Das Mausolibrarium

Die Nicht-Raute von Wickrathberg gibt mir Gelegenheit, mal etwas anzusprechen, was ich schon länger ansprechen und vor allem vorschlagen wollte. Aber zunächst etwas Vorgeschichte, sonst ist dieser Text nicht langweilig genug.

Gräber, ihre Funktion und die Kirche
Auch wenn mir als Atheist (bzw inzwischen eher Ignostiker oder Apatheist) gerne nachgesagt wird, mir sei nichts heilig, so halte ich doch den Letzten Willen und den Respekt davor f√ľr einen der wichtigsten Werte der menschlichen Zivilisation und das meine ich durchaus so hoch geh√§ngt, wie ich es hier schreibe. Die Erinnerung an einen Menschen ist alles, was nach seinem Ableben von ihm bleibt und entsprechend sollte diese auch behandelt werden. Verblassen wird sie auch ohne unser Zutun fr√ľh genug.
Der Letzte Wille kann nat√ľrlich nicht uneingeschr√§nkt gelten, aber so lange er niemanden unzumutbar beeintr√§chtigt und nicht zu irgendwelchen gr√∂√üeren Problemen f√ľhrt, ist er zu gew√§hren. Damit steht er f√ľr mich auf einer Stufe mit den Menschenrechten. Das gilt √ľbrigens nicht nur f√ľr die Grabgestaltung, sondern auch f√ľr andere Teile des Letzten Willens, die Existenz etwa von Pflichtanteilen am Erbe finde ich eine Unversch√§mtheit, da Entscheidungen √ľber die Verteilung der Erbschaft allein dem Vererbenden zustehen und nur in Ermangelung eines rechtskr√§ftigen Letzten Willens von anderen vorgenommen werden d√ľrfen.
Nun versuchen immer wieder Gruppen, vor allem Religionsgemeinschaften, die Rechte der Toten durch eigene Ma√ügaben zu beschr√§nken, wof√ľr gerne Begriffe wie Piet√§t verwendet werden. Piet√§t ist urspr√ľnglich einer dieser von sich aus inhaltslosen Begriffe, die je nach grade n√ľtzlichem Gebrauch mit Inhalt gef√ľllt werden, √§hnlich Begriffen wie Bildung und Kultur (letztere als Kultur im engeren Sinne). Man kann Piet√§t in der modernen Verwendung aber als den Respekt gegen√ľber den Toten zusammenfassen.
Nun ist es nicht grade besonders respektvoll den Toten gegen√ľber, ihnen einfachste W√ľnsche zu verwehren. Klar kann man jetzt sagen, man kann ja auf einem anderen Friedhof bestattet werden, aber was, wenn jemand in seinem Heimatort beigesetzt werden m√∂chte und dort nur ein konfessioneller Friedhof vorhanden ist?
Auch wenn ich auf Facebook vorgeschlagen habe, alle Friedh√∂fe st√§dtisch zu machen, um das Problem zu l√∂sen, ist das doch nur eine halbgare L√∂sung – religi√∂se Gruppen versuchen schon ewig und durchaus erfolgreich, auch auf die Regeln auf nicht-konfessionellen Friedh√∂fen Einfluss zu nehmen, zumeist werden sie gar als Experten geladen f√ľr wasauchimmer. Der Bevormundung durch die Religionen entkommt man so also nicht, die mischen sich wie so oft n√§mlich gerne auch in die Angelegenheiten jener ein, deren Angelegenheiten sie schlichtweg nichts angehen.

Das ist also die eine, m.E. naheliegende Forderung, die ich hier aufstellen will: Schmeisst die Religi√∂sen aus den Friedh√∂fen raus. Sie k√∂nnen die Friedh√∂fe gerne nutzen und ihre eigenen Gr√§ber gestalten, wie sie wollen, aber sie sollen endlich (wie in so vielen anderen Dingen) lernen, sich um ihren eigenen Kram zu k√ľmmern und den Rest der Menschheit in Ruhe zu lassen.
Und insbesondere sollen sie endlich lernen, dass man Respekt nicht einfach einfordert. Respekt verdient man sich, die beste Art von Respekt verdient man sich aus Gegenseitigkeit. Bringt den Toten den Respekt entgegen, den ihr von den Hinterbliebenen fordert. Ihr Christen kennt das, ist eine Abwandlung der Goldenen Regel, wir Ungläubige nennen es den Kantschen Imperativ, aber das ist essenziell das selbe.

Die Idee: Das Mausolibrarium
Und hier ist der Grund, aus dem dieser Beitrag nicht in die in diesem Blog vorhandenen Kategorien passte. Und die gr√∂√üere Idee, die ich seit etwa zwei Jahren mit mir heurmtrage, f√ľr die es nun einen Anlass gibt.

Meine Pr√§misse ist die, dass Gr√§ber der Erinnerung an die verstorbenen Personen dienen. Das war historisch nicht immer so, urspr√ľnglich waren sie wohl dazu da, dass herumliegende Leichen keine Raubtiere anlockten, aber bereits seit der Zeit der Neanderthaler sind Gr√§ber aufwendig in Gedenken an die Toten gestaltet und werden mit Grabbeigaben ausgestattet.
Nun ist es aber eine Tatsache, dass Gr√§ber nur eingeschr√§nkte M√∂glichkeiten haben, diese Aufgabe zu erf√ľllen. Was ein Grab vom Toten bewahrt sind bestenfalls Spurenelemente und selbst das nur, wenn das Grab sehr durchdacht und in Kenntnis der beerdigten Person gestaltet wird. Die meisten Friedhofssatzungen machen diese Unpers√∂nlichkeit des Grabes durch all zu enge Vorgaben in der Grabgestaltung nur noch schlimmer, alle Gr√§ber sehen im Grunde gleich aus.
So manchem war das schmerzlich bewusst. Einige, die genug Geld und/oder Macht hatten, taten etwas dagegen.

