Infelix Austria

Zeit mit Fremdsprachen anzugeben, die ich nicht kann. Oder mit der Fähigkeit, ein Wörterbuch zu benutzen um zu schauen, was das Gegenteil zu „felix“ ist. Oder abeer mich als Nichtjurist mit Rechtsfragen zu beschäftigen, weil sie mich betreffen. Moment, das lässt sich steigern: Mit internationalem Recht, und zwar Steuer- und Verlagsrecht zugleich. Ohne Netz und doppelten Boden!

Österreich hat vorgestern beschlossen, dass sein Buchpreisbindungsgesetz in Zukunft auch für eBooks gilt. Das Gesetz allein scheint recht harmlos zu sein. Albern und ein Rückschritt, wenn man bedenkt, dass eBooks mangels individueller Liefer- und Herstellungskosten keinerlei Preisevorteile für Großkonzerne bieten, aber harmlos.
Man will halt das Kulturgut Buch schützen. Warum man grade dieses Kulturgut schützt und nicht etwa das Kulturgut Film, Musik oder Theater — weiss der Geier. Das ist jetzt nicht das Thema.

Das Thema ist der Widerstreit zwischen Buchpreisbindung und unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen. Ich hatte bereits 2012 darauf hingewiesen, dass dies problematisch sein könnte.
Dazu muss man wissen, dass sich zum 1. Januar die Zuordnung der Mehrwertsteuerschuld beim Verkauf digitaler Waren in Europa ändert. Wurde diese bisher nach dem Sitz des Verkäufers zugeordnet, geschieht dies in Zukunft über den Wohnsitz des Kunden. Das allein bringt schon Probleme mit sich, die ich im August im englischen Blog geschildert habe.

Österreich hat das Ganze für Selbstverleger von einer schwierigen Situation zu einer Katastrophe gesteigert. Wieso? NUn:

1. Unsere eBooks werden in Zukunft in Deutschland und Österreich unterschiedlich besteuert.
2. Bei Amazon funktioniert die Preiseingabe über Angabe des Nettopreises. Österreich und Deutschland werden beide über amazon.de beliefert (amazon.at ist nur eine Maske) und verfügen somit über nur ein Feld für die Preisangabe. Damit bekommen Deutschland und Österreich für Käufe über Amazon unterschiedliche Bruttopreise.
3. Andere Händler wie Apple und die Tolino-Grupppe (Thalia, Weltbild, Buecher.de und weitere) nehmen den Bruttopreis als Grundangabe entgegen und verkauft dadurch an beide Länder zum selben Preis.
4. Das bedeutet, eBooks sind in Österreich (bzw.. für österreichische Autoren in Deutschland) bei verschiedenen Händlern unterschiedlich bepreist. Und das ist nach dem in beiden Ländern vorhandenen und auf deutschsprachige eBooks angewandten Buchpreisbindungsgesetz in beiden Ländern illegal.

Es gibt ein paar wahrscheinlich mögliche Lösungen. Schauen wir mal:
a) Nicht mehr bei Amazon verkaufen – angesichts der Bedeutung von Amazon die schlechteste Option
b) Exklusiv bei Amazon verkaufen – das wird wohl die häufigste Reaktion, da Amazon der mit Abstand am einfachsten zu erreichende Verkäufer ist. Na, das Gesetz schützt den Buchhandel ja toll, liebe Österreicher!
c) Über Distributoren verkaufen – das bedeutet natürlich zusätzliche Umsatzeinbußen durch den Anteil, den der Distributor für seine Dienste vom Buchpreis nimmt, ist aber wohl die beste Option. Das Problem der Preisangleichung liegt dann bei den Distributoren.
d) Amazon mit einer separaten Ausgabe für Deutschland oder Österreich beliefern, die einen an die Steuersätze des anderen Landes angepassten Nettopreis erhält. Der konkrete Prozess ist einigermaßen kompliziert, ausserdem hat man dann jedes eBook zweimal zu verwalten.

