Wir basteln uns ein Hinterzimmer

tl;dr Die ersten Berichte zu den Vorhaben der GroKo in Mönchengladbach lassen schlimmes befürchten. Während der Kooperationsvertrag ein an die Wand genagelter Pudding ist, deutet bereits der Neuzuschnitt der Dezernate eine neue Dimension des rheinischen Klüngels an./tl;dr

Es verwundert schon sehr, was die Tage in einem Artikel der Rheinischen Post zur beabsichtigten Verwaltungsreform der Großen Kooperation (das Wort Koalition meidet man auf kommunaler Ebene) zu lesen ist, insbesondere dieser Teil:

Klar ist, dass der glücklose Baudezernent Andreas Wurff nicht mehr wie bisher für Bauen als auch für Planung in der Stadt verantwortlich sein wird.

Nochmal zum Mitschreiben: Planen und Bauen sollen separate Dezernatszuständigkeiten werden. Die Planung von Struktur, Infrastruktur und gesamtstädtischer Entwicklung wird von den Bauwerken getrennt, aus denen sie nun einmal besteht. Das ist in etwa so, als würde man das Geld vom Euro trennen.

Man muss natürlich alles, was die RP so schreibt, mit etwas Maggi zu sich nehmen. Eine Woche zuvor haben die uns auch noch erzählt, wenn Reiners gewählt würde, gäbe es in MG schwarz-grün. Aber bisher hat zumindest noch niemand dieser Schilderung widersprochen. Andererseits hat sich eben bei der Dezernatsverteilung einiges als unwahr erwiesen. Doch gehen wir vorerst davon aus, dass die Berhauptung einer solchen Aufteilung stimmt und wenigstens vorab in der Diskussion war. Denn dann kommt eine interessante Frage auf: „Warum?“

Ich habe lange darüber nachgedacht, warum man eine solch unsinnige Aufspaltung durchführen sollte. Dass die RP Wurff gerne ohne jegliche Begründung oder erkennbare Basis immer wieder als erfolglos und unbeliebt/umstritten darzustellen versucht, sei dabei mal aussen vor gelassen.
Also fragte ich mich, wo es denn Konflikte oder Reibungen zwischen den Bereichen gegeben hat und… da kommt dann der Speck ans Schwein. Es geht um das Bauen eines gemütlichen Hinterzimmers für die bekannten Nutznießer von, sagen wir mal, guten Kontakten in die politische Führungsebene der Volksparteien. Die bereits in einem anderen Zusammenhang hier negativ angesprochene Achse Jessen/Schrammen. Zuletzt fuhr denen beim Bauen der Planungsbereich in die Parade, als aufgefallen ist, dass dieses Projekt Zielen der Stadtentwicklung (hier: Aufbau eines Gladbachtals) zuwiderläuft und dem Investor die Kosten nötiger Änderungen zu hoch wurden.
Oh, und dann ist da noch das Bauprojekt Kaufland Holt, das sich etwas verzögert hatte, weil fraglich war, ob das Projekt für den Stadtteil überhaupt verträglich ist (eine klassische Frage der Stadtplanung).
Die Liste könnte ich noch ewig lang weiterführen. Der Punkt ist, die meisten solchen Konflikte hätte es gar nicht gegeben, wenn es ein Planungsamt gäbe, dessen Zuständigkeit erst so spät im Prozess läge, dass es der Planung widersprechende Bauvorhaben faktisch nicht mehr in nennenswerter Weise beeinflussen könnte. Und in der Tat ist dies der einzige mögliche Sinn, den ich hinter einer Dezernatsaufspaltung erkennen kann.
Man will so lästige Dinge wie langfristige Perspektive zu Gunsten der Stadt möglichst weit aus den Bauvorhaben heraushalten, damit tief eingeklüngelt erscheinende Bauherren sich möglichst rücksichtslos die Taschen füllen können. Auch wenn ich kein großer Freund allzu folgenreicher Pläne bin, dieses genaue Gegenteil ist genauso falsch. Wer sich dann wundert, wieso Gladbach seit den 80ern beständig an Profil und Attraktivität verliert, der sollte vielleicht noch mal scharf überlegen, ob planloses Gebaue einiger weniger Investoren ohne Rücksicht auf Strukturen, Umgebung oder Entwicklungsziele nicht genau der Grund dafür ist.

Ein Thema, das die Grünen in die Sondierungsgespräche mit der CDU mitnahmen war übrigens Korruptionsbekämpfung.


