Papierfrei: Meine kleine Medienrevolution

Unter all den persönlichen Entwicklungen des Jahres 2013 staune ich selbst am meisten ĂŒber diese: Abgesehen von einem Taschenkalender, SprĂŒhschablonen und Bastelbögen habe ich keinerlei Verwendung mehr fĂŒr Papier. Was ich an Papier besitze, sofern es nicht in Buchform oder als Verpackungsmaterial ist, liegt nutzlos in irgendwelchen Schubladen, auf eine Nutzung wartend, die wohl nie eintreten wird. Jedesmal, wenn ich etwas ausdrucken will (ganze 2x in diesem Jahr) ist das letzte Mal so lange her, dass die Tintenpatronen völlig eingetrocknet sind und nicht mehr funktionieren.
Papier liegt hier rum wie es zuvor diverse Diskettenformate (5¼, 3½ Zip) getan haben, wie es jetzt die durch USB-Sticks ebenso obsolet gewordenen CD- und DVD-Rohlinge tun. Wie diese und wie diverse Videospielmodule, Vinylplatten und Kassetten, ist es fĂŒr mich zu einem Relikt der Vergangenheit geworden. Und anders als so viele sehe ich die Vergangenheit zwar als interessant und wichtig, aber keineswegs als erhaltenswert an, denn sie ist ihrem Wesen nach vergangen, jeglicher Erhalt von Vergangenem letztlich eine LĂŒge, denn wer Vergangenes erhĂ€lt, erhĂ€lt nicht die Vergangenheit, sondern ein durch seine Anwesenheit in der Gegenwart bzw. die Abwesenheit seines einstigen Kontextes verzerrtes Echo dieser.
Das gilt in ganz besonderem Maße fĂŒr Medien.

Ich habe keinerlei Nostalgie fĂŒr TrĂ€germedien.
Ein gutes Medienprodukt (ich nutze den Begriff, um die Frage der Definition von „Kunst“ zu umgehen) ist eines, welches sein TrĂ€germedium irrelevant macht. Nicht seine Medienart: Ein Text bleibt ein Text, ein Spiel bleibt ein Spiel usw.
Wohl aber sein Medium, denn ein gutes Werk steht fĂŒr sich, bringt den Leser/Zuschauer/Hörer/Spieler/usw. dazu, alle Sinne auf das Mediierte selbst zu konzentrieren. Solaris von StanisƂaw Lem bleibt das selbe großartige Buch, ob nun in Form eines Codex, einer Schriftrolle oder auf einem eReader. Zu Marshall McLuhans „The medium is the message“ komme ich ĂŒbrigens auch noch, heute nur so viel: McLuhan widerspricht mir hier nicht (nunja, nicht wirklich), denn McLuhans Blickwinkel ist ein völlig anderer.
Ein Werk, das dies nicht schafft, ist es ohnehin nicht wert, erneut gelesen/gesehen/gehört/gespielt zu werden. Wobei es zugegebenermaßen noch die Option gibt, dass ein TrĂ€germedium eine Fehlkonstruktion fĂŒr die Wiedergabe einer bestimmten Medienart ist.

Eine viel zu lange Art um zu sagen, dass ich 2013 BĂŒcher auf Papier nur noch antiquarisch gekauft habe, wenn es billig war oder keine andere Option gab. Sie sind schwer, nehmen Platz weg und UmblĂ€ttern ist so ziemlich die umstĂ€ndlichste Art, eine Seite zu wechseln, die es gibt. Überhaupt, das UmblĂ€ttern: Wenig stört so sehr den Lesefluss und damit das Eintauchen in die Geschichte eines Texte wie diese vollstĂ€ndige Unterbrechung des Lesens am Ende jeder zweiten Seite.
Eine Tageszeitung nutze ich ĂŒbrigens schon lange nicht mehr, einfach weil der Anteil der Informationen in einer solchen, die fĂŒr mich sowohl neu als auch interessant sind so verschwindend gering ist, dass sich die Anschaffung nicht lohnt.

