Architektur ist alles

tl;dr Die WĂŒrdigung Hans Holleins in Mönchengladbach ist eine oberflĂ€chliche. Wer Holleins Ideen wĂŒrdigen will, sollte in seiner Stadt keine immergleiche 08/15-Architektur Ă  la Burkhard Schrammen protegieren, das zeugt einzig von UnverstĂ€ndnis dieser Ideen./tl;dr

Vergangene Woche starb Hans Hollein, in Mönchengladbach als Architekt des Museums Abteiberg bekannt. Leider ist Hollein genau die Art Architekt, die in MG so schmerzhaft fehlt und ĂŒberhaupt in Deutschland an Bedeutung zu verlieren scheint.

Es gab in den letzten Wochen eine ganze Reihe von Bauvorhaben, denen allen gemeinsam war, dass die jeweiligen SiegerentwĂŒrfe, oft aber auch die anderen EntwĂŒrfe, geprĂ€gt waren vom immergleichen Bild: Aufeinandergestapelte weisse Rechtecke mit entweder glatten WandflĂ€chen oder Glasfronten und ohne individuelle Erkennungsmerkmale. Architektur wie vom Fließband.

Von oben nach unten: Zwei EntwĂŒrfe fĂŒr die Friedrich-Ebert-Straße (BaulĂŒcke gegenĂŒber Bushaltestelle Hauptstraße), ein aktuelles Projekt im Nordpark und ein Wettbewerbsgewinner fĂŒr einen Bau gegenĂŒber des Museums Abteiberg.

Unsere Presse spielt mit: Die 08/15-Glasfassade des rechten Entwurfs fĂŒr die Friedrich-Ebert-Straße findet die Rp „interessant“ das unĂŒbersehbar reduziert-moderne weisse Ding mitten im Denkmalbereich „fĂŒgt sich […] gut ins Gesamtbild ein“ und der Schrammen-Entwurf gegenĂŒber des Hollein-Museums sei laut Pressemitteilung der Stadt „stĂ€dtebaulich richtig und wichtig“.
Man könnte die Liste austauschbar gleicher Gestaltung fortfĂŒhren, etwa mit den Roermonder Höfen, die auch nur eine grĂ¶ĂŸere Version davon sind. Grade Schrammen/Jessen baut nur solche Dinger, die jedes Kind mit Legos unterfordern.
Selbst wo das Nutzungskonzept gut ist (wie etwa am Abteiberg), die Gestaltung ist eine immergleiche Soße, die keinerlei BerĂŒcksichtigung der Umgebung findet. Und nirgendwo ist das eklatanter als am Abteiberg, gegenĂŒber eines Hollein-Baus.

Ich habe mich bei der Vorstellung des Entwurfs bei Facebook mit meinem KOmmentar bei einigen nicht beliebt gemacht, als ich darauf hinwies, dass das GebĂ€ude nicht in die Ecke passe, insbesondere nicht an der durch sehr alte Bauten geprĂ€gten Krichelstraße (die wohl aus gutem Grund in keinem der Pressebilder gezeigt wird). Man kann das Problem erahnen, wenn man sich den architektonischen Kontrast zu den NebengebĂ€uden klar macht, die im Bild deutlich weiter entfernt aussehen, als sie sind.

Ein Zitat von Bernhard Jansen in der Facebook-Diskussion finde ich nachtrÀglich sehr interessant:

Ob ein post-moderner neo-neu-barocker Bau ehrlich besser sein könnte, wage ich zu bezweifeln.

Warum eigentlich nicht? Gibt es etwas an der Architektur der Jahrhundertwende, dass es heute unmöglich macht, ein GebĂ€ude zu bauen, welches sich in eine solche einfĂŒgt und dennoch etwas Individuelles hat, mit dem sich der Architekt verwirklichen kann? Ich sehe nicht, was das wĂ€re.
Hollein wĂŒrde sich, sofern er bereits beerdigt wurde, im Grabe umdrehen, denn grade sein Ansatz war es, dies wenigstens auszuprobieren. Denn, so verstehe ich Holleins Ansatz inzwischen, Architektur ist alles und deshalb verdient sie es nicht, lieblos angegangen zu werden.

