Neues eBook „Unter Wittgensteins Löwen“ – und ein Fisch

Und dabei bin ich doch Steinbock

Unter Wittgensteins Löwen ist fertig, das Buch über mein Verhältnis zur Religion als Nichtgläubiger. Es enthält den wichtigsten Fisch meines Lebens (siehe links), einen frechener Vogel in der eickener Fußgängerzone und natürlich Löwen. Ausserdem Anita Sarkeesian, Immanuel Kant und ein bisschen auch Ludwig Wittgenstein. Karlheinz Deschner in einem Nebensatz. Das nenn ich mal ein Crossover!
Daneben war es auch mein erster Gehversuch mit Neobooks und sagen wir mal so: Ich werde in Zukunft noch andere Optionen ausprobieren, eBooks bei den Tolino-Händlern ins Programm zu bringen.
Doch eins nach dem anderen.

Buchlinks
Beginnen wir mit dem Kommerz für alle, die diesen aller Voraussicht nach ziemlich langen Beitrag nicht komplett durchlesen wollen. Unter Wittgensteins Löwen ist ab sofort erhältlich bei Amazon (Kindle) und Neobooks (ePub, PDF), weitere Händler folgen in den nächsten Tagen über Neobooks‘ Netzwerk, darunter auch die Tolino-Händler. Preis: 2,99 €. Eine Papierversion folgt im Oktober.

Von Facebook zum eBook
Dieses Buch geht auf Diskussionen um das Thema Religion und Glauben zurück, die im Juni/Juli dieses Jahres an mehreren Stellen und angeregt durch verschiedene Beiträge auf Facebook statt fanden. Es ist schwierig, alte Facebook-Einträge wiederzufinden, deshalb versuche ich es erst gar nicht; das ist einer der Gründe, warum ich Facebook nicht als Blog-Plattform nutze. Den damaligen Mitdiskutanten von der „Gegenseite“ habe ich im Buch eine Danksagung zukommen lassen: Wilbert Schiffeler, Martin Püschel, Peter Beckers.
Manch einer mag sich an meinen damaligen Blogbeitrag zum Thema erinnern, in dem erstmals der Bezug zu Wittgensteins Zitat aufschien, das mir damals schon für meine Verwirrung der Religion gegenüber so perfekt erschien: Leben mit Wittgensteins Löwen oder: Religion und ich

Wenn der Löwe sprechen könnte, wir könnten ihn nicht verstehen
– Ludwig Wittgenstein

Vieles blieb damals offen, weil es nicht zum Kernthema des Beitrages gehörte oder weil ich einige Dinge nicht kannte – etwa eine reihe von nicht-personellen Gottesvorstellungen oder auch den christlichen Atheismus. Das Buch füllt viele dieser Lücken und geht in deutlich fundamentalere Kritik der Prämissen hinter religiösen Vorstellungen und Argumenten gegen den Unglauben oder Atheismus. Das hat natürlich auch zu neuer Beschäftigung mit dem Thema geführt. Und damit nicht eben zu einer Besänftigung meiner Empfindungen der Religion gegenüber.
Meine Grundauffassung ist, dass jeder Mensch jede Freiheit genießen soll, die nicht die Freiheit anderer Menschen übermäßig einschränkt. Die unmittelbare Folgerung daraus wäre Ignostizismus oder Apatheismus, Positionen, die daraus bestehen, die Religionen einfach zu ignorieren und sich nicht weiter mit ihnen zu beschäftigen. Sollen die Gläubigen doch glauben, was sie wollen, was geht das mich an. Doch diese Position ist zum Ende durchdacht nicht haltbar, wenn sie nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Der damalige Schluss, dass Neutralität in der Frage der Religion kein gangbarer Weg sei, so lange sich die Religiösen ständig in die Belange der Gesamtbevölkerung einschließlich ihrer anders- und nichtreligiösen Mitglieder einmischen, hat sich in der Zwischenzeit nur noch bestärkt.
In anderen Kontexten bringt man das auf die Formel „Keine Toleranz der Intoleranz“.
Es gibt dabei ein paar Kollateralschäden, die sich erst in längerer Form herausarbeiten lassen. Die Idee von den Lehren der Geschichte erhält in einem Kapitel zu den Verdiensten (und Untaten) im Namen des Christentums Schlagseite. Dem Begriff der Seele ergeht es noch deutlich schlechter. Und die Unterteilung in gute Gläubige und böse Extremisten wird auch gut durchgegrillt.
Dabei ist es eigentlich ein relativ dünnes Buch, problemlos an einem Nachmittag durchlesbar. Ich mag es halt nicht, Themen ohne triftigen Grund ewig in die Länge zu ziehen. Einige Themen erschienen mir auch nicht wichtig genug, ihnen ein Kapitel zu widmen, etwa das Argument, am Christentum müsse doch etwas dran sein, wenn es so viele Anhänger hat. Ja klar, und Justin Bieber muss einer der größten Musiker der Welt sein, seht nur seine Follower-Zahlen! Wenn die Fragen oft genug kommen, gibt es vielleicht eine Fortsetzung oder erweiterte Neuauflage.