Und dann ist da noch das Problem des Verkaufs deutschsprachiger Werke bei Händlern, die nicht originär in Euro arbeiten, also etwa Smashwords und Lulu. Diesen Sonderaspekt werde ich gar nicht erst anpacken, aber wer eine Promotion in internationalem Recht schreiben will, darf sich gerne herausgefordert fühlen.

Und erneut ist selbstverlegen von eBooks in Europa komplizierter geworden, als unbedingt nötig. Und gleichzeitig wird die Marktmacht von Amazon weiter gestärkt, indem man den Autoren einen neuen Grund gibt, Amazon exklusiv mit Inhalten zu beliefern.
Aber um das zu wissen, hätte der österreichische Bundestag ja einen Selbstverleger als Experten einbestellen müssen. Oder wenigstens jemanden, der sich damit auskennt. Aber seit wann bestellt man in Parlamenten Experten, die tatsächlich wissen, wovon sie reden, wenn man doch ein hübsches Gesetz einführen will, mit dem man das ebenfalls nicht aus Experten bestehende Volk erfreuen kann?


Nicht niedlich

Es gibt im Moment einige Themen, mit deren öffentlicher Diskussion (und insbesondere mit deren Diskussion innerhalb meiner Partei, der Grünen) erhebliche Probleme habe. Die folgenden drei habe ich in einem Beitrag zusammengefasst, da ich sie als ähnlichen Ursprungs betrachte: Emotionalisierung in Form dessen, was man manchmal als Verweichlichung bezeichnet, sprich die übermäßige Betonung von Gefühlsurteilen in Debatten, die dabei ihre sachliche Dimension praktisch vollkommen verlieren.
Es folgen meine Überlegungen zu je einer neuen, einer alten und einer ewigen Debatte. Und es wird nicht fluffig.

Jagdgesetz/Katzen
Nordrhein-Westfalen hat diese Woche ein neues Jagdgesetz erlassen. Einiges davon ist sicherlich sinnvoll. Das am stärksten in den Medien reflektierte Thema innerhalb der neuen Gesetzeslage ist, dass Jäger jetzt keine streunenden Katzen mehr schießen dürfen. Klar, Catcontent kommt immer gut, Katzen sind niedlich. Und freilaufend eine ökologische Katastrophe.
Es gibt auf der Erde genau drei Wirbeltierarten, von denen nachgewiesen ist, dass sie auch dann jagen, wenn sie nicht hungrig sind: Der Mensch, der Große Tümmler und die Hauskatze.
Dass das beim Menschen ein Problem ist, ist unbestritten. Die Delfine tun das zwar, aber eher selten. Und dann ist da die Hauskatze. Vielleicht ist es die Domestizierung (nützlich um Mäuse loszuwerden), vielleicht ist es ein Merkmal aus einer Zeit, als Katzen seltener waren, aber: Freilaufende Katzen jagen. Ständig. Alles, was ausreichend klein ist und sich bewegt.
Und da wir Menschen sie gerne und beständig füttern, können sie auch unabhängig von der in der jeweiligen Umgebung vorhandenen Beute ständig weiterjagen, Nahrung ist ihnen bei ihren Menschen sicher. Und so kann sich kein ökologisches Gleichgewicht einstellen. Hauskatzen können ihre Beutetiere ohne irgendwelche negativen Folgen für sich selber bis zur Ausrottung jagen.
Klar, diese Beutetiere sind kein jagdbares Wild, denn zumindest in Deutschland ist es unüblich, Singvögeln und Nagetieren als solchem nachzustellen. Aber Jagd hat auch den Auftrag, die vom Menschen verursachten Störungen im ökologischen Gleichgewicht auszugleichen. Dass viele Jäger diesem Anspruch nicht genügen ändert nichts an der Tatsache, dass dies eine Funktion von Jagd ist.
Aber Katzen schießen ist böse. Weil die doch so niedlich sind.

