliche neue Arten hervorbrachten.
Die Quastenflosser wurden danach zwar deutlich seltener und haben heute nur noch zwei vom Aussterben bedrohte Nachfahren in der Tiefsee, aber sie haben zu dieser Zeit noch eine andere Gruppe Abkömmlinge hervorgebracht: Die Fischlurche, die vor dem Massensterben auf das Festland auswichen und aus denen die ersten Amphibien und schließlich alle Landwirbeltiere entstanden, und eingeschlossen. Und über die ich ein eBook geschrieben habe, was ich hier schamlos bewerbe, siehe links.

Neue kreidezeitliche Riesenschildkröte
Kommen wir zur dieswöchigen neuen ausgestorbenen Spezies: Von der riesigen Meeresschildkröte Ocepechelon bouyai ist leider nur der Schädel bekannt, aber er ist verdammt groß und zudem sehr ungewöhnlich – das spitz zulaufende, relativ kleine Maul ist bei keiner heutigen Meeresschildkröte bekannt.

Schädel von Ocepechelon bouyai (Bardet N et al)

Oreopithecus: Mehr Affe als Mensch
Es gibt Fragen, bei denen Wissenschaftler immer noch seltsam herumdrucksen. Etwa jene, ob der Mensch vom Affen abstammt. Dann wird ganz schnell etwas vom „gemeinsamen Vorfahren“ erzählt, so als sei dieser irgendwie kein Affe. Klar, wir stammen nicht von den heutigen Affen ab, weil es die ebensowenig wie uns gab, als die Menschen sich als eigene Gruppe von Primaten entwickelten.
Dennoch war der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse wohl am ehesten ein Affe.
Forschung an der Wirbelsäule eines der ältesten Vormenschen, Oreopithecus, bestärkt diesen Eindruck: Das Tier war anders als vermutet kein aufrechter Läufer, sondern konnte nur kurze Strecken auf den Hinterbeinen zurücklegen, so wie es heute auch Schimpansen tun, wenn sie beispielsweise Nahrung umhertragen.
Der dauerhaft aufrechte Gang kam offenbar erst später, unsere Vorfahren jedenfalls waren nach jeglichem Maßstab äffisch.
Wobei dazu gesagt werden muss, dass Oreopithecus kein direkter Vorfahre des heutigen Menschen war, sondern eine eigene Menschenaffenspezies, die vor 9-7 Millionen Jahren in Italien lebte, das damals eine Insel war. Er starb aus, als Italien zum Festland wurde und neue Raubtiere (Säbelzahnkatzen, Wölfe und Bären) aus Europa einwanderten.