Hausortografie

Kommen wir zu etwas, was ich schon lange schreiben wollte und wozu es jetzt einen konkreten Anlass gibt, dies endlich zu tun: Meine Rechtschreibung. Wie einigen aufgefallen sein wird, weicht diese stellenweise deutlich von jener des Duden ab. Nicht in der radikalen Form einiger anderer wie etwa der konsequenten Kleinschreibung von allem, die durchaus ihre Bef√ľrworter hat, sondern in einzelnen Regeln, die ich in der aktuellen Rechtschreibung schlichtweg f√ľr falsch oder inkonsequent halte.
Der Duden ist ein Menschenwerk und als solches nicht vor Fehlern gefeit. Das gilt insbesondere, da es sich um ein Regelwerk in Bezug auf Sprache handelt, ein System, welches ohnehin st√§ndigem Wandel unterliegt. Dieser Wandel schert sich meist wenig um Rechtschreibung, denn Rechtschreibung ist eigentlich nicht Teil der Sprache, sondern nur ein System zu deren Wiedergabe. Eigentlich, weil es durchaus Wechselwirkungen gibt, aber das ist jetzt nicht Tema. Sonst schreib ich am Ende noch einen kompletten Meter Text √ľber die Aussprache des g in richtig.
Das will keiner und somit komme ich zur√ľck zum Tema, meine (bewusst so geschriebene) Hausortografie. Die wichtigsten Punkte in denen ich abweiche, ohne spezielle Reihenfolge, jeweils mit Begr√ľndung:

ss/ß
Lasst mich kurz ausholen, denn um das zu erkl√§ren muss ich leider ein bisschen in die Sprachwissenschaft tauchen (leider f√ľr euch, ich genie√üe das Tauchen in dieser Disziplin).
Ein Diphtong ist ein Laut, der sich aus zwei Vokalen zusammensetzt (oder genauer, einem Vokal und einem zum Halbvokal reduzierten Folgevokal). Der eindeutigste Unterschied zwischen einem Diphtong und einer einfachen Abfolge von zwei Vokalen ist der, dass ein Diphtong nur eine Vokallänge hat.
Eine Vokallänge ist ist ein sprecher- und sprachabhängiges Merkmal, welches definiert ist als die Sprechlänge eines kurzen Vokals (oder eines Vokals, wenn eine Sprache keine kurzen und langen Vokale unterscheidet, wie es etwa im Italienischen der Fall ist).
Somit ist ein Diphtong per Definition ein kurzer Vokal.
Bei der Rechtschreibreform entschied die Kommission, die ß hinter kurzen Vokalen zu ss umzuwandeln und hinter langen Vokalen zu belassen, um eine eindeutigere Lautzuordnung herzustellen. Das Problem hierbei ist, dass man die Diphtonge wie lange Vokale behandelte und ihnen ebenfalls das ß beließ.
Das ist schlichtweg unlogisch und inkonsequent. Man kann das √ü hier problemlos abschaffen und ich bin daf√ľr, diesen immer wieder problematischen Buchstaben (u.a. fehlende Majuskelform, Schreibung mit nicht-deutschen Tastaturen) m√∂glichst weit zu reduzieren. Eine Abschaffung des √ü ist nicht m√∂glich, da ss immer einen vorhergehenden kurzen Vokal und s zwischen Vokalen einen stimmhaften Laut [z] impliziert.

th/ph/rh und andere stumme Laute
So ziemlich das Erste, was Kinder in der Schule lernen ist, dass man Wörter im Deutschen so spricht, wie man sie schreibt. Das Zweite ist, dass dies häufig nicht stimmt, denn niemand spricht Phantasie mit einem behauchten p (altgriechisch) oder einem bilabialen f-artigen Laut (neugriechisch), schon deswegen, weil diese Laute im Deutschen gar nicht als eigene Laute existieren.
Als Grund hierf√ľr wird gerne genannt, dass die entsprechenden W√∂rter in der Tradition ihrer urspr√ľnglichen Herkunft stehen.
Damit gibt es zwei Probleme.
Zum einen sind Geschichte und Tradition grunds√§tzlich zwar gute Erkl√§rungen f√ľr einen gegenw√§rtigen Zustand, aber in der Regel keine sonderlich guten Begr√ľndungen f√ľr die Frage, ob dieser Zustand gut oder erstrebenswert ist. Erfahrungen aus der Geschichte k√∂nnen gute Begr√ľndungen sein, aber ich sehe keine Erfahrungen in der Geschichte irgendeines Rechtschreibsystems, welche nahelegen w√ľrden, dass es eine gute Idee ist, einzelne W√∂rter abweichend von allen anderen W√∂rtern einer Sprache zu schreiben. Eine Ausnahme k√∂nnen W√∂rter bilden, deren Ursprung so verschieden vom Deutschen ist, dass eine Anpassung nicht m√∂glich ist (wie etwa bei „fauxpas“ oder „download“).
Zum anderen ist es nicht so, als w√ľrden wir damit echte Autentizit√§t erreichen: Wir schreiben weder Rhythmos noch Orthographia, sondern Rhythmus und Orthographie. Die ganze Sache mit der autentischen Schreibung ist Augenwischerei, weil praktisch alle damit gemeinten W√∂rter ohnehin nicht mehr autentisch sind. Die gr√∂√üte Ironie in diesem Satz ist, dass Authentizit√§t und die Ableitungen davon (insbesondere das Adjektiv authentisch) so ziemlich die besten Beispiele sind, wie wenig die W√∂rter nach der grammatischen Adaption ins deutsche noch mit ihren einstigen Urspr√ľngen gemein haben.

