Literarische KW 13/2014

So, nach dem Ende der Politischen KW habe ich angefangen, das wöchentliche KW-KĂŒrzel zu vermissen. Ich nutze es also um fĂŒr etwas, was ich schon lĂ€nger starten wollte: Die Literarische KW.
Die Sache ist die: Da ich selber eBooks schreibe, halte ich es fĂŒr problematisch, BĂŒcher anderer Autoren auf Amazon zu bewerten, das sieht schnell nach Vetternwirtschaft, Schlechtmachen oder dergleichen aus. Da ich aber dennoch den Drang habe, das ĂŒber die Woche Gelesene öffentlich zu bewerten, pack ich das jetzt einfach hier ins Blog. Jeden Sonntag, tendenziell abends.
Dass es diesmal alles englischsprachige SachbĂŒcher sind, ist ĂŒbrigens Zufall.

David Price
OPEN: How we’ll work, live and learn in the future
Crux Publishing; 5,99 € fĂŒr Kindle

Oh, ein DĂ©jĂ  Vu! Denn Open ist im Grunde das englische Äquivalent zu Wir nennen es Arbeit, dem mit Abstand besten, was der stĂ€ndige Möchtegernexperte Sascha Lobo (mit Holm Friebe) jemals produziert hat.
Price geht allerdings ĂŒber das Arbeitsleben weit hinaus, indem er sich der Bildung annimmt. Er beschreibt, wie die stĂ€ndige VerfĂŒgbarkeit von Bildung und Information die Gesellschaft grundlegend verĂ€ndern kann. Die Arbeitswelt ist dabei mehr eine Fußnote, die gestreift wird, viel wichtiger sind ihm virtuelle HörsĂ€le, OpenAccess und die Wikipedia. Er baut damit das GrundgerĂŒst, dass Lobo/Friebes „digitaler BohĂ©me“ fehlte. Ein wenig ist das, als wĂ€ren hier zwei Ideen in falscher historischer Reihenfolge publiziert worden, als die Zeit Schluckauf hatte.
Was Price hier formuliert ist eine Utopie des allgemeinen Zugangs zu wissen. Schattenseiten wie die ebenso verstĂ€rkte Verbreitung von Unsinn (Klimaleugner, Kreazionisten, Homöopathie, der ganze Murks dieser Sorte) und die SelbstĂŒberschĂ€tzung (alle mitlesenden Mediziner dĂŒrfen jetzt kurz an Wikipedia-Selbstdiagnosen denken und aufstöhnen) finden nicht statt.
Dennoch eine Empfehlung fĂŒr alle, die sich fĂŒr die Zukunft der Bildung interessieren und was das fĂŒr unser gegenwĂ€rtiges VerstĂ€ndnis von Wissen bedeuten kann. Und ein angenehmer Kontrast zur These von der digitalen Demenz.

Sam Conolly
The Evolution of Bird Flight: A Third Hypothesis
Selbstverlag; 0,89 € fĂŒr Kindle

Das ist eines dieser BĂŒcher, die vor dem Zeitalter des massenhaften Selbstverlags kaum eine Chance auf Publikation hatten – im besten Sinne. Eine ungewöhnliche Idee, mit Blick fĂŒr Details entwickelt von einem autodidaktischen Nicht-Fachmann.
Conolly argumentiert, dass die Geschichte der ersten Vögel deutlich einfacher vorstellbar ist, wenn man sich die ersten Vögel als tauchende und schwimmende JĂ€ger vorstellt, die FlĂŒgel ursprĂŒnglich als fiederne Flossen. Inspiration fĂŒr diese Idee scheint der Hoatzin zu sein, ein tropischer Vogel, dessen KĂŒken die einzigen lebenden Vögel mit HĂ€nden sind. Diese KĂŒken nutzen laut Conolly ihre HĂ€nde weniger zum Klettern, als vielmehr zu Schwimmen.
Die Idee ist fraglos interessant, ob sie allerdings mit neueren Erkenntnissen zum Gefieder der gleitenden Raptoren (Archaeopteryx, Microraptor und Verwandte) zusammenpasst, wage ich zu bezweifeln. Vor allem, dass wir jetzt wissen, dass diese Tiere vier FlĂŒgel hatten und ihre HinterflĂŒgel wohl als Seitenruder gebraucht wurden, bekrĂ€ftigt die Idee, dass die Vögel schon immer Flieger gewesen sind.
Leider leidet das Buch an ein paar Ungenauigkeiten, die Kennern aufstoßen können: Conolly nennt die Theropoden stĂ€ndig Thecodonten (erstere sind die Fleisch fressenden Dinosaurier, letztere eine Gruppe krokodilartiger Reptilien) und macht in einem kurzen Ausflug zu den FlĂŒgeln der Insekten einige empfindliche Fehler. So etwas hilft leider nicht dabei, von der Fachliteratur ernstgenommen zu werden.

Michael Garver
URBAN SURVIVAL: When the World as You Know It Has Changed Overnight
Benesserra Publishing; 5,03 € fĂŒr Kindle

Prepping ist ein in letzter Zeit stark gewachsener Trend in den USA, bei dem es darum geht, möglichst gut auf etwaige UnglĂŒcke vorbereitet zu sein, wenn die Zivilisation plötzlich wegbricht. In gewissem Maße gab es das schon ewig, aber mit der Zerstörung von New Orleans 2005 wurde es relativ schnell ein kulturelles PhĂ€nomen.
Da diese BĂŒcher oft auch nĂŒtzlich sind, wenn man sich mit Selbstversorgung beschĂ€ftigt, habe ich schon viel dazu gelesen und vielleicht ist das der Grund, aus dem ich dieses Buch fĂŒr weitgehend nutzlos halte. Nicht viel anderes als in allen anderen BĂŒchern zum Thema auch, dazu ein extrem starker Bezug auf amerikanische Behördenstrukturen und eine seltsame AbhĂ€ngigkeit von Spezialprodukten, die im Falle einer großflĂ€chigen Katastrophe wohl kaum schnell verfĂŒgbar wĂ€ren.
FĂŒr EuropĂ€er praktisch nutzlos, fĂŒr Amerikaner gibt es ebenso gute und bessere BĂŒcher zum Thema zu deutlich gĂŒnstigeren Preisen.


