Infelix Austria

Zeit mit Fremdsprachen anzugeben, die ich nicht kann. Oder mit der F√§higkeit, ein W√∂rterbuch zu benutzen um zu schauen, was das Gegenteil zu „felix“ ist. Oder abeer mich als Nichtjurist mit Rechtsfragen zu besch√§ftigen, weil sie mich betreffen. Moment, das l√§sst sich steigern: Mit internationalem Recht, und zwar Steuer- und Verlagsrecht zugleich. Ohne Netz und doppelten Boden!

√Ėsterreich hat vorgestern beschlossen, dass sein Buchpreisbindungsgesetz in Zukunft auch f√ľr eBooks gilt. Das Gesetz allein scheint recht harmlos zu sein. Albern und ein R√ľckschritt, wenn man bedenkt, dass eBooks mangels individueller Liefer- und Herstellungskosten keinerlei Preisevorteile f√ľr Gro√ükonzerne bieten, aber harmlos.
Man will halt das Kulturgut Buch sch√ľtzen. Warum man grade dieses Kulturgut sch√ľtzt und nicht etwa das Kulturgut Film, Musik oder Theater — weiss der Geier. Das ist jetzt nicht das Thema.

Das Thema ist der Widerstreit zwischen Buchpreisbindung und unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen. Ich hatte bereits 2012 darauf hingewiesen, dass dies problematisch sein könnte.
Dazu muss man wissen, dass sich zum 1. Januar die Zuordnung der Mehrwertsteuerschuld beim Verkauf digitaler Waren in Europa √§ndert. Wurde diese bisher nach dem Sitz des Verk√§ufers zugeordnet, geschieht dies in Zukunft √ľber den Wohnsitz des Kunden. Das allein bringt schon Probleme mit sich, die ich im August im englischen Blog geschildert habe.

√Ėsterreich hat das Ganze f√ľr Selbstverleger von einer schwierigen Situation zu einer Katastrophe gesteigert. Wieso? NUn:

1. Unsere eBooks werden in Zukunft in Deutschland und √Ėsterreich unterschiedlich besteuert.
2. Bei Amazon funktioniert die Preiseingabe √ľber Angabe des Nettopreises. √Ėsterreich und Deutschland werden beide √ľber amazon.de beliefert (amazon.at ist nur eine Maske) und verf√ľgen somit √ľber nur ein Feld f√ľr die Preisangabe. Damit bekommen Deutschland und √Ėsterreich f√ľr K√§ufe √ľber Amazon unterschiedliche Bruttopreise.
3. Andere Händler wie Apple und die Tolino-Grupppe (Thalia, Weltbild, Buecher.de und weitere) nehmen den Bruttopreis als Grundangabe entgegen und verkauft dadurch an beide Länder zum selben Preis.
4. Das bedeutet, eBooks sind in √Ėsterreich (bzw.. f√ľr √∂sterreichische Autoren in Deutschland) bei verschiedenen H√§ndlern unterschiedlich bepreist. Und das ist nach dem in beiden L√§ndern vorhandenen und auf deutschsprachige eBooks angewandten Buchpreisbindungsgesetz in beiden L√§ndern illegal.

Es gibt ein paar wahrscheinlich mögliche Lösungen. Schauen wir mal:
a) Nicht mehr bei Amazon verkaufen – angesichts der Bedeutung von Amazon die schlechteste Option
b) Exklusiv bei Amazon verkaufen – das wird wohl die h√§ufigste Reaktion, da Amazon der mit Abstand am einfachsten zu erreichende Verk√§ufer ist. Na, das Gesetz sch√ľtzt den Buchhandel ja toll, liebe √Ėsterreicher!
c) √úber Distributoren verkaufen – das bedeutet nat√ľrlich zus√§tzliche Umsatzeinbu√üen durch den Anteil, den der Distributor f√ľr seine Dienste vom Buchpreis nimmt, ist aber wohl die beste Option. Das Problem der Preisangleichung liegt dann bei den Distributoren.
d) Amazon mit einer separaten Ausgabe f√ľr Deutschland oder √Ėsterreich beliefern, die einen an die Steuers√§tze des anderen Landes angepassten Nettopreis erh√§lt. Der konkrete Prozess ist einigerma√üen kompliziert, ausserdem hat man dann jedes eBook zweimal zu verwalten.

