Literarische KW 13/2014

So, nach dem Ende der Politischen KW habe ich angefangen, das wöchentliche KW-Kürzel zu vermissen. Ich nutze es also um für etwas, was ich schon länger starten wollte: Die Literarische KW.
Die Sache ist die: Da ich selber eBooks schreibe, halte ich es für problematisch, Bücher anderer Autoren auf Amazon zu bewerten, das sieht schnell nach Vetternwirtschaft, Schlechtmachen oder dergleichen aus. Da ich aber dennoch den Drang habe, das über die Woche Gelesene öffentlich zu bewerten, pack ich das jetzt einfach hier ins Blog. Jeden Sonntag, tendenziell abends.
Dass es diesmal alles englischsprachige Sachbücher sind, ist übrigens Zufall.

David Price
OPEN: How we’ll work, live and learn in the future
Crux Publishing; 5,99 € für Kindle

Oh, ein Déjà Vu! Denn Open ist im Grunde das englische Äquivalent zu Wir nennen es Arbeit, dem mit Abstand besten, was der ständige Möchtegernexperte Sascha Lobo (mit Holm Friebe) jemals produziert hat.
Price geht allerdings über das Arbeitsleben weit hinaus, indem er sich der Bildung annimmt. Er beschreibt, wie die ständige Verfügbarkeit von Bildung und Information die Gesellschaft grundlegend verändern kann. Die Arbeitswelt ist dabei mehr eine Fußnote, die gestreift wird, viel wichtiger sind ihm virtuelle Hörsäle, OpenAccess und die Wikipedia. Er baut damit das Grundgerüst, dass Lobo/Friebes „digitaler Bohéme“ fehlte. Ein wenig ist das, als wären hier zwei Ideen in falscher historischer Reihenfolge publiziert worden, als die Zeit Schluckauf hatte.
Was Price hier formuliert ist eine Utopie des allgemeinen Zugangs zu wissen. Schattenseiten wie die ebenso verstärkte Verbreitung von Unsinn (Klimaleugner, Kreazionisten, Homöopathie, der ganze Murks dieser Sorte) und die Selbstüberschätzung (alle mitlesenden Mediziner dürfen jetzt kurz an Wikipedia-Selbstdiagnosen denken und aufstöhnen) finden nicht statt.
Dennoch eine Empfehlung für alle, die sich für die Zukunft der Bildung interessieren und was das für unser gegenwärtiges Verständnis von Wissen bedeuten kann. Und ein angenehmer Kontrast zur These von der digitalen Demenz.

Sam Conolly
The Evolution of Bird Flight: A Third Hypothesis
Selbstverlag; 0,89 € für Kindle

Das ist eines dieser Bücher, die vor dem Zeitalter des massenhaften Selbstverlags kaum eine Chance auf Publikation hatten – im besten Sinne. Eine ungewöhnliche Idee, mit Blick für Details entwickelt von einem autodidaktischen Nicht-Fachmann.
Conolly argumentiert, dass die Geschichte der ersten Vögel deutlich einfacher vorstellbar ist, wenn man sich die ersten Vögel als tauchende und schwimmende Jäger vorstellt, die Flügel ursprünglich als fiederne Flossen. Inspiration für diese Idee scheint der Hoatzin zu sein, ein tropischer Vogel, dessen Küken die einzigen lebenden Vögel mit Händen sind. Diese Küken nutzen laut Conolly ihre Hände weniger zum Klettern, als vielmehr zu Schwimmen.
Die Idee ist fraglos interessant, ob sie allerdings mit neueren Erkenntnissen zum Gefieder der gleitenden Raptoren (Archaeopteryx, Microraptor und Verwandte) zusammenpasst, wage ich zu bezweifeln. Vor allem, dass wir jetzt wissen, dass diese Tiere vier Flügel hatten und ihre Hinterflügel wohl als Seitenruder gebraucht wurden, bekräftigt die Idee, dass die Vögel schon immer Flieger gewesen sind.
Leider leidet das Buch an ein paar Ungenauigkeiten, die Kennern aufstoßen können: Conolly nennt die Theropoden ständig Thecodonten (erstere sind die Fleisch fressenden Dinosaurier, letztere eine Gruppe krokodilartiger Reptilien) und macht in einem kurzen Ausflug zu den Flügeln der Insekten einige empfindliche Fehler. So etwas hilft leider nicht dabei, von der Fachliteratur ernstgenommen zu werden.

Michael Garver
URBAN SURVIVAL: When the World as You Know It Has Changed Overnight
Benesserra Publishing; 5,03 € für Kindle

Prepping ist ein in letzter Zeit stark gewachsener Trend in den USA, bei dem es darum geht, möglichst gut auf etwaige Unglücke vorbereitet zu sein, wenn die Zivilisation plötzlich wegbricht. In gewissem Maße gab es das schon ewig, aber mit der Zerstörung von New Orleans 2005 wurde es relativ schnell ein kulturelles Phänomen.
Da diese Bücher oft auch nützlich sind, wenn man sich mit Selbstversorgung beschäftigt, habe ich schon viel dazu gelesen und vielleicht ist das der Grund, aus dem ich dieses Buch für weitgehend nutzlos halte. Nicht viel anderes als in allen anderen Büchern zum Thema auch, dazu ein extrem starker Bezug auf amerikanische Behördenstrukturen und eine seltsame Abhängigkeit von Spezialprodukten, die im Falle einer großflächigen Katastrophe wohl kaum schnell verfügbar wären.
Für Europäer praktisch nutzlos, für Amerikaner gibt es ebenso gute und bessere Bücher zum Thema zu deutlich günstigeren Preisen.