Der wichtigste Fisch meines Lebens
Das Buch enthält — abgesehen vom Titelbild — genau eine Abbildung, den ganz oben in diesem Beitrag gezeigten Quastenflosser. Ich habe ihn in den letzten Tagen und auch im Buch als den wichtigsten Fisch meines Lebens bezeichnet. Und nun zur Geschichte hinter diesem Fisch, die sich natürlich auch im Buch findet, gleich im ersten Kapitel nach dem Vorwort.
Es begab sich einst, dass ich ein Kindergartenkind war. Das war Ende der 80er, wenn mich nicht alles täuscht 1986–1988. Dort fand ich neben vielen anderen Dingen eine Art von Spielzeug, die etwas mir völlig fremdes und faszinierendes zeigte: Eine Serie von Stempeln mit Tieren der Urzeit. Sie beruhte auf den immer wieder aufgelegten Bildern von Zdeněk Burian und hatte bei der Umsetzung in die einfarbige Welt der Kinderstempel wenig von deren eindrucksvoller Wirkung verloren.
Der Eusthenopteron war es, der mir davon am stärksten in Erinnerung geblieben ist und so wurde er der Quell meiner lebenslangen Faszination für das Leben der Urzeit, für die sich ständig verändernde Welt und für die unerforschte Umwelt ausserhalb des Lebensbereichs der Menschheit. Es weitete sich bald aus zu einer Faszination für exotische Tiere an sich und bald auch zurück auf heimische Tiere — mein Weg zum Interesse am damals aufblühenden Thema Umweltschutz war geebnet.
Und eben über die Evolution auch jener in den Atheismus. Der Fisch passte nicht zu dem, was die Lehrer mir später in Reli erzählen wollten. Eusthenopteron sowie meine zu diesem Zeitpunkt bereits vorhandenes Wissen, dass Märchen und Fernsehsendungen nur erfundene Geschichten waren, ließen mich die Geschichten der Christen sofort in die selbe Welt der Märchen und Legenden einordnen. Ich kannte Eusthenopteron, ich hatte von einigen anderen Wesen der Urzeit wie dem Neandertaler sogar Knochen gesehen (damals noch im wunderbar provinziellen Fuhlrott-Museum in einem Fachwerkhaus im Wald). Vom Christentum dagegen war ich bis zu meiner Schulzeit weitgehend unbeleckt.