Und dann ist da noch das Problem des Verkaufs deutschsprachiger Werke bei H√§ndlern, die nicht origin√§r in Euro arbeiten, also etwa Smashwords und Lulu. Diesen Sonderaspekt werde ich gar nicht erst anpacken, aber wer eine Promotion in internationalem Recht schreiben will, darf sich gerne herausgefordert f√ľhlen.

Und erneut ist selbstverlegen von eBooks in Europa komplizierter geworden, als unbedingt nötig. Und gleichzeitig wird die Marktmacht von Amazon weiter gestärkt, indem man den Autoren einen neuen Grund gibt, Amazon exklusiv mit Inhalten zu beliefern.
Aber um das zu wissen, h√§tte der √∂sterreichische Bundestag ja einen Selbstverleger als Experten einbestellen m√ľssen. Oder wenigstens jemanden, der sich damit auskennt. Aber seit wann bestellt man in Parlamenten Experten, die tats√§chlich wissen, wovon sie reden, wenn man doch ein h√ľbsches Gesetz einf√ľhren will, mit dem man das ebenfalls nicht aus Experten bestehende Volk erfreuen kann?


Nicht niedlich

Es gibt im Moment einige Themen, mit deren √∂ffentlicher Diskussion (und insbesondere mit deren Diskussion innerhalb meiner Partei, der Gr√ľnen) erhebliche Probleme habe. Die folgenden drei habe ich in einem Beitrag zusammengefasst, da ich sie als √§hnlichen Ursprungs betrachte: Emotionalisierung in Form dessen, was man manchmal als Verweichlichung bezeichnet, sprich die √ľberm√§√üige Betonung von Gef√ľhlsurteilen in Debatten, die dabei ihre sachliche Dimension praktisch vollkommen verlieren.
Es folgen meine √úberlegungen zu je einer neuen, einer alten und einer ewigen Debatte. Und es wird nicht fluffig.

Jagdgesetz/Katzen
Nordrhein-Westfalen hat diese Woche ein neues Jagdgesetz erlassen. Einiges davon ist sicherlich sinnvoll. Das am st√§rksten in den Medien reflektierte Thema innerhalb der neuen Gesetzeslage ist, dass J√§ger jetzt keine streunenden Katzen mehr schie√üen d√ľrfen. Klar, Catcontent kommt immer gut, Katzen sind niedlich. Und freilaufend eine √∂kologische Katastrophe.
Es gibt auf der Erde genau drei Wirbeltierarten, von denen nachgewiesen ist, dass sie auch dann jagen, wenn sie nicht hungrig sind: Der Mensch, der Gro√üe T√ľmmler und die Hauskatze.
Dass das beim Menschen ein Problem ist, ist unbestritten. Die Delfine tun das zwar, aber eher selten. Und dann ist da die Hauskatze. Vielleicht ist es die Domestizierung (n√ľtzlich um M√§use loszuwerden), vielleicht ist es ein Merkmal aus einer Zeit, als Katzen seltener waren, aber: Freilaufende Katzen jagen. St√§ndig. Alles, was ausreichend klein ist und sich bewegt.
Und da wir Menschen sie gerne und best√§ndig f√ľttern, k√∂nnen sie auch unabh√§ngig von der in der jeweiligen Umgebung vorhandenen Beute st√§ndig weiterjagen, Nahrung ist ihnen bei ihren Menschen sicher. Und so kann sich kein √∂kologisches Gleichgewicht einstellen. Hauskatzen k√∂nnen ihre Beutetiere ohne irgendwelche negativen Folgen f√ľr sich selber bis zur Ausrottung jagen.
Klar, diese Beutetiere sind kein jagdbares Wild, denn zumindest in Deutschland ist es un√ľblich, Singv√∂geln und Nagetieren als solchem nachzustellen. Aber Jagd hat auch den Auftrag, die vom Menschen verursachten St√∂rungen im √∂kologischen Gleichgewicht auszugleichen. Dass viele J√§ger diesem Anspruch nicht gen√ľgen √§ndert nichts an der Tatsache, dass dies eine Funktion von Jagd ist.
Aber Katzen schießen ist böse. Weil die doch so niedlich sind.