Wer sich eine grĂ¶ĂŸere Anzahl Bauten und EntwĂŒrfe Holleins ansieht kommt nicht umhin, ihnen allen IndividualitĂ€t zuzugestehen. Jedes GebĂ€ude sieht vollkommen anders aus. Glasfassaden und weisse Rechtecke sind vorhanden, aber immer durch BrĂŒche, UnregelmĂ€ĂŸigkeiten, Störer jedweder Form durchstoßen.
Um mal ein Extrem herauszugreifen, hier ist das Institut fĂŒr Vulkanologie in Clermont-Ferrand, ein aus Vulkangestein gebautes Museum ĂŒber Vulkane. Mit einem NebengebĂ€ude in Form eines aufgespaltenen Vulkans!
Wer so etwas macht, baut keine langweiligen gestapelten weissen Rechtecke an jede Ecke einer Stadt. Der ignoriert auch nicht mal eben eine riesige mitten ĂŒber das GrundstĂŒck eines Projekts spannende BrĂŒcke und sagt nachher, er wisse nicht, was man damit machen solle.

Mönchengladbach ehrt Hollein diese Woche mit Nachrufen und mit der schon zuvor immer wieder in Erinnerung gerufenen Tatsache, dass er unser grĂ¶ĂŸtes Museum entworfen hat. Doch es zeigt sich auch ohne jegliches Bewusstsein fĂŒr Holleins Ansatz, seine Denkweise und seine Verdienste. Hollein war einer der letzten im Westen, die sich noch die MĂŒhe machten, Architektur als Kunst zu behandeln und ihr entsprechende Hochachtung zu gewĂ€hren.
Und ich vermute es ist dies, was den Architekten, die unsere Stadt jetzt bauen, fehlt. Das VerstĂ€ndnis, dass was sie bauen mehr ist als eine HĂŒlle fĂŒr FunktionalitĂ€ten. Architektur ist alles, sie umgibt uns stĂ€ndig. Der Lebensraum des Menschen ist Architektur und da der Lebensraum einer der prĂ€genden EinflĂŒsse auf ein Lebewesen ist, sollte seine Gestaltung entsprechend wichtig genommen werden. Ich wage zu behaupten, dass die aktuelle uniform-glatt-unkreative Bauweise ebensolche uniform-glatt-unkreativen Geister fördert.
Das war eine Erkenntnis Holleins. Ich mag den Hollein-Bau des Museums nicht besonders, aber ich verstehe ihn nach meiner BeschĂ€ftigung mit Hollein. Anders als von vielen Freunden des Baus gesagt hat dies meine Einstellung gegenĂŒber der gleichmachenden 08/15-Architektur der Gegenwart aber nur verschlechtert.
Es wĂ€re schön, wenn das aktuelle Gedenken an Hollein tiefer gehen wĂŒrde. Es lohnt sich.

Wobei auch Hollein mir noch nicht weit genug geht, denn eine Frage erlaube ich mir noch zu stellen: Warum eigentlich muss jedes GebĂ€ude der Gegenwart aussehen wie ein GebĂ€ude der Gegenwart? Die Technologie, einen Erker, Schnörkel oder Arkaden zu bauen, ist ja nicht verloren gegangen. Was hindert einen Architekten des 21. Jahrhunderts eigentlich daran, ein GebĂ€ude im GrĂŒnderzeitstil zu bauen? Technisch moderner und vielleicht auch mit ein paar Gestaltungselementen anderer Zeiten. Halt nicht wieder als „Epoche“, sondern als individueller Entwurf eines kĂŒnstlerisch tĂ€tigen Individuums. Denn Epochen sind ohnehin eine unsinnige Idee, geboren aus dem Versuch branchenweiter Gleichmacherei.

Ein gutes Beispiel gibt es in Gladbach ĂŒbrigens durchaus: Was auch immer man von der im Bau befindlichen Mall halten mag, sie ist individueller gestaltet, schöner und optisch besser in ihr Umfeld eingebettet als so ziemlich alles andere, was in der Stadt aktuell oberhalb des Niveaus eines Eigenheims gebaut und geplant wird (GrĂ¶ĂŸe und Funktion ignorierend, es geht nur um die Gestaltung). Und im allgemeinen sind die neuen Platzgestaltungen in der Stadt von hervorragender QualitĂ€t, weil hier Gruppen wie die Freimeister aktiv sind, die sich als KĂŒnstler verstehen und entsprechend individuelle Konzepte vorlegen. Es könnte allerdings auch daran liegen, dass PlĂ€tze in der Regel keine Fassaden haben.