Tierversuche
Hier ist eine Diskussion, die ich absolut faszinierend finde. Es ist fraglos richtig, dass so mancher Tierversuch überflüssig ist, weil er nicht dazu dient, (menschliche) Leben zu retten, sondern allein der menschlichen Eitelkeit in Form von Kosmetika und ähnlichem dient. Aber es gibt eben auch solche, für die es keine Alternative gibt und bei denen es um Menschenleben geht. Für diese muss man dann fragen: Was ist die Alternative?
Gern genannt werden dann Ansätze, menschliche Körper zu simulieren, ob jetzt virtuell oder in Zellkulturen. Dabei ist absolut faszinierend, manche Ansichten derer zu vergleichen, die solches vorschlagen.
Oft erzählt mir der selbe Mensch im einen Kontext (zB Alternativmedizin), die „Schulmedizin“ wüsste ja kaum etwas darüber, wie menschliche Körper funktionieren — und im anderen Kontext, dass ebendiese Schulmedizin genug über den menschlichen Körper wüsste, um die Reaktionen des menschlichen Körpers auf ein neues Medikament simulieren könnten.
Tatsache ist: Das tut sie nicht. Und da man zum einen nicht einfach so an Menschen experimentieren kann, zum anderen die Simulationen eben nicht gut genug sind, um verlässliche Ergebnisse zu liefern, braucht es als Zwischenschritt zwischen Simulation und Mensch Tierversuche. Und danach übrigens auch Menschenversuche. Es geht nicht anders.
Selbst wenn die Simulationen so gut wären, wie die Tierversuchsgegner glauben, müssten wir immer noch überprüfen, ob sie wirklich so gut sind. Wir wissen inzwischen viel über den menschlichen Körper, aber bei weitem nicht genug, um ihn mal eben so zu simulieren Jedenfalls nicht ohne einen kompletten künstlichen Menschen zu erzeugen, der so umfassend simuliert wäre, dass er eine vollwertige Person ist (denn auch psychische Auswirkungen von Mitteln müssen getestet werden).
Und darüber würde sich wohl keiner beschweren, wären unsere Testorganismen Kakerlaken. Leider brauchen wir aber Warmblüter mit halbwegs vergleichbaren Organen und eisenbasiertem Blut als absolutes Mindestmaß an Vergleichbarkeit. Also Ratten. Aber Ratten sind niedlich und deswegen haben wir Tierversuchsgegner.

Pazifismus/Kobane
Wo wir grade bei Menschenleben waren. da ist ja noch die Sache mit Kurdistan, ISIS/ISIL/IS und dem Pazifismus. Ohje.
Fangen wir mal so an: Ich halte den Pazifismus für eine gute Idee. Genauer, ich halte es für erstrebenswert, eine Welt formen zu helfen, in der Pazifismus zum allgemeinen Wertekanon gehört. Ich halte es für richtig und ethisch geboten, eine Welt aufzubauen, in der Pazifismus möglich ist. Doch noch leben wir in keiner solchen Welt. Unsere Welt hat Aspekte davon, viele Konflikte sind gewaltfrei lösbar, viele Gegenden sind in friedlicher Koexistenz verbunden und verflochten.
Der Kampf gegen den IS in Kurdistan gehören nicht dazu.
Gut für den Pazifismus ist: In den meisten Konflikten will keine der beteiligten Parteien einen Krieg. Der Krieg ist nur ein Mittel, etwas zu erreichen; manchmal ist er auch so etwas wie eine Naturkatastrophe, die niemand wollte, aber die sich aus der schwer kontrollierbaren Verstrickung von Umständen, Handlungen und Motivationen ergibt. In solchen Fällen wollen alle Beteiligten Frieden und dann haben pazifistische Ansätze Aussicht auf Erfolg und vor allem das Potenzial, eine Region langfristig zu stabilisieren und weitere Kriege zu verhindern.
Weil dies eine gute Vision ist, halte ich mich aus vielen Krisen im Diskurs heraus. Die kleinen Querelen unter Nationen schrumpfen ins Bedeutungslose, wenn es andernorts darum geht, friedliche Lösungen für die ganze Welt zu finden und zukünftige Konflikte gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Doch hin und wieder erscheint auf der Bühne der Weltgeschichte eine Gruppe, die einen Krieg will, deren Ideologie den Krieg zum notwendigen oder sogar guten Weg erklärt, die glaubt, mit Krieg die Welt bessern zu können. Es sind etwa zwei oder drei Gruppen in jedem Jahrhundert. Die Kreuzzüge, die Nazis und die Rote Khmer mögen hier exemplarisch stehen, auch IS gehört offenbar in diese Kategorie.
Wer diesen Gruppen mit pazifistischen Methoden entgegentritt, legt allem Anschein nach nicht viel Wert auf seinen Kopf (im Falle von IS wortwörtlich). Selbst aus Sicht des Pazifismus: Was bitte ist denn gewonnen, wenn die Opfer den Kriegstreibern Platz machen, wenn ihnen die Fähigkeit zur Verteidigung durch Verweigerung von Waffenlieferungen und direkter Hilfe genommen wird? Hält man Bellizisten nicht auf, marschieren sie weiter, bis es keinen Raum mehr gibt, in dem sie marschieren könnten oder bis ihnen endlich jemand Widerstand leistet.
Ich dachte eigentlich, grade die Deutschen hätten das gelernt.