Mein erstes eBook über die Evolution hatte selbstverständlich Quastenflosser

Auch wenn der Fisch meinen Atheismus sicher nicht allein verursacht hat, er markiert doch einen wichtigen Punkt in dieser Entwicklung. Es war eine nicht so abwegige Entwicklung, die Welt als ständigem Wandel unterworfen und eben nicht fertig geschaffen zu betrachten, wenn die Welt sich doch in genau dieser Zeit völlig veränderte. Erst verschwand die DDR, dann die Schallplatte, dann die Schreibmaschine und viele Kleinigkeiten. 1993 kam Jurassic Park auf einer nie dagewesenen Welle popkultureller Präsenz für die Dinosaurier, die sich bereits Ende der 80er aufzubauen begonnen hatte und die mich mit voller Breitseite traf. Eine Welle mit Fischbestand.
Und ich habe ihn noch. Ich weiss nicht mehr, ob mein Fisch der aus dem Kindergarten war oder ob ich ihn später kaufte. Einige dieser Stempel hatte ich gekauft, bei Spielwaren Gerads am Harmonieplatz in Rheydt, ich glaube, sie hatten damals eine DMark gekostet. Auf jeden Fall wusste ich beim Schreiben des Buches noch, dass ich ihn in irgendeine Kiste voller Spielzeugdinosaurier gepackt hatte.
Also habe ich für dieses Buch die alten Spielzeugkisten hervorgekramt, mich durch Schichten von Dinosauriern (und gelegentlich mal einem Matchbox-Auto und jeder Menge Lego) gegraben und mir dabei nur deshalb keine Staublunge eingefangen, weil der Staub so dick war, dass er sich nicht mehr ohne Absicht aufwirbeln ließ. In der vorletzten Kiste fand ich sie dann, fünf Stempel: Brontosaurus, Pteranodon, Eryops, Irischer Elch und eben Eusthenopteron.
Dieses Buch war in meinen Augen nicht komplett ohne meinen Fisch. Und so borgte ich mir im Grünen Büro ein Stempelkissen (mein eigenes war knochentrocken), stempelte Eusthenopterons auf ein Blatt Papier, kämpfte mit einem vor Jahren aus dem Schrott gezogenen halb defekten Scanner, den ich noch nie installiert geschweige denn verwendet hatte (sonst hätte ich gewusst, dass er halb defekt war).
Ich schnitt den besten Abdruck aus, konvertierte das ursprünglich blaue Bild in schwarz-weiss, um es auch in der Papierausgabe ohne zusätzliche Kosten nutzen zu können und setzte ihn als finales Stückchen in den Code der Buchdatei ein.

Neobooks
Und nun zu etwas völlig anderem: Erneut habe ich mit einem eBook ein Experiment gewagt, dieses Mal war es der Versuch, das eBook auf dem deutschen Markt auch als ePub herauszubringen. ePub ist das Format, das die meisten eBook-Reader lesen können, auf denen nicht „Kindle“ steht. Dafür entschied ich mich wegen der guten Konditionen und des großen Vertriebsnetzes für Neobooks.
Ich muss sagen, ich bin nicht begeistert. Neobooks nimmt keine fertigen ePub-Dateien, sondern verlangt explizit eine DOC- oder DOCX-Datei, also Word. Das allein wäre nur leicht lästig, leider akzeptiert Neobooks aber allem Anschein nach auch keine Word-Dateien, die von LibreOffice erzeugt wurden, wenigstens keine halbwegs komplexen. Ärger, den man sich hätte sparen, wenn man eben einfach fertige ePubs einschicken könnte.
Also musste der Online-Editor die Arbeit übernehmen. Glücklicherweise war das Buch schon geschrieben, doch was war das — ich kann bei Neobooks nur in Kapiteln schreiben? Alles, was vor dem Inhaltsverzeichnis kommt, ließ sich nicht eigenständig erstellen? Und auch nur mit eingeschränkten Layout-Fähigkeiten, zum Beispiel ohne die Möglichkeit eines Seitenumbruchs innerhalb eines Kapitels, wie er in meinen Meilensteinen der Evolution ständig und in Unter Wittgensteins Löwen immerhin noch ein Mal vorkommt?
Hrmph.
Am Ende bastelte ich eine gut lesbare ePub-Version zusammen, die ich guten Gewissens so verkaufen kann, aber dennoch muss ich sagen: Die Kindle-Version ist in der Gestaltung deutlich besser und wer die Wahl, dem empfehle ich diese, der Preis ist ja mit 2,99 € identisch.
Neobooks nehme ich nicht wieder und werde statt dessen für die ePub-Ausgaben der Meilensteine der Evolution Xinxii ausprobieren.