Mediale KW 16/2014

Machen wir aus der Literarischen KW mal die mediale KW, womit auch andere Medien zu ihrem guten Recht kommen. Übrigens, wer die Literarische KW letzte Woche vermisst hat: Ich habe vorvergangene Woche schlichtweg keine BĂŒcher zu Ende gelesen. Ich habe Rain durchgespielt, aber das ist ja kein Buch.
Nun denn, lasst uns beginnen:

Stadium 7 – Die Invasion
Buch (Science-Fiction-Novelle); Inge Lembke

Amazon
Aliens landen auf der Erde. Sie kommen als Keime an, regnen eher zufĂ€llig grade auf die Erde nieder und wachsen dort ĂŒber die Jahre zu etwas neuem heran. Auf einen Schlag beginnt die Invasion, bevor die Menschen auch nur wissen, was passiert sind schon Millionen tot.
Inge Lembke zeichnet mit Stadium 7 eine andere Art von Invasion, eine Invasion durch Lebewesen, die als Sporen ankommen und die Erde quasi von unten ĂŒbernehmen. Die Invasion zerstört keine StĂ€dte, sie geschieht zunĂ€chst wie eine Krankheit und erst spĂ€ter folgt dann die bekannte Form der Invasion gegen die bereits stark geschwĂ€chte Menschheit.
Die Idee ist gut ausgearbeitet, leider sagt mir der Schreibstil so gar nicht zu. Zu akademisch-emotionslos liest sich Lembkes Text, zu viel wird geschildert statt es ĂŒber die Handlungen und Interaktionen der Figuren zu zu implizieren. Zu viel wird an unterschiedlichen Orten der Welt in kleinen Variationen wiederholt.
Letztlich habe ich wegen des interessanten Konzepts weitergelesen, aber nicht wegen des Textes selber. Das ist etwas, was Science-Fiction manchmal kann: Eine gut ausgearbeitete Idee rettet einen mĂ€ĂŸigen Text vor dem Nicht-Gelesen-Werden.
Faszinierend ist dieser Novelle eigene Idee eines Lebens nach dem Tod. Was ist „Ich“ und kann es ohne mich weiterleben? Ist das, was andere fĂŒr mein Ich halten, wirklich mein Ich? Und was genau ist die Erinnerung an „mich“; eigentlich wert? Ich habe das GefĂŒhl, Inge Lembke hat hier unbewusst die Vorgeschichte zu einem wirklich interessanten Roman verfasst, anstatt eben diesen Roman zu schreiben.


Rain
Videospiel (Puzzle-Adventure; Playstation 3); Sony

Sony Store
Ein Junge folgt einem unsichtbaren MÀdchen, dessen Umrisse sich im Regen abzeichnen, durch ein seltsames Tor aus Licht und wird selbst unsichtbar. Verfolgt von ebenso unsichtbaren Monstern macht er sich in dieser Regenwelt auf die Suche nach dem MÀdchen, wobei er sich durch UnterstÀnde an den Monstern vorbeischleichen muss.
Rain ist in jeglicher Hinsicht simpel. Die Geschichte ist einfach, die RĂ€tsel sind fast ohne Nachdenken lösbar, selbst die Musik besteht in der Regel aus recht einfachen KlavierstĂŒcken. Aber es ist in etwa drei Stunden durchgespielt und kann es sich daher erlauben, einfach nur schön zu sein, bevor es damit langweilt.
Es ist, alles in allem, nett. Nicht mehr, nicht weniger.


War of the Worlds: Goliath
Film (Science-Fiction-Trickfilm/Dieselpunk); Tripod Entertainment