Tierversuche
Hier ist eine Diskussion, die ich absolut faszinierend finde. Es ist fraglos richtig, dass so mancher Tierversuch √ľberfl√ľssig ist, weil er nicht dazu dient, (menschliche) Leben zu retten, sondern allein der menschlichen Eitelkeit in Form von Kosmetika und √§hnlichem dient. Aber es gibt eben auch solche, f√ľr die es keine Alternative gibt und bei denen es um Menschenleben geht. F√ľr diese muss man dann fragen: Was ist die Alternative?
Gern genannt werden dann Ansätze, menschliche Körper zu simulieren, ob jetzt virtuell oder in Zellkulturen. Dabei ist absolut faszinierend, manche Ansichten derer zu vergleichen, die solches vorschlagen.
Oft erz√§hlt mir der selbe Mensch im einen Kontext (zB Alternativmedizin), die „Schulmedizin“ w√ľsste ja kaum etwas dar√ľber, wie menschliche K√∂rper funktionieren — und im anderen Kontext, dass ebendiese Schulmedizin genug √ľber den menschlichen K√∂rper w√ľsste, um die Reaktionen des menschlichen K√∂rpers auf ein neues Medikament simulieren k√∂nnten.
Tatsache ist: Das tut sie nicht. Und da man zum einen nicht einfach so an Menschen experimentieren kann, zum anderen die Simulationen eben nicht gut genug sind, um verl√§ssliche Ergebnisse zu liefern, braucht es als Zwischenschritt zwischen Simulation und Mensch Tierversuche. Und danach √ľbrigens auch Menschenversuche. Es geht nicht anders.
Selbst wenn die Simulationen so gut w√§ren, wie die Tierversuchsgegner glauben, m√ľssten wir immer noch √ľberpr√ľfen, ob sie wirklich so gut sind. Wir wissen inzwischen viel √ľber den menschlichen K√∂rper, aber bei weitem nicht genug, um ihn mal eben so zu simulieren Jedenfalls nicht ohne einen kompletten k√ľnstlichen Menschen zu erzeugen, der so umfassend simuliert w√§re, dass er eine vollwertige Person ist (denn auch psychische Auswirkungen von Mitteln m√ľssen getestet werden).
Und dar√ľber w√ľrde sich wohl keiner beschweren, w√§ren unsere Testorganismen Kakerlaken. Leider brauchen wir aber Warmbl√ľter mit halbwegs vergleichbaren Organen und eisenbasiertem Blut als absolutes Mindestma√ü an Vergleichbarkeit. Also Ratten. Aber Ratten sind niedlich und deswegen haben wir Tierversuchsgegner.