Sisyphos‘ automobile Freunde

Gilbert Garcin - Le moulin de l’oubli


Heute will ich über einen Fall sprechen, in dem es eine wirksame Lösung für ein Problem ist, die aber zugleich die Ursache des Problems zur Normalität macht und somit fördert, was weitere Probleme für die Zukunft erzeugt. Nicht ganz eine Teufelsspirale, aber wohl eine wahre Freude für Sisyphos. Womit dieser Eintrag schon einen deutlich besseren Bezug zu Camus hat als der letzte zu Miller. Manche Dinge lern ich dann auch nach 16 Jahren bloggen noch dazu.
Keine Angst, es geht jetzt nicht um Philosophie. Es geht um das deutsche Straßenverkehrsrecht samt ergänzender Rechtsprechung, ein bisschen um Fahrradhelme und um Verkehrspsychologie. Wer allerdings im Vergleich dazu leichte Kost sucht, dem kann ich Camus nur empfehlen, auch wenn ich seine Sisyphos-Interpretation für etwas krumm halte.

Aber zurück zum Thema, um das es eigentlich geht: Das hier. Ein Taxifahrer aus Wesel versucht derzeit, ein besseres Warnsystem einzurichten, um Radfahrern anzuzeigen, dass der Fahrer eines haltenden Wagens aussteigen will. Da Autofahrer selten vor dem Öffnen einer Tür (vorschriftsmäßig und für den langfristigen Erhalt der Tür sinnvollerweise) noch ein Mal nach hinten schauen, sollen wenigstens andere Verkehrsteilnehmer gewarnt werden.

Diese Initiative wiederum geht zurück auf einen Fall, der letzte Woche öffentlichkeitswirksam vor dem Bundesgerichtshof verhandelt wurde. Es ging um die Frage, ob jemandem, der bei einem Unfall mit dem Fahrrad keinen Helm trägt, von der Versicherung eine Mitschuld eingeräumt werden kann. Eine Fahrerin war gegen eine sich plötzlich vor ihr öffnende Autotür gefahren, gestürzt und hatte sich schwere Verletzungen zugezogen. Das Gericht entschied letztlich gegen die Mitschuld. Die Urteilsbegründung ist übrigens ziemlich interessant, aber im Kontext dieses Artikels nicht weiter relevant, weil es mir hier nicht um juristische Fragen geht, auch wenn ich hier (als Nichtjurist, wohlgemerkt) eine Menge juristische Quellen verwende.
Ein Thema, das nun (mal wieder) breit diskutiert wird, ist die Radhelmpflicht. Zu deren volkswirtschaftlichen Auswirkungen haben Martin Randelhoff und Lutz Tesch Bei Deutschlandradio Kultur einiges gesagt, zusammengefasst: Auch wenn ein Radhelm individuell sinnvoll sein kann, ist eine Helmpflicht volkswirtschaftlich möglicherweise schädlich, da sie die Zahl der Radfahrer senkt, was der Volksgesundheit schadet und sogar zu einer höheren Zahl an Fahrradunfällen führen kann.

Mein Ansatz ist ein anderer, eben der sisyphorische: Sowohl Radhelmpflicht als auch Zülfikar Celiks Blinkerlösung verringern zwar potenziell das Problem von Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen, führen aber dazu, dass die eigentlichen Ursachen des Problems als Normalität anerkannt werden, was wiederum den Straßenverkehr an sich gefährlicher macht. Und die Ursache sind – pardon, aber – rücksichtslose Autofahrer, vor allem zwei Verhaltensweisen.

Das eine ist der fehlende Rückspiegel- oder Schulterblick aussteigender Fahrer. Den Tipp von Tesch, einfach beim Aussteigen die Tür mit der rechten Hand zu öffnen (bzw. mit der linken, wenn man rechts sitzt), ist hier sehr hilfreich, aber natürlich nicht vorschriftsgeeignet. Nur wäre das gar kein Problem, wenn nicht das viel größere, im übrigen auch viel lästigere Phänomen aufträte: Missachtung von Abständen aus bestenfalls Unkenntnis der Regeln, schlimmstenfalls Anspruchsdenken.

Es ist für Radfahrer alltäglich, angehupt, beschimpft und weggedrängt zu werden, wenn sie sich nicht so eng wie es nur geht an den Fahrbahnrand zwängen. Man sei ein Verkehrshindernis, unverschämt und tue so, als würde einem die Straße gehören (sic!). Radfahrer werden von vielen Autofahrern schlichtweg dazu gedrängt, eine wichtige Vorgabe zu missachten: Den seitlichen Mindestabstand.