Keine Ahnung, wo man den Film kaufen kann, sorry. Wobei, eigentlich nicht, aber dazu gleich.
1914: 15 Jahre nach dem ersten Angriff der Marsianer auf die Erde (siehe H.G. Wells sowie den Vorspann dieses Films) im Jahr 1899 steht Europa am Rande des 1. Weltkriegs. Doch der Krieg der Welten hat die Erde verÀndert: Es gibt eine internationale Einheit zur BekÀmpfung der Marsianer, sollten sie je wiederkommen. Mit eigenen dreibeinigen Kampfmaschinen, Flugzeugen und Luftschiffen nutzen sie von den Invasoren erbeutete Technologie, um gegen diese bestehen zu können.
Und tatsĂ€chlich kommen sie zurĂŒck.
Der Film beginnt vielversprechend mit einer wunderschönen Zusammenfassung der Ereignisse von 1899 in Sepia-Standbildern (oder genauer „limited animation“). Alltag auf der Erde, Kriegsvorbereitungen auf dem Mars. Die Vocorder-Musik ist nicht jedermanns Fall, aber sonst sehr schön.
Das hĂ€lt leider nicht lange an. Sobald der eigentliche Film beginnt, beginnen sich Charaktere wie Idioten zu verhalten und hören den ganzen Film durch nicht mehr damit auf. Unser Protagonist hat einen Vater, der als beinahe erste Aktion im Film völlig grundlos unter einer marsianischen Kampfmaschine die Deckung verlĂ€sst. Die Dummheit ist offenbar erblich, bleibt unsere Hauptfigur doch mitten auf der Flucht vor besagter Kampfmaschine auf der Straße stehen und stiert sie an, was seine Eltern das Leben kostet.
Mit 25 hat er den Rang eines Captain erreicht und leitet BodeneinsĂ€tze von A.R.E.S., besagter Anti-Marsianer-Truppe. Mitten in einer Übung fĂŒr einen neuen Typ irdischer KampflĂ€ufer und einen Tag nach dem Attentat auf Franz-Ferdinand beginnt eine neue Invasion mit besseren Kampfmaschinen, Flugmaschinen und jetzt gegen irdische Krankheitserreger immune Ausserirdische. Der neue Krieg der Welten beginnt.
Goliath ist ein absolut ĂŒberflĂŒssiger Film. Eine Fortsetzung zu Krieg der Welten muss zwangslĂ€ufig das Ende der Originalgeschichte umgehen. Leider lag in genau diesem Ende der ganze Sinn von Wells‘ Geschichte und Goliath tut nicht das geringste, um dieses Problem auszugleichen oder der Geschichte einen neuen Sinn zu geben, es ist einfach nur Geballer mit vielen Verlusten auf beiden Seiten.
Die ersten 30 Minuten scheinen zu einem deutlich besseren Film zu gehören als der Rest, aber mit dem Auftauchen der Invasoren bricht jeder ErzĂ€hlstrang abrupt ab. Die angedeutete Freundschaft zwischen unserem Protagonisten und Manfred von Richthofen? Bleibt nur angedeutet. Der Freiheitskampf der Iren und ihre Einstellung zur Invasion von 1899? Schnell beiseite geschoben, obwohl das der einzige Hinweis darauf war, dass jemand im Filmteam das ursprĂŒngliche Buch verstanden haben könnte. Die BarschlĂ€gerei? Ohne jegliche Konsequenz fĂŒr irgendwen. Der titelgebende Goliath? Schlussendlich nicht mehr als ein KampflĂ€ufer unter vielen auf dem Schlachtfeld.
Es gibt bessere Animationsfilme. Viele.


GrĂŒn wirkt, aber Wirkung dauert halt

Das Problem bei dem Ernten und SÀen ist, dass zwischen beiden Stadien in der Landwirtschaft viel Zeit vergeht. Auf dem Feld sind das ein paar Monate. In der Politik ist das Àhnlich, aber hier dauert es bis zur Reife hin und wieder Jahre. In der Zwischenzeit kann ein Feld schon mal den Besitzer wechseln und dann erntet jemand, der nie gesÀt hat.
Das kann positive wie negative Auswirkungen haben. Etwa, wenn Klaus Töpfer das Dosenpfand beschließt, Angela Merkel das bestĂ€tigt und JĂŒrgen Trittin das entsprechende Gesetz dann umsetzt. Und dann ist Trittin natĂŒrlich schuld, Töpfer und Merkel sind fein raus.

Aber wenden wir den Blick nach Gladbach und zum Anlass dieses Beitrags: GrĂŒn wirkt, aber halt nicht sofort. Ich lasse jetzt mal meinen Kampf um die Viktoriastraße aus, dessen Ergebnis frĂŒhestens in der Mitte der nĂ€chsten „Kommunalregierung“ zu sehen sein wird.
Statt dessen zwei Themen, die Freitag aufgekommen sind und die zeigen: Die FrĂŒchte politischer Saaten werden oft viel spĂ€ter geerntet. Und gerne von anderen.