Genauso wie es keine Toleranz den Intoleranten gibt, kann es auch keinen Frieden für Bellizisten geben.
Nein, ich bin kein Pazifist. Aber ich würde gerne in einer Welt leben, in der ich einer sein könnte, ohne meine Integrität aufzugeben. Ohne dafür das Leid derer ignorieren zu müssen, die brutale Regimes und Kriegstreiber erdulden müssen. Nur leider ist dies keine solche Welt. Aber das zu erkennen, das ist nicht niedlich.


Khamel und wie Gladbach Kalmrill wurde

Während ich andernorts ein paar Probleme mit BoD habe, hatte ich ja noch einen Artikel zu Khamel zugesagt und dazu, wie Mönchengladbach mit Kalmrill zu einem Fantasy-Gegenstück gekommen ist. Hier isser:

Khamel

Wahrscheinlich die biblischste Geschichte die ich je geschrieben habe. Khamel folgt in 1.400 Wörtern (ich fasse mich ungern unnötig lang) der Hexe Larina, die ein Jahr zuvor ihren Assistenten Khamel durch ein Nadelöhr geschickt hat und ihn jetzt zurückholen will, um ihr Kunststück abzuschließen. Zugleich beendet sie damit ihre Ausbildung zur Hexe des höchsten Ranges, einer berühmten Hexe.
Die Idee geht zurück auf den Scherz eines US-Komikers (ich weiss leider nicht mehr, welcher), der meinte, Kreationisten wären Menschen, die keine Metaphern verstehen und deshalb beim Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr an ein reales Ereignis mit einem Nähwerkzeug und einem sehr unglücklichen Paarhufer denken.
Ich fügte dem Kamel ein H hinzu und kam so auf einen real existierenden arabischen Männernamen, einfach weil man auch in meinen Fantasy-Geschichten mit Kamelen nicht sprechen kann. Ich wählte ein Zauberstück als passenden Kontext für ein Szenario, in dem es Sinn machen würde, durch ein Nadelöhr gehen zu wollen. Und so kam Larina hinzu, deren Name ein reines Fantasieprodukt ist.
Sie begegnet nun den Hoffnungen, die ihre Taten in den Bewohnern des recht unbedeutenden Städtchens Kalmrill aufkeimen lassen, bevor sie schließlich bereit ist, ihr Werk zu vollenden.