Die meisten Autofahrer kennen den hier wahrscheinlich und beziehen sich gerne auf §2 Abs. (2) StVO:

Es ist möglichst weit rechts zu fahren, nicht nur bei Gegenverkehr, beim Überholtwerden, an Kuppen, in Kurven oder bei Unübersichtlichkeit.

Das heisst aber eben nicht, dass man sich am Bordstein entlangschrammen soll, sondern dieses „möglichst weit“ ist definiert, vor allem durch Gerichtsurteile. Der Abstand beträgt ca. 80 cm zum Bürgersteig und zwar nicht erst seit gestern, denn zu finden ist diese Zahl in einem BGH-Urteil von 1957. Parken am Rand der Fahrbahn Autos, sind es sogar 1,5 Meter (bzw. eine realistisch zu erwartende Türbreite), die ein Radfahrer seitlichen Abstand halten muss:

LG Berlin, Az. 24 O 466/95
Radfahrer müssen einen ausreichenden Sicherheitsabstand vom rechten Fahrbahnrand und insbesondere von parkenden Kraftfahrzeugen einhalten. Der Abstand muß so bemessen sein, daß den Radfahrer eine sich öffnende Autotür nicht in eine Gefahrensituation bringen kann

Würden Autofahrer diese Vorgaben kennen und beherzigen, statt vorschriftsmäßig fahrende Radler von der Straße zu drängen und sie auch noch als Kampfradler zu brandmarken, gäbe es kaum noch Unfälle dieser Art. Und da bei Unfällen mit Autotüren für Radfahrer die mit Abstand größte Gefahr besteht, sich zu überschlagen und auf dem Kopf zu landen, gäbe es auch deutlich weniger Tote und Schwerverletzte.
Aber wir reden lieber über eine Helmpflicht oder Blinker und behandeln damit halbherzig die Symptome, während die Straßen immer gefährlicher werden, weil wir gefährliches Fehlverhalten als neue Normalität akzeptieren und damit die Maßstäbe des Akzeptablen ständig zu Ungunsten der schwächeren Verkehrsteilnehmer verschieben. Und die stärkeren finden das auch noch richtig so, wenn nicht gar selbstverständlich. Und so beginnt die Geschichte mit dem Stein, der Grube und den Freuden einer griechischen Sagenfigur aus dem Titel des Artikels.


Tod eines Handlungstwitternden (aktualisiert)

Oh, eine Miller-Referenz im Titel, das wird gut! Aber um ehrlich zu sein gefiel mir nur spontan der Titel. Nunja, und wenn überhaupt, dann leider nicht ob des Anlasses: Twitter hat allem Anschein nach kurzerhand eBooks für lau kastriert.
Und hier, was passiert ist:

Und der Weg dorthin:
Wie einige Leser wissen werden, ist eBooks für lau ein von mir betriebener Twitter-Account, der Links zu jeweils aktuell kostenlosen eBooks mit einer kurzen Beschreibung des betreffenden Buches bringt.
Dies tue ich dort in nicht im geringsten aggressiver Weise: Ich folge mit diesem Account niemandem nur um Gegen-Follows zu erhalten, ich schreibe keine anderen Twitter-Accounts ohne Grund an, ich habe nie eine Direktmitteilung an einen Follower geschickt, geschweige denn eine unverlangte.
Ich schicke täglich um ca. 18 Uhr einige Tweets zu kostenlosen Büchern. Seit 2½ Jahren fast jeden Tag an inzwischen deutlich über 500 Follower, die alle aus eigenem Antrieb und – so hoffe ich doch – in vollem Bewusstsein, dass der Account nichts anderes tut eBooks für lau gefolgt sind. Fast 6.400 Tweets.
Und dann plötzlich schlägt ein Spamfilter an, wenigstens ist es das, was ich aufgrund der automatisierten Natur der Meldungen annehme.

Die erste kleine Gewitterwolke erschien bereits vor etwa zwei Monaten am Horizont, als Twitter sich plötzlich weigerte, Links von adf.ly zu akzeptieren. Es handelt sich dabei um einen URL-Kürzungsdienst, der bei verlinkten Seiten über die Einblendung eines Werbebanners Einnahmen generiert. Ich nutze ihn immer dann, wenn ein Link auf eine Seite geht, bei der ich keine Werbeeinnahmen aus der eigentlichen Verlinkung erhalte (am häufigsten bei Beam).
Übrigens lustigerweise, wenige Wochen nachdem ich hingegangen bin und die Werbung dort von einer ganzseitigen Anzeige vor Zugriff auf den Link auf ein Banner umgestellt hatte, damit die Werbung weniger stört. Denn ich bin jemand der glaubt, dass Werbung durchaus als positives Informationsorgan dienen kann, wenn sie nur ethisch und moralisch korrekt gestaltet wird und wenn sie den Umworbenen nicht unbotmäßig belästigt.