Pazifismus/Kobane
Wo wir grade bei Menschenleben waren. da ist ja noch die Sache mit Kurdistan, ISIS/ISIL/IS und dem Pazifismus. Ohje.
Fangen wir mal so an: Ich halte den Pazifismus f√ľr eine gute Idee. Genauer, ich halte es f√ľr erstrebenswert, eine Welt formen zu helfen, in der Pazifismus zum allgemeinen Wertekanon geh√∂rt. Ich halte es f√ľr richtig und ethisch geboten, eine Welt aufzubauen, in der Pazifismus m√∂glich ist. Doch noch leben wir in keiner solchen Welt. Unsere Welt hat Aspekte davon, viele Konflikte sind gewaltfrei l√∂sbar, viele Gegenden sind in friedlicher Koexistenz verbunden und verflochten.
Der Kampf gegen den IS in Kurdistan gehören nicht dazu.
Gut f√ľr den Pazifismus ist: In den meisten Konflikten will keine der beteiligten Parteien einen Krieg. Der Krieg ist nur ein Mittel, etwas zu erreichen; manchmal ist er auch so etwas wie eine Naturkatastrophe, die niemand wollte, aber die sich aus der schwer kontrollierbaren Verstrickung von Umst√§nden, Handlungen und Motivationen ergibt. In solchen F√§llen wollen alle Beteiligten Frieden und dann haben pazifistische Ans√§tze Aussicht auf Erfolg und vor allem das Potenzial, eine Region langfristig zu stabilisieren und weitere Kriege zu verhindern.
Weil dies eine gute Vision ist, halte ich mich aus vielen Krisen im Diskurs heraus. Die kleinen Querelen unter Nationen schrumpfen ins Bedeutungslose, wenn es andernorts darum geht, friedliche L√∂sungen f√ľr die ganze Welt zu finden und zuk√ľnftige Konflikte gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Doch hin und wieder erscheint auf der B√ľhne der Weltgeschichte eine Gruppe, die einen Krieg will, deren Ideologie den Krieg zum notwendigen oder sogar guten Weg erkl√§rt, die glaubt, mit Krieg die Welt bessern zu k√∂nnen. Es sind etwa zwei oder drei Gruppen in jedem Jahrhundert. Die Kreuzz√ľge, die Nazis und die Rote Khmer m√∂gen hier exemplarisch stehen, auch IS geh√∂rt offenbar in diese Kategorie.
Wer diesen Gruppen mit pazifistischen Methoden entgegentritt, legt allem Anschein nach nicht viel Wert auf seinen Kopf (im Falle von IS wortwörtlich). Selbst aus Sicht des Pazifismus: Was bitte ist denn gewonnen, wenn die Opfer den Kriegstreibern Platz machen, wenn ihnen die Fähigkeit zur Verteidigung durch Verweigerung von Waffenlieferungen und direkter Hilfe genommen wird? Hält man Bellizisten nicht auf, marschieren sie weiter, bis es keinen Raum mehr gibt, in dem sie marschieren könnten oder bis ihnen endlich jemand Widerstand leistet.
Ich dachte eigentlich, grade die Deutschen hätten das gelernt.

Genauso wie es keine Toleranz den Intoleranten gibt, kann es auch keinen Frieden f√ľr Bellizisten geben.
Nein, ich bin kein Pazifist. Aber ich w√ľrde gerne in einer Welt leben, in der ich einer sein k√∂nnte, ohne meine Integrit√§t aufzugeben. Ohne daf√ľr das Leid derer ignorieren zu m√ľssen, die brutale Regimes und Kriegstreiber erdulden m√ľssen. Nur leider ist dies keine solche Welt. Aber das zu erkennen, das ist nicht niedlich.


Khamel und wie Gladbach Kalmrill wurde

W√§hrend ich andernorts ein paar Probleme mit BoD habe, hatte ich ja noch einen Artikel zu Khamel zugesagt und dazu, wie M√∂nchengladbach mit Kalmrill zu einem Fantasy-Gegenst√ľck gekommen ist. Hier isser:

Khamel

Wahrscheinlich die biblischste Geschichte die ich je geschrieben habe. Khamel folgt in 1.400 W√∂rtern (ich fasse mich ungern unn√∂tig lang) der Hexe Larina, die ein Jahr zuvor ihren Assistenten Khamel durch ein Nadel√∂hr geschickt hat und ihn jetzt zur√ľckholen will, um ihr Kunstst√ľck abzuschlie√üen. Zugleich beendet sie damit ihre Ausbildung zur Hexe des h√∂chsten Ranges, einer ber√ľhmten Hexe.
Die Idee geht zur√ľck auf den Scherz eines US-Komikers (ich weiss leider nicht mehr, welcher), der meinte, Kreationisten w√§ren Menschen, die keine Metaphern verstehen und deshalb beim Gleichnis vom Kamel und dem Nadel√∂hr an ein reales Ereignis mit einem N√§hwerkzeug und einem sehr ungl√ľcklichen Paarhufer denken.
Ich f√ľgte dem Kamel ein H hinzu und kam so auf einen real existierenden arabischen M√§nnernamen, einfach weil man auch in meinen Fantasy-Geschichten mit Kamelen nicht sprechen kann. Ich w√§hlte ein Zauberst√ľck als passenden Kontext f√ľr ein Szenario, in dem es Sinn machen w√ľrde, durch ein Nadel√∂hr gehen zu wollen. Und so kam Larina hinzu, deren Name ein reines Fantasieprodukt ist.
Sie begegnet nun den Hoffnungen, die ihre Taten in den Bewohnern des recht unbedeutenden Städtchens Kalmrill aufkeimen lassen, bevor sie schließlich bereit ist, ihr Werk zu vollenden.

Kalmrill

Eines vorab: Dass Kalmrill und Khamel sich lautlich so √§hnlich sind, ist ein absoluter Zufall. Es fiel mir √ľberhaupt erst auf, als ich die deutsche √úbersetzung von Khamel anfertigte. Aber wie kam es nun zu Kalmrill?
Khamel sollte urspr√ľnglich in einer beliebigen Fantasy-Stadt spielen. Doch da spielte mir mein Unterbewusstsein einen Streich. Es geh√∂rte zur Geschichte, dass Larina die Stadt durch ein Tor betrat und sich zum Marktplatz begab. Mein Geist war so t√ľckisch, mir in diesem Moment ein Bild der Weiherstra√üe in M√∂nchengladbach zu liefern, mitsamt dem einst dort vorhandenen Stadttor.
Von da an war es logisch: M√∂nchengladbach war mit seinem historischen Aufbau im Bereich innerhalb der einstigen Stadtmauer nahezu perfekt — ein klar definiertes Stadtgebiet, Rathaus und M√ľnster direkt am Tor zwischen Mauer und Marktplatz und ein Marktplatz mittig auf der H√ľgelkuppe. So wurde M√∂nchengladbach der Ort meiner Geschichte.
Es passte gut — die Geschichte sollte ohnehin in einer Welt spielen, welche die unsere ist, nur erg√§nzt darum, dass fast alle Mythen und Legenden unserer Welt wahr sind, insbesondere die lokalen. Wo wir Geldern finden, gibt es dort den Sumpf des Drachen Gelre. Auf den D√§chern von Paris leben Gargoyles, die amerikanische Pr√§rie wird von den mythischen Bestien der Indianerlegenden bewohnt, all sowas.
Nun schrieb ich die Geschichte in Englisch und „Gladbach“ ist in Englisch kein guter Name. Klingt auch nicht gut: Gl√§db√§tsch. Also musste ein guter englischer Name her. Mein alter Scherzname Friar’s Even Creek war das auch eher nicht.
Aber dann ging ich andere √úbersetzungen f√ľr „glatt“ durch und kam recht schnell auf „calm“, also ruhig, jener Aspekt des zentralen Baches, der ihm den Namen des glatten Baches gegeben hatte. Ein Thesaurus brachte mich auf das seltene Synonym „rill“ f√ľr „creek“, das englische Geschwister unserer deutschen Rille. Calmrill. Ja, das funktionierte, Calmrill. So k√∂nnte gut ein Ort im Auenland heissen.
Bei der √úbersetzung ins Deutsche beschloss ich, den Namen eingedeutscht beizubehalten und nicht zu Gladbach zur√ľck zu √ľbersetzen. Und so kam das Fantasy-Gegenst√ľck von Gladbach zum Namen Kalmrill.