Warum der Medienexkurs?
Nun, weil die BĂŒcher hier nicht alleine stehen. Auch bei Filmen und Videospielen ist mir nach langem Widerstand klar geworden, dass es völlig egal ist, ob das Medium von einem Modul, einer DVD/BD oder von der Festplatte lĂ€uft, ich sehe es letzten Endes ja eh auf dem selben Bildschirm und was wĂ€hrenddessen im AbspielgerĂ€t vor sich geht, davon bekomme ich so oder so nichts mit.
Dazu, wie sehr das Ins-Regal-Stellen ĂŒberbewertet ist, habe ich schon vor ĂŒber einem Jahr etwas geschrieben und daran hat sich bisher nur unwesentlich etwas geĂ€ndert.

Nachtrag, 29. 12. 2013
Jetzt habe ich mich doch etwas stĂ€rker auf BĂŒcher konzentriert, als ich eigentlich wollte.

Aber es ist auch die aktive Nutzung: ich notiere mir nichts mehr auf Papier. TatsÀchlich notiere ich gar nichts mehr, ausser Telefonnummern.
Ich bin zu der Überzeugung gelangt dass jenes, was man sich nicht merken kann es auch nicht wert ist, aufgeschrieben zu werden. Einkaufslisten brauche ich nicht un was Ideen angeht, da gilt das ganz besonders: Eine Idee erkenne ich daran als gut, ob ich sie mir merke, ohne sie zu notieren.
Eine Idee, ein Gedanke, der nicht interessant genug ist, dass er sich fĂŒr ein-zwei Tage im GedĂ€chtnis hĂ€lt, der ist nicht interessant genug, ihn mit der Welt zu teilen.


Politische KW 51/2013

Vorab: Die Politische KW 50/2013 fĂ€llt aus, weil ich in dieser Woche nur nicht-öffentliche Sitzungen (RechnungsprĂŒfungsausschuss und Vergabeausschuss) hatte.

Montag: Fraktionssitzung
Ich sollte vielleicht ein Thema der letzten Fraktionssitzung ansprechen: Der Segelflugplatz in Wanlo. Dazu hat ja ein Fraktionsprotokoll Presse-Aufsehen erregt.
Dazu ist etwas klarzustellen: Wir haben auf unserer Fraktionssitzung am letzten Montag das Gegenteil beschlossen. Was Reiners da mit Verweis auf Hajo Siemes zitiert hat, war kein Beschluss, sondern eine Empfehlung aus einer nicht beschlussfÀhigen Sitzung.
Dass Reiners ĂŒberhaupt aus einem Protokollausschnitt einer Fraktionssitzung in dieser Weise zitiert, ist eine Stillosigkeit, die ich von ihm so nicht erwartet hatte. Aber das wiederum gehört in den Mittwoch.

Mittwoch: Rat
So, der Mittwoch. Fangen wir zunÀchst mit den anderen wichtigen Themen an.
Da wĂ€re zunĂ€chst der Hornbach in der City-Ost. Das war auch ein interessanter Vorgang. Der Rat sollte beschließen, dass der Bauvoranfrage des Investors positiv beschieden werden sollte. Das ist interessant, weil dies ĂŒberhaupt nicht Aufgabe der Politik ist: Das Bauamt macht so etwas normalerweise in Eigenregie, es handelt sich ja nur um eine Auskunft fĂŒr den Bauherrn in spe, ob sein Vorhaben rechtlich machbar ist.
Das ganze hat ja eine etwas lÀngere Geschichte (ich will das schwarz-gelbe Klopapier ja nicht stÀndig verlinken, aber es ist halt die einzige halbwegs brauchbare lokale Nachrichtenquelle) mitsamt Rechtsstreit usw.
Nun also soll die Politik nicht nur entscheiden, die Bauvoranfrage zu bescheiden, sondern dies sogar positiv zu machen. Ob der Bescheid positiv ist, ist aber ĂŒberhaupt keine Entscheidung, die die Politik zu treffen hat. Mein GefĂŒhl: Da wollte jemand Verantwortung und vor allem Haftbarkeit abwĂ€lzen.
Nach langer Diskussion hat der ObeerbĂŒrgermeister die Vorlage zurĂŒckgezogen und soll jetzt ĂŒber den Kauf des GelĂ€ndes durch die Stadt verhandeln, damit diese dort selbst planen kann.