Zack, veraltet!

Manchmal hab ich echt Pech. Zum Beispiel, wenn der Stand der Wissenschaft fortschreitet, während ich ein Buch über genau jenes Thema vorbereite, zu dem es neue Erkenntnisse gibt. In diesem Fall geht es um Zackigen Zahnes. Die einführende Kurzgeschichte baut bisher auf der Vorstellung auf, dass die bizarren Anomalocariden die größten Fleischfresser in den Meeren des frühen Kambriums waren, bevor die Fische diese Stellung übernahmen. Und nun sieht es so aus, als wäre das falsch, wenigstens potenziell. Kurzgefasst wurde ein Vertreter der Gruppe gefunden, der sich höchstwahrscheinlich von Plankton ernährte. Das sieht auf den ersten Blick nicht wie ein großes Problem aus, immerhin gibt es auch Haie die Plankton fressen und ebenso räuberische Wale wie Plankton fressende Wale.

ich versuche gar nicht, diese Tiere zu beschreiben und stelle einfach ein Bild ein. Illu: Renato de carvalho ferreira, Wikimedia

Die Sache ist die: Sieht man sich nach diesem Fund die restlichen Anomalocariden an, wird klar, dass ihre Mundwerkzeuge für Planktonfresser weit mehr Sinn machen als für einen Beutegreifer an der Spitze der Nahrungskette. Es war lange ein Rätsel, wie diese Wesen fraßen und Spekulationen darüber haben die Paläontologie die letzten 30 Jahre beschäftigt. Die Mundwerkzeuge sind nicht geeignet, harte Schalen von Tieren wie Trilobiten zu zerbrechen, gleichzeitig ging man aber lange davon aus, dass sie diese fraßen, weil es entsprechende Überreste von zerbrochenen Trilobiten gab, die nur von Tieren von der Größe eines Anomalocaris stammen konnten.
Nun scheint es endgültig so, dass irgendetwas anderes diese Trilobiten gefressen hat. Und das alleine zeigt, dass wir noch längst nicht alles über die damalige Welt wissen.

So ist die Wissenschaft: Ständig gibt es neue Erkenntnisse. So verbessert sich unser Wissen um die Welt. Aber das bedeutet eben auch, dass Bücher veralten.

Das kann lästig sein, aber es passiert manchmal halt. In Zeiten des Papierpublizierens wäre das ein Problem gewesen, weil das Buch Monate später erschienen wäre und inzwischen vollkommen veraltet gewesen wäre.
Aber das Zeitalter des Papiers geht langsam zu Ende und was früher eine Katastrophe gewesen wäre, ist jetzt nicht mehr als eine kleine Hürde. Es verzögert vielleicht die Veröffentlichung um ein paar Tage, aber es gibt keinen Grund, mit einer veralteten Version eines Sachbuchs zu leben. Es gibt Updates und im schlimmsten Fall gibt es ein paar Tage Verzögerung.


7 auf einen Streich, Teil 3: Känozoikum

Nach dem großen Knall in Form eines Meteoriteneinschlags, mit dem das Mesozoikum endete, kommen wir mit den drei verbliebenen Bänden der Meilensteine der Evolution ins Känozoikum, das Zeitalter der Säugetiere einschließlich der Gegenwart.
Uns erwartet ein kurzer Blick in die Vorzeit, dann zu den frühen Menschen und schließlich ein kleines bisschen in die Gegenwart und nächste Zukunft.
Alle drei Bände sollen am 31. März für Kindle erscheinen, weitere Plattformen sollen folgen.


Klaubender Klaue
Mexiko vor 3 Millionen Jahren

Der vorerst letzte Ausflug in die Zeit vor dem modernen Menschen führt zum großen amerikanischen Faunentausch, einem Ereignis, bei dem die zuvor getrennten Tierwelten von Nord- und Südamerika zusammentrafen, als die beiden Kontinente sich verbanden.
In der darauf folgenden Zeit kam es zu großen Veränderungen und schlussendlich verschwanden viele Tierarten, insbesondere fast alle südamerikanischen Beuteltiere und die spektakulären Riesenfaultiere (unten auf dem Cover) und Glyptodonten (oben zu sehen).

Entsprechend geht es im Brennpunkt der Ausgabe auch um Verdrängung und Wettbewerb zwischen den Arten.


Gefälliger Gestalt
Europa vor 10.000 Jahren

Mit Gefälliger Gestalt geht es in die Welt, wie der Mensch sie zu verändern beginnt. Da liegt das Thema des Bandes natürlich nahe: Zucht.

Mit dem aktiven Eingriff des Menschen in die Evolution beginnt ein neues Phänomen, es entstehen Tier- und Pflanzenarten, die nur dank der Hilfe des Menschen überhaupt existieren können: Getreide, Hunde, Katzen, Schweine und so weiter. Felder, Weiden, Masthöfe – der Mensch verändert die Welt schon mit seiner Nahrungsproduktion tiefgreifend und beeinflusst aktiv den Lauf der Evolution.


Künstlichen Chromosoms
Antarktis im Jahr 2031

Und hier ist das große kontroverse Thema: Gentechnik.
Ich möchte es gleich sagen: Wenn ich Sachbücher wie diese schreibe, bin ich um inhaltliche Neutralität bemüht. Und das wird einigen beim Thema Gentechnik nicht gefallen. Natürlich spreche ich Themen wie Monsantos Giftmischerei an, aber ebenso spreche ich über Golden Rice und Insulin.