Nun gut, ich wechselte auf eine andere Kürzungs-URL, die ebenfalls über adf.ly läuft (q.gs) und damit war das Problem erledigt. Vorerst.

Denn dann kam heute: Twitter weigerte sich nun auch, einen q.gs-Link anzunehmen mit dem Vermerk, es bestehe der Verdacht, dieser Link sei fragwürdigen Inhalts. Tatsächlich fand ich bei Überprüfung von Futuretweets für gestern, dass schon dort die zwei Tweets mit q.gs-Links nicht gesendet werden konnten.
Futuretweets ist ein Service, der es ermöglicht, Tweets vorab zu schreiben und die dann später versendet. Ich nutze ihn ab und an, wenn sich Termine oder ähnliches mit meinen Zeiten für Tweets beissen, gestern beispielsweise hatte ich Familienbesuch und wir haben den Abend draussen mit Grillen verbracht (nicht Heuschrecken, Barbecue!). Ich versuche, trotz gelegentlicher verpasster Tage, eine für die Leser verlässliche Zeit einzuhalten und gehe davon aus, dass sie diese Verlässlichkeit zu schätzen wissen. Möglich, dass auch dies dazu beigetragen hat, dass Twitter die Tweets für automatisiert hält, aber das ist das gesamte Ausmaß, in dem ich automatisierte Dienste nutze.
Nun, ich kürzte den gekürzten Tweet nochmal über bit.ly ab, um die Linksperre bei Twitter zu umgehen, was zwar dazu führte, dass ich den Beitrag absenden konnte, wer darauf klickte jedoch zunächst eine Warnung erhielt.

Leser haben wenigstens ganz unten rechts die Option, die Warnung zu ignorieren. Ich habe das beim Posten nicht


Das ist ja noch schlechtere Kommasetzung in der Systemmitteilung als in einem meiner Texte.

Nachdem dieses Problem vorerst überwunden war, mir aber klar war, dass ich später noch eine andere Lösung suchen werden müsste, begab ich mich an den Amazon-Teil der heutigen Liste von nach erstem Augenschein empfehlenswerten kostenlosen Büchern.
Der erste Amazon-Tweet: Es kam erstmalig die ganz oben in diesem Beitrag gezeigte Fehlermeldung, aber bei zweitem Absenden ging der Tweet raus. Ich vermutete zunächst, der kurze Zeitabstand von unter 60 Sekunden zwischen den Tweets habe das ausgelöst.
Nächster Tweet, nächste Fehlermeldung. Der Tweet funktionierte erst, als ich den Link an eine andere Stelle im Tweet setzte, nämlich an den Anfang.

Das ging eine Weile und dann zeigte sich die Fehlermeldung jedes Mal, wenn ich versuchte, einen Link in einen Tweet zu setzen. Egal, wo im Tweet der Link war und egal, was für ein Link es war: Amazon ging nicht (offensichtlich), obwohl dies wohl kaum im Verdacht steht, Malware zu verteilen.
Als ich einen Screenshot des Problems teilen wollte stellte sich heraus, das nicht einmal mehr Twitter-eigene Links für hochgeladene Medieninhalte funktionierten.

Im Moment kann ich noch Beiträge ohne Links schreiben. Ich habe dies genutzt, um die Leser über die Situation zu informieren und die restlichen kostenlosen Titel für den Tag (sowie das auf 0,99 € runtergesetzte Drachenschiffe über Kenlyn vom von mir immer gerne empfohlenen Dane Rahlmeyer) wenigstens mit Titel und Autor zu erwähnen, damit die Leser diese dann bei Amazon ins Suchfeld eingeben können.