Dann war da noch die GEM. Ewig langes Thema, offenbar ist jeder dafĂŒr, die GEM vollstĂ€ndig in den Besitz der Stadt zu holen, nur ĂŒber das „wie“ herrscht erhebliche Uneinigkeit.
Ich erwartete eine (erneut) ewig lange Diskussion, doch dann kam Bude mit einem Vorschlag der EGN, dem zweiten Besitzer der GEM mit der Stadt Mönchengladbach. Diese bot an, sich nur zum Teil direkt auszahlen zu lassen und den Rest des Kaufpreises durch AbfĂŒhrung von Dividenden aus der GEM an die EGN zu zahlen. Einen Ă€hnlichen Vorschlag hatte zzuvor schon die CDU gemacht.
Das war dann allgemein annehmbar und so gab es ohne Diskussion einstimmige Zustimmung (soweit ich mich erinnern kann, kann sein, dass ich hier ein paar Gegenstimmen ĂŒbersehen habe). 30 Sekunden statt einer erwarteten Stunde.

Jetzt doch noch zum Segelflugplatz Wanlo.
CDU/FWG/SPD hatten beantragt, am Segelflugplatz jeglichen Motorbetrieb auszuschließen. Wer sich mit Segelflug ein wenig auskennt weiss, dass das im flachen Land Unfug ist. Ein Segelflugzeug muss ja irgendwie in die Luft kommen.
Entweder man schiebt es einen steilen Hang hinab (ein interessanter Zweitgebrauch des Braunkohlentagebaus, der aber wohl ganz im Ernst nicht tief genug ist), oder man zieht es hoch. Letzteres geht per Hilfstriebwerk, Schleppflugzeug oder Ziehen per Winde. Die Winde ist ĂŒbrigens auch nicht handgekurbelt.
Die Motoren dĂŒrfen dabei per gesetzlicher Vorgabe 60 dB nicht ĂŒberschreiten – eine LautstĂ€rke, die nach allen Definitionen innerhalb des Begriffs „ZimmerlautstĂ€rke“ liegt. Der Testbetrieb verlief vollkommen problemlos, kaum jemand hatte diesen auch nur bemerkt. Von den Initiatoren des Protestes gab es gegenĂŒber den Flugplatzbetreibern sogar die Bitte, man möge vor dem nĂ€chsten Testlauf Bescheid sagen, damit man den auch mitbekommt. Muss wahnsinnig laut sein, wenn die Leute den Betrieb nicht einmal mitkriegen, ohne ihn vorher angekĂŒndigt zu bekommen.
Aber wie das so ist, sie hatten mit „Motorflug“ ein Reizwort entdeckt und sich dann einfach mal aufgeregt. Die Antragsteller haben dann mal eben einen unsinnigen Antrag aus dem Ärmel geschĂŒttelt.
Überhaupt, die Abstimmung: Die FDP erklĂ€rte den Antrag (vollkommen zutreffend) fĂŒr Unfug, stimmte aber um des lieben Friedens Willen zu. Das war noch nicht bizarr genug und so erklĂ€rte die SPD zu ihrem eigenen Antrag sinngemĂ€ĂŸ, dieser wĂ€re natĂŒrlich Unsinn, aber man habe den Wanloern mal entsprechendes versprochen.
Eine sachliche Diskussion, an der aber offenbar nur GrĂŒne und Linke ĂŒberhaupt Interesse hatten, wĂ€re fĂŒr den Antrag verheerend gewesen. Nun zauberte Hans-Wilhelm Reiners aber einen Protokollauszug der GrĂŒnen-Fraktion hervor und zitierte diesen vollstĂ€ndig und genĂŒsslich.
Leider ließ Karl Sasserath sich davon provozieren und so kam es zu einigen unglĂŒcklichen Äusserungen, die fĂŒr die Rheinische Pest natĂŒrlich ein gefundenes Fressen waren. Von da an war jede sachliche Diskussion vergebens, da sie keinen mehr interessierte und es kam zu einer Zustimmung aller ausser GrĂŒne & Linke.
Ein Prozess, der sich nur mit dem nĂ€her rĂŒckenden Wahlkampf erklĂ€ren lĂ€sst.