Reduzierungsstopp GrĂŒnpflege
Am Freitag gab es auf der Jahresversammlung des Dachverbandes der Gartenfreunde Mönchengladbach (vulgo: KleingĂ€rtner) eine interessante Mitteilung von OberbĂŒrgermeister Bude: Die Standarts in der stĂ€dtischen GrĂŒnpflege werden nicht weiter gesenkt, die dritte Stufe der Absenkung werde nicht umgesetzt.
Dies darf man durchaus auch als Reaktion auf die breite Kritik am Zustand der GrĂŒnanlagen sehen. Leider hat es mangels Presse auf der Veranstaltung kaum jemand mitbekommen.
Dass dies ĂŒberhaupt möglich ist, geht auf ein Verdienst der GrĂŒnen zurĂŒck. Wir begeben uns in die Historie, das Jahr 2010.
Im Rahmen der Haushaltsplanung 2010/11 befasst sich erstmals die noch junge Ampelkoalition mit den Finanzen der Stadt. Ein wichtiges Thema dabei der Haushaltssanierungsplan (HSP), in dessen Entwurf auch eine massive Senkung der Pflegekosten in der GrĂŒnunterhaltung vorgesehen ist.
Erhebliche Zweifel unsererseits fĂŒhren schließlich zu einem Treffen in der GeschĂ€ftsstelle der FDP. Nach langem Hin und Her kommt es zu einem Kompromiss: Die Absenkung wird in drei Stufen vorgenommen und vor jeder Stufe wird ĂŒberprĂŒft, ob das Einsparungspotenzial tatsĂ€chlich vorhanden ist, wie das GrĂŒnflĂ€chenamt versichert. Es ist dieser Kompromiss, der nun drei Jahre spĂ€ter das Aussetzen der dritten Stufe ermöglicht.
Der große Fehler bei der ursprĂŒnglichen KĂŒrzung war meiner Meinung nach ĂŒbrigens, dass sie nur in einer BudgetkĂŒrzung bestand, aber kein Konzept dahinterstand, wie das Geld einzusparen sei. Was zu planlosen KĂŒrzungen quer durch den Gesamtbereich fĂŒhrte.

Übrigens, kleiner Exkurs: Die steigende Anzahl von BĂ€umen auf der jĂ€hrlichen FĂ€llliste hat auch damit zu tun. Denn ein Großteil dieses Wachstums geht auf BĂ€ume zurĂŒck, die bereits zuvor auf der Liste standen, aber aus Geld- und Personalmangel dann doch nicht gefĂ€llt wurden. Oder mit anderen Worten: Die FĂ€llliste wĂ€chst, weil weniger gefĂ€llt wird. Es ist also keineswegs so, dass mit grĂŒner Beteiligung mehr BĂ€ume gefĂ€llt werden als je zuvor, beziehungsweise weil weniger BĂ€ume als „erledigt“ von der Liste verschwinden. Aber die NichtfĂ€llung erzeugt eben diesen Eindruck, da die nicht gefĂ€llten BĂ€ume eben diese Liste zum Anschwellen bringen.

Radstation MG
Etwas presseprominenter ist die endlich erfolgte Bewilligung der Fördermittel fĂŒr die Radstation am Hauptbahnhof Mönchengladbach. Ein Antrag der GrĂŒnen von 2011, der 2012 zu einem Beschluss fĂŒhrte und nun, 2014, zum Ergebnis.
Und da der Bau erst nach der Kommunalwahl erfolgen wird, bin ich mal gespannt, wer 2014/15 versuchen wird, diese Lorbeeren aufzutragen. Beide OB-Kandidaten der großen Parteien haben das ja schon anklingen lassen.

Geplante Radstation MG, Bild: Stadt MG

Und erst recht bin ich gespannt, welche Erfolge aus der jetzigen Ratsperiode der nÀchsten angerechnet werden, einfach, weil sie noch dauern.

Merke: Wer in der Politik agiert, braucht einen langen Atem sowie ein noch lÀngeres GedÀchtnis.