Und was kommt jetzt?
Ich habe noch mein eBooks für die 8-Hour-Fiction-Challenge September 2014 fertigzustellen und werde somit übers Wochenende ins Englische wechseln, wo die Kurzgeschichte Khamel in einem Fantasy-Gegenstück zu Mönchengladbach namens Calmrill/Kalmrill wartet. Die Geschichte werde ich später mit Sicherheit auch noch ins Deutsche übersetzen.
Danach folgt Zackigen Zahnes und nach dessen Fertigstellung Anfang Oktober werde ich mich um die ePub-Versionen der bisherigen Bände der Meilensteine sowie um die Papierversion von Wittgensteins Löwen kümmern. Ob die Meilensteine dann auch Papierversionen erhalten, überlege ich noch, Versionen mit farbigen Illustrationen sind aber im Moment im Selbstverlag auf jeden Fall noch zu teuer.


Dino-Dienstag 10

Es war eine geschäftige Woche in der Paläontologie, vor allem bei den Dinosauriern. Der neue Spinosaurus wurde enthüllt und er ist ähnlich seltsam, wie einige erwartet hatten. Dazu noch ein paar neue Arten und eine etwas spontane Veröffentlichung in diesem Feld von mir.

Spinosaurus als Wassertier

Neu rekonstruierter Spinosaurus schwimmend, Bild: Davide Bonadonna


Plattte Füße, wahrscheinlich mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen, die an kurzen Beinen (für einen Raubsaurier) sitzen. Ein krokodilartiger Kopf mit Raum für Sinnesorgane, mit denen das Tier Veränderungen im Wasserdruck wahrnehmen konnte. Spinosaurus aegypticus war ein seltsamer Dinosaurier.
Die Idee, dass die Spinosauriden wenigstens teilweise im Wasser lebten, hat sich im Laufe der letzten 20 Jahre nach und nach entwickelt, immer mehr Hinweise auf eine solche Lebensweise tauchten auf. Nun endlich gibt es neue Überreste von Spinosaurus aegypticus, dessen ursprünglich 1912 gefundene Überreste in München den Bomben des 2. Weltkriegs zum Opfer fielen und von dem daher nur extrem veraltete Informationen sowie zeichnungen und Fotos einiger Knochen existierten.
Die neuen Überreste erlaubten eine neue Rekonstruktion des Tiers und es stellt sich heraus, dass es sich allem Anschein nach um ein Wassertier handelte. Der einzige bekannte Dinosaurier, der hauptsächlich im Wasser lebte — die zeitgleich mit den Dinosauriern lebenden so genannten Wassersaurier waren Reptilien verschiedenster Art.

Im Zusammenhang mit dieser Entdeckung habe ich mich auch kurzfristig entschieden, eine alte Idee von mir endlich auszuformulieren und als eBook herauszubringen. Es geht darum, dass Spinosaurus und seine Verwandten (wie Baryonyx) ihre großen Klauen an den Daumen nicht zum Fischen oder Kämpfen verwendeten, sondern zur Fortbewegung, indem sie sich an ihnen als Anker durchs Wasser zogen. Wie genau es dazu kam, lässt sich, da es eine englischsprachige Veröffentlichung ist, im englischsprachigen Blog nachlesen.
Es ist wahrscheinlich keine gute Idee, ein so komplett aus der Art schlagendes eBook rauszubringen (vor allem bei einem so kleinen bereits vorhandenen Angebot), aber damit ist das nun raus, weil der Zeitpunkt günstig war.
Ich habe nicht die Möglichkeiten oder die Kenntnisse in vergleichender Anatomie, hier eine vollständige Forschung vorzulegen, alos dachte ich, ich werf meine Idee mal aus und schaue, ob jemand, der dies kann, daran Interesse findet.

Noch ein neuer Titanosaurier
Tansania bekommt unterdessen den zweiten neuen Titanosaurier dieses Jahr nach Dreadnoughtus: Rukwatitan bisepultus lebte dort vor etwa 100 Millionen Jahren.

Avatar-Flugsaurier

Ikrandraco avatar, Bild: Chuang Zhao


Die Pterosaurier begrüßen als Neuling in ihren Reihen Ikrandraco avatar, der vor 120 Millionen Jahren durch die Lüfte Chinas flog.
Ikran sind die Flugtiere aus dem Film Avatar und wie diese hatte Ikrandraco einen Kamm auf der Unterseite des Schnabels, weshalb es diesen Namen erhielt. Ausserdem vermuten die Forscher, dass eine Art Haken hinten im Schnabel die Befestigung für einen Kehlbeutel war, der jenen der Pelikane ähnelte. Es ist möglich, dass der seltsame Kamm das Tier in die Lage versetzte, aus dem Flug Beute im Wasser zu fangen, indem es die damit Wasseroberfläche durchschnitt. Die Forscher wollen das nun testen.