Politische KW 49/2013

Vorab: Neu ist der Abschnitt „Termine, zu denen es nix zu erzĂ€hlen gibt“ – ob nun gar nicht (uninteressant oder vertraulich) oder noch nicht (wenn z.B. kommende Aktionen geplant wurden).

Dienstag: Umweltausschuss
Eine kurze letzte Ausschusssitzung des Jahres mit den GebĂŒhrensatzungen, darĂŒber kann man wenig erzĂ€hlen ohne gleich tief in Tabellen zu graben. Eine interessante Entwicklung gab es allerdings bei MĂŒllcontainern: Die Leute versuchen offenbar, zu sparen, indem sie ihre Container seltener leeren lassen, aber weiterhin so viel MĂŒll produzieren wie zuvor.
Das funktioniert natĂŒrlich nicht, denn das fĂŒhrt nur dazu, dass die Kosten im nĂ€chsten Jahr stĂ€rker steigen, weil sie dann auf weniger Leerungen verteilt werden mĂŒssen. Leute, wenn ihr bei den Containern Geld sparen wollt, vermeidet MĂŒll. Ja, ich weiss, es gibt dabei mittelfristig noch das Problem mit den ÜberkapazitĂ€ten der MĂŒllverbrennungsanlagen, aber daran arbeiten die Kollegen im Landesumweltministerium schon, das weiss ich aus GesprĂ€chen.
Dann gab es noch das Thema Schlammfluten an der Talstraße in Odenkirchen. Ein schwieriges Thema, da der Schlamm schwierig zu vermeiden ist, wenn unten am HĂŒgel WohnhĂ€user und oben Landwirtschaft sind. Überhaupt lassen die Landwirte in den letzten Jahren auch andernorts immer weniger GrĂŒnstreifen zu den Wegen und Straßen ĂŒbrig, womit im Herbst/Winter immer öfter große Mengen Erde aus den Feldern in die Straßen gespĂŒlt wird. Das kann eigentlich in niemandes Sinne sein, da auch die Bauern dadurch wertvollen Boden verlieren, aber offenbar verdienen sie durch die zusĂ€tzlichen mÂČ Feld mehr, als die durch AusspĂŒlung zusĂ€tzlich nötige DĂŒngung kostet.
Ich habe daher angefragt, ob das Problem zu dĂŒnner oder verschwundener GrĂŒnstreifen an den FelderrĂ€ndern stadtweit angegangen werden soll.
An der Talstraße selbst will die Stadt das Problem mit zahlreichen kleinen Maßnahmen in den Griff kriegen.