Literarische KW 14/2014

Caesar Voghan
Runaway Nun
Geppetto Industries, 0,89 € fĂŒr Kindle

Die Zukunft: Ein Meteoriteneinschlag in Nordamerika hat die Welt, wie wir sie kennen, vernichtet. Die katholische Kirche sieht das UnglĂŒck als eine Botschaft Gottes und bildet Priester zu missionarischen Kriegern aus. UnglĂ€ubige sollen konvertieren oder sterben, denn sie sind es, wegen derer laut neu-katholischer Doktrin die alte Welt unterging.
Hinter den Kulissen geht seltsames vor: Ein Wissenschaftler, besessen von der Unsterblichkeit, erzeugt zu unklaren Zwecken Klone historischer Persönlichkeiten wie Churchill, Hitler und Marilyn Monroe. Letztere ist auch die entlaufene Nonne des Titels. Ihr Weg fĂŒhrt zu einer Begegnung mit einem brutalen Missionar und dem Papst, wo sie Unglaubliches enthĂŒllt.
Vermutlich, denn prompt nach der EnthĂŒllung endet das Buch. Runaway Nun ist eine kreative und detailliert ausgearbeitete Zukunftsvision mit einer guten Portion Action, herrlich postapokalyptischer AtmosfĂ€re und etwas Sex (immerhin ist die Monroe in dieser Geschichte). WĂ€re da nicht die Tatsache, dass das Buch mitten in der Geschichte einfach endet.
Das ist extrem schade, aber vielleicht kommt ja noch eine Fortsetzung. Immerhin war vor kurzem ein Kickstarter erfolgreich, um aus der Geschichte einen Comic zu machen. Dazu ist sie zweifellos geeignet und auch das abrupte Cliffhanger-Ende passt besser zu diesem Format als zu einer Novelle.
Also: Gute Geschichte, aber unvollstÀndig und vielleicht einfach im falschen Medium (Buch statt Comic) gelandet.

Kerstin Ordelt
66 Tipps & Tricks fĂŒr den Alltag: Schneller, einfacher & lustiger durchs Leben mit Life Hacks
Eigenverlag, 2,91 € fĂŒr Kindle

Warum ein Post-It besser ist als jeder Tastatursauger und wie man MĂŒcken mit einer Wasserflasche fĂ€ngt. Das Denglische kennt solche Dinge als „Lifehacks“, alle anderen einfach als Tipps und Tricks. Das ist zwar auch aus dem Englischen abgeleitet, passt aber besser in die deutsche Laut-Buchstaben-Zuordnung. Ganz konservative dĂŒrfen meinetwegen auch von RĂ€ten und Schlichen sprechen.
Wo war ich? Ach ja, Kerstin Ordelts kleines eBook. Die Tipps in diesem Buch sind zu großen tteilen tatsĂ€chlich nĂŒtzlich und es ist mit Sicherheit fĂŒr jeden etwas dabei, was er noch nicht wusste. Manche Dinge sind in alltĂ€glichen Produkten so vorgesehen ohne dass jemand es weiss, andere sind clevere Umnutzungen.
Das ist alles sehr schön, nur der Preis ist mit 2,91 € dann doch etwas hoch angesetzt. DafĂŒr hĂ€tten es deutlich mehr Tipps sein können, denn da kostet eine umfangreichere Ratgeberzeitschrift auch nicht viel mehr.

Mario Lorano
Der 25-Stunden-Tag – Mehr Zeit fĂŒr Dich!: Praktische Tipps um tĂ€glich eine Stunde Zeit zu sparen
Selbstverlag, 0,99 € fĂŒr Kindle

Juhu, mehr Tipps und Tricks, diesmal zu einem angemessener Preis! Mario Lorano verspricht, Lesern mit seinen Tipps jeden Tag zu helfen, eine Stunden Zeit zu gewinnen. Das wĂ€re toll, wĂ€ren die Tipps besser als „Stehen Sie morgens fĂŒnf Minuten frĂŒher auf“ oder „Sehen Sie weniger fern“.
WĂ€re das Buch nicht monetĂ€r kostenlos gewesen, ich fĂŒhlte mich veralbert. Nach der Logik des Buches, welches Zeit zu Geld erklĂ€rt, hĂ€tte ich sogar jedes Recht, mich veralbert zu fĂŒhlen. Somit fĂŒhle ich mich jetzt einfach mal veralbert.
Ich mag nicht veralbert werden. Ich bin jetzt beleidigt. Und der Mario Lorano ist doof *zungerausstreck*. So!