Man kann nicht sagen, es h√§tte nicht funktioniert - Bild © 2006 Ricardo Liberato

Ja, ich will auf Mausoleen hinaus. Allerdings nicht ganz so gro√ü und auch nicht ein Mausoleum f√ľr jeden, dann h√§tten wir sehr bald ganze Totenst√§dte und daf√ľr ist auf der Erde schlichtweg kein Platz.

Die Tatsache ist, wer erinnert werden will, muss der Welt etwas hinterlassen. Nur die wenigsten schaffen das. Und noch weniger schaffen es, in dieser Erinnerung irgendwie eine Mitsprache zu haben. Doch die moderne Welt bietet jedem die Möglichkeit, etwas zu hinterlassen.
Ich spreche von einer Bibliothek der Toten.

Die Idee ist ein Kolumbarium, allerdings mit mehr Individualit√§t f√ľr die Verstorbenen als jede andere Art der normalen Bestattung sie bietet. Jeder Verstorbene erh√§lt dort einen Urnenplatz (hinter Panzerglas) und das Recht, ein zu Lebzeiten vorbereitetes Totenbuch pr√§sentieren zu d√ľrfen (oder auch mehrere). Wie viel Platz er dazu hat, h√§ngt davon ab, wie die M√∂bel gebaut werden, sprich wie viele Urnen auf wie viel Regalfl√§che entfallen.
Der Zugang ist √∂ffentlich, B√ľcher k√∂nnen bei Besch√§digung durch eine hauseigene Druckerei aus digitalen Vorlagen ersetzt werden. Was in den B√ľchern steht, ist allein Sache der Verfasser. Beleidigendes, nicht jugendfreies oder sonstwie bedenkliches Material kommt in eine nicht√∂ffentliche Abteilung, wo nur (gegebenenfalls Erwachsene) Angeh√∂rige Zugriff haben.
Verweigert werden k√∂nnen dem Toten in dieser Einrichtung nur physisch unm√∂gliche oder unzumutbare W√ľnsche (Urnenbestattung etwa ist Pflicht, weil ganze Leichen zu viel Platz brauchen), W√ľnsche, die sich auf eine andere als die eigene Grabst√§tte beziehen und solche, die den Grund- und Menschenrechten widersprechen. Aber er kann so viele Rauten in und auf sein Buch drucken lassen, wie er will und wie auf den zur Verf√ľgung stehenden Platz passen.

Das ganze Konzept k√∂nnte privat betrieben werden. Es k√∂nnte sich aus Beitr√§gen jener finanzieren, die dort in Zukunft bestattet werden wollen, sagen wir beispielsweise 10 ‚ā¨ im Monat bis zum Tode, womit man das zeitlich unbegrenzte Recht auf ein dort angelegtes Grabregal erh√§lt.
Nur zwei Dinge sind sicherzustellen: Dass kommerzielle Interessen nicht √ľber den Interessen derer stehen, die dort bestattet wurden und dass die Einrichtung weltanschaulich-religi√∂s neutral bleibt.

Was wir damit bekommen w√ľrden w√§re eine Art von Grabst√§tte, die endlich allen die M√∂glichkeit bietet, mehr zu hinterlassen als nur einen Stein mit Namen und Lebensdaten. Und f√ľr die Besucher ein Fenster in Leben, Ideen und Ansichten derer, die vor ihnen gelebt haben, seien dies nun eigene Vorfahren oder Unbekannte, in deren B√ľcher man bei einem Besuch hineinst√∂bert.

Ein paar H√ľrden gibt es noch: Wie gesagt mischen sich die Kirchenleute st√§ndig in Dinge ein, die sie nichts angehen, so auch in die Bestimmungen f√ľr nicht-kirchliche Bestattungen. Und auch sind privat betriebene Grabst√§tten in Deutschland vom Gesetzgeber nicht gern gesehen. Ob die Bestattung in einer solchen Einrichtung die Friedhofspflicht erf√ľllen kann, muss noch gekl√§rt werden.
Oh, und nat√ľrlich die Tatsache, dass es f√ľr den Start einer Finanzierung und nat√ľrlich eines geeigneten Geb√§udes bedarf, wobei letzteres ersteres voraussetzt. Mal sehen, als wie erfolgversprechend es sich in den n√§chsten Tagen erweist, so etwas anzusto√üen. Oder ob jemand anders die Idee aufnimmt.

Kurz noch zum Begriff: Mauso- von Mausoleum, was heutzutage ein Oberbegriff f√ľr Grabgeb√§ude ist und nicht mehr nur das Grab des Mausolos bezeichnet, weshalb ich diese Ausgliederung f√ľr machbar halte. Theoretisch w√§re auch Nekrolibrarium denkbar, wenn Mauso- nicht auf Zustimmung trifft. -libr- von Latein liber f√ľr Buch, -arium ist der Lokativ zu -ńĀrius, mit dem ich mich in diesem Blog schon einmal dezidiert besch√§ftigt habe und der f√ľr √Ėrtlichkeiten das tut, was -ńĀrius f√ľr Menschen tut.


Das Ende der politischen KW

Die politische KW war lange Zeit meine wöchentliche Beitragsreihe zu meiner politischen Tätigkeit. Jeden Montag oder Dienstag gab es einen Bericht, was ich so getan habe. Naja, mehr oder weniger jede Woche, die Regelmäßigkeit war nicht so wirklich mein Ding. Aber heym Dabeisein ist alles.

Nun gibt es zwei Entwicklungen, wegen derer ich dieses Konzept nun aufgeben will.