Mittwoch: Finanzausschuss
Nein, ich war am Mittwoch nicht im Finanzausschuss, aber es gab im Vorfeld eine recht heisse Diskussion zu einem kurzfristig aufgeschlagenen CDU-Antrag, nachdem die CDU mich angesprochen und ich die Nachricht an meine Fraktion weitergegeben habe.
Ich persönlich halte die Idee, die EGN fĂŒr die GEM-Anteile in Form von fortgesetzten DividendenausschĂŒttungen zu bezahlen fĂŒr eine sehr elegante. Die Stadt muss kein frisches Geld in die Hand nehmen, wenn die GEM sich dergestalt am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht, zugleich kann die GEM voll in die Stadt integriert und eine Ausschreibung (die wahrscheinlich ein Billiglöhner statt der nach Tarif zahlenden GEM gewinnen wĂŒrde) vermieden werden.
Eine zu 100% stĂ€dtische GEM ist grĂŒnes Ziel, die Frage ist aber der Weg dorthin. Und die beiden anderen Punkte des CDU-Antrags setzen Fristen, fĂŒr die wir bislang keinen Grund erkennen können.

Donnerstag: TĂŒtchen
Und zwar NikolaustĂŒtchen. Die galt es in der GrĂŒnen-GeschĂ€ftsstelle zu packen.
Ich bin nicht sicher, wessen Idee es war, zum Nikolaus-Tag mit einem Nikolaus GeschenktĂŒten an Kinder in FlĂŒchtlingswohnheimen zu verteilen. Aber ich find das gut und es war eine kurzweilige BeschĂ€ftigung am Donnerstag Nachmittag.

Termine, zu denen es nix zu erzÀhlen gibt:
Montag Fraktionssitzung; Freitag Jahreshauptversammlung GrĂŒne Jugend


PM: Viktoriastraße: Schlechter Radweg wird zu schlechtem Gehweg

Ja, nochmal die Viktoriastraße. Ist aber auch eine lĂ€stige Geschichte.
Hiert also die aktuelle Pressemitteilung zum Thema, die heute auch in der WZ zitiert ist:

Mönchengladbach-Dahl. Vielen Radfahrern war der Radweg entlang der Bahnlinie an der Viktoriastraße ĂŒber Jahre ein Ärgernis. Schilder, Oberleitungsmasten, vom Radweg nicht einsehbare Kreuzungen und vor allem parkende Autos im Abschnitt kurz vor dem Supermarkt machten den Radweg schlecht nutzbar. Grund genug fĂŒr die GrĂŒnen, hier die Aufhebung der Benutzungspflicht zu fordern. „Der Radweg ist in diesem Bereich fĂŒr die Radfahrer gefĂ€hrlicher als die Straße, ortskundige Radfahrer meiden ihn“, hatte GrĂŒnen-Ratsherr Thomas Diehl festgestellt.

Zwischenzeitlich hat die Verwaltung reagiert und veranlasst, dass die Viktoriastraße kĂŒnftig in die Tempo-30-Zone um die Dessauer Straße auf der anderen Seite der Bahngleise einbezogen wird. Da in einer Tempo-30-Zone keine Radwege angelegt werden dĂŒrfen, wird der Radweg kĂŒnftig zum Gehweg fĂŒr FußgĂ€nger. Entsprechendes hat Mönchengladbachs Ordnungsdezernent Hans-JĂŒrgen Schnaß den Mitgliedern der Bezirksvertretung Nord jetzt mitgeteilt. Zugleich soll das Parken von Autos auf dem GehwegstĂŒck vor dem Supermarkt beibehalten werden, da aus Sicht der Verwaltung eine Gehwegbreite von einem Meter völlig ausreiche. „Die bestehende Parkanordnung kann aus straßenverkehrsrechtlicher Sicht bestehen bleiben“, heißt es dazu seitens der Verwaltung.