Wenn ich von Zucht spreche, kann ich von Gentechnik nicht schweigen. Nicht davon, was sie anders macht als konventionelle Zucht, nicht davon, was sie problematisch macht. Und nicht davon, wozu sie gut sein kann und ist. Schon allein die Wichtigkeit des Themas gebietet ausgewogene Aufklärung und Information darüber.
Das Thema ist für die Gegenwart zu wichtig, um es auszulassen. Und es ist vor allem zu wichtig für Vorurteile und Phrasen.


Heimatliebe

Eine der regelmäßigen Bullshit-Studien des Focus hat Gladbach mal wieder in keinem sonderlich guten Licht erscheinen lassen. Wie sehr das ganze Ranking Bullshit ist, sieht man an dem anderen Focus-Ranking, in dem Düsseldorf (hier Nr. 279) auf Platz 6 weltweit sitzt. Jedenfalls sah sich die RP sich genötigt, dagegen zu halten. Dazu nutzt sie eine der größten Listen von (ich schwöre, das ist das letzte Mal, dass ich dieses Wort in diesem Artikel benutze) Bullshit, die ich je in so kompakter Form gesehen habe:

Hier gibt es alles! Die Infrastruktur der Großstadt. Hier kann man Spitzenfußball sehen, und auch Bruce Springsteen singen hören, den Dalai Lama treffen und in einem Museum von Weltrang über den Blick moderner Künstler staunen.

Ja nee, is klar, der Dalai Lama schlendert hier ständig über die Straßen. Oh, Mann.

Daraufhin gab es in den lokalen sozialen Medien eine ganze Reihe von Liebesbekenntnissen zur Mönchengladbach. Ich alter Motzkopf habe oft genug die Frage gehört, warum ich hier bliebe, wenn es mir hier angeblich nicht gefiele. Die aktuelle Debatte gibt mir Gelegenheit, diese Frage ausführlich zu beantworten.

Die eine Tatsache, die ich vorausschicken möchte ist, dass ich keine Liebe für Verwaltungseinheiten empfinden kann. Nordrhein-Westfalen, Deutschland, Europa, diese Dinge sind mir emotional wurscht. Und damit auch eine Möglichkeit, eine Stadt zu lieben. Diese Dinge sind nichts weiter als verwaltungstechnische Einheiten, sie haben keine Bedeutung für mich jenseits der Kenntnis der unmittelbaren Einflussbereiche bestimmter Einzelpersonen (hauptsächlich Politiker und Verwaltungsmitarbeiter). Die politische Ebene Mönchengladbachs ist eine Notwendigkeit, eine Struktur, die letztlich wenig mit der Stadt selbst zu tun hat.
Ich komme nachher auf die Politik zurück.

Nein, ich liebe Mönchengladbach nicht. Ich mag einige Menschen hier, ich mag den Park gegenüber und noch einige der Wälder drumherum und… ja, im Grunde ist es das. Es ist sauberer als in großen Teilen von Düsseldorf oder gar Köln, das ist etwas, was ich als regelmäßiger Barfußläufer bezeugen kann. Es ist sicher, kaum eine Naturkatastrophe hat in dieser Gegend eine Chance, in den nächsten 2-3 Jahrmillionen echten Schaden anzurichten. Alles andere ist bestenfalls gewohnt.
Mönchengladbach ist eine Stadt der zusammengewürfelten Ersatzbauten zur Füllung der Weltkriegslücken. Der umfassende Wiederaufbau in den 50ern führte dazu, dass die Bausünden eben jenes Jahrzehntes allgegenwärtig sind, man siehe sich nur die rheydter Innenstadt an. Die Mundwinkel zeigen auf den Straßen nach unten, so man sie überhaupt hinter den vielen Windschutzscheiben an den viel zu vielen Autos sieht. Das wichtigste Hobby, das die Gladbacher neben Borussia teilen ist das Moppern (insofern bin ich ganz offensichtlich ein Produkt dieser Stadt). Die Atmosphäre ist im schlechtesten Sinne konservativ, was in der Praxis bedeutet, dass sie in fast allem etwa 20-30 Jahre hinter dem aktuellen Stand der Diskussion liegt und alles neue abgelehnt wird.

Und damit kommen wir zur Politik zurück. Liebte ich Mönchengladbach, ich wollte es nicht ändern. Doch ich will es ändern. Nein, das ist zu wenig gesagt: Ich wollte es am liebsten niederreissen und an seiner Statt eine neue Stadt errichten. Das geht nicht, also bleibt nur der Weg, die Stadt entsprechend zu verändern.
Ich muss etwas zurückspringen: In die Kommunalpolitik bin ich mehr oder weniger reingerutscht. Mein Interesse bei den Grünen war bei meinem Beitritt vor sechs Jahren zwar Politik, aber nicht die kommunale.
Wie gesagt identifiziere ich mich nicht mit Verwaltungseinheiten wie Ländern, sie sind aber der offensichtlichste Weg, die Welt zu verbessern. Und so albern das klingen mag, darum geht es mir.
Die Mönchengladbacher Politik ist mehr oder weniger der Bereich, in dem ich dies versuchen kann. Ich identifiziere nicht mit Verwaltungseinheiten, aber das heisst auch, diese Stadt ist Teil der Welt. Hier etwas zu verbessern heisst, einen Teil der Welt besser zu machen, so infinitesimal er auch sein mag.