Gepanzerte Hadrosaurier
Schon eine ganze Weile war Forschern aufgefallen, dass Hadrosaurier (die so genannten Entenschnäbel) deutlich häufiger Abdrücke von Haut zeigen als alle anderen Arten von Dinosauriern. Forsche rin Yale haben jetzt untersucht, wie viel häufiger und es stellt sich heraus, dass die Haut von Hadrosauriern 31-mal so häufig erhalten bleibt wie bei anderen Dinosauriern.
Warum das so ist, ist noch nicht klar, nur eines: Irgendetwas war anders an Hadrosauriern-Häuten.

Und noch ein Delfin
Ein kleinerer Neuzugang bleibt ausserhalb der Welt der Dinosaurier anzumerken: Huaridelphis raimondii, ein vor 16 Millionen Jahren vor der Küste von Peru lebender Verwandter der heutigen Flussdelfine, der anders als seine heutigen Verwandten noch im Meer lebte.


Run for Cover 1

Ich grab dann mal nach dem Dino-Dienstag eine zweite alte Serie in diesem Blog aus, die Cover des Monats. Mit einem Unterschied: Statt den 10 besten Covern, die ich vergangenen Monat gesehen habe, stelle ich mir jetzt (mehr oder weniger) wöchentlich eine Reihe von eBook-Covern vor, die mir aufgefallen sind, egal auf welche Weise.
Warum sind sie mir aufgefallen, was kann man meiner Meinung nach aus ihnen aus ihnen lernen? Nun (Bildlinks führen zu Amazon):

Diese zwei sind Variationen der selben Idee, die mir sehr gut gefällt: Bei historischen Büchern historische Stile von Illustrationen zu verwenden.
Die Hure Babylon ist das offensichtlichere Beispiel und solche Cover sieht man häufig.
Wirklich interessant ist Sak K’uk, weil es den Stil eines modernen Fantasy-Covers mit Elementen der alten Maya-Malerien kombiniert. Die beiden Personen im Vordergrund sind ein direkt modernisiert umgesetztes Maya-Motiv und der Stil des ursprünglichen Bildes bleibt in der Gesichtsform und Körperhaltung erhalten. Kein Mensch sitzt so, aber in den Darstellungen der Maya taucht genau diese Pose so auf. Eine subtile Art, potenzielle Leser, die nach Maya-Bezügen suchen zu zeigen, dass dieser Bezug besteht.

Es gibt Dinge, die sollte man einfach nicht tun, wenn man nicht riskieren will, verklagt zu werden, sobald es die falschen Leute merken. Beispiel hier: Mermaid Spell. Das Cover ist eine gestauchte Version eines offiziellen Posters für den vierten Teil der Filmreihe Fluch der Karibik, auf dem Bild die Meerjungfrau Syrena aus eben diesem Film.
Das ist der Grund, warum man sein Bildmaterial nicht aus irgendwelchen zwielichtigen Wallpapersammlungen im Internet beziehen sollte, sondern aus Quellen, bei denen Ursprung und Rechte der Bilder klar sind – Stock Photo Seiten, Universitäten, Wikipedia, staatliche Seiten, solche Quellen halt. Grade Disney klagt ziemlich gerne und schnell bei unberechtigter Nutzung seiner Bilder.
Im Zweifelsfall solle man immer die Google-Bildersuche bemühen, die eine Funktion bietet, ähnliche oder gleiche Bilder zu einem vorhandenen Bild zu finden. Man findet diese, indem man bei Google in die Bildersuche geht und dann rechts im Suchfeld die kleine Kamera anklickt. Es ist eines der nützlichsten Werkzeuge für die Suche nach der Quelle eines Bildes, die es gibt. Nutzt es.
Davon abgesehen ist das extrem verzerrte Bild auch nicht grade nett anzusehen.