Kalmrill

Eines vorab: Dass Kalmrill und Khamel sich lautlich so ähnlich sind, ist ein absoluter Zufall. Es fiel mir überhaupt erst auf, als ich die deutsche Übersetzung von Khamel anfertigte. Aber wie kam es nun zu Kalmrill?
Khamel sollte ursprünglich in einer beliebigen Fantasy-Stadt spielen. Doch da spielte mir mein Unterbewusstsein einen Streich. Es gehörte zur Geschichte, dass Larina die Stadt durch ein Tor betrat und sich zum Marktplatz begab. Mein Geist war so tückisch, mir in diesem Moment ein Bild der Weiherstraße in Mönchengladbach zu liefern, mitsamt dem einst dort vorhandenen Stadttor.
Von da an war es logisch: Mönchengladbach war mit seinem historischen Aufbau im Bereich innerhalb der einstigen Stadtmauer nahezu perfekt — ein klar definiertes Stadtgebiet, Rathaus und Münster direkt am Tor zwischen Mauer und Marktplatz und ein Marktplatz mittig auf der Hügelkuppe. So wurde Mönchengladbach der Ort meiner Geschichte.
Es passte gut — die Geschichte sollte ohnehin in einer Welt spielen, welche die unsere ist, nur ergänzt darum, dass fast alle Mythen und Legenden unserer Welt wahr sind, insbesondere die lokalen. Wo wir Geldern finden, gibt es dort den Sumpf des Drachen Gelre. Auf den Dächern von Paris leben Gargoyles, die amerikanische Prärie wird von den mythischen Bestien der Indianerlegenden bewohnt, all sowas.
Nun schrieb ich die Geschichte in Englisch und „Gladbach“ ist in Englisch kein guter Name. Klingt auch nicht gut: Glädbätsch. Also musste ein guter englischer Name her. Mein alter Scherzname Friar’s Even Creek war das auch eher nicht.
Aber dann ging ich andere Übersetzungen für „glatt“ durch und kam recht schnell auf „calm“, also ruhig, jener Aspekt des zentralen Baches, der ihm den Namen des glatten Baches gegeben hatte. Ein Thesaurus brachte mich auf das seltene Synonym „rill“ für „creek“, das englische Geschwister unserer deutschen Rille. Calmrill. Ja, das funktionierte, Calmrill. So könnte gut ein Ort im Auenland heissen.
Bei der Übersetzung ins Deutsche beschloss ich, den Namen eingedeutscht beizubehalten und nicht zu Gladbach zurück zu übersetzen. Und so kam das Fantasy-Gegenstück von Gladbach zum Namen Kalmrill.

Kommerz

Newsletter-Empfänger durften bereits gestern in den Genuss der Geschichte kommen, alle anderen können sie im Laufe der Woche in allen wichtigen eBook-Shops für 0,49 € erwerben, je nachdem, wie schnell diese die Veröffentlichung aufnehmen. Sie wird ausserdem über readfy und Skoobe zum Ausleihen bereit stehen.


eBook-Umstelleritis

Nachtrag Die Gratis-Aktion ist nicht möglich, da es technische Probleme mit BoD (der selbe Drecks-Editor wie bei Neobooks, fertig hochgeladene ePubs werden von diesem hier sogar kurzerhand zurechtgestutzt) gab und ich auf Xinxii ausweichen musste, die diese Möglichkeit nicht bieten./Nachtrag

Die nächsten Tage wird es ein paar Veränderungen bei meinen eBooks geben. Links verändern sich, Bücher werden kurze Zeit nicht mehr lieferbar sein und danach an neuen Stellen auftauchen. Hier ist eine Übersicht, was passiert, warum und was das für die Leser bedeutet. Und wieso ich nächste Woche drei eBooks verschenke.

Stand der Dinge

Beinahe vier Jahre ist es nun her, dass ich mein erstes eBook bei Amazon zum Verkauf gestellt habe. Das war am 17. November 2011. Im Internet eine Ewigkeit, in der sich entsprechend viel verändert.
Damals war Amazon meine erste und einfachste Plattform – die Dateien waren leicht zu erstellen und da sie aus html bestanden, bis zum letzten Punkt kontrollierbar ohne dass die Ergebnisse zu rigide wurden. Das Mobi-Format war großartig, ePub erschien mir zu überladen und zu uneinheitlich. Zwar war es immer der Plan, später auch auf anderen Plattformen zu veröffentlichen, aber Amazon hatte Priorität.
Doch der Markt wuchs ständig und bald wollten auch andere Stücke vom Kuchen – vor allem in Deutschland entwickelte sich mit Tolino ein echter Konkurrent. Wer in Deutschland am Markt bestehen will, muss heute auf beiden Plattformen sein: Tolino und Kindle. Ein paar andere wie Google Play und iBooks schaden auch nicht. Doch das war nicht unbedingt einfach, es gab keinen direkten Einstieg wie bei Amazon mit seinem Kindle Direct, man musste als Selbstverleger über Dritte gehen.
Dazu kommt ein neues Problem: De facto erfolgt für europäische Selbstverleger eine heftige Mehrwertsteuererhöhung für über Amazon und iBooks verkaufte eBooks, von 3% auf 19%. Die eBooks mit einem Preis ab 2,99 € können das ab, aber bei denen darunter ist das wegen der ohnehin geringeren Tantiemen (nur 35% statt 70% vom Nettopreis) ein empfindlicher Einbruch. Und viele meiner Bücher, darunter die Meilensteine der Evolution als mit Abstand erfolgreichstes Produkt fallen in diese Preisklasse. Durch den vertrieb über einen Dienstleister kann ich diesen Effekt mildern, ohne die Preise anzuheben (für die Meilensteine etwa von 1,49 € auf 1,99 €).
Ich habe in letzter Zeit mit Methoden experimentiert, meine eBooks auf anderen Plattformen unterzubringen. Und jetzt endlich habe ich ein Modell dafür, wie ich meine Distributoren nutze. Das muss ich jetzt umsetzen:

Deutsche eBooks unter 2,99 €: BoD
Deutsche eBooks über 2,99 €: Amazon KDP + Xinxii
Englische eBooks: KDP + Draft2Digital
Papierbücher: epubli oder BoD, je nachdem welcher für das jeweilige Projekt günstiger ist

Was sich ändert

Von den Änderungen sind die folgenden Bücher betroffen:
Meilensteine der Evolution – alle Bände: Diese sind bisher bei Amazon KDP gelistet und werden in Zukunft zu BoD übergehen. ich kann aus vertraglichen Gründen nicht gleichzeitig über BoD und direkt über Amazon an Amazon liefern, weswegen ich den Vertrieb entsprechend umstellen muss.
Die Meilensteine werden weiter bei Amazon erhältlich sein, aber für etwa einen Tag werden sie aus dem Shop verschwinden, um später mit neuer ASIN (und somit unter neuen Links) wieder aufzutauchen. In den folgenden Tagen werden sie bei weiteren Shops auftauchen, darunter iBooks und die Shops der Tolino-Allianz (u.a. Thalia, Weltbild, lokaler Buchhandel) sowie bei den Leihdiensten Skoobe und readfy.
Das bedeutet leider auch, dass bisherige Amazon-Käufer zukünftige Aktualisierungen der Reihe nicht mehr erhalten werden. Um das auszugleichen (und zugegebenermaßen auch als Werbeaktion) werden die drei bisher erschienenen Bände der Reihe bis einschließlich Mittwoch gratis verfügbar sein. Je nachdem, wie schnell BoD die Änderungen danach durchführt evtl. auch bis Donnerstag, aber darauf würde ich mich als Leser nicht verlassen ;-)
Das gilt für alle Shops, welche die Bücher der Reihe bis dahin in ihr Sortiment aufgenommen haben. Danach gehen die Bücher dauerhaft auf die gewohnten 1,49 € Verkaufspreis.

Unter Wittgensteins Löwen: Das Schicksal der Löwen ist weniger radikal. Bei Amazon ändert sich gar nichts, nur die übrigen Shops werden einen kleinen Schluckauf bekommen, während ich den Vertrieb der ePub-Version von Neobooks zu Xinxii übertrage. Damit habe ich auch die Möglichkeit, die ePub gestalterisch meinen relativ hohen Ansprüchen an die Kindle-Version anzupassen, so dass beide Versionen in Zukunft absolut gleichwertig sind. Der für mich überraschend lästig aufgebaute Editor von Neobooks hatte mir da übel mitgespielt.

Die Zukunft

Ein Mal umgesetzt sollte danach wieder alles glatt laufen.
Seit mittlerweile drei Monaten bin ich mit meiner Produktivität sehr zufrieden. Die deutsche Übersetzung von Khamel ist fertig, aber ich musste nachträglich noch ein paar Tippfehler bereinigen (Newsletter-Empfänger haben die Geschichte heute in fertig korrigierter Form als Bonus erhalten). Bei einer Geschichte von nur 1.400 Wörtern sehr unangenehm, sowas übersehen zu haben. Da ich wieder neue Ideen habe, werden zudem die Meilensteine nicht so schnell enden.
Ansonsten habe ich für die Zukunft noch ein paar Überraschungen im Ärmel, die aber dann inhaltlicher Art und garantiert nicht so lästig wie die Vertriebsumstellung.
Und morgen erzähle ich euch dann von Khamel, der Stadt Kalmrill und wie Mönchengladbach ein Fantasy-Gegenstück bekam.