Nichts ist gewonnen, wenn die alten Schreibungen beibehalten werden, aber die Rechtschreibung wird deutlich einfacher und klarer, wenn wir sie abschaffen.
Daher sind abzuschaffen: th, ph, rh. Als eine Ausnahme verbleibt (vorl√§ufig) Thron, da ein die Aussprache besser wiedergebender „Trohn“ ein in seiner Radikalit√§t zu abschreckender Wandel w√§re. Unber√ľhrt bleiben hiervon V√∂lker- und L√§ndernamen (Thai, Bhutan).
Ebenso verschwinden die stummen e in Wörtern wie Spontaneität und gerade. Dieser letzte Teil ist dudenkonform, aber im Duden nur als eine Option gelistet.
Diese √Ąnderungsregeln gelten nur f√ľr W√∂rter, die in Aussprache und Grammatik vollst√§ndig in die deutsche Sprache integriert wurden. Ebenso nicht betroffen sind Fachbegriffe aus der Wissenschaft wie beispielsweise Methan.

Großschreibung von Adjektiven
Das Deutsche hat eine dermaßen inkonsistente Verwendung der Groß- und Kleinschreibung bei Adjektiven, dass ich es ernsthaft als Hinweis erachte, dass diese Wortkategorien in den germanischen Sprachen nicht annähernd so deutlich abgegrenzt sind, wie uns in der Schule glauben gemacht wird (das Englische kann im Gegenzug in der Umgangssprache die meisten Substantive in bestimmten Kontexten als Adjektive nutzen, insbesondere Personennamen).
Die Rechtschreibreform hat das alles andere als verbessert. Ein Adjektiv kann nicht länger dadurch erkannt werden, dass es die Eigenschaften eines zugehörigen Substantivs näher beschreibt, sondern es gibt jetzt eine lange Liste von Situationen, in denen man Adjektive großschreibt. Die darf man dann lernen, weil sie sich logisch nicht erschließen. Mal sind es tatsächliche Substantivierungen (die Eigenschaft wird als Konzept oder Objektbezeichnung angesprochen, nicht als Eigenschaft von einem Objekt: das Gute, das Gelb, ein Doppelter), mal sind sie dies nicht (etwas Gelbes ist ein Etwas mit der Eigenschaft gelb, Gelb bezeichnet hier nicht die Eigenschaft selbst und vertritt auch kein Objekt, denn diese Funktion fällt dem etwas zu).

Somit gilt: Alle Adjektive werden kleingeschrieben, sofern nicht einer der folgenden Fälle vorliegt:
1) Es handelt sich um ein Adjektiv in der Rolle eines Substantivs, steht also entweder allein („Gelb ist eine Farbe“) oder mit einem Artikel („Das ist ein sch√∂nes Gelb“)
2) Es handelt sich um den Bestandteil eines Namens oder einer feststehenden Bezeichnung („Der Heilige Stuhl“, „Der Zweite Weltkrieg“)
3) Bezeichnungen f√ľr Sprachen, sofern diese nicht eindeutig als Adjektiv vewendet werden („auf Deutsch“, aber: „ein deutsches Wort“)