Hier eine kurze Erinnerung, dass manche Urteile einfach nur subjektiv sind. Am Ende kommt es immer wieder auf individuellen Geschmack an und man kann nicht alle zufrieden stellen.
Worauf ich hinaus will? ich finde laufenden Eigelb ziemlich widerlich und esse nur hartgekochte Eier.
Die Lehre hieraus ist diese: Manchen Menschen kann man es halt nicht recht machen. In einem gewissen Maße sollte man das nie vergessen.

Hier ausnahmsweise mal ein Papierbuch, das Cover eignet sich aber wegen seiner Einfachheit auch gut für ein eBook. Und dann auch noch eines, mit dessen Aussage ich vorne und hinten nicht überein bin. Aber auch, wenn ich die Idee von Europa als zweiten Fall Roms für falsch halte, das Cover transportiert sie hervorragend.
Die Idee ist, dass die EU ähnlich Roms an der Schwelle zum Übergang in eine Diktatur steht. Dafür kombiniert das Coverdesigner die beiden runden Symbole beider Staatengebilde – die zwölf Sterne beziehungsweise den Lorbeerkranz – zu einem gemeinsamen Mischsymbol, ein erster Hinweis auf die Gleichartigkeit, in der es in dem Buch geht. Schöne Bildsprache.

Hier ist ein Geheimnis: Wenn ihr wollt, dass ich euer Buch kaufe, packt einfach ein seltsames fiktives Tierchen drauf. Funktioniert allgemein für Science Fiction und Fantasy und diese Gleithörnchenspinne hier ist fast perfekt.
Nicht nur ist es seltsam, es ist auch noch pelzig und niedlich und hat Glubschaugen. Ich will so eins. Jetzt! Wo krieg ich so eins?
Das einzige Problem sind ein paar anatomische Plausibilitätsprobleme: Was bitte soll das für eine Flügelkonfiguration sein? Und fliegen die etwa, indem sie Feuer furzen? Trotzdem, der Ansatz ist richtig, wenn man mich als Käufer anziehen will. Vermutlich ein weiteres Beispiel dafür, dass diese Dinge immer auch ein gutes Maß Subjektivität in sich tragen. Wie zuvor gesagt, Geschmack ist immer auch subjektiv, das sollte man nie vergessen.

Meine gesammelten Überlegungen zum eBook-Coverdesign gibt es für Kindle in Dieses Cover ist Müll! Lernen Sie warum (4. erweiterte Auflage in Arbeit).


Dino-Dienstag 9

Manche Leute sollten echt keine Saurier benennen dürfen: Dreadnoughtus
Großartig, ein Dinosauriername, den man ohne Kenntnisse des Englischen nicht aussprechen kann.
Nunja, Dreadnoughtus hat es ja schon ausgiebig durch die Presse geschafft, von Nature bis runter zum Düsseldorf Express und der BLÖD. Und weil alle anderen das selbe Bild benutzten, benutze ich das andere offizielle Bild aus der Veröffentlichung.

Illustration: Mark A. Klingler, Carnegie Museum of Natural History


Nein, Dreadnoughtus ist nicht der größte Dinosaurier aller Zeiten, wenigstens nicht nachgewiesenermaßen. Er könnte der größte gewesen sein, denn das gefundene Tier war nicht ausgewachsen. Nur, wie weit es noch gewachsen wäre, wenn es weitergelebt hätte, ist reine Spekulation. Mit Tieren wie Diplodocus oder dem spektakulär in Berlin in voller Größe zu bewundernde Brachiosaurus (bzw. nach moderner Benennung Giraffatitan) kann er nicht ganz konkurrieren.
Er ist allerdings der vollständigste riesige Titanosauride, gepanzerte Vertreter der Sauropoden. Die Titanosaurier waren große Tiere steppenartiger Landschaften und wurden als solche schnell Opfer von Aasfressern, bevor sie zu Fossilien werden konnten.