„Auch wenn sich die Situation auf der Viktoriastraße bessert, das grĂ¶ĂŸte Problem bleibt damit aber doch unverĂ€ndert“, meint Thomas Diehl. Einen Gehweg, der den FußgĂ€ngern wegen parkender Autos nur höchstens einen Meter Raum ĂŒberlasse, hĂ€lt Diehl fĂŒr zu eng und nicht an den BedĂŒrfnissen von FußgĂ€ngern – die oft auch mit Kinderwagen oder Rollatoren unterwegs sind – ausgerichtet. „Das Thema Inklusion ist bei dieser Vorgabe der Verwaltung leider nur unzureichend beachtet worden, denn Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator mĂŒssen sich hier auf engstem Raum an den Autos vorbeizwĂ€ngen“, sagt Thomas Diehl. Was, fragt er, wenn sich auf diesem schmalen Weg zwei FußgĂ€nger entgegenkommen? „MĂŒssen die ins Unterholz oder auf die Straße ausweichen?“

Diehl verweist auf das Straßenverkehrsrecht, nach dem das Parken auf dem Gehweg nur dann zulĂ€ssig ist, wenn fĂŒr die Benutzung des Gehwegs mindestens 2,20 Meter Raum bleibt. Es mĂŒsse genĂŒgend Platz fĂŒr den unbehinderten Verkehr von FußgĂ€ngern auch im Begegnungsverkehr bleiben, so der Dahler Ratsherr. Aus seiner Sicht werden zugunsten einer Autovorrangpolitik hier die Rechte schwĂ€cherer Verkehrsteilnehmer missachtet. Thomas Diehl: „Die Verwaltung hat an dieser Stelle aus einem schlecht nutzbaren Radweg einen schlecht nutzbaren Fußweg gemacht. Das sollte sie Ă€ndern.“

PS: Meine Ursprungsfassung war nicht ganz so freundlich zur Verwaltung, das ist die von mir abgenickte Endfassung der FraktionsgeschĂ€ftsfĂŒhrung. Wahrscheinlich besser so. Ich selbst bin von der ganzen Geschichte trotz des Etappensieges langsam leicht genervt, entsprechend war auch der Ton meines Ursprungstextes.

PPS: FĂŒr Pedanten, Rechtgrundlage fĂŒr die 2,20 Meter ist VwV-StVO (Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung) zu StVO Anlage 2, Punkt 72 in Verbindung mit RASt (Richtlinie zur Anlage von Stadtstraßen) 6.1.6.1


Politische KW 48/2013

Vorab: ich hatte ohnehin geplant, diese Reihe mit dem neuen Ratszug wieder zu starten. Das in dieser Woche auch die Aufstellung der Ratslisten liegt ist eher zufÀllig, aber ich pack es einfach mit hier rein.
Auf Vorbereitungssitzungenen (Montag & Sonntag) fĂŒr Gremien geh ich hier nicht ein, wenn es nix besonderes gab.

Mittwoch: Bezirksvertretung Nord
Zwei Themen fand ich in dieser Bezirksvertretung persönlich interessant.
Das eine waren die „Roermonder Höfe“, jene Wohn- und GeschĂ€ftsanlage, die demnĂ€chst die Bleichweise ersetzen soll. Wem die Begriffe nichts sagen, es handelt sich um das GelĂ€nde des 2001 niedergebrannten Zentralbades (an alle Neusiedler & AusstĂ€dter: ja, bei uns ist ein Schwimmbad abgebrannt. Ihr könnt aufhören zu lachen).
Mir persönlich hĂ€tte eine Festigung des Gladbach Docks deutlich besser gefallen, aber in MG legt man wohl keinen Wert auf attraktive und ungewöhnliche Einrichtungen wie diese. Noch besteht aber die Hoffnung, dass es einen neuen Platz findet, etwa am Geroweiher oder auf dem riesigen BrachgelĂ€nde des einstigen GĂŒterbahnhofes (alias City-Ost).
Bedeutender sind die PlĂ€ne des Investors fĂŒr das Bauvorhaben: Ersatzlose Streichung eines der meistbesuchten SpielplĂ€tze im Stadtzentrum und die vollkommene Nichtbeachtung der Laufwege zwischen den Schulen, Turnhallen und Bushaltestellen sind heftige Angriffe auf die Struktur dieses Gebietes.
Der Gladbachlauf wird zwar wie schon oft angedacht durch einen Wassergraben nachvollzogen, dieser ist aber zwischen den HĂ€usern so beengt, dass man das auch gleich lassen kann.