Und das ist Teil der Antwort, warum ich mich um eine Stadt kümmere, die ich so wenig mag. Sie ist Teil jener Welt, an der mir etwas liegt. Hier etwas zu verbessern bedeutet immer, auch einen Teil der Welt zu verbessern.
Vielleicht sogar, das ist der andere Teil der Antwort, grade hier. Diese Stadt lässt mich oft genug verzweifeln. Doch dies ist für mich ein Motor. Wo es Grund zum Verzweifeln gibt, gibt es die Notwendigkeit, etwas zu verändern.
Ich wäre nicht in der Politik, wenn ich nicht glaubte, es gäbe Dinge, deren Veränderung all den Stress wert ist. Ich wäre nicht in der Politik, würde ich diese Stadt lieben. Ich bin letztlich aus dem selben Grund in der Politik, aus dem so viele andere meiner Generation diese Stadt so bald wie irgend möglich verlassen. Nur, dass ich andere Schlüsse daraus ziehe.

Alles andere wäre gelogen.


7 auf einen Streich, Teil 2: Mesozoikum

Im zweiten Trio der 9 Bände begeben wir uns ins Mesozoikum, das Zeitalter der Dinosaurier.
Dass alle Bände dabei im letzten Abschnitt des Mesozoikums, der Kreide, angesiedelt sind, ist mehr oder weniger Zufall.

Übrigens: Ich bin letzte Woche aus gesundheitlichen Gründen stark im Zeitplan zurückgefallen, das hatte ich heute bereits angedeutet. Das wird sich aber hoffentlich nicht auf die Veröffentlichung der Meilensteine der Evolution auswirken, ich muss die fehlende Woche halt mit etwas mehr Arbeit in der übrigen Zeit wieder reinholen.


Schwarzer Schwinge
China vor 120 Millionen Jahren

Die Entstehung der Vögel ist in einer Reihe zur Evolution vollkommen unvermeidbar und so taucht sie selbstverständlich auch hier auf. Nicht ganz so offensichtlich ist die Wahl von Microraptor als Star des Bandes mitsamt dem dazugehörigen chinesischen Setting.
Die offensichtliche Wahl wäre Archaeopteryx gewesen, der vor 150 Millionen Jahren in Bayern lebte. Aber: Microraptor lebte in einer Umwelt, die schlichtweg interessanter ist. Im China der frühen Kreidezeit erhob sich alles mögliche in die Lüfte – neben den Raptoren flogen auch bereits echte Vögel und die Flugsauriern herum. Auch gab es die in der Erdgeschichte immer wieder auftauchenden gleitenden Echsen. Eine gute Gelegenheit, die Vielfalt an fliegenden Tieren zu zeigen, aber auch die dortige Vielfalt an gefiederten Dinosauriern.
Entsprechend beschäftigt sich der Band im Schwerpunkt am beispiel der Federn mit den verschiedenen Formen, die ein Merkmal annehmen kann. Von den Flugfedern der Vögel über die Schmuckfedern einiger Dinosaurier bis zu den Borstenkämmen der frühen Ceratopier.

Klirrender Kälte
Alaska vor 70 Millionen Jahren

Hier ist der zweite Band der Reihe, der nicht zum 31. März erscheinen wird. Klirrender Kälte folgt den Dinosauriern der Arktis, allen voran den Pachyrhinosauriern. Die Reise einer Herde Pachyrhinosauriern wurde eher zufällig auch im Kinofilm Walking with Dinosaurs 3D gezeigt.
Aber zum einen war der Film furchtbar (es sei denn, man schaut ihn mit Ohropax bzw. ausgeschaltetem Ton) und zum anderen liegt das Konzept für diesen Band bereits seit einer Zeit auf meiner Festplatte, als ich von dem Film noch nicht einmal etwas ahnte.
Thema des Bandes wird die kulturelle Evolution sein, also die Rolle, die von Eltern und anderen weitergegebenes Verhalten in der Entwicklung des Lebens hat. Anders als gerne propagiert, ist kulturelle Evolution keine Besonderheit des Menschen und so nehme ich die Gelegenheit, das Thema im Rahmen von Wanderungsverhalten aufzugreifen.
Woran es hier mangelt? Schlichtweg an einem brauchbaren Titelbild.


Staksigen Schrittes
Nordamerika vor 66 Millionen Jahren

Das ist ein bereits erschienener Band, der das Ende der Dinosaurier aufnimmt. Oder in diesem fall der gleichzeitig ausgestorbenen und entfernt verwandten Flugsaurier.
Wie bei Feuchten Fußes gibt es auch hier nur die Ergänzung um einen thematischen Schwerpunkt in der Evolution, in diesem Fall wird im Lichte des Massensterbens die Rolle von Zufall, Glück und Pech beleuchtet und wie manche Lebewesen einfach aussterben, weil sie schlichtweg zur falschen Zeit am falschen Ort sind.
ich denke, es ist wichtig klarzustellen, dass bei allen anderen Einflüssen und Gesetzmäßigkeiten der Zufall im Leben immer eine gewisse Rolle spielt.

Nächsten Montag dann also das Känozoikum, das Zeitalter der Säugetiere. Und damit das kontroverseste Drittel der Serie. Es geht um Faultiere von der Größe eines Elefanten, Zucht und Gentechnik.


Die Krim und die zwei Nationalismen

So, nachdem ich nun unter der Woche nicht wirklich in der Lage war, längere Texte zu schreiben (fiese Erkältung macht dicken Kopf und ausserdem viel zu früh am Abend müde), hole ich jetzt also ein paar Themen nach. Fangen wir mal mit dem an, was heute wichtig wird, weil die größte Schwarzmeerinsel heute gestern über ihre Staatszugehörigkeit abstimmt abgestimmt hat: Die Krim und was die ganze Geschichte meiner Meinung nach damit zu tun hat, dass es nicht einen, sondern zwei gegensätzliche Nationalismen gibt.

tl;dr In Westeuropa machen sich meist die Staaten ihr Volk. Separatistenbewegungen hingegen machen dem Volk einen Staat. Die Krim ist aktuell ein gutes Beispiel für die Reibungspunkte zwischen beiden Ansätzen.