Zum einen ist es ganz einfach so, dass ich nach dem 25. Mai wohl deutlich wneiger politisch t√§tig sein werde, einfach, weil ich wohl kein Ratsmitglied mehr bin. Ich bin zur Zeit auf Platz 10 der Liste und sofern die Gr√ľnen nicht mit Abstand das beste kommunale Ergebnis ihrer bisherigen Geschichte hinlegen, werden wir keine 10 Leute mehr sein. Ich w√ľrde damit nur wieder Ratsmitglied werden, wenn ich meinen Wahlkreis (08 – Speick, Westend, Altstadt S√ľd) gewinne, was in etwa genauso wahrscheinlich sein d√ľrfte.
Nat√ľrlich bin ich auch danach noch aktiv, nur halt nicht mehr im gegenw√§rtigen Umfang. Die Welt ver√§ndern zu wollen scheint mir eine Art Grundimpuls zu sein und ich werde sicherlich nicht pl√∂tzlich damit aufh√∂ren. Nun hat sich allerdings klassische Politik zunehmend als ein relativ ineffizienter Weg der Weltverbesserung erwiesen, weshalb ich an anderen Optionen arbeite, die dann aber nat√ľrlich eben keine klassische Politik mehr sind. Schriftstellerei ist eine davon, insbesondere im politischsten aller Literaturgenres, der Science-Fiction. Aber auch der Politik werde ich ganz klar erhalten bleiben.
Es zeichnet sich im Moment einiges an Wegen ab, was ich nach der Ratszeit zwecks Weltveränderung mache, sowohl in der Politik als auch ausserhalb.
So oder so, das Material f√ľr die politische KW wird damit d√ľnner.

Das andere ist ein Empfinden, das sich in letzter Zeit gestärkt hat: Die politische KW kommt zu spät.
Sie ist wöchentlich und somit eine lange Zeit nachdem die eigentlichen Entscheidungen gefallen, Diskussionen und Sitzungen gelaufen sind. Sie hinkt damit den Ereignissen und vor allem der Aktualität enorm hinterher.
Das war kein Problem, als ich politisch in kleinen Feldern von geringem √∂ffentlichen Interesse gewerkelt habe. Dort gilt es keiner nur auszughaft und oft verf√§lschend berichtenden Presse zuvorzukommen oder kurzfristig auf diese zu reagieren. Und es gibt auch keine Ampel mehr, die Entscheidungen erheblich in die L√§nge zog, sie quasi aus der Dringlichkeit des sonst so hektischen politischen Betriebs herausl√∂ste und diesen aufhob. Was √ľbrigens durchaus nichts negatives sein muss, grade das starke gegenseitige Ausbremsen eines so seltsamen B√ľndnisses wie gr√ľnlibert√§r (die FDP ist meines Erachtens nicht liberal und die SPD lasse ich nur zur Betonung der Gegens√§tzlichkeit aus) hat oft dazu gef√ľhrt, Entscheidungen sehr ausgereift zu f√§llen. Auch wenn diese Besonnenheit der Ergebnisse angesichts des Stresses und der Verwerfungen vor allem hinter den Kulissen teuer erkauft war, f√ľr die Stadt war sie nicht schlecht – und f√ľr die politische KW bot sie die n√∂tige Ruhe, Dinge auch mit Vorlauf und zeitlichem Abstand besprechen zu k√∂nnen.
Nun ist dies vorbei und in letzter Zeit versp√ľrte ich zunehmend den Drang, Themen zeitnah separat zu besprechen. Bislang hielt ich mich immer zur√ľck, diese dann doch in die politische KW zu setzen, aber das ist nicht l√§nger ein effizientes Vorgehen.

Und somit endet die politische KW als Reihe und als Konzept. An ihre Stelle wird eine zeitnähere Darstellung treten und eine größere Vielfalt von Ansätzen, was politische Arbeit eigentlich ist und wie sie funktioniert.
Das Blog bleibt aktiv. Ich hoffe vor allem, so aktiv, wie es seit Dezember wieder geworden ist. Mittwoch fängt das an, dann leite ich den Umweltausschuss und ich werde noch am selben Abend davon schreiben. Das ist dann die Art, wie dieses Blog in Zukunft in Bezug auf Politik funktionieren soll.
Ich bin gespannt, wie das in der Praxis angenommen wird. Zwar zähle ich meine Besucher nicht (ganz ehrlich: Wozu?), aber ich sehe ja, wie sich Kommentare und Rezeption der Seite entwickeln. Die Inhalte werden sich im Gleichschritt mit meinem (öffentlichem) Leben entwickeln. Was das heisst? Da bin ich selber gespannt.


Wissenschaftsfeindlichkeit

oder: Mein Problem mit Homöopathie & Co.

Es ist offenbar wieder zunehmend in Mode, Wissenschaft an sich abzulehnen. Nun war das nie ganz verschwunden, einzig um die Jahrhundertwende gab es eine gro√üe Bewegung, die Wissenschaft als gro√üe Kraft des Guten sah und davor liegen nat√ľrlich die langen Zeiten der Vorherrschaft religi√∂ser Denkmodelle, bei denen irgendjemand mit gen√ľgend zugestandener Autorit√§t oder √úberzeugungskraft kurzerhand irgendeinen Bl√∂dsinn erdachte und alle es schluckten. Aber die Wissenschaftsfeindlichkeit scheint mir doch in den letzten Jahren deutlich erstarkt zu sein.