Momentan weiss ich nicht, was passiert ist. Ich kann vermuten und momentan sieht alles danach aus, dass ein Twitter-interner Spamfilter auf meine Tweets angeschlagen ist. Ich habe keinerlei diesbezügliche Mitteilungen von Twitter bekommen, weder über die Twitter-Seite noch an die mit dem Account verbundene eMail-Adresse. Keine Warnung, keine Information, keine Belehrung irgendwelcher Klauseln in den Nutzungsbedingungen, nichts.
Der finanzielle Schaden hält sich in Grenzen, in seinen besten Monaten macht eBooks für lau mit den Affiliate-Links und Bannereinblendungen um die 100 €, normalerweise weniger. Aber mein Vertrauen in die Zuverlässigkeit von Twitter ist damit doch erheblich erschüttert – ohne Vorwarnung und Begründung einen Account zu kastrieren ist übler als das, wofür Youtube zuletzt mächtig Ärger bekommen hat. Die liefern wenigstens gleichzeitig mit Ergreifen der Maßnahme eine inhaltsleer-automatisierte Begründung, wenn sie einen Account sperren.
Ich habe einen Dienst betrieben, der per Twitter für Nutzer kostenlos einen echten Mehrwert erzeugt hat. Ich habe dabei niemandem geschadet, ich habe niemanden belästigt. Ich habe damit etwas Geld gemacht, was wohl kaum in irgendeiner Weise verwerflich ist, vor allem nicht bei diesen Beträgen. Ich verstehe nicht, was ich mit eBooks für lau falsch gemacht haben soll.

Ich werde mich nun mit Twitter in Verbindung setzen um herauszufinden, was passiert ist und den Dienst nach Möglichkeit fortsetzen zu können.

Nachtrag: Der Dienst funktioniert wieder. Es sieht so aus, als habe der q.gs-Link irgendwelche Sicherheitsroutinen im System ausgelöst. Ich finde den Umgang von Twitter mit solchen Diensten ziemlich unmöglich


Selbstverleger-Schlagzeilen zum Aufhorchen

Die letzten Tage gab es zwei Schlagzeilen zum Thema Selbstverlag in Deutschland, die ich sehr interessant fand und die weitere iMplikationen haben. Deswegen wollte ich dazu mehr schreiben, als bei Twitter möglich ist, auch wenn es für einen meiner Blogbeiträge vergleichsweise kurz wird. An alle, die jetzt aufatmen: Das mit der Kürze wird nicht lange halten.

Springer wegen Adobe DRM verklagt
Die Buchkette Osiander und eBuch haben Springer verklagt, weil diese eBooks mit und ohne DRM zum gleichen Preis anbieten, also als gleichwertige Produkte.
Auch wenn ich darüber sehr verwundert bin (wo bitte gibt es ein Gesetz, das vorschreibt, dass zwei Produkte unterschiedliche Preise haben müssen?), das Ergebnis sollten Selbstverleger mit großer Spannung erwarten, sind sie doch bei einigen Anbietern (etwa dank Adobe DRM bei fast allen großen deutschen Anbietern) zum Anbieten mit Kopierschutz gezwungen, während dies bei anderen (sowie natürlich auf der eigenen Webseite) freiwillig ist.
Die bisherige Auffassung war meines Wissens überall so, dass ein gleicher Preis sogar verpflichtend ist, schließlich gilt die Buchpreisbindung auch unabhängig davon, ob ein Buch eingeschweisst oder lose verkauft wird. Ein davon abweichendes Urteil hätte große Auswirkungen auf die Preisgestaltung, vor allem würde es diese nicht grade unkomplizierter machen.

Zum Tode von Michael Szameit
Vergangene Woche Freitag verstarb Michael Szameit. Szameit war einer der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren der DDR und zeichnete sich als solcher gegenüber westlichen Autoren durch einen positiveren Zukunftsbegriff aus (etwas, was Ostblock-geprägte Autoren gemeinsam haben, siehe auch den Polen Stanislaw Lem oder den Russen Isaac Asimov).
Wichtig für Selbstverleger ist dabei: Szameit war zuletzt ein ebensolcher. Er hat seine Romane im Selbstverlag für Kindle angeboten und dies genutzt, um die Bücher zu fairen Preisen und sogar in wiederholten Gratisaktionen anzubieten.
Die FFrage, da er nun tot ist, lautet: Was geschieht nun mit diesen Werken? Sicher, sie stellt sich bestimmt nicht zum ersten Mal, aber dennoch: Was geschieht nun mit diesen Einnahmen und vor allem mit dem dazugehörigen Kindle-Konto? Haben Szameits Erben sein Passwort zum Selbstverleger-Bereich von Amazon? Können sie es bekommen? Haben sie ein Recht darauf es zu bekommen oder dürfen sie es am Ende gar nicht bekommen? Und wohin gehen die Einnahmen, wenn die Konten, an die diese fließen doch nun wahrscheinlich abgewickelt werden?
Ich bin gespannt, ob es darauf eine Antwort geben wird.