Kommerz

Newsletter-Empf√§nger durften bereits gestern in den Genuss der Geschichte kommen, alle anderen k√∂nnen sie im Laufe der Woche in allen wichtigen eBook-Shops f√ľr 0,49 ‚ā¨ erwerben, je nachdem, wie schnell diese die Ver√∂ffentlichung aufnehmen. Sie wird ausserdem √ľber readfy und Skoobe zum Ausleihen bereit stehen.


eBook-Umstelleritis

Nachtrag Die Gratis-Aktion ist nicht möglich, da es technische Probleme mit BoD (der selbe Drecks-Editor wie bei Neobooks, fertig hochgeladene ePubs werden von diesem hier sogar kurzerhand zurechtgestutzt) gab und ich auf Xinxii ausweichen musste, die diese Möglichkeit nicht bieten./Nachtrag

Die n√§chsten Tage wird es ein paar Ver√§nderungen bei meinen eBooks geben. Links ver√§ndern sich, B√ľcher werden kurze Zeit nicht mehr lieferbar sein und danach an neuen Stellen auftauchen. Hier ist eine √úbersicht, was passiert, warum und was das f√ľr die Leser bedeutet. Und wieso ich n√§chste Woche drei eBooks verschenke.

Stand der Dinge

Beinahe vier Jahre ist es nun her, dass ich mein erstes eBook bei Amazon zum Verkauf gestellt habe. Das war am 17. November 2011. Im Internet eine Ewigkeit, in der sich entsprechend viel verändert.
Damals war Amazon meine erste und einfachste Plattform – die Dateien waren leicht zu erstellen und da sie aus html bestanden, bis zum letzten Punkt kontrollierbar ohne dass die Ergebnisse zu rigide wurden. Das Mobi-Format war gro√üartig, ePub erschien mir zu √ľberladen und zu uneinheitlich. Zwar war es immer der Plan, sp√§ter auch auf anderen Plattformen zu ver√∂ffentlichen, aber Amazon hatte Priorit√§t.
Doch der Markt wuchs st√§ndig und bald wollten auch andere St√ľcke vom Kuchen – vor allem in Deutschland entwickelte sich mit Tolino ein echter Konkurrent. Wer in Deutschland am Markt bestehen will, muss heute auf beiden Plattformen sein: Tolino und Kindle. Ein paar andere wie Google Play und iBooks schaden auch nicht. Doch das war nicht unbedingt einfach, es gab keinen direkten Einstieg wie bei Amazon mit seinem Kindle Direct, man musste als Selbstverleger √ľber Dritte gehen.
Dazu kommt ein neues Problem: De facto erfolgt f√ľr europ√§ische Selbstverleger eine heftige Mehrwertsteuererh√∂hung f√ľr √ľber Amazon und iBooks verkaufte eBooks, von 3% auf 19%. Die eBooks mit einem Preis ab 2,99 ‚ā¨ k√∂nnen das ab, aber bei denen darunter ist das wegen der ohnehin geringeren Tantiemen (nur 35% statt 70% vom Nettopreis) ein empfindlicher Einbruch. Und viele meiner B√ľcher, darunter die Meilensteine der Evolution als mit Abstand erfolgreichstes Produkt fallen in diese Preisklasse. Durch den vertrieb √ľber einen Dienstleister kann ich diesen Effekt mildern, ohne die Preise anzuheben (f√ľr die Meilensteine etwa von 1,49 ‚ā¨ auf 1,99 ‚ā¨).
Ich habe in letzter Zeit mit Methoden experimentiert, meine eBooks auf anderen Plattformen unterzubringen. Und jetzt endlich habe ich ein Modell daf√ľr, wie ich meine Distributoren nutze. Das muss ich jetzt umsetzen:

Deutsche eBooks unter 2,99 ‚ā¨: BoD
Deutsche eBooks √ľber 2,99 ‚ā¨: Amazon KDP + Xinxii
Englische eBooks: KDP + Draft2Digital
Papierb√ľcher: epubli oder BoD, je nachdem welcher f√ľr das jeweilige Projekt g√ľnstiger ist

Was sich ändert

Von den √Ąnderungen sind die folgenden B√ľcher betroffen:
Meilensteine der Evolution – alle B√§nde: Diese sind bisher bei Amazon KDP gelistet und werden in Zukunft zu BoD √ľbergehen. ich kann aus vertraglichen Gr√ľnden nicht gleichzeitig √ľber BoD und direkt √ľber Amazon an Amazon liefern, weswegen ich den Vertrieb entsprechend umstellen muss.
Die Meilensteine werden weiter bei Amazon erh√§ltlich sein, aber f√ľr etwa einen Tag werden sie aus dem Shop verschwinden, um sp√§ter mit neuer ASIN (und somit unter neuen Links) wieder aufzutauchen. In den folgenden Tagen werden sie bei weiteren Shops auftauchen, darunter iBooks und die Shops der Tolino-Allianz (u.a. Thalia, Weltbild, lokaler Buchhandel) sowie bei den Leihdiensten Skoobe und readfy.
Das bedeutet leider auch, dass bisherige Amazon-K√§ufer zuk√ľnftige Aktualisierungen der Reihe nicht mehr erhalten werden. Um das auszugleichen (und zugegebenerma√üen auch als Werbeaktion) werden die drei bisher erschienenen B√§nde der Reihe bis einschlie√ülich Mittwoch gratis verf√ľgbar sein. Je nachdem, wie schnell BoD die √Ąnderungen danach durchf√ľhrt evtl. auch bis Donnerstag, aber darauf w√ľrde ich mich als Leser nicht verlassen ;-)
Das gilt f√ľr alle Shops, welche die B√ľcher der Reihe bis dahin in ihr Sortiment aufgenommen haben. Danach gehen die B√ľcher dauerhaft auf die gewohnten 1,49 ‚ā¨ Verkaufspreis.

Unter Wittgensteins L√∂wen: Das Schicksal der L√∂wen ist weniger radikal. Bei Amazon √§ndert sich gar nichts, nur die √ľbrigen Shops werden einen kleinen Schluckauf bekommen, w√§hrend ich den Vertrieb der ePub-Version von Neobooks zu Xinxii √ľbertrage. Damit habe ich auch die M√∂glichkeit, die ePub gestalterisch meinen relativ hohen Anspr√ľchen an die Kindle-Version anzupassen, so dass beide Versionen in Zukunft absolut gleichwertig sind. Der f√ľr mich √ľberraschend l√§stig aufgebaute Editor von Neobooks hatte mir da √ľbel mitgespielt.

Die Zukunft

Ein Mal umgesetzt sollte danach wieder alles glatt laufen.
Seit mittlerweile drei Monaten bin ich mit meiner Produktivit√§t sehr zufrieden. Die deutsche √úbersetzung von Khamel ist fertig, aber ich musste nachtr√§glich noch ein paar Tippfehler bereinigen (Newsletter-Empf√§nger haben die Geschichte heute in fertig korrigierter Form als Bonus erhalten). Bei einer Geschichte von nur 1.400 W√∂rtern sehr unangenehm, sowas √ľbersehen zu haben. Da ich wieder neue Ideen habe, werden zudem die Meilensteine nicht so schnell enden.
Ansonsten habe ich f√ľr die Zukunft noch ein paar √úberraschungen im √Ąrmel, die aber dann inhaltlicher Art und garantiert nicht so l√§stig wie die Vertriebsumstellung.
Und morgen erz√§hle ich euch dann von Khamel, der Stadt Kalmrill und wie M√∂nchengladbach ein Fantasy-Gegenst√ľck bekam.


Dino-Dienstag 11

Eine Woche √ľbersprungen, aber jetzt wieder da: Der Dino-Dienstag.