Getrennt- und Zusammenschreibung
Der eine Bereich, in dem weder alte noch neue Rechtschreibung irgendeine klare und eindeutige Regelung gefunden haben ist die Frage der Zusammen- und Getrenntschreibung. Die Regeln in beiden Systemen klingen genau so lange eindeutig, bis man anfängt sie anzuwenden.
Die Sache ist die, dass es extrem einfach ist, dies alles mit einer Regel abzudecken. Diese lautet:
„W√∂rter werden grunds√§tzlich getrennt geschrieben, es sei denn, die Zusammensetzung wird grammatisch und/oder lexikalisch als komplett eigenes Wort behandelt.“

Das bedeutet im einzelnen, Zusammenschreibungen mehrerer Wurzeln finden nur statt, wenn:
1) Die Zusammensetzung eine Bedeutung hat, die sich nicht allein aus dem Aufeinanderfolgen der Bestandteile ergibt. Dies gilt f√ľr alle Adjektiv-Substantiv-Zusammensetzungen, aber auch f√ľr kleinschreiben (so statt So), welches eine andere Bedeutung hat als klein schreiben (so statt so).
2) Bei Zusammensetzungen, die als Adjektive dienen, wenn diese als eine Einheit konjugiert und gesteigert werden. Also beispielsweise vielversprechend, weil es als vielversprechender gesteigert wird, nicht als mehr versprechend.
3) Wenn eine Getrenntschreibung zu einem grammatisch falschen Satz f√ľhren w√ľrde, beispielsweise anstelle, weil an Stelle durch den fehlenden Artikel falsch w√§re.

Und das sind die wesentlichen Punkte meiner Hausortografie, wo sie vom Duden abweicht.
Es ist eine gem√§√üigte Fassung fr√ľherer Ideen zur radikalen Vereinfachung der deutschen Rechtschreibung nach dem Vorbild der vollkommen phonetischen Systeme, wie sie im Italienischen und Russischen vorkommen. Ich werde nicht das ck durch kk ersetzen, nicht das q abschaffen, nicht ks ausschreiben und x statt dessen f√ľr die beiden ch-Laute des Deutschen verwenden und auch nicht ts schreiben um das z f√ľr den stimmhaften alveolaren Frikativ verwenden zu k√∂nnen.
All das w√§re durchaus sinnvoll, w√ľrde aber eine so radikale Ver√§nderung unseres Schreibsystems darstellen, dass die gegenseitige Verst√§ndlichkeit der Leser und Verfasser neuer und alter Texter gef√§hrdet w√§re. Gegenseitige Verst√§ndlichkeit aber ist die Grundlage jeder Sprache.
Diese erlaubt in einem gewissen Ma√üe verschiedene Rechtschreibungen, so wie sie in gewissem Ma√üe auch regionale Besonderheiten und Einf√§rbungen der gesprochenen Sprache erlaubt. Wichtig ist dabei, dass die Unterschiede nicht willk√ľrlich zusammengew√ľrfelt werden, sondern auf Systemen beruhen, die jeweils in sich logisch sind.
Es mag damit zu tun haben, dass meine Oberstufenzeit genau mit der Rechtschreibreform zur Jahrtausendwende zusammenfiel, dass ich die Vorschläge des Duden nicht als die allein mögliche Wahrheit betrachte. Der allgegenwärtige Streit um die Richtigkeit der Rechtschreibung war ein Tabubruch, der allgemein meinen Umgang mit weitgehend unhinterfragt akzeptierten Regeln prägte.
Ich kann 100% dudenkonform schreiben, aber ganz im Ernst: Warum sollte ich? Der Duden ist nur ein Buch. Dinge sind nicht automatisch wahr oder richtig, nur weil sie in einem Buch stehen, denn Papier ist geduldig.

PS: Dass es keine Missverst√§ndnisse gibt, die Rezension von W.R. Frieling freut mich als solche und in ihrer Gesamtwertung sehr, es ist letztlich mein Fehler, diese Regeln nie √∂ffentlich ausformuliert und begr√ľndet zu haben. Ich w√ľrde im Traum nicht daran denken, mich √ľber eine 4-Sterne-Bewertung zu mokieren.