Es ist schwierig mit Nachrichten zur Krim, weil kaum zu ermitteln ist, wer lügt, wenn es um die Staaten der ehemaligen Sowjetunion geht. Die meisten Medien haben Putin als Bösewicht fest in ihren Drehbüchenr, egal was er macht. Im gegenzug übt sich so mancher Linker als Jubelperser für nahezu alles, was Russland tut. Dass dann mit CIA und KGB auch noch zwei Gruppen auf gegensätzlichen Fronten involviert sind, die jederzeit die Geschichtsbücher fälschen können, hilft nicht grade bei der Übersichtlichkeit.
Entsprechend zögerlich bin ich, mich zu den letzten Aufständen in der Ukraine zu äussern. Zumal mich größere Zusammenhänge meist mehr interessieren als die Vergänglichkeit der Tagesnachrichten. Doch als sich dann die Krim abzuspalten begann und der Westen hiergegen protestierte, fiel mir etwas auf.
Mir fiel auf, dass beide Seiten des Konflikts in absolut gegensätzlicher Weise nationalistisch motiviert waren. Und dass dies noch viel weiter in die Geschichte zurückreicht. Es ist ein Gedanke, der mir den Unterschied zwischen Österreich und der DDR begreifbar macht, warum Hitler nach Berlin statt nach Wien ging, woher der Hass zwischen Kurden und Türken rührt, warum der Balkan plötzlich nach und nach in die EU integriert und vieles mehr.

Die Idee ist, dass es zwei Nationalismen gibt. beiden ist die Vorstellung eigen, dass Staat und Volk im Idealfall deckungsgleich sind. Aber sie gehen jeweils gegensätzliche Wege, um dieses Ziel zu erreichen. Und jede Form ist für die jeweils andere eine Bedrohung.

Grundsätzliches vorab
Es gibt eine reihe hier überlagernder Dinge, die ich für zweitrangig halte.
Natürlich geht es Russland und der EU auch um Zugriff auf Öl und Gas der Krim. Aber das halte ich mehr für opportune Mitnahmeeffekte als für die Ursache des Streits, wenigstens Ukraine-intern. Russland hätte überhaupt nicht die Macht, einen solchen Konflikt aufzubrechen, wenn der Spalt nicht schon vorhanden wäre. Und es ist wahr, dass die Krim eine erst in der Sowjetunion der Ukraine zugeschlagene russische Insel ist, woraus sich die Bevölkerungsstruktur erklärt, das ist aber mehr eine historische Ursache als eine gegenwärtige Strömung oder ein Wirkmechanismus, um den es mir hier geht.
Interessant ist dagegen die räumliche Verteilung der Bevölkerungsgruppen in der Ukraine, da dies erklärt, warum grade die Krim für dieses Thema relevant ist. Bitteschön, das rote sind die Russen (Grafik von hier):

Sprachen in der Ukraine (Ukrainische Volkserhebung 2001)

Sprachen in der Ukraine (Ukrainische Volkserhebung 2001)


Der Rassismus ist ein mit dem Nationalismus verwandtes, aber dennoch separates Phänomen, das hier nicht Thema ist. Ebenso ignoriere ich Afrika und Asien ausserhalb des slawisch bewohnten Raumes sowie Skandinavien, weil ich von dessen Geschichte in dieser Frage zu wenig weiss.

Dem Staat ein Volk: Der Staatennationalismus
Andere Namensvorschläge wären der integrative oder assimilative Nationalismus, Obrigkeitsnationalismus und Leitkulturlehre.
Das ist das im Westen vorherrschende Modell eines Nationalstaates, ein Staat, der ein gewisses Territorium umfasst, dessen Einwohner seine Bürger sind. Die Staaten des „Westens“ sind historisch gewachsene Vielvölkerstaaten, die sich entweder durch das Römische Reich, Territorialverschiebungen in Folge von Kriegen oder Kolonialismus/Zuwanderung erklären.
Die europäisch geprägte Welt (Westeuropa, Amerika und Australien) ist von Vielvölkerstaaten geprägt. Dies zum einen wohl aufgrund der Durchmischung bei der Völkerwanderung und später im Kolonialismus, zum anderen in der Tradition des Römischen Reiches, welches als eine Art Schirmreich über zahlreiche kleinere Länder konstruiert war und später anfing, eine Leitkultur zu etablieren.
Den Anfangspunkt dieser Entwicklung setze ich auf das Dreikaiseredikt im Jahre 380, also die Christianisierung Roms. Bis zu diesem Zeitpunkt bezog sich die Vereinheitlichung der römischen Provinzen auf praktische Dinge wie Verkehrssprache und Währung, während Dinge des privaten Lebens, wie eben die Religion, keine Angelegenheit des Staates waren. Bis zu diesem Zeitpunkt werden Völker und Kulturen zudem über ihre religiöse Zugehörigkeit definiert. Beides endet 380-391 im Bereich des Römischen Reiches schlagartig. Rom beginnt, die Kultur seiner Einwohner zu vereinheitlichen. Zum ersten Mal in der (bekannten) Geschichte erklärt ein Staat von oben herab seine Einwohner zu Angehörigen eines Staatsvolkes, dessen Eigenheiten und Glaube Angelegenheit der Regierung sind.
Diese Idee verfestigt sich in den folgenden Jahrhunderten in den territorialen Nachfolgern Westroms und allgemein in den katholischen Staaten. Religion, Alltagssprache, Küche, verfügbare Technologien und mehr orientieren sich zunehmend am Zuschnitt der Staatengrenzen. Verändert ein Staat seine Grenzen, werden die Betroffenen entweder assimiliert oder wandern den Grenzverschiebungen hinterher.
Das ist natürlich kein reibungsloser Prozess. Gerät eine völlig fremde Volksgruppe in einen Staat, der ansonsten aus wenigstens halbwegs kulturell verwandten Gruppen besteht, kommt es zu Konflikten. Wobei Konflikt hier ein weiter Begriff ist: Die Basken in Spanien und die Kurden in der Türkei werden aktiv unterdrückt, die Sorben in Deutschland hingegen siechen einfach hinfort. Bei den amerikanischen Ureinwohnern geschah beides zugleich.
Und hier kommen wir an einen ersten Knackpunkt: Der ganze letzte Absatz setzt dem Staatsnationalismus sein Gegenstück zuwider, die Annahme, dass jedes Volk einen eigenen Staat bilden sollte.