Unser Konflikt in Deutschland hat dabei eine spezifisch deutsche Pr√§gung und l√§sst sich bis zu den Nazis zur√ľckverfolgen, die mit ihrer Idee der „arischen Wissenschaft“ (nein, wirklich!) schon zu diesem Zeitpunkt obsoleten Schwachsinn wie Welteislehre, Physiognomik und Hom√∂opathie wiederbelebten und die etablierte Wissenschaft als „j√ľdisch durchseucht“ ablehnten. Auch wenn ich erlebt habe, wie bei einer Auff√ľhrung von Der ewige Jude der halbe Saal lachend am Boden lag, als „der Relativit√§tsjude Albert Einstein“ vorgestellt wurde, die Nazis meinten das ernst.
Nun hatte das dutzendjährige Reich lange genug Bestand, damit sich einiges von diesem Blödsinn halten konnte. Neben viel Kleinkram waren dies auch einige Pseudowissenschaften, allen voran die Homöopathie.
Es ist diese Hom√∂opathie, die den spezifisch deutschen Zungenschlag der Wissenschaftsfeindlichkeit begr√ľndet.

Dadurch liegt der Fokus auf der Medizin, anders als etwa in den USA,, wo er auf der Biologie liegt. Doch da dies Nachbarwissenschaften sind, wird die Unterscheidung bald diffus. Aber ich eile meinem eigenen Text voraus, also zur√ľck zum Ansehen der Medizin im deutschsprachigen Raum.

Die Skepsis gegen√ľber der Medizin wurde im Laufe der Jahre immer st√§rker, da sich die Pharma-Industrie immer wieder mit gef√§lschten oder sch√∂ninterpretierten Studien blamierte. Da die Produkte der Pharma-Industrie medizinisch sind, wurde dieses Fehlverhalten der Konzerne der Medizin angekreidet. Die wahlweise als Labor-, Schul- oder Weisskittelmedizin titulierte Disziplin durfte pl√∂tzlich Skandale ausbaden, die gar nicht die ihren waren.
Dies nutzten die so genannten Alternativmediziner aus und erweiterten den Spalt des Misstrauens, indem sie so taten, als gäbe es eine Alternativmedizin. Und es ist genau dieser Punkt, an dem die Spirale der Wissenschaftsfeindlichkeit richtig einsetzt.

Medizin ist unbestreitbar eine wissenschaftliche Disziplin. Das bedeutet, sie setzt auf objektiv √ľberpr√ľfbare Feststellungen zum Erkenntnisgewinn. Anders als Religion und Pseudowissenschaft, wo jeder irgendeinen Scheiss behaupten kann solange er nur √ľberzeugend wirkt, verlangt die Wissenschaft objektiv nachpr√ľfbare Fakten, am besten in Form von nachstellbaren und somit √ľberpr√ľfbaren Experimenten.
Oder mit anderen Worten: Wissenschaft ist das bisher einzige Erkenntnissystem, das prinzipiell darauf ausgelegt ist, auf der objektiven Realität zu basieren und bei dem persönliche Autorität prinzipiell bedeutungslos ist, solange die Erkenntnis nachweisbar korrekt ist.
Klar, dieses Ideal wird nicht immer erreicht, aber das ist das menschliches Versagen, kein Fehler des Systems. Mehr noch: Solches Versagen oder gar Fälschungen aufzudecken, gelingt wiederum nur mit wissenschaftlichen Methoden.
Und deshalb ist es kein Fehl der Wissenschaft, wenn die fehlerhafte Untersuchung eines Pharmakonzerns aufgedeckt wird, waren es doch die Methoden wissenschaftlicher Untersuchung, durch die dieser Fehler √ľberhaupt erst entdeckt werden konnte.

Doch das ist l√§ngst nicht allgemein klar und so werden die Vergehen der Pharma-Industrie der Medizin zugerechnet. Und dies wird dann als Grundlage der Behauptung genommen, die alternativen Methoden w√ľrden von „der Wissenschaft“ (gerne auch der Schulmedizin oder dem Establishment) unterdr√ľckt.
Besser noch: Man fordert dann, mit den Pharmakonzernen gleichgestellt zu werden, da diese ja auch die Wirksamkeit einiger Mittel nicht oder nicht korrekt nachweisen könnten. Die Fehler anderer werden zur Grundlage der Forderung, nach Lust und Laune frei erfundenen Stuss zu erzählen.
Gesunder Menschenverstand m√ľsste eigentlich zu dem Schluss kommen, bei zu vielen Pharmaskandalen die Standards etwa f√ľr die √úberpr√ľfung neuer Medikamente zu versch√§rfen. Die Alternativmediziner aber fordern das genaue Gegenteil, Freiz√ľgigkeit f√ľr Scharlatane aller Art. Womit Schlamperei und Betrug dann auch in der Wissenschaft selber zunehmend enttabuisiert werden. Man muss sich schon fragen, ob so mancher in diesen Bewegungen eigentlich weiss, was er da fordert.
Und wenn diese Bewegungen sich zunehmend durchsetzen k√∂nnen, leidet darunter entsprechend der Gesamtstandard der Medizin. √úberpr√ľfbarkeit weicht reiner Behauptung und damit sinkt die zuvor seit Jahrzehnten best√§ndig gestiegene Qualit√§t der medizinischen Versorgung.

Da nun die Medizin Hauptkampffeld der mitteleurop√§ischen Wissenschaftsfeindlichkeit geworden ist, bricht sich ausgerechnet auf diesem Gebiet unwissenschaftlicher Kram Bahn. Hom√∂opathen und √§hnliche Gruppen treten den aus der Politik ber√ľhmten Gang durch die Institutionen an und verankern dabei ihr unwissenschaftliches Gedankengut zunehmend im wissenschaftlichen Raum, wobei sie sich mit Immunisierungsstrategien und selektivem Lesen ihren Glauben erhalten, √§hnlich wie dies auch bei Religionen der Fall ist. Und ist das pseudowissenschaftliche Weltbild einmal eingenistet, bildet es gleich einem Krebsgeschw√ľr Metastasen. Impfgegner sind eine naheliegende Entwicklung, denn mit der Verdammung von Pharmaprodukten geht eine solche von Impfstoffen bald einher. Mit katastrophalen Folgen.
ich habe auch den Eindruck, dass sich grade √Ąrzte immer wieder durch Propagandamaterial obskurer Sekten hervortun.
Und von da an kommen wir bald zu allem anderen: Kreationisten, Klimaskeptiker, Anthroposophen, Es-gibt-kein-HIV-Spinner, Uri Geller; der Katalog ist endlos.