Ein Ornithischier vom Äquator
Ähnlich wie wir Säugetiere verdanken auch die Dinosaurier ihren größten Erfolgsschub einem Massensterben zu Beginn ihres Zeitalters. In diesem Fall an der Grenze vom Trias zum Jura vor etwa 200 Millionen Jahren.
Kurz nach diesem Massensterben lebten nur wenige Arten von Dinosauriern, aber sie breiteten sich sehr schnell aus, da jetzt die zuvor vorherrschenden Reptilien deutlich seltener geworden waren. Unklar ist bisher noch, wie schnell die Dinosaurier damals die Welt eroberten. Mit dem Fund eines neuen Ornithischiers, noch ohne Namen, ist dazu in Venezuela ein neues Puzzelteil aufgetaucht, denn bisher waren aus dieser Gegend keine so alten Dinosaurierfossilien bekannt.

Nachtaktive Synapsiden
Gehen wir zu eben jenen Herrschern der Welt vor den Dinosauriern, kommen wir zu den Synapsiden, jenen Reptilien, aus denen sich später, unter den Füßen der ersten Dinosaurier, die Säugetiere entwickelten. Bisher dachten Forscher, dass erst die Säugetiere die Nachtaktivität erfanden, da ihre großen Gehirn besser für die Orientierung im Dunkeln geeignet seien.
Untersuchungen an den Knochen um die Augen einiger Synapsiden zeigen aber, dass diese Reptilien lange vor den Säugetieren zu allen möglichen Tageszeiten aktiv waren. So war etwa der bekannteste unter ihnen, Dimetrodon, nachtaktiv. Das gibt auch eine neue mögliche Erklärung für das spektakuläre Rückensegel einiger dieser Tiere wie eben Dimetrodon und seinen Pflanzen fressenden Cousin Edaphosaurus.

Dimetrodon auf Nachtjagd, ein Edaphosaurus als Beute im Hintergrund - Illustration by Marlene Hill Donnelly


Dino-Dienstag 8

Na passt doch perfekt: Heute geht es in einer ansonsten bei den Urtier-Schlagzeilen ruhigen Woche um zwei Sorten gefiederter Dinosaurier. Und glücklicherweise führen diese diesmal nicht gleich dazu, dass ich Schwarzer Schwinge zwei Tage nach Veröffentlichung schon wieder umschreiben darf.

Dinosaurier mit Babysittern

Psittacosaurus-Nest, Bild: University of Pennsylvania

Fangen wir an mit einem unbesungenen Star der Saurierforschung, Psittacosaurus. Ein recht kleines Tier, das vor 120–110 Millionen Jahren mit mehreren Arten in großer Zahl in Asien lebte und ein früher Verwandter des Triceratops, zwar ohne Hörner und Nackenschild, dafür mit einem hohen Federkamm am Ansatz des Schwanzes und dem Schädel eines stacheligen Papageien.
Unbesungener Star, weil er aufgrund seiner Häufigkeit zu den am besten erforschten aller Dinosaurier gehört.
Zu den Funden gehören auch zahlreiche Nester. Hier ist nun eines, in dem ein jugendlicher Saurier zusammen mit einigen deutlich jüngeren liegt. Der größere Saurier war nach Ansicht der Forscher zu jung, um ein Elter (ja, das Wort gibt es) der kleinen zu sein. Allerdings haben einige heutige Vögel ein Verhalten, bei dem ältere Geschwister die spätere Brut ihrer Eltern bewachen. Psittacosaurus-Junge waren für viele andere Tiere leichte Beute und wurden zum Beispiel auch in den Mägen größerer Säugetiere dieser Zeit gefunden. Da wäre ein Babysitter durchaus nützlich.

Plüschraptor im Kickstarter

Awwwwwwww


Wo wir grade bei fluffigen Knuddelsauriern sind, hier ist ein wissenschaftlich korrekter velociraptor. Und er ist fluffig und knuffig und knuddelig. Kickstarter läuft noch einen knappen Monat.
Ich finde solche Sachen recht wichtig. Spielzeug gehört zu den Dingen, die für unseren Eindruck von der Welt meines Erachtens enorm wichtig sind, einfach weil es uns so früh an unbekannte Dinge heranführt und oft (gemeinsam mit Geschichten) die Welt ausserhalb des direkten Erlebens der eigenen Umwelt vermittelt.