eBook-Erotika

Einer der gro√üen Vorteile des eBooks ist, dass sich auch geringste Auflagen noch lohnen, insbesondere f√ľr Selbstverleger. Und selbst, wenn es sich nicht lohnt, lockt der aktuelle Hype genug Autoren, um es zu versuchen. Das bedeutet, dass auch kleinste Nischen bedient werden k√∂nnen, was dann sowohl Kunden als auch Autoren freut. Doch wie extrem kann das werden?
Um das zu sehen nehme ich einfach die größte aller Industrien dazu, das Geschäft mit dem Sex. Liebesromane haben ja bereits einige wirklich absurde Subgenres (Zeitreise- und Vampirromanzen sind eigenständige Kategorien mit Kinoverfilmungen und allem), aber was passiert, wenn wir uns ein Genre ansehen, das jetzt schon alle nur erdenklichen Nischen bedient? Was passiert, wenn wir den nischenreichsten Markt der Welt noch nischenreicher machen?
Ganz einfach: eBook-Erotika! In einer Welt, in der Hentai allgemein bekannt ist und Rule 34 eines der Grundprinzipien des Internet ist, wie viel seltsamer kann es noch werden?
Sex mit Monstern und Dinosauriern ist ja grade etwas in die Schlagzeilen gekommen, dabei ist das wirklich vergleichsweise harmlos und vor allem normal. Vergleichsweise.
Da ich t√§glich f√ľr eBooksfuerlau die Listen durchst√∂bere sto√üe ich da nat√ľrlich auf so einiges. Ich muss nicht einmal suchen. Hier sind die abgefahrensten Beispiele, die ich bisher finden konnte.

Eine Regel: Keine Fanfiction. Ich weiss, es gibt explizite Fanfiction von so ziemlich allem. Von Twilight-BDSM in Millionenauflage zu der ich bereits etwas geschrieben habe bis zu Human Centipede mit Erdbeersperma. Wenn ich damit anfange, wird dieser Artikel nie fertig.

Vielleicht liegt es an der geringeren Gr√∂√üe des deutschsprachigen Marktes oder daran, dass dieser relativ neu ist, aber die deutschsprachigen Werke in dieser Kategorie waren alle relativ zahm. Ab und an mal etwas BDSM oder Vampire und Werw√∂lfe, aber alles im Rahmen entweder √ľblicher literarischer Erotik oder mehr oder weniger bekannter sexueller Vorlieben.
So fällt Scharfe Schnitte denn auch weniger durch ungewöhnliche Vorlieben als durch eine aussergewöhnliche Story auf: Eine Prostituierte hilft einem Ermittler bei der Suche nach einem Mörder, dessen einziges bekanntes Erkennungsmerkmal ein auffälliges Intimpiercing ist.
Seltsam, aber nicht wirklich etwas, was man nicht in einem x-beliebigen Sexshop finden kann, wenn man nur lang genug sucht. Der Rest der Liste kann das problemlos steigern.
Nur f√ľr Kindle

Zum letzten Eintrag in dieser Liste, der dramaturgisch Sinn macht. Elmore DeVille hat sich dem Genre erotische Fantasy verschrieben, also im Grunde richtige Fantasy, in der Sex halt eine besonders prominente Rolle spielt.
Herausragendes Beispiel dieses Stils ist Nymph Mania. Der Punkt ist der, dass in der Welt Eletain Magie eine Art Nebenwirkung von Sex ist. Beim Sex wird die Magie der Partner entfesselt und zu mächtigen Zaubern kombiniert. Und selbstverständlich gibt es in dieser Welt andauernd magische Duelle.
Das ist offengestanden ein ziemlich gutes Beispiel f√ľr das Potenzial, das wirklich kreativ eingesetzter Sex in fiktionalen Welten hat. Es ist auch das einzige Werk in dieser Liste, f√ľr das ich ohne Z√∂gern Geld ausgeben w√ľrde.
Kindle-Version bei Amazon
Diverse Formate bei Smashwords

Okay, einen Titel aus der Sparte Dinosaurier-Erotika hab ich dann doch in dieser Liste. Der Punkt hier ist Balaur: Ein obskurer Cousin des Velociraptor aus Rum√§nien mit zwei der ber√ľhmten Sichelklauen der Raptoren an jedem Fu√ü. Einen ausserhalb von Fachkreisen fast v√∂llig unbekannten Dromaeosaurier zum Titelstar eines eBooks zu machen ist einfach eine so seltsame Entscheidung.
Andererseits war Velociraptor vor Jurassic Park auch bestenfalls als der kleine Bruder von Deinonychus bekannt.
Ein praktisches Problem bei der ganzen Sache ist, dass Dinosaurier wahrscheinlich √ľberhaupt keine zur Penetration irgendwelcher K√∂rper√∂ffnungen geeigneten K√∂rperteile hatten. Andererseits ist der Dino auf dem Titelbild definitiv ein Mann in einem Dinosaurierkost√ľm – man beachte die zus√§tzlichen Beine, die da aus den Knien ragen. Aber ”Sex mit einem Mann in einem Dinosaurierkost√ľm“ klingt irgendwie langweilig. Vergleichsweise.

Weiterlesen »