Das große Dilemma hierhinter ist, wieso es passieren kann: Ausserhalb der Universitäten lernt kaum jemand, was Wissenschaft eigentlich ist und wie sie funktioniert. Ja sicher, man lernt in Bio mit einem Mikroskop umgehen, aber Hypothesenbildung lernen oder Popper besprechen kommen im Unterricht nicht vor.
Daran allerdings sind neben den Lehrplänen auch manche Wissenschaftler schuld Рwie genau soll ein Text wie dieser, der erklärungslos mit Fachbegriffen um sich wirft, irgendwem irgendetwas näher bringen?
√úbrigens, die Einf√ľhrung eines allgemeinen Wissenschaftsfaches k√∂nnte da tats√§chlich helfen, wenn diese Chance genutzt wird, mehr √ľber Wissenschaft an sich zu vermitteln. Die Sch√ľler w√ľrden dadurch eine wesentlich bessere F√§higkeit erlangen, korrekte Wissenschaft von Bullshit zu unterscheiden, als dies bisher der Fall ist. Und die Fernsehsender w√ľrden nicht mehr so tun k√∂nnen, als w√§re Galileo eine Wissenssendung.
Und so manche Debatte w√ľrde ganz anders laufen. Man stelle sich das mal vor: Eine Gesellschaft, die Fragen wie Gentechnik, Pr√§nataldiagnostik, Stammzellenmedizin und anderes auf Basis echter F√§higkeit zu wissenschaftlicher Auseinandersetzung diskutiert statt auf Basis irgendwelcher Bauchgef√ľhle und Pawlowscher Reflexe.


eInst√ľrzende Altbauten: Wer profitiert vom eBook?

Friedrich Forssmann hat im Suhrkamp-Blog eine lange Tirade gegen das eBook verfasst. Kann man machen.
Dass der Text recht einseitig ausgefallen ist, finde ich sogar nachvollziehbar: Als Buchgestalter und Typograph lebt er in einer Berufswelt, die im eBook bestenfalls marginale Daseinsberechtigung hat, denn beide Arbeiten widersprechen fundamental einem Grundvorteil des eBook, der flexiblen Anpassung an unterschiedliche Leseger√§te und Leserw√ľnsche.

Ich m√∂chte deswegen nicht auf die gesamte Tirade eingehen, sondern eine Rosine picken, um ein Thema anzusprechen, dass ich schon lange ansprechen wollte. Betrachtet es als Fortsetzung meines Textes zur Oberfl√§chlichkeit des B√ľcherregals.

(…)wenn Sie nicht zum Beispiel zwischenzeitlich Ihren Amazon-¬ĽAccount¬ę gel√∂scht haben, weil Sie schlechte Arbeitsbedingungen schlecht finden und lebendige Innenst√§dte m√∂gen (…)

Fettung von mir. Ja, ich picke mir das beiläufigste Argument des ganzen Textes raus, weil ich einen Aufhänger brauche, der zugleich gute Clickbait abgibt. Und es gibt nichts, was ihr dagegen tun könnt. Ha!

„eBooks zerst√∂ren die Innenst√§dte“ ist ein Argument, das zwei Probleme hat. Das einfacher zu benennende Problem ist, dass es die Rolle der Buchh√§ndler im Gesamtensemble der Innenst√§dte ma√ülos √ľbersch√§tzt. Die zwei-drei Buchh√§ndler pro Fu√üg√§ngerzone sind weder die gro√üen Umsatz- und Publikumsbringer der Innenst√§dte, noch ihre gr√∂√üte Attraktion. Manche Buchhandlung ist ein sch√∂nes Kleinod und ich mag sie, aber objektiv muss man konstatieren: Wirtschaftlich sind sie f√ľr die meisten Innenst√§dte unbedeutend.
Sorry, aber f√ľr die Innenst√§dte ist jedes H&M bedeutender als drei Buchl√§den.

F√ľr das andere Problem muss man hinter die Symbolik der sch√∂nen Innenstadt blicken. Sie repr√§sentiert ja etwas, in der Regel wirtschaftliche Anziehungskraft und Einnahmen. Insbesondere Steuereinnahmen f√ľr die St√§dte.

Und damit kommen wir zum eigentlichen Thema meines Beitrages, den Geldfluss des Papierbuchsystems gegen√ľber dem Selbstverlag mit eBooks:

Das bestehende Modell
Das Gesch√§ftsmodell der Buchproduktion und des Vertriebes ist derzeit auf drei Ebenen organisiert: Verlagswesen, Druckereien und Buchhandel. Verlagsbuchhandlungen und -druckereien lasse ich hier der Einfachheit halber mal raus, obwohl sie meinen Punkt noch deutlicher machen w√ľrden.
Verlage und Druckereien sind in der Regel recht große Unternehmen. Druckereien sind in Industriegebieten, Verlage in Innenstädten angesiedelt. Diese Unternehmen haben eine gewisse Zentralisierung und sind fast durchweg in Großstädten oder Hauptstädten von Landkreisen zu finden.
Der Buchhandel ist etwas weiter verteilt, Buchhandlungen findet man – wenn auch durch Urbanisierung und Standortkonzentration mit abnehmender Tendenz – auch in den meisten Klein- und Mittelst√§dten. Viele geh√∂ren allerdings zu Ketten wie Bertelsmann, Thalia oder Weltbild, deren Hauptniederlassungen nat√ľrlich wieder in Gro√üst√§dten sitzen.
Das Geld dieses Systems steckt also in den Gro√üst√§dten. Da die gr√∂√üten Unternehmen dieser Branchen nur in den gr√∂√üten St√§dten oder deren direkter Peripherie angesiedelt sind (Vor allem in belrin, K√∂ln und M√ľnchen, in den USA sogar praktisch komplett komplett in New York), erhalten diese einen √ľberproportional hohen Anteil der positiven Auswirkungen der Anwesenheit eines Verlagsbetriebs (vulgo: Geld).
Der Versandhandel versch√§rft dieses Problem noch, indem er sich auf noch weniger Standorte konzentriert, er hat noch nicht mal mehr Filialen. Das heisst, Amazon ist mit dem Versand von Papierb√ľchern durchaus problematisch, allein: Um diese geht es hier ja nicht.