Zack, veraltet!

Manchmal hab ich echt Pech. Zum Beispiel, wenn der Stand der Wissenschaft fortschreitet, wĂ€hrend ich ein Buch ĂŒber genau jenes Thema vorbereite, zu dem es neue Erkenntnisse gibt. In diesem Fall geht es um Zackigen Zahnes. Die einfĂŒhrende Kurzgeschichte baut bisher auf der Vorstellung auf, dass die bizarren Anomalocariden die grĂ¶ĂŸten Fleischfresser in den Meeren des frĂŒhen Kambriums waren, bevor die Fische diese Stellung ĂŒbernahmen. Und nun sieht es so aus, als wĂ€re das falsch, wenigstens potenziell. Kurzgefasst wurde ein Vertreter der Gruppe gefunden, der sich höchstwahrscheinlich von Plankton ernĂ€hrte. Das sieht auf den ersten Blick nicht wie ein großes Problem aus, immerhin gibt es auch Haie die Plankton fressen und ebenso rĂ€uberische Wale wie Plankton fressende Wale.

ich versuche gar nicht, diese Tiere zu beschreiben und stelle einfach ein Bild ein. Illu: Renato de carvalho ferreira, Wikimedia

Die Sache ist die: Sieht man sich nach diesem Fund die restlichen Anomalocariden an, wird klar, dass ihre Mundwerkzeuge fĂŒr Planktonfresser weit mehr Sinn machen als fĂŒr einen Beutegreifer an der Spitze der Nahrungskette. Es war lange ein RĂ€tsel, wie diese Wesen fraßen und Spekulationen darĂŒber haben die PalĂ€ontologie die letzten 30 Jahre beschĂ€ftigt. Die Mundwerkzeuge sind nicht geeignet, harte Schalen von Tieren wie Trilobiten zu zerbrechen, gleichzeitig ging man aber lange davon aus, dass sie diese fraßen, weil es entsprechende Überreste von zerbrochenen Trilobiten gab, die nur von Tieren von der GrĂ¶ĂŸe eines Anomalocaris stammen konnten.
Nun scheint es endgĂŒltig so, dass irgendetwas anderes diese Trilobiten gefressen hat. Und das alleine zeigt, dass wir noch lĂ€ngst nicht alles ĂŒber die damalige Welt wissen.

So ist die Wissenschaft: StĂ€ndig gibt es neue Erkenntnisse. So verbessert sich unser Wissen um die Welt. Aber das bedeutet eben auch, dass BĂŒcher veralten.

Das kann lÀstig sein, aber es passiert manchmal halt. In Zeiten des Papierpublizierens wÀre das ein Problem gewesen, weil das Buch Monate spÀter erschienen wÀre und inzwischen vollkommen veraltet gewesen wÀre.
Aber das Zeitalter des Papiers geht langsam zu Ende und was frĂŒher eine Katastrophe gewesen wĂ€re, ist jetzt nicht mehr als eine kleine HĂŒrde. Es verzögert vielleicht die Veröffentlichung um ein paar Tage, aber es gibt keinen Grund, mit einer veralteten Version eines Sachbuchs zu leben. Es gibt Updates und im schlimmsten Fall gibt es ein paar Tage Verzögerung.


7 auf einen Streich, Teil 3: KĂ€nozoikum

Nach dem großen Knall in Form eines Meteoriteneinschlags, mit dem das Mesozoikum endete, kommen wir mit den drei verbliebenen BĂ€nden der Meilensteine der Evolution ins KĂ€nozoikum, das Zeitalter der SĂ€ugetiere einschließlich der Gegenwart.
Uns erwartet ein kurzer Blick in die Vorzeit, dann zu den frĂŒhen Menschen und schließlich ein kleines bisschen in die Gegenwart und nĂ€chste Zukunft.
Alle drei BĂ€nde sollen am 31. MĂ€rz fĂŒr Kindle erscheinen, weitere Plattformen sollen folgen.


Klaubender Klaue
Mexiko vor 3 Millionen Jahren

Der vorerst letzte Ausflug in die Zeit vor dem modernen Menschen fĂŒhrt zum großen amerikanischen Faunentausch, einem Ereignis, bei dem die zuvor getrennten Tierwelten von Nord- und SĂŒdamerika zusammentrafen, als die beiden Kontinente sich verbanden.
In der darauf folgenden Zeit kam es zu großen VerĂ€nderungen und schlussendlich verschwanden viele Tierarten, insbesondere fast alle sĂŒdamerikanischen Beuteltiere und die spektakulĂ€ren Riesenfaultiere (unten auf dem Cover) und Glyptodonten (oben zu sehen).

Entsprechend geht es im Brennpunkt der Ausgabe auch um VerdrÀngung und Wettbewerb zwischen den Arten.


GefÀlliger Gestalt
Europa vor 10.000 Jahren

Mit GefĂ€lliger Gestalt geht es in die Welt, wie der Mensch sie zu verĂ€ndern beginnt. Da liegt das Thema des Bandes natĂŒrlich nahe: Zucht.

Mit dem aktiven Eingriff des Menschen in die Evolution beginnt ein neues PhĂ€nomen, es entstehen Tier- und Pflanzenarten, die nur dank der Hilfe des Menschen ĂŒberhaupt existieren können: Getreide, Hunde, Katzen, Schweine und so weiter. Felder, Weiden, Masthöfe – der Mensch verĂ€ndert die Welt schon mit seiner Nahrungsproduktion tiefgreifend und beeinflusst aktiv den Lauf der Evolution.


KĂŒnstlichen Chromosoms
Antarktis im Jahr 2031

Und hier ist das große kontroverse Thema: Gentechnik.
Ich möchte es gleich sagen: Wenn ich SachbĂŒcher wie diese schreibe, bin ich um inhaltliche NeutralitĂ€t bemĂŒht. Und das wird einigen beim Thema Gentechnik nicht gefallen. NatĂŒrlich spreche ich Themen wie Monsantos Giftmischerei an, aber ebenso spreche ich ĂŒber Golden Rice und Insulin.