Mick Jaggers Nilpferd
Mick Jagger kommt die gro√üe Ehre zuteil, ein Nilpferd nach sich benannt zu haben. Ein pr√§historisches nat√ľrlich. Gl√ľckwunsch!
Jaggermeryx naida ist ein Nilpferd, das vor 19 Millionen Jahren in Afrika lebte. L√∂cher in seinem Sch√§del deuten auf Nerven hin, die sehr sensible und wahrscheinlich bewegliche Lippen versorgten. Die Benennung nach dem Rolling-Stones-S√§nger erfolgte aufgrund dieser vergr√∂√üerten Lippen. Und als w√§re das noch nicht gro√üartig genug, haben die Entdecker anfangs einen zweiten Star als Namensgeber diskutiert – Angelina Jolie. Entdeckeirn Ellen Miller blieb aber standhaft bei Jagger. Vermutlich, weil es nur f√ľr diesen Namen ein geeignetes Lied zum Feiern der Entdeckung gab. Die Urzeitb√ľcher werden so oder so in hundert Jahren viel Arbeit haben, das zu erkl√§ren.

Nachtrag zu Dreadnoughtus
Ich fand den Namen Dreadnoughtus f√ľr einen neuen Titanosaurier vor ein paar Wochen ja furchtbar. Ich finde ihn immer noch furchtbar, weil es gar nicht m√∂glich ist, ihn auch nur halbwegs unfallfrei auszusprechen, wenn man kein Englisch spricht. Das sollte den Namen nach den in der Taxonomie √ľblichen Regeln eigentlich ung√ľltig machen.
Der Bostin Globe findet den Namen zwar „awesome“, hat sich aber immerhin des Themas angenommen, woher solche Namen kommen und f√§ngt in seinem Artikel mit dem guten alten T. rex an, einem Namen, der durchaus kalkuliert so popul√§r geworden ist, wie er nun einmal geworden ist.

Ziapelta sanjuanensis, Bild: © Sydney Mohr

Ziapelta
Und wieder ein neuer Dinosaurier. Da gibt es zur Zeit wohl irgendwo ein Nest von.
Ziapelta sanjuanensis ist ein Ankylosaurier aus New Mexico, der dort vor 72-74 Millionen Jahren lebte. Die Ankylosaurier sind schwer gepanzerte Dinosaurier mit einer Schwanzkeule. Auff√§llig an Ziapelta sidn besonders schwere Stacheln √ľber dem Hals. Er geh√∂rt zu den am schwersten gepanzerten Vertretern seiner Familie.

Der Meteorit und die moderne Pflanzenwelt
Vor 64 Millionen Jahren starben mit den Dinosauriern zahlreiche andere Lebewesen aus. Wie so oft gerne √ľbersehen wird die Ver√§nderung, die in der Pflanzenwelt geschah. Neue Forschung zeigt nun, dass wir dem damaligen Massensterben auch zu verdanken haben, dass es heute so viele Pflanzen gibt, die ihre Bl√§tter abwerfen – also auch die Dominanz der Laubb√§ume.
Laubb√§ume erschienen bereits zu Zeiten der Dinosaurier – Ginkgo, Magnolien und Eichen waren f√ľr diese Tiere keine Unbekannten. Sie waren aber nicht die vorherrschenden B√§ume der W√§lder, wie sie es heute in gro√üen Teilen der Welt sind. Das geschah, weil die Laubb√§ume durch ihr schnelleres Wachstum und die Strategie, im Winter Energie zu sparen offenbar besser f√ľr die Welt nach dem Meteoriteneinschlag geeignet waren, in der aufgewirbelte Asche und andere Folgen des Einschlages das Klima auf Jahre hinaus ver√§nderten.
Das Gelb und Rot, welches die W√§lder derzeit wieder √ľbernimmt ist also ein direktes Zeugnis vom Ende der Dinosaurier.