Dem Volk ein Staat: Der Volksnationalismus
Oder auch disintegrativer oder separativer Nationalismus, Geburtsnationalismus und Rassenlehre.
In gewisser Weise die ursprüngliche Idee, ein Volk ist eine Nation. Wenn ein Staat national sein soll, muss er sich aus der Volkszugehörigkeit ableiten.
Der erste Staat in der Geschichte, den ich so charakterisiert finde, ist Griechenland. Griechenland war ein staatsartig agierender Bund von Städten, der danach definiert wurde, wer griechisch sprach und an die griechischen Götter glaubte. Hier also wurde der Zuschnitt des Staates von einem Konzept der Volkszugehörigkeit bestimmt.
Es ist (das ist selten bei den Griechen) die genau gegenteilige Idee vom Nationalstaat, die später die Römer entwickeln würden. Aber die Gleichung Staat=Nation ist dennoch identisch und ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Römer die griechische Idee mit den anderen griechischen Ideen verbreiteten, bevor sie aus eben dieser Gleichung andere Schlüsse zu ziehen begannen.
Nun muss ich ehrlicherweise sagen, dass sich die nationalen Bewegungen kleinerer Völker auch ohne Griechenland erklären lassen. Die Leute mögen es nicht sonderlich, wenn Leute von aussen ihnen ihre Lebensweisen und Glaubensbekenntnisse verbieten wollen.
Aber: Was sich ohne diese griechische Vorgeschichte schwerer erklären lässt, ist die Spaltung Eurasiens in dieser Frage.
Es fällt auf, dass die territorialen Nachfolger Osttroms sowie die direkter unter griechischem Einfluss stehenden slawischen Länder deutlich stärker dazu neigen, Staatsgrenzen auf der Grundlage von Volksgrenzen zu ziehen. Die Kleinstaaten des Kaukasus sind ein deutliches Testament hiervon.
Wirklich interessant ist hier die Konfliktlinie: Die Bildung von Staatengrenzen auf Grundlage von Bevölkerungsverteilungen erfolgt historisch ausschließlich ausserhalb des ehemaligen Territoriums des weströmischen Reiches. Womit sich übrigens auch erklärt, warum ausgerechnet Deutschland so ein Problem mit Bewegungen wie dem Faschismus hat: Deutschland steht zwischen den Nationalismen und neigt zwischen diesen hin und her, ohne einen beständigen Konsens zu finden. So zeigt sich in der DDR ein Volksnationalismus („Wir sind ein Volk!“), im ohne jeglichen Widerspruch (ausser von ein paar Nazis) von Deutschland separaten Österreich hingegen ein Staatsnationalismus. Und das wiederum erklärt sogar, wieso es im Osten im Vergleich zum Westen so unglaublich viele Nazis gibt: Das Verständnis vom Verhältnis Volk/Staat ist schlichtweg ein anderes.
Es vermag auch zu erklären, warum ausgerechnet England das Vereinigte Königreich anführte und warum der Kolonialismus innerhalb Europas praktisch nur die Staaten weströmischer Prägung erfasste. Beides sind Entwicklungen, die nur unter der Annahme der Existenz einer Leitkultur Sinn machen. Wenn aber Staatsgrenzen ohnehin nur Volksgrenzen wiedergeben, macht die Eroberung fremder Gebiete nur sehr eingeschränkt Sinn. Die Idee, einen Krieg zur Ausbreitung des eigenen kulturellen Einflusses zu führen, lässt sich nur aus dem Staatsnationalismus herleiten. Was nicht heissen soll, dass andere Staatskonstrukte keine Kriege führten, sie tun es nur aus anderen Gründen.