Wenn ich von Zucht spreche, kann ich von Gentechnik nicht schweigen. Nicht davon, was sie anders macht als konventionelle Zucht, nicht davon, was sie problematisch macht. Und nicht davon, wozu sie gut sein kann und ist. Schon allein die Wichtigkeit des Themas gebietet ausgewogene AufklĂ€rung und Information darĂŒber.
Das Thema ist fĂŒr die Gegenwart zu wichtig, um es auszulassen. Und es ist vor allem zu wichtig fĂŒr Vorurteile und Phrasen.


Heimatliebe

Eine der regelmĂ€ĂŸigen Bullshit-Studien des Focus hat Gladbach mal wieder in keinem sonderlich guten Licht erscheinen lassen. Wie sehr das ganze Ranking Bullshit ist, sieht man an dem anderen Focus-Ranking, in dem DĂŒsseldorf (hier Nr. 279) auf Platz 6 weltweit sitzt. Jedenfalls sah sich die RP sich genötigt, dagegen zu halten. Dazu nutzt sie eine der grĂ¶ĂŸten Listen von (ich schwöre, das ist das letzte Mal, dass ich dieses Wort in diesem Artikel benutze) Bullshit, die ich je in so kompakter Form gesehen habe:

Hier gibt es alles! Die Infrastruktur der Großstadt. Hier kann man Spitzenfußball sehen, und auch Bruce Springsteen singen hören, den Dalai Lama treffen und in einem Museum von Weltrang ĂŒber den Blick moderner KĂŒnstler staunen.

Ja nee, is klar, der Dalai Lama schlendert hier stĂ€ndig ĂŒber die Straßen. Oh, Mann.

Daraufhin gab es in den lokalen sozialen Medien eine ganze Reihe von Liebesbekenntnissen zur Mönchengladbach. Ich alter Motzkopf habe oft genug die Frage gehört, warum ich hier bliebe, wenn es mir hier angeblich nicht gefiele. Die aktuelle Debatte gibt mir Gelegenheit, diese Frage ausfĂŒhrlich zu beantworten.

Die eine Tatsache, die ich vorausschicken möchte ist, dass ich keine Liebe fĂŒr Verwaltungseinheiten empfinden kann. Nordrhein-Westfalen, Deutschland, Europa, diese Dinge sind mir emotional wurscht. Und damit auch eine Möglichkeit, eine Stadt zu lieben. Diese Dinge sind nichts weiter als verwaltungstechnische Einheiten, sie haben keine Bedeutung fĂŒr mich jenseits der Kenntnis der unmittelbaren Einflussbereiche bestimmter Einzelpersonen (hauptsĂ€chlich Politiker und Verwaltungsmitarbeiter). Die politische Ebene Mönchengladbachs ist eine Notwendigkeit, eine Struktur, die letztlich wenig mit der Stadt selbst zu tun hat.
Ich komme nachher auf die Politik zurĂŒck.

Nein, ich liebe Mönchengladbach nicht. Ich mag einige Menschen hier, ich mag den Park gegenĂŒber und noch einige der WĂ€lder drumherum und… ja, im Grunde ist es das. Es ist sauberer als in großen Teilen von DĂŒsseldorf oder gar Köln, das ist etwas, was ich als regelmĂ€ĂŸiger BarfußlĂ€ufer bezeugen kann. Es ist sicher, kaum eine Naturkatastrophe hat in dieser Gegend eine Chance, in den nĂ€chsten 2-3 Jahrmillionen echten Schaden anzurichten. Alles andere ist bestenfalls gewohnt.
Mönchengladbach ist eine Stadt der zusammengewĂŒrfelten Ersatzbauten zur FĂŒllung der WeltkriegslĂŒcken. Der umfassende Wiederaufbau in den 50ern fĂŒhrte dazu, dass die BausĂŒnden eben jenes Jahrzehntes allgegenwĂ€rtig sind, man siehe sich nur die rheydter Innenstadt an. Die Mundwinkel zeigen auf den Straßen nach unten, so man sie ĂŒberhaupt hinter den vielen Windschutzscheiben an den viel zu vielen Autos sieht. Das wichtigste Hobby, das die Gladbacher neben Borussia teilen ist das Moppern (insofern bin ich ganz offensichtlich ein Produkt dieser Stadt). Die AtmosphĂ€re ist im schlechtesten Sinne konservativ, was in der Praxis bedeutet, dass sie in fast allem etwa 20-30 Jahre hinter dem aktuellen Stand der Diskussion liegt und alles neue abgelehnt wird.

Und damit kommen wir zur Politik zurĂŒck. Liebte ich Mönchengladbach, ich wollte es nicht Ă€ndern. Doch ich will es Ă€ndern. Nein, das ist zu wenig gesagt: Ich wollte es am liebsten niederreissen und an seiner Statt eine neue Stadt errichten. Das geht nicht, also bleibt nur der Weg, die Stadt entsprechend zu verĂ€ndern.
Ich muss etwas zurĂŒckspringen: In die Kommunalpolitik bin ich mehr oder weniger reingerutscht. Mein Interesse bei den GrĂŒnen war bei meinem Beitritt vor sechs Jahren zwar Politik, aber nicht die kommunale.
Wie gesagt identifiziere ich mich nicht mit Verwaltungseinheiten wie LĂ€ndern, sie sind aber der offensichtlichste Weg, die Welt zu verbessern. Und so albern das klingen mag, darum geht es mir.
Die Mönchengladbacher Politik ist mehr oder weniger der Bereich, in dem ich dies versuchen kann. Ich identifiziere nicht mit Verwaltungseinheiten, aber das heisst auch, diese Stadt ist Teil der Welt. Hier etwas zu verbessern heisst, einen Teil der Welt besser zu machen, so infinitesimal er auch sein mag.

Und das ist Teil der Antwort, warum ich mich um eine Stadt kĂŒmmere, die ich so wenig mag. Sie ist Teil jener Welt, an der mir etwas liegt. Hier etwas zu verbessern bedeutet immer, auch einen Teil der Welt zu verbessern.
Vielleicht sogar, das ist der andere Teil der Antwort, grade hier. Diese Stadt lĂ€sst mich oft genug verzweifeln. Doch dies ist fĂŒr mich ein Motor. Wo es Grund zum Verzweifeln gibt, gibt es die Notwendigkeit, etwas zu verĂ€ndern.
Ich wĂ€re nicht in der Politik, wenn ich nicht glaubte, es gĂ€be Dinge, deren VerĂ€nderung all den Stress wert ist. Ich wĂ€re nicht in der Politik, wĂŒrde ich diese Stadt lieben. Ich bin letztlich aus dem selben Grund in der Politik, aus dem so viele andere meiner Generation diese Stadt so bald wie irgend möglich verlassen. Nur, dass ich andere SchlĂŒsse daraus ziehe.

Alles andere wÀre gelogen.


7 auf einen Streich, Teil 2: Mesozoikum

Im zweiten Trio der 9 BĂ€nde begeben wir uns ins Mesozoikum, das Zeitalter der Dinosaurier.
Dass alle BĂ€nde dabei im letzten Abschnitt des Mesozoikums, der Kreide, angesiedelt sind, ist mehr oder weniger Zufall.

Übrigens: Ich bin letzte Woche aus gesundheitlichen GrĂŒnden stark im Zeitplan zurĂŒckgefallen, das hatte ich heute bereits angedeutet. Das wird sich aber hoffentlich nicht auf die Veröffentlichung der Meilensteine der Evolution auswirken, ich muss die fehlende Woche halt mit etwas mehr Arbeit in der ĂŒbrigen Zeit wieder reinholen.


Schwarzer Schwinge
China vor 120 Millionen Jahren

Die Entstehung der Vögel ist in einer Reihe zur Evolution vollkommen unvermeidbar und so taucht sie selbstverstÀndlich auch hier auf. Nicht ganz so offensichtlich ist die Wahl von Microraptor als Star des Bandes mitsamt dem dazugehörigen chinesischen Setting.
Die offensichtliche Wahl wĂ€re Archaeopteryx gewesen, der vor 150 Millionen Jahren in Bayern lebte. Aber: Microraptor lebte in einer Umwelt, die schlichtweg interessanter ist. Im China der frĂŒhen Kreidezeit erhob sich alles mögliche in die LĂŒfte – neben den Raptoren flogen auch bereits echte Vögel und die Flugsauriern herum. Auch gab es die in der Erdgeschichte immer wieder auftauchenden gleitenden Echsen. Eine gute Gelegenheit, die Vielfalt an fliegenden Tieren zu zeigen, aber auch die dortige Vielfalt an gefiederten Dinosauriern.
Entsprechend beschĂ€ftigt sich der Band im Schwerpunkt am beispiel der Federn mit den verschiedenen Formen, die ein Merkmal annehmen kann. Von den Flugfedern der Vögel ĂŒber die Schmuckfedern einiger Dinosaurier bis zu den BorstenkĂ€mmen der frĂŒhen Ceratopier.

Klirrender KĂ€lte
Alaska vor 70 Millionen Jahren

Hier ist der zweite Band der Reihe, der nicht zum 31. MÀrz erscheinen wird. Klirrender KÀlte folgt den Dinosauriern der Arktis, allen voran den Pachyrhinosauriern. Die Reise einer Herde Pachyrhinosauriern wurde eher zufÀllig auch im Kinofilm Walking with Dinosaurs 3D gezeigt.
Aber zum einen war der Film furchtbar (es sei denn, man schaut ihn mit Ohropax bzw. ausgeschaltetem Ton) und zum anderen liegt das Konzept fĂŒr diesen Band bereits seit einer Zeit auf meiner Festplatte, als ich von dem Film noch nicht einmal etwas ahnte.
Thema des Bandes wird die kulturelle Evolution sein, also die Rolle, die von Eltern und anderen weitergegebenes Verhalten in der Entwicklung des Lebens hat. Anders als gerne propagiert, ist kulturelle Evolution keine Besonderheit des Menschen und so nehme ich die Gelegenheit, das Thema im Rahmen von Wanderungsverhalten aufzugreifen.
Woran es hier mangelt? Schlichtweg an einem brauchbaren Titelbild.


Staksigen Schrittes
Nordamerika vor 66 Millionen Jahren

Das ist ein bereits erschienener Band, der das Ende der Dinosaurier aufnimmt. Oder in diesem fall der gleichzeitig ausgestorbenen und entfernt verwandten Flugsaurier.
Wie bei Feuchten Fußes gibt es auch hier nur die ErgĂ€nzung um einen thematischen Schwerpunkt in der Evolution, in diesem Fall wird im Lichte des Massensterbens die Rolle von Zufall, GlĂŒck und Pech beleuchtet und wie manche Lebewesen einfach aussterben, weil sie schlichtweg zur falschen Zeit am falschen Ort sind.
ich denke, es ist wichtig klarzustellen, dass bei allen anderen EinflĂŒssen und GesetzmĂ€ĂŸigkeiten der Zufall im Leben immer eine gewisse Rolle spielt.

NĂ€chsten Montag dann also das KĂ€nozoikum, das Zeitalter der SĂ€ugetiere. Und damit das kontroverseste Drittel der Serie. Es geht um Faultiere von der GrĂ¶ĂŸe eines Elefanten, Zucht und Gentechnik.


Die Krim und die zwei Nationalismen

So, nachdem ich nun unter der Woche nicht wirklich in der Lage war, lĂ€ngere Texte zu schreiben (fiese ErkĂ€ltung macht dicken Kopf und ausserdem viel zu frĂŒh am Abend mĂŒde), hole ich jetzt also ein paar Themen nach. Fangen wir mal mit dem an, was heute wichtig wird, weil die grĂ¶ĂŸte Schwarzmeerinsel heute gestern ĂŒber ihre Staatszugehörigkeit abstimmt abgestimmt hat: Die Krim und was die ganze Geschichte meiner Meinung nach damit zu tun hat, dass es nicht einen, sondern zwei gegensĂ€tzliche Nationalismen gibt.

tl;dr In Westeuropa machen sich meist die Staaten ihr Volk. Separatistenbewegungen hingegen machen dem Volk einen Staat. Die Krim ist aktuell ein gutes Beispiel fĂŒr die Reibungspunkte zwischen beiden AnsĂ€tzen.

Es ist schwierig mit Nachrichten zur Krim, weil kaum zu ermitteln ist, wer lĂŒgt, wenn es um die Staaten der ehemaligen Sowjetunion geht. Die meisten Medien haben Putin als Bösewicht fest in ihren DrehbĂŒchenr, egal was er macht. Im gegenzug ĂŒbt sich so mancher Linker als Jubelperser fĂŒr nahezu alles, was Russland tut. Dass dann mit CIA und KGB auch noch zwei Gruppen auf gegensĂ€tzlichen Fronten involviert sind, die jederzeit die GeschichtsbĂŒcher fĂ€lschen können, hilft nicht grade bei der Übersichtlichkeit.
Entsprechend zögerlich bin ich, mich zu den letzten AufstĂ€nden in der Ukraine zu Ă€ussern. Zumal mich grĂ¶ĂŸere ZusammenhĂ€nge meist mehr interessieren als die VergĂ€nglichkeit der Tagesnachrichten. Doch als sich dann die Krim abzuspalten begann und der Westen hiergegen protestierte, fiel mir etwas auf.
Mir fiel auf, dass beide Seiten des Konflikts in absolut gegensĂ€tzlicher Weise nationalistisch motiviert waren. Und dass dies noch viel weiter in die Geschichte zurĂŒckreicht. Es ist ein Gedanke, der mir den Unterschied zwischen Österreich und der DDR begreifbar macht, warum Hitler nach Berlin statt nach Wien ging, woher der Hass zwischen Kurden und TĂŒrken rĂŒhrt, warum der Balkan plötzlich nach und nach in die EU integriert und vieles mehr.

Die Idee ist, dass es zwei Nationalismen gibt. beiden ist die Vorstellung eigen, dass Staat und Volk im Idealfall deckungsgleich sind. Aber sie gehen jeweils gegensĂ€tzliche Wege, um dieses Ziel zu erreichen. Und jede Form ist fĂŒr die jeweils andere eine Bedrohung.

GrundsÀtzliches vorab
Es gibt eine reihe hier ĂŒberlagernder Dinge, die ich fĂŒr zweitrangig halte.
NatĂŒrlich geht es Russland und der EU auch um Zugriff auf Öl und Gas der Krim. Aber das halte ich mehr fĂŒr opportune Mitnahmeeffekte als fĂŒr die Ursache des Streits, wenigstens Ukraine-intern. Russland hĂ€tte ĂŒberhaupt nicht die Macht, einen solchen Konflikt aufzubrechen, wenn der Spalt nicht schon vorhanden wĂ€re. Und es ist wahr, dass die Krim eine erst in der Sowjetunion der Ukraine zugeschlagene russische Insel ist, woraus sich die Bevölkerungsstruktur erklĂ€rt, das ist aber mehr eine historische Ursache als eine gegenwĂ€rtige Strömung oder ein Wirkmechanismus, um den es mir hier geht.
Interessant ist dagegen die rĂ€umliche Verteilung der Bevölkerungsgruppen in der Ukraine, da dies erklĂ€rt, warum grade die Krim fĂŒr dieses Thema relevant ist. Bitteschön, das rote sind die Russen (Grafik von hier):

Sprachen in der Ukraine (Ukrainische Volkserhebung 2001)

Sprachen in der Ukraine (Ukrainische Volkserhebung 2001)


Der Rassismus ist ein mit dem Nationalismus verwandtes, aber dennoch separates PhÀnomen, das hier nicht Thema ist. Ebenso ignoriere ich Afrika und Asien ausserhalb des slawisch bewohnten Raumes sowie Skandinavien, weil ich von dessen Geschichte in dieser Frage zu wenig weiss.

Dem Staat ein Volk: Der Staatennationalismus
Andere NamensvorschlÀge wÀren der integrative oder assimilative Nationalismus, Obrigkeitsnationalismus und Leitkulturlehre.
Das ist das im Westen vorherrschende Modell eines Nationalstaates, ein Staat, der ein gewisses Territorium umfasst, dessen Einwohner seine BĂŒrger sind. Die Staaten des „Westens“ sind historisch gewachsene Vielvölkerstaaten, die sich entweder durch das Römische Reich, Territorialverschiebungen in Folge von Kriegen oder Kolonialismus/Zuwanderung erklĂ€ren.
Die europĂ€isch geprĂ€gte Welt (Westeuropa, Amerika und Australien) ist von Vielvölkerstaaten geprĂ€gt. Dies zum einen wohl aufgrund der Durchmischung bei der Völkerwanderung und spĂ€ter im Kolonialismus, zum anderen in der Tradition des Römischen Reiches, welches als eine Art Schirmreich ĂŒber zahlreiche kleinere LĂ€nder konstruiert war und spĂ€ter anfing, eine Leitkultur zu etablieren.
Den Anfangspunkt dieser Entwicklung setze ich auf das Dreikaiseredikt im Jahre 380, also die Christianisierung Roms. Bis zu diesem Zeitpunkt bezog sich die Vereinheitlichung der römischen Provinzen auf praktische Dinge wie Verkehrssprache und WĂ€hrung, wĂ€hrend Dinge des privaten Lebens, wie eben die Religion, keine Angelegenheit des Staates waren. Bis zu diesem Zeitpunkt werden Völker und Kulturen zudem ĂŒber ihre religiöse Zugehörigkeit definiert. Beides endet 380-391 im Bereich des Römischen Reiches schlagartig. Rom beginnt, die Kultur seiner Einwohner zu vereinheitlichen. Zum ersten Mal in der (bekannten) Geschichte erklĂ€rt ein Staat von oben herab seine Einwohner zu Angehörigen eines Staatsvolkes, dessen Eigenheiten und Glaube Angelegenheit der Regierung sind.
Diese Idee verfestigt sich in den folgenden Jahrhunderten in den territorialen Nachfolgern Westroms und allgemein in den katholischen Staaten. Religion, Alltagssprache, KĂŒche, verfĂŒgbare Technologien und mehr orientieren sich zunehmend am Zuschnitt der Staatengrenzen. VerĂ€ndert ein Staat seine Grenzen, werden die Betroffenen entweder assimiliert oder wandern den Grenzverschiebungen hinterher.
Das ist natĂŒrlich kein reibungsloser Prozess. GerĂ€t eine völlig fremde Volksgruppe in einen Staat, der ansonsten aus wenigstens halbwegs kulturell verwandten Gruppen besteht, kommt es zu Konflikten. Wobei Konflikt hier ein weiter Begriff ist: Die Basken in Spanien und die Kurden in der TĂŒrkei werden aktiv unterdrĂŒckt, die Sorben in Deutschland hingegen siechen einfach hinfort. Bei den amerikanischen Ureinwohnern geschah beides zugleich.
Und hier kommen wir an einen ersten Knackpunkt: Der ganze letzte Absatz setzt dem Staatsnationalismus sein GegenstĂŒck zuwider, die Annahme, dass jedes Volk einen eigenen Staat bilden sollte.

Dem Volk ein Staat: Der Volksnationalismus
Oder auch disintegrativer oder separativer Nationalismus, Geburtsnationalismus und Rassenlehre.
In gewisser Weise die ursprĂŒngliche Idee, ein Volk ist eine Nation. Wenn ein Staat national sein soll, muss er sich aus der Volkszugehörigkeit ableiten.
Der erste Staat in der Geschichte, den ich so charakterisiert finde, ist Griechenland. Griechenland war ein staatsartig agierender Bund von StÀdten, der danach definiert wurde, wer griechisch sprach und an die griechischen Götter glaubte. Hier also wurde der Zuschnitt des Staates von einem Konzept der Volkszugehörigkeit bestimmt.
Es ist (das ist selten bei den Griechen) die genau gegenteilige Idee vom Nationalstaat, die spĂ€ter die Römer entwickeln wĂŒrden. Aber die Gleichung Staat=Nation ist dennoch identisch und ich halte es fĂŒr sehr wahrscheinlich, dass die Römer die griechische Idee mit den anderen griechischen Ideen verbreiteten, bevor sie aus eben dieser Gleichung andere SchlĂŒsse zu ziehen begannen.
Nun muss ich ehrlicherweise sagen, dass sich die nationalen Bewegungen kleinerer Völker auch ohne Griechenland erklÀren lassen. Die Leute mögen es nicht sonderlich, wenn Leute von aussen ihnen ihre Lebensweisen und Glaubensbekenntnisse verbieten wollen.
Aber: Was sich ohne diese griechische Vorgeschichte schwerer erklÀren lÀsst, ist die Spaltung Eurasiens in dieser Frage.
Es fÀllt auf, dass die territorialen Nachfolger Osttroms sowie die direkter unter griechischem Einfluss stehenden slawischen LÀnder deutlich stÀrker dazu neigen, Staatsgrenzen auf der Grundlage von Volksgrenzen zu ziehen. Die Kleinstaaten des Kaukasus sind ein deutliches Testament hiervon.
Wirklich interessant ist hier die Konfliktlinie: Die Bildung von Staatengrenzen auf Grundlage von Bevölkerungsverteilungen erfolgt historisch ausschließlich ausserhalb des ehemaligen Territoriums des weströmischen Reiches. Womit sich ĂŒbrigens auch erklĂ€rt, warum ausgerechnet Deutschland so ein Problem mit Bewegungen wie dem Faschismus hat: Deutschland steht zwischen den Nationalismen und neigt zwischen diesen hin und her, ohne einen bestĂ€ndigen Konsens zu finden. So zeigt sich in der DDR ein Volksnationalismus („Wir sind ein Volk!“), im ohne jeglichen Widerspruch (ausser von ein paar Nazis) von Deutschland separaten Österreich hingegen ein Staatsnationalismus. Und das wiederum erklĂ€rt sogar, wieso es im Osten im Vergleich zum Westen so unglaublich viele Nazis gibt: Das VerstĂ€ndnis vom VerhĂ€ltnis Volk/Staat ist schlichtweg ein anderes.
Es vermag auch zu erklĂ€ren, warum ausgerechnet England das Vereinigte Königreich anfĂŒhrte und warum der Kolonialismus innerhalb Europas praktisch nur die Staaten weströmischer PrĂ€gung erfasste. Beides sind Entwicklungen, die nur unter der Annahme der Existenz einer Leitkultur Sinn machen. Wenn aber Staatsgrenzen ohnehin nur Volksgrenzen wiedergeben, macht die Eroberung fremder Gebiete nur sehr eingeschrĂ€nkt Sinn. Die Idee, einen Krieg zur Ausbreitung des eigenen kulturellen Einflusses zu fĂŒhren, lĂ€sst sich nur aus dem Staatsnationalismus herleiten. Was nicht heissen soll, dass andere Staatskonstrukte keine Kriege fĂŒhrten, sie tun es nur aus anderen GrĂŒnden.

Osteuropa
ZurĂŒck zum Konflikt zur Hand. Mehr oder weniger.
Erstmal nach Russland. Russland ist ein Land unter starkem kulturellen Einfluss Griechenlands und Ostroms. Das zeigt sich in der russisch-orthodoxen Kirche ebenso wie in der kyrillischen Schrift.
Russland ist oft ein Staat, der bei europÀischen Entwicklungen auf kuriose Weise ausschert. Der russische Kolonialismus etwa umfasst nur direkt angrenzende Gebiete und erreicht andere Kontinente nur fast beilÀufig in Alaska, das spÀter an die USA verkauft wird.
Russland bildet mit dem Auftreten des sich selbst so bezeichnenden Nationalismus im 19. Jahrhundert die Idee des Panslawismus aus, den man in der obigen Überlegung als volksnationationalistisch begrĂŒndeten Staatsnationalismus bezeichnen kann. In der ersten HĂ€lfte des 20. jahrhunderts werden im slawischen Raum mehrere Vielvölkerstaaten gebildet: Die Sowjetunion, die Tschechoslowakei und Jugoslawien. Bis zum Ende des Jahrhunderts sind alle drei zusammengebrochen, die Völker dieser Staaten streben alle nach eigenen Staaten.
1922 ĂŒbernimmt der Usbeke (!) Stalin den Parteivorsitz der KPdSU, gefolgt vom Ukrainer Chruschtschow. Stalin ist die Spitze des Staatsnationalismus in der SU, er versucht mit brutalsten Mitteln gezielt, die Bevölkerung des Landes zu vereinheitlichen. Nach Stalins BrutalitĂ€t ist die Idee des Staatsnationalismus in der SU de facto tot, keiner seiner Nachfolger versucht mehr, die Union zum kulturell einheitlichen Staat zu formen. Anders sieht das bei einzelnen Mitgliedsstaaten der UdSSR aus und hier kommen wir zur Krim: 1964 ĂŒbertrĂ€gt Chruschtschow die russische Krim an die Ukraine. Betrachtet man die UdSSR dem Sozailismus gemĂ€ĂŸ als postnational, ist das kein großes Thema. Und es wĂ€re wohl eine reine Verwaltungsfrage geblieben, wĂ€re die Sowjetunion nicht in den 1990ern zerbrochen.

Und jetzt haben wir unsere Konfliktlinie: Die Ukraine orientiert sich in den Folgejahren zunehmand westlich. Sie ist unter den ostslawischen Staaten der einzige, der dies in diesem Umfang tut. Als Nationalstaat hat sie es einfach, eine gemeinsame IdentitÀt zu schaffen. WÀre da nicht dieser Fremdkörper Krim.
Was wir jetzt haben, sind eine volksnationalistische russische Bevölkerung („Wir sind ein Volk“ kehrt zurĂŒck), ein Russland, dem diese Tendenzen gelegen kommen und das daher ebenfalls volksnationalistisch argumentiert (inklusive Erinnerung an die Aufteilung Jugoslawiens auf Grundlage der Völkergrenzen), eine staatsnationalistisch argumentierende Ukraine („staatliche IntegritĂ€t“) und einen Westen, der ohnehin Staaten und nicht Völker als Subjekte internationalen Rechts betrachtet (also der staatsnationalistische Ansatz).

Und das ist meiner Meinung nach der Grund, warum Westen und Russland hier nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Ihre jeweiligen AnsÀtze sind ganz einfach nicht vereinbar.
Die ukrainischen Russen pochen hier auf die SouverÀnitÀt der Völker, die Ukraine auf jene des Staates. Das entspricht der vorherrschenden Ideologie bei beiden Gruppen. Warum Russland und der Westen als Dritte nun den jeweiligen Seiten zur Hilfe springen, tut dabei nichts zur Sache, da es hier um die internen Ursachen des Konfliktes innerhalb der Ukraine geht.

Offenes
Es gibt viele Aspekte, die bei dieser Überlegung offen bleiben. Ich bin nicht auf die Rolle der rechten Bewegungen in der Ukraine eingegangen. Der Wankelmut insbesondere Deutschlands und Russlands zwischen den beiden Auslegungen ist interessant und verdient genauere Betrachtung, ebenso dass grade diese beiden Staaten besonders auffĂ€llige Beispiele fĂŒr Vielvölkerstaaten sind, die sich selbst nicht als solche wahrnehmen. Es ist auch offensichtlich, dass zwischen den extremen ein Spektrum existiert, insbesondere wenn der Staatsnationalismus zur erfolgreichen Bildung eines Staatsvolkes fĂŒhrt.
Aber dieser Text ist ohnehin schon viel zu lang und ich hatte nicht vor, ihn als Buch zu publizieren. Vorerst nicht.

Nachtrag: Gut passend dazu Tammox (man beachte den Anriss zu multiethnischen Staaten) und Augstein.


7 auf einen Streich, Teil 1: PalÀozoikum

Nachdem meine Buchproduktion im letzten Jahr extrem hinter meinen an mich gestellten Erwartungen zurĂŒckblieb, konnte ich dieses Jahr meine ProduktivitĂ€ts enorm steigern und endlich wieder vorankommen, indem ich tĂ€glich etwas Zeit in die Buchproduktion steckte.
Endlich kann ich nun die Reihe Meilensteine der Evolution (fast) abschließen, meine Buchserie ĂŒber die Evolution, die sich ĂŒber die Zeit so sehr verĂ€ndert hat. Von einer Serie zu den Übergangsformen in der Erdgeschichte zu einer Serie ĂŒber die wichtigsten Ereignisse in der Evolutionsgeschichte mit Fokus auf je ein evolutionsbiologisches Thema in jedem Band.

Die Serie hÀtte bereits 2013 mit neun BÀnden und einem Sammelband abgeschlossen sein sollen. Ganz offensichtlich ist das nicht geschehen.
Doch mit meiner neu gefundenen ProduktivitĂ€t komme ich schneller voran als je zuvor. Die Struktur der BĂŒcher bietet die Gelegenheit, an mehreren BĂ€nden parallel zu arbeiten und so kam ich auf die Idee, die sieben ĂŒbrigen BĂ€nde in einem Schwung herauszubringen. Am 31. MĂ€rz wird es so weit sein, abhĂ€ngig davon, wie schnell Amazon die dann eingereichten BĂŒcher online stellt, könnte es auch der 1. oder 2. April werden.
Danach begebe ich mich an ein Papierbuch, das die Serie sammelt und um ein paar Kleinigkeit ergĂ€nzt, wie etwa Übersichten zu Erdzeitaltern, die die Serie aus verschiedenen GrĂŒnden ĂŒberspringt.

Zwei BĂ€nde lassen noch auf sich warten, was hauptsĂ€chlich an der Bebilderung liegt: FĂŒr Klirrender KĂ€lte gibt es kein geeignetes Titelbild, das werde ich wohl einzeln beauftragen mĂŒssen. FĂŒr Flammender Farne mangelt es zusĂ€tzlich zu einem Titelbild auch an brauchbaren freien Illustrationen fĂŒr das Innenleben.
Ich lese mich grade in das Thema Crowdfunding ein, um die Serie (vorerst?) abschließen zu können.

An den verbleibenden drei Montagen will ich die sieben BĂ€nde der Reihe in chronologischer Reihenfolge vorstellen. In diesem ersten Teil also die BĂ€nde, die im PalĂ€ozoikum liegen, dem Zeitalter zwischen dem Auftauchen von Lebewesen mit Skeletten vor ca. 550 Millionen Jahren und dem grĂ¶ĂŸten Massensterben der Erdgeschichte vor ca. 250 Millionen Jahren. Oder kurz gesagt: Die Zeit vor den Dinosauriern.


Zackigen Zahnes
Kanada vor 545 Millionen Jahren

Die ursprĂŒngliche Idee hinter den Meilensteinen war es, gezielt ĂŒber durch die Kreationisten ausgelassene oder verfĂ€lschte Informationen aufzuklĂ€ren. Die Kambrische Explosion ist eines der beliebtesten erdgeschichtlichen Ereignisse der Kreationisten, hat man doch lange Zeit gedacht, alle Sorten von Lebewesen wĂ€ren damals urplötzlich aus dem Nichts aufgetaucht. Doch die Wissenschaft bleibt nicht stehen und so weiss man heute mehr denn je ĂŒber die Dinge, die damals in der Tierwelt passiert sind.
Wir wissen inzwischen, dass die fremdartige Welt der kambrischen Ozeane keineswegs aus dem Nichts kam und es schon lange vorher Leben gab.

Aber nicht nur das: Die „Explosion“ lĂ€sst sich sogar relativ gut mit den Grundprinzipien der Evolution erklĂ€ren, sie ist schlichtweg das zu erwartende Ergebnis, wenn Variation ohne nennenswerte Selektion geschieht, also eine der GrundkrĂ€fte der Evolution ohne ihr Gegengewicht freilĂ€uft.
Hier kommt auch die zweite Aufgabe der Reihe hinzu, die Information ĂŒber die Funktionsweise der Evolution. An keinem besseren Beispiel lassen sich Variation und Radiation so schön erklĂ€ren wie in dieser kurzen Zeit, in der es nichts anderes gab.

So gerne ich auch Carel Brest van Kempens großartiges Kalenderbild der Burgess-Fauna verwenden wĂŒrde, ein Tiermaler dieser Prominenz ist höchstwahrscheinlich nicht im Budget. Aber ich sag euch was: Sollten diese BĂŒcher (oder das Crowdfunding fĂŒr die zwei fehlenden BĂ€nde) genug Geld dafĂŒr machen, werde ich das Cover entsprechend ĂŒberarbeiten.
Bis dahin hĂ€lt dieses Foto eines Dioramas aus dem Museum Mensch und Natur in MĂŒnchen her. Es zeigt nicht ganz so gut, wie anders die Welt des Kambrium war, ist aber ein durchaus realistisches Bild des Lebens in dieser Zeit.
Das Tierchen unten ist Opabinia, eine der zahlreichen wunderbar bizarren Arten aus der Gruppe der Radiodonten, die in der Geschichte mit mehreren Tieren (Opabinia und Anomalocaris) vertreten sind.


Feuchten Fußes
Grönland vor 360 Millionen Jahren

Dieser Titel ist ja bereits erschienen, aber mit den neuen BĂ€nden gibt es hier eine leichte Überarbeitung.
Der wichtigste neue Punkt ist das Kapitel „Schlaglicht“, welches immer einen im jeweiligen Buch wichtigen Mechanismus der Evolution beleuchtet und erklĂ€rt.
Beim vorherigen Band war das Radiation, hier ist es nun PrÀadaption.

Mit dieser kleinen ErgĂ€nzung kann die Reihe ihren Zweck, anschaulich die Evolution zu erklĂ€ren, fast schon perfekt erfĂŒllen. ich sage fast, weil es ja immer sein kann, dass noch eine Verbesserung dazukommt, bis jetzt wĂŒsste ich aber keine.
Mit dieser dritten Auflage ist Feuchten Fußes nun an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr glaube, am Grundkonzept der Serie noch etwas verbessern zu können. Das gilt ebenso natĂŒrlich fĂŒr sĂ€mtliche BĂ€nde der Reihe.

Flammender Farne
Ruhrgebiet vor 320 Millionen Jahren

Dieser Zeitabschnitt enthĂ€lt einen der beiden noch nicht veröffentlichungsreifen BĂ€nde. Ich möchte diesen aber nicht völig verschweigen. Flammender Farne fĂŒhrt in das Zeitalter des Karbon, dem Zeitalter der WĂ€lder, Amphibien und riesiger GliederfĂŒĂŸer wie drei Meter lange TausendfĂŒĂŸer und 70 Zentimeter spannende Libellen.
Dieser Band setzt sein Augenmerk auf die Entwicklung der Pflanzen dieser Zeit und wie das Entstehen gewaltiger WÀlder Klima und LebensrÀume auf der Erde verÀndern.

Pflanzen fĂŒhren ein eher stiefmĂŒtterlich behandeltes Dasein zwischen all den deutlich spektakulĂ€reren Tieren der Urzeit. Aber sie sind es, die stĂ€rker als alle anderen Lebewesen das Antlitz der Erde prĂ€gen. Nur leider ist es sehr schwierig, von prĂ€historischen Pflanzen auch nur annĂ€hernd so viele und so gute Abbildungen zu erhalten wie von den Tieren der Urzeit.

NÀchsten Montag geht es dann weiter ins Mesozoikum. Und damit, wie es sich gehört, zu den Dinosauriern und ihren nÀchsten Verwandten.