Es d√ľrfte offensichtlich sein, dass die Verteilung volkswirtschaftlicher Auswirkungen um so ungerechter ist, je weniger Standorte daran teilhaben. Je weniger Standorte es gibt, desto gr√∂√üer der Kapitalfluss von ausserhalb in die verbleibenden Standorte und umso mehr Kapital sammelt sich an diesen Standorten an und geht an anderen Orten verloren.
Das ist das volkswirtschaftliche Grundproblem des Versandhandels. Hinzu kommt noch, dass die gesamte Branche auf prek√§re Besch√§ftigung setzt – der Kapitalfluss vom Umland in die Standortgemeinden wird auf diesen Umweg quasi direkt in die Konzernkassen weitergeleitet, der sich seine Gewinne √ľber die sozialen Leistungen f√ľr die unzureichend bezahlten Besch√§ftigten kurzerhand subventionieren l√§sst.
Solche Hartz4-Fabriken wie die Logistikzentren der großen Versandhändler existieren auf dieser Grundlage.
Deswegen sind diese Branchen ein wirtschaftliches √úbel, selbst f√ľr die Gemeinden, in denen sie beheimatet sind.

Aber was passiert, wenn wir den Blick umwenden und den digitalen Wandel in der Buchbranche auf die selbe Weise betrachten?

Umfluss zu den Autoren
Mit dem eBook hat der Selbstverlag an Bedeutung gewonnen. Das bedeutet, dass kein Geld mehr an die Verlagsstandorte flie√üt. Es flie√üt Geld an die Anbieter der Verkaufsplattformen, aber der wichtige Punkt hier: Es flie√üt ein gr√∂√üerer Teil der Einnahmen aus den Buchverk√§ufen als je zuvor in Siedlungen und D√∂rfer. Pl√∂tzlich erhalten die Autoren einen bis zu zehnfach h√∂heren Anteil an den Einnahmen ihrer B√ľcher.
Und Autoren wohnen mehr oder weniger zuf√§llig √ľber die Bundesrepublik verstreut: Hier einer in D√ľren, da einer in Neuss und ja, dank der h√∂heren Bev√∂lkerungszahl auch gut tausend in Berlin.
Selbst wenn dieses Geld keinen so hohen Betrag ergibt, dass das Finanzamt davon etwas sieht, ist es doch Geld, das ein Einwohner einnimmt und wahrscheinlich auch auf irgendeine Weise wieder ausgibt. Und so kommen die Einnahmen eines Autoren aus – sagen wir mal – L√ľchow auch in L√ľchow an, statt in G√ľtersloh zu versacken, wo L√ľchow von seinem tollen Schreibtalent nichts hat.
Plötzlich muss ein Dorf keinen großen Verlag mehr im Ort haben, um am Geschäft mit der Literatur mitzuverdienen, es reicht, einen Autoren vorweisen zu können. Autoren gibt es etwa hundertmal so viele wie Buchhändler.
Klar, die bisherigen Profiteure, die Standorte der gro√üen Verlage und Druckereien, verlieren dabei. Aber so ist das halt mit der Herstellung von Gerechtigkeit: Die vielen √ľbervorteilten erhalten ihr Geld zu Lasten der wenigen, die zuvor die Vorteile hatten.

Eine kleine eBook-Utopie
Der gro√üe Schwachpunkt dessen ist nat√ľrlich die Festigung der eBook-Anbieter. Das Geld, das konzentriert wird, wird noch st√§rker konzentriert als bisher, auch wenn es relativ zum Gesamtmarkt weniger ist. Auch wenn ein gr√∂√üerer Teil des Geldes als zuvor direkt an die Autoren und damit in deren Heimatorte geht, geht doch noch einiges an einige wenige Standorte.
Das l√§sst sich eigentlich nur durch einen genossenschaftlichen eBook-Shop l√∂sen: Ein Shop also, der den dort verkaufenden Autoren gemeinsam geh√∂rt und der zum Jahresabschluss seine Gewinne an die Autoren verteilt, wobei sich der Anteil an der Gewinnaussch√ľttung am Anteil an der Gewinnerzielung orientiert.
Dann endlich wäre das Problem der Kapitalkonzentration auf einige wenige Standorte gelöst und das Geld gerecht dort verteilt, wo das Talent sitzt.
Und das ist die Chance des eBooks: Mit dem Papierbuch geht ein solches Modell nicht, da es eben der Buchläden, Verlage und Großhändler bedarf. Mit dem eBook fallen die meisten Instanzen der Machtkonzentration weg und es bleiben nur zwei: Autoren und Shop-Betreiber.
Ob so etwas in Deutschland m√∂glich ist, weiss ich ehrlich gesagt nicht. Aber es ist eine Utopie, f√ľr die man sich einsetzen kann.

