Freitägliche Fünf 28.11.2014

Gar nicht so einfach, jede Woche fünf Dinge zu finden, die man in den letzten sieben Tagen gut fand.

1. Schon zwei Jahre alt, aber ich habe erst jetzt davon gehört: Das Konzept für eine flügellose Windkraftanlage mit höherer Leistung und zur Schonung fliegender Tiere. Die tunesische Firma hinter dem Projekt läuft noch und arbeitet weiter daran.

2. Die erste kommerzielle Lieferdrohne der Welt ist im Dienst. Sie liefert Medikamente und ähnliche Güter an die Nordseeküste Juist. Ich mag diese Momente, wenn die besten Aspekte der Zukunft zur Gegenwart werden. Und das wurde ja auch mal Zeit, immerhin sind wir schon deutlich über das Jahr 2000.

3. Apropos Zukunft: Die Pläne der NEW, Kleinwindkraftanlagen zu testen, find ich ebenfalls klasse. Ob da jemand auf mich gehört hat, weiss ich nicht, aber wenn ja, können die das ruhig öfter tun.

Er [Prof. Markus Schröder] betonte aber auch, dass die kleineren Windräder nur eine Ergänzung zu den größeren sein können

Nun, das wird schon. Denn der meiner Meinung nach nächste Schritt zu einer umweltverträglichen und für alle Nutzer von Großkonzernen unabhängigen Energieversorgung ist Wege zu finden, wie Verbrauch und Eigenproduktion zusammengebracht werden können. Vorzugsweise durch bessere Wirkungsgrade bei Erzeugung und Verbrauch. Die gewaltigen Erfolge in der Lampentechnologie geben den Takt vor.

4. Auch wenn ich an der Kommentarsektion verzweifeln könnte, da es laut diesen offenbar schon autofeindlich ist, die Begrifflichkeit „autofreundliche Stadt&dquo; nicht mehr auf Plakaten zu nutzen: Schön, dass Mönchengladbach sich nicht mehr mit seit den 1970er Jahren veralteten stadtplanerischen Konzepten schmückt.
Wir sind leider in einer Stadt, in der die Leute zu glauben scheinen, die Römer hätten die Straße in Erwartung der baldigen Erfindung des Automobils erfunden, denn nur für diese sind Straßen da. Da muss man sich auch mal über Trippelschritte freuen.

5. Lindsey Stirling. Ja ich weiss, nach einer Zeit hört sich alles von ihr irgendwie gleich an. Das ist so eine Eigenschaft von Geigenmusik (und Dubstep) allgemein. Aber momentan ist es noch nicht so weit.


Freitägliche Fünf 21.11.2014

Ich klau heute mal eine Idee von Lucy Aslan, die Friday Five. Die Idee ist, jeden Freitag fünf Dinge zu posten, die einem in den sieben Tagen zuvor besonders gefallen haben.
Ich mag das zum einen, weil es das Blog aktiv hält und zum anderen, weil es ein positiver Ansatz ist, auf die Woche zurückzublicken. Und ich habe mir das Ziel gesetzt, positiver und proaktiver zu werden. Und zwar für die gesamte zweite Hälfte dieses Jahrzehnts. Aber dazu zum Jahreswechsel mehr, jetzt erstmal die ersten Freitäglichen Fünf:

1. Die rechts zu sehende exotische Sichtung auf dem Bismarckplatz begeisterte mich am Montag abend. Ich habe das zwar schon zuvor gesehen, da aber kein Handy dabeigehabt. Angeblich sollen die Pizzas bei Joey’s recht mies sein, aber das ist mir relativ wurscht. Wichtig ist meines Erachtens, dass in unserer Stadt an prominenten Plätzen solche Bilder auftauchen. Bildern bewirken viel in der Veränderung einer Stadt zum Besseren.