Dino-Dienstag 11

Eine Woche übersprungen, aber jetzt wieder da: Der Dino-Dienstag.

Mick Jaggers Nilpferd
Mick Jagger kommt die große Ehre zuteil, ein Nilpferd nach sich benannt zu haben. Ein prähistorisches natürlich. Glückwunsch!
Jaggermeryx naida ist ein Nilpferd, das vor 19 Millionen Jahren in Afrika lebte. Löcher in seinem Schädel deuten auf Nerven hin, die sehr sensible und wahrscheinlich bewegliche Lippen versorgten. Die Benennung nach dem Rolling-Stones-Sänger erfolgte aufgrund dieser vergrößerten Lippen. Und als wäre das noch nicht großartig genug, haben die Entdecker anfangs einen zweiten Star als Namensgeber diskutiert – Angelina Jolie. Entdeckeirn Ellen Miller blieb aber standhaft bei Jagger. Vermutlich, weil es nur für diesen Namen ein geeignetes Lied zum Feiern der Entdeckung gab. Die Urzeitbücher werden so oder so in hundert Jahren viel Arbeit haben, das zu erklären.

Nachtrag zu Dreadnoughtus
Ich fand den Namen Dreadnoughtus für einen neuen Titanosaurier vor ein paar Wochen ja furchtbar. Ich finde ihn immer noch furchtbar, weil es gar nicht möglich ist, ihn auch nur halbwegs unfallfrei auszusprechen, wenn man kein Englisch spricht. Das sollte den Namen nach den in der Taxonomie üblichen Regeln eigentlich ungültig machen.
Der Bostin Globe findet den Namen zwar „awesome“, hat sich aber immerhin des Themas angenommen, woher solche Namen kommen und fängt in seinem Artikel mit dem guten alten T. rex an, einem Namen, der durchaus kalkuliert so populär geworden ist, wie er nun einmal geworden ist.

Ziapelta sanjuanensis, Bild: © Sydney Mohr

Ziapelta
Und wieder ein neuer Dinosaurier. Da gibt es zur Zeit wohl irgendwo ein Nest von.
Ziapelta sanjuanensis ist ein Ankylosaurier aus New Mexico, der dort vor 72-74 Millionen Jahren lebte. Die Ankylosaurier sind schwer gepanzerte Dinosaurier mit einer Schwanzkeule. Auffällig an Ziapelta sidn besonders schwere Stacheln über dem Hals. Er gehört zu den am schwersten gepanzerten Vertretern seiner Familie.

Der Meteorit und die moderne Pflanzenwelt
Vor 64 Millionen Jahren starben mit den Dinosauriern zahlreiche andere Lebewesen aus. Wie so oft gerne übersehen wird die Veränderung, die in der Pflanzenwelt geschah. Neue Forschung zeigt nun, dass wir dem damaligen Massensterben auch zu verdanken haben, dass es heute so viele Pflanzen gibt, die ihre Blätter abwerfen – also auch die Dominanz der Laubbäume.
Laubbäume erschienen bereits zu Zeiten der Dinosaurier – Ginkgo, Magnolien und Eichen waren für diese Tiere keine Unbekannten. Sie waren aber nicht die vorherrschenden Bäume der Wälder, wie sie es heute in großen Teilen der Welt sind. Das geschah, weil die Laubbäume durch ihr schnelleres Wachstum und die Strategie, im Winter Energie zu sparen offenbar besser für die Welt nach dem Meteoriteneinschlag geeignet waren, in der aufgewirbelte Asche und andere Folgen des Einschlages das Klima auf Jahre hinaus veränderten.
Das Gelb und Rot, welches die Wälder derzeit wieder übernimmt ist also ein direktes Zeugnis vom Ende der Dinosaurier.