Der wichtige Punkt aber: Das eBook bewirkt jetzt schon einen gr√∂√üeren volkswirtschaftlichen Gewinn f√ľr die bisher √ľbervorteilten Standorte als es in Zeiten des Papierbuchs der Fall war. Und es hat das Potenzial, eine vollkommen gerechte Verteilung dieser Gelder zu erreichen, was das Papierbuch nie k√∂nnte.
Entsprechendes gilt √ľbrigens auch f√ľr Youtube, Blip & Co. gegen√ľber dem Fernsehen und f√ľr zahlreiche andere Medienrevolutionen. Die Musikindustrie konnte sich erfolgreich gegen eine Umverteilung zu mehr Gerechtigkeit wehren, aber auch dort ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.


Politische KW 5/2014

Donnerstag: Sonnenhausplatz
Am Donnerstag fand im Jugendzentrum Step eine von viel Presse begleitete B√ľrgerversammlung zum (meines Wissens namenlosen) Platz vor dem Sonnenhaus statt. Beim Namen w√§re ich ja als Kontrast zum Konsumtempel f√ľr Thorstein-Veblen-Platz, in Bezug auf seine Begriffspr√§gung des Geltungskonsums, eines sinnlosen Konsums aus Habenwollen zur Prestigesteigerung in der Oberschicht. Allerdings kann den Mann in Deutschland wahrscheinlich niemand aussprechen. Aber zur√ľck zum Thema.
Das Step war gut gef√ľllt und wie von mir schon vor zwei Wochen erhofft waren auch zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene dabei.
Die Veranstaltung hatte ihre Probleme. Den Einstieg machten mehrere Redner, die alle in feinstem und m√∂glichst unverst√§ndlichen Planer- und Architektendeutsch leere Wortblasen von sich gaben. Ganz offensichtlich mangelte es an einer Idee, was man mit dem Platz machen wollte. Solche Ideen muss man nicht haben, es ist sogar ganz gut, wenn man mal ohne vorgefertigte Vorstellungen in eine B√ľrgerbeteiligung geht und somit noch vor der Planung den B√ľrgern ein offenes Ohr bietet. Nur, dann macht man eine ganz andere Veranstaltung.
H√§tten die Verantwortlichen (zu denen zu diesem Zeitpunkt √ľbrigens noch nicht die Politik geh√∂rte) ein Veranstaltungskonzept umgesetzt, dass diese Offenheit als St√§rke genutzt h√§tte, h√§tte die Veranstaltung Vorbildcharakter haben k√∂nnen, wie die Anwohner selbst ihren Platz gestalten. H√§tte, h√§tte Fahrradkette (komisches Sprichwort √ľbrigens).
Haben sie aber nicht. Stattdessen haben sie auf Biegen und Brechen eine Art Konzept zusammen- und schlie√ülich vorgestellt. Was dann in den genannten Nullphrasen endete, aber auch in Widerspr√ľchen: Ist es nun zum Beispiel relevant, ob der Hans-Jonas-Park offen bleibt oder dort ein Geb√§ude vor kommt, oder nicht? Die B√ľrger bejahten dies zum Gl√ľck und lehnten den Bau recht deutlich ab. Gar nicht nachvollziehbar war das Wehklagen einiger Architekten ausserhalb der Veranstaltung, die Wettbewerbsausschreibung f√ľr die Platzgestaltung mache zu viele die Kreativit√§t einschr√§nkende Vorgaben.
Nach dem Trauerspiel der Vortr√§ge und dazugeh√∂riger Fragerunde kam es dann doch noch zu echter B√ľrgerbeteiligung: Die B√ľrger durften ihre W√ľnsche und Vorstellungen an Pinnw√§nde pappen, wo sie dann gesammelt und sp√§ter ausgewertet werden sollten. Auch sollten die Ergebnisse online pr√§sentiert werden und ich hoffe sehr, dass dies vollst√§ndig geschieht und nicht wieder von der Verwaltung vorgefiltert, wie wir es zuletzt zu meiner Ver√§rgerung bei den B√ľrgervorschl√§gen zum Haushalt erleben durften, die ich deswegen bis heute nicht kenne.
Jedenfalls war das Ergebnis der Wandbest√ľckung ganz nach meinem Geschmack: √Ėfter fiel das Wort Konsumkritik, was neben der hier starken alternativen Szene wohl auch den st√§ndigen Bel√§stigungen durch den Bau des mfi-Konsumtempels auf der Gegenseite der Hindenburgstra√üe zu verdanken ist. Wichtiger war die recht gro√üe Einigkeit in der Platznutzung: Ein Platz zum Ausruhen, Hinsetzen und abh√§ngen sollte es sein, ein offener Platz, der die Funktion der verlorenen Theatertreppen √ľbernimmt. Als am√ľsante Randnotiz m√∂chte ich noch vermerken, dass es gleich einen ganzen Stapel Zettel gab, in denen eine Skateboardanlage gefordert wurde. Bei der Hanglage des Platzes gar keine schlechte Idee, aber dann bleibt wohl nicht viel Platz zum Ruhen √ľbrig. Ich wusste gar nicht, dass Skateboards zur Zeit ein Revival haben.

PS: Gleichzeitig fanden auch ein Treffen des Aktionsb√ľndnisses Verkehrswende und eine Vorbereitung des B√ľndnisses „Aufstehen – B√ľndnis f√ľr Menschenw√ľrde gegen Rechtsextremismus“ f√ľr die Gegengegendemonstration zum gleichzeitigen Auftreten von Salafisten und Rechtsextremen auf dem Alten Markt am Samstag, 8. Februar, statt. Beides ist sehr schade, aber manchmal ist es halt leider einfach so.