2. Die kleine Stadt Montforte de Cid setzt in Zukunft Pferdekutschen für die Müllabfuhr ein. Ich finde das großartig. Mit den steigenden Treibstoffpreisen verändert sich die Wirtschaftlichkeit von Technologien. Die einst extrem billigen Verbrennungsmotoren können nicht länger mit den Nutztieren mithalten. Und da die Müllabfuhr ohnehin eine für Motoren sehr verschleissreiche Fahrweise haben (Fahren-Stopp-Einladen-Fahren-Stopp…), ist dies ein absolut sinnvoller Schritt für Stadtsäckel und Umwelt.
Bei Facebook wies mich Dieter Rink darauf hin, dass es solche Kutschen auch in der Steiermark gibt.

3. Ich habe meine tägliche Schreibleistung (zählt nur eigene Projekte, keine Auftragsarbeiten) stabil über 1.000 Wörter gehievt. Da bin ich mal recht zufrieden mit mir. Nächstes Ziel: 1.000+500 (Neuprojekte und Bearbeitungen älteren Materials).

4. Daniel Schlagmann stellte im Ladenlokal in Mönchengladbach das Konzept der Gemeinwohlökonomie vor. Das Grundkonzept ist eine Bewertung von Firmen nach ihrem Nutzen für die Allgemeinheit und eine Förderung von Verhalten und Produkten, die dem Gemeinwohl dienen: Transparenz, Arbeitnehmerbeteiligung, Kooperation, Produktionsweisen mit möglichst wenig Umweltverschmutzung und Ausbeutung, all diese Dinge.
Das Konzept hat seine Schwachpunkte wie etwa die starke Subjektivität von Gemeinwohl, aber es ist wenigstens ein Ansatz, der wegführt von der Orientierung daran, sinnlos immer mehr Geld anzusammeln.

5. Erneut eine sehr gute Folge der Anstalt, wenn ich auch das Gefühl hatte, dass die drei Gastkabarettisten bei ihren Solo-Auftritten das Niveau eher zu senken bemüht waren. Ausserhalb dieser durfte Marc-Uwe Kling allerdings etwas glänzen („Ich schreibe kapitalismuskritische Bücher, die sich super verkaufen“). Es war aber auch ein komödiantisch undankbares Thema mit der Einwanderung.
Dennoch grandios: Ein zunehmend begeisterter DDR-Grenzer kriegt Frontex erklärt und der Auftritt am Ende. Die allein machen das Ganze sehenswert. Hier zum Beispiel:


eBook-Genreranking 16.11.2014

Eine der häufigsten Fragen von Selbstverlegern im eBook-Bereich ist, welche Genres sich am besten verkaufen. Und entsprechend viele Methoden wurden entwickelt, diese Frage zu beantworten. Sei es der Bestsellerrang des bestverkauften Werkes, der Anteil der Genres an den Bestsellerlisten, das Ergebnis von Umfragen oder einfach die Voreingenommenheit des Feuilletons. Mir erscheint das alles wenig brauchbar, weil es jeweils auf zu wenig Daten beruht und schnell von einzelnen Titeln und Autoren, die im Trend liegen, aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann.
Also habe ich noch eine Methode mitgebracht. Die ist hauptsächlich für meine eigene Marktübersicht gedacht, aber wenn ich das schon mache, kann ich es auch gleich noch um ein paar Genres ergänzen und dann das Blog damit füllen.

Die Idee ist, die Top100 jedes Genres zu nehmen und zu schauen, wo die jeweilige Nummer 1 und Nummer 100 in den Gesamtverkaufszahlen stehen. Damit habe ich einerseits den Rang des erfolgreichsten Buches, kann aber auch sehen, ob es sich bei diesem nur um einen Ausreisser handelt. Ich nutze hierfür Kindle, wiel die Daten von dort besonders einfach zu bekommen sind.
Kurzgefasst kann man sagen: Je höher die Nummer 1 im Gesamtranking und je geringer der Abstand zur Nummer 100, desto besser. Verfolgt man das über mehrere Wochen, sollten durch die schiere Datenmenge Trends erkennbar und statistische Spitzen abgefangen werden.
Ungefähr so:

Belletristik
Die Belletristik läuft ausser Konkurrenz, da es in Deutschland nicht üblich ist, diese als Genre zu betrachten. Das führt dazu, dass sich in ihr Bücher diverser Genres wiederfinden, etwa nahezu das komplette Romantik-Abteil. Eine echte Genre-Zuteilung ist für diesen Teil der Literatur nicht mit vertretbarem Aufwand möglich, da das Genre stilistisch definiert ist und somit jedes Buch einzeln bewertet werden müsste.
Am ehesten entspricht der Belletristik bei Amazon die Kategorie „Gegenwartsliteratur“.
Und hier ist auch schon der Beweis. Die #1 ist zugleich der Bestseller bei den Liebesromanen, die #100 kommt im gesamten Kindle-Shop auf Rang 277. Damit wäre die Gegenwartsliteratur das zweit-erfolgreichste Genre auf Kindle, da es aber viele Vertreter der Genreliteratur (vor allem Liebesromane, Thriller, Krimi) mit umfasst, wäre alles andere auch sehr erstaunlich. Seine Top100 sind im Grunde eine Mischung aus den Top20 aller normalerweise in der Gegenwart spielender Genres. Das ist so ziemlich alles ausser Science-Fiction, Fantasy und historischem Roman.
Aber hey, vielleicht kann ja jemand etwas mit diesen Daten anfangen, vielleicht gibt es irgendwann in Zukunft sogar mal eine echte Überraschung und die gesamte Leserschaft stürzt sich auf Science-Fiction, hier sind sie also.
Dennoch interessant: Platz 100 ist übrigens mit 14,99 € das teuerste eingeflossene Buch im Bereich Fiktion. Der erste Platz ist von einer Selbstverlegerin belegt.

Liebesgeschichten
Kommen wir zum ersten echten Genre.
Wie gesagt ist Zauberhafte Weihnachten von Daniela Felbermayr zugleich der Bestseller in der gesamten Gegenwartsliteratur. Das ist ein guter Start für ihr Genre. Im gesamten eBook-Angebot nimmt es Platz 3 ein. Das andere Ende bildet Karola Löwensteins Gloomy Passion auf Rang 182. Das bedeutet, mehr als die Hälfte der Romantik-Top100 sind zugleich in den Gesamt-Top100. Selbst alle anderen Genres zusammen können ein solches Ergebnis nicht übertreffen.
Allerdings wirkt das durch Bände mit mehreren Genres auch in andere Listen hinein: Die Nummer 8 unter den Liebesgeschichten findet sich als Nummer 1 in der Fantasy wieder. Doch dazu später mehr.
Es ist kein Geheimnis dass Romantik auf dem Kindle gut läuft, dieses Ergebnis erstaunt mich dann aber doch. Übrigens ist das noch ohne den ebenfalls sehr lukrativen Bereich der Erotik, da viele Werke aus diesem genre einer eigenen Erotik-Kategorie angehören. Bücher in der Kategorie „Erotik“ erhalten keinen Gesamtverkaufsrang, das ist Amazons Methode, die Bestsellerlisten „sauber“ zu halten.

Krimi/Thriller
Amazon packt beide Genres in eine Kategorie. Da die beiden aber auch nur sehr schwer zu unterscheiden sind, ist das wohl besser so. Sonst müssten wir uns nur streiten, wie legitim die Einordnung einzelner Bücher ist. Davon hat keiner was.
Hier haben wir ein beispiel für einen (allerdings nur sehr leichten) statistischen Ausreisser, den unsere Methode auflöst: Es handelt sich „nur“ um das zweit-erfolgreichste echte Genre (also ohne die Gegenwartsliteratur zu zählen), aber der Bestseller des Genres, Roger Stelljes‘ Die Minnesota-Verschwörung ist zugleich das zur Erhebungszeit meistverkaufte Kindle-Buch überhaupt. Diesmal kein Selbstverleger, aber fast, es handelt sich um die von Amazon angefertigte Übersetzung eines amerikanischen Selbstverlegers. Erstaunlicherweise der einzige deutschsprachige Titel dieses Autors.
Auf Rang 100 begegnet uns eine kleine Überraschung. Robert Galbraith ist Fantasy-Fans besser unter dem Namen Joanne K. Rowling bekannt. Auch wenn Rowlings Ausflug in den Krimi nicht als ihr Meisterstück gilt, ist es doch erstaunlich, dass sich 99 andere Werke, darunter vornehmlich Selbstverleger, vor sie stellen können. Insgesamt ist das eine nur hier und dort mit bekannten Namen gesprinkelte Liste. Dan Brown, Nele Neuhaus und Charlotte Link tauchen auf, spielen aber keine so große Rolle. Die großen Endlos-Serien aus der Bastei spielen überhaupt keine Rolle. Das war zwar auch bei den Liebesgeschichten so, aber angesichts der Größe von Namen wie Jerry Cotton überrascht es dennoch – bei den Romanzen finden sich wenigstens ab und an bewährte Marken wie Julia und Cora.