Dann kam eine Nachricht, die mich versteckt in den Mitteilungen der Verwaltung ĂŒberraschte: Es tut sich was an der Viktoriastraße. Nein, wirklich in der Viktoriastraße.
Die wird in Zukunft Teil der Tempo-30-Zone um die Dessauer Straße auf der anderen Seite der Bahngleise. In 30er-Zonen darf man keine benutzungspflichtigen Radwege einrichten, also wird der gemeingefĂ€hrliche Radweg am Bahndamm entlang aufgehoben und zum Fußweg. So weit, so gut, das ist ja genau das, was ich seit nunmehr fast vier Jahren immer wieder fordere. Den Schutzstreifen auf der Fahrbahn gibt es damit zwar auch nicht, aber das kann ich verkraften. Viele Probleme des Weges sind damit gelöst.
Bis auf eines: Auch weiterhin sollen Autos auf den letzten 100 Metern vor dem Aldi halb auf dem Gehweg aufparken dĂŒrfen. Damit bleibt in diesem Bereich ein Restfußweg mit einer Breite von einem ganzen Meter. Das sieht dann so aus:

Alltag auf der Viktoriastraße: Alle Autos parken hier nach Vorschrift. Hinten versucht ein FußgĂ€nger mit EinkaufstĂŒten, den Radweg zu benutzen, der selbst fĂŒr ihn als FußgĂ€nger zu eng ist. Dass der FußgĂ€nger hier ausserdem nichts zu suchen hat, ignorieren wir mal. Foto: Dieter Rink


Ordnungsdezernent Schnaß hĂ€lt das fĂŒr „straßenverkehrsrechtlich“ unproblematisch, ein Meter Gehwegbreite reiche „angesichts der FußgĂ€ngerfrequenz völlig aus“ (siehe Bild). Schnaß scheint ein anderes Verkehrsrecht zu kennen als ich, denn in meinem ist eine Mindestbreite von 2,20 Metern nutzbarem Raum fĂŒr BĂŒrgersteige vorgeschrieben. Auf dem BĂŒrgersteig darf Parken nur erlaubt werden, wenn diese 2,20 Meter frei bleiben (wer die Rechtsgrundlage nachschlagen will: VwV-StVO zu Anlage 2, Punkt 74 der StVO mit RASt 6.1.6.1).
Somit darf ich mich jetzt statt mit einem unbrauchbaren Radweg mit einem unbrauchbaren Fußweg beschĂ€ftigen. Ich vermag meine Freude kaum zurĂŒckzuhalten. Und warum? Damit ein paar Autofahrer ein paar Meter weniger laufen mĂŒssen.

Samstag: Jahreshauptversammlung GrĂŒne MG
Am Samstag dann die Aufstellung der grĂŒnen Ratsliste zur Kommunalwahl im Mai. Wie einige schon wissen, bin ich hier auf Platz 10 gelandet und somit wenigstens fĂŒr die erste Zeit nach der Wahl nicht mehr im Stadtrat.
Es gibt einiges, was ich dazu öffentlich nicht schreiben werde, das gebietet der Anstand. Ich werde sagen, dass ich enttĂ€uscht bin, dass dies zu großen Teilen keine politischen, sondern personelle GrĂŒnde hatte.
Was ich sagen möchte, ist dies: Ich bin damit nicht weg vom politischen Fenster. Ich werde mich nach der Wahl politisch auf einen Fachausschuss (das wird noch zu diskutieren sein) und die ausserparlamentarische Arbeit konzentrieren. Und endlich das Egorama zusammenbauen (was das ist sage ich euch, sobald es vorzeigbar ist). Ich höre erst auf, die Welt zu verĂ€ndern, wenn sie mir gefĂ€llt. Und das dĂŒrfte noch dauern.