Freitag: Neujahrsempfänge
Gleich zwei Neujahrsempfänge haben sich am Freitag, den 31. Januar, mit Ach und Krach noch in den ersten Monat des Jahres gequetscht. Und damit auf den Geburtstag meines Vaters, wodurch mir eine spendierte Pizza entgangen ist. Gegen sowas muss es doch Gesetze geben.
Nun gut. Die Neujahrsempf√§nge waren (in chronologischer Reihenfolge) bei den Linken und den Gr√ľnen. Das sind √ľblicherweise eher Pr√§senztermien mit wenig Inhalt, aber dennoch fand ich dort bemerkenswertes, insbesondere den Kontrast der gro√üen Reden.
Bei den Gr√ľnen gab es das √ľbliche „Wir sind toll“ gepaart mit „Und das war 2013“. Kann man machen, nur wenn das gleich zwei Redner hintereinander machen, wird das unglaublich langweilig. Nun kommt f√ľr mich nat√ľrlich erschwerend hinzu, dass mir das alles bekannt war, ich war ja dabei und die Reden somit ohnehin nicht f√ľr mich gedacht.
M√∂glicherweise waren sie auch einfach nur zu lang, eine Gefahr, in die w√∂rtlich ausgeschriebene Reden h√§ufig tappen, einfach weil sie auf Papier wesentlich k√ľrzer aussehen als sie sind, wenn man sie dann vorliest.

Mir wäre das wahrscheinlich nicht so stark aufgestoßen, wäre ich nicht vorher bei der Linken gewesen, bei der die Rede ganz anders aufgebaut war.
Obwohl man thematisch ebenso altbekanntes abspulte – in diesem Fall „Situation X und Entwicklung Y sind scheiss“, wurde es dort vermieden, dass einer allein die ganze Zeit durchredete und statt dessen waren immer wieder Vortr√§ge von G√§sten aus Gruppen, Initiativen und Vereinen eingebunden.
Das brach jegliche Monotonie auf und sollte doch mal ein Teil langweilig werden, war er relativ schnell vorbei. W√§re mal ein gutes Konzept auch f√ľr uns Gr√ľne. Auch wenn bei uns etwa dreimal so viele Leute waren wie bei den Linken, so schlimm wird es also nicht gewesen sein.

Termine, zu denen es nix zu erzählen gibt:
Montag Fraktionssitzung


Produktiv 2014-01

Ja, ich hab tats√§chlich einen Vorsatz f√ľr 2014 gefasst.
Ich war mit meiner Produktivit√§t in der Fertigstellung eigener B√ľcher sehr unzufrieden. 2013 habe ich nur ein neues Buch ver√∂ffentlicht – Staksigen Schrittes. Dazu kam eine erweiterte Auflage des Vorg√§ngerbandes in der Reihe Meilensteine der Evolution, Feuchten Fu√ües. Die Serie sollte eigentlich schon abgeschlossen sein und ein Sammelband auf Papier 2014 erscheinen.
Jeden Monat des Jahres 2014 will ich daher eine neue Methode zur Produktivit√§tssteigerung umsetzen. Jede Ma√ünahme soll dabei dazu f√ľhren, dass ich schneller vorankomme, wobei hier nur Texte f√ľr B√ľcher z√§hlt. Was nicht z√§hlt, sind zum Beispiel Texte, f√ľr die ich √ľber einen Auftrag direkt bezahlt werde, die Tweets unter eBooks f√ľr lau oder die Arbeit an Neuausgaben vergriffener gemeinfreier Werke.

Der erste Schritt hierbei ist die Einf√ľhrung eines t√§glichen Planziels. Und damit ich dieses auch wirklich einhalte und nicht st√§ndig auf den n√§chsten tag verschiebe, ist das damit verbunden, ein Diagramm anzulegen, das sofort aktualisiert wird, sp√§testens am Ende des jeweiligen Tages.
Hier ist das Diagramm f√ľr den Januar, Vorgabe waren 500 W√∂rter pro Tag (blaue Balken):

Dieser Plan ist f√ľr mich ziemlich gut geeignet, da ich in eine Art Wettrennen gegen den Vorgabebalken eintrete – jepp, es ist eine Art Gamification durch Einf√ľhrung von Sieg- und Verlustbedingungen. Und als jemand, der etwa seit der Wende Videospiele spielt, spricht das meine antrainierten Instinkte in Bezug auf Wettbewerb an.

500 W√∂rter sind ein niedriges Ziel, das schreibe ich in etwa einer halben Stunde. Dennoch konnte ich allein durch diesen Plan die sieben √ľbrigen B√§nde der Meilensteine der Evolution alle zur H√§lfte fertigstellen und noch einige St√ľcke anderer B√ľcher schreiben. Ich werde, wenn ich das so aufrecht erhalten kann, problemlos zehn B√ľcher im ersten Halbjahr 2014 fertigstellen k√∂nnen.
Aber es kommen ja weitere Ma√ünahmen dazu, denn wie gesagt: Jeden Monat dieses Jahres werde ich eine weitere Ma√ünahme zur Steigerung meiner Produktivit√§t einf√ľhren. Also habe ich die Vorgabe f√ľr Februar bereits auf 600 W√∂rter pro Tag erh√∂ht. Die 500 haben ja schon ziemlich gut funktioniert, von kleinen Einbr√ľchen (auff√§lligerweise regelm√§√üig Samstage,, wobei einer davon mein Geburtstag war) abgesehen. Im Laufe des Jahres will ich die Vorgabe auf 1000 W√∂rter erh√∂hen.

Interessant an dem ganzen Versuch ist, dass die Produktivit√§tssteigerung √ľber das B√ľcherschreiben hinaus ausstrahlt – ich habe in der letzten Zeit auch mehr Antragsentw√ľrfe verfasst, bin besser mit meinem Maileingang zurechtgekommen und arbeite Auftragsarbeiten schneller ab.
Das Geheimnis zur Produktivität scheint vor allem zu sein, einen Schwung zu erhalten, der sich dann weiterträgt.

Schauen wir mal, wie das nächsten Monat weiterläuft.