Fantasy
Immerhin noch auf die 16 im Gesamtangebot bringt es Mella Dumonts Fantasy-Bestseller Himbeermond. Dass das Buch gleichzeitig in der Liebes-Kategorie steht und dort auch gleich Rang 8 belegen kann, hilft sicherlich. Ihr Gegenstück am Hinterende der Top100 trägt den verwirrenden Titel HEROES Jägerherz – Hunter: Jägerherz – Hunter, bei dem ich nicht sicher bin, was nun der Untertitel wovon ist. Allerdings hat es auch hier Romantik-Elemente einschließlich eines Covers, welches so sonst nur in Erotik und Romanze auftaucht. Es erreicht im Gesamtvergleich nur noch die 970. Der Abstand zur den beiden größten Genres ist also schon sehr deutlich.
Die Ähnlichkeit der beiden Vertreter täuscht allerdings: In der Fantasy findet sich ein sehr lebendiges Gemisch von Subgenres, von denen keines echte Dominanz zeigt. Da steht romantische neben düsterer und diese dann neben epischer Fantasy. Urban Fantasy ist allerdings seltener vertreten, als einen der Hype glauben macht. Auffällig ist, dass die einzelnen Bände von Serien in der Fantasy regelmäßig sehr nah beieinander liegen. Nicht nur verkaufen Serien sich in der Fantasy gut, sie verkaufen sich auch noch am Stück.

Science-Fiction
Wieder mit ordentlichem Abstand kann Markus Sakeys Die Abnormen die SF-Charts anführen. Platz 40 ist es geworden, mit Sarah Marie Kellers Ein schwarzes Feuer am anderen Ende auf 2.880. Und als wäre das für SF-Autoren noch nicht unschön genug, sind die Top100 auch noch von einer einzigen Serie durchsetzt, mit der man mithalten muss. Ja natürlich, Perry Rhodan in all seinen Iterationen samt Spin-Offs und Sonderbänden. Perry Rhodan; Perry Rhodan Neo, Atlan… gegen den unsterblichen Unsterblichen ist in der deutschsprachigen Science-Fiction kaum ein Kraut gewachsen. Insgesamt laufen auch in der SF Serien gut, verteilen sich dabei aber anders als in der Fantasy über die kompletten Top 100.

Horror
Hier ist der zweite große Ausreisser in der Statistik. Andreas Adlons Bestseller im Horror schafft es insgesamt auf Platz 6. Im steht eine Ausgabe von Bram Stokers Dracula (!) entgegen, die es nur auf Rang 3.380 schafft. Das ist allerdings wenig überraschend, Horror war immer schon ein Genre mit einer solch seltsamen Zusammensetzung – einerseits verkauft er sich schlecht, andererseits macht er einzelne Autoren zu Millionären. Wahrscheinlich sähe es noch schlechter aus, wenn diverse Endzeit-Geschichten, die im Horror auftauchen, der Science-Fiction zugeschlagen würden.

Fachbücher
Wem Horror zu populär ist, dem seien Fachbücher ans Herz gelegt. Die reichen von Platz 442 (Michael Lietser: Endlich selbstbewusst!) bis zu 4.350 (Alice Miller: Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst). Mit wenigen Ausnahmen sind das alles Ratgeber zu diversen Themen: Hilfe mit dem iPhone, Hausapotheke von seriös bis Homöopathie, jede Menge Selbstbewusstsein, Geld verdienen, Inspirationen und sonstige Selbsthilfe.
Das sind durchaus noch lukrative Ränge, aber man kann durchaus sagen, dass bei den Fachbüchern nur Geld verdient, wer es unter die ersten 100 schafft. Alles dahinter ist grob überschlagen Groschenpicken.