Osteuropa
Zurück zum Konflikt zur Hand. Mehr oder weniger.
Erstmal nach Russland. Russland ist ein Land unter starkem kulturellen Einfluss Griechenlands und Ostroms. Das zeigt sich in der russisch-orthodoxen Kirche ebenso wie in der kyrillischen Schrift.
Russland ist oft ein Staat, der bei europäischen Entwicklungen auf kuriose Weise ausschert. Der russische Kolonialismus etwa umfasst nur direkt angrenzende Gebiete und erreicht andere Kontinente nur fast beiläufig in Alaska, das später an die USA verkauft wird.
Russland bildet mit dem Auftreten des sich selbst so bezeichnenden Nationalismus im 19. Jahrhundert die Idee des Panslawismus aus, den man in der obigen Überlegung als volksnationationalistisch begründeten Staatsnationalismus bezeichnen kann. In der ersten Hälfte des 20. jahrhunderts werden im slawischen Raum mehrere Vielvölkerstaaten gebildet: Die Sowjetunion, die Tschechoslowakei und Jugoslawien. Bis zum Ende des Jahrhunderts sind alle drei zusammengebrochen, die Völker dieser Staaten streben alle nach eigenen Staaten.
1922 übernimmt der Usbeke (!) Stalin den Parteivorsitz der KPdSU, gefolgt vom Ukrainer Chruschtschow. Stalin ist die Spitze des Staatsnationalismus in der SU, er versucht mit brutalsten Mitteln gezielt, die Bevölkerung des Landes zu vereinheitlichen. Nach Stalins Brutalität ist die Idee des Staatsnationalismus in der SU de facto tot, keiner seiner Nachfolger versucht mehr, die Union zum kulturell einheitlichen Staat zu formen. Anders sieht das bei einzelnen Mitgliedsstaaten der UdSSR aus und hier kommen wir zur Krim: 1964 überträgt Chruschtschow die russische Krim an die Ukraine. Betrachtet man die UdSSR dem Sozailismus gemäß als postnational, ist das kein großes Thema. Und es wäre wohl eine reine Verwaltungsfrage geblieben, wäre die Sowjetunion nicht in den 1990ern zerbrochen.

Und jetzt haben wir unsere Konfliktlinie: Die Ukraine orientiert sich in den Folgejahren zunehmand westlich. Sie ist unter den ostslawischen Staaten der einzige, der dies in diesem Umfang tut. Als Nationalstaat hat sie es einfach, eine gemeinsame Identität zu schaffen. Wäre da nicht dieser Fremdkörper Krim.
Was wir jetzt haben, sind eine volksnationalistische russische Bevölkerung („Wir sind ein Volk“ kehrt zurück), ein Russland, dem diese Tendenzen gelegen kommen und das daher ebenfalls volksnationalistisch argumentiert (inklusive Erinnerung an die Aufteilung Jugoslawiens auf Grundlage der Völkergrenzen), eine staatsnationalistisch argumentierende Ukraine („staatliche Integrität“) und einen Westen, der ohnehin Staaten und nicht Völker als Subjekte internationalen Rechts betrachtet (also der staatsnationalistische Ansatz).

Und das ist meiner Meinung nach der Grund, warum Westen und Russland hier nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Ihre jeweiligen Ansätze sind ganz einfach nicht vereinbar.
Die ukrainischen Russen pochen hier auf die Souveränität der Völker, die Ukraine auf jene des Staates. Das entspricht der vorherrschenden Ideologie bei beiden Gruppen. Warum Russland und der Westen als Dritte nun den jeweiligen Seiten zur Hilfe springen, tut dabei nichts zur Sache, da es hier um die internen Ursachen des Konfliktes innerhalb der Ukraine geht.

Offenes
Es gibt viele Aspekte, die bei dieser Überlegung offen bleiben. Ich bin nicht auf die Rolle der rechten Bewegungen in der Ukraine eingegangen. Der Wankelmut insbesondere Deutschlands und Russlands zwischen den beiden Auslegungen ist interessant und verdient genauere Betrachtung, ebenso dass grade diese beiden Staaten besonders auffällige Beispiele für Vielvölkerstaaten sind, die sich selbst nicht als solche wahrnehmen. Es ist auch offensichtlich, dass zwischen den extremen ein Spektrum existiert, insbesondere wenn der Staatsnationalismus zur erfolgreichen Bildung eines Staatsvolkes führt.
Aber dieser Text ist ohnehin schon viel zu lang und ich hatte nicht vor, ihn als Buch zu publizieren. Vorerst nicht.

Nachtrag: Gut passend dazu Tammox (man beachte den Anriss zu multiethnischen Staaten) und Augstein.


7 auf einen Streich, Teil 1: Paläozoikum

Nachdem meine Buchproduktion im letzten Jahr extrem hinter meinen an mich gestellten Erwartungen zurückblieb, konnte ich dieses Jahr meine Produktivitäts enorm steigern und endlich wieder vorankommen, indem ich täglich etwas Zeit in die Buchproduktion steckte.
Endlich kann ich nun die Reihe Meilensteine der Evolution (fast) abschließen, meine Buchserie über die Evolution, die sich über die Zeit so sehr verändert hat. Von einer Serie zu den Übergangsformen in der Erdgeschichte zu einer Serie über die wichtigsten Ereignisse in der Evolutionsgeschichte mit Fokus auf je ein evolutionsbiologisches Thema in jedem Band.

Die Serie hätte bereits 2013 mit neun Bänden und einem Sammelband abgeschlossen sein sollen. Ganz offensichtlich ist das nicht geschehen.
Doch mit meiner neu gefundenen Produktivität komme ich schneller voran als je zuvor. Die Struktur der Bücher bietet die Gelegenheit, an mehreren Bänden parallel zu arbeiten und so kam ich auf die Idee, die sieben übrigen Bände in einem Schwung herauszubringen. Am 31. März wird es so weit sein, abhängig davon, wie schnell Amazon die dann eingereichten Bücher online stellt, könnte es auch der 1. oder 2. April werden.
Danach begebe ich mich an ein Papierbuch, das die Serie sammelt und um ein paar Kleinigkeit ergänzt, wie etwa Übersichten zu Erdzeitaltern, die die Serie aus verschiedenen Gründen überspringt.