Naturwissenschaften & Technik
Wo wir grade beim Groschenpicken sind: Nur wahnsinnige und überzeugte gehen in diese Kategorie. Ich sage abe rnicht, zu welcher der beiden Gruppen ich zähle. Dr. Claudia Berger kann noch auf 1.075 warnen: Im Darm steckt der Tod. Das Grundwissen Mathematikstudium wird dagegen auf 10.045 vermittelt. Das bedeutet nach meinen Erfahrungen weniger als ein verkauftes Exemplar am Tag. Dass es zudem ein eBook mit einem Preis von 46,99 € in die Top100 schafft, dürfte als ähnlich große Warnflagge gelten: Wer mit eBooks Geld verdienen will, sollte sich tunlichst von den Naturwissenschaften fernhalten.

Fazit
Noch sind es nur sehr wenige Daten, aber es bestätigt sich, was andere Verfahren sagen: Romantik beherrscht den Kindle-Markt wie nichts sonst, andere Genres der Fiktion folgen mit merklichem, aber überwindbarem Abstand. Sachbücher dagegen sind für die Einkommen ihrer Verfasser eine Katastrophe mit sehr wenig Hoffnung auf nennenswerten Profit. Horror hat aktuell eine seltsame Verteilung in den Verkaufsrängen – insgesamt schwach mit einigen wenigen sehr starken Autoren im vorderen Bereich.
Mal sehen, wie die Trends in den nächsten Wochen laufen.

Daten erhoben am Sonntag, 16.11.2014 um ca. 20 Uhr


Dino-Dienstag 12

Es war ein paar Wochen relativ ruhig in der Paläontologie. Nach einem aufregenden Sommer durchaus verdient, 2014 hat bereits eine beachtliche Anzahl neuer Funde und Erkenntnisse erbracht. Aber jetzt hat sich wieder genug angesammelt, dass sich ein neuer Dino-Dienstag lohnt.
Also dann:

Zaraapelta nomadis, Bild: Danielle Dufault/University of Alberta

Zaraapelta
Dieser auffällig geschmückte junge Herr ist Zaraapelta nomadis, ein neuer Ankylosaurier aus der Mongolei. Das Tier ist selbst für einen Ankylosaurier ungewöhnlich stachelig und hat daher einen Namen, der sich aus dem Mongolischen für „Igel“ und dem bei Ankylosauriern häufig verwendeten „pelta“ (Schild) zusammensetzt.
Und weil es ein schönes Porträt dazu gibt, bekommt er auch einen eigenen Eintrag und nicht nur eine Kurzmeldung weiter unten.

Laurasia und die kambrische Explosion
Vor etwa 530 Millionen Jahren erschienen überraschend plötzlich gewaltige Massen neuer Arten auf der Erde. Wie plötzlich genau der Vorgang war, ist umstritten, Tatsache ist aber, dass in vergleichsweise kurzer Zeit die Weichtierwelt der vendischen Fauna durch Lebewesen mit Panzern und Skeletten ersetzt wurde – Trilobiten, Krebse, Stummelfüßer, kieferlose Fische und völlig fremdartige Lebewesen wie Anomalocaris. In der kambrischen Explosion finden sich die Vorfahren praktisch aller heute lebenden Tiergruppen, von den Ringelwürmern bis zu den Wirbeltieren.
Einen Erklärungsansatz liefert dazu eine Untersuchung der University of Texas, Austin. Demnach lieferte der Aufbruch des Iapetus-Ozeans die nötigen Bedingungen für die kambrische Explosion – plötzlich gab es gewaltige flache Meeresregionen, in denen eine Vielfalt von Lebewesen gedeihen konnte. Flache Meere sind fast immer mit einer größeren Vielfalt an Arten ausgestattet als tiefe Meere, einfach weil sie abwechslungsreichere Lebensräume mit mehr möglichen Nischen für neue Arten darstellen. Tiefe Meere hingegen bestehen nur aus gewaltigen Mengen Wasser mit einem Grund so weit unter der Oberfläche, dass dort kaum noch etwas leben kann – die Anzahl der ökologischen Nischen ist dort deutlich geringer als in den abwechslungsreichen Küsten- und Flachmeeren.
Der Iapetus verschwand später wieder, als die Kontinente sich zu Pangaea zusammensetzten. An seiner Stelle entstand beim erneuten Aufbrechen des Superkontinents der Atlantik.

Kopulierende Microbrachius. Nichts zu danken. Bild: Brian Choo/Flinders University

Etwas Fischporno
Ich erhebe ja inzwischen keine Trafficdaten mehr, weil die mir nutzlos erscheinen, aber von damals, als ich noch welche analysiert habe, weiss ich, dass ich grade ein lang gesuchtes Fetisch bedienen kann: Hier bitte, fickende Fische.
Okay, ja, hier ist eine echte wissenschaftliche Entdeckung hinter. Kurz gesagt sind Penisse und ähnliche Strukturen bei Wirbeltieren deutlich älter als bisher gedacht. Microbrachius, bei denen das Organ gefunden wurde, gehören zu den ältesten Fischen mit Kiefern. Der Fund deutet an, dass Fisch zuerst externe Geschlechtsorgane für die Männchen entwickelten und die bei modernen Fischen häufige Befruchtung ausserhalb des Körpers eine neuere Erfindung ist.
Das bedeutet, dass die interne Befruchtung bei den Wirbeltieren mehrfach entstanden ist und auch mehrfach wieder abgeschafft wurde. Ja, selbst in der Paläontologie ist Sex eine komplizierte Angelegenheit, bei der man das erste Drittel des Lebens damit verbringt herauszufinden, was man eigentlich will.

Weitere neue Arten
Aus China kommt ein weiterer faszinierender Fund aus den so genannten Jehol-Fundstätten, der älteste Ornithuromorph. Die Ornithuromorpha sind jene Grupppe innerhalb der Vögel, denen alle modernen Vögel angehören. Iteravis huchzermeyeri war damit ein weiterer Zeitgenosse des Microraptor in einer Zeit, in der die Wälder Asiens von gefiederten Kreaturen nur so wimmelten.
Ebenfalls aus China kommt der erste Coelophysid aus Asien, von dem mehr bekannt ist als nur ein paar Arm- und Beinknochen. Die Coelophysiden sind relativ kleine Raubsaurier und gehörten zu den ersten Vertretern der Theropoden, jener Gruppe nahezu durchgehend zweibeiniger Dinosaurier, zu denen die Raptoren, Tyrannosaurier und die Vögel gehören. Der Neuling hat noch keinen offiziellen Namen erhalten.
Ein direkter Verwandter dieses Tieres fand sich unterdessen in Venezuela:Tachiraptor gehörte zu den ersten Dinosauriern nach dem Massensterben am Ende des Trias-Zeitalter. Die Trias ist jenes Zeitalter, in dem die Dinosaurier und Flugsaurier entstanden. In dieser Zeit lebten die ersten Dinosaurier, Flugsaurier, verschiedene Gruppen von Krokodilen und anderen Reptilien sowie die ersten Säugetiere relativ bunt gemischt auf der ganzen Welt verteilt. Am Ende der Trias kam es zu einem großen Massensterben, aus dem die Dinosaurier als „Sieger“ hervorgingen, ähnlich wie es am Ende des Zeitalters der Dinosaurier die Säugetiere taten. Der neue Fund hilft die noch immer rätselhaften Startzustände zu klären, unter denen die Dinosaurier in geologisch kürzester Zeit zu den beherrschenden Tieren auf der Erde wurden.

Schamlose Werbung
Die Zeitgenossen von Iteravis sind Thema von Schwarzer Schwinge, erhältlich bei Amazon für Kindle.
Die kambrische Explosion ist Thema des nächsten Bandes dieser Serie, Zackigen Zahnes, der grade in der Endbearbeitung ist.