Zwei Bände lassen noch auf sich warten, was hauptsächlich an der Bebilderung liegt: Für Klirrender Kälte gibt es kein geeignetes Titelbild, das werde ich wohl einzeln beauftragen müssen. Für Flammender Farne mangelt es zusätzlich zu einem Titelbild auch an brauchbaren freien Illustrationen für das Innenleben.
Ich lese mich grade in das Thema Crowdfunding ein, um die Serie (vorerst?) abschließen zu können.

An den verbleibenden drei Montagen will ich die sieben Bände der Reihe in chronologischer Reihenfolge vorstellen. In diesem ersten Teil also die Bände, die im Paläozoikum liegen, dem Zeitalter zwischen dem Auftauchen von Lebewesen mit Skeletten vor ca. 550 Millionen Jahren und dem größten Massensterben der Erdgeschichte vor ca. 250 Millionen Jahren. Oder kurz gesagt: Die Zeit vor den Dinosauriern.


Zackigen Zahnes
Kanada vor 545 Millionen Jahren

Die ursprüngliche Idee hinter den Meilensteinen war es, gezielt über durch die Kreationisten ausgelassene oder verfälschte Informationen aufzuklären. Die Kambrische Explosion ist eines der beliebtesten erdgeschichtlichen Ereignisse der Kreationisten, hat man doch lange Zeit gedacht, alle Sorten von Lebewesen wären damals urplötzlich aus dem Nichts aufgetaucht. Doch die Wissenschaft bleibt nicht stehen und so weiss man heute mehr denn je über die Dinge, die damals in der Tierwelt passiert sind.
Wir wissen inzwischen, dass die fremdartige Welt der kambrischen Ozeane keineswegs aus dem Nichts kam und es schon lange vorher Leben gab.

Aber nicht nur das: Die „Explosion“ lässt sich sogar relativ gut mit den Grundprinzipien der Evolution erklären, sie ist schlichtweg das zu erwartende Ergebnis, wenn Variation ohne nennenswerte Selektion geschieht, also eine der Grundkräfte der Evolution ohne ihr Gegengewicht freiläuft.
Hier kommt auch die zweite Aufgabe der Reihe hinzu, die Information über die Funktionsweise der Evolution. An keinem besseren Beispiel lassen sich Variation und Radiation so schön erklären wie in dieser kurzen Zeit, in der es nichts anderes gab.

So gerne ich auch Carel Brest van Kempens großartiges Kalenderbild der Burgess-Fauna verwenden würde, ein Tiermaler dieser Prominenz ist höchstwahrscheinlich nicht im Budget. Aber ich sag euch was: Sollten diese Bücher (oder das Crowdfunding für die zwei fehlenden Bände) genug Geld dafür machen, werde ich das Cover entsprechend überarbeiten.
Bis dahin hält dieses Foto eines Dioramas aus dem Museum Mensch und Natur in München her. Es zeigt nicht ganz so gut, wie anders die Welt des Kambrium war, ist aber ein durchaus realistisches Bild des Lebens in dieser Zeit.
Das Tierchen unten ist Opabinia, eine der zahlreichen wunderbar bizarren Arten aus der Gruppe der Radiodonten, die in der Geschichte mit mehreren Tieren (Opabinia und Anomalocaris) vertreten sind.


Feuchten Fußes
Grönland vor 360 Millionen Jahren

Dieser Titel ist ja bereits erschienen, aber mit den neuen Bänden gibt es hier eine leichte Überarbeitung.
Der wichtigste neue Punkt ist das Kapitel „Schlaglicht“, welches immer einen im jeweiligen Buch wichtigen Mechanismus der Evolution beleuchtet und erklärt.
Beim vorherigen Band war das Radiation, hier ist es nun Präadaption.

Mit dieser kleinen Ergänzung kann die Reihe ihren Zweck, anschaulich die Evolution zu erklären, fast schon perfekt erfüllen. ich sage fast, weil es ja immer sein kann, dass noch eine Verbesserung dazukommt, bis jetzt wüsste ich aber keine.
Mit dieser dritten Auflage ist Feuchten Fußes nun an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr glaube, am Grundkonzept der Serie noch etwas verbessern zu können. Das gilt ebenso natürlich für sämtliche Bände der Reihe.

Flammender Farne
Ruhrgebiet vor 320 Millionen Jahren

Dieser Zeitabschnitt enthält einen der beiden noch nicht veröffentlichungsreifen Bände. Ich möchte diesen aber nicht völig verschweigen. Flammender Farne führt in das Zeitalter des Karbon, dem Zeitalter der Wälder, Amphibien und riesiger Gliederfüßer wie drei Meter lange Tausendfüßer und 70 Zentimeter spannende Libellen.
Dieser Band setzt sein Augenmerk auf die Entwicklung der Pflanzen dieser Zeit und wie das Entstehen gewaltiger Wälder Klima und Lebensräume auf der Erde verändern.

Pflanzen führen ein eher stiefmütterlich behandeltes Dasein zwischen all den deutlich spektakuläreren Tieren der Urzeit. Aber sie sind es, die stärker als alle anderen Lebewesen das Antlitz der Erde prägen. Nur leider ist es sehr schwierig, von prähistorischen Pflanzen auch nur annähernd so viele und so gute Abbildungen zu erhalten wie von den Tieren der Urzeit.

Nächsten Montag geht es dann weiter ins Mesozoikum. Und damit, wie es sich gehört, zu den Dinosauriern und ihren